Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Über uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Of Crimson Joy - Kapitel 5

von Nitsrek

::

„Es geschah soviel, dass es unmöglich war alles zu verstehen. Der menschliche Verstand kommt mit so vielen Informationen nicht klar, also filtert er eine ganze Menge aus.“ - Mike Van Wagener

::

Zum ersten Mal, als Draco feststellte, dass er sich von Granger angezogen fühlte, war es eigentlich gar nicht das erste Mal. Das Wissen war schon immer da gewesen, unter der Oberfläche lauernd, fröhlich übertönt von wichtigeren Dingen wie Schlachtplänen und dem Versuch, sie nicht umzubringen nur damit sie endlich still war. Es war da, wenn er die Abende mit ihr verbrachte, rauchend (hoffentlich in Ruhe, obwohl das mit Granger in der Nähe eher hoffnungslos war). Es war da, wenn sie ausnahmsweise wirklich mal körperlich Kontakt hatten – normalerweise versehentlich und immer nur sehr kurz. Aber er hatte es nie offen zur Kenntnis genommen – nicht einmal vor sich selbst. Um ehrlich zu sein hatte er es bewusst ignoriert. Selbst nach Blaises melodramatischer Rede neulich hatte er diese Idee nur zur leichten Betrachtung zugelassen, bevor er sie schließlich sicher hinter geschlossenen Türen verstaute, wo sie keinen Schaden anrichten würde.

Aber es gab diesen einen dummen Streit, über etwas Kleines und völlig Unbedeutsames, den er später ganz einfach vergessen würde. Sie schrie ihn an, er sei ein egoistischer, unsensibler Mistkerl, und er versuchte es ihr zu erklären, aber sie wollte verdammt nochmal nicht zuhören! Und er packte sie in seinem Versuch, ihren Fokus umzulenken, wenn auch nur für drei Sekunden, auf etwas anderes als den Klang ihrer eigenen Stimme.

Er hatte nicht geplant sie zu küssen (vielleicht doch, irgendwo in seinem Unterbewusstsein). Aber irgendwo zwischen dem Packen ihrer Oberarme und dem Gegen-die-Küchentheke-Drücken krachten seine Lippen auf ihre. Es war kein angenehmer erster Kuss. Auch nicht die romantische Erfahrung wie in diesen billigen Taschenbuch-Romanen, auf die Pansy immer bestand. Er war brutal. Er kratzte mit den Zähnen und fing ihre Lippen damit ein. Es ging nur darum, dieses verdammte Mädchen ruhig zu stellen.

Aber sie hatte sich permanent gewehrt und das hatte ihn geärgert. Also ließ er den Kuss sanfter werden, bis nur noch seine Lippen auf ihren lagen, sie durch ihre halbherzigen Proteste, die sich bereits in Nichts auflösten, liebkosten. Trotzdem war ihre Reaktion immer noch zu schüchtern. Zu unsicher für die herrische Besserwisserin, die er schon ewig kannte. Also zog er ihre Unterlippe zwischen seine Zähne. Nicht zu fest, gerade genug um ein widerwilliges Stöhnen aus ihrer Kehle zu ziehen. Sie wartete noch eine Sekunde, als würde das Geräusch sie überraschen, dann erwiderte sie seinen Kuss.

Er verlagerte sie in seinen Armen, damit sie richtig auf der Theke sitzen konnte, und stellte sich zwischen ihre Beine, die Lippen wieder auf ihren, bevor sie diesen kleinen Keim aus Zweifel wieder fand. Er hätte sich keine Sorgen machen brauchen. In ihren Handlungen lag nun kein Zögern mehr. Es war, als ob sie in ihrem Kopf eine Entscheidung getroffen hätte und er wusste, dass sie nun dabei bleiben würde. Ihre Hände glitten an seinen Armen nach oben, über seine Schulter, und eine rutschte in seine Haare und zog ihn näher heran. Er umfasste mit seinen Händen ihren Po, hob sie leicht in seine Richtung und beide stöhnten, als sein Becken sich gegen ihres drängte.

Sie unterbrach den Kuss um Luft zu schnappen, aber er konnte einfach keine Pause erlauben. Schon wanderte sein Mund über ihre Wangen, ihren Kiefer, ihren Hals hinunter, und seine Zähne nagten leicht an der Haut über ihrer Pulsader. Sie keuchte und bog ihren Körper in seine Richtung, seine Hand fuhr ihren Rücken nach oben zu ihrem Hinterkopf und lenkte ihre Lippen zurück auf seine.

Später würde er sich vorstellen, wie weit sie ihn hätte gehen lassen. Aber in jenem Moment öffnete und schloss sich irgendwo im Haus eine Tür. Das Geräusch reichte aus um beide daran zu erinnern wo sie waren (wer sie waren). Sie rutschte von der Theke und er trat zurück, ließ ihr genug Platz um zu stehen, aber nicht ohne dass sein ganzer Körper ihren berührte. Sie atmete schwer – sie beide – und er dachte, er sollte etwas sagen. Aber sie sagte nichts und ihre Wangen röteten sich immer mehr und immer schneller.

Sie öffnete ihren Mund. Schloss ihn. Dann lief sie einfach an ihm vorbei. Er drehte sich nicht um, um ihr nachzusehen, und atmete erst wieder als sich die Küchentür leise hinter ihr schloss. Später, wenn das Blut einige sehr verstörende Stellen wieder verlassen und genug in seinen Kopf zurückgekehrt war um ihn denken zu lassen, würde er seine Augen schließen und sie sich vorstellen, gerötet und keuchend, wie sie sich seinem Körper entgegenstreckte, und über die Ungerechtigkeit des Universums knurren, das wieder einmal etwas Gutes, etwas Wundervolles gerade so in seiner Reichweite gewesen war und ihm dann nach der ersten verführerischen Kostprobe entrissen wurde. Denn er glaubte wirklich, hätte er nur fünf, zehn, fünfzehn Sekunden länger gehabt, dass er sie bis zu dem Punkt hätte bringen können, von dem aus es kein Zurück mehr gab.

Danach mied er sie für ein paar Tage. So war es leichter und er war einfach noch nicht bereit von ihr zu hören, dass es ein Fehler war, der niemals wiederholt werden sollte. Trotzdem. Er glaubte gerne daran, dass er sie zur Rede gestellt hätte. Letztendlich. Wenn er bereit war. Aber es war die Woche, in der die Todesser vier geheime Unterschlupfe gleichzeitig angriffen. Die Woche, in der alles kaputt ging.

::

Die Angriffe fanden nachts statt, ohne Vorwarnung. Hinterher, als Verstärkung eingetroffen war und die Überlebenden aus den Ruinen gezogen und zu ihren vorgegebenen Notfall-Unterkünften gebracht worden waren, entdeckte Hermine, dass die Angriffe auch noch gleichzeitig stattgefunden hatten. Es war gut geplant gewesen – Wochen, vielleicht schon Monate im Voraus. Es war kein bloßer Zufall. Die Todesser hatte gewusst, wie sie jeden Schutzzauber umgehen konnten, jede Schutzschicht, jeden Wachposten. Sie hatten sich wie lautlose Schatten bewegt, wie nächtliche Gespenster. Hermine erinnerte sich vage daran, dass sie keine Masken getragen hatten – nicht geglaubt hatten, für die schnelle Vernichtung welche zu brauchen. Aber wie durch ein Wunder hatten sie anscheinend keine Kenntnis über die Eindringling-Alarmier-Zauber, die in einem Umkreis von zwanzig Kilometer um das Haus aufgestellt worden waren. Was eigentlich ein regelrechtes Gemetzel hätte sein sollen war dankbarer Weise zu einem Kampf geworden.

Einem brutalen Kampf. Einem ungerechten Kampf – zumindest bis Verstärkung eintraf. Die Todesser gaben nicht nach, zogen sich nicht zurück. Sie starben im Namen ihres Lords. Und sie nahmen so viele wie möglich mit sich. Die Liste der Verletzten war lang. Die Liste der toten etwas kürzer, aber nicht weniger erschütternd. Hermine hatte die komplette Liste gesehen, aber nur ein paar Namen blieben an ihr hängen. Katie Bell, Terry Boot, Amos Diggory, Marietta Edgecomb. Vincent Crabbe. Theodore Nott. Remus Lupin.

Kummer hing wie eine durchnässte Decke an den Wänden des Grimmauld Platz. Er bildete Pfützen auf dem Küchenboden, wo Fred und Ron eine nahezu hysterische Molly trösteten. Er kroch unter die Fußbodendielen des Wohnzimmers, kämmte dabei über jene, die das Pech hatten auf dem Fußboden schlafen zu müssen. Er folgte Hermine die Treppen hinauf, flüsterte in einer bittersüßen Liebkosung um ihre Knöchel. Und trotzdem fühlte sie es nicht. Sie dachte an Remus, dann an Tonks und den kleinen Teddy, die irgendwo in der abgeschiedenen Gegend des Landes versteckt waren. Sie stellte sich Amos Diggory vor und die Art, wie er den Namen seines Sohnes geschrien hatte als er fiel. Sie sah Theo, über irgendein Buch, das sie ihm geliehen hatte gebeugt, und wartete auf den unausweichlichen Schmerz in ihrer Brust. Aber er kam nicht.

Sie erinnerte sich gelesen zu haben, dass der Körper nur eine bestimmte Menge an Schmerz verarbeiten konnte. Am Ende fing das Gehirn an, Dinge auszuschließen und die Schläge zu dämpfen, die einen sonst kaputtmachen würden. So schützte der Verstand sich selbst.

Ein leises Läuten kündigte den Mittag an. Ihre Augen wurden von der Standuhr angezogen, die dort stand wo früher die Köpfe der Hauselfen gehangen hatten. Zehn Stunden, zweiunddreißig Minuten und sieben Sekunden (Plus/Minus) seit alles zerbrochen war.

Es hatte so lang gedauert alle zu überprüfen. Jene auszusortieren, deren Wunden keinen Besuch im St. Mungo nötig machten oder jene, die vielleicht nie wieder kämpfen konnten. (Es beschämte sie, dass sie nicht ehrlich sagen konnte, welcher Gruppe sie lieber angehören würde.) Hermine hatte den Großteil dieser zehn Stunden damit verbracht, Anwesenheiten zu kontrollieren, die Namen der Fehlenden aufzuschreiben, den gewohnten Report zu erstellen, bevor sie schließlich Mollys Untersuchung nachgab (und auch nur weil Harry und Ron gedroht hatten sie gewaltsam festzuhalten, wenn sie sich weigerte).

Die zwanzig Zentimeter lange Wunde schien nicht so schlimm zu sein, solange sie von Schmerztränken und was auch immer für Muggel-Schmerzmitteln, die sie in die Hände bekam, high war. Aber langsam ließ die Wirkung nach und ein Gefühl, als würde ein heißes Elektrokabel gegen ihren Bauch gedrückt werden, flammte auf, machte es schwer sich nicht zu kratzen. Langsam, mit vorsichtigen Händen, hob sie den Saum ihres Shirts und führte einen Finger über die ersten unebenen Stiche. Sie schmiegten sich bereits in ihre Haut, der schnelle Heilungsprozess dehnte ihre Wunde etwas unangenehm.

„Die kannst du mal deinen Enkeln zeigen.“

Hermines Augen huschten zum oberen ende der Treppe. Sie hatte Pansy seit dem Kampf nicht mehr gesehen, als sie ihr zufällig über den Weg gelaufen war und hilflos versucht hatte, das Leben zurück in Theos offensichtlich leblosen Körper zu locken. Sie war bei ihrer Rückkehr hysterisch gewesen. Draco hatte sie gewaltsam in ihr Schlafzimmer zerren müssen, hatte alle Hilfsangebote ignoriert und Hermine nur angefunkelt als sie versuchte zu helfen.

„Wie geht es dir?“, fragte Hermine nun, zuckte dann jedoch über die Unangebrachtheit der Frage zusammen. Pansys Lächeln war eher ein verbittertes Verziehen ihrer Lippen.

„Fantastisch. Und dir?“ Ihr Blick fiel auf Hermines Bauch, der nun von ihrem Shirt versteckt war. Sie gab jedoch keinen Kommentar ab und Hermine war froh. Sie wollte nicht noch einmal durchleben, wie irgendein unbekannter Auror sie erkannt hatte (Hermine Granger, geschätzte Freundin von DEM Harry Potter) und entschied, dass ihr Leben irgendwie mehr wert war, sie zu Boden stieß und an ihrer Stelle den lilanen Lichtstrahl auffing.

„Draco duscht gerade.“ Hermine hatte keine Antwort darauf, also blieb sie still. Pansy zuckte mit den Schultern. „Ich denke, er musste allein sein. Er konnte noch nie gut mit… mit dem Tod umgehen.“

Ihre Augen wurden zu schnell glasig, als dass sie es völlig hätte verstecken können, und sie drehte ihr Gesicht weg. Hermine wusste, dass das ihr Wink war zu gehen (weil Pansy Parkinson für niemanden weinte, egal warum. Niemals). Sie bemerkte nicht einmal, dass das Mädchen nach ihr griff, bis ihre Hand auf ihrem Arm lag.

„Hier“, sagte Pansy und in der Hand, die Hermine nicht festhielt, lag eine Kette, die Hermine schon oft an ihr gesehen hatte. Sie bildete eine Pfütze aus Gold in ihrer Handfläche und ein winziger Teddybär-Anhänger lag in der Mitte. Pansys Augen starrten auf einen Punkt irgendwo oberhalb Hermines Schulter als sie sprach. „Mein Großvater hat sie mir an meinem ersten Hogwarts-Tag geschenkt. Ich war wirklich nervös und er sagte, sie würde mich beschützen. Ich weiß, dass es dumm ist, aber…“ Sie verstummte mit einem Schulterzucken, das zu unbeholfen wirkte um auf ihre Schultern zu gehören. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte Hermine kommentiert, dass sie es endlich geschafft hatte, die berühmte Parkinson rot werden zu lassen. Doch im Moment erlaubte sie bloß, dass die Kette in ihre Handfläche tropfte.

„Warum gibst du mir das?“, fragte sie und es war schwer an dem Kloß in ihrem Hals vorbei zu sprechen, was albern war, denn hier ging es um nichts. Es war nur eine Kette. Nicht einmal eine sehr teuere, wie es aussah. Ihre Hände sollten nicht zittern. Es sollte sich nicht wie ein Abschied anfühlen.

Wieder zuckte Pansy mit den Schultern, wobei ein Teil ihrer gewohnten Arroganz nun zurückgekehrt war, weil der schwierige Teil ihres Gesprächs vorbei war. „Du bist so ein Trottel, Hermine. Ich brauche eine Absicherung, dass es dir gut gehen wird.“

„Was ist mit dir?“, konnte sie sich nicht verkneifen.

Diesmal war das Lächeln ein echtes Grinsen. „Ich bin eine Slytherin. Mich um mich selbst kümmern kann ich am besten.“ Die Stille wurde schon fast peinlich, aber Pansy hatte anscheinend alles gesagt, was sie sagen wollte. Sie seufzte, etwas zittrig, doch Hermine gab vor es nicht zu bemerken. „Manchmal wünsche ich mir, ich könnte vor all dem davonlaufen. Einfach ein Zugticket ins Nirgendwo nehmen und dort ein neues Leben anfangen, in dem es nie regnet und alle Männer mit freiem Oberkörper rumlaufen. Ich glaube das macht mich in deinen Augen zu einer äußerst egoistischen Person.“

„Nein“, sagte Hermine und war überrascht, dass es der Wahrheit entsprach. Sie kämpfte diesen Krieg, weil sie musste. Sie kämpfte für ihre Freunde, ihre Familie. Für das Recht einen Zauberstab halten zu dürfen ohne sich für ihre Herkunft schämen zu müssen. Pansy kämpfte für nichts. Sie war keine geschuldete Soldatin und bekam nur die niedersten Aufträge. Sie freute sich nicht am Töten wie ihr sadistischer Vater einst.

„Würdest du mich hassen, wenn ich so denken würde? Es ist so komisch.“ Sie lachte durch die Tränen, die sich in ihren Augen sammelten, obwohl es eher ungläubig als humorvoll klang. „Wenn ich daran denke, dass es vor nur sieben Jahren für mich noch so natürlich war dich zu hassen, so natürlich wie das Atmen. Und jetzt habe ich Angst, dass du mich verabscheust. Aber das tust du nicht, oder?“

„Ich würde dich nie hassen. Nie, Pansy. Du bist vielleicht ein verwöhntes Miststück“, fügte sie hinzu und schaffte tatsächlich ein selbstgefälliges Grinsen, „abgesehen davon eine dreckige Schlampe. Aber ich hab dich lieb, du dumme Kuh. Ob es dir gefällt oder nicht.“

Pansy lächelte. „Komischerweise denke ich, dass ich das mag. Du bist gar nicht so verkehrt. Für eine verklemmte Besserwisserin.“

Hermine lachte keuchend und wandte sich um. Pansy beobachtete, wie sie zum Ende des Flurs lief, bevor sie noch einmal rief. „Hey, Granger. Das heißt nicht, dass wir Freundinnen sind, okay?“

Hermines Lächeln war diesmal ohne Anstrengung, hervorgerufen aus einem Ort, der überhaupt nicht betäubt war. „Ich weiß“, antwortete sie und schloss die Tür, während Pansy schief lächelte.

::

„Muggel sind so eintönig“, bemerkte Pansy angewidert. Als Draco schnaubte, warf sie ihm einen gespielt bösen Blick zu. „Im Ernst. Sie tragen immer nur Jeans und diese komischen Dinger mit Hauben -“

„Kapuzenpullis“, korrigierte Draco und sein Verstand wanderte unbewusst zu einer Diskussion mit Granger über ihr Muggel-Auftreten.

„Egal“, sagte Pansy geringschätzig. „Ich meine nur, sie tragen alle die gleichen langweiligen Klamotten. Keine Farben oder Luxus.“

„Ja, weil wir ja die besten Beispiele für Eleganz und Stil sind.“ Draco blickte betont auf die abgetragene Jeans, die ihr um die Taille herum zu groß war, und das zerrissene Hemd, das sie trug. Es änderte nichts an ihrer Stimmung.

„Wir sind mitten im Krieg. Wir haben keine Zeit für Mode.“

„Sie doch auch.“

„Aber sie wissen nichts davon“, beharrte Pansy. „Sie haben keinen Grund zu denken, dass sie ihren vielleicht letzten Tag auf Erden nicht mit Make-up und drei verschiedenen Outfits pro Tag verschwenden sollten. Ich beneide sie.“

Darauf gab es nichts zu sagen, also antwortete Draco nicht. Ein Blick auf seine Uhr sagte ihm, dass Shacklebolt sie vor fünfzehn Minuten zurück am Grimmauld Platz erwartet hatte. Er konnte sich einfach nicht dazu durchringen, es Pansy mitzuteilen. Zum ersten Mal seit Tagen sah sie wieder gut aus. Vielleicht hatte sie nur einmal aus diesem verzehrenden Haus raus gemusst. Ihre Wangen waren wieder gesund gerötet und selbst ihre Augen wirkten fröhlicher, trotz dem Rotstich von zu vielen Tränen in Kombination mit zu wenig Schlaf. Sie hatte die Möglichkeit auf Mission zu gehen sofort ergriffen – ein einfacher Fall, die Überbringung einer Nachricht an irgendein Ordensmitglied, das keiner von ihnen namentlich kannte. Nach zehn Minuten waren sie fertig, aber sie hatte ihn angebettelt, nur noch eine Minute, noch zwei, länger an der frischen Luft zu bleiben. Und er hatte festgestellt, dass er ihr das nicht abschlagen konnte.

„Mein Großvater hat mich früher hierher gebracht um mit mir die Züge zu beobachten“, sagte Pansy und Draco stellte fest, dass sie in King’s Cross waren. „Ich habe immer davon geträumt, den Hogwarts-Express zu betreten und zum ersten Mal nach Hogwarts zu fahren. Es war irgendwie nie so toll wie ich es mir vorgestellt hatte.“

„Enttäuschend“, erklärte Draco mit einem Schulterzucken. „Du schaffst dir eine Vorstellung in deinem Verstand, aber die Wirklichkeit kommt nie an dieses Bild heran.“

Pansy lächelte, aber er war sich nicht sicher, ob sie überhaupt zuhörte. Sie hatte sich auf eine Holzbank gesetzt und nach einer kurzen Pause setzte er sich dazu. Lange Zeit saßen sie schweigend da, beobachteten wie die Züge in den Bahnhof einfuhren, die Lichter flackerten, gleichmäßig und effizient, aber keiner von ihnen hatte die Eleganz der alten Dampfeisenbahn, die sie in einem anderen Leben zur Schule und zurück gebracht hatte.

„Dieser Ort gibt mir irgendwie ein Gefühl von Freiheit“, fuhr sie nach einer Weile fort. „Als könnte ich einfach eine Fahrkarte kaufen und fliehen. Als wäre es so einfach.“

Draco grunzte unverbindlich. Wenn er ehrlich war, bekam er in der Nähe von Muggeln Gänsehaut. Sein Vater hatte ihn nie in Muggel-Kultur unterrichtet und er hatte immer dieses deutliche Gefühl fehl am Platz zu sein, wenn er sich in der Nähe ihrer Technologie befand. Ein Gefühl, das er sonst nicht kannte, und deshalb versuchte er so gut es ging, es generell zu vermeiden.

Er wollte Pansy sagen, dass sie zurückkehren sollten, bevor Shacklebolt einen Herzinfarkt bekommen würde, und merkte, dass sie schon die ganze Zeit weinte. Stille Tränen wanderten ihre Wangen hinunter, glitten in die sanften Winkel des Lächelns, das immer noch auf ihren Lippen lag.

„Pans -“

„Komisch, oder?“, sagte sie und unterbrach damit einen zweifellos ärmlichen Trostversuch. „Wir sind tot. Alle. Wir sind schon tot. Wir überleben vielleicht noch ein Jahr, vielleicht zwei. Aber am Ende sind wir tot. Wir kämpfen für eine Zukunft, die wir nie sehen werden, nur als Asche und Knochen.“

Das war ein ziemlich tiefgründiger Gedanke und Draco war so erstaunt, dass er ausgerechnet aus diesem besonderen Verstand kam, dass er nicht sofort merkte, dass Pansy ihren Zauberstab aus ihrem Ärmel gezogen hatte.

„Vincent hat mir einen Antrag gemacht, weißt du. Ich habe ihm gesagt, er wäre verrückt. Das Mädchen wie ich nicht Männer wie ihn heirateten.“ Ihr Lächeln war bitter und humorlos. „Ich wollte nur nicht, dass er abhebt. Nein, das ist gelogen. Er machte schon jahrelang Andeutungen. Manchmal war er verdammt nervig. Ich habe mir immer gewünscht, er würde verschwinden und mich in Ruhe lassen. Und dann wachte ich neulich morgens auf und realisierte, dass ich seine erbärmlichen, romantischen Gesten nie wieder ablehnen muss. Ich werde meinen Kopf nicht mehr in jener letzten Sekunde wegdrehen müssen, kurz bevor er einen Kuss bekäme. Ich habe meine Zukunft ohne ihn gesehen. Wir haben immer Schluss gemacht und kamen doch wieder zusammen. Ich glaube ich habe einfach angenommen, dass eines Tages doch alles gut werden würde.“

„Pansy“, versuchte Draco wieder, als ihre Stimme schließlich beiläufig verklang.

Sie blinzelte als würde sie erst jetzt wieder seine Anwesenheit bemerken. Ihr Zauberstab zeigte direkt auf sein Herz bevor er sich verteidigen konnte. „Petrificus Totalus!“

Die Wirkung trat sofort ein. Er konnte sich nicht bewegen, nur seine Augen, die ihren Bewegungen folgten als sie sich zu ihm beugte und einen Kuss auf seinen Mundwinkel drückte. „Es tut mir leid, Draco. Ich liebe dich. Also muss ich gehen. Bevor du mich zuerst verlässt. Das verstehst du doch, oder?“

Er versuchte durch seine Augen zu zeigen, dass er verstand. (Tat er nicht.) Sie nickte und stand schnell auf, steckte ihren Zauberstab schon wieder zurück in ihre Tasche. Sie zögerte nicht. Sie lief schnell, planmäßig, zum Rand der wuselnden Menge und als sie wieder sprach, war ihre Stimme kaum lauter als das Bündel aus Aktivität, das sie trennte. „Pass auf Hermine auf. Sie denkt gerne, dass sie stark ist, aber Adrenalin hält auch nur eine Zeit lang an. Sei für sie da, wenn die Wirkung nachlässt.“

Und dann war sie weg. Sie war noch nie eine besonders starke Hexe gewesen und die Wirkung ihres Zaubers hatte innerhalb von zehn Minuten komplett nachgelassen. Er überlegte, dass sie nicht weit gekommen sein konnte; selbst wenn sie eine Fahrkarte kaufte, würde der nächste Zug erst in drei Minuten abfahren. Und es gab ja auch Aufspürzauber und Ortungsmittel und Millionen anderer Wege einen Menschen zu finden. Er hätte sie in sieben Sekunden einholen können.

Er drehte sich um und verließ den Bahnhof, Zauberstab sicher in seiner Tasche.

Granger war die Einzige, die noch wach war als er zurückkam. Sie saß am Küchentisch und schrieb irgendeinen Bericht. Er versuchte sich daran zu erinnern, wann er sie das letzte Mal mit leeren Händen gesehen hatte, ohne schwere Aufgaben, die ihren Verstand belasteten. (Er konnte sich nicht daran erinnern.) Sie sah auf als er durch die Hintertür eintrat und lächelte kühl.

„Du bist zu spät.“ Immer eine Verfechterin des Offensichtlichen. „Shacklebolt war ziemlich wütend. Ich musste ihn beschwichtigen, damit er dich nicht Avada-t, wenn du zurückkommst.“

Er antwortete nicht. Lief zum Schrank unter der Spüle. Kein Wodka. Er vermisste plötzlich den Unterschlupf.

„Pansy“, sagte Granger und auch wenn es keine Frage war antwortete er ihr.

„Weg“, sagte er. Ein Wort. Eigentlich nicht wirklich eine Antwort. Aber sie nickte und sah nicht überrascht aus.

„Dachte ich mir. Wir lassen ihr ein paar Tage, bevor wir das melden, oder? Geben wir ihr etwas Vorsprung.“ Sie sammelte bereits ihre Akten zusammen und klammerte sie an ihre Brust wie auch ein Kind seine Decke halten würde. „Sie ist klug. Ich bin sicher, sie wird jedem, den Shacklebolt vielleicht schickt, entkommen können. Du solltest bald ins Bett gehen. Du brauchst Schlaf.“

Sie war weg bevor Draco ihr sagen konnte, dass sie ihren Pullover verkehrt herum angezogen hatte.

::

"Avada Kedavra!"

Zum ersten Mal verließ der Fluch Hermines Mund aus purer Verzweiflung. Es war zu Anfang des Krieges gewesen, als sie noch unerfahren und verängstigt gewesen war und der Anblick von Luna mit dem Rücken zur Wand, ihr Zauberstab nutzlos auf dem Boden, einen Meter entfernt, hatte die Worte hervorgezwungen bevor ihr eine Alternative eingefallen war. Harry hatte ihr einmal gesagt, dass man beim Gebrauch eines Unverzeihlichen auch meinen musste, was man sagte. Was niemand sagte, wovor sie von niemandem gewarnt worden war, weil es anscheinend unnötig war, war die Art, wie du diesen jede Sekunde seines Weges spüren konntest, von dem düsteren Brennen in deiner Kehle, wenn du die Worte aussprichst bis zu dem Hitzeschwall, wenn er zum ersten Mal aus deiner Zauberstabspitze hervorbricht.

Nach diesem ersten Mal vermied sie den Gebrauch eine Zeit lang bewusst. Aber es war ein nutzloses Unterfangen. Todesser benutzten keinen Stupor. Sie töteten. Also lernte sie ihn zu benutzen – aber nur wenn es keine andere Wahl gab. Und sie gewöhnte sich nie an das Gefühl.

Aber als der Strahl aus grünem Licht in die Brust des Angreifers schoss, war sie etwas überrascht, dass das gewohnte Brennen fehlte. Diese interessante Taubheit, die eingetreten war als sie von Lupins Tod gehört hatte, hielt an. Nur als eine dünne Schicht, die die anderen Emotionen, die durch ihren Körper pochten, überdeckte. Sie konnte das Adrenalin in ihren Venen spüren. Wusste, dass ihr Herz wie wild in ihrer Brust schlug. Aber sie wusste es auf eine losgelöste Art, so wie man auch wusste, dass der Himmel blau war aber nicht oft darüber nachdachte. So schützte sich der Verstand, erinnerte sie sich und als wäre das eine Einladung starrte sie plötzlich in die müden Augen von Lupin. Sein Anzug war schäbig wie immer und an seinem Kiefer gab es Stellen, wo er sich nicht rasiert hatte. Er betrachtete sie, die Hände in den Taschen, seine Augen wachsam, so wie er sie einst im Klassenzimmer angesehen hatte, als sie dem Irrwicht gegenüber standen.

Und auch wenn sich seine Lippen nicht bewegten - selbst wenn hätte das Geschrei der Kämpfe in ihren Ohren sicher jedes andere Geräusch übertönt – füllten seine Worte in ihrem üblichen, beruhigenden Tonfall ihre Ohren. Er hatte es einst zu Harry gesagt, nach Sirius’ Tod. Sie wusste nicht warum die Worte jetzt plötzlich kamen, aber in ihrem Verstand sah sie immer noch Harry, schreiend, kämpfend, schluchzend, in dem Versuch den Schleier zu erreichen und Lupins ruhigeren, wenn auch nicht weniger schockierenden, Kummer als er murmelte, „Du kannst nichts tun, Harry… nichts… Er ist fort.“ Er ist fort. Alle waren fort.

„Granger!“ Draco rannte mit voller Wucht gegen sie und ließ ihr keine Zeit sich zu erholen bevor er ihre Hand packte und sie schmerzhaft hinter sich her zog. Ihre Füße stolperten über den Schutt der Kämpfe und sie klammerte sich mit der Hand, die sich nicht in seinem Todesgriff befand, an seinen Arm. Der Apparier-Punkt war leer und zuerst dachte zuerst, dass Draco sie zu früh hierher geschleppt hatte. Bis sie an dem sicheren Treffpunkt ankamen und schon alle auf sie warteten.

„Hermine!“ Die Erleichterung, die über Deans Gesicht wusch, spiegelte sich in all den Teamkameraden wieder, die nicht zu verwundet waren um sich zu sorgen. „Du bist nicht verletzt, oder? Hermine?“

Wenn Hermine ihn gehört hatte, dann nur an einem entfernten Ort in ihrem Verstand, der nicht in Panik verfiel, weil sie Lupin nicht sehen konnte. Er war auf der kleinen Lichtung nicht zu sehen und als sie den Waldrand ablief, konnte sie ihn auch in den Schatten nicht entdecken.

„Hermine“, rief Neville und seine Stimme war behutsam. „Was machst du?“

„Ich muss zurück.“ Aber sie sagte es zu leise oder vielleicht sagte sie es auch überhaupt nicht laut, also musste sie es wiederholen.

„Zurück?“ Neville sah geschockt aus. Tatsächlich sagte ihr ein abgelenkter Blick auf alle Anwesenden, dass der Großteil geschockt aussah. „Du kannst nicht dahin zurück!“

„Aber ich muss“, antwortete sie, ruhig, schon auf dem Weg in die Mitte der Lichtung.

„Granger.“ Sie wusste, dass es für sie generell ein schlechtes Zeichen war, wenn seine Stimme so tief war. Er musste wieder eine seiner Launen haben, überlegte sie ohne innezuhalten. „Granger.“ Dracos Stimme war diesmal schärfer und klang mehr nach Befehl. Sie runzelte die Stirn, blieb aber nicht stehen. Ihn zu ignorieren war jedoch natürlich nutzlos. Als seine Worte nicht die beabsichtigte Botschaft überbrachten, entschied er sich unausweichlich für die körperliche Variante und sein Griff um ihr Handgelenk war nicht sanft. Sie musste sich jedoch gewehrt haben, denn er knurrte verärgert und verlagerte seinen Griff auf ihre Schultern, wirbelte sie so heftig zu sich herum, dass ihre Zähne klapperten.

„Verdammt nochmal, was machst du?“

„Ich muss zurück.“

Seine Augen weiteten sich ungläubig. „Bist du wahnsinnig? Hast du deinen verfickten Verstand verloren? Was zur Hölle ist da passiert? Du bist einfach erstarrt! Verstehst du, dass sie dich hätten töten können? Und jetzt willst du zurück? Was hast du für ein Problem?“

Hermine blinzelte. Hob ihre Hand und legte sie sachte auf seine Wange. Sie war rau von der Kälte und er musste sich rasieren. Ihr Daumen strich über seinen Mundwinkel. Sie hatte sich im letzten Monat, wenn sie sich überhaupt erlaubt hatte daran zu denken, oft gefragt, ob sie sich die Weichheit seiner Lippen nur eingebildet hatte. Sicher konnte ein Mund, der permanent solche boshaften Worte ausspie nicht so weich sein. Aber er war genauso wie sie ihn in Erinnerung hatte, und als sie ihren Daumen gegen seine Unterlippe drückte, öffnete sich sein Mund wie von selbst. Sie verlor das Bewusstsein, während sie sich daran an die Vermischung ihrer Atemluft erinnerte, die Kombination dieser zwei Menschen süßer als sie je vermutet hätte.

::

Draco kniff sich in den Nasenrücken und konzentrierte sich auf seine Atmung, anstatt den Mann vor sich zu erwürgen. Er erinnerte sich nicht an den Namen des Aurors – er war neu und jung, kaum ein Jahr älter als Draco und seine Unerfahrenheit zeigte sich deutlich auf der glatten Haut seiner Hände und in dem arroganten Leuchten in seinen Augen. Normalerweise kümmerte sich Neville um die Auroren. Er verhandelte die Pläne und wählte aus, wer bei welcher Mission zusammenarbeitete. Aber er, und auch der Rest des Hauses, hatte sich irgendeine milde Grippe eingefangen, die ihn schniefend ans Bett fesselte. Und Draco allein übrig ließ, um mit diesem inkompetenten Scheißkerl klarzukommen.

Er hatte gerade tief Luft geholt um zu erklären, warum der stumpfsinnige Plan nicht funktionieren würde, als ein riesiger Haufen Kleidung durch die Tür platzte. Draco konnte nur vermuten, dass Granger wirklich Augen am Hinterkopf hatte. Wie hätte sie sonst durch die kleine Küche zu der Tür finden können, die runter in den Keller führte? Sie knüllte das Bündel in ihren Armen zusammen, drehte den Kopf leicht zur Seite und bemerkte erst jetzt, dass die Küche nicht leer war.

„Oh! Tut mir leid.“ Sie lachte rauchig, entschuldigend und nickte in Richtung Kleidung (so gut das ging ohne den Kopf zu bewegen). „Ich versuche nur Wäsche zu waschen.“

„Wäsche“, wiederholte Draco und hob eine Augenbraue. „Granger, es ist zwei Uhr früh.“

„Wirklich?“ Sie runzelte abwesend die Stirn bevor sie mit den Schultern zuckte und ihre Hände fummelten nach dem Türgriff. Endlich war sie erfolgreich und ein kurzes Lächeln erhellte ihr Gesicht. „Nun, ich werde nicht weiter stören. Arbeitet schön weiter!“

Erst nachdem der Auror weg war, über eine Stunde später, bemerkte Draco, dass diese verrückte Frau immer noch nicht aus dem Keller wieder aufgetaucht war. Seufzend – sie war wirklich eine Nervensäge – öffnete er die Tür und lief langsam die Treppe runter. Die Geräusche dieser merkwürdigen Muggel-Geräte (Kleider-Wäscher oder sowas) erfüllten den Raum mit einem tiefen, dröhnenden Summen. Granger lag zusammengerollt in der Mitte des Zimmers, die Arme immer noch um die Klamotten geschlungen, die auf ihre Wäsche warteten, den Kopf in Richtung Brust geneigt. Ihr Mund war leicht geöffnet und ihre Augen bewegten sich schnell unter ihren Lidern. Was auch immer sie träumte, es ließ sie hektisch vor sich hin murmeln, ihre Augenbrauen legten sich in Falten.

Das Grinsen erschien unaufgefordert auf seinem Gesicht. Selbst im Schlaf war sie eine herrische Besserwisserin. Sie zitterte plötzlich, vielleicht spürte sie seine Anwesenheit – obwohl die Art, wie sie sich umarmte andeutete, dass ihr einfach nur kalt war. Er trat einen Schritt auf sie zu und hob seine Arme um – was? Sie anzustupsen? Sie hochzunehmen und wie ein kleines Kind ins Bett zu tragen? ‚Sicher nicht das dreckige Schlammblut?’ Blaises Worte schwammen mit überraschender Klarheit an die Oberfläche seiner Erinnerung. Seine Hände fielen an seine Seiten. Er blickte nur noch ein paar Sekunden auf ihren schlafenden Körper. Dann machte er einen Schritt rückwärts. Noch einen. Er war schon halb die Treppe hoch, halb die Tür raus, halb aus der Küche.

Er lag wach in seinem Zimmer, bis er das unverwechselbare Trippeln ihrer Füße auf der Treppe hörte als sie zu dem Schlafzimmer lief, das Potter ihr abgegeben hatte, und erst dann schlief er ein.

::

In ihren Träumen hatte sie den Medaillon-Horkrux gefunden, aber jemand war zuerst da gewesen und hatte ihn zerstört, eine dickflüssige, schwarze Substanz lief aus dem Herzen des verfluchten Objekts über ihre Finger. Sie stolperte nach vorne, entschlossen das verdammte Ding in den See zu werfen, aber ihre Füße stießen gegen etwas und sie starrte hinunter auf Harrys leblosen Körper. Er starb, soviel war klar. Die gleiche schwarze Flüssigkeit, dick und glänzend wie Tinte, lief aus seinen Mundwinkeln, seine Augen rollten nach hinten in seinen Kopf. Und irgendwie wusste sie, dass sie ihn retten konnte, wenn sie das Medaillon retten würde, weil sie auf eine Weise verbunden waren, die sie nur einmal in Betracht gezogen und danach sofort als Unfug abgetan hatte.

Sie schlug die Augen zu und drückte das Medaillon fest, hoffte, die Flut von Blut oder was auch immer aus dem Kern einzudämmen. Aber sie verschwand und als sie ihre Augen wieder öffnete, stand sie auf einem weiten Feld voller verwilderter Blümchen und die kalte, taufeuchte Kälte des Morgens umschlang sie in einer kaum spürbaren Liebkosung. Sie legte ihre Arme um ihre Mitte. Fiel auf die Knie und betete.

::

Die Neuigkeiten vom Tod seiner Cousine erreichten sie drei Tage nach Pansys Abschied. Nach dem kurzen Diagramm, das er als Blutsverwandter der Frau erhielt, war eine gewisse Nymphadora Tonks im Dienst gefallen. Später würde er hören dass sie und vier andere Frauen die Sicherheit der abgeschiedenen Unterschlupfe, zu denen sie geschickt worden waren, verlassen hatten um ihren verstorbenen Ehemann zu rächen. Er hörte Shacklebolts Schilderung des Wahnsinns, den Lupins Tod über die Frau gebracht hatte, zu und fragte sich nicht zum ersten Mal, ob nicht in allen weiblichen Familienmitgliedern irgendwo eine Geisteskrankheit schlummerte. Die fünf Frauen hatten anscheinend den Aufenthaltsort einiger Todesser gefunden, die vermutlich bei der Invasion der Unterschlupfe mitgemacht hatten. Sie starben im Kampf und rissen sieben Feinde mit sich.

Seine Tante Andromeda war vom Dienst befreit um sich etwas um den kleinen Teddy Lupin zu kümmern, ein Waisenkind, das später nichts anderes kennen würde. Shacklebolt hatte die Aktion der Frauen kommentiert. Hatte gesagt, dass der Rest von ihnen sich ein Beispiel daran nehmen sollte, so willig für ihre Sache und ihre Geliebten zu sterben. Aber das Leuchten des Ruhmes konnte die Wellen des Kummers nicht besänftigen und in jener Nacht war der Grimmauld Platz gefüllt von dem leisen Dröhnen von Schluchzern, nur ab und zu unterbrochen von einem typischen Potter-Anfall. Draco stolperte später am Abend über den Mann, sein Kopf in Grangers Schoß während sie, trockene Augen und ein Muster an Ruhe, beruhigende Geräusche machte und mit den Fingerspitzen durch seine Haare fuhr. Draco machte keinen Mucks, aber sie sah trotzdem auf, ihre Augen verschmolzen gerade mal für drei Sekunden mit ihren, bevor ihre Aufmerksamkeit wieder zu Potter wanderte.

::

Harry konnte nicht schlafen. Er wechselte zwischen Schluchzen und Schreien, Fluchen und Flehen – „Meine Familie, Hermine! Meine gesamte Familie ist tot!“ – bis es sich in Hermines Kopf drehte wegen der Emotionen, die ihn von innen zerrissen. Dreimal musste Ron ihn niederringen, weil Harry sich sonst tatsächlich aus dem Haus gekämpft hätte um Voldemort im Alleingang zu konfrontieren. Am Ende bekamen sie alle ein paar Stunden Schlaf bevor die Sonne wieder aufging. Hermine wachte auf, die Arme schützend um Harry gelegt, beide auf ein enges Bett gequetscht. Ron schnarchte leise auf dem Sessel in der Ecke.

Er bewegte sich leicht, als sie vorsichtig aufstand und versuchte ihn nicht zu wecken, während sie sich ihm entzog. Es war immer noch so früh, dass Nevilles Schnarchen die Stille im Flur brach und jene, die ihre Nacht in einem fremden Zimmer verbracht hatten, hatten ihre schuldbewusste Rückkehr in ihr eigenes Schlafzimmer noch nicht begonnen. Hermine lief geplättet in die Küche und verbarg ein Gähnen hinter ihrer Hand, während die andere den Schalter am Wasserkocher umlegte. Ihre Augen juckten vor Schlafmangel und sie verfluchte ihre Unfähigkeit weiterzuschlafen, wenn sie einmal aufgewacht war.

Erst als das schwache Pfeifen signalisierte, dass das Wasser kochte, erkannte sie ihren Fehler. Auf der Theke vor ihr standen nicht eine, sondern zwei Tassen, beide voll mit Kaffee, bereit um mit Wasser vermischt zu werden. Ihr verschlafener Verstand hatte eindeutig verpasst, dass Pansy abgehauen war, denn ihre Tasse enthielt neben dem Pulver eine sehr großzügige Menge Zucker, während der andere Kaffee schwarz war, wie Pansy ihn mochte. Hermine zählte bis zehn. Konzentrierte sich auf eine tiefe Atmung, ein durch die Nase, aus durch den mund.

Es war nur eine Tasse. Nicht einmal die, die Pansy sonst benutzte. Und trotzdem wandte sie sich dem Küchentisch zu, kam nicht drum herum zu bemerken, wie viel verlassener er wirkte, leer ohne jemanden, der sie ungeduldig scheuchte, den Kaffee endlich fertig zu machen. Es war nur eine Tasse, aber ihre Beine gaben nach und ihr Gesicht verzog sich wie schon seit Wochen nicht mehr. Es war wie ein Riss in dem Nebel, der sich auf ihr Gehirn gelegt hatte, die plötzliche Rückkehr von Emotionen überschwemmte ihre Augen und stahl ihr den Atem.

Sie nahm die Tasse mit sich als sie zu Boden glitt, wiegte sie an ihrer schmerzenden Brust durch das erstickte Schluchzen, das ihren ausgelaugten Körper beben ließ. Sie drehte ihr Gesicht zur Wand und zog sich zusammen, und immer noch hielt sie die Tasse fest in ihren Händen. Sie weinte bis die Hysterie zu erbärmlichen Schluchzern schmolz, dann schließlich zu einem Schluckauf zwischendurch. Und als Draco sie eine halbe Stunde später fand, immer noch auf dem Boden, immer noch die Tasse eng an ihren Bauch gedrückt, hob er keine spöttische Augenbraue oder sah sie mit diesem Glänzen in den Augen an, das ihr sagte, dass er ihre geistige Gesundheit in Frage stellte. Er schloss einfach die Tür hinter sich und überquerte die kurze Distanz zu ihr. Es war keine große Küche und er es gab viele Stühle, aber er setzte sich neben ihr auf den Boden, nah genug, dass ihre Schulter seinen Arm mit jedem zittrigen Atemzug berührte.

„Es konnte nicht ewig dauern, Granger“, sagte er nach einer Weile und sie war sich nicht sicher, ob er ihren derzeitigen Zombie-Zustand oder die kurze Zeitspanne von Fast-Glück meinte, die so spektakulär in Stücke gesprengt worden war. Sie nickte trotzdem, dann nochmal, weil die Bewegung ihren Kopf zu klären schien.

„Nein“, stimmte sie zu. Dann Pause. „Ich habe ihr nie sagen können, dass ich gar nicht wirklich fand, dass sie ein Mopsgesicht hat.“ Draco prustete amüsiert und als sie ihn ansah, weiteten sich ihre Augen in gespieltem Unglauben. „Draco Malfoy, hast du gerade tatsächlich gelächelt?“

Seine Gesichtszüge hatten sich bereits wieder zu einem vorsichtig disziplinierten, bösen Blick verzogen. „Ich habe nicht gelächelt. Ich habe gegrinst“, korrigierte er. „Malfoys lächeln nicht.“

„Für mich war es ein Lächeln.“

Er antwortete nicht. Vielleicht war es kein Lächeln. Vielleicht lag es nur an dem schwachen Licht der Küche oder dem Winkel seines Gesichts. Aber ein Teil der Schmerzen verließ ihre Brust und der Knoten in ihrem Bauch übte nicht länger einen Brechreiz auf sie aus. Sie wunderte sich vorsichtig, dass seine Anwesenheit tatsächlich einen Teil ihres Kummers gelöst hatte statt welchen zu verursachen. Aber sie schob den Gedanken weg, mehr beschäftigt damit, ihn zu dem Geständnis zu zwingen, dass er wirklich gelächelt hat und dann den verbalen Kampf zu gewinnen, der folgte. Als sie fertig waren – und nur weil Dean runter kam und sie anschrie, weil sie mit ihrem Gezanke das ganze verdammte Haus geweckt hatten – fühlte sie sich so gut wie schon seit Tagen, nein, Wochen nicht mehr. Und als die Tränen nur drei Stunden später drohten zurückzukommen, suchte sie ihn wieder um ihn anzuschreien, weil er das Brot nicht an seinen richtigen Platz gelegt hatte.

Später würde sie sich an jenen Moment erinnern und realisieren, dass es da angefangen hatte. Es war der Moment, wo alles anfing. Nicht mit albernen Geständnissen, unterstrichen vom Rauch einer geteilten Zigarette oder dem langsamen Vertrauen, das sich entwickelte, sondern mit dem albernen Streit auf dem Küchenboden, wo eine leere Tasse, vielleicht nicht vergessen, aber auf die Seite gestellt wurde. Sie würde darüber nachdenken wie, selbst damals, sogar bevor sie merkte, was sie da tat, er für sie eine Art Flucht war. Und sie würde es komisch finden, dass sie jemals dachte, sie könnte jederzeit aufhören, wenn sie nur wollte. Als ob sie nicht schon weit über den entscheidenden Punkt hinaus wären.


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Dan ist wirklich gut. Mit ihm zu arbeiten war wunderbar. Armer Junge, er musste so geduldig sein. Ich musste schwafeln und darüber sprechen, dass ich der Meister des Universums bin, dass ich böse bin und dass ich ihn umbringen werde und er musste verschnürt dastehen, sich krümmen und vor Schmerzen stöhnen, während ich einen Monolog führte. Der Monolog des bösen Genies - kein Film ist komplett, wenn er fehlt. Ich liebe es, böse Figuren zu spielen!
Ralph Fiennes über Daniel Radcliffe