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Fanfiction

Of Crimson Joy - Kapitel 8

von Nitsrek

Ich träume davon, ein Kind auf die Welt zu bringen, das fragen wird, „Mutter, was war denn der Krieg?“ ~Eve Merriam

::

Als Draco zum ersten Mal mit Granger Weihnachten feierte, war es definitiv nicht das extravagante Ereignis seiner Kindheit. Es war eigentlich nicht einmal das erste Mal. Es gab nur eine unausgesprochene Übereinkunft, dass Weihnachten im Orden nie wirklich zur Kenntnis genommen wurde. Ob es eine bewusste Entscheidung Aus Respekt für die gefallenen Kameraden oder einfach daran, wie lächerlich es wäre, mitten im Krieg zu feiern, wusste Draco nicht. Aber in seinen zwei, fast drei, Jahren als Mitglied hatte er nicht einmal mitbekommen, wie auch nur jemand im Vorbeigehen ‚Fröhliche Weihnachten’ gesagt hatte. Das war in Ordnung für Draco, der - seitdem er das Mal angenommen hatte – sowieso nicht mehr an irgendwelchen Festlichkeiten teilgenommen hatte. Und auch dieses Jahr hatte er nichts anderes erwartet.

Aber es gab einen Angriff auf einen der anderen Schlupfwinkel – einen für Familien, die das Ziel von Todessern sein könnten – und plötzlich traf Draco zum ersten Mal seinen vierjährigen Cousin. Teddy war eine erstaunliche Mischung aus seinen Eltern, seine Augen ein ruhiges Braun, während seine Haare ab und an von einer leuchtenden Farbe zur nächsten wechselten. Er hatte einen düsteren Gesichtsausdruck, der nicht auf das Gesicht eines so jungen Kindes gehörte. Er war stumm. Nichts konnte auch nur ein einziges Wort aus seiner Kehle locken. Weder Mollys Heiltränke, noch Grangers und Freds Spielversuche. Selbst Andromeda schien sich damit abgefunden zu haben, da sie jeden Tag seit der Beerdigung seiner Mutter versucht hatte, ihm die Sprache zurückzubringen.

Draco versuchte überhaupt nicht, die Aufmerksamkeit des Jungen zu erregen. Cousin oder nicht, die Eltern des Kindes waren von Menschen getötet worden, zu denen Draco sich seit seiner Geburt dazugezählt hatte. Außerdem wuselten die anderen Hausbewohner genug um ihn herum, um das zehnfach wieder gut zu machen. Er wurde verhätschelt, verzogen und musste nie warten. Also war es für Draco auch keine große Überraschung, als der Grimmauld Platz plötzlich mit ärmlichem Lametta und ein paar fliegenden Christbaumkugeln, die Fred irgendwo geklaut hatte, dekoriert war. Luna lief permanent mit einem Geweih auf ihrem Kopf durch das Haus und selbst Weasley funkelte Draco nicht mehr so oft böse an, wie er es gewohnt war. Granger summte ohne Melodie vor sich hin, während sie, Mrs. Weasley und Andromeda Gemüse hackten. Ihre Locken waren so wild wie immer in der feuchten Hitze der Küche und ihre Wangen schrecklich gerötet. Draco lächelte fast. Er konnte sich gerade noch rechtzeitig davon abhalten.

Das Essen war das spektakulärste, was Mrs. Weasley seit langem gekocht hatte. Es beinhaltete fast eine ganze Monatsration Fleisch und ein ganzer Haufen Feilschen auf dem Schwarzmarkt war nötig gewesen, um überhaupt dran zu kommen. Noch Wochen später gab es nur wässrigen Gemüseeintopf zum Mittag- und Abendessen. Aber die Stimmung im Haus war so fröhlich wie schon Monate (Jahre) nicht mehr und Draco fand, dass er so eine beschissene Diät schon durchziehen konnte, wenn Granger so oft lächelte.

::

„Ich habe mit Scott geschlafen.“

Hermines Augen flackerten kurz zu Cho, bevor sie zu dem kleinen Radio in Harrys Händen zurückkehrten. „Scott?“

„Der Auror, der vor ein paar Wochen hier ankam? Groß, dunkel und verführerisch?“

„Ist er nicht verheiratet?“ Cho antwortete nicht. Hermine warf ihr einen scharfen Blick zu. „Super.“

Ihre Stimme war kalt und angekratzt und sie wusste anhand Chos geschockter Stille, dass sie die Gefühle des Mädchens verletzt hatte. Aber Draco war an diesem Morgen zu einer Mission aufgebrochen und musste noch heimkommen, und der unruhige Knoten aus Sorge, den seine Abwesenheit geschaffen hatte, beschäftigte sie mehr als die Abwesenheit selbst. Sie war besorgt – so besorgt, wie sie auch immer um Ron gewesen war, wenn er ging – und das Wissen, wie tief Draco bereits in sie gedrungen war, verängstigte sie.

Mrs. Weasley summte tonlos in ihrer Ecke und Hermine konzentrierte sich auf den vertrauten Klang.

„Ich habe das nicht geplant oder so“, murmelte Cho.

„Natürlich hast du das“, antwortete Hermine, die Augen immer noch auf Harrys Radio gerichtet, das natürlich kaputt war. „Du tust so etwas, wenn es dir schlecht geht. Mit Männern schlafen, die nichts für dich sind. So bist du eben.“

Hermine beobachtete nicht, wie Cho ging – obwohl sie beim Knall der Tür zusammenzuckte. Den Rest des Tages putzte sie, systematisch einen Raum nach dem anderen, wie auch das erste Mal, als sie den Grimmauld Platz besucht hatte, als Sirius noch schmollend durchs Haus lief und der Krieg eine Sorge der fernen Zukunft war. Sie sagte sich, dass Draco auf sich selbst aufpassen konnte, und warum machte sie sich eigentlich Sorgen? Wenn er unbedacht und waghalsig sein und sich in die Luft sprengen lassen wollte, war das seine Sache! Sie würde sich nicht verrückt machen wegen einem Mann, der den Großteil seiner Zeit wütend auf sie war. Sie würde sich nicht sorgen.

Und als es nichts mehr zu putzen gab – der Rest des Hauses war schon vor Stunden eingeschlafen – und sie sich auf die Treppe setzte, die Augen auf der Haustür, sagte sie sich, dass sie nicht auf ihn wartete. Es hatte rein gar nichts mit ihm zu tun

::

„Bist du dir sicher?“

„Nein.“ Draco lag auf dem schmalen Bett und klemmte das Plastikteil an seinen Zeigefinger. Der Monitor neben ihm erwachte plötzlich zum Leben, ein anhaltendes Piepsen füllte den ansonsten ruhigen Raum. Er bewegte sich. Zwang sich, sich zu entspannen. Fred warf ihm einen Blick zu, um ihm zu sagen, was genau er von seinem Plan hielt. Aber er versuchte nicht, ihn davon abzubringen, und Draco erkannte das eifrige Leuchten in den braunen Augen, als er die Ausrüstung überprüfte und seine Werte aufnahm.

„Ist die Insulinspritze bereit?“

Fred nickte knapp. „Du wirst trotzdem nur für zwölf Minuten weg sein. Wenn du länger weg bist, verpass ich dir eine.“ Er grinste über Dracos Gesichtsausdruck. „Jetzt leg dich hin. Ich muss dich anbinden.“

Das Leder war dick und kalt um Dracos nackte Unterarme. Er spannte sie an, probierte aus. Das Leder gab nicht nach.

„Du musst das nicht tun, weißt du?“, sagte Fred und vielleicht war ihre Freundschaft doch weiter, als Draco realisiert hatte, wenn der Ältere so einfach an seiner Maske aus Gleichgültigkeit vorbei direkt auf die pure Angst, die in seiner Brust pochte, sehen konnte. „Moody hat gesagt, wir können andere Gefangene nehmen, so lange wir die Formulare richtig ausfüllen.“

„Es könnte Monate dauern, bis wir das alles durch haben. Bis dahin ist der Krieg vielleicht vorbei und alles wäre umsonst“, sagte Draco. Es war keine Lüge. Der Papierkram würde Monate in Anspruch nehmen. Außerdem wusste Draco nicht, ob er es ertragen konnte, einen anderen ehemaligen Slytherin, einen anderen Mann oder eine andere Frau, an deren Seite er zwei Jahre lang gekämpft hatte, an ein Bett gefesselt zu sehen, so zugepumpt mit Tränken, dass sie Voldemort nicht mehr von diesem Narren Lockhart unterscheiden könnten.

„Gut.“ Fred hatte nicht den Drang, weiter mit ihm zu streiten, da es ja doch ein fruchtloses Unterfangen wäre. „Gibt es etwas, dass ich wissen muss, falls du sterben solltest? Zum Beispiel das Geheimversteck des Schlüssels zu dem versteckten Familienvermögen? Nein? Wie wäre es mit schmalzigen Liebeserklärungen an Hermine?“ Freds Grinsen wurde spöttisch, als er Dracos leeren Gesichtsausdruck sah. „Oh, bitte. Die leidenschaftlichen Blicke, die ihr euch zuwerft, könnten das ganze Haus in Brand stecken. Und für einen Slytherin bist du nicht sehr listig. Neulich abends musste ich tatsächlich Harry ablenken, als du sie in der Küche angesprungen hast.“

Wenn er ein Dankeschön erwartete, würde er keines von Draco bekommen, der ihn so finster wie nur möglich anstarrte. Fred hielt seine Hände versöhnlich in die Luft. „Keine Sorge, euer Geheimnis ist bei mir sicher. Obwohl ich mich dazu gezwungen sehe, meine brüderliche ‚Wenn-du-ihr-wehtust-werde-ich-dir-wehtun’-Rede zu halten.“

„Ich denke, dein Bruder und Potter haben bereits die Rolle des überfürsorglichen Leibwächters“, murmelte Draco. Fred kicherte und ließ das Thema zu Dracos großer Erleichterung fallen.

Fred langte in seine Tasche und zog eine Stofftasche hervor. Die Erinnerung daran, warum Draco ans Bett gefesselt war, ernüchterte ihn etwas. Mit falsche Gelassenheit beobachtete er, wie Weasley die beiden perfekt zylindrischen Kugeln auspackte, ihre glatte Oberfläche glänzte leicht im Licht. Er richtete die Zauberstabspitze darauf und flüsterte, „Somnium Una.“

Ein leichtes Summen erklang und das Licht wurde heller, was Draco an Obliviate erinnerte. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bevor beide Kugeln in Freds Hand lagen, still und genauso wie zuvor. Mit der Hand im Handschuh hob Fred vorsichtig eine hoch und lief die kurze Distanz von Dracos Bett zu Flint, nur ein paar Schritte entfernt. Seine Augen waren offen, rollten aber in seinem Kopf und sahen nichts. Seine Lippen formten stumme Worte. Seine Hand schloss sich instinktiv um die Kugel, die Fred dorthin legte. Ein Prozess, den Draco schon ein Dutzend Mal zuvor gesehen hatte, dennoch beobachtete er mit neugefundenem Interesse, da er wusste, dass er bald die gleiche Veränderung durchleben würde.

Eine Millisekunde schien die Kugel gar nichts zu machen. Sie lag für eine, vielleicht zwei, Sekunden in Flints Faust. Die Veränderungen waren unauffällig, als sie eintraten. Zuerst hörten seine Augen auf zu rollen und fixierten sich auf einen Punkt etwas links. Die Bewegung seiner Lippen hörte auf, auch wenn sie geöffnet blieben. Sein Körper wurde zu Stein, die Muskeln krampften für fast sechs Sekunden, bevor er schließlich zurück auf das Bett sank und mit einem leisen Seufzen die Augen schloss. Für jeden Beobachter mochte es aussehen, als ob er einfach tief und fest schlief. Es gab keine äußerlichen Anzeichen für die geistige Misshandlung, die er durchmachte.

„Letzte Chance, umzukehren“, sagte Fred und Draco spürte die Bitte auf seiner Zungenspitze, bevor er es schaffte, sie mit einem heftigen Schlucken zu vertilgen. Er sagte nichts. Legte sich nur zurück auf das Bett und schloss die Augen, die Hand bereit ausgestreckt. Für eine kurze Sekunde ruhte die Kugel, merkwürdig kühl in Dracos heißer Handfläche. Und dann fiel er. Die Schwerkraft sog ihn ein, schneller, härter, und er stand auf einem brennenden Feld, in einem Wüstensandsturm, den Überresten eines Massakers, das nur vom kalten Leuchten des Mondes erhellt wurde. Die Bilder aus Flints schlimmsten Albträumen spielten sich vor Draco ab, und überall war Flint, die Augen weit, der Mund offen. Eine Armlänge entfernt, aber außer Reichweite.

Als Draco genau zehn Minuten später zu sich kam, lehnte er sich über den Bettrand und kotzte auf Freds ausgelatschte Turnschuhe. Es war die schlimmste Erfahrung seines Lebens, gleich nach der Nacht, als er Voldemorts Reihen verlassen hat. Und dennoch, trotz Freds Protesten und der Tatsache, dass Shacklebolt der Produktion ihrer Traumkugeln –wie Fred sie genannt hatte - bereits zugestimmt hatte, wusste Draco, dass er morgen wieder in Flints Verstand eindringen würde, und dann übermorgen und noch einen Tag später. Weil er Hunderte neuer Waffen für den Orden schaffen konnte, und es doch nicht reichte. Er konnte den Rest seines Lebens kämpfen und würde sich nachts trotzdem wieder an dem Ufer befinden, wo die Toten ihm von der anderen Seite des Flusses aus zuwinkten.

::

Hermine kehrte von ihrer letzten (fehlgeschlagenen) Mission zum Grimmauld Platz zurück und Traf Harry wie versteinert in der Tür zur Küche, das Gesicht blasser als die ganze letzte Zeit. Seine Narbe, sonst von seinen wilden Haaren verborgen, bildete einen scharfen Kontrast und seine Augen waren starr auf den Körper des kleinen Teddy Lupin gerichtet. Der Junge saß auf der Küchenanrichte, das Gesicht konzentriert verzogen. Seine Haare wechselten von Blau zu Lila, zu rot, seine Nase wurde zu einem Schnabel, dann einer Schweineschnauze. Harrys Faust war so angespannt, dass seine Knöchel erstaunlich weiß hervortraten.

Hermine legte ihre Hand auf seine Schulter und massierte ihn sanft. Nach einem Moment glitt sie nach unten und bedeckte seine, ihr Daumen rieb beruhigende Kreise über seine Knöchel. Zuerst widerstand er ihr, an dem Punkt festgefroren. Schließlich erlaubte er, dass sie ihn sanft von der Tür wegzog, durch den Flur, die Stufen hoch in das Schlafzimmer, das er mit Ron und Fred teilte. Sie drückte ihn auf das Bett und verzog das Gesicht, als die alles-sagende Nässe seine Wangen befleckte. Sie wandte sich um, um die Tür zu schließen. Draco kam um die Ecke. Öffnete seinen Mund, als würde er etwas sagen wollen. Er klappte zu, fast komisch, als er Harry auf dem Bett hinter ihr sah, Kummer in der Dunkelheit des Zimmers erkennbar. Seine Augenbraue hob sich spöttisch, aber die Anspannung in seinem Kiefer verriet ihn.

Sie folgte ihm fast die Treppe runter, nicht ganz sicher, warum sie den Drang verspürte, sich zu verteidigen, jedoch wissend, dass es auf lange Sicht sicher besser wäre. Aber dann flüsterte Harry ihren Namen, seine Stimme leise und flehend. Sie zögerte, hin- und hergerissen. Dann schloss sie die Tür mit einem endgültigen Klicken.

::

Draco wusste, dass es wahrscheinlich nicht so war, wie es aussah. Er war stolz darauf, Leute lesen zu können, und er hatte ihre Beziehung sicher nicht falsch gedeutet. Mutter, Schwester, Therapeutin, vielleicht. Aber Geliebte? Nein. Aber der kurze, scharfe Stich aus Eifersucht, der seine Brust gespalten hat, als er ihn auf dem Bett warten sah, machte Draco Angst. Also fing er an, sie zu ignorieren. Zu gehen, wenn sie einen Raum betrat. Nur zu grunzen, wenn sie wie so oft versuchte, eine Unterhaltung zu beginnen. Er ertrug Nevilles Schnarchen, um ihr Bett und die weiche, einladende Wärme ihres Körpers zu umgehen. Er warf sich mit aller Kraft in die Experimente und kehrte erst in den Grimmauld Platz zurück, wenn schon alle schliefen.

Er merkte, dass er ein Feigling war. Aber das war er schon immer gewesen und wie auch zuvor trug diese Feststellung nicht dazu bei, etwas daran zu ändern.

::

Hermine und Ron brachen mit großer Hoffnung zu ihrer neusten ‚Horkrux-Tatsachensuche’ auf. Nach drei Tagen ließ diese Hoffnung allerdings nach. Mitte der zweiten Woche, als sie entdeckten, dass die Spur, der sie gefolgt waren, zu einem abrupten und unerklärlichen Ende führte, waren sie gezwungen, zum Grimmauld Platz zurückzukehren, wieder einmal mit leeren Händen. Hermine ignorierte Rons tapferen Optimismus. Sie ignorierte auch den angebotenen Whiskey. Sie empfand nicht genug Schuld in diesem Wirbel aus Enttäuschung, der auf ihre Brust drückte, um ihn Harry die schlechten Nachrichten überbringen zu lassen. Sie schleppte sich die Stufen hoch, erschöpft und schmerzend, auf unterschiedliche Weise, und ignorierte die besorgten Blicke der Leute, an denen sie vorbeilief.

Sie duschte, weil der Gestank unerträglich war. Sie wusch sich zweimal die Haare und schrubbte, bis das Wasser klar in den Abfluss lief. Sie tupfte ihre Haut mit dem Handtuch ab, bis sie trocken genug war, das übergroße T-Shirt mit den Shorts anzuziehen, die sie gerne zum Schlafen trug, und gab bei ihren Haaren früher als sonst auf.

Draco stand in ihrem Zimmer, trotz der späten Stunde voll angezogen. Er lag ausgestreckt auf dem Bett, die Augen auf die Seite vor ihm Konzentriert, obwohl sie sich nicht zu bewegen schienen. Er blinzelte nicht, als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Es war ein langer Moment, bevor er sprach.

„Zurück von unserem kleinen Abenteuer, was?“, fragte er, und obwohl sein Gesicht leer blieb, klang seine Stimme grausam, hart. Als sie nicht sofort antwortete, blickte er kurz auf. Dann noch einmal, diesmal länger. Langsam, so wie man sich in der Nähe eines wilden Tieres bewegte, das man nicht aufschrecken wollte, legte er das Notizbuch auf den Nachttisch und stand auf. Seine Augen flackerten kurz über ihre Körper, bevor sie in ihr Gesicht zurückkehrten. Es wurde zu anstrengend, zu stehen, und sie sackte gegen die Tür. Sie glaubte, dass Draco die Bewegung vielleicht als Zurückweisung deutete, weil er plötzlich langsamer wurde. Aber sie protestierte nicht, als er weiterlief, bis er nah genug war, dass sie die leichten Stoppeln auf seinem Kiefer sehen konnte, wo er das Rasieren vergessen hatte.

„Granger? Alles in Ordnung?“ Seine Stimme war ungewöhnlich sanft. Sie schluckte an dem scharfkantigen Klumpen in ihrem Hals vorbei. Öffnete ihren Mund, um die beliebte Aussage zu machen, ja, es geht ihr gut und ja, alles war so verdammt fantastisch.

„Hermine. Schau mich an.“

Sie gehorchte, weil er zum ersten Mal seit Tagen mit ihr sprach und sie sich den Moment einprägen wollte, bevor er sie bald wieder ignorierte. Seine Hände lagen auf ihren Schultern, seine Daumen rieben tröstende Kreise über ihre schmerzenden Muskeln.

„Blutest du?“

Sie schüttelte den Kopf.

„Bist du verletzt? Hast du dir etwas gezerrt? Wann hast du zum letzten Mal etwas gegessen?“

Standardfragen. Fragen, die sie auch jedem anderen Soldaten gestellt hätte, der in ihrem Zustand zurückkehrte. Die Antworten lagen ihr auf der Zungenspitze. Aber sie brachte sie nicht heraus. Sie stieß sich von der Tür ab, weiter, weiter, bis ihre Stirn an Dracos festem Oberkörper ruhte. Er erstarrte. Sie rechnete halb damit, dass er sie abweisen würde. Sie waren immer nur intim gewesen während – oder nach – den paar Malen, wenn ihre Küsse zu mehr geworden waren, und selbst da mit all der Beschämtheit, die mit dem Beginn einer Beziehung einherging.

Endlich hoben sich seine Arme und erwiderten die Umarmung mit einem Zögern und einer Vorsicht, die nicht zu ihm passte. Es fehlte die Vertrautheit, die Ron und Harry immer boten. Aber sie würde damit klarkommen, denn sie wollte Draco, nicht Ron oder Harry, und dann küsste er sie, wurde selbstbewusster, als sie sich auf ein Terrain begaben, dass sie beide kannten. Es war Wochen her und sie konnte die Abwesenheit in dem kaum unterdrückten Drängen hinter seinem Kuss schmecken. Eine Hand fuhr in ihre Haare, die andere drückte ihren Körper fester an seinen, und sie fragte sich, ob er sie auch vermisst hatte.

Er war uncharakteristisch sanft und sie war ihm dankbar. Er führte sie zum Bett und bedeckte ihren Körper mit seinem, seine Lippen bewegten sich auf ihren auf unerträglich langsame, verzehrende Art, die ihr Herz fast schmerzhaft gegen ihre Rippen schlagen ließ. Sie glitt mit ihrem Händen unter sein Hemd, verzweifelt auf der Suche nach nackter Haut, und seufzte ungleichmäßig bei der Berührung der warmen, festen Muskeln an seinem Bauch. Seine eigenen Hände wanderten nach unten, glitten unter den Bund ihrer Shorts und stahlen ein Keuchen aus ihrem rauen Hals.

„Ich will dich küssen“, murmelte er bald darauf.

Seit zehn Minuten neckte er sie erbarmungslos, brachte sie mehr als einmal an den Rand, nur um dann langsamer zu machen und aufzuhören, bevor sie so weit war. Folglich war ihr Verstand ein zusammenhangsloses Chaos und es dauerte etwas, bis sie eine passende Antwort formulierte. „Das machst du doch schon.“

Draco hielt mit seiner langsamen Folter inne und ließ ihr Zeit, sich zu sammeln. „Nein. Ich rede nicht über deinen Mund.“

„Aber was -“ Es dämmerte ihr und ihre Wangen färbten sich dunkelrot. Sie hoffte, er würde es eher auf ihre Erregung schieben als auf ihre naive Beschäumung. Ron und sie hatten einmal darüber gesprochen, aber sie war damals jung und unerfahren gewesen und die Idee kam ihr damals so fremd vor wie heute. „Ich weiß nicht. Ist das nicht irgendwie eklig?“

„Überhaupt nicht“, erwiderte Draco mit einer Überzeugung, die ihre Augenbrauen steigen ließ. Er bewegte sich bereits, bedeckte ihre Haut mit federleichten Küssen, als er an ihrem Körper nach unten glitt. Hermine wand sich innerlich, als er seine Finger in den Bund ihrer Shorts hakte und sie geschickt an ihren Beinen nach unten zog.

„Draco, warte…“

Er hielt inne und hob fragend eine Augenbraue. Er lag zwischen ihren Beinen, die Hände auf ihren Schenkeln, und sie konnte nichts gegen den Blitz aus purer Lust tun, der bei dem Anblick durch sie schoss.

„Es ist…“

„Ja?“ Er zog das Wort anmaßend in die Länge, wie damals in den Gängen von Hogwarts, zusammen mit den Begleitern seiner Kindheit.

„Peinlich!“, stieß sie hervor und hasste die dunkelrote Farbe, die inzwischen ihr ganzes Gesicht bedecken musste. Sie erwartete, dass er sich über sie lustig machen oder irgendetwas Ungehobeltes sagen würde. Also war sie etwas überrascht, als er seinen Kopf drehte und seine Lippen sanft gegen ihren linken Oberschenkel drückte. Sein warmer Atem so nah an der Gabelung ihrer Schenkel zog den Knoten in ihrem Magen noch enger zusammen und sie war schon halb-abwesend, bevor die Worte überhaupt seinen Mund verließen.

„Was, wenn ich dir verspreche, dich abzulenken?“, fragte er.

Er wartete geduldig, bis sie schließlich kurz nickte. Das Lächeln, das er ihr schenkte, bevor sein Kopf sich senkte, war fast liebevoll und später würde sie daran denken und es komisch finden, aber im Moment stellte seine Zunge den ersten, quälend langsamen Kontakt her und er zeigte ihr nur zu gerne, wie ablenkend er sein konnte.

::

Draco betrat die Küche und fand Teddy Lupin allein am Tisch sitzend vor. Seine erste Reaktion wäre, sich auf dem Absatz umzudrehen und nichts wie raus da. Aber dann füllte Grangers schimpfende Stimme seinen Kopf und schimpfte ihn, weil er Angst vor dem Jungen hatte – was natürlich lächerlich war. Und dann musste diese Ziege ihn auch noch mit Potter mit all seinen Ruhmestaten vergleichen. Draco war kein Harry Potter, und diese Gewissheit ließ ihn seinen Pfad zum Wasserkocher nach nur kurzem Zögern fortsetzen. Er legte den Schalter um, dann lehnte er sich an die Theke und betrachtete den Jungen.

Er war zu dünn. Seine Augen standen etwas zu nah beieinander. Seine Oberlippe war dünner als die Unterlippe. Er würde nicht groß werden. Alles in allem nicht ein Musterbeispiel für einen Black. Der Junge schien das Gewicht von Dracos Blick zu spüren und sah auf. Draco erwartete fast, dass er rot werden und wieder wegschauen würde, wie es viele Erwachsene taten, die mit einem Blick konfrontiert wurden, der durch dreijährigen Unterricht bei Tante Bella perfektioniert worden war. Aber der Junge sah ihn ebenbürtig an, seine langweilig braunen Augen blickten passiv durch ungewöhnlich lange Wimpern.

Das Starr-Duell ging weiter, bis das Geräusch des kochenden Wassers immer lauter wurde und das schrille Pfeifen die Stille durchbrach. Draco drehte sich um und machte sich einen Kaffee. Fast wäre er danach gegangen, aber da es so selten vorkam, dass man den Jungen ohne seinen Anhang einfältig lächelnder Mutterfiguren sah, konnte er nicht anders, als die Gelegenheit auszunutzen. Er blickte über die Schulter des Jungen und hob leicht überrascht die Augenbrauen.

„Du magst Quidditch?“, fragte er.

Der Junge sah von seinen Karten auf und starrte Draco kurz an, bevor er einmal nickte. Seine Augen kehrten zu ihrer vorherigen Aufgabe – Karten mischen – zurück und Draco hatte das nervige Gefühl, entlassen zu sein.

„Ich habe auch einmal gespielt, weißt du“, sagte er, wenn auch nur, um wieder die Aufmerksamkeit des Jungen zu erregen. Es funktionierte, auch wenn der Junge es verbergen wollte. Draco zögerte, dann setzte er sich neben ihn auf einen Stuhl. Seine Augen überflogen kurz die Karten und seine Hand griff nach der passenden. „Ich war der Sucher.“

Der Junge zeigte auf die kleine Spielerfigur, die auf dem Foto langsame Kreise zog, dann auf Draco. Seine Augenbrauen senkten sich fragend.

„Ich war damals sehr viel kleiner“, erklärte Draco. Er suchte wieder durch die Karten. „Du hast da ein paar echt gute dabei. Du hast fast alle Chudley Cannons. Aber nicht allzu viele von Puddlemere.“

Der Junge deutete auf den Chudley Cannons-Stapel, dann auch sich. Das wiederholte er ein paar Mal und Draco nickte, verstand.

„Dein Lieblingsteam?“ Der Junge nickte einmal. Draco seufzte. „So wie alle. Keine Sorge, ich mach das schon. Weißt du, Puddlemere United sind die einzig Wahren. Ich bin mit Oliver Wood zusammen zur Schule gegangen. Habe oft gegen ihn gespielt. Kannst du fliegen?“

Der Junge hob eine Hand und bewegte sie ein wenig hin und her.

„Ein bisschen.“ Draco runzelte abwesend die Stirn. „Ich kann es dir beibringen. Wenn du willst.“

Der Junge nickte begeistert mit dem Kopf. Seine Augen leuchteten, seine Wangen glühten und Draco stellte fest, dass das die stärkste Reaktion war, die er an dem Jungen in dem Monat, den er jetzt hier war, gesehen hat.

„Ich wette, ich könnte dir einen Besen beschaffen, der ungefähr so groß ist wie Fred. Aber wir sagen es lieber nicht Granger. Sie findet das alles barbarisch. Dumme Nuss.“

Zehn Minuten vergingen in kameradschaftlicher Stille zweier Männer, die die Liebe zum Sport teilten. Draco sortierte weiter die Spieler nach ihren Teams, worüber die Bilder sich sehr freuten.

„Hm. Du hast da eine ziemlich große Sammlung. Wer hat dir die alle gegeben?“

Er starrte immer noch auf die Karten und übersah deshalb zuerst die leichte Veränderung im Schweigen des Jungen. Er blickte auf und bemerkte, dass Teddys Haare inzwischen ein stumpfes Grau zeigten. Der Junge sammelte die Karten zusammen und verließ das Zimmer ohne Worte. Erst als Draco aufstand, um ihm zu folgen, stellte er fest, dass Andromeda in der Tür stand.

„Wie lang stehst du da schon?“, fragte er, merkwürdig herausfordernd ohne wirklichen Grund.

„Lange genug“, erwiderte Andromeda und warf ihm einen unergründlichen Blick zu, der dem ihrer Schwester so ähnelte, dass Draco gezwungen war, die Augen abzuwenden, wenn auch nur für einen Moment. „Du hast dich sehr verändert, Draco“, sagte sie nur, bevor sie sich umdrehte und ihrem Enkel folgte. Draco mied den Jungen eine Zeit lang. Er beschloss, das Kind seinem Kummer zu überlassen, bevor er noch mehr Schaden anrichtete. Aber das hielt ihn nicht davon ab, Fred einen Brief zu schreiben, in dem er nach möglichen Besen für Kinder fragte.

::

Hermine lag in dem chaotischen Haufen wuchernden Grases, das als Garten zu Nummer 12 zählte. Es war kalt und der letzte geschmolzene Schnee kroch durch den Mantel, den sie von Harry geborgt hatte. Aber sie bewegte sich nicht. Wenn sie so auf dem Rücken lag - nur das Grün um sie herum und das Blau über ihr, und das geschäftige Treiben der heimkehrenden Vögel - konnte sie überall sein. Im Fuchsbau. In dem Haus, wo sie aufgewachsen ist. An einer besonders zugewachsenen Stelle neben dem See in Hogwarts. Sie schloss ihre Augen und dachte an die Sommertage, die sie im Fuchsbau verbracht hatte. Lange Zeit dachte sie an nichts anderes.

::

Das erste Opfer der Traumkugeln kehrte in die Zellen des Ordens zurück. Sie lagen da, ganz zahm, starrten blind auf die Wände, die schwarzen Kugeln fest in den Fäusten. Shacklebolt erklärte sie (widerwillig) zur effektivsten Beherrschungsmaßnahme des Ordens. Und zehn Meilen entfernt, in ihrem zugemüllten Labor, tauchte Draco endlos in die Tiefen Flints schlimmster Albträume. Er verkrampfte und übergab sich, hatte mehr als einmal Nasenbluten. Aber jedes Mal war er näher dran, den komplexen Zugang zu Flints Verstand zu knacken. Er war in seinen Augen weniger Eindringling als Reisegefährte, denn er lernte langsam, die natürliche Abwehr des Gehirns zu umgehen, das ihn nicht länger als Bedrohung sah.

Er fand heraus, wie man Geheimnisse enthüllte, als wären sie nur Schlösser an schlecht-gesicherten Türen. Er machte Fortschritte; sah nicht mehr nur jedes düstere, ekelhafte Bild aus Flints Unterbewusstsein, sondern die Informationen, die nicht einmal Veritaserum entlocken konnte. Und je tiefer er tauchte, desto schwerer war es, zurückzukehren.

::

„Bald ist es vorbei, oder?“

Dracos Stimme, wenn auch kaum mehr als ein Flüstern, schreckte Hermine aus dem Halbschlaf, in den sie versunken war. Sie hatte gedacht, er wäre schon längst eingeschlafen. Normalerweise schlief er vor ihr ein. Aber seine Stimme war nicht schleppend und klang nicht, als wäre er erst aufgewacht, und nun, da sie wach war, konnte sie die angespannte Linie seines Körpers neben sich auf dem Bett spüren. Sie rollte zu ihm herum – konnte im Dunkeln gerade so seine Gesichtsform ausmachen – und dachte über seine Frage nach. Es stimmte, dass in letzter Zeit sehr viel mehr… irgendwas in der Luft lag. Die Kämpfe fanden häufiger statt, waren aber kleiner; man kämpfte nur, um zu kämpfen.

Hufflepuffs Kelch war endlich gefunden und zerstört. Aber da waren immer noch das Diadem und die Schlange. Und beim Siebten konnten sie sich nicht absolut sicher sein, trotz Hermines Forschung und Theorien.

„Noch nicht“, sagte sie. „Aber bald, ja.“

Sie spürte, wie Draco nickte, und dann war er eine Zeit lang still.

„Was machst du danach?“

„Nach dem Krieg?“ Die Frage erstaunte Hermine, wenn auch nur einen Moment. „Ich weiß nicht. Ich habe noch nicht groß darüber nachgedacht. Ich denke, ich kehre nach Hogwarts zurück.“

Draco seufzte müde und erst nach einiger Zeit hatte sie das Gefühl, als hätte sie eine Prüfung nicht bestanden, von der sie gar nichts gewusst hatte.

„Was wirst du tun?“ Stille. „Draco?“

Sie hob leicht ihren Kopf, um in der Dunkelheit in sein Gesicht zu blicken. Er schlief. Sie rückte näher an die Wärme seines Körpers und schloss ihre Augen, atmete seinen Duft ein, der ihr inzwischen so vertraut war wie Rons oder Harrys. Sein Arm lag über ihrer Taille und der gleichmäßige Rhythmus seiner Atmung zog sie zurück in den Schlaf, als plötzlich der Gedanke auftauchte, dass sie auch nichts dagegen hätte, sich ein paar Monate lang nach dem Krieg an einem Strand zu erholen, irgendwo, wo es nie regnete. Sie träumte von sanften Wellen, die über goldene Ufer wuschen, und Draco in einer Hängematte, Sonnencreme auf seiner Nase. Sie erwachte mit einem Lächeln auf dem Gesicht, dem selbst Dracos grummeliger Kommentar über ihre morgendliche Frisur nichts anhaben konnte.


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Daniel musste nicht nur schwimmen, spielen, Dialoge sprechen und auf Monster reagieren, die später per Computer hinzugefügt wurden, sondern er trug dabei auch Schwimmflossen an Händen und Füßen. All das absolvierte er sieben Meter tief unter Wasser in völliger Dunkelheit – bis ihm die Luft ausging und er das Zeichen gab: Einer der Stuntleute schwamm dann zu ihm hin und gab ihm seine Sauerstoffmaske zurück. Eine wirklich unglaubliche Leistung.
Greg Powell über Unterwasser-Dreharbeiten