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Fanfiction

Of Crimson Joy - Kapitel 7

von Nitsrek

Wir wurden geschaffen, um zu lieben, und wenn wir lieben, entwickelt sich in uns etwas Gutes. Wir fühlen uns rein, reich, ganz. Und noch besser: Wir machen uns weniger Sorgen darum, wie es uns geht, sondern mehr um das Leben der Anderen. – Larry Crabb

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Zum ersten Mal seit seiner eiligen Flucht als zitterndes, siebzehn Jahre altes Wrack kehrte Draco am Vorabend seines zweiundzwanzigsten Geburtstags nach Hogwarts zurück. Das Schloss war für ihn schon lang nicht mehr das beeindruckende Bauwerk, das es zu seiner Teenagerzeit gewesen war. Die Türmchen waren eingestürzt und zerstört, nur ein paar hatten den Sturm, der getobt hatte, getrotzt. Wenn die erste Schlacht um Hogwarts Wunden und Narben hinzugefügt hatte, so hatten die zweite und dritte es ausgelaugt. Es gab wenige Bereiche, die man sicher betreten konnte und selbst die waren bestenfalls zwielichtig. Erst als der Stein nachgegeben hatte und das Gras verkümmert und gestorben war, und der Verbotene Wald das einzige war, was noch an die einst schönen Ländereien erinnerte, hatte sich der Kampf um Territorium schließlich gewendet.

Drei Jahre waren seitdem vergangen und die wenigen Überreste, die noch standen, waren in die gierigen Fänge dicken, seilartigen Weins und Unkrauts geraten. Der Orden war geschickt worden, weil spätnachts merkwürdige Lichter hinter den Turmfenstern aufgeflackert war. Im schlimmsten Fall hatten sie ein paar abtrünnige Todesser erwartet, vielleicht ein oder zwei Deserteure. Was sie fanden war jedoch eine Gruppe von fast zwanzig wild lebenden Kindern, anscheinend durch den Krieg verwaist, die sich zusammengetan hatten, um zu überleben. Sie hatten einen Großteil des siebten Stocks eingenommen, die einzige Etage, die großteils von den schrecklichen Kämpfen, die den Rest des Schlosses erschüttert hatten, verschont geblieben war. Die kleinen Landstreicher hatten außerdem die meisten Wände mit Graffiti verziert. Portraits lagen weit abseits ihrer normalen Plätze, eingerissen an den Rändern, die Rahmen als Feuerholz verloren.

Draco schrieb es dem genialen Geist Albus Dumbledores zu, dass sein altes Büro immer noch unangetastet war. Es war merkwürdig surreal in der Mitte des kreisrunden Raumes zu stehen; ein dicker Teppich aus Staub dämpfte jeden Laut, den er vielleicht machte. Fawkes’ Schaukel stand immer noch da, wo sie immer stand und Draco rechnete halb damit, den treuen Vogel jeden Moment durchs Fenster fliegen zu sehen, wartend auf seinen Meister.

Aber es war Jahre her, dass Fawkes zuletzt gesehen wurde und auch jetzt kehrte er nicht zurück. Die meisten Gesichter hatten ihre Portraits verlassen. Draco erkannte auch nur einen oder zwei der Zurückgebliebenen. Phineas Black döste ungemütlich gegen seinen Rahmen. McGonagall blickte abgelenkt auf, bevor sie sich wieder ihren Schriftstücken widmete. Dumbledore saß so still in seinem Sessel, dass Draco glaubte, er würde schlafen, bis er bemerkte, dass die Augen des Mannes geöffnet waren.

Von all den Portraits, die er von dem älteren Mann gesehen hatte, fand Draco dieses besonders schlecht. Die Konturen waren verschwommen. Seine Augen waren von einem langweiligen Blau, und ihnen fehlte jene durchbohrende Klarheit, die zu Lebzeiten darin gelegen hatte. Selbst sein Gesichtsausdruck war uncharakteristisch uninteressant für Draco, so dass er nur ein leises Echo seiner Schuld im Magen spürte, weil er den Mann in dem Bild gewissermaßen umgebracht hatte. Der Mann im Portrait sah alt aus, bemerkte Draco – so hätte Dumbledore wohl ausgesehen, wenn sein Alter ihn schließlich einholte, anders als der Mann, den die gute Seite so verehrte.

Seine Augen nahmen kurz den Rest des Raumes in sich auf und er erinnerte sich mit überraschender Klarheit an seinen letzten Besuch in diesem Büro. Irgendwann während dem fünften Schuljahr. Er und Pansy waren beim Rumknutschen erwischt worden, obwohl sie im Unterricht hätten sein sollen. Er schloss seine Augen und da war Pansys schlecht unterdrücktes Grinsen, Dumbledores Stimme ein langweiliges Summen im Hintergrund.

„Ich habe nicht einmal diese Strafarbeit gemacht, die Sie mir gegeben hatten“, gestand er leise. „Ich habe einen der Vertrauensschüler bestochen, damit er behauptet, ich wäre da gewesen. Aber ich denke, das wussten Sie sogar, oder? Sie hatten immer diese nervige Angewohnheit, alles zu wissen.“

Er wandte sich der Tür zu.

Hielt inne. Drehte sich wieder um.

„Sie hätten sich retten sollen, Sie alter, dummer Narr!“ Er war plötzlich wütend, die Fäuste geballt, schwer atmend. „Was haben Sie sich dabei gedacht? Dass ich meine Familie aufgeben würde? Für Sie? War es Ihnen egal, dass alle ohne Sie nur leiden würden? War es Ihnen egal, dass alles den Bach runtergehen würde ohne Sie?“

Seine Hände packten das nächste Objekt, das sie fanden, und warfen es mit genug Wucht an die gegenüberliegende Wand, dass es in winzige Teilchen zerbarst. „Sie hätten uns nicht verlassen dürfen! Sie hätten bleiben sollen! Sie hätten mich umbringen sollen!“ Zwei weitere Dinge fanden das gleiche Ende wie das erste. Die Wut verschwand ebenso schnell wie sie gekommen war. Dracos Atem kam in schweren Zügen, rasselten in seiner plötzlich schmerzenden Brust. Er lief rückwärts bis er auf eine Wand traf, rutschte dann daran hinab, so dass er auf dem Boden saß, die Augen auf den leicht besorgten Blick von Nicht-Dumbledore gerichtet. Stille trat ein und dehnte sich aus.

Und dann – Dumbledore neigte sich vor; die Brillengläser leuchteten, als sie ein Sonnenlicht widerspiegelten, das Draco nie sehen würde. Seine Lippen öffneten sich mit einem Seufzen. „Jede Geschichte muss einmal zu Ende gehen“, sagte er.

Draco schluchzte.

::

„Ich fühle mich, als würde ich mit jedem Tag mehr verdummen.“

„Das bezweifle ich sehr, Granger.“

„Ich mein’s ernst. Vor ungefähr fünf Jahren bin ich von der Schule gegangen. Das Einzige, was ich seit damals gelernt habe, war…“ Sie erinnerte sich. Zögerte. „Naja, Dinge, die ich nach all dem hier hoffentlich nicht mehr brauchen werde.“

Draco sagte lange Zeit nichts. „Und? Wissen ist relativ. Du musst nur wissen, was du zur Zeit brauchst.“

„Und das meine ich!“ Das Sofa bewegte sich, als sie sich aufsetzte und Draco sah sie mit einem genervten Stirnrunzeln an. Sie ignorierte ihn. „Wenn all das hier rum ist, was mache ich dann? Ich habe nicht einmal meine Schulausbildung fertig. Ich könnte dir nicht sagen, wie man seine UTZe besteht, aber ich kann dir sieben unterschiedliche Wege aufzählen, wie man jemanden umbringt. Ich weiß mehr über Krieg als über Frieden. Ich weiß mehr übers Töten als übers Leben.“

Eine lange Stille folgte ihrem Ausbruch. Die Panik verließ sie millimeterweise, bis ihre Atmung wieder gleichmäßig war und ihre Kehle nicht mehr brannte. Sie sackte wieder gegen das Sofa, Dracos Füße neben ihrem Kopf, ihre Füße gerade mal so an seiner Schulter. Sie nahm einen langen Zug von ihrer Zigarette. Der Rauch kratzte, als er ihren Gaumen berührte, aber sie verkniff sich das Husten und atmete nicht aus, bis sie langsam schwarze Pünktchen sah.

„Manchmal frage ich mich, wie wir nach allem weiterleben sollen.“ Ihr Geständnis war ein zartes Flüstern, das im Lärm der Nacht fast verloren ging. „Wir haben so lang im Krieg gelebt, was ist, wenn wir vergessen haben, wie man in Frieden lebt? Für so viele von uns ist diese Schlacht das ganze Leben. Was werden wir tun, wenn sie vorbei ist?“

Draco nahm ihr die Zigarette ab und hielt sie zwischen den Fingern. „Wir fangen neu an“, sagte er, und wenn er es so ausdrückte, konnte Hermine fast glauben, dass es wirklich so einfach wäre.

::

Draco wartete, bis er und Granger durch irgendeine Mission wieder voneinander getrennt waren, bevor er Moody von seiner Idee erzählte. Er fragte nicht Shacklebolt, weil der Mann ihn nicht mochte und daraus auch kein Geheimnis machte. Lupin hätte vielleicht zugehört, war aber eindeutig keine Option. Die meisten anderen Auroren waren der gleichen Meinung wie Shacklebolt. Was Moody übrig ließ. Draco war ziemlich sicher, dass der immer-wachsame (wenn auch leicht geisteskranke) Mann seine Bitte befürworten, oder zumindest für sich behalten würde.

Tat er auch. Draco selbst ging als Erster zu dem Gefangenen, irgendwie zufrieden mit dem zitternden Bündel, das auf ihn wartete. Beim zweiten Mal brachte er Fred mit.

„Was genau zeigst du mir?“, hatte der Zwilling gefragt und seine Nase angewidert gerümpft, während er den Haufen Lumpen, der Marcus Flint war, ansah. „Ich meine, abgesehen vom Abschaum dieser Erde.“

Draco legte seine Hand auf so brüderliche Art auf Freds Schulter, dass der Rothaarige tatsächlich überrascht war. „Fred. Ich habe dir ein neues Versuchskaninchen besorgt.“ Und er brauchte keinen Spiegel um zu wissen, dass sein eigenes Grinsen eine erschreckende Kopie des Mannes war, der ihn im letzten Jahr so oft als Testperson benutzt hatte. Er merkte, dass es ihm nicht so viel ausmachte, wie es vielleicht hätte sein sollen.

::

Hermine erkannte langsam – auch wenn sie es nicht verstand – das Muster hinter Dracos Handlungen. Sie wusste zum Beispiel von den paar Mal, wenn sie tatsächlich den Mut aufbrachte, auf ihn zuzugehen, dass er nie ihre Avancen abschlagen würde (Meistens machte er den ersten Schritt und sie wollte ihn dann am Schluss nicht gehen lassen). Sie wusste auch, dass wenn er so seufzte und der Kuss langsam weniger hitzig wurde, als ob er nicht mehr genug Luft bekäme, ihr Treffen unweigerlich kurz darauf enden würde. Ihr Griff an seinem Kragen verstärkte sich, als ob sie ihn so bei sich behalten könnte. Er entzog sich ihr nicht. Auch protestierte er nicht, er stöhnte nur leise, als sie den Kuss wieder intensivierte. Aber schon zu bald brachte er es zu Ende.

Sie standen da, in den Schatten des Flurs, seine Stirn an ihrer, so dass sein Pony ihr Gesicht kitzelte (Sie fand, dass er einen Haarschnitt brauchte und fragte sich, ob er ihr erlauben würde, die Haare zu schneiden, so wie es manchmal auch Ron und Harry taten). Ihre Augen hatten sich irgendwann geschlossen, öffneten sich jedoch, als Draco zu sprechen anfing.

„Granger -“

„Nicht“, flüsterte sie. Sie lächelte über Dracos neugieriges Stirnrunzeln. „Ich versuche so zu tun, als wärst du mein Prinz.“ Ihr Lächeln wurde schief. „Das geht sehr viel leichter, wenn du nicht redest.“

Sie stellte sich auf Zehenspitzen, drückte einen kleinen Kuss auf seinen Mundwinkel und duckte sich unter seinem Arm durch, bevor er den Moment mit einem spöttischen Kommentar über ihre Haare ruinieren konnte.

::

„Dieser Ort war einmal die Welt für mich.“

Draco hob eine Augenbraue. „Ich fand die Winkelgasse immer zu vollgestopft.“

„Nicht die Winkelgasse.“ Ihre Hand zuckte und er wusste, dass sie ihm gerne einen Klaps verpasst hätte, es aber nicht riskieren würde, ein Geräusch lauter als ihr Flüstern zu machen. „Das hier. Die magische Welt.“

Draco antwortete nicht. Es war kalt, der rauchige Nebel, der nach drei Stunden intensiven Kampfes immer noch nicht verblasst war, blockierte das bisschen schwache Herbstsonne. Sie waren eingepfercht in einem Geschäft, das – wie Draco halb vermutete, früher einmal Ollivanders gewesen war. Ein allseits herrschender Geruch nach Verfall und Blut überschwemmte seine Sinne und er tat sein Bestes, nicht durch die Nase einzuatmen. Granger seufzte und setzte sich so hin, dass ihre Beine vor ihr ausgestreckt waren. Sie wirkte in dem Schmutz völlig unbekümmert und Draco warf ihr einen neidvollen Blick zu. Sie bemerkte ihn nicht.

„Wie lange müssen wir hier noch warten?“, fragte sie und er hob eine Augenbraue, weil sie so quengelig klang.

„Eine halbe Stunde mindestens“, antwortete er und sah auf die Uhr an seinem Handgelenk. „Wir können nicht sicher sein, dass sie schon weg sind.“

Gesegnete Ruhe für fast fünfzehn Minuten. Draco verkniff sich ein Stöhnen, als Granger ungeduldig schnaubte.

„Ich hasse es.“

„Es ist dein Fehler, dass du nicht länger als zwei Minuten ohne Ablenkung stillsitzen kannst.“ Diesmal schlug sie ihn, stark genug, dass er eine Grimasse zog.

„Nicht das, du Idiot“, zischte sie. „Das Warten. Es macht mich nervös.“

„Du bist nur nervös, weil du es hasst, nicht bis ins Detail zu wissen, was außerhalb des Ladens passiert.“ Es war keine Beleidigung und sie nahm es auch nicht so auf, sondern zuckte nur mit den Schultern. Draco staunte kurz über den Fortschritt, den sie gemacht hatten, wenn so eine Bemerkung nicht den Dritten Weltkrieg zwischen ihnen auslöste. Granger seufzte wieder und er wusste, dass sie versuchte, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Er wartete geduldig, bewegte sich zwischendurch, um die verlassenen Straßen durch einen Spalt im vernagelten Fenster zu überprüfen. Ein Blick auf seine Uhr zeigte ihm, dass sie bald gehen konnten. Seine Beine schrien ungeduldig, aber er weigerte sich, rastlos rumzuzappeln wie die undisziplinierte Kreatur neben ihm.

„Ich habe nur das Gefühl, dass die ganze Welt brennt und ich nur hier sitzen und warten kann“, stieß Granger schließlich hervor. Sie blinzelte, als Draco plötzlich aufstand und sie dabei am Ellbogen mit sich zog. Für einen kurzen Moment waren sie sich viel zu nah – nahe genug, dass er, wären sie nicht mitten auf einem Schlachtfeld (und er nicht Draco Malfoy und sie nicht Hermine Granger), die Sommersprossen, die ihre Nase bedeckten einzeln hätte zählen können. Es beängstigte ihn, dass er das wollte. Er stieß sie mit mehr Kraft als nötig von sich.

„Schau aus dem verdammten Fenster, Granger. Die Welt brennt nicht. Sie ist schon abgebrannt.“

Er trat wieder in den Rauch und wunderte sich, dass er bei dem metallischen Duft des Todes in der Luft nicht mehr würgen musste.

::

Hermine hasste Krankenhäuser. Sie hatte sie schon immer gehasst und das würde wohl auch immer so bleiben. Es lag nicht unbedingt an dieser Atmosphäre des Todes – davon hatte sie schon genug in ihrem kurzen Leben gesehen, um zumindest ein wenig immun dagegen zu sein. Es machte ihr auch nichts aus, von Kranken umgeben zu sein, wie es bei Ron der Fall war. Es lag an dem endlosen Labyrinth blendend weißer Flure und dem steifen Plastik der ungemütlichen, orangene Stühle in den vollgestopften Wartezimmern. Es lag an Hannahs gelassenem Blick, den Kopf an Nevilles Schulter, und der scharfe Geschmack von Desinfektionsmittel in Hermines Kehle. Es lag an Molly, die jeden Arzt anhielt, der das Pech hatte, in einem Umkreis von zehn Metern vorbeizulaufen, und endlos Fragen bellte, bis schließlich ein älterer Heiler mit einem freundlichen Lächeln und gesundem Menschenverstand fragte, ob sie ihm bei dem Ausfüllen der Anträge behilflich sein wollte.

Magische Krankenhäuser bildeten keinen großen Unterschied zu Muggel-Krankenhäusern, bemerkte Hermine nebenbei. Wenn man die Zaubertränke und die fliegenden Memos und das Summen von Magie, das in der Luft lag, wegließ, blieben die Dinge zurück, die gar keinen so großen Unterschied zur anderen Welt ausmachten. Der Kummer und die Hoffnung… das Warten. Sie warteten jetzt schon seit zwei Stunden, neunzehn Minuten und zweiunddreißig Sekunden. Hermine merkte, wie ihr Verstand versuchte sich daran zu erinnern, wie sie überhaupt hierher gekommen waren, und sie ließ ihn mit einer lautlosen Ermahnung verstummen. Die Mission war schief gelaufen. Mehr musste sie nicht wissen. Die Erinnerung würde sie nur hysterisch werden lassen und sie glaubte nicht, dass Ron damit umgehen konnte.

Neville bewegte sich. Hannah schniefte. Dean sprang plötzlich auf und lief hin und her. Immer noch bedeckten Blutspritzer sein Gesicht und Hermine konnte ihn nicht ansehen ohne hilflos zu zittern. Rons Griff um ihre Hand verstärkte sich. Zwölf Minuten vergingen.

„Ich halt’s nicht mehr aus“, murmelte Dean. Hermine schnitt eine Grimasse. „Wofür brauchen die so lang? Wir haben seit Stunden nichts gehört!“

„Keine Nachrichten sind gute Nachrichten“, sagte Neville fest.

Dean schüttelte den Kopf, ein Schatten fiel über sein Gesicht. „Ja, sicher. Er könnte auch schon tot sein und uns hat vielleicht noch niemand etwas gesagt! Wie diese arroganten, eingebildeten Auroren. Es hat immerhin drei Wochen gedauert, bevor sie mir gesagt haben, dass Seamus gestorben ist.“

„Dean? Tu uns einen Gefallen und halt’s Maul, okay?“

Dean ballte seine Hände zu Fäusten und für einen kurzen Moment glaubte Hermine, dass er Ron wirklich schlagen würde. Aber Parvati seufzte leise und das Geräusch schien Dean zur Besinnung zu bringen. Die Spannung im Raum veränderte sich fast unmerklich, und dann war es, als ob der kleine Aufruhr nie passiert wäre. Neville streckte seine Beine aus. Dean lief wieder hin und her. Hermine ließ ihre Hand von ihrem Mund gleiten, wo sie bei dem unfreiwilligen Schluchzen, das bei Deans kalten Worten entkommen war, hingeflogen war.

Die Uhr an der Wand lief weitere fünfzehn Minuten, bevor sich die Tür zum Warteraum endlich öffnete.

Der Heiler war männlich und jung – vielleicht nur ein paar Jahre älter als sie selbst. Sein Gesicht war müde und seine Augen fiebrig. Er hatte den Anstand besessen, seinen Umhang zu reinigen, denn er war sauber, im Gegensatz zu seinem letzten Erscheinen vor zwei Stunden. Er fuhr mit einer Hand durch sein dichtes Haar und machte einen Seufzer, der den Knoten in Hermines Brust schmerzhaft enger werden ließ.

„Wie geht es ihm?“ Die Frage kam von Ron, da niemand sonst in der Lage war, zu sprechen.

Der Heiler – Mathews, fiel Hermine plötzlich ein – seufzte wieder. „Mr. Malfoy wurde von einem Abtrennfluch getroffen. Wir kennen diesen Fluch bisher nicht und können keinen Gegenfluch finden, solange wir nicht wissen, worum es geht.“

Mr. Malfoy? Hermine öffnete ihren Mund um ihm zu sagen, dass Mr. Malfoy Lucius Malfoy war. Sein Name war Draco. Draco, Draco, Draco.

Dean sprach vor ihr. „Und was tun wir jetzt?“

Heiler Mathews nahm seine Brille ab und zwickte sich in den Nasenrücken. „Mr. Malfoy verliert mit jeder Sekunde mehr Blut.“

„Können Sie es nicht ersetzen?“ Parvati sprach und Hermine wunderte sich, dass das Mädchen sich um Dracos Gesundheit sorgte. Ein heißes, wütendes Etwas explodierte in ihrer Brust, hielt jedoch nicht an. Sie weigerte sich, es wahrzunehmen.

„Könnten wir. Aber Mr. Malfoys Blutgruppe ist extrem selten, und wir haben nicht genug -“

„Einer von uns könnte spenden“, schlug Ron vor.

„Es ist höchst unwahrscheinlich, dass jemand von Ihnen die passende Blutgruppe und Sie alle zu testen würde länger dauern -“

„Ich habe Blutgruppe 0.“ Das kleine Stückchen Wissen stieg plötzlich an die Oberfläche von Hermines Verstand, eine kleine Unterbrechung der Angst, die ansonsten den Großteil des Nachmittags ihr Gehirn blockiert hatte. „Jeder kann 0 aufnehmen, oder?“

Heiler Mathews nickte langsam und sie war plötzlich sehr dankbar über den Naturwissenschaftsunterricht, zu dem ihre Eltern sie während der Sommerferien gezwungen hatten. „Theoretisch stimmt das.“

„Dann los!“ Sie sprang auf; der Gedanke daran, etwas anderes zu tun als endlos zu warten, schoss Energie in ihre erschöpften Gliedmaßen.

„Miss Granger, so einfach ist es nicht. Es gibt Prozeduren – Anträge müssen ausgefüllt, Tests gemacht werden.“

„Ich tue alles.“

„Das ist nicht alles. Bluttransfusionen zwischen magischen Lebewesen sind nicht so einfach wie Muggel-Transfusionen. Unsere Magie fließt durch unser Blut. Es gibt Dutzende von Komplikationen, die eintreten -“

„Das ist mir egal!“, schrie Hermine und später würde sie Draco davon erzählen, wenn auch nur, um ihm zu beweisen, dass sie nicht permanent die Besserwisserin war, die er in ihr sah. Mathews zögerte noch eine Sekunde, dann nickte er. Sie liefen schnell und panisch zu Dracos Zimmer und Hermine hatte kaum ausreichend Geistesgegenwart, höflich zu bleiben, als Ron und Molly anboten, sie zu begleiten. Sie stürmten durch eine Doppeltür, dann noch eine, einen Korridor entlang, wo aus jedem Raum lautes, schmerzvolles Stöhnen zu kommen schien. Sie glaubte, noch nie in ihrem Leben etwas Schrecklicheres gehört zu haben, bis sie Dracos Zimmer betrat und die Stille dort hörte.

Er hing an irgendeiner Maschine – zu komplex, um von den Muggeln zu sein, aber deutlich auf deren Technologie basierend. Seine Brust hob und senkte sich in kurzem, ungleichmäßigem Keuchen – obwohl man das durch die mit Blut durchtränkten Verbände kaum sehen konnte. Kingsley saß einsam in der Zimmerecke, merkwürdig ruhig im Vergleich zu den aufgewühlten Handlungen des Heilpersonals. Hermine glaubte, dass er etwas gesagt hatte, als sie hereinkam. Aber ihre Augen lagen auf Draco und den Händen des Heilers, der eilig die Nadeln, Schläuche und Flüssigkeitsbeutel vorbereitete.

„Miss Granger, kommen Sie bitte.“

Sie lief zu dem Stuhl, auf den Heiler Mathews zeigte. Zuerst versuchte sie sich abzulenken, indem sie ihm zusah. Aber der Anblick der Nadel drehte ihr den Magen um, also sah sie lieber Draco an. Es war das erste Mal, dass sie ihn verletzt sah – wirklich verletzt – seit damals im Grimmauld Platz. Er sah ähnlich aus wie damals – verletzlich und müde und irgendwie kleiner als sonst. Sie war plötzlich sehr froh, dass sie Molly und Ron nicht erlaubt hatte, das hier zu sehen.

Ihr Arm schmerzte und sie blickte nach unten, um die Nadel unter ihrer Haut verschwinden zu sehen. Heiler Mathews brauchte nur zwei Versuche, um eine Vene zu erwischen. Hermine versuchte, sich auf dem Stuhl zu entspannen, da sie noch aus ihrer Kindheit wusste, dass es mehr wehtun würde, wenn sie sich darauf konzentrierte.

„Lassen Sie mich wissen, wenn Sie sich schwach fühlen“, murmelte Mathews leise, nachdem er ein paar Minuten abgewartet hatte.

„Es geht mir gut.“ Ging es nicht. In ihrem Kopf drehte sich alles und sie spürte eine wachsende Übelkeit in ihrem Bauch. Sie blickte Draco an. Sah ihn im hier und jetzt und gleichzeitig damals im Grimmauld Platz. Sah ihn grinsend auf ihrem Sofa, wie er die Zigarette außerhalb ihrer Reichweite hielt. Sie versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, diesen Ort ohne ihn zu verlassen und bemerkte, dass sie es nicht konnte.

Sie schloss ihre Augen. „Sie können das ganze Blut nehmen. Es ist mir egal.“

Mathews schnaubte und es klang wie ein Lachen, wenn es nicht so grimmig gewesen wäre. „Ich bin sicher, dass das nicht nötig ist. Die Heiler sagen mir, dass seine Blutungen endlich nachlassen.“

Sie bewegte sich nicht, selbst als Mathews alles genommen hatte, was er brauchte (oder was im Rahmen des Möglichen lag). Sie schlürfte gehorsam am Wiederbelebungstrank, der ihr gegeben wurde, dann zog sie ihre Beine an und beobachtete die Heiler. Kingsley war permanent an ihrer Seite, auch wenn sie nicht sprachen. Heiler kamen und gingen mit Beginn und Ende ihrer Schichten. Ein konstantes Summen klang durch den Raum und Dracos Atemzüge zählten die Sekunden, dann die Minuten, dann die Stunden. Gegen Mitternacht rührte er sich, nachdem Heiler Mathews verkündet hatte, dass er sich auf dem Weg der Besserung befand. Erst dann schloss Hermine ihre Augen und gab der Welle aus Schlaf nach, die an ihrem Bewusstsein zog.

::

Grimmauld Platz war leer, als Draco von St. Mungo zurückkehrte. Er stand unter Schmerztränken und Antibiotika und sein Magen fühlte sich bei jedem Schritt an, als würde er zerreißen. Molly Weasley wuselte um ihn herum und ein einziges Mal ließ er es zu – auch wenn er sich weigerte, sich von ihr die Stufen hinaufbringen zu lassen. Er fiel in das Bett, das er und Granger teilten und Mrs. Weasley hatte eine weitere Dosis Zaubertrank seinen Rachen hinunter gekippt, bevor er protestieren konnte. Er träumte von Schlangen, die sich um seinen Körper wanden, enger und enger, bis er nicht mehr atmen konnte. Seine Mutter und sein Vater saßen weit über ihm auf Thronen, Ron Weasley tanzte in einem Hofnarrenkostüm für sie. Potter und Voldemort saßen zusammen an einem kleinen Tisch und boten Pansy und Theo, die Kronen aus Gänseblümchen trugen, volle Teetassen an.

Er erwachte und fand Granger über sich, ihr Finger fuhr einen kaum vorhandenen Pfad auf seinem linken Unterarm nach.

„Du hast im Schlaf geredet“, sagte sie leise.

„Potter wollte mir die ganze Zeit drei Stück Zucker andrehen, obwohl er weiß, dass ich nur eines nehme.“

Granger hob eine Augenbraue, ihre Lippen zuckten. Die Belustigung ließ schnell nach. Neugier ersetzte sie, legte ihre Stirn in Falten. Ihre Augen wanderten zu seinem Arm. „Dein Mal“, sagte sie und er versteifte sich unmerklich. „Es war immer schwarz. Aber inzwischen ist es grau. Als hätte es jemand mit Tinte gemalt, die langsam verblasst.“

Er senkte seinen Blick nicht. Musste er nicht. Der Schädel war in sein Gehirn gebrannt und vor ein paar Tagen hatte auch er die verblassende Farbe bemerkt. Außerdem gab es interessante Dinge zum Anschauen. Zum Beispiel, wie das Abendlicht durch das Fenster durch Grangers honigblonde Strähnen fiel, so dass es aussah, als würde ein Lichtschein ihre Gesicht umgeben. Oder ihre Unterlippe, die sie starrköpfig und nachdenklich mit ihren Zähnen verformte.

„Das Mal verblasst, wenn die Loyalität schwächer wird“, murmelte er und dann hob er seine Hand; seine Finger zogen sanft an ihrer Lippe, bis ihre Zähne sie erlösten. Er fuhr sie nach, spürte die Feuchtigkeit und zitterte. Ihre Augen waren geschlossen, als sein Arm zurück aufs Bett fiel. Eine Welle von Traurigkeit, so stark wie bei der Beerdigung seiner Mutter, schwemmte plötzlich über Draco hinweg.

„Hast du Schmerzen? Soll ich mehr Tränke holen?“ Granger stand bereits, war bei der kleinen Grimasse auf seinem Gesicht aufgesprungen. „Ich kann Molly holen.“

Seine Hand lag um ihre, bevor er sich dazu entschlossen hatte. Sie hielt inne. Er blickte sie an. „Es tut mir leid“, flüsterte er, die Lider fielen bereits zu, als ob sie ihr Gewicht nicht mehr tragen könnten.

„Was?“ Sekunden vergingen. „Draco. Was?“

Er gab vor zu schlafen, bis das leise Klicken des Türschlosses schließlich ihr Gehen verkündete. Als die Tränen kamen, wusste er nicht mehr, warum er weinte.

::

Harry verschwand drei Tage lang. Drei Tage voller Sorge und Panik und Suchen und doch nichts Finden. Hermine konnte schon nicht mehr zählen, wie oft Kingsley zu ihr kam, wie oft sie geantwortet hatte, nein, sie wusste nicht, wo er war und nein, soweit sie wusste, hatte es nichts mit Dumbledores Auftrag zu tun. Als sie in der Küche vom Grimmauld Platz ankamen – durchnässt, innerlich zerrissen und erschöpft, aber nicht mehr so angeschlagen – war sie bereit, Kingsley umzubringen. Oder sich selbst, sie hatte sich noch nicht entschieden.

Molly brach in Tränen aus und kümmerte sich um sein ramponiertes Gesicht. Kingsley hatte diesen Blick in seinen Augen, als würde er am liebsten jemanden anschreien wollen, aber Molly scheuchte ihn raus, zusammen mit dem Rest der Zuschauer – Hermine und Ron bildeten die Ausnahme. Harry sah sie an und lächelte schwach. Ron kratzte sich auf diese verlegene Art am Hinterkopf, die sie einst niedlich gefunden hatte. Er lächelte, aber seine Ohren glühten und nach ein paar Momenten machte er auf dem Absatz kehrt und ging. Hermine wartete nicht auf Harrys enttäuschten Gesichtsausdruck.

Sie wollte etwas zerstören – oder jemanden. Sie wollte Harry schütteln, bis er einsah, dass das hier nicht ein Kampf zwischen nur zwei Männern war. Es war Krieg – er hatte sie aus ihrer Familie gerissen und ihre Freunde genommen. Sie hatte auch ein Recht darauf – sogar noch mehr als er, sagte eine verbitterte Stimme in ihrem Kopf. Sie drehte sich fast noch einmal um, um ihn an den Sommer zu erinnern, als Ginny da war und ihren Flederwicht-Fluch perfektioniert hatte. Aber er war ihr Freund und später würde sie es bereuen. Also stürmte sie weiter, düster vor sich hin murmelnd auf ihrem Weg. Und als sie auf dem ersten Treppenabsatz Draco über den Weg lief – die Augenbrauen gehoben, sich fragend, ob es nicht vielleicht sicherer wäre, wieder in sein Zimmer zurückzukehren – konnte sie die Flut von Beleidigungen einfach nicht zurückhalten.

Das normale, kleinliche Gezänk wurde schnell zu lauteren, grausameren Worten und je weiter sie ging, desto stärker wurde der Drang, ihn zu verletzen, bis er schließlich nachgab und mit einem frustrierten Knurren seine Lippen auf ihre drückte. Ihr Rücken traf mit einer solchen Wucht auf die Wand, dass ihr die Luft aus den Lungen wich und die Gedanken aus ihrem Kopf verschwanden. Aber das war okay, denn sie wollte nicht denken, und Atmen war nur noch zweitrangig verglichen mit dem wachsenden Brennen in ihrer Magengrube. Draco zog sie seitwärts, seine Hand suchte hinter ihr, bis sie einen Griff fand und die Tür aufging.

Seine Lippen lösten sich von ihren und sie dachte, dass er es wieder einmal beendet hatte, bevor es überhaupt angefangen hatte. Es war eine zu große Zurückweisung in ihrem überempfindlichen Zustand und sie hätte vielleicht sogar geweint, aber ihre Füße wurden mit einem Schlag vom Boden gelöst und sie musste sich ein Quieken verkneifen. Sie landete mit einem leisen Stöhnen auf der Matratze und Dracos Körper bedeckte ihren, bevor sie sich über den verlängerten fehlenden Körperkontakt beschweren konnte. Seine Hände waren überall – an ihren Armen, auf ihren Schenkeln, ihren Rücken unter der Bluse hinauf. Ihre eigenen Hände bewegten sich wie wahnsinnig, schlüpften eilig unter sein Hemd. Ihre Lippen öffneten sich mit einem Seufzen beim Gefühl der warmen Haut und er nutzte diese Öffnung, ließ seine Zunge geschickt in ihren Mund gleiten.

Als seine Hände langsamer wurden und sein Kuss sanfter, erkannte sie die Anzeichen des unvermeidlichen Endes. Enttäuschung drückte auf ihre Brust, machte es schwer, ihre Hände von seiner Taille zu lösen. Sie ließ ihren Kopf zurück in das Kissen sinken, weg von ihm, und wartete auf die gemurmelte Entschuldigung und den hastigen Abgang.

Aber… aber seine Hände bewegten sich wieder. Wanderten zu den Knöpfen ihrer Bluse, öffneten die ersten drei langsam genug, dass sie hätte protestieren können. Sie protestierte nicht, und die anderen folgten schneller, ungeduldiger. Sein Kopf neigte sich und sein Atem liebkoste ihren Hals, bevor seine Lippen nachkamen. Sie keuchte und packte seine Schultern mit den Händen.

Es war hitzig und dringend. Es war Haut-auf-Haut, und seine Brust lag so dicht auf ihrer, dass sie sein Herz wild schlagen spürte. Die Wut und die Enttäuschung, Verwirrung und Verrat über Harrys plötzliches Verschwinden war – nicht wirklich weg… aber definitiv übertönt von dem überwältigenden Drang nach mehr – mehr Haut, mehr Wärme, mehr Küsse. Wärme tropfte in die hohle Kälte, die Harrys Abwesenheit kreiert hatte, dehnte sich durch den Rest ihres Körpers aus, bis ihre Haut unaufhörlich kribbelte und ihre Hände ein eigenes Dasein entwickelten, an seinem Hemd zogen, bis er sich weit genug anhob, dass sie es über seinen Kopf reißen konnte.

Beide schienen gleichzeitig eine Entscheidung zu treffen, unterbrachen den Kuss, als ihre Hände zur Hose des jeweils anderen flogen. Hermine trug nur eine locker sitzende Jogginghose, die an der Taille gebunden war, und er hatte den Dreh raus, während sie noch an dem Reißverschluss seiner Jeans rumfummelte, unbeholfen und unkoordiniert. Zweimal musste sie innehalten – seine Finger lenkten sie auf erotische Weise ab – aber schließlich gab der Knopf nach und er stöhnte, leise und tief, sein Gesicht an ihrer Halsbeuge.

Sie küssten sich noch länger, manchmal mit heißem Verlangen, manchmal abwesend, die Lippen berührten sich nur kurz, wie sich liebkosende Schmetterlinge. Ein paar Mal versuchte sie, weiter zu gehen. Aber er bremste sie jedes Mal aus, bis sie sich mit Händen und Bewegung zufrieden gab, bevor er wütend wurde, weil sie ihn zu sehr drängte. Als das Küssen zuviel wurde, lehnte er seine Stirn an ihre, sein heißer Atem floss mit jedem Keuchen in ihren Mund. Sie erreichte den Höhepunkt nur ein paar Sekunden vor ihm. Für einen Moment war sie zu weit weg, um irgendetwas um sich herum zu bemerken, abgesehen von der köstlichen Wärme, die durch ihren Körper rann. Dann, langsam, kehrten ihre Sinne zurück. Ihre Zehen entkrampften sich, ihr Körper sank entspannt ins Bett zurück.

Dracos Gewicht drückte auf sie, aber nicht unangenehm. Für mehrere Sekunden lag er regungslos, und als er sich bewegte, fühlte ihr Körper sich seiner Körperwärme beraubt. Sie dachte, dass er vielleicht gehen würde, aber Sekunden später kehrte er zurück, den Zauberstab in der Hand und auf sie gerichtet. Er wird mein Gedächtnis löschen. Der wilde Gedanke schoss durch ihren Verstand, als Draco gerade den Säuberungszauber sprach, und ein kleiner Gewissensbiss folgte schnell. Sie erwartete, dass er ging, aber er legte seinen Zauberstab auf den Nachttisch und zog an der Decke, bis sie den Hinweis verstand und ihren Körper soweit anhob, dass er die Decke unter ihr hervorziehen konnte. Er zog seine Jeans aus, dann ihre Hose. Als er neben ihr unter die Decke kroch, waren ihre Augen schon halb geschlossen, ihr Körper ein kribbelnder, befriedigter Haufen von Gliedmaßen.

„Du solltest nicht wütend auf Potter sein.“ Er war so lang ruhig gewesen, dass Hermine beim Klang seiner Stimme zusammenzuckte. Ihre Augen flogen auf.

„Und warum zur Hölle nicht?“

„Er versteht nicht, wie es für uns ist. Es ist nicht seine Schuld. Er wird hier ohne Ausflucht eingesperrt und seine Familie stirbt auf allen Seiten.“

„Er hat uns.“ Er hat mich.

„Das reicht nicht immer.“ Sie versteifte sich bei seinem Kommentar, und vielleicht bemerkte er es, denn seine Hand fuhr nun durch ihre Haare. „Ich bin nur ehrlich. Du bist nicht seine Mutter, Granger, so sehr du es auch versuchst. Manchmal muss er hier raus. Es verletzt ihn, hier zu sein.“

„Und woher willst du das wissen?“ Sie wusste, dass sie grässlich war, aber sie konnte nicht aufhören. Seine Worte taten ihr mehr weh, als sie zugeben würde.

„Er hat es mir erzählt.“

Die Überraschung über seine Aussage kämpfte mit ihrem Ärger, bis schließlich ihre Neugier siegte. „Ihr redet miteinander?“

Sie spürte die Bewegung von Dracos Schulter, als er damit zuckte. „Manchmal. Wenn niemand sonst da ist.“

„Ich dachte…“ Sie zögerte hier, unwillig, den friedlichen Moment zwischen ihnen zu zerstören. Draco stupste sie an und sie fuhr fort. „Ich dachte, du hasst Harry.“

Lange Zeit antwortete er nicht, bis sie dachte, sie hätte ihn trotzdem wütend gemacht. Aber sie würde sich nicht entschuldigen (weil sie Hermine Granger war und nichts Unrechtes getan hat). Er sprach weiter, gerade als sie dachte, er würde gehen.

„Ich fand es immer schwierig, Potter zu mögen. Aber, ob es mir gefällt oder nicht, wir sind uns sehr ähnlich. Diese Ähnlichkeit führt zu… Verständnis, irgendwie. Manchmal kann dich dein Feind besser kennen als deine engsten Freunde. Und manchmal vertraut man seine Probleme leichter jemandem an, dem es nichts ausmacht. Der dich nicht mit Mitleid eindeckt oder versucht, alles besser werden zu lassen.“

„Ich glaube, das verstehe ich“, sagte Hermine nach einer Pause.

Draco schlief bald darauf ein. Hermine lauschte dem gleichmäßigen Ein- und Ausatmen länger als sie je zugeben würde. Als sie sicher war, dass er es nicht bemerken würde, legte sie ihr Ohr an seine Brust und lauschte dem Leben unter seinen Rippen. Sie schloss ihre Augen und atmete seinen Duft ein und ignorierte das vertraute Ziehen in ihrer Brust, dass sie nur bei einem anderen Mann kannte. Weil sie Hermine Granger war und er Draco Malfoy und manche Grenzen sollte man einfach nicht überschreiten.

::

Bei ihrem ersten Versuch stand Flint nur eine halbe Stunde unter dem Einfluss, sein Schlaf war unruhig und unterbrochen von kurzen (tödlichen) Bewusstseinszuständen. Er spuckte Fred an. Er starrte Draco finster an und nannte ihn einen dreckigen Blutsverräter. Beim zweiten Versuch übergab er sich dermaßen, dass Moody eingriff und ihnen eine Woche lang verbot, zu ihm zu gehen. („Ihr könnt experimentieren soviel ihr wollt, aber wenn er stirbt, bleibt der ganze verdammte Papierkram an mir hängen!“) Das dritte Mal sah es langsam besser aus. Flint war fast drei Stunden lang abwesend und als er aufwachte, gab es keine Anzeichen von (bleibenden) Hirnschäden. Obwohl man das, wie Fred bemerkte, bei einem Idioten wie Marcus Flint nie genau sagen konnte.

Das vierte Mal ging reibungslos über die Bühne. Am nächsten Tag gingen sie zu Shacklebolt. Während ihrer Erklärung hörte er ruhig zu, änderte seinen Gesichtsausdruck nur einmal, als Fred zugab, dass Draco sein erstes Versuchsobjekt gewesen war. Er schickte sie davon, um nachzudenken. Als sie zwei Stunden später zurückkehrten, war seine Miene so ernst, dass Draco dachte, er würde ihre Bitte ablehnen. Aber er sprach ihnen alles zu – Geld zur Finanzierung, Testpersonen, ein ordentliches Labor. Es war das erste Mal, dass Draco für etwas gearbeitet hatte – wirklich gearbeitet. Weder hatte sein Vater eine Beziehungen spielen und hinter seinem Rücken Drohungen ausgesprochen, noch hatte seine Mutter saftige Spenden hier und dort gegeben.

Es dauerte eine Zeit bis er realisierte, dass das warme Gefühl, das sich in seiner Brust ausbreitete, Stolz war – nicht der arrogante Stolz, weil er mit dem richtigen Blut geboren worden war, sondern der Stolz über einen gut gemachten Job. Er dachte, dass er gerne ein Blutsverräter war, wenn er dabei so ein Gefühl haben konnte.


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Wir haben immer schon gespürt, dass sich zwischen Ron und Hermine etwas entwickelt, obwohl ich und Emma uns dessen nicht bewusst waren. Doch in diesem Film gestehen beide sich das ein. Als Hermine mit Viktor Krum auf dem Weihnachtsball erscheint, kapiert Ron endlich, dass er etwas für sie empfindet.
Rupert Grint