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Fanfiction

Of Crimson Joy - Kapitel 2

von Nitsrek

„Das größte Hindernis, wenn man wirklich gute Beziehungen aufbauen will, ist ein Gefühl gerechtfertigter Egozentrik; ein Egoismus, der sich tief in unseren Seelen völlig vernünftig anfühlt…“ – Larry Crabb

Als Draco zum ersten Mal mit Granger auf eine Mission geschickt wurde, hätten sie sich am Ende fast gegenseitig umgebracht. Natürlich aus einem ziemlich dummen Grund. Er war schon auf zahllosen Missionen unterwegs gewesen und hatte seine persönlichen Gefühle oder die einer anderen Person nie ein Hindernis darstellen lassen. Ein Jahr war vergangen und fast alle Ordensmitglieder akzeptierten ihn – oder zumindest machte ihnen seine Anwesenheit nichts aus und sie tolerierten ihn meistens. Und er war ein guter Soldat – einer der besten. Es war nicht gerade ungewöhnlich für die Todesser der jüngeren Generation die Seiten zu wechseln, wenn sie feststellten, dass es einfach keinen Spaß machte dabei zuzusehen, wie jemand, den man schon sein ganzes Leben kannte, vor deinen Augen gefoltert und vergewaltigt wurde, nur weil er das falsche Blut hatte.

Tatsächlich war Draco von der großen Menge Todesser, die ihm in den Orden gefolgt waren, überrascht. Als wäre seine Wende für die Anderen ein Auslöser gewesen und er fragte sich, ob das nicht von vornherein der Grund gewesen war, warum der Orden ihn wollte. Vincent und Gregory kamen zuerst, dann Theodore Nott – die größte Überraschung für Draco, der den geheimnisvollen Typen immer als heimlichen Sadisten gesehen hatte. Als Pansy aus den Verliesen von Malfoy Manor kam – gefoltert, voller Blut und in der dritten Woche schwanger – wuchs die Zahl nur noch.

Mit den ganzen Slytherins, die sich beim Orden versteckten oder für ihn kämpften, fragte sich Draco, wo die Schlange in Zukunft seine jungen Anhänger herhaben würde. Aber es gab immer andere, die nur zu bereit waren die Lücken zu füllen. So genannte ‚Reinblüter’, deren Herkunft bestenfalls fragwürdig war, Halbblüter, die nach Macht strebten und die seltenen Muggel-Geborenen, die dumm genug waren um zu glauben, dass ihr Dienst gleichzeitig als Schutz galt.

Die älteren Kämpfer waren zu sehr damit beschäftigt den echten Krieg zu kämpfen, als dass sie die Unterströmung unter ihren Füßen gesehen hätten. Die Schüler, die Draco, Vincent und Gregory jahrelang gedemütigt und gequält hatten vergaben nicht so leicht. Aber Sankt Potter stellte sich auf ihre Seite und schließlich erlosch der starke Hass zu einem sanften Ekel. Es gab sogar welche, die froh waren während einem Krieg, der jede Gesellschaft in einem Wimpernschlag auslöschen konnte, Freundschaft zu finden.

Aber Granger… Granger war anders. Sie war immer noch die gleiche Übelkeit erregend freundliche, mitfühlende, strebsame Gryffindor, die sie schon immer gewesen war. Sie schlichtete Streitereien und schimpfte jeden, der vor ihren Augen gemein zu einem Neuankömmling war. Sie saß sogar manchmal einfach bei ihnen und ignorierte unverhohlen die dringend nötige Grenze, die zwischen ihnen und allen anderen gezogen war. Oder die Tatsache, dass sie einfach unerwünscht war. Und schließlich – widerstrebend – funktionierte es auch. Die anderen taten es ihr gleich. Freundschaften wurden geschlossen und wenn nicht Freundschaft, dann eben eine gewisse Akzeptanz.

Granger war die Göttin der Vergebung, jedem Slytherin gegenüber, der ihren Weg kreuzte. Für Draco war sie der Teufel. Sie motzte ihn für Kleinigkeiten an. Sie missachtete generell seine Meinung, ignorierte sie bestenfalls und kämpfte schlimmstenfalls vehement dagegen an. Je härter er versuchte nett zu ihr zu sein, desto wütender schien sie zu werden. Manchmal mussten sie sogar voneinander getrennt werden – nicht in verschiedene Zimmer, sondern in verschiedene Häuser.

Also gab Draco dem blinden, ignoranten Auror, der die Mission leitete, die Schuld daran, dass sie überhaupt zusammenarbeiten mussten. Er war sich nicht ganz sicher, wie es anfing. Es lief alles gut. Und dann verliefen sie sich (Draco wusste, dass es nicht ihre Schuld war, dass die Karte fehlerhaft war und dass sich die Landschaft im Laufe der Jahre geändert hatte und dass der Rauch vom Schlachtfeld hinter ihnen es unmöglich machte, auch nur zwei Meter weit zu sehen). Aber es war allein Grangers Schuld.

Irgendein von Erschöpfung angetriebener Kommentar darüber, dass ihre buschige Mähne vielleicht ihre Sicht versperrt hatte, führte zu der alten Frettchen-Bemerkung und plötzlich schrien sie sich mitten in einem Wald an, Flüche links, rechts, überall. Ausgerechnet der Blödmann, Longbottom, musste eingreifen, zusammen mit einem anderen Auroren, den Draco nicht kannte.

Sie wurden zu einer disziplinarischen Anhörung gerufen – was hauptsächlich bedeutete, dass Lupin sie in diesem müden, enttäuschten Ton zur Ordnung rief, was Draco nur langweilte, aber dafür sorgte, dass Granger auf ihrer Unterlippe herumkaute und aussah, als würde sie am liebsten im Erdboden versinken.

Als sie jedoch das Büro verließen, die Zauberstäbe gezogen um zu ihren jeweiligen Unterschlupfen zu apparieren, sah sie ihn zum ersten Mal seit einem Jahr an. Und nickte. Nur ein Nicken. Es bedeutete nichts. Es war sicher keine Entschuldigung dafür, dass sie sich fast gegenseitig umgebracht hatten, ganz zu schweigen davon, dass sie ihre ganze Mission aufs Spiel gesetzt hatten.

Trotzdem. Draco konnte nicht anders; ein Teil der Wut löste sich. Wenn auch nur ein kleines bisschen. Das nächste Mal, wenn sie sich treffen würden, würde er auf jeden Fall einen Kommentar zu ihrem aufgeblasenen Ton machen.

::

Sie hat ihm einen Teller an den Kopf geworfen.

Hermine verzog das Gesicht, als sich die Szene ein weiteres Mal in ihrem Kopf abspielte, und drückte ihr Gesicht in das Kissen, als ob sie damit irgendwie die Scham dämpfen könnte, die durch sie floss. Denn auch wenn sie eine gute Kämpferin war, mit einem fiesen linken Haken und einem Dutzend Flüche auf ihrer Zungenspitze, das jeden Feind um Gnade winseln lassen würde, war Hermine Granger nicht gewalttätig. Sie glaubte nicht an Gewalt. Sie beachtete sie gar nicht. Sie hatte den Großteil ihrer Schulzeit damit verbracht, Harry und Ron zu überzeugen, dass Gewalt niemals die Lösung war.

Sie war stolz darauf, eine logische, ausgeglichene Person mit einer Unmenge von gesundem Menschenverstand zu sein. Aber wenn dieser – verdammte Mistkerl – Mann in der Nähe war, geschah etwas mit ihr. Sie hatten sich gestritten – wie immer – eigentlich über etwas Dummes, und wie immer war es zu einem ausgewachsenen Krieg mutiert, mit verbalen Beleidigungen und Geschrei so laut, dass die halbe Hausbevölkerung angerannt kam um zu sehen, was los war, und die andere Hälfte – die, die schon wusste, wie explosiv ihre Streitereien sein konnten – wegblieb.

Er war äußerst ärgerlich. Er war eine verdrehte, böse, grausame, abscheuliche, schlechte, ekelhafte Kreatur und sie wünschte, sie hätte nie das Pech gehabt ihn zu treffen.

Dennoch. Einen Teller zu werfen ging vielleicht etwas zu weit.

Zum Glück war ihre Zielsicherheit selbst zu besten Zeiten schlecht und der Teller war fast harmlos einen halben Meter neben seinem Kopf an der Wand zerschmettert. Sie musste aber zugeben, dass sein Gesichtsausdruck unbezahlbar gewesen ist. Er sah aus, als könnte selbst er nicht glauben, dass die tugendhafte, krankhaft sittliche Hermine Granger sich jemals so verhalten würde.

Und nun schämte sie sich. Weil sie eine nicht gewalttätige Person war. Und weil sie trotz der Tatsache, dass ihre Handlung falsch war, nicht leugnen konnte, dass es sich einfach richtig angefühlt hatte. Es war wie damals in der dritten Klasse, als sie ihn geschlagen hatte – das gleiche geschockte Gesicht und dann dieses Aufleuchten von… etwas anderem in seinen grauen Augen. Etwas, das dafür sorgte, dass sich ihr Bauch eng zusammenzog und ihr Atem sich verfing. Denn auch wenn sie wusste, dass er ihr niemals wirklich wehtun würde – obwohl sie manchmal dachte, dass er es vielleicht doch könnte – konnte sie nicht leugnen, dass sie vor ihm Angst hatte.

Als sie also am nächsten Morgen zum Frühstück ging, war sie mehr als ein bisschen beunruhigt. Sie waren wieder in einem Unterschlupf. Einer ihrer liebsten, wenn sie ehrlich war. Nah genug am Meer um das Salz und die Algen zu riechen, aber weit genug weg um nicht immer den kränklichen Ozean auf ihrer Haut zu spüren, wenn sie nach draußen ging. Theodore Nott war bereits da, die Nase in irgendeinem Buch begraben, das Hermine ihm – wie sie erkannte – vor ein paar Tagen geliehen hatte. Parkinson war auch da.

Die zwei Mädchen tauschten einen kurzen Blick und ein Nicken, die Stille zwischen ihnen war angehaucht mit einer leichten Verlegenheit. Von all den Slytherin-Neuankömmlingen (natürlich abgesehen von Malfoy) war Pansy die unnahbarste gewesen. Das Mädchen war zu Hochzeiten mürrisch und schlimmstenfalls völlig verzogen. Anders als ihre Gefährten hatte sie nicht freiwillig entschieden beim Orden zu leben, sondern war viel mehr anhand der Umstände dazu gezwungen. Und sie stellte sicher, dass auch alle dies wussten.

Hermine summte laut in ihrem Kopf um sich von den verdrießlichen Gedanken abzulenken und schaltete den Muggel-Wasserkocher an (ein weiterer Grund, warum Parkinson die Behausungen des Ordens hasste. Sie waren angefühlt mit magischen und Muggel-Gegenständen). Über das lauter werdende Rauschen des sich erhitzenden Wassers hörte Hermine, wie sich die Tür öffnete und schloss.

Sie wusste, dass er es war, schon allein, weil der Raum plötzlich viel zu klein für sie war, um darin normal atmen zu können. Die Theke, an der sie lehnte, schien nicht mehr bequem sondern mehr wie ein Käfig – der perfekte Platz, um in die Ecke gedrängt zu werden. Sie bekämpfte den Drang zu reagieren – mal abgesehen von der instinktiven Anspannung, die kam wenn sich ein Feind näherte – und konzentrierte sich auf den vom Ruß verdunkelten Blick aus dem gesprungenen Fenster.

Wenn er seine Freunde grüßte, hörte sie es nicht. Obwohl das auch an dem beinahe taub machenden Trommeln ihres Herzens in ihrem Hals liegen konnte. Aber sie konnte praktisch jede seiner Bewegungen spüren. Ihr Verstand verfolgte ihn durch die Küche in den Vorratsraum, ihre Ohren bissen sich an dem Geräusch fest, wie er durch die Brotkiste wühlte – und sie wahrscheinlich völlig unordentlich zurückließ, trotz ihrer Anstrengungen.

Also überraschte es sie etwas, festzustellen, dass sie seine Anwesenheit trotz ihrem neu entdeckten Malfoy-Radar nicht spürte bis sein Körper nur noch Zentimeter von ihr entfernt war. Sein Arm schlängelte sich um sie und warf die Bagels in den Toaster, bevor beide Hände sich neben ihre eigenen auf die abgeschlagene Theke legten.

Sie wusste, dass der Bagel nicht für immer dort drin bleiben konnte. Sie wusste, dass letztendlich Gott, oder wer auch immer, Mitleid haben würde und das verdammte Stück Brot plötzlich auftauchen und sie befreien würde. Sie wusste es, fühlte sich aber nicht so. Sie fühlte wie jede einzelne der drei Minuten vorüberging und zählte jede Sekunde an der heißen Atemluft, die gleichmäßig durch ihr Haar wehte.

Sie knirschte mit den Zähnen. Verkrampfte ihre Hände. Weigerte sich, auch nur die kleinste Reaktion zu zeigen, die ihm auch nur einen Hauch Befriedigung geben würde. Endlich – pop! Er fing die Bagels bevor sie wieder im Toaster verschwanden und nahm einen langsamen Bissen, bevor er sich aus ihrer Distanzzone zurückzog. Hermine atmete tief und beruhigend ein. Sie würde ihm nicht, nicht, nicht die Befriedigung verschaffen und ihn anschreien, anbrüllen oder ihm auf irgendeine andere Weise zeigen, wie sehr er sie frustrierte. Sie würde sich keine Haarbüschel ausreißen oder ihn ins nächste Jahrtausend hexen.

Seine Schritte hallten leise über den Linoleumboden und sie zählte sie, wartete mit wachsender Erleichterung. Vielleicht hatte es funktioniert. Vielleicht langweilte es ihn heute, sie zu quälen. Vielleicht glaubte er ihrer Darstellung völliger Missachtung. Die Schritte hielten an der Tür an.

„Ach, Granger?“, höhnte er. „Du solltest vielleicht deine Haare bändigen, bevor du hier morgens runter kommst. Ich habe Angst, dass sie mich eines Tages erwürgen.“

Vielleicht auch nicht. Als sie schließlich herumwirbelte, eine Tasche Bagels in der Hand, schloss sich die Tür mit seinem leisen Kichern.

„Ich würde mich nicht von ihm ärgern lassen.“ Parkinsons Stimme riss sie weit genug aus ihren wütenden Tagträumen um zu bemerken, dass ihr Mund immer noch stumme Antworten formte, die er niemals hören würde. Hermine betrachtete die Slytherin misstrauisch und kämpfte immer noch damit, ihre Frustration zu kontrollieren. Parkinson warf ihr einen kurzen Blick zu und seufzte wie jemand, der einem besonders langsamen Kind ein einfaches Problem erklärte. „Draco. Ich würde mich nicht von ihm ärgern lassen.“

„Er ärgert mich nicht“, motzte Hermine.

„Klar. Vielleicht befreist du dann den Bagel aus deinem Todesgriff. Ein paar von uns essen die ganz gern zum Frühstück.“

Hermine ließ schnell besagte Tasche auf die Theke fallen, die Wangen rot vor Wut und Scham. Parkinson seufzte wieder und nahm sich zwei Tassen und das Kaffeepulver.

„Ich meine es trotzdem ernst. Er tut es nur, weil er will, dass du ihn nicht mehr hasst.“

Hermine war immer stolz darauf gewesen, dass sie Sachverhalte schnell verstand. Das hier gehörte nicht dazu. „Wie bitte?“

Parkinson zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht. Ich glaube, er denkt, dass du diese ganze Wut endlich loswirst, wenn er dich nur lang genug zur Weißglut bringt.“

„Das ergibt keinen Sinn“, murmelte Hermine und nahm abwesend die angebotene Tasse in die Hand.

„Hey, das habe ich nie behauptet. Wir sprechen hier über Draco. Wenig von dem, was er tut, ergibt für eine vernünftige Person einen Sinn. Andererseits“, fügte sie beiläufig hinzu, „würde er nicht einmal die Hälfte seiner Missionen überstehen, wenn er nicht zumindest ein bisschen wahnsinnig wäre.“

Sie machte eine Pause. Nott kicherte leise, bevor er umblätterte. Hermine dachte über Parkinsons Worte nach und runzelte die Stirn.

„Ich hasse ihn nicht.

Parkinson seufzte wieder entnervt und setzte sich zurück an den Tisch. „Sag das nicht mir. Ich bin nicht die mit dem offensichtlichen Todeswunsch.“

Hermines Stirnrunzeln wurde noch tiefer, aber ihr fiel keine passende Antwort ein, also blieb sie still und trank aus ihrer Tasse. Das böse Gesicht wurde schnell zu einer Grimasse. „Ich nehme zwei Stück Zucker in meinem Kaffee.“

Parkinson fixierte sie mit einem leeren Blick. Eine perfekt gezupfte Augenbraue hob sich zu einem zarten Bogen. „Granger“, sagte sie, „das ist mir egal.“ Aber sie trat gegen den Stuhl, der ihr gegenüber stand und nach kurzem Zögern setzte sich Hermine dorthin. Es war nur Kaffee. Ein schlechter noch dazu. Aber wer weiß? Vielleicht begannen so Freundschaften? Oder wenn auch nicht der Start einer Freundschaft, dann wenigstens das Ende einer Rivalität. Sie hatte immer gewusst, dass Ron, Harry und die Gryffindors für sie sterben würden. Vielleicht war es in der wirklichen Welt, außerhalb des gemütlichen Gemeinschaftsraumes, nicht ganz so einfach wie bei ihnen: Troll umhauen und glücklich bis ans Lebensende. Vielleicht musste es so sein, mit einer schlechten Tasse Kaffee und einer kaum freundlichen Unterhaltung.

Sie saßen und tranken lautlos ihren Kaffee; die Stille nur unterbrochen von Theos gelegentlichem Umblättern.

::

Draco war in der Hölle.

Dunkelheit umgab ihn. Dichtes, undurchdringliches Schwarz, das auf ihn drückte, drängte, quetschte und seinen Körper in eisernem Griff hielt, der ihn nach Luft ringen ließ, erstickend, bis –

Er stand allein auf einer Wiese voller Kirschbäume. Ein Teppich weicher, rosafarbener Blütenblätter liebkoste seine nackten Füße und der süße Duft, der seine Nasenlöcher füllte, reichte aus, um ihn auf seine Knie fallen zu lassen, sein Kopf legte sich zur Ruhe, nur eine Sekunde –

Metallene Objekte raten in Blitzgeschwindigkeit an ihm vorbei. Das Geräusch von Gummi, der über den harten Boden quietschte, verursachte ihm Zahnschmerzen und ließ seinen Kopf pochen. Scheinwerfer blendete ihn, ließen sein Stolpern über die Autobahn zu einem verschwommenen Weiß werden. Eine Hupe, zu laut für seinen schon schmerzenden Kopf. Er drehte sich rechtzeitig um, um einen Truck auf sich zurasen zu sehen, die beiden Lichtscheine wuchsen, bis sie sich zu einem vereinten –

Draco prustete, der bitter schmeckende Trank, der in seinen Mund gezwungen worden war, tropfte sein Kinn entlang. Ein paar Momente wehrte er sich, bis er die Zwillingsgesichter über sich erkannte, jedoch ohne den gewohnt gleichen Ausdruck spitzbübischer Freude.

„Du musst es trinken, Draco“, erklärte ihm Fred – oder war es George?

Er widerstand noch eine Sekunde, bevor er beschloss, dass – sollte das hier eine versuchte Vergiftung sein – Tod diesen Schmerzen durchaus vorzuziehen sei. Der Trank war eklig und er würgte eine Zeit lang, nachdem er geschluckt hatte.

„Was zur Hölle war das?“, keuchte er, als er merkte, dass er sprechen konnte ohne sich zu übergeben.

„Das, mein Freund, war unsere neueste Erfindung“, antwortete Fred, das Grinsen nun zurück an seinem Platz, da Draco anscheinend überlebte.

„Was ist das Letzte, woran du dich erinnerst?“, fragte George. Er hatte eine dieser merkwürdig aussehenden Muggel-Federn in der Hand, die Spitze auf das weiße Papier gesetzt. Draco schloss seine Augen gegen die Migräne, die in seinem Hinterkopf entstand, und dachte nach. Er erinnerte sich dunkel daran, in der Küche herumgelungert zu haben, in der Hoffnung, ein paar der köstlichen Muggel-Süßigkeiten, die er seit neuestem liebte (Pop Tarts oder etwas ähnlich Albernes), zu stibitzen. Auf dem Tisch hatte ein abgenutzter Stiefel gestanden und er erinnerte sich mit plötzlicher Klarheit an das starke Ziehen um seine Mitte, als er ihn berührt hatte.

„Ein Portschlüssel?“

„Ah, er denkt mit“, bemerkte Fred.

George grinste arrogant. „Wie ein Portschlüssel. Es ähnelt ihm total. Das nutzlose Objekt, das blaue Licht, das charakteristische Ziehen -“

„Es gibt nur einen wichtigen Unterschied“, unterbrach Fred.

„Und was soll das sein? Die Fähigkeit, eine Mörder-Migräne zu verursachen?“

„Nein. Obwohl uns das leid tut. Eine unglückliche Nebenwirkung, die wir noch beseitigen müssen. Es schadet dem Gehirn, wenn es so zusammengedrückt wird.“

Draco hob eine Augenbraue. Die ersten Panikanzeichen stiegen in seinem Magen auf. „Zusammengedrückt?“ Gedanken an Gehirntumore und Geschwüre und andere schrecklich komplizierte medizinische Zustände, die die Zwillinge ihm wahrscheinlich zugefügt haben, blitzten unbehaglich durch seinen Verstand.

„Keine Sorge“, sagte George eilig. „Es ist völlig sicher.“

„Wir haben nur deinen Verstand glauben lassen, dass du mit einem Portschlüssel verreist bist. Diese Orte, die du gesehen hast, die Bilder in deinem Kopf waren auch nur das – Bilder. Nicht real.“

„Es fühlte sich aber verdammt real an“, murmelte Draco und warf ihnen einen kleinen verächtlichen Blick zu. Es war schwierig an seiner Wut festzuhalten, wenn Neugier und Faszination bereits ihren Platz einnahmen. Die Migräne war bereits zu einem dumpfen Schmerz abgeklungen und sein Bewusstsein kehrte zurück, sein Interesse wuchs schnell. Er stützte sich auf seine Ellbogen und studierte den braunen Stiefel, der unschuldig bei seinen Füßen lag. Mit einem kurzen Blick auf die Zwillinge drückte er einen Finger auf die Spitze.

- ein schneebedeckter Hügel in einem Schneesturm, eine stürmische Klippe, ein Wald mit verhedderten Ästen, die nach seinem Hemd griffen, seine Haut zerkratzten -

„Ein neuer Teil unserer Folterreihe“, informierte ihn Fred, sobald Draco wieder zu Atem kam.

„Bring einen Todesser dazu, so ein Ding anzufassen und er wird in der Enge seines eigenen Gehirns gefangen sein, bis ihm jemand den Aufhebungstrank gibt.“

„Genial“, murmelte Draco und starrte den Stiefel mit neu gefundener Anerkennung an.

„Natürlich…“ Als George zögerte, sah Draco auf. Und widerstand dem Drang, zu schrumpfen. Beide Zwillinge starrten ihn unverwandt an, ein eifriges Leuchten in ihren identischen blauen Augen.

„Unsere Experimente taugen ohne einen Freiwilligen natürlich gar nichts“, fuhr Fred mit einem Schulterzucken fort.

Als George theatralisch seufzte, fühlte Draco die Alarmglocken losgehen. „Wenn wir nur jemanden hätten, der mutig genug ist, uns ein paar Stunden seiner wöchentlichen Freizeit zu opfern, um uns bei unserer noblen Aufgabe zu helfen.“

„Und warum genau könnt ihr es nicht bei einem von euch testen?“, fragte Draco.

„Das haben wir bereits. Wir werden uns nie weiterentwickeln, wenn wir keine dritte Testperson finden, an der wir beide Beobachtungen anstellen können.“

„Und nach allem, was du unserer Familie angetan hast…“

Wer auch immer behauptet hatte, dass Gryffindors nichts von Erpressung verstanden, hatte niemals die Weasley-Zwillinge getroffen. Draco wäre sogar fast soweit gegangen zu sagen, dass sie eigentlich nach Slytherin gehört hätten, wenn sie nicht so verdammt edelmütig gewesen wären. Er starrte von einem wissenden Grinsen zum anderen und realisierte zu spät, dass er direkt in ihre Falle getappt war. Es war unmöglich. Es war verachtenswert. ein Malfoy sollte Hamster für die Weasley-Blutsverräter spielen? Vergesst umdrehen – seine Vorfahren würden in ihren Gräbern herumwirbeln. Er schloss seine Augen fest gegen die Migräne, die mit plötzlichem Rachedurst zurückkehrte und atmete schwer durch seine Nase.

„Warum habe ich das Gefühl, dass ich das bereuen werde?“, fragte er. Das fast-böse Lachen, das seine Frage beantwortete, war keine Erleichterung.

::

Hermine wusste, dass sie sich auf den Kampf, der um sie tobte, konzentrieren sollte. Sie wusste, dass die Flüche, die hin und her schossen nur Sekunden davon entfernt waren, ihr Leben in einem grellen Licht zu beenden. Dennoch blieb sie starr, die Augen auf den Austausch vor ihr fixiert. Sie hatte beobachtet, wie Zabini sich Malfoy näherte, und das Wiedererkennen auf dem Gesicht des Blonden aufflackern sehen, bevor sich Entschlossenheit zeigte. Hatte wie hypnotisiert auf die gegenseitigen Flüche gestarrt, die ebenso voller Bosheit, Hass und Dringlichkeit waren wie all die anderen außen herum.

Aber dann, Zögern. Malfoy hatte seinen Zauberstab hochgehalten, die Lippen geteilt, den Fluch in der Kehle. Und dann – nichts. Kein grünes Leuchten. Gar kein Leuchten. Die zwei Männer standen sich gegenüber, kaum zwei Meter getrennt. In Zabinis dunklen Augen lag ein spekulatives Leuchten und als er den Kopf neigte, erinnerte das Hermine merkwürdigerweise daran, wie sich zwei Duellanten am Ende eines besonders befriedigenden Kampfes verbeugten. Er drehte sich auf der Stelle um und verschwand.

Malfoy starrte den Punkt lange an, anscheinend in Gedanken verloren. Dann, ohne auch nur das Anzeichen einer Pause, drehte er sich um und warf sich wieder in die Schlacht, ein unidentifizierbarer Klecks mittendrin.

Später, nachdem die Kämpfe für den Tag beendet waren und die Verletzten ins St. Mungo gebracht worden waren, suchte sie ihn auf. Der Unterschlupf, in dem sie schliefen, war so groß, dass sich meistens nur zwei von ihnen ein Bett teilen mussten. Sie hatte sich daran gewöhnt – musste sich daran gewöhnen – bei Fremden im Bett zu schlafen. Da war der komische Kerl, der versucht hatte sie rumzukriegen. Sie nahm es ihm nicht übel. Das hier war Krieg und sie war nicht mehr die naive Siebzehnjährige, die glaubte, dass Sex nur zwischen Liebenden stattfand. Für die meisten war es ein Entkommen. In einer Zeit, in der der Junge, der sieben Jahre in der Schule neben dir gesessen hatte, in einem kurzen Aufleuchten getötet werden konnte, suchte sich jeder auf seine Art Trost. Ginny hatte ihr einst gesagt, es ginge darum, einem anderen Menschen nahe zu sein ohne sich Sorgen machen zu müssen, ob derjenige am nächsten Tag umgebracht wurde. Hermine hatte ihr gesagt, dass sie das nachvollziehen konnte (konnte sie nicht).

Also war auch in jener Nacht, wie sonst auch, das Haus angefüllt mit dem leisen Stöhnen fleischlicher Aktivitäten hinter geschlossenen Türen. Und normalerweise störte sie das nicht. Sie hätte sonst ihre Augen geschlossen und ihren Kopf im Kissen vergraben und wäre eingeschlafen, bevor ihr auch nur einfiel, verlegen zu sein. Aber vor zehn Minuten hatte sie gesehen, wie Neville eine errötende Parvati in das Zimmer nebenan führte. Sie hatte genau acht Sekunden damit verbracht so zu tun, als wäre dieses spezielle Stöhnen genau wie die anderen – irrelevant und sie nicht betreffend. (Aber es waren Neville und Parvati und manche Dinge konnte man einfach nicht ignorieren, egal wie viele Kissen sie sich auf die Ohren stapelte.)

Sie überlegte, dass sie wohl die Einzige war, die sich nicht irgendwie im Bett vergnügte, während sie ihren Dufflemantel und ihre Stiefel über den Schlafanzug zog (und dabei angestrengt versuchte, Gedanken an den Grimmauld Platz und das tröstliche Umherstreifen der Weasleys, die dort auf sie warteten, zu verdrängen). Naja. Malfoy gab es auch noch. Sie war überrascht gewesen, ihn auf der Vorderveranda zu entdecken, wo er flach auf dem Rücken auf der hölzernen Hollywood-Schaukel lag. Eine Zigarette ruhte in der Hand, die über den Rand hinaus hing, sein anderer Arm lag unter seinem Kopf.

Er reagierte nicht auf das Türöffnen oder ihre schweren Stiefel auf den Holzdielen. Sie zögerte, drehte sich bereits wieder halb zum Haus um. Traf eine Entscheidung. Lehnte sich an die inzwischen geschlossene Tür, verschränkte die Arme vor der Brust und dachte über ihn nach. Sein Ausdruck war ziemlich friedlich. Es war etwas merkwürdig ihn ohne diese kalte Maske aus Gleichgültigkeit zu sehen, die seinen Gesichtsausdruck hart machte. Er sah fast zufrieden aus.

„Ich habe dich heute gesehen, weißt du?“, sagte sie und vielleicht stellte sie sich nur vor, dass er bei der Unterbrechung der Stille das Gesicht verzog. „Mit Zabini“, fügte sie hinzu, als er nicht antwortete.

„Du solltest dich besser auf den Kampf konzentrieren“, spottete er nach einer kleinen Pause. „Wir wollen doch nicht, dass dein hübscher, kleiner Kopf in Stücke gesprengt wird, nur weil du nicht aufgepasst hast.“

„Warum hat er dich so gehen lassen? Oder besser gesagt: Warum hast du ihn gehen lassen?“

„Vielleicht hatte ich meinen wohltätigen Tag. Er war immer ein schrecklicher Kämpfer gewesen, der arme Kerl.“

„Das scheint mit eine sehr kameradschaftliche Sichtweise des Feindes zu sein.“

Er stand auf den Beinen bevor sie auch nur verarbeitet hatte, dass er sich überhaupt bewegt hatte. Sein Zauberstab lag fest umklammert in seiner Hand, aber die angriffslustige Spitze war nutzlos auf den Boden gerichtet. Sie richtete ihren auf seinen Kopf. Nach einem angespannten Moment verzogen sich seine Lippen zu einem Grinsen.

„Siehst du, Granger“, sagte er, verräumte seinen Zauberstab und legte sich wieder hin. „Seit einem Jahr stehen wir auf der gleichen Seite, aber trotzdem würdest du ohne Zögern deinen Zauberstab auf mich richten.“

„Ich vertraue dir nicht.“

Für eine Sekunde wirkte er ernüchtert. Ihre Blicke verhakten sich. „Gut. Solltest du auch nicht.“ Der Moment ging vorüber. Hermine verlagerte ihr Gewicht, verunsichert durch die plötzliche Intensität, die in seine Augen getreten war. Aber dann war sie weg und sein Ausdruck war fast sehnsüchtig. „Wenn du morgen die Seiten wechseln würdest, würdest du freiwillig dein kostbares Wiesel töten? Oder den Jungen, der verdammt nochmal nicht sterben wollte?“

„Ich würde sie nie hintergehen.“

Er hob seinen Blick wieder. „Das weißt du vorher nie. Du weißt nicht, was es braucht, um dich zur Mörderin werden zu lassen. Niemand wurde mit der Fähigkeit oder dem Wunsch, zu töten, geboren. Niemand kommt auf diese Welt und fühlt nur Hass. Es ist etwas, das wir lernen.“

„Hass ist nicht gelernt. Er wird durch die Worte und Aktionen anderer in deinen Körper gepflanzt“, sagte Hermine. Sein Grinsen verwirrte sie.

„Was für eine fromme, kleine Gryffindor. Ich frage mich, ob du überhaupt weißt, was richtiger Hass ist.“

„Ich hasse dich“, sagte sie wahrheitsgemäß. Sein Grinsen blieb unverändert.

„Daran zweifle ich nicht.“ Er hob die Zigarette an seine Lippen, inhalierte tief, Rauch drang in Wirbel durch seine Lippen wie der Atem eines Drachen. „Setz dich, Granger.“

Die einzige Sitzgelegenheit war die, auf der er sich derzeit ausstreckte. „Nein, danke.“

„Willst du mir zuhören oder nicht?“ Sie zögerte. Er warf ihr einen leicht amüsierten Blick zu. „Granger. Setz. Dich.“

Sie hob ihr Kinn um zwei Zentimeter, sammelte ihre Würde wie einen Mantel um sich und setzte sich bei seinen Füßen auf die Kante der Bank, wobei sie seinen schlammigen Stiefeln einen angewiderten Blick zuwarf. Er grinste wieder, drehte sich so, dass sie sich besser hinsetzen konnte, und betrachtete sie nachdenklich, während sie versuchte es sich bequem zu machen ohne irgendeinen Teil seines Körpers mit ihrem zu berühren. Als sie fertig war, bot er ihr die Zigarette an.

„Hast du keine neue?“, fragte sie und rümpfte die Nase bei der Aussicht, ihren Mund auf etwas zu platzieren, was vor Sekunden noch in seinem Mund gewesen war.

„Eingeteilt, Granger. Es war schon schwer genug, eine Packung zu bekommen. Hör auf so prüde zu sein und nimm einen Zug.“

Sie warf ihm einen empörten Blick zu, nahm die Zigarette aber trotzdem und genoss das vertraute Kribbeln, als das Nikotin in ihr System eindrang. Ihr eigener monatlicher Vorrat war seit Wochen leer und sie hatte bis jetzt nicht realisiert, wie sehr sie eine brauchte. Als Draco anfing zu sprechen, die Zigarette wieder in seinem Besitz, war ihr Ärger soweit verflogen, dass sie langsam interessiert war.

„Du bist ein Einzelkind, stimmt’s, Granger?“

„Du auch“, antwortete sie schnell, unsicher, warum es sich für sie wie eine Beleidigung anhörte. Aber Draco schüttelte einfach den Kopf.

„Wenn du ein Reinblut bist, bist du nie ein Einzelkind. Wir sind eine aussterbende Rasse, Granger. Wirklich reinblütige Familien sind selten, wenn nicht sogar nicht-existent. Wir haben alle Halbblüter und Squibs und die skandalöse Eheschließung mit einem Muggel irgendwo in unserem Stammbaum. Du siehst überrascht aus.“

„Überrascht, dass du das zugibst“, gestand Hermine. Er zuckte mit den Schultern.

„Egal was du denkst, ich bin nicht mehr der kleine, aufgeblasene Junge.“

„Du bist immer noch ein Mistkerl.“

„Ich bin immer noch ein Mistkerl“, stimmte er zu und grinste. Er nahm einen langen Zug. Gab ihr die Zigarette zurück. Sein Ausdruck wurde grüblerisch. „Wir sind alle zusammen aufgewachsen – Pansy, Crabbe, Goyle, Theo – ich könnte mich nicht erinnern, dass sie jemals nicht zu meinen - wenn nicht Freunden, dann Bekanntschaften – zählten. Aber Blaise und ich – wir waren wie Brüder. Wir hatten die gleiche Amme. Wir sind sprichwörtlich zusammen aufgewachsen. Irgendwie sind sein Blut und meins dasselbe.“ Seine Lippen formten ein amüsiertes Lächeln. „Meine Mutter hatte immer gesagt, wir wären wie siamesische Zwillinge. Schon immer haben wir zusammen Chaos angerichtet – und haben eine Rekordzahl von Kindermädchen hinter uns gebracht.“

Für eine lange Zeit war er still und nahm die Zigarette mit einem kurzen Blick an. Als er wieder sprach, war seine Stimme ruhiger, wenn auch immer noch etwas kühl. „Wir sind Brüder. In unserer Kindheit, in Hogwarts, im Krieg. Das wird sich nie ändern. Ich könnte ihn nie töten. Es würde mich zerstören.“

Stille trat ein und dehnte sich aus. Hermine drehte sich so, dass ihr Rücken an der hölzernen Armlehne ruhte, die Knie bis zur Brust angezogen. Wenn Malfoy ihre offenkundige Beobachtung bemerkte, sagte er nichts dazu und sein Gesicht blieb so undeutbar wie eh und je.

„Warum erzählst du mir das?“ Ihre Stimme schien zu laut in der Stille der Nacht und sie zog eine Grimasse. Er antwortete nicht sofort. Die Bank schaukelte, als er sich aufsetzte und auch seine Knie zu sich zog, seine Pose eine Parodie ihrer eigenen. In seinen Augen lag eine tiefe Bedeutung, die sie nicht einordnen konnte, so sehr sie es auch versuchte.

„Weil“, sagte er schließlich, „ich will, dass du verstehst warum ich ihn heute nicht getötet habe. Ich will, dass du verstehst weshalb – sollte die Situation jemals auftreten – ich nicht in der Lage sein werde, dich vor ihm zu beschützen.“

Sie hielt seinem Blick stand. Widerstand dem wachsenden Drang, zu blinzeln. „Ich brauche deinen Schutz nicht.“

„Was brauchst du dann, Granger?“ Die Frage, so leise gestellt, überrumpelte sie und deshalb gab sie der Frage auch die Schuld an der Antwort, die so bereitwillig von ihren Lippen schlüpfte.

„Die Wahrheit.“ Sie verzog das Gesicht und blickte hinaus auf den Garten, den sie in der Dunkelheit nicht sehen konnte. „Du willst, dass ich dich nicht mehr hasse. Ich will dich nicht mehr hassen. Aber ich… Ich werde aus dir einfach nicht schlau. Du bist immer so gleichgültig. Ich kann dich nicht einschätzen.“

„Immer die Antwort auf alles haben wollen, was, Granger?“ Sein Ton war neckend, jedoch auch etwas kalt. Sie seufzte. Zwang sich seinen Blick zu treffen.

„Wenn das hier funktionieren soll, muss ich dir vertrauen können.“

„Und mein Versprechen, dass du das kannst, wird alle Probleme lösen? Wohl eher nicht, Granger.“

„Nein“, stimmte sie mit einem Schulterzucken zu. „Aber es würde helfen. Es ist wie mit dem Troll in der Toilette.“

„Wie bitte?“

Sie winkte ablehnend mit der Hand. „Nur ein Sprichwort. Alles hat irgendwo seinen Anfang. Oder besser gesagt: Jede Rivalität hat ein Ende. Ich behaupte nicht, dass es von hier an nur noch Sonnenschein und Rosen geben wird. Aber es ist besser als dir Teller an den Kopf zu werfen.“

Sie erwartete, dass er sich über sie lustig machte oder zumindest über ihre Gryffindor-Vorgehensweise schimpfte. Als es ihr jedoch gelang, ihren Blick von ihren schwitzenden Händen zu heben, sah er nachdenklich aus, keine Spur von Belustigung um seinen Mund. Drei Sekunden vergingen. Sechs.

„Keine Lügen“, sagte er.

„Keine Lügen“, wiederholte sie.

Er nickte. Nur eine leichte Bewegung mit dem Kopf. Ein Zentimeter hoch, einen runter. Es bedeutete nicht zwangläufig eine Veränderung. Es bedeutete eigentlich gar nichts. Aber ein Teil der Anspannung verließ ihren Magen. Und als die Zigarette nur noch ein Stummel war hatte sie vergessen, dass es ihr etwas ausmachte, dass seine Beine ihre gerade so berührten oder dass er egoistisch den letzten Zug nahm statt ihn ihr anzubieten. Sie lehnte ihren Kopf zurück und suchte nach ihren Lieblingssternen. Sie verkniff sich ein Kichern und ignorierte den verwirrten Blick, mit dem er sie bedachte.


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Elisabeth Sparrer, Abendzeitung