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Fanfiction

Of Crimson Joy - Kapitel 6

von Nitsrek

::

Die Leute sagen oft, dass dieser oder jener Mensch sich noch nicht gefunden hat. Aber ein Selbst lässt sich nicht von jemandem finden, es lässt sich erschaffen. ~Thomas Szasz

::

Das erste Mal, als er Granger aktiv zum Trost aufsuchte, war genau ein Jahr und sechs Monate nach seiner Ankunft, ein blutiges, zuckendes Chaos in der Küche in jenem Haus, in dem er jetzt lebte. Er erinnerte sich nicht wirklich an jene Nacht. Eigentlich waren die meisten seiner Erinnerungen an diese Zeit mehr als nur ein wenig verschwommen (er sah das als Nebenwirkung von circa sechs Stunden langer Folter). Er wusste nicht, wie Snape ihn zum Grimmauld Platz geschafft hatte. Er wusste nicht, ob es Streit gegeben hatte oder ob er einfach als der halbtote Klumpen der er war angenommen wurde. Er wusste, dass der gesamte verdammte Bau ihm immer noch Gänsehaut verursachte. Und alles wurde noch hundert Mal schlimmer, als Loony – nein, Luna – Lovegood aus St. Mungo entlassen wurde.

Vielleicht weigerte sie sich einfach irgendwo in einer ländlichen Gegend isoliert zu sein oder vielleicht wurde auch beschlossen, dass der Grimmauld Platz wirklich sicherer war – Draco wusste es nicht, aber nach fünf Tagen voller Diskussionen aller Frauen im Haus über mögliche Kindernamen, Geburtstechniken und Schulen (Schulen, um Merlins Willen! Das Ding sah zurzeit wahrscheinlich nicht anders aus als ein Urzeitkrebs!) war er kurz davor sich umzubringen. Er hatte das Gefühl, dass es nicht nur ihm so ging. Zumindest waren Dean und Neville sehr froh als sie sich mit ihm zusammen freiwillig als Team für Shacklebolt meldeten. Es sollte nur eine kleine Mission sein – rein und raus in weniger als sechzig Minuten hatte Shacklebolt gesagt.

Außer dass das besagte Artefakt, das sie überprüfen sollten, nur eine Ablenkung von den sechs Todessern waren, die versteckt auf sie warteten. Es gab eine unausgesprochene Regel unter den Soldaten – töte niemals die Jungen. Rassismus und Hass hatten keine Altersgrenze – Draco selbst war der lebende Beweis dafür – und Voldemort hatte keine Skrupel, fünfzehnjährige Kinder in den Tod zu schicken. Sie waren arrogant und unerfahren und geblendet von ihren Vorurteilen – und das machte sie nur noch gefährlicher. Sie hatten keine Technik, kein Muster, dem sie folgten. Ihr Verhalten wurde von ihren Hormonen kontrolliert, wenn es nicht gerade von ihrem Hass bestimmt wurde.

Selbst die Falle war amateurhaft, was Draco ernsthaft die Fähigkeiten der Ministeriumsauroren in Frage stellen ließ. Man brauchte wenig mehr als ein paar gute Reflexe und Zielsicherheit um fünf der Jungen zu überrumpeln, damit sie keinen ernsthaften Schaden mehr anrichten konnten. Aber dann schrie Neville auf und war in die Ecke getrieben, sein Zauberstab nutzlos zu seinen Füßen; der einzige Todesser, der klug genug war um sich zu verstecken, hielt seinen Zauberstab an seine Kehle. Für einen überraschten Moment wurde Dracos Verstand vollkommen leer. Er dachte nicht an die Altersregel oder irgendwelche Alternativen. Ein einziger Fluch kam über seine Lippen und der Todesser lag tot vor Nevilles Füßen.

Normalerweise sah Draco jetzt weg. Er konnte es nicht ertragen darauf zu warten, dass die Illusion der silbernen Maske verschwand und den Feind als wirkliche Person enthüllte. Als Mutter, Vater, Onkel, Neffe. Jemand, neben dem er sechs Jahre in Zaubertränke gesessen war. Aber in diesem Moment war es als ob eine unsichtbare Kraft übernommen hatte und er konnte, wollte, seine Augen nicht von seinem Opfer nehmen. Die Maske flackerte und verschwand und er starrte hinunter in das Gesicht eines Mädchens. Sie konnte nicht älter als sechzehn sein, noch pausbackig von der Endzeit einer unangenehmen Jugend, die Augen noch glänzend mit dem Licht seines Avada.

Die anderen hatten es gesehen – mussten es gesehen haben – sagten jedoch nichts während sie Verstärkung riefen und darauf warteten, dass ihre Gefangenen zu irgendwelchen Zellen abtransportiert wurden. Zurück in der Küche vom Grimmauld Platz lehnte Draco das angebotene Betthupferl ab und sprintete ins nächste Badezimmer, wo er ausspie, was sich wie der komplette Inhalt seines Magens anfühlte. Als nur noch Galle übrig war, beseitigte er die Unordnung und putzte gründlich seine Zähne. (Er wurde den bitteren Geschmack trotzdem nicht los.) Er war etwas überrascht, als er Dean vor der Tür wartend fand.

„Ich dachte ich schau mal, ob… du weißt schon, du okay bist. Oder so.“ Er zuckte verlegen mit den Schultern und Draco wurde sich plötzlich der Tatsache bewusst, dass die Freundin dieses Mannes im Keller seines früheren Zuhauses vergewaltigt und gefoltert worden war.

„Mir geht’s gut“, sagte er, seine Stimme rau vom Übergeben.

Dean nickte. Drehte sich zum Gehen um. Zögerte. „Weißt du“, begann er und sah immer noch in die andere Richtung, „mit diesen dummen Masken ist es schwer zu sagen. Du konntest es nicht wissen.“

Draco überlegte, ob er antworten sollte, aber es gab nichts zu sagen und Dean war sowieso schon auf dem Weg zu dem Zimmer, dass er, Luna und Fred Weasley teilten. Draco zog eine Grimasse als er daran dachte, in den Raum zurückzukehren, den er und Neville nun besetzten. Selbst von seinem derzeitigen Standpunkt aus, vier Türen von seinem Zimmer entfernt, konnte er die tierischen Schnarchlaute hören. Er stellte sich vor in dieses enge, kalte Bett zu klettern und Stunden wach zu liegen, nur von diesem Schnarchen begleitet. Traf eine Entscheidung und lief in die entgegen gesetzte Richtung.

Grangers Zimmer war in der obersten Etage und er musste ein paar Stufen erklimmen bis er da war. Sie muss wohl geschlafen haben, aber das leise Öffnen der vorher verschlossenen Tür riss sie aus dem Schlaf und er sah sich einem offensichtlich vom Schlaf verwirrten Chaos mit buschigen Haaren gegenüber, das einen Zauberstab in die völlig falsche Richtung streckte. Ihre Hand wuselte über den Nachttisch und Licht erhellte den Raum als sie die Lampe fand.

„M… Malfoy?“, murmelte sie, die Stimme schläfrig und die Benutzung seines Nachnamens verletzte ihn mehr als er freiwillig zugeben würde. „Was tust du hier?“

Draco schloss die Tür hinter sich und verriegelte sie mit einem leisen Klick. „Entweder ich schlafe hier bei dir oder Nevilles Mord geht auf deine Kappe.“

„Wie spät ist es?“ Sie war überrascht als sie hörte wie er seine schweren Stiefel abstreifte.

„Spät. Oder früh. Je nachdem wie man es sieht.“ Er zog sein Hemd über den Kopf und riss Granger damit endlich aus ihrer Starre. Zu jeder anderen Zeit wäre ihre Reaktion komisch gewesen. Ihre Augen weiteten sich, Blut sammelte sich in ihren Wangen, ihr Blick schoss zur Decke, zum Boden, zum Fenster – überall hin, nur nicht zu seinem nackten Oberkörper.

„Draco! Was glaubst du, was du da tust?“, zischte sie. „Du kannst nicht einfach in mein Zimmer kommen und dich ausziehen!“

„Es gibt nicht genügend Betten“, log er. „Ich dachte wir wären Freunde.“

Wie geplant schien das jeden Protest auf ihrer Zunge zurückzuhalten. „Sind wir auch!“

„Dann ist das hier ja kein Problem, oder?“ Bei ihrem panischen Blick seufzte er. „Entspann dich, Granger. Ich behalte meine Unterwäsche an.“ Ihre Augen fielen fast aus ihren Höhlen als er einfach den Reißverschluss seiner Jeans öffnete, sie nach unten auf seine Knöchel schob und sie dann unfeierlich auf einen Haufen trat. Er erwartete weiteren Protest oder zumindest ein empörtes Kreischen. Als er jedoch nur Stille wahrnahm, drehte er sich um und entdeckte, dass die Frau ihn auf jene beunruhigende Art anstarrte, die seine Okklumentik versagen ließ, auch wenn er wusste, dass sie keine ausgebildete Legilimens war. „Was?“

„Du siehst…“ Sie verstummte und zog ihre Unterlippe zwischen die Zähne.

„Ich sehe was?“, fragte er irgendwie aufgebracht.

„Du siehst aus wie früher.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Du wirkst so kalt. Ist auf eurer Mission etwas passiert?“

Ein Eisklumpen fiel erdrückend in seinen Magen. Er sagte nichts, zufrieden mit ihrem leisen Quietschen als er die Decke nur mit einem ‚wenn du gestattest’ zurückriss. Das Shirt in dem sie schlief musste einem Mann gehört haben und bedeckte kaum ihre Schenkel, egal wie stark sie zog. Er ignorierte ihre Beschämung und legte sich einfach neben sie. Er hatte gehofft, dass sie das Thema fallen lassen würde, aber sie sah ihn schon wieder so an. Er knurrte tief.

„Nur einmal in deinem Leben, lass es, Granger. Okay?“ Er wartete nicht auf ihre Antwort und ignorierte ihre Grimasse als er sich über sie lehnte und das Licht ausschaltete. Minuten vergingen. Er kniff seine Augen fest zu und versuchte den Schlaf herbeizuzwingen. Sinnlos. Ihr Blick allein war wie eine dritte Person, die auf seinem Rücken lag. Er seufzte schwer und sah sie in der Dunkelheit an. „Was ist es jetzt?“

„Hier ist nicht genug Platz für uns beide!“, motzte sie und schubste ihn. „Rutsch rüber!“

„Oh, um Himmels -“ Er packte sie und zog sie nach unten, zog ihren Körper in seine Arme, so dass ihr Rücken gegen seine Brust drückte. „So, zufrieden?“

„Du hättest mich zumindest warnen können“, murmelte sie nur. Aber vielleicht spürte sie, dass heute nicht die richtige Nacht für alberne Streitereien war, denn sie sagte nichts mehr und entspannte sich minimal. Sie waren lange Zeit ruhig, auch wenn keiner von ihnen schlief. Jedes Mal, wenn Draco die Augen schloss und versuchte in die Bewusstlosigkeit zu sinken, überkam das Bild dieses Mädchens sein Gehirn, wie es für immer jene erschreckende Feststellung zeigen würde, als das Grün auf sie zuraste. Er fragte sich, ob heute Abend Eltern auf ihre Rückkehr warteten, Geschwister Stolperfallen für sie auslegten, damit sie fiel wenn sie heimkam.

„Draco?“, flüstere sie, aber er zuckte zusammen als hätte sie ihm ins Ohr geschrien.

„Was?“

„Du zitterst.“

Stimmt. Der Arm um ihre Taille bebte mit der Feststellung noch stärker und er ballte eine Faust, um wieder Kontrolle zu erlangen. „Schlaf, Granger.“

„Bist du verletzt? Soll ich Tränke holen?“ Der Gedanke war verführerisch – sie würden ihn jedenfalls sicher schlafen lassen. Aber sein Kopf schüttelte sich von selbst. Dann hob sich ihre Hand, voller Zögern und Ungewissheit, und legte sich auf seinen Arm. Sie musste wohl erwartet haben, dass er sie dafür anschrie, denn sie bewegte sich danach erst einmal nicht; als ihre Hand ihre tröstliche Reise seinen Unterarm hoch und runter begann, war es zunächst zu schüchtern, zu zaghaft. Er stieß einen langen, zittrigen Seufzer aus.

„Erzähl mir etwas, was ich nicht über dich weiß.“

Sie versteifte sich, vielleicht weil das das erste Mal war, dass er von selbst diese Unterhaltung anfing, oder vielleicht war es auch die Reaktion auf den warmen Atem in ihrem Nacken. Eine volle Minute herrschte Stille bevor sie sprach. „Ich bin kein Einzelkind.“

Es war nicht die kindische Anekdote, die er erwartet hatte und er hob seinen Kopf leicht vom Kissen, um sie besser ansehen zu können. „Was?“

„Ich bin kein Einzelkind“, wiederholte sie geduldig. „Ich habe vor dem Krieg meiner Eltern ihre Gedächtnisse gelöscht. Ich weiß nicht, wo sie sind. Diese Erinnerung habe ich zur Sicherheit auch gelöscht, falls… nur für den Fall. Aber Shacklebolt überwacht alle Familien, die sich verstecken, und hält uns auf dem Laufenden. Vor ein paar Jahren bekam meine Mum ein Baby – einen Jungen. Sein Name ist Lucas.“

Sie drehte sich in seinen Armen, damit sie ihn ansehen konnte, ihre Gesichter nur dreißig Zentimeter voneinander entfernt. „Was ist heute passiert?“

Er kniff die Augen zu. „Keine Lügen?“

„Keine Lügen.“

„Ich habe ein Mädchen umgebracht.“ Das Geständnis fiel in die hohle Stille und Draco konnte die Grimasse nicht unterdrücken. Er wartete darauf, dass sie ihm sagte, es wäre nicht sein Fehler – dass er es durch die Maske nicht hatte sehen können und dass es jedem hätte passieren können. Aber das war der Punkt. Er hatte es gewusst. Ganz tief. Durch die Unerfahrenheit des Mädchens, das Zögern vor dem Töten. Er hätte sie nur betäuben können. Hat er aber nicht.

„Lieber sie als du.“ Seine Augen flogen auf. In der Dunkelheit konnte er gerade ihr Profil erkennen, ihre Augen weit offen, die Lippen leicht geöffnet. Als er nicht antwortete, hob sie ihre Hand und umfasste sein Kinn mit mehr Stärke als er ihr zugetraut hätte. „Besser sie tot als du“, wiederholte sie. Eine Weile später drehte sie sich wieder um und vielleicht bildete er sich nur ein, dass sie näher rückte. Er drehte sein Kissen ins Gesicht und als er merkte, dass ihre wilde Mähne sein ganzes Gesicht bedeckte, atmete er tief ein und beschloss, die Entdeckung, dass ihre Haare vielleicht doch nicht so schlecht waren, lieber nicht zu erkunden.

::

Hermine kam verfroren, müde und den Tränen nahe von einer Mission zurück und fand Draco und Neville im Wohnzimmer vor, Walzer tanzend. Ihr Publikum – bestehend aus Luna, Dean, Fred und einer kichernden Mrs. Weasley – applaudierte enthusiastisch als sie ihre letzte Drehung vollführten und sich voreinander verbeugten. Hermine stand festgefroren in der Tür und fragte sich, ob sie bewusstlos und das hier bloß ein Traum war.

„Oh, Hermine, Liebes!“, schaffte Mrs. Weasley durch ihr Lachen und tupfte ihre Augen mit ihrer Schürze. „Ich habe dich gar nicht gesehen.“

„Was in Merlins Namen ist das hier?“

„Draco bringt Neville bei wie man tanzt“, antwortete Luna. Ihre Hände lagen gefaltet auf ihrem rundlichen Bauch und Hermine musste bewusst dagegen ankämpfen, zu starren. Es dauerte einen Moment, bis sie die Worte verarbeitet hatte.

„Okay“, sagte sie und Draco warf ihr einen finsteren Blick zu als sie das Wort so in die Länge zog. „Und gibt es einen bestimmten Grund, warum Draco Neville das Tanzen beibringt?“

„Jeder junge Mann sollte wissen, wie man einen Walzer tanzt!“, erwiderte Molly. „Tanzen ist der perfekte Weg, einer Frau den Hof zu machen.“

Hermine hätte etwas dazu sagen können, aber Dracos Stirnrunzeln wirkte nun spitzbübisch und nachdenklich und sie verspürte plötzlich den Drang ihren Zauberstab zu greifen.

„Ach wirklich?“, murmelte er nachdenklich. Er sprang sie an bevor Hermine auch nur daran denken konnte, aus dem Weg zu gehen. Sie kreischte – wirklich – als er sie in seine Arme hob, ihre Füße baumelten über dem Boden, ihre Hände krallten sich in sein Hemd, die Arme halb gefangen von seinen. Sie schrie auch, aber selbst sie hörte, wie der Ärger schnell aus ihrer Stimme schmolz und dann lachte sie wie schon seit Wochen (Monaten, Jahren) nicht mehr. Sie klammerte sich an seine Schultern und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge, die Augen vor dem wirbelnden Raum verschlossen. Als er endlich anhielt und sie absetzte, stolperte sie bis alle lachten und sie festhielten, damit sie nicht fiel.

„Wie sieht’s aus, Granger? Habe ich dir den Hof gemacht?“ In seiner Stimme lag echtes Lachen – nicht neckende Gemeinheit oder amüsierter Spott – und Hermine lachte nur noch mehr.

Ein Quietschen im Flur zog ihre Augen zur Tür. Harry stand dort, sein Gesicht undeutbar, auch wenn sein angespannter Kiefer Bände sprach. Sie hörte nicht auf zu lachen – konnte nicht – und als Draco sah, wen sie anblickte, und versuchte sich von ihr zu entfernen, hielt sie sich nur noch stärker an ihm fest. Harry hob daraufhin eine Augenbraue, aber die Botschaft war deutlich und er lief mit nur einem kleinen Nicken weiter. Niemand sonst bemerkte den Austausch, da die Unterhaltung sich schon weitaus wichtigeren Themen zugewandt hatte (nämlich Nevilles zwei linken Füßen). Aber als sie sich umdrehte, beobachtete Draco sie und auch wenn er nicht mehr lächelte lag in seinen Augen nicht die gewohnte Kälte. Diesmal war er es, der sie festhielt als sie gehen wollte.

::

„Warst du jemals verliebt?“

Die Frage, so typisch für Granger, ließ Draco bei seinem Zug innehalten. Er atmete langsam aus, der Rauch bildete lange Sehnen über seinem Kopf. Seit der Attacke auf die Unterschlupfe hatten sie sich nicht mehr so getroffen. Grimmauld Platz hatte keine Veranda und die einzige Bank war bis zur Unkenntlichkeit zerfallen. Aber er war früher am Abend von einer Mission zurückgekehrt und hatte Granger entdeckt, wie sie sich mit einem alten Sofa aus einem der Zimmer, die kaum genutzt wurden, abmühte. Er hatte keine Erklärung gebraucht, hatte sich einfach neben sie gestellt und geschoben, bis es schließlich im Hintergarten stand.

Er musste einst schön ausgesehen haben, aber die Rosensträucher hatten in ihrer Einsamkeit gewuchert und sich zu einem Dornenkäfig verknotet. Sie schnitt ein Loch in den stacheligen Wald, so dass ihr Sofa seinen Platz fand und verzauberte dann den Umkreis um sich vor dem Regen zu schützen. Er sagte ihr, dass es dumm von ihr war, so einen Zirkus zu veranstalten nur damit sie außen sitzen konnten. Sie antwortete, dass er sich auch verdammt nochmal verziehen könnte, wenn er ihre Idee so dumm fand. Er war geblieben.

„Ich dachte es mal“, sagte er nun. „Aber ich glaube im Prinzip wollte ich nur etwas, was ich nicht kriegen konnte.“

„Warum konntest du sie nicht kriegen?“

„Sie war Blaises Freundin.“ Sie antwortete nicht und für ein paar Momente herrschte Stille. „Und du?“

„Ich weiß nicht. Ich habe früher geglaubt, ich wäre in Ron verliebt.“

„Warst du nicht?“

„Ich habe Ron geliebt. Aber es war keine Liebe.“ Sie seufzte und er spürte, wie sie sich aufsetzte. „Was soll das überhaupt bedeuten? ‚Verliebt’. Es ist nichts Reales. Ich kann es nicht sehen. Nicht fühlen. Es ist nur ein Konzept, erfunden von Leuten, die nicht akzeptieren wollten, dass das hier alles ist. Es gibt sonst nichts. Das Leben ist nur eine lange Generalprobe für ein Stück, das doch nicht aufgeführt wird.“

Draco runzelte die Stirn. „Ich habe dich nie als Zynikerin gesehen, Granger.“

Sie seufzte bei seinen Worten und sank zurück in die Couch. „Ich habe früher daran geglaubt, als ich noch ein Kind war. Ich wollte es auch – das Gesamtpaket, einen glänzenden Prinzen, der mir Lieder sang und mich zu seiner Prinzessin machte. Gott, ich kann nicht glauben, dass ich das gerade laut gesagt habe.“

„Was hat dich aufhören lassen? Daran zu glauben, meine ich.“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es wirklich nicht. Es war, glaube ich, seit ich nach Hogwarts ging.“

Er setzte sich auf. Sein Arm berührte ihren und sie rückte als Reaktion etwas näher. „Ich fand immer, dass Liebe eher ein Muggel-Konzept ist.“

Sie sah ihn stirnrunzelnd an. „Echt? Wieso das?“

„Liebe ist für die Muggel das, was am ehesten an Magie herankommt. Deshalb brauchen sie sie auch so sehr.“ Für einen langen Moment waren sie still. Ihr Kopf schnellte in seine Richtung als ein amüsiertes Lachen über seine Lippen kam.

„Was?“

„Nichts. Ich habe mir nur vorgestellt, wie Weasley irgendeinem armen Mädchen etwas vorsingt.“

„Draco!“ Sie versuchte ihm einen Klaps zu geben, aber er packte ihren Arm, bevor sie ihn berühren konnte. Ein kleiner Kampf entstand. Grangers Lachen hallte hell durch die Nacht.

::

Hermine lehnte am Türrahmen, ein kleines Lächeln hob ihre Mundwinkel. Luna lag auf dem Sofa, ihr Hemd bis über ihren runden Bauch hochgezogen. Dean kniete neben ihr auf dem Boden, das Ohr an ihrer Haut, und horchte gespannt auf etwas, das der Rest von ihnen nicht hören konnte. Er nickte, murmelte zustimmend, dann setzte er sich auf. Mit ernster Miene sagte er, „Das Baby und ich haben uns geeinigt – es ist definitiv ein Archibald.“

Fred schnaubte und sogar Draco sah etwas amüsiert aus. Luna lächelte einfach auf ihre träumerische Art und tätschelte die Rundung ihres Bauchs. „Archibald. Gefällt mir.“

„Vielleicht wollen die Adoptiveltern ja den Namen aussuchen?“, fragte Harry. Hermines Lächeln wurde breiter bei seinem Anblick, die Wangen leicht gerötet, die Augen fröhlich, glücklicher als die ganze letzte Zeit.

„Naja, wir haben uns überlegt, dass das Baby vermutlich für eine Zeit lang nach der Geburt in einem der Unterschlupfe untergebracht wird“, antwortete Dean und setzte sich hinter Luna, ihr Kopf in seinem Schoß. „Molly sagte, es könne Monate dauern, bis sie passende Eltern finden.“

„Und er kann nicht so lang namenlos bleiben“, fügte Luna hinzu. „Blibbernde Humdinger sind bekannt dafür, namenlose Babys mit Kuckuckskindern zu verwechseln.“

Auch wenn Hermine früher über so eine Bemerkung über alle Maßen empört gewesen wäre, kicherte sie jetzt nur rau und schüttelte leicht ihren Kopf über die skurrilen Ansichten des Mädchens. Die Luft hinter ihr veränderte sich und sie drehte sich um und sah Ron, die Augen auf die Szene vor ihnen gerichtet.

„Ich habe immer gedacht, sie wäre verrückt“, bemerkte er. „Aber manchmal habe ich das Gefühl, sie ist hier die einzige mit klarem Kopf.“ Hermine lachte und lehnte ihren Kopf wieder gegen den Türrahmen. Dean hatte nun seine Hand auf Lunas Bauch gedrückt, die Augen weit als das Baby sich unter der Berührung bewegte. Als Hermine sich wieder Ron zuwandte, bemerkte sie, dass er sie beobachtet hatte, ein Lächeln auf den Lippen. „Glaubst du manchmal, es hätte zwischen uns funktioniert, wenn du unser Baby bekommen hättest?“

Seine Worte schickten einen schwachen - nicht wirklich – Schmerz, eher das Echo von Schmerz, von Liebeskummer, der nie richtig verheilt war, aber im Laufe der Zeit besser geworden ist – durch ihre Brust. Ihr Lächeln war klein, ebenso traurig wie seins. „Es hätte nie funktioniert, Ronald. Du hättest gewollt, dass wir wie Tonks und Teddy irgendwo versteckt werden und ich hätte dich dafür verachtet. Ich wollte kein Kind in diesem Krieg zur Welt bringen.“

„Ich verstehe. Und ich weiß, dass du Recht hast. Es ist nur…“ Er verstummte, seine Augen wanderten zurück zu Dean und Luna. „Ich denke manchmal darüber nach. Ob es ein Junge oder ein Mädchen geworden wäre, mit deinen Locken oder den Augen meiner Mutter. Ich glaube, es wäre schlau geworden. Wie ihre Mutter.“

Seine Augen waren nun verklärt und als er nickte, blieb sein Kopf etwas länger hängen als nötig. Hermine schluckte schwer um den dicken Kloß, der in ihrem Hals Zelte aufgeschlagen hatte. „Du bist auch schlau, Ron“, sagte sie, weil ihr nichts Besseres einfiel. Er lachte erstickt. Er würde sie nicht ansehen, aber bevor er ging glitt seine Hand in ihre, und die Wärme seiner Hand ließ ihre Haut kalt und bar zurück.

::

"Draco..."

Draco knurrte leise beim Klang seines Namens auf ihren Lippen, ein rauchiges, drängendes Flüstern an seinen, zog schnell ihre Unterlippe zwischen seine Zähne und saugte leicht. Grangers Hände waren überall – auf seinen Schultern, an seinem Rücken, unter seinem Hemd um über die langen Furchen seines Bauchs zu fahren. Seine Hände lagen eher passiv um ihre Taille, sein Verstand noch beschäftigt mit der plötzlichen Wende der Ereignisse an diesem Abend. Er hatte gerade noch Granger im Garten gesucht und gehofft, eine Zigarette von ihr schnorren zu können, weil sein eigener Vorrat schnell verschwand, und plötzlich krallten ihre Hände sich in seinen Kragen und seine Lippen stießen gegen ihre. Die auffordernde Bewegung ihres Munds ließ keinen Platz für Proteste – nicht dass er vorhatte zu protestieren.

Dennoch. Er musste sich einfach fragen, was diese nicht unwillkommene Aktivität verursacht hatte. Seit ihrem Gespräch mit Weasley schien sie launischer. Wut flackerte kurz in seinem Bauch auf bei dem Gedanken, dass Weasley etwas gesagt hatte, was sie aufregte, dicht gefolgt von Verwirrung darüber, dass es ihn wütend machte, wenn Granger aufgebracht war. Granger kniete sich über ihn und alle Gedanken an Weasley und Wut flohen, als ihr Körper sich gegen seinen presste.

Er stöhnte als sie leicht an seinen Haaren zog und seinen Mund wieder nach oben an ihren führte. „Merlin, Granger“, murmelte er, während ihre Lippen sich immer noch berührten. „Du solltest definitiv öfter mit dem Wiesel streiten.“

„Versuch bitte, Ronald jetzt nicht zu erwähnen“, sagte sie mit leiser, rauer Stimme, die sofort einen Wärmestrahl direkt in seinen Schritt sandte. Er dachte, dass sie noch etwas sagen würde, aber sie küssten sich schon wieder und es gab wichtigere Dinge, um die sich sein Verstand kümmern musste, zum Beispiel diese köstlichen Kurven, die er unter dem Schutz ihres hässlichen Pullovers nachfuhr oder das leise Wimmern, das ihrem Mund entkam, wenn er mit den Fingernägeln über ihren Rücken fuhr.

„Miss Granger! Sind Sie das?“ Der tiefe, abrupte Klang von Shacklebolt ließ sie auseinander springen. Sie entfernte sich nicht weit, ihr Mund immer noch nah genug, dass er jeden ihrer keuchenden Atemzüge auf seinen Lippen spürte, ein angenehmes Gefühl auf der schon übersensiblen Haut.

„Ignorier ihn“, flüsterte sie.

„Vielleicht ist es wichtig.“

„Ist es nicht. Er weiß, dass ich mit dir hier außen bin.“

„Aber -“

„Draco. Hör auf zu streiten und küss mich.“

Es wurde schwierig sich daran zu erinnern, warum er überhaupt mit ihr diskutierte, vor allem wenn sie mit ihrer Zunge seine Unterlippe auf diese Art nachzeichnete. Aber Shacklebolts Stimme war wie ein Eimer kaltes Wasser auf ihre hitzige Lust gewesen und Draco konnte das wachsende Gefühl drohender Gefahr, das sich wie ein Eisblock in seine Magengrube legte, nicht unterdrücken. Er entzog sich ihr wieder und diesmal versuchte Granger nicht, ihn aufzuhalten.

„Ich denke, du solltest reingehen“, sagte er und es war das Ergebnis von drei Jahren Übung, dass seine Stimme nicht einmal zitterte. Die Verwirrung in ihren Augen ließ ihn jedoch die Hände zu Fäusten ballen, damit er sie nicht wieder an sich zog. Nein, wollte er schreien, es ist nicht wie du denkst! Aber es war genauso wie sie dachte und Blaises Worte wirbelten durch seinen Kopf, ein endloser Kreislauf, den er nicht mehr zum Schweigen bringen konnte. Er verkniff sich ein Stöhnen als sie von seinem Schoß kletterte und dabei mit einem Bein unabsichtlich seine Erektion streifte. Wenn sie es bemerkte, ließ sie es sich nicht anmerken. Sie wollte ihn nicht ansehen.

Er wartete, bis er hörte wie die Hintertür ins Schloss fiel, zählte bis fünfzig, vergrub dann sein Gesicht in seinen Händen und fluchte. Laut.

::

„Es ist hoffnungslos!“

Bei Harrys plötzlichem Ausbruch sah Hermine von ihrem Buch auf und runzelte die Stirn. „Es ist nicht hoffnungslos, Harry. Wir wussten, dass es schwer werden würde, schon als wir beschlossen haben, es selbst zu machen.“

„Es ist nicht schwierig, es ist verdammt nochmal unmöglich! Es sind schon fast fünf Jahre rum und bisher haben wir nur den Ring, das Tagebuch und das Medaillon. Wir haben immer noch keine Ahnung, wo wir den Pokal oder das Diadem finden können!“

„Immerhin wissen wir, dass Nagini der sechste ist“, sagte Ron. Harry nickte widerwillig. Niemand sprach über ihre bisherigen Spekulationen zum siebten Horkrux.

„Ich mein ja nur. Vielleicht hat Dumbledore uns zuviel zugetraut“, beharrte Harry nach einer kleinen Pause. Er lief wieder hin und her – eine neue Angewohnheit, die er angenommen hatte, wenn er frustriert war – und Hermine verfolgte seine Bewegung aus den Augenwinkeln, während sie ihren Blick wieder auf das Buch senkte. „Wir waren noch Kinder, als wir zum ersten Mal davon erfuhren.“

„Dumbledore wusste, was er tat“, sagte Hermine fest. Es war ein Argument, so alt wie ihre Jagd nach den Horkruxen und ein erschöpfter Blick auf Ron zeigte ihr, dass er es ebenso leid war wie sie.

„Aber wenn wir um Hilfe gebeten hätten, wer weiß? Vielleicht hätten wir dann den Pokal und das Diadem schon! Und all diese Leute… vielleicht wären sie nicht tot.“

„So können wir nicht denken, Mann“, sagte Ron und durchbrach damit die schwerwiegende Stille, die Harrys Worten folgte. „Wenn wir anfangen das zu glauben, werden wir es nie schaffen. Außerdem glaubt Hermine, einen neuen Hinweis gefunden zu haben, nicht wahr, Hermine?“

„Hm?“ Hermine bemerkte Rons bedeutungsvollen Blick und nickte auf – wie sie hoffte – überzeugende Art. Schuldbewusstsein kitzelte in ihrer Brust als sie bemerkte, dass sie wieder einmal zugelassen hatte, dass Gedanken an Draco sie ablenkten. Sie hätte sich selbst geschimpft, wenn Ron sie nicht schon zweimal damit aufgezogen hätte, dass sie Selbstgespräche führte. Was machte es schon, dass sie nicht mehr miteinander gesprochen hatten, seit Shacklebolt sie in jener Nacht gestört hatte? Er konnte den Rest des Krieges damit verbringen, sie zu ignorieren, wenn er so kindisch sein wollte. Es war ihr egal (War es nicht). Mit einem frustrierten Seufzen runzelte sie die Stirn und wandte sich wieder ihrem Buch zu, während Ron so tat, als würde er über ihre Schulter mitlesen. Harry lief wieder hin und her.

::

Er hatte sich daran gewöhnt in Grangers Bett zu schlafen. Diese Feststellung allein machte ihn krank. Er, Draco Malfoy, gewöhnte sich sicher nicht daran, im Bett irgendeiner Hexe Trost zu suchen. Aber irgendwann war es zur Routine geworden. Ja, er würde es zugeben (zumindest vor sich selbst) – bei Granger zu schlafen war Routine. Er überlegte, dass sie irgendwie ihr Bett verzaubert haben musste (da er definitiv das Bett vermisste, nicht sie), damit er so tief und traumlos darin schlafen konnte. Und es war das Fehlen dieses Zaubers (nicht Granger), das ihn wieder an diesem Ufer stehen ließ und all die Toten auf der anderen Seite, die ihn beobachteten wie er sie beobachtete.

Inzwischen waren mehr versammelt – Theo und Vincent und Lupin und das Mädchen, das er getötet hatte. Sie hob ihren Arm und der wehende Ärmel ihres weißen Nachthemds rutschte über ihren Ellbogen. Das Mondlicht warf seine Strahlen auf ihre blasse, glatte Haut, heil, wo das Mal hätte sein sollen. Er sah nicht weg, bis sein eigener Ärmel über seinen Ellbogen hinauf gerollt war. Er sah hinab. Kein Schädel. Keine Schlange. Sein Arm war nackt. Schön und wunderbar nackt. Er fiel auf die Knie und schluchzte.

::

Hermine konnte den genauen Moment spüren, als das Messer in ihren Körper eintrat. Einen Moment hatte sie gekämpft, den Zauberstab gezogen, die Flüche schossen so schnell um sie herum, dass sie nicht mehr klar sagen konnte, welche von ihr kamen und welchen sie ausweichen sollte. Und dann plötzlich hob sie ein fester Griff fast vom Boden, ein dicker Unterarm legte sich enger um ihren Hals, enger, bis ihr Tränen in die Augen traten und ihr Herz schmerzhaft gegen ihre Rippen schlug. Es dauerte ein paar qualvolle Sekunden, bis sie realisierte, dass ihre Beine über den Müll und die Leichen eines Vier-Stunden-Kampfes stolperten und nicht der Boden einfach so unter ihr davon floss. Sie wurde aus der Schlacht gezerrt.

Wirkliche Angst rann nun durch ihre Venen, pumpte Adrenalin in ihre erschöpften Gliedmaßen. Sie biss, kratzte, trat, zog, kniff, riss – alles um davon zu kommen. Alles, um dort zu bleiben, wo sie zu sehen war. Wenn es eine Sache gab, die Moody ihr während dem Training eingetrichtert hatte, dann war es, dass man sich nie von seinem Team trennen lassen durfte. Auf dem Schlachtfeld herrschten klare Regeln – man kämpfte, bis einer fiel, und dann noch etwas weiter. Hermine war eine unglaublich talentierte Hexe. Aber mit ihrem Zauberstab in der anderen Hand ihres Angreifers, war sie sich plötzlich zu sehr ihrer Körpergröße im Vergleich zu ihm bewusst. Sie war noch nie körperlich stark gewesen – selbst jetzt ermüdete sie nach nur ein paar Minuten kämpfen.

Sie liefen nun schneller, einen Hügel runter, ihre tretenden Beine rutschten gefährlich über den Schlamm. Er stolperte und für eine glückliche Sekunde glitt sein Arm von ihrem Hals. Sie hielt nicht inne um den süßen Sauerstoff, der in ihren Venen sang, zu genießen. Ihre Zähne sanken in seine Haut und sie gab nicht nach bis sie Blut schmeckte. Der Mann keuchte laut, stolperte wieder und sie nutzte seine Überraschung, um ihn von sich zu stoßen. Renn. Ihre Hände kratzten über den Boden während sie den Hügel wieder nach oben stolperte. Sein schwerer Atem war dicht auf ihren Fersen. Schneller. Nicht schnell genug. Seine Hand klammerte sich um ihren Fuß. Der Boden huschte an ihr vorbei und sie bemerkte nur nebenbei das Krachen ihres Arms unter ihrem Gewicht. Flacher Boden drückte gegen ihren Körper und schon war sie wieder auf den Beinen, rannte, kroch, alles um zu fliehen.

Starke Hände packten ihre Schultern, rissen sie herum bis ihr Rücken schmerzhaft gegen den nächsten Baum krachte. Eine Welle Übelkeit erregender Schmerzen erschütterte ihren Magen, während ihr verletzter Arm an ihrer Seite zuckte und sie den Drang, sich zu übergeben, herunterschluckte. Und plötzlich gab es nichts mehr. Sie war nicht bewusstlos, dessen war sie sich sicher – ihre Augen waren noch offen und sie konnte immer noch das missgestaltete Gesicht über sich sehen. Sie sah, wie er ihren Zauberstab entzwei brach, hörte sein Gemurmel, dass ein dreckiges Schlammblut wie sie es nicht würdig war, einen zu tragen. Sie spürte, wie seine Finger sich tief in ihre Arme gruben, aber sie konnte es nicht wirklich fühlen. Sie war eine dritte Person, ein Bruchstück ihres Verstandes, zufrieden damit, zuzusehen wie die Szene verlief. So verteidigte sich der Verstand, erinnerte sie sich.

Sie dachte an ihre Mutter und ihren Vater, und den kleinen Bruder, den sie wahrscheinlich nie treffen würde. Sie dachte an Harry und Ron, die so auf ihr Wissen und ihren Trost angewiesen waren. Sie erinnerte sich an Draco und wie seine Augen kaum aufflackerten, als er ihr sagte, er sei kein guter Mensch. Sie erinnerte sich an die Gründe, weswegen sie kämpfen sollte und - als ob ihr Körper den Befehl verarbeitet hatte, bevor ihr Verstand soweit war – kämpfte wieder. Und als seine Finger an der Vorderseite ihres Hemds rissen, das Reißen des Stoffs sich mit ihrem panischen Keuchen vermischte, kämpfte sie noch härter. Ihre Arme waren an ihre Seite gepresst, aber sie hob ihr Knie. Mit Schwung.

Der Todesser grunzte vor Schmerz und Hermine nutzte seine momentane Schwäche und rannte. Es schien, als wäre sie nur ein paar Schritte weit gekommen, bevor sie zurückgerissen wurde, diesmal zu Boden. Als sein Körper sich auf ihren schob, wusste sie, dass sie verloren hatte. In ihrem müden, geschwächten Zustand konnte sie ihn nicht mehr bekämpfen. Sein Gewicht allein nahm ihr den Atem und seine Hand grub sich quälend in ihren verletzten Arm.

„Dreckige Schlammblut-Schlampe!“, zischte er, dann spuckte er ihr ins Gesicht. Sein Speichel landete auf ihrer Wange und brannte, als er über ihr Gesicht lief. Er fummelte unter seinem Umhang und sie dachte nur ‚Bitte, Gott, nein! Nein, nein, nein, nein-’

Ein silberner Blitz. Sie wusste irgendwie, dass es eine Klinge war, der durch ihre Haut schnitt, kein Fluch. Sie wartete auf den Schmerz, aber er wurde von der ständig wachsenden Panik, die ihre Nervenenden belegte, übertönt.

„Ich werde es genießen, dir beim Sterben zuzusehen, Granger“, sagte ihr Angreifer und ihr Körper wurde wie von selbst still. Ein Schwenken seines Zauberstabs ließ seine Maske verschwinden. Marcus Flint hatte sich im Laufe der Jahre nicht verändert, abgesehen von der merkwürdigen Narbe, die sein früher hübsches Gesicht entstellte. Seine Lippen verzogen sich zu einem höhnischen Grinsen. „Du wirst jetzt sterben. Kein Potter oder Weasley werden dich im letzten Moment retten. Du wirst ganz allein sterben und nur ich werde dir dabei zuseh-“

Das letzte Wort schien ihm im Hals stecken zu bleiben. Hermine beobachtete die Wut, die auf sein Gesicht trat und glaubte zuerst, er würde aufstehen – bis sie sah, wie Draco ihn an seiner Kapuze zurückzerrte. Er war ruhig und gelassen und dadurch noch beängstigender, und irgendwie wusste Hermine, dass sie ihn immer so sehen würde – groß und wild, den Zauberstab in die Kuhle an Flints Halsansatz gedrückt. Ein Mann in seinem Element. Der Zauberstab aus Flints Händen war kaputt, bevor der Mann etwas anderes als nur knurren konnte. Draco hielt ihn am Schlafittchen, den Zauberstab auf die Kehle gerichtet.

„Sieh mal einer an, Marcus. Wie schön, dich wiederzusehen.“

„Verräter“, zischte Flint.

Draco hatte seine Augen bis zu diesem Zeitpunkt auf seine Geisel gehalten, aber nun flackerte sie zu Hermine und sie glaubte, dass er bis jetzt nicht wirklich bemerkt hatte, wie schlimm es stand oder vielleicht hatte er es gesehen, es aber nicht wirklich verarbeitet. Seine Augen wanderten über ihre zerrissene Bluse, ihre teilweise entblößten Brüste, das Blut, das die Baumwolle verfärbte. Sie glaubte ihn noch nie so wütend gesehen zu haben, und später würde es sie erstaunen, dass es ihn so zur Raserei brachte, sie in Gefahr zu sehen. Sie versuchte sich zu bewegen und der Muskel in seinem Kiefer zuckte.

„Hör auf herumzuhampeln, Granger, bevor du dich noch weiter verletzt“, befahl er leise und sie starrte ihn trotz der Schmerzen finster an. Sie wollte ihm sagen, dass er nicht ihr Boss was, dass sie sich problemlos um sich selbst kümmern konnte. Der Schmerz erschwerte das Sprechen.

„Ehrlich, Flint“, sagte Draco, seine Aufmerksamkeit wieder bei dem Mann, der vor ihm kniete und sein Ton war täuschend beiläufig. „Hast du denn gar nichts von deiner erbärmlichen Entschuldigung eines Meisters gelernt? Über den bösen Geniestreich deines Plans und seinen positiven Ausgang zu reden wird irgendeinem Idioten genug Zeit geben, daherzukommen und sie zu retten. Wenn du jemanden töten willst, tu es und lass das Dramatische weg. Wenn der Dunkle Lord nicht soviel Wert auf Drama legen würde, wäre Potter schon längst tot.“

„Fick dich, Malfo-“

Dracos Zauberstab, der bisher sanft an Flints Hals gelegen hatte, stach plötzlich tief genug zu, dass der Mann sich verschluckte. „Mach mich nicht wütend, Flint. Das war der erste Fehler, du erbärmlicher Abklatsch eines menschlichen Wesens.“

„Ach ja? Was war der zweite Fehler?“

Dracos Kiefer verkrampfte sich. Er änderte leicht den Winkel seines Zauberstabs, so dass er nun auf Flints Brust zeigte. „Mach’s gut, Marcus.“

„Wir sehen uns in der Hölle“, knurrte Flint.

„Ava-“

„Warte!“ Hermines Hand lag auf seinem Arm, bevor sie sich bewusst dafür entschied. Er drehte sich beinahe fassungslos zu ihr um, aber Flint bewegte sich, erkannte seine Fluchtmöglichkeit, und Dracos Zauberstab war wieder starr auf ihn gerichtet. Hermine schluckte. „Warte. Bring ihn nicht um.“

„Wie bitte?“ Draco wagte einen bösen Blick in ihre Richtung.

Hermine Kopf raste mit dem schnell abklingenden Adrenalin und dem anwachsenden Schmerz, der in ihrer linken Seite pochte. „Fessel ihn. Schock ihn. Wir warten auf Verstärkung und sie bringen ihn dann in die Zellen.“

„Granger-!“

„Hör zu, Malfoy, er wollte mich umbringen, also entscheide ich, was mit ihm geschieht! Jetzt schock ihn, bevor ich mir einen Stein suche und ihn selbst bewusstlos schlage!“

Draco bewegte sich nicht. Seine Augen blieben auf Flint gerichtet. Der Moment hielt an und dehnte sich aus, die Spannung so greifbar, dass Hermine glaubte, sie könnte sie schmecken, wenn sie ihre Zunge rausstrecken würde. Endlich bewegten sich Dracos Lippen für einen gemurmelten Zauber und Seile überspannten die Distanz, wanden sich selbst zu einem undurchdringbaren Halt um Flints Körper. Die Lippen des Mannes formten ein Grinsen.

„So, so. Der berühmte Draco Malfoy gehorcht dem bekanntesten Schlammblut der Magischen Welt. Was würde dein Vater dazu sagen?“

Das scharfe Krachen, als Dracos Faust mit Flints Nase kollidierte ließ Granger wanken, ihre Hand berührte sanft ihr Hemd und den wachsenden Blutfleck dort.

„Draco?“

„Was?“, fragte er, die Wut deutlich in seiner Stimme.

„Ich glaube, du musst mich zum St. Mungo apparieren.“

„Warum?“

„Weil Flint meinen Zauberstab kaputt gemacht hat.“

„Nein, ich meine, warum -“ Er brach ab, seine Augen fielen auf den nun warmen Strom aus Blut, der an ihrer Seite herab lief. Er fluchte, dann noch einmal, laut genug, dass sie zusammenzuckte. „Du bist ein verdammter Idiot, Granger!“ Er hätte vielleicht noch mehr geschrien, aber vielleicht bemerkte er ihre klappernden Zähne oder die Tatsache, dass ihre Augen sich nicht mehr auf sein Gesicht konzentrieren konnten. Stattdessen knurrte er frustriert, bevor er seinen Arm um sie legte und sie zusammen mit einem leisen ‚Pop’ apparierte. Sie musste bewusstlos gewesen sein, denn als sie wieder aufwachte, lag sie in einem kleinen Bett, Freds besorgtes Gesicht über sich. Draco war weg. Erst als die Heiler sie entließen, merkte sie, dass sie Dracos Hemd über ihrem trug, den zerfetzten Stoff und die entblößte Haut verbarg.

Sie ließ ihm Zeit sich abzuregen, bevor sie ihn aufsuchte. Er lag auf dem Sofa, so dass sie ihn fast übersehen hätte, wären da nicht die Ranken aus Rauch in der Luft über ihm gewesen. Die Stille war schwer, erdrückt von Dracos Wut und ihrer eigenen Frustration. Aber sie unternahm keinen Versuch, sie zu brechen. Die Stille dehnte sich aus, bis die Zigarette, die lose zwischen Dracos Lippen hing, nur noch ein Stummel war und die letzten Strahlen der verblassenden Sonne einer endlosen Schwärze gewichen waren. Als sie endlich sprach, waren seine Augen seit fast zehn Minuten geschlossen und sie war sich nur halb sicher, dass er noch wach war.

„Du bist wütend.“

Seine Augen öffneten sich nicht. Seine Stimme war müde und schleppend. „Ich bin immer wütend.

„Du bist wütend auf mich.“

Diesmal öffnete er die Augen, wenn auch nur um sie mit einem äußerst herablassenden Blick zu fixieren. „Du bist klug, Granger. Du kommst schon dahinter.“

„Es gab keinen Grund, Flint zu töten. Du hattest ihn vor deinem Zauberstab, unbewaffnet und harmlos. Er wird bis zu seiner Verurteilung nach dem Krieg eingesperrt bleiben.“

Draco setzte sich nun auf und die Wut in seinen Augen sorgte dafür, dass sie am liebsten gegen die Lederpolsterung zurückgeschrumpft wäre. „Der Mistkerl verdient den Tod. Ist dir egal, was er dir angetan hat? Denkst du wirklich, es hätte ihm gereicht, dich zu töten? Er hätte deinen toten Körper verstümmelt und entstellt, gleich nachdem er ihn dem Dunklen Lord als Geschenk dargeboten hätte. Er hätte deine Körperteile an jeden einzelnen deiner Freunde und an deine Familie geschickt. Er wäre zum Helden ernannt worden, weil er Potters kleine Schlammblut-Schlampe umgebracht hat.“

Seine Worte trafen sie und so hatte er es auch gewollt. „Hast du dich nie gefragt, warum irgendwann einmal alle Weasleys hier gelebt haben, aber wir nie Mr. Weasley sehen?“ Sie spürte Dracos Blick auf sich und musste nicht aufblicken, um zu wissen, dass er eine Augenbraue leicht gehoben hatte oder dass seine Lippen eine dünne Linie bildeten. „Sein Sohn, Percy, wurde während der ersten Kriegsmonate getötet. Arthur hat den Mörder verfolgt und ihn umgebracht. Es war anders als das Töten in der Schlacht. Er hätte den Todesser auch gefangen nehmen und dann auf das Verfahren warten können. Der Mann war unbewaffnet und allein. Aber Arthur hat ihn getötet. Und seitdem kann er seiner Familie nicht mehr in die Augen sehen.“

Eine lange Pause folgte. Draco atmete aus und es klang mehr nach Zischen als nach Seufzen. „Warum erzählst du mir das?“

„Weil ich will, dass du verstehst, warum ich dich heute zurückgehalten habe. Ich will nicht, dass du älter wirst und deinen Kindern irgendwann einmal nicht in die Augen schauen kannst, weil du befürchtest, dass sie dort einen kaltblütigen Mörder entdecken.“

„Ich habe schon getötet, Granger. Was macht der eine schon für einen Unterschied?“ Sein Tonfall klang beiläufig, fast resigniert. Aber Hermine glaubte, Schmerz auf seinem Gesicht zu sehen, bevor er ihn wirklich verstecken konnte. Sie antwortete lange Zeit nicht, und als sie es dann doch tat, zuckte sie müde mit den Schultern.

„Ich weiß nicht“, sagte sie. „Ich denke, das liegt an dir.“

Er sagte lange Zeit nichts. Seine Augen bohrten sich jedoch in ihre und sie vermutete, dass die brennende Intensität nicht nur durch Wut verursacht war, auch wenn sie nicht genau sagen konnte, was es sonst war. Er motzte sie nicht mehr an. Und als sie schließlich ins Bett ging, folgte er ihr und glitt wortlos in den schmalen Raum hinter ihr.


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