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Fanfiction

Of Crimson Joy - Kapitel 4

von Nitsrek

::

Glaube niemals, dass Krieg, egal wie notwendig oder wie gerechtfertigt, kein Verbrechen wäre. ~Ernest Hemingway

::

Das erste Mal, das er sie weinen sah, war circa ein Jahr und sechs Monate nach jener ersten schicksalhaften Nacht im Grimmauld Platz. Sie waren in irgendeiner Bruchbude, die definitiv zu klein war um ihre über dreißig Teammitglieder zu beherbergen. Zur Hölle mit der Ritterlichkeit – der Kampf um die wenigen verfügbaren Betten war brutal, die meisten Leute waren gezwungen, sich eins zu teilen. Draco hatte das Glück, mit Pansy zusammenzustecken (er würde lieber auf dem Boden schlafen, bevor er noch einmal gegen Nevilles tierische Schnarchlaute ankämpfen musste). Theo hatte nicht so viel Glück, er erwischte eine Frau, die doppelt so alt war wie er (und doppelt so breit) und die anscheinend im Schlaf nach ihrem Geliebten schrie. Er war sich nicht sicher mit wem Granger ursprünglich zusammengewürfelt worden war, aber am dritten Tag erschien die jüngste Weasley und natürlich wurde ihr durch irgendein unausgesprochenes Gesetz (wahrscheinlich weil sie Potters zukünftige Ehefrau war) sofort ein Bett zuteil.

Draco glaubte, Granger noch nie so albern aufgeregt gesehen zu haben seit damals, als McGonagall beschlossen hatte, sie in Verwandlung ein Jahr früher auf ZAG-Level zu stufen. Sie erstickte Ginny in einer knochenzermalmenden Umarmung, anscheinend zu aufgezehrt von ihrer Fröhlichkeit über die Wiedervereinigung um die fehlende Erwiderung der anderen Frau zu bemerken. Und als sie es bemerkte, zog sie ihre Nummer trotzdem durch, nahm die Gleichgültigkeit und die kühlen Bemerkungen nicht ganz so ernst (sie vertraute später Pansy an, dass sie glaubte, Ginny wäre vielleicht etwas depressiv. So ging es ihnen allen und das Beste wäre, sie am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen und ihr wieder Arbeit zu geben). Ginny konnte mit dem Tod und den Sterbenden nicht umgehen. Also würde Granger für sie beide damit fertig werden.

Für fast fünf Wochen stand Draco in den Schatten und beobachtete das Affentheater – sah wie Grangers Lächeln bei einer kühlen Bemerkung von Ginny nur ein bisschen verrutschte, bevor es wieder breit und leuchtend war und sie mit einem scheinbar endlosen Geduldsfaden weitermachte. Ihre Hauptbeschäftigung war ‚Weaselette-Reparieren’, wie Pansy es hinter ihrem Rücken nannte (Draco glaubte, sie war wirklich ein wenig eifersüchtig), während der Rotschopf wie ein Gespenst durch das Haus wanderte, die Augen groß und abwesend, wenn sie nicht wütend aufblitzten. Granger war wahrscheinlich die Einzige, die nicht realisiert hatte, dass die Weaselette früher oder später durchdrehen würde.

Draco war nicht da, als es losging. Er, wie auch ein paar andere, hatte sich nur magisch von der Küche angezogen gefühlt, als der zweite Teller mit der Wand kollidierte und Ginnys Schreie noch drei Häuserblöcke weiter zu hören waren. Sie tobte. Für einen atemberaubenden Moment erinnerte sie Draco schmerzlich an seine Tante Bella, wenn sie wütend war. Und Granger stand nur da und ließ es über sich ergehen. Nickte sogar, als wäre alles allein ihr Fehler.

„Ich verstehe, dass das für dich schlimm ist, Ginny“, sagte sie in ihrer ärgerlich gelassenen Schulsprecher-Stimme. „Aber es war zu deiner eigenen Sicherheit. Jeder weiß wie wichtig du Harry bist und wenn -“

„Oh, ich bin also wichtig?“ Ginny war hysterisch, ihr schrilles Lachen ließ Draco das Gesicht verziehen, bevor er etwas dagegen tun konnte. „Ist das der Grund, warum ich seit über einem Jahr nichts von ihm gesehen oder gehört habe? Ist das der Grund, warum jeder von mir geschriebene Brief ungeöffnet zurückkommt? Oder warum ich mich dem Grimmauld Platz nicht auf hundert Meilen nähern darf? Weil ich ihm so verdammt wichtig bin?“ Sie wartete nicht auf eine Antwort und Granger schien nicht bereit, sie zu stoppen. „Liegt es daran, dass er mich so verdammt liebt?“

„Er liebt dich! Wir lieben dich alle, Ginny! Er macht sich nur Sorgen um dich.“

Das Lachen der Rothaarigen war ein bitteres, humorloses Beller. Ihre Stimme wurde gefährlich leise. „Ihr alle liebt mich. Warum erzählt ihr mir dann nicht von eurem kleinen Projekt? Wenn ihr mich alle so sehr liebt, warum sagt ihr mir nicht, wohin Dumbledore euch aus seinem Grab heraus schickt, während der Rest von uns immer mit der Frage zurückbleibt, ob ihr diesmal wirklich nicht zurückkommt?“

Draco beobachtete die fast instinktive Reaktion in Granger sehr interessiert. Ihr Gesichtsausdruck verschloss sich, ihr Mund klappte zu, eine lässige Gleichgültigkeit wusch über ihr gesamtes Wesen. Ein Anblick, den er erst einmal gesehen hatte, bei einem Ordensmitglied, das Voldemort zur persönlichen Befragung hatte rufen lassen. Der Mann war mit einem Schrei auf den Lippen gestorben. Ginny lächelte höhnisch, nicht überrascht von ihrer Antwort.

„Das dachte ich mir. Sag mal, Hermine“, sie machte einen langsamen Schritt vorwärts und ihre gedehnte Sprechweise reichte jedem Slytherin das Wasser, „was muss ein Mädchen tun, um im bekannten Trio zu bleiben? Was könnte möglicherweise das Interesse zwei junger Männer so lange aufrecht erhalten?“

Granger atmete hörbar ein und schwankte, als ob jemand sie geschlagen hätte. „Ich werde so tun, als hättest du das nicht gesagt, Ginny. Weil ich weiß, dass du es nicht so meinst.“

„Oh, habe ich etwa einen wunden Punkt erwischt? Es ist wirklich nicht schwer, es sich vorzustellen. Du hast bereits ein Drittel des Trios gefickt, warum nicht auch noch die andere-?“

„Was in Merlins Namen geht hier vor?“ Während Shacklebolt die Umgebung in sich aufnahm - das zersplitterte Porzellan, Grangers erschütterten Zustand, die Tränen auf Ginnys Wangen – hatte Fred bereits den Raum mit drei großen Schritten durchquert, Ginny fest an seine Brust gezogen, ihr Gesicht an seinen Pullover gepresst, in der Hoffnung die brutalen Worte aufzuhalten, als wäre noch kein Schaden eingetreten. Als würde Granger nicht dastehen als ob sie gerade zugeschaut hätte, wie ein enger Vertrauter vor ihren Augen zusammenbricht und verschwindet. Ginny schluchzte nun, fiel geradezu gegen ihren Bruder und er stolperte rückwärts um nicht unter ihrem Kummer zu stürzen.

„Ist schon okay, es ist nichts.“ Grangers atemlose Stimme, gepaart mit den hysterischen Schluchzern der Rothaarigen vor im, ließ Shacklebolt auf eine Art seufzen, die Draco denken ließ, dass es vielleicht gar kein Zufall war, dass Ginny ausgerechnet in diesen Unterschlupf gekommen war.

„Ich habe von Anfang an gesagt, das hier ist keine gute Idee“, grummelte er und sein Blick war auf Fred gerichtet. „Ich werde nicht meine Soldaten attackieren lassen, nur weil deine kleine Schwester überemotional ist.“

„Mir geht es wirklich gut, Kingsley.“ Grangers Kommentar wurde großteils ignoriert, übertrumpft von dem Starrduell zwischen den beiden Männern. Fred gab zuerst nach, sein Blick fiel auf den Küchentisch. Shacklebolt nickte.

„Ich will, dass sie in einer Stunde fertig und alles gepackt ist. Keine Ausreden, Weasley. Und ihr!“ Der Großteil der Menge hatte sich schon verzogen, als sein zerknitterter Blick in ihre Richtung geschwungen ist. „Sucht euch etwas anderes zu tun, bevor ich euch Aufgaben gebe!“

Draco erhaschte eine Stunde später einen Blick auf Granger. Sie standen im Flur, Ginnys Taschen gepackt und in ihren Armen, Shacklebolt streng an ihrer Seite. Sie sah ungefähr so aus wie bei ihrer Ankunft – teilnahmslos, die Augen verklärt, ihre Haut zu blass für das warme Leuchten ihrer haare. Sie reagierte nicht auf Grangers Umarmung oder Freds Abschiedsworte. Als Granger das Zimmer verließ, einen tröstenden Arm um Freds Taille, war sie ein Musterbeispiel an Selbstbeherrschung und mütterlicher Zärtlichkeit.

Erst sehr viel später suchte Draco sie auf. Sie bemerkte seine stille Anwesenheit auf der Veranda nicht sofort, vielleicht passte die Dunkelheit zu sehr zu der Farbe seines Umhangs. Sie kämpfte mit dem Muggel-Feuerzeug, auf das sie immer bestand und wegen dem er sie hänselte (warum dieses lächerliche Plastikding mit sich rumtragen, wenn ein einfacher Zauber ausreicht?). Ihre Hände zitterten und vielleicht war das der Grund, warum sie es nicht schaffte, eine Flamme zu erzeugen. Er betrachtete die Szene distanziert von seinem Platz in den Schatten für fast drei Minuten bevor er den ersten Schritt auf sie zu machte. Sie ließ ihn ihre Zigarette anzünden und als sie den ersten Zug genommen hatte, waren ihre Augen trocken, das einzige Anzeichen ihres kleinen Zusammenbruchs ihre zitternden Hände und das kaum merkliche Schaudern bei jedem Atemzug.

Draco gab ihr Zeit sich zu erholen, bevor er einen Kommentar über ihre an diesem Abend besonders wilden Haare machte. Das geizige Miststück weigerte sich, den Rest der Kippe zu teilen.

::

„Weißt du, was mir fehlt?“

„Heißes Wasser, das nicht nach einer Stunde alle ist?“

„Quidditch.“

Hermine hörte auf ihre Haare abzutrocknen und sah Fred naserümpfend an. Er grinste, die Hände im Nacken gefaltet, die Beine über den Rand des engen Betts baumelnd.

„Komm schon. Du bist eine Hexe – wie kannst du Fliegen schon so hassen?“

„Ich hasse Fliegen nicht“, korrigierte Hermine, die Stimme dumpf von dem Handtuch, mit dem sie wild über die zerzausten Locken rieb, die ihre Haare waren. „Ich kann auf einen Besen steigen und schweben. Ich mag nur die sechs Meter über dem Erdboden nicht.“

„Angsthase.“

„Es ist einfach gesunder Menschenverstand. Schwerkraft gibt es aus einem Grund. Wenn Gott gewollt hätte, dass wir fliegen, hätte er uns Flügel gegeben.“

Sie zankten weitere zehn Minuten albern herum, bis Hermine schließlich Waffenstillstand erklärte und ihn aus ihrem Raum schickte. Sie schlief mit dem Entschluss ein, mindestens drei Tage nicht mit ihm zu sprechen, weil er sie ein alles wissendes Weichei genannt hatte. Sie bekam jedoch nie eine Chance, ihre Konsequenz zu testen, denn als sie am nächsten Morgen aufwachte, war er mitten in der Nacht auf eine Mission beordert worden und sie verbrachte stattdessen die nächste Woche krank vor Sorge.

::

In der vierten Woche nach Angelinas Tod brachten sie George weg. Es war nicht der dramatische Abgang seiner Schwester zwei Wochen zuvor. Lupin kam statt Shacklebolt, mit einem Haufen Versicherungen, dass sie mit George in Kontakt bleiben würden, dass er bei Ginny sein würde und dass sie sich an einem sicheren Ort erholen könnten. Fred lächelte seinen Zwilling, der nicht mehr so identisch mit ihm war, breit an, zog ihn in eine einarmige Umarmung und schickte ihn mit dem Auftrag los, ihre Schwester wütend zu machen.

Als er um drei Uhr morgens in die Küche wanderte, die Augen rot vor Schlafmangel, sagte Draco nichts um ihn zu trösten. Er griff nur unter das Spülbecken und enthüllte den Notfall-Vodka, schenkte mit ruhiger Hand in zwei Gläser ein. Sie tranken bis die Flasche leer war und die Sonne den Himmel bestrahlte.

::

Trotz den gegenteiligen Beweisen war Draco nie gerne auf dem Schlachtfeld gestanden. Er war ein guter Soldat. Er konnte gut kämpfen und doch einen klaren Kopf behalten. Er wüsste, wann man sich zurückzog und wann man einen Angriff wagte. Seine Reflexe hatten ihn während seiner Todesser-Tage berühmt gemacht. Aber egal in wie vielen Bruchbuden er lebte oder wer ihn auch umgab, er war ein Reinblut – ein Malfoy. Und manche Dinge waren so tief in einem verankert, dass man ihnen nicht entkommen konnte.

Er würde immer ein listiger Slytherin sein, der besser in den Untergrundbereichen des Krieges wie zum Beispiel bei Mordanschlägen und Spionage agierte. Er mochte diese Flut aus Angst und Adrenalin nicht, die seine Sinne in jenen wenigen wichtigen Sekunden überwältigte, bevor es in den Kampf ging. Er mochte nicht die Schreie seiner gefallenen Kameraden überall um sich hören und dabei nicht in der Lage sein zu sehen, ob es jemand war, der ihm wichtig war, weil von überall her Flüge auf ihn zurauschten und er noch nicht bereit war für einen von ihnen zu sterben.

Er mochte nicht die Gesichter derer, die er einst als Freunde betrachtet hatte sehen, bleich und blind, an einen Ort gegangen von dem er betete, dass er ihn noch nicht so bald betreten würde.

Sein zweites Aufeinandertreffen mit Blaise fand statt ohne dass die Hitze des Moments seine Sinne trübte oder Flüche an seinem Kopf vorbei flogen. Sie hatten gewonnen – ein kleiner Sieg mit großen Verlusten auf beiden Seiten. Aber trotzdem ein Sieg. Er war durch den Wald gelaufen, auf dem Weg zurück zur angegebenen Apparier-Stelle. Als er sich der Präsenz, die ihm folgte, bewusst wurde, hatte er die Richtung geändert und sich tiefer und tiefer durch die Bäume gekämpft, bis er nur noch nach links treten konnte und verschwand.

Er beobachtete wie der Todesser in sein Blickfeld trat, die Maske glänzend in dem gesprenkelten Sonnenlicht, das durch das dicke Blätterdach fiel. Sein schwarzer Umhang war zerrissen und Draco erhaschte einen blick auf eine blutige Wunde in der ansonsten makellosen, dunklen Haut. Er lehnte sich gegen den Baum zurück, die Arme vor der Brust verschränkt. Zauberstab locker zwischen den Fingern.

„Du solltest dir echt eine andere Schneiderin suchen“, rief er, seine Stimme im Dickicht seltsam leise. „Du siehst etwas schäbig aus.“

„Seitdem Madame Malkin untergetaucht ist, geht alles den Bach runter“, antwortete Blaise. Seine Maske verschwand mit einer flüchtigen Zauberstabbewegung. Er lächelte als Draco schließlich vortrat. „Du siehst schrecklich aus.“

„Ich erinnere mich wehmütig an die alten Tage mit Straußenfederkissen und Laken aus ägyptischer Seide.“ In seiner Stimme lag kein Humor und Blaises Lächeln verblasste schnell. Beide Männer sahen sich einen Moment nachdenklich an, die Luft merkwürdig still nach dem langen Kampf.

„Was tust du, Draco?“ Die Frage, so leise, war ein Kontrast zu dem scharfen Glitzern in seinen Augen.

„Was wir alle von Anfang an hätten tun sollen“, antwortete Draco. „Sag schon. Ist es befriedigend, die ganze Zeit der Schoßhund dieses Wahnsinnigen zu spielen? Sich selbst in die Schusslinie zu bringen, während er nur auf seinem Manor sitzt?“ (Meinem Manor).

Verwirrung flackerte in Blaises Gesicht auf und seine Augen suchten die Lichtung ab, als ob sie erwarteten etwas zu finden. Er trat einen vorsichtigen Schritt vor und schloss langsam die Distanz zwischen ihnen. „Draco, ich bin’s. Wir kennen uns schon ewig. Es ist niemand sonst da. Du kannst hier ehrlich mit mir sprechen.“

Nun war Draco verwirrt. „Wovon sprichst du? Ich kann überhaupt nicht mit dir sprechen! Ich ertrage es kaum, dich anzusehen!“ Seine Stimme war irgendwann lauter geworden und er schrie nun, die Fäuste frustriert geballt. „So sollte es nicht sein! Sie haben uns angelogen, Blaise! Es geht hier nicht um Ehre und den Erhalt der Magischen Welt. hier geht es um das Abschlachten von Tausenden und Millionen unschuldiger Menschen. Menschen, mit denen wir zur Schule gegangen sind, die mit uns aufgewachsen sind – wie wir, mit Eltern und der Sorge um gute Noten und der Frage, ob sie es ins Quidditchteam schaffen oder nicht!“

„Sie sind nicht wie wir!“, spie Blaise, Ekel in den Augen. „Sie sind Abschaum! Dreckige Schlammblüter, die uns lieber ruiniert und am Boden zu Füßen der Muggel-Welt liegen sehen würden, obwohl wir ihnen überlegen sind!“

„Es sind unschuldige Menschen! Tötest du gerne Frauen und Kinder? Der Blaise, den ich kannte, glaubte daran die Schwächeren zu beschützen!“

„Und der Draco, den ich kannte, glaubte daran eine bessere Zukunft zu schaffen. So wird es kein Ende geben. Der Krieg wird nie enden, die Kämpfe werden nie enden, das Sterben wird nie enden. Er wird nicht aufgeben, bis jeder einzelne von ihnen zerstört ist.“ Er hielt inne, ein Teil des Ärgers wich aus seinem Gesicht und machte einer besorgten Vorsicht Platz. „Was ist mit dir passiert? Ich erkenne dich fast nicht mehr wieder.“

„Ich weiß nicht, Blaise“, sagte Draco, dessen Wut auch nachließ und nur eine starke Erschöpfung zurückließ, die in seine Knochen sickerte und ihm plötzlich das Gefühl gab, viel älter als einundzwanzig Jahre zu sein. Er lehnte sich gegen den Baum und hob seine Finger an die Schläfen. „Ich will, dass alles wieder leicht wird. Ich will, dass es einen Sinn ergibt. Aber… naja, du warst damals da, als ich verbannt wurde. Du hast gesehen, was passiert ist.“

Wieder zog Verwirrung seine Mundwinkel nach unten. „Wovon sprichst du? Das ergibt keinen Sinn.“ Er schüttelte seinen Kopf, aber diesmal lag keine Frustration hinter seinen Gesten. „Du veränderst dich. Jedes Mal, wenn ich dich sehe, ist es deutlicher. Erzähl mir nicht, dass Potty und seine schmutzigen Freunde dich tatsächlich bekehrt haben.“ Sein schwacher Versuch Humor zu zeigen war umsonst. Dracos Blick hob sich zu einem Punkt über seiner linken Schulter.

Trotzdem übersah er die leichte Veränderung in Blaises Gesicht nicht – die kalte Maske aus Gleichgültigkeit, die problemlos an ihre Stelle schlüpfte. „Oh. So ist das also. Erzähl mal, Draco, sammelt ihr euch nachts alle um ein Lagerfeuer und weint darüber, wie rechtschaffen ihr seid? Hältst du Potter und das Wiesel im Arm, wenn sie darüber schluchzen wie schwer ihre Leben sind? Haben sie dir verziehen und dich umarmt wie einen Bruder?“ Das letzte Wort spie er mit genug Bosheit aus, dass Draco die Grimasse zurückhalten musste, die sich anbahnte.

„Sie haben mir nie vergeben. Nicht wirklich.“ Er hatte es nie von ihnen verlangt.

„Was ist dann der Grund? Sicher nicht das dreckige Schlammblut?“ Die Luft zwischen ihnen war angespannt. Diesmal verzog das Ekelgefühl seinen Mund und ließ seine Augen groß werden. Er stolperte unter dem Gewicht des Wortes zurück und später würde Draco sich fragen, welcher Gehirnwäsche er unterzogen worden war, dass der Gedanke an ein Mädchen ihn sprachlos machte und über seine eigenen Füße stolpern ließ. „Merline, Draco! Von all den dummen, selbstmörderischen Dingen -“

„Es ist nicht, wie du denkst.“ Es ist genauso, wie du denkst.

„Was denn dann? Es fällt mir nämlich verdammt nochmal ziemlich schwer mir vorzustellen, wie eine Frau lebenslange Ansichten einfach ändern kann.“

Draco schluckte. Weil es ihm auch verdammt nochmal ziemlich schwer fiel. „Wir sind nicht mehr in Hogwarts. Wir sind keine Kinder, die alberne Machtspielchen spielen.“

„Oh, das hier ist kein Spiel, Draco, sei dir da sicher.“ Er drehte sich weg, nur um Sekunden später wieder herumzuwirbeln. „Bei dir liegt es immer an den Frauen! Ich meine, Merlin, es war eine Sache, damals in der Schule wegen Pansy unsere Freundschaft zu riskieren. Aber das? Du lässt eine minderwertige Hexe zwischen uns kommen?“

Hinter der Wut und dem Ekel war aufrichtige Sorge und Panik verborgen und deswegen hielt Draco den Mund und lockerte seine Hand um den Zauberstab. Stille entstand und hielt sich. Die Hitze in Blaises Blick reichte nicht aus, um Draco zum Blickkontakt zu bewegen.

„Ich muss gehen“, sagte er schließlich und stieß sich vom Baum ab.

Er erwartete fast, dass Blaise ihn aufhielt. Oder verfluchte, oder schlug oder verlangte, dass er stehenblieb und die Sache ein für alle Mal zu Ende brachte. Jedenfalls etwas anderes als diese kalte, verdammende Stille. Aber Blaise sprach erst, als er schon lange an ihm vorbei war und selbst dann wollte er ihn nicht zurückhalten. „Das wird nichts Gutes bringen, Draco. Denk dran. Du willst sie ficken? Okay. Das ist deine Angelegenheit. Jeder ist manchmal gern pervers. Wir brauchen alle unsere Hobbys. Aber belass es dabei. Und wenn du dich wirklich soweit getäuscht hast, dass du glaubst, sie bedeutet dir etwas, dann tu dir den Gefallen und lass sie in Ruhe. Weil es nur ihren Tod bedeutet, wenn sie sich mit dir einlässt.“

Er verschwand in den Schatten bevor Draco auch nur daran dachte seinen Zauberstab zu ziehen oder sich über die heftige Reaktion zu wundern, die seine Worte hervorriefen.

::

„Ist es schwierig?“

Hermine beobachtete Draco schon, also sah sie das typische verärgerte Zucken seiner Augenbraue, das er immer zeigte, wenn sie die Stille der Nacht durchbrach. Sie bedauerte ihre Frage jedoch nicht. Am Ende antwortete er ihr immer.

„Ist was schwierig?“, fragte er eher gelangweilt als genervt.

„Hier sein. Mit uns. Dem Orden, meine ich.“

„Es gibt inzwischen nicht mehr so viel Feindseligkeit mir gegenüber“, antwortete er nach einer Pause. „Das macht es leichter.“

„Aber fühlt es sich für dich nicht irgendwie falsch an?“ Seine Augen waren nun offen und starrten sie mit mehr als milder Verwirrung an, die Verärgerung zeigte sich immer noch in seinen Mundwinkeln. Sie runzelte die Stirn, unsicher, wie sie ihre derzeitigen Gedanken in Worte fassen sollte. „Es ist irgendwie… für mich gibt es nur das hier. Richtig und falsch, Gut und Böse. Dunkelheit und Licht. Ich wusste schon immer, zu welcher Seite ich gehören würde, wenn die Grenze gezogen wird. Ich kann mir einfach nicht vorstellen… zu wechseln.“

Seine Augen waren wieder zu und sie überlegte, dass sie ihn vielleicht mehr als sonst genervt hatte, weil es so lang dauerte, bis er antwortete. Als er schließlich sprach, fehlte seinem Ton das Gedehnte, stattdessen sprach er mit einer seltenen Sanftheit. „Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Männer und Frauen sind nur Schauspieler. Sie haben ihre Abgänge und ihre Auftritte. Und jeder spielt viele verschiedene Rollen.“

„Du kennst Shakespeare?“ Deutlicher Schock schwang in ihren Worten mit und der Blick, den er ihr zuwarf, war fast empört.

„Natürlich kenne ich Shakespeare.“

„Ich dachte nur…“ Sie zögerte, weil er schlecht gelaunt war, seit er von seiner Mission zurückgekehrt war und sie an diesem Abend nicht mit ihm streiten wollte. Aber es war zu spät. Er setzte sich schon auf, Wut in seinen Augen.

„Was hast du gedacht? Dass ich noch nie von William Shakespeare gehört habe, nur weil ich ein Reinblut bin?“

„Nein.“ Ja. Sie versuchte es noch einmal. „Ich dachte nur, dass du sowas nicht magst. Bücher und so.“

„Du solltest nicht darüber nachdenken, was ich mag oder nicht mag, Granger.“ Ihr Name klang wie ein Schimpfwort und sie zuckte zusammen. Die Bank unter ihr wackelte als er aufstand und sich mit genug Ärger entfernte, dass sie dachte, er würde sie wirklich allein lassen. Aber nach vier Schritten blieb er stehen.

„Ist die Mission schlecht gelaufen?“, fragte sie vorsichtig. Sie erwartete, dass er sie anmotzte, sie solle sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und ihren verdammten Mund halten. Sein Schweigen war irgendwie schlimmer, verlängerte die Spannung, die in ihrem Magen entstand, nur.

Als er sprach, klang er jedoch ruhig und kühl wie zu Beginn ihrer Freundschaft und stand mit dem Rücken zu ihr. „Ich denke, wir sollten nicht mehr befreundet sein.“

Sie runzelte die Stirn. „Ach ja? Und warum?“

Er muss die Skepsis in ihrer Stimme gehört haben, denn er drehte sich zu ihr um, Verärgerung deutlich sichtbar in seinen Augen. „Sieh mal, ich bin nicht… gut, Granger. Ich bin keines deiner verdammten Projekte. Ich werde im Laufe der Zeit nicht besser. Ich bin schlecht. Mein Kopf ist verrückt.“

„Jeder wird durch diesen Krieg verrückt.“

Er schüttelte seinen Kopf mit einem bitteren Lachen, das sie plötzlich und schmerzlich an Sirius erinnerte, damals an den letzten Tagen am Grimmauld Platz. „Ich war schon lange vor dem Krieg am Arsch, Granger. Ich bin nicht gut“, wiederholte er und später würde sie sich über das unausgesprochen ‚für dich’, das an dem Satz hing, wundern.

Danach sahen sie sich fast einen Monat nicht – wobei sie nicht wusste, ob es daran lag, dass er sie mied oder an dem plötzlichen Ausbruch von Angriffen, der ihre Zeit in Anspruch nahm. Als er von seiner fünften Mission in einem Monat zurückkehrte, hielt sie gerade Wache (Moodys Idee: Eine Person wartete an dem abgemachten Punkt, wo sie alle apparierten und prüfte, ob es nicht vielleicht Todesser in Verkleidung waren). Das vertraute Krachen ließ sie ihren Zauberstab vor dem Neuankömmling heben, instinktiv auf seine Brust gerichtet.

Er sah wie Draco aus. Hatte denselben missmutigen Ausdruck, den Draco scheinbar immer trug. Aber Magie war klug und sie konnte nie wirklich sicher sein (auch wenn sie es war, denn sie erkannte diese kalten, grauen Augen überall und würde merken, wenn es nicht seine waren). Er schenkte ihr kaum einen Blick, versuchte jedoch auch nicht an ihr vorbeizukommen bis sie die Sicherheitsfrage gestellt hatte, die sie sich letzte Nacht ausdenken musste.

„Erzähl mir etwas über mich.“ Das hatte sie nicht geplant. Eigentlich hatte sie bis zu dem Moment, in dem sie es sagte nicht gewusst, dass sie es sagen würde.

Er hörte auf, sich das blutbefleckte Shirt über den Kopf zu ziehen und hob eine Augenbraue. Aber er verspottete sie nicht, wie sie gedacht hatte, oder machte eine Bemerkung zu ihrer ungewöhnlichen Frage. „Du hasst Rühreier“, sagte er nach einer Pause.

Sie nickte. „Jetzt frag mich.“

„Wie bitte?“

„Frag mich“, wiederholte sie geduldig.

Er rollte mit den Augen, gehorchte aber, so wie sie es erwartet hatte (weil er bei ihr letzten Endes immer nachgab). „Erzähl mir etwas über mich.“

Sie wartete, bis er aufgehört hatte, herumzuhampeln. Bis er seinen Blick von seinen verletzten Armen neugierig zu ihrem hob. Erst als sie seine volle Aufmerksamkeit hatte antwortete sie. „Du bist ein guter Mann. Selbst wenn du das nicht sein willst.“

Sie dachte, dass er sich über diese offensichtliche Anspielung auf ihre letzte Unterhaltung ärgern würde. Aber er schrie nicht, rollte nicht mit den Augen und versuchte auch nicht, sie zu berichtigen. Er hätte sie wohl ewig so angestarrt, bis sie unter der Intensität seines Blickes verbrannt wäre, wenn nicht Dean nur ein paar Momente später aufgetaucht wäre, schimpfend über seine matschigen Klamotten und die Ignoranz des befehlshabenden Offiziers. Sie sprachen nie wieder über den Moment, außer beiläufig und versehentlich. Aber manchmal erwischte Hermine ihn dabei, wie er sie anstarrte und sie glaubte, dass er vielleicht wusste, was sie an jenem Tag hatte sagen wollen. Dass sie an jenem Abend, als er sie auf der Veranda an seiner Schulter hatte schlafen lassen, trotz seiner Unbehaglichkeit (weil sie müde und enttäuscht war und die Wärme einer anderen Person brauchte, selbst wenn es nur er war und er das irgendwie gewusst hatte), aufgehört hatte ihn zu hassen.

Aber sie hatte ihm noch nicht vertraut. Sie wusste nicht genau, wann sich das geändert hatte. Sie wusste, dass es irgendwo zwischen dem Rührei-Geständnis und dem Feuerzeug-Vorfall war. Sie vertraute ihm. Vielleicht nicht auf die gleiche unbedingte Art und Weise, wie sie Harry und Ron vertraute. Aber es war trotzdem Vertrauen und sie hatte das Gefühl, dass er von diesem Wandel wusste. Sie fragte sich, warum ihn das so traurig machte.


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