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Fanfiction

Of Crimson Joy - Kapitel 14.2

von Nitsrek

Man kann der menschlichen Natur zugute halten, dass sie – außer da, wo Egoismus im Vordergrund steht – eher dazu tendiert zu lieben als zu hassen. Hass wird schrittweise und unbemerkt sogar zu Liebe, es sei denn, dieser Wandel wird durch eine anhaltende, neue Störung, die an das ursprüngliche Gefühl der Feindseligkeit erinnert, gehemmt. ~Nathaniel Hawthorne, The Scarlet Letter

::

Hermine stand auf der Matratze, den Zauberstab gezogen, die Augen auf den Riss in der Wand gerechnet, wo der schleimige Schwanz vor genau sieben Minuten verschwunden war. Es war Sie. Die gleiche Ratte, die sie seit dem ersten Motel verfolgt hatte. Sie war die letzten paar Wochen abwesend gewesen, aber Hermine hatte gewusst, dass sie zurückkehren würde. Sie folgte ihnen. Quälte sie, indem sie nachts über den Boden huschte, nur um wieder in ihr Loch zu fliehen, wann immer Hermine versuchte, sie zu erwischen. Sie schaffte es immer. Aber nicht dieses Mal. Nein. Dieses Mal würde Hermine sie schlagen, ein für alle Mal.

Sie musste nur warten.

Und warten.

Um genau 2:17 Uhr hörte sie eine leise Bewegung hinter der Wand. Hermines Körper spannte sich an, die Beine leicht gebeugt, der Zauberstabarm erhob sich. Sie war vorbereitet. Eine Schnauze. Schnurrhaare. Schwarze Augen, die hin und her huschten, überprüften, ob die Luft rein war. Ein ganzer Kopf, schnell gefolgt von ihrem schlanken, schwarzen Körper, den grotesken Schwanz dahinter. Hermine wunderte sich kurz, ob der Schwanz permanent mit dem Schmutz bedeckt war, der jedem dieser ekelhaften Hotels innewohnte, oder ob die Ratte eine Möglichkeit hatte, ihn zu säubern. Sie ignorierte den Gedanken, als sie näher kam, die Schnauze zuckte vorsichtig in der Luft.

Hermine ließ sie näher kommen, ließ sie die Krümel riechen, die sie auf einem Haufen in ihr Bett gelegt hatte. Wartete geduldig, als sie näher und näher kam. Nur noch ein kleines Stück –

„STUPOR!“

Ein roter Blitz. Der Umriss der Ratte schaffte es gerade noch nach links auszuweichen.

„Stupor, Stupor, Stupor!“

Sie folgte ihr durch den Raum, schickte drei rote Lichtstrahlen in die Wand, bevor sie über die Stiefel stolperte, die sie gestern Abend auf dem Boden hatte liegen lassen, und mit einem schmerzhaften Plumps auf ihrem Po landete.

Licht erfüllte den Raum und überreizte ihre Sinne für einen Moment. Ihre Augen gewöhnten sich an den Anblick von Malfoy nur in Jogginghose, die Haare wirr, die Wangen gerötet, während seine Schultern sich vor Keuchen schnell hoben und senkten. Sie fand einen Moment lang fast, dass er niedlich aussah, so zerknautscht und verschlafen. „Was“, begann er, seine Stimme bemerkenswert ruhig im Vergleich zu seiner Atmung, „zur Hölle tust du da, Granger? Bist du wahnsinnig, verdammt nochmal?“

„Die Ratte…“ Hermine zeigte auf den Riss in der Wand, nur um bei einem dumpfen Quieken zu erstarren. Lachte die Ratte sie aus? Vielleicht konnte sie einfach ihren Zauberstab in die Wand stecken und das Mistvieh mit einem Zauber erwischen, bevor die ganze Wand in sich zusammenfiel.

„Die Ratte? Verdammt, Granger! Ich dachte, wir werden angegriffen!“

„Wurden wir! Von der Ratte! Es ist die gleiche wie in den letzten vier Hotels! Sie folgt uns!“

Er blinzelte, langsam, auf eine Art, die sie merkwürdigerweise an Ron erinnerte, wenn sie versuchte, mit ihm über Alte Runen zu sprechen. Aber dann kniff er seine Augen zusammen und neigte sich etwas vor, wobei er ihr tief in die Augen sah. „Granger, sei ehrlich zu mir. Hast du irgendwas genommen, was du nicht hättest nehmen dürfen?“

Sie zog ihre Nase kraus. „Was?“

„Etwas geraucht? Geschnupft? Oder bist du von ganz allein so verrückt? Ich kann wirklich nicht sagen, welche dieser Möglichkeiten mich noch überraschen würde.“

„Ich habe dir einen Gefallen getan!“ Sie stellte sich nun hin, nicht gerade anmutig. Ihr Hosenbein verfing sich im gegenüberliegenden Bettpfosten und sie musste sich mit der Hand an der Wand abstützen, um nicht wieder hinzufallen. „Diese Ratte könnte, während du schläfst, in dein Bett kriechen und dein Gesicht abnagen! Und dann täte es dir leid!“

„Irgendwie glaube ich, dass mich der Gedanke weniger vom Schlafen abhalten wird wie dein unnachgiebiges Gekreische um zwei Uhr morgens!“

„Aber ich kann nicht schlafen, wenn ich weiß, dass dieses Ding hier ist!“

„Und du denkst wirklich, du wirst es so fangen? Merlin, Granger, der Orden sollte dich absichtlich aus sämtlichen Kämpfen raushalten, wenn du so mies zielst!“

Später würde sie darüber nachdenken, dass das die stärkste Emotion war, die sie innerhalb der letzten drei, vier Monate von ihm gesehen hatte. Aber in jenem Moment war sie zu wütend und aufgebracht, und erschöpft von ihrer Jagd im Dunkeln, und ihr einziger Gedanke war, dass die Ratte unbedingt weg musste, damit sie eine Nacht schlafen konnte ohne Angst haben zu müssen, dass ihr beim Aufwachen lebenswichtige Körperteile fehlen könnten! Sie stürmte auf ihn zu, mit erhobenem Zauberstab, und die Art, wie er zusammenzuckte, ließ sie vermuten, dass er glaubte, sie würde ihn verfluchen. „Na, dann mach du doch, wenn du dich für so klug hältst!“

Die Tatsache, dass sie Draco Malfoy ihren Zauberstab anbot, traf sie erst, als sie die Überraschung in seinem Gesicht bemerkte. Seine Augen weiteten sich leicht, der Ärger wich aus seinem Gesicht, aber die Röte blieb. Sein Blick huschte zu dem Zauberstab, der zwischen ihnen in der Luft hing, aber nur kurz, dann suchte er ihren Blick. In seinem Starren lag etwas, dass sie zuvor noch nicht gesehen hatte – ein Durchschimmern des gewitzten, klugen Jungen, der in ihrer Schullaufbahn die einzige intellektuelle Herausforderung dargestellt hatte. Sie erinnerte sich, dass Harry ihr erzählt hatte, er wäre ein begabter Legilimens, dachte aber nicht daran ihre Blockaden hochzuziehen oder den Blick abzuwenden.

Anscheinend wartete er – vielleicht, dass sie ihre Meinung änderte oder den Zauberstab in der letzten Minute zurückziehen und ihn auslachen würde. Selbst als er danach griff, war die Bewegung langsam und vorsichtig, so anders als sein gewohntes Verhalten, dass sie merkte, wie sie den Atem anhielt, um den Moment nicht zu stören. Etwas flimmerte über sein Gesicht, als seine Hand sich um das Holz legte, womöglich Erleichterung oder vielleicht auch Verwunderung, dass sie ihm tatsächlich gestattete, ihn zu nehmen. Aber nach einem Moment war es weg, die leere Maske wieder am Platz, und seine Schultern strafften sich und er trat von ihr zurück.

„Los, aufs Bett“, sagte er, und wäre er Ron oder Harry, hätte sie vielleicht eine sexuelle Anspielung gemacht. Doch sie gehorchte ihm nur, zog ihre Füße unter sich, als das Licht ausging. Nach einer kleinen Pause neigte sich die Matratze neben ihr unter Malfoys Gewicht.

„Was wirst du tun?“

„Nichts, wenn du nicht den Mund hältst, weil dann wird sie nie aus ihrem Loch kommen.“

Für einen langen Moment herrschte Stille. „Du wirst sie doch nicht töten, oder?“, flüsterte sie in der Hoffnung, dass Malfoy ohne Hohn oder Beleidigung antworten würde.

„Was spielt das für eine Rolle?“, fragte er nach einer Pause. „Es ist nur eine Ratte.“

„Sie hat trotzdem ein Recht, zu leben.“ Nur nicht da, wo sie schlief.

„Wenn ich sie nicht umbringe, wird sie nur zurückkommen und wir fangen wieder von vorne an.“

„Wir können sie erstarren lassen und sie weit weg frei lassen. Dann findet sie uns nicht mehr.“

„Nein, dann wird sie nur einsam und verlassen in einer völlig fremden Umwelt leben. Es wäre gnädiger, sie zu töten, Granger.“

„Vielleicht gefällt es ihr an diesem neuen Ort. Vielleicht ist sie nur hier, weil sie keinen anderen Ort hat, an den sie gehen könnte, aber wenn sie an dem neuen Ort ankommt, wird sie merken, wie viel besser und netter es dort ist und sicherer, und sie wird sehr viel glücklicher sein, als sie es hier jemals war.“

„Oder vielleicht vergisst du die Tatsache, dass sie theoretisch gewaltsam entführt wurde, um zu dem neuen Ort zu gelangen und vielleicht nie dorthin wollte.“

„Vielleicht trifft sie andere Ratten und findet viele Freunde, die nicht grausam sind, wie ihre alten Rattenfreunde.“

„Und vielleicht solltest du einfach aufhören zu versuchen, alles gerade zu biegen, Granger.“ Es war nicht geschrien. Es lag auch keine Emotion hinter der Aussage. Es hat ihn mehr aufgewühlt, als sie ihn als Roboter bezeichnet hatte. Aber ihr Mund klappte zu und sie spürte Schmerz in sich aufsteigen, was ebenso frustrierend wie lächerlich war. Sie wusste, dass sie keine Freunde waren. Er hatte sie das nie glauben lassen. Aber der Gedanken, dass er lieber tot wäre, als gezwungen zu sein, mit ihr die letzten drei Monate ein Hotelzimmer teilen zu müssen, war nicht gerade schmeichelhaft.

„Nun, wenn die Ratte nicht in Wirklichkeit ein gruseliger Roboter ohne Gefühle und soziale Fähigkeiten wäre, wäre sie vielleicht sehr viel glücklicher!“

Er antwortete nicht, aber das hatte sie auch nicht erwartet. Sie lehnte sich ans Kopfteil, entspannte sich in den Kissen. Sie schlief ein, Malfoy im Blickfeld, angespannt und bereit zum Absprung, den Zauberstab lose zwischen den Fingern. Als sie aufwachte, war er unter der Dusche, ihr Zauberstab lag ordentlich neben ihr auf dem Nachttisch. Die Ratte lag bewusstlos in einem Schuhkarton, den er beschworen hatte, bereit, an einen anderen Ort gebracht zu werden.

::

Eine weitere Postkarte mit einer anderen Adresse. Diesmal war die Nachricht an Hermine kürzer. Hastig gekritzelt. Wenn Malfoy bemerkte, wie sie die Postkarte frustriert umdrehte (zweimal), und ihre Augen die leere Karte nach etwas, irgendwas absuchten - einem Hinweis, einem Tipp, einem Zeichen, dass er ihre Existenz durch sein neues Leben nicht völlig vergessen hatte – dann ließ er es sich nicht anmerken. Sie packten ihre Sachen (was höchstens zehn Minuten dauerte) und apparierten lautlos in ein Seitengässchen nahe ihrer neuesten Unterkunft. Eine Zeit lang waren die Räume fast schön gewesen. Oder zumindest ausreichend – fließend Wasser, relativ saubere Bettwäsche. Aber in letzter Zeit schienen sie immer schäbiger zu werden. Die Toilettenspülung funktionierte nicht immer. Die Wände schälten sich und offenbarten braune Flecken und Schimmel.

Sie traten an die Rezeption und Hermine versuchte, den lüsternen Blick des Mannes zu ignorieren. Seine Augen wanderten an ihrem Körper auf und ab, bis Malfoy neben sie trat, seine Schulter drückte leicht gegen ihre, und plötzlich war der Mann sehr viel kooperativer und gab ihnen einen Schlüssel. Hermine sah Malfoy nicht an und er sagte auch nichts, aber er blieb an ihrer Seite, bis sie außer Sichtweite des Angestellten waren.

„So schaut die Hölle aus, oder?“

Malfoy antwortete nicht, aber ein Muskel in seinem Kiefer bewegte sich, was normalerweise bedeutete, dass ihn etwas störte. Der Raum stank nach Staub und Verfall und vielen anderen Dingen, die Hermine ihren Verstand nicht verarbeiten ließ. Die Betten waren so schmal, dass es schon lächerlich war, kaum dreißig Zentimeter voneinander entfernt, um in den winzigen Raum zu passen. Die Bettwäsche war entweder einst sonnengelb gewesen und war über die Jahre verblasst, oder sie sollte weiß sein und war seit Jahrzehnten nicht mehr gewaschen worden (Sie zog es vor, die erste These zu glauben). Sie warf einen kurzen Blick auf die Badezimmertür, bevor sie entschied, dass der Verstand nur eine begrenzte Anzahl an Schreckensbildern pro Nachmittag verkraften konnte und dass sie diese Hürde bis zum Abend aufheben würde.

„Hm“, grunzte Malfoy auf eine Art, die zu leicht und locker für diese Frechheit, die ihr Zimmer darstellte, war.

„Was?“

„Naja, ich habe immer gedacht, du und Potter würdet ficken. Aber jetzt sehe ich ein, dass das nicht stimmen kann. Kein Mann würde die Frau, mit der er schlief, in so ein Loch stecken.“

„Musst du immer so ungehobelt sein?“

„Musst du immer so prüde sein?

„Wenn ich in deiner Nähe prüde bin, dann auch nur, weil du so widerlich bist.“

„Oder weil du dich insgeheim zu mir hingezogen fühlst und es unter Schichten von Abneigung verbergen willst.“

„Vertrau mir – die Abneigung ist echt. Wenn du nicht die ganze Zeit so nervig wärst -“

„Oh, ich nerve? Ich bin nicht derjenige, der -“ Und so ging es weiter.

::

„Das Wasser kommt sauber aus dem Hahn, aber du musst ein paar Mal gegen die Leitung… was machst du?“

„Die Leute im Zimmer neben an haben Sex.“

Malfoys Lippen formten ein Grinsen, seine Hände hörten auf, mit dem Handtuch seine Haare zu trockne. „Wow, Granger. Ich hätte nie gedacht, dass du so pervers bist.“

„Oh, halt den Mund, Malfoy.“

„Wirklich, du musst dich nicht schämen. Ich finde es ehrlich gesagt gut, dass du beschlossen hast, diesen wahrscheinlich überaus schmerzhaften Stock in deinem Arsch zu entfernen.“

Sie schnaubte. „Im Gegensatz zu dir? Du kriegst einen Anfall, wenn ich nur deinen Arm anfasse, um uns irgendwohin zu apparieren-“

„Ich bekomme keinen ‚Anfall’. Ich genieße nur meine Privatsphäre-“

„- mit Privatsphäre meinst, kein anderes menschliches Leben auch nur in irgendeiner Form körperlichen Kontakt zu dir herstellen zu lassen, dann ja, dann genießt du deine Privatsphäre.“

Malfoy funkelte sie an, sagte aber nichts weiter und durchquerte nach einem Moment den Raum, um ihr an der Wand Gesellschaft zu leisten. „Also, warum hörst du ihnen immer noch zu?“

Hermine zuckte mit den Schultern und verlagerte auf dem Bett ihr Gewicht, um ihr Bein daran zu hindern einzuschlafen. „Ich langweile mich. Und es ist sogar ganz lustig. Sie macht ihm eindeutig was vor.“

Malfoy runzelte die Stirn und Hermine bemerkte, wie die Bewegung sich von seiner Stirn über seine Brauen bis zu seinen Augen ausbreitete. Sein Mund verzog sich leicht nach unten vor Abscheu – oder vielleicht auch nur Ekel. „Nicht einmal sehr gut. Armer Kerl. Ich bin überrascht, dass er noch nicht vorgeschlagen hat, sie zu knebeln.“

„Vielleicht gefällt es ihm. Mögt ihr Kerle es nicht normalerweise, wenn Frauen für euch so eine Show abziehen?“ Sie wartete seine Antwort nicht ab, sondern packte das Kopfteil mit beiden Händen. Es war nachgiebig, das Holz war schlechter Qualität und verfiel bereits, und es bewegte sich leicht unter ihrem Druck. Sie stieß, bis es gegen die Wand traf, lehnte sich zurück und wiederholte das Ganze.

„Was zur Hölle tust du da?“

„Pst!“ Sie wiederholte die Bewegung, bis genug Schwung da war und das Kopfteil mit Leichtigkeit immer wieder auf die bröckelnde Wand traf. Das Klopfen auf der anderen Seite verlangsamte sich, hörte auf, bis es plötzlich schneller und lauter wieder einsetzte. Hermine kicherte in ihre Handfläche und beschleunigte ebenfalls, stieß das Kopfteil gegen die Wand; beschleunigte noch mehr, als das entsprechende Geräusch auf der anderen Seite der Wand noch einmal an Tempo zulegte.

„Hilf mir“, zischte sie Malfoy zu, der mit den Augen rollte, aber trotzdem seine Hände neben ihre an das Kopfteil stützte. Durch die zusätzliche Stärke lösten sich Staubflusen von der schwachen Zimmerdecke. Hermine machte sich kurz Sorgen, dass die Decke ihnen auf den Kopf fallen würde, bevor sie einen Lachanfall bekam und sich auf ihre Knie sinken ließ, ihren Bauch hielt, während ihre Schultern wegen all der Albernheit bebten.

Ein lautes, schrilles Stöhnen unterbrach die Symphonie, die Wand und Holz erschufen, gefolgt von einer weiteren Serie aus Schreien, kürzer, wenn auch nicht leiser (oder weniger falsch). Hermine atmete ein paar Mal tief ein, bevor sie ihr Lachen genug unter Kontrolle hatte, um zurück zu stöhnen. Der Wettbewerb schaukelte sich hoch, bis beide Frauen fertig waren – die Fremde auf der anderen Seite mit einem lauten Kreischen, Hermine in einem Lachanfall, den sie nicht länger unterdrücken konnte. Sie fiel auf ihren Rücken, rang um Atem, ihre Wangen von der Anstrengung gerötet. So etwas hätten sie und Ginny auch gemacht, wären sie im Grimmauld Platz und hätten das Pech, neben zwei Fremden festzusitzen, die nichts Besseres zu tun hatten, als sich in der tiefsten Nacht um den Verstand zu vögeln.

Aber Malfoy war nicht Ginny, nicht einmal annähernd, und diese Feststellung traf sie in der Sekunde, als ihr Blick seinen traf. Er kniete über ihr, die Hände immer noch am Kopfteil, seine Schultern hoben und senkten sich schnell, als hätte ihm dieses Spiel alles abverlangt. Ihr Blick wanderte an seinen Armen entlang, entdeckte dort die hervortretenden Sehnen, die weiße Haut an seinen Knöchel, und sie wunderte sich, dass das schwache Kopfteil in seinem Griff noch nicht zerbrach. Als sie ihm wieder in die Augen sehen wollte, bemerkte sie, dass sein Blick über ihre Brust huschte und zu lange bei dem heftigen Pulsschlag an ihrem Hals verweilte. Er wanderte zu ihren Lippen, ihren geröteten Wangen, dann zu ihren Augen. Seine Augen waren dunkler, die gleiche Farbe, wie wenn er wütend wurde, aber im Moment war er nicht wütend.

Sie versuchte, noch einmal zu lachen und damit die plötzlich angespannte Stille zu durchbrechen. Das Kichern klang erstickt und angestrengt. So lustig war es doch nicht.

::

Hermine wusste, dass etwas nicht stimmte, in der Sekunde als Malfoy ins Hotelzimmer zurückkehrte. Er war nur ein paar Minuten weg gewesen, höchstens fünf. Hatte irgendwas gemurmelt, dass die Zeitung nicht geliefert worden war und aus der Tür verschwunden, mit der Warnung, dass sie vorsichtig sein sollte. Sie erstarrte, als sie ihn sah. War auf den Beinen, bevor sie blinzeln konnte.

„Was ist?“

„Todesser.“ Das Wort klang erstickt, seine Augen waren weit vor Panik; so hatte sie ihn noch nie gesehen. Es war erschreckend, denn ihn konnte sonst nichts erschüttern. In ihrer Brust stieg stechende Panik auf.

„Wie viele?“

„Zwei.“ Und er setzte sich in Bewegung – sie beide – warfen Dinge in Taschen, bis die eine Hälfte ihrer Sachen in seinem Rucksack und die meisten seiner Sachen in ihrer Handtasche waren. „Ich kenne sie, aber ich weiß nicht, wie sie heißen.“

„Haben sie dich gesehen?“

Er warf ihr einen Blick zu, der eindeutig ihre Intelligenz in Frage stellte, weil sie überhaupt so etwas fragte, und sie rollte mit den Augen.

„Was tust du?“, zischte er und zog sie zurück, als sie zur Tür lief. „Wir können von hier aus apparieren.“

„Ich muss Harry eine Nachricht da lassen. Sonst wird er uns nie finden.“ Malfoy knurrte auf eine frustrierte Art, die ihr sagte, dass er ihr Recht gab, auch wenn ihm das nicht gefiel. „Bleib einfach hier bei unseren Sachen. Ich werde -“

„Und wenn sie dich sehen?“

„Dann hetze ich ihnen einen Fluch auf den Hals.“

„Vor den Muggeln?“

„Es gibt einen Grund, warum Obliviate existiert, Blödmann.“

„Es ist gegen das Gesetz, Muggel ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Ministeriums -“

Hermine war sich sicher, ihre Augenbrauen würden unter ihren Haaren verschwinden, wenn sie noch höher stiegen. „Soll das ein Witz sein? Seit wann interessieren dich die Vorschriften des Ministeriums?“ Sie wollte ihn schütteln – oder schlagen. Was auch immer ihn wieder zu Verstand bringen würde. Sie entschied sich dafür, seine Hand von ihrem Arm zu schütteln. „Nur ein paar Minuten. Ich passe auf, dass mich niemand sieht.“

Es war nicht die Stärke, mit der er ihre Hand packte, um sie zurückzuhalten, die sie innehalten ließ, sondern eher die Tatsache, dass er sie überhaupt zurückhielt. Seine Hand lag warm in ihrer, sanft im Vergleich zu dem bösen Leuchten in seinen Augen. „Wenn du in fünf Minuten nicht zurück bist, komme ich und hole dich. Und das wird keine angenehme Erfahrung, verlass dich drauf.“

Sie hätte vielleicht etwas zu dieser deutlichen Drohung gesagt, aber sein Daumen streichelte ihre Handfläche, zeichnete Muster und beschwor einen Sturm in ihrer Brust. Er war zu nah. Sie konnte nicht denken, wenn er so nah bei ihr stand. Er war zu groß, zu breit, zu viel für ihre Sinne. Seine Augen waren aus der Nähe weniger hart und sie konnte die kleinen goldenen Tupfen in dem Grau sehen. Auf seiner linken Wange war eine Narbe, die sie vorher nicht bemerkt hatte, und ihre Augen verweilten zu lang auf seinen vollen Lippen.

Als sie ihren Blick wieder hob, lag ein seltsamer Ausdruck in seinen Augen. Neugierde und etwas Dunkleres. Sein ganzer Körper verlagerte sich, neigte sich zu ihr, so dass sein Pony ihre Stirn berührte, und jeden Atemzug, den sie ausstieß, atmete er ein. Für einen Moment dachte sie, er würde sie küssen. Sein Gesicht kam näher, er schielte fast, um ihr weiterhin in die Augen sehen zu können. Aber dann lehnte er sich zurück, seine Hand drückte ihre kurz, bevor er sie ganz losließ.

„Versuch, dich nicht umbringen zu lassen“, murmelte er – war seine Stimme rauer als sonst? – und sie stolperte auf den Flur, den Zauberstab gezogen.

Sie wusste nicht, wie die Todesser aussahen, aber das war okay, denn das hieß, dass sie sie auch nicht erkennen würden. Sie überlegte kurz, ob sie ihren Zauberstab einstecken sollte, entschied dann aber, dass sie lieber die komischen Blicke der Muggel als einen Fluch in die Magengrube ertragen würde. Die Gänge waren leer. Die Lobby nicht. Das Paar an der Rezeption sah harmlos aus – ein Mann und eine Frau, ungefähr im gleichen Alter wie sie, von Kopf bis Fuß pitschnass. Unter anderen Umständen hätte sie vielleicht gelacht.

„Verzeihung?“ Der Mann hinter den Tresen grunzte, sah aber von seinem Buch nicht auf. „Mein Freund und ich werden etwas früher abreisen als -“

„Keine Erstattung.“

Hermine blinzelte. „Oh. Nein, natürlich nicht. Das war auch nicht der Grund -“

„Wenn Sie etwas kaputt gemacht haben, bezahlen Sie es auch. Ich würde es aber vermutlich nicht einmal merken. Der ganze Ort hier ist eine Absteige.“

„Das ist es nicht. Ich habe mich gefragt, ob ich eine Nachricht hinterlassen könnte. Ein Freund von mir kommt vielleicht bald vorbei, und ich muss ihm erklären, wo wir hin sind.“

Die Hand des Mannes suchte den Tisch ab, bis er eine Serviette und einen Stift erwischte. Das musste reichen. Der Stift schwebte einen Moment über der alten Serviette, Unsicherheit hielt ihre Hand ab. Aber dann fiel ihr Malfoys Warnung ein und sie kritzelte, was ihr einfiel – ‚Harry, hoffentlich bist du okay. Hier ist alles gut, aber M und ich haben ein paar seiner alten Freunde getroffen und beschlossen, weiter zu reisen. Wir lassen dir unsere neue Adresse zukommen. Alles Liebe, H’. Sie glättete die zerknitterte Serviette ein paar Mal, bevor sie aufgab.

„Bitte sorgen Sie dafür, dass er die Nachricht bekommt.“

Der Mann grunzte, seine Augen immer noch auf die Buchseiten geheftet. Eine Hand grabschte nach der Serviette und legte sie auf einen chaotischen Papierhaufen.

Malfoy stand am Fenster, als sie die Tür öffnete, angespannt, als würde er mit einem Angriff rechnen. Sein Körper entspannte sich nicht, als sie eintrat, aber sie glaubte zu sehen, wie seine Augen sanfter wurden und die Spannung in den Schultern etwas nachließ. „Du bist zurück gekommen.“

„Natürlich“, erwiderte sie, durchquerte den Raum mit drei Schritten, nahm ihre Tasche und warf ihm seinen Rucksack zu. „Habe ich doch gesagt, oder nicht?“

Dieses Mal, als sie seinen Arm packte, entzog er sich ihr und nahm ihre hand. Er sagte nichts, starrte stur auf die Wand vor ihnen. Hermine hielt inne in ihrer Suche, ob sie irgendwas im Raum vergessen hatten. Spürte die Wärme seiner Haut. Legte seine Finger um seine und drückte ihre Handflächen zusammen. Später würde sie denken, dass ihr Verstand ihr einen Streich gespielt hatte. Aber in diesem Moment spürte sie das schwindelerregende Gefühl des Apparierens nicht. Nur seine langen Finger und die Art, wie sein Daumen vorsichtig, leise, ihren Daumen streichelte. Und sie dachte, sie würde nie vergessen, wie er sich anfühlte. Nicht einmal in hundert Jahren.

::

„Warum verstört dich der Gedanke an Obliviate so sehr?“ Vier Tage waren vergangen. Sie hatten ein Hotel gefunden, das widerlich genug war, um Harrys restliches Geld zu akzeptieren. Leider hatte sie bereits drei Kakerlaken entdeckt. Aber das waren immer noch drei Kakerlaken weniger als im letzten Hotel. Das Geld reichte aber leider nur für ein Bett, also schliefen sie abwechselnd auf dem Boden. Letzte Nacht war sie dran gewesen, weshalb ihr Rücken immer noch wehtat. „Ist es jemandem passiert, den du kanntest?“

Malfoy war so lange still, dass sie mit keiner Antwort rechnete. „Ich halte es für den ultimativen Diebstahl – jemandem die Erinnerung nehmen. Ein Teil, der so viel zum Charakter beiträgt. Du kannst alles zerstören, was eine Person hat, indem du nur eine Erinnerung wegnimmst – einen Moment der Freundlichkeit oder Liebe, der einen für den Rest des Lebens definiert.“ Er sah von seinem Solitärspiel nicht auf, während er sprach, aber Hermine rollte trotzdem auf die Seite und beobachtete ihn vom Bett aus. „Ich fand immer, Obliviate sollte zu den Unverzeihlichen Flüchen zählen.“

„Wirklich?“

„Naja, denk doch mal nach. Mit Avada stiehlst du das Leben. Mit Imperio stiehlst du den freien Willen. Mit Crucio stiehlst du Behagen, manchmal sogar den Verstand. Also, warum sollte es in Ordnung sein, die Erinnerung zu stehlen? Ist sie nicht genau so wichtig wie der freie Wille oder das Recht auf Leben?“

„Und wenn es zu ihrer eigenen Sicherheit ist?“

Er schüttelte den Kopf. „Jeder hat ein Recht, zu entscheiden, welche Opfer er für seine eigene Sicherheit bringen will. Niemand sollte einem dieses Recht wegnehmen.“

Hermine war einen langen Moment still, rollte auf den Rücken und starrte an die Decke. An manchen Stellen hatte sie Risse, gelbe Flecken bedeckten die billige, weiße Farbe. „Ich habe Obliviate auf meine Eltern gesprochen.“ Das Mischen der Karten hörte auf. „Vor ein paar Jahren inzwischen. Bevor alles losging. Ich habe sie irgendwo nach Australien geschickt, dann meine Erinnerung an den Ort gelöscht, damit sie nicht gefunden werden können.“

Für lange Zeit sagte Malfoy nichts, dann, „Es tut mir leid. Ich hätte das nicht sagen dürfen. Das stand mir nicht zu.“

„Es ist okay.“ Sich schluckte schwer, weil es im Raum sehr staubig war und sie allergisch war.

„Wie waren sie? Deine Eltern?“

„Echt toll. Du weißt schon. Auf diese Wir-kommen-zu-jeder-Aufführung-auch-wenn-sie-nur-eine-Textzeile-hat-Art.“ Sie drehte ihren Kopf und sah, dass er mit zurückgelehntem Kopf an der gegenüberliegenden Wand saß, auch wenn er sie ansah. „Wie waren deine Eltern?“

Er schnaubte. „Du kennst meinen Vater, oder?“

„Ich dachte immer, vielleicht hat er auch noch eine andere Seite. Wenn er nicht in der Nähe von… Menschen wie mir war.“

„Oh, keine Sorge. Er war immer ein Mistkerl. Machte meiner Mutter das Leben zur Hölle.“ In seinem Ausdruck lag etwas Bitteres, aber es verschwand und er wirkte nur noch müde. „Nein. Das ist eine Lüge. Es gab eine Zeit, da war alles gut. Da waren wir glücklich. Bevor Potter den Basilisken getötet und das Tagebuch zerstört hat. Damals hat sich alles geändert. Ich habe nie genau verstanden, weshalb.“

Hermine sagte nichts, denn sie würde nicht lügen und behaupten, sie wüsste auch nichts, aber sie konnte ihm nicht von dem Horkrux erzählen – der Aufgabe seines Vaters, blutend und zerstört durch den Zahn des Basilisken. Sie blinzelte, als er plötzlich aufstand. „Wohin gehst du?“

„Das Gerede hat mich deprimiert. Und wenn ich deprimiert bin, hilft mir nichts mehr als unbegrenzte Mengen von Wodka.“

„Mr. Malfoy, das ist die beste Idee, die Sie jemals hatten.“

::

„Erwachsene sind doof.“

Dracos Grinsen wurde von seinen glasigen Augen abgeschwächt. „Wir sind Erwachsene.“

„Ja, aber nicht wirklich. Wir sind noch ziemlich jung. Wenn ich keine Kämpferin wäre, würde ich gerade die Universität fertig machen.“

„Auf welche Uni wärst du gegangen?“

„Oxford. Wenn sie mich genommen hätten.“

„Hätten sie.“

Das war verdammt nah an einem Kompliment und Hermine hätte etwas dazu gesagt, wenn die Spielkarten, die sie in ihren Händen hielt, nicht bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen würden und das, wo sie dran war. Sie legte sie auf den Boden, offen, und schwankte dabei gefährlich.

„Du verlierst, Granger“, sagte Dra– Malfoy und grinste dabei dämlich. „Zieh sie aus.“

Hermine schmollte, zog dann aber ohne großen Protest ihre Socken aus. Nachdem sie bereits ihren Pullover und ihr Top verloren hatte, waren die Socken im Vergleich ein geringer Verlust. Sie warf sie nach Malfoy, der sie problemlos fing, bevor sie sein Gesicht trafen. Nach zweieinhalb Flaschen Wodka und einigen Brausebonbons waren seine Sucher-Reflexe immer noch intakt.

„Ha! Du verlierst!“ Eine weitere Runde – oder waren es zwei? Hermine hob die Flasche an ihre Lippen, nur um festzustellen, dass sie leer war. Ihr Schmollen wurde unterbrochen als Draco – Malfoy, verdammt – aufstand, die Finger an seiner Jeans. Er zog sie ohne Zögern aus, trat sie in eine Zimmerecke und setzte sich nur noch in schwarzen Boxershorts wieder hin. Hermine hob ihren Blick von seinem Oberkörper und schnaubte bei dem selbstgefälligen Grinsen auf seinem Gesicht. „Ich könnte schwören, dass du absichtlich verlierst. Ich dachte, du wärst unschlagbar bei Poker?“

„Wäre ich auch. Wenn wir Poker spielen würden.“

Sie spielten kein Poker mehr? Hermine blinzelte ihr Blatt einen Moment an, bevor sie die Karten seufzend auf den Boden warf. „Nun, ich denke, dann verliere ich auch. Ich habe keine Ahnung, was wir hier gerade machen.“

„Du kennst die Konsequenzen für den Verlierer, Granger.“ Sein Blick fiel auf ihr letztes Kleidungsstück, das keine Unterwäsche war – ihre Jeans. Sie rollte mit den Augen, tastete blind, bis ihre Hand das Bett fand und sie sich hochzog. „Ah, ah, ah. Nicht so schnell.“

Sie sah ihn finster an. „Merlin, Draco, willst du sie an oder aus?“

Sein Grinsen war böse, fast teuflisch, und durchschnitt ihren benebelten Verstand wie ein Messer. „Oh, glaub mir, Granger. Ich will sie aus. Aber“, fuhr er fort, bevor sie ihn unterbrechen konnte, „du hast aufgegeben. Was heißt, dass ich einen zusätzlichen Wunsch äußern darf.“

„Und der wäre?“

Er hielt einen Moment inne, Belustigung in seinen Augen, zusammen mit etwas anderem, was sie nicht deuten konnte, was aber dafür sorgte, dass sie den Blick nicht abwenden konnte. Sie fragte sich kurz, ob er eine Art Hypnotiseur war. Oder vielleicht war es nur eine weitere dieser gruseligen Roboter-Fähigkeiten. „Ich darf sie ausziehen.“

Sie runzelte die Stirn und zog verwirrt ihren Nase kraus. „Wenn du unbedingt willst“, sagte sie, als sie merkte, dass er auf eine Antwort wartete. Also wirklich. Wie schlimm sollte das schon sein? Sie hatte geglaubt, er würde sie nackt auf den Flur stellen oder irgendwas anderes Demütigendes. Das hier war im Vergleich harmlos. Sie schob es auf seinen angetrunkenen Zustand, dass seine gewohnte Boshaftigkeit nicht ganz auf der Höhe war. (Und sie schob es auf ihren eigenen angetrunkenen Zustand, dass sie keine Skrupel hatte, sich von Malfoy ausziehen zu lassen.)

Er schloss den Abstand zwischen ihnen und sie blinzelte, als er sich auf das Bett setzte und sie nach vorne zog, bis sie zwischen seinen Beinen stand. Seine Finger bewegten sich, rührten den Knopf jedoch nicht an, sondern landeten auf ihrer Taille, fuhren über ihre Hüften, bis sie den Bund ihrer Jeans erreichten. Dennoch kümmerte er sich nicht um den Knopf. Er ließ sich Zeit auf seinem Weg dorthin, seine Fingernägel kratzten sanft über die Haut ihres Bauchs, bis sie eine Gänsehaut nach sich zogen. Sein Atem traf ihren Bauch in der Sekunde, als seine Finger den Knopf lösten und Hermine spürte, wie ihr Atem stockte und ihr Herz beschleunigte, als ihre Lungen aufgaben.

Seine Augen trafen auf ihre für einen kurzen Moment, bevor seine Lippen ihre Haut federleicht berührten. Sein zweiter Kuss war gewagter, anhaltender, so dass heiße Luft über ihre Haut rauschte. Als seine Zunge während dem dritten Kuss hervorstieß, packte ihre Hand seine Schulter. Seine Haut war heiß unter ihrem Griff und sie spürte die Bewegung seiner Muskeln, als er den Reißverschluss ihrer Jeans aufzog. Seine Hände legten sich wieder auf ihre Taille, massierten ihre Hüfte. Sein Mund war heiß und feucht auf ihrem Bauch, seine Zunge fuhr ihren Bauchnabel nach und glitt weiter nach unten, um am Rand ihres Hosenbunds nachzufahren.

Es war schwierig, aus ihrer Jeans zu steigen, und sie fiel fast hin – zweimal – als ihre Füße sich verfingen. Sie lachten, bis Dracos Mund sich wieder auf ihre Haut legte; dann wimmerte sie leise, eine Hand kehrte zu seiner Schulter zurück, während die andere in seine Haare fuhr. Für einen kurzen Moment war sie sich zu bewusst, dass sie nur in ihrer Unterwäsche vor Draco Malfoy stand und dass sein Kopf irgendwo zwischen ihren Brüsten vergraben war. Sie dachte, dass Ginny vor Lachen tot umfallen würde, wenn sie ihr hiervon erzählen würde. Dann biss Draco vorsichtig in ihren Hals und sie dachte nicht mehr viel nach.

Seine Hände glitten zur Rückseite ihrer Oberschenkel. Sie brauchte nicht viel mehr Ermutigung, um auf seinen Schoß zu klettern. Sie verschätzte sich leicht und fiel fast vom Bett, bevor er sie gerade noch abfing und ihre Beine um seinen Körper legte, so dass sie definitiv über ihm kniete.

„Werden wir Sex haben?“

Draco blinzelte bei der Frage, sein Kopf zog sich eine Sekunde zurück, bevor seine Lippen ihre trafen. „Nicht, wenn du nicht willst“, sagte er nach einer Pause.

„Oh, ich will.“ Vielleicht klang sie etwas zu enthusiastisch, denn seine Lippen zuckten, als würde er versuchen, nicht zu lachen. „Du? Willst du, meine ich?“

Seine Hand fuhr in ihre Haare, hielt ihren Hinterkopf, und sein anderer Arm legte sich um ihren Rücken. „Ja, ich will, Granger“, murmelte er und hob seinen Unterkörper an, um ihr zu zeigen, wie er sie wollte. Sie stöhnte, als sie ihn spürte, und neigte ihren Kopf, um ihn zu küssen. Sie glaubte, es würde heftig und grob sein, wie alles an Draco. Aber er küsste sie mit einer Sanftheit, die irgendwie das wilde Schlagen in ihrer Brust beruhigte und gleichzeitig das Feuer in ihrer Magengrube entfachte. Er nahm ihre Unterlippe in den Mund und knabberte daran. Seine Zunge geisterte über ihre, und als sie ihm in seinen Mund folgte, saugte er an ihrer Zungenspitze.

Sie stöhnte, ihre Hüften drückten gegen seine und er unterbrach den Kuss mit einem Knurren. Sie verfiel in einen langsamen Rhythmus, ihre Stirn lehnte sich an seine.

„Hermine…“ Der Klang ihres Namens auf seinen Lippen traf sie tiefer, als sie es sich hätte vorstellen können und sie presste ihren Mund auf seinen, panisch, und intensivierte den Kuss in der Sekunde, als ihre Zunge auf seine traf.

„Hermine.“

Das war nicht er. Beide erstarrten.

„Hermine, mach auf.“ Das klang wie Harry. Sie würde ihn überall erkennen. So wie auch jeder Todesser. Dracos Arm entließ sie, für einen Moment hing seine Hand schmerzhaft in ihren Haaren, bevor er sie befreien konnte. Sie glitt von seinem Schoß, zog das Hemd an, dass er ihr zuwarf, während er nach ihrem Zauberstab griff. Nach einer kurzen Pause rüttelte jemand am Türgriff. Hermine sah sich nach etwas um – irgendwas – was sie als Waffe benutzen könnte, und packte den Regenschirm, den Draco drei Hotels zuvor gefunden hatte. Sie stand auf dem bett, als die Tür aufflog, das schwache Schloss problemlos unter dem Druck nachgab.

Harry blinzelte bei ihrem Anblick und neigte seinen Kopf. „Warum seid ihr beide in Unterwäsche?“ Sein Stirnrunzeln verstärkte sich. „Und warum hat Malfoy einen Zauberstab?“

Dracos Arm sank nicht. „Was hat Dumbledore als Letztes zu mir gesagt, bevor er damals auf dem Turm starb? Bevor die anderen Todesser dort ankamen?“

Hermine verstand sofort. Eine Frage, auf die nur Harry die Antwort kennen würde. Ein Geheimnis, das nur drei Männer kannten, einer von ihnen tot, die anderen beiden in diesem Zimmer. Harry blinzelte und für eine Sekunde glaubte sie, er wüsste es nicht. Ihr Griff um den Regenschirm verstärkte sich, Angst stach in ihrer Brust.

Aber dann sagte er, „Er sagte, ‚Es ist mein Mitleid, und nicht deins, das nun eine Rolle spielt.’“

Hermine blickte Draco an, bereit zu – wozu? Den Eindringling mit ihrem Regenschirm zu Tode zu prügeln? Aber Draco nickte, ließ den Zauberstab bereits sinken, auch wenn die Anspannung in seinem Körper nicht nachließ. Harry trat in den Raum, und sein Körper fiel schwer gegen die Tür, sobald diese hinter ihm ins Schloss fiel.

„Geht es dir gut?“ Hermines Augen suchten bereits seinen Körper ab, wogen den möglichen Schaden ab, suchten nach Blut. Harrys Augenbrauen hoben sich, sein Blick wanderte an ihm herab.

„Müde. Aber gut.“ Er grinste. „Ich würde fragen, wie es euch geht, aber ich bin nicht sicher, ob ich das wissen will.“

„Wir haben uns nur ausgezogen. Fürs Bett. Getrennt, meine ich. Um getrennt voneinander ins Bett zu gehen. Aber dann hast du gerufen und wir sind beide hierher gerannt. Aus unterschiedlichen Zimmern…“ Harrys Augen huschten zu der geschlossenen Badezimmertür und zurück, Belustigung übertraf nun die deutliche Erschöpfung in seinen Augen.

„Und dann bist du zufällig in Malfoys Kleidung gestolpert, richtig?“

Malfoys…? Sie sah das Hemd an – und realisierte, dass das Ding ihr viel zu groß war, um ihr zu gehören. Blickte zu Malfoy, der ausgerechnet jetzt beschlossen hatte, wieder zu dem unheimlichen Roboter zu werden. Blickte wieder zu Harry, dessen unterdrücktes Lachen seine Schultern zittern ließ.

„Oh, halt den Mund.“


::

„Ich weiß, wo der Horkrux ist.“

„Wann brechen wir auf?“

Harrys Lächeln war eine Mischung so vieler Dinge – Wärme, Liebe, Zuneigung, Kummer, Schuld. Es tat weh, ihn zu lange anzusehen, und sandte ein Ziehen in ihre Brust. „Es gibt kein ‚wir’, ’Mine.“

„Sei nicht albern. Ich komme mit dir. Wir haben es beschlossen“, setzte sie hinzu und ignorierte seinen Protest. „Wir haben es beschlossen. Alle drei. Du wirst das nicht alleine machen.“

„Werde ich nicht. Für die anderen. Du und Ron werdet mir beistehen.“ Er nahm ihre Hand, verschränkte ihre Finger. „Aber diesen Einen, okay? Diesen Einen muss ich allein besiegen.“

Weil es ihm etwas bedeutete. Ihnen allen. Aber vor allem ihm. Deswegen war Dumbledore gestorben. Das Ding, dass nur er und Harry hätten erledigen sollen. Und sie verstand es nicht. Nicht wirklich. Konnte sich nicht vorstellen, ohne ihn oder Ron zu kämpfen. Aber sie nickte trotzdem, drückte seine Hand und zog ihn in eine Umarmung.

„Wann wirst du wieder gehen?“

„In fünf Tagen.“

Die Dusche im Nebenraum ging aus. Geräusche. Baumwolle auf Haut und eine Zahnbürste beim Putzen.

„Also. Du und Malfoy, hm?“

Hermine zuckte mit den Schultern, ihre Augenbraue krümmte sich nachdenklich. „Wir waren betrunken, Harry.“

Er summte, seine Augen auf der Badezimmertür. Sie dachte, er würde wütend sein, aber seine Augen hinter der Brille waren klar, seine Stirn nur leicht in Falten. „Er ist kein schlechter Kerl, Hermine.“

„Er ist ein Todesser.“ Er hatte Augen, die einem das Herz brachen und einen Mund, der eine sündhafte Ablenkung darstellte. Kein Mann sollte so küssen können.

„Und ein guter Mann. Diese beiden Dinge schließen sich nicht zwangsläufig aus.“

Sie schnaubte. „Wann bist du erwachsen geworden, Potter?“

Sein Lächeln war viel zu traurig. „Wir sind alle seit langer Zeit erwachsen.“

Und einfach so war der Spaß verschwunden.

::

Sie hatten es geschafft, ein Zimmer mit zwei Betten zu bekommen. Was bedeutete, dass es die gleiche Größe hatte, dafür aber keinen Raum mehr, um zu atmen. Das Badezimmer war kleiner, das konnte Hermine schwören, und es gab nicht genügend heißes Wasser für drei Menschen. Zum Glück war Hermine schon immer ein Morgenmensch gewesen und wachte generell vor den meisten anderen Leuten auf. Leider war Draco Malfoy – wie bereits festgestellt – kein menschliches Wesen, weshalb sie (wieder einmal) auf der völlig falschen Seite der Badezimmertür stand. Und das war ein weiterer Beweis für Dracos Roboterigkeit! Denn kein Mensch würde dieses nervige Klopfen an der Tür aushalten. Selbst Harry war vor zehn Minuten getürmt, hatte etwas gemurmelt über Frühstück und verrückten Frauen gleich nach dem Aufwachen.

„Malfoy!“, schrie sie zum zehnten (hundertsten) Mal. „Mach die verdammte Tür auf-“

Und das tat er, Dampf strömte hinaus, und er trug nur ein Handtuch, stand da, starrte sie an, in all seiner (halb)nackten Pracht. Wassertropfen liefen an seinen Schultern hinab, über seine Brust, zogen lange, silberne Spuren um seinen Nabel.

„Merlin, Granger! Kann ein Mann nicht für fünf Minuten das Badezimmer benutzen, bevor du wie eine wildgewordene Harpyie rumkreischst!“

Es war ein schreckliches Klischee zu merken, wie ihr Bauch zu einer warmen Pfütze schmolz, während ihre Augen auf die Gänsehaut gerichtet waren, die sich auf seiner Haut ausbreitete, aber sie konnte natürlich nicht anders. Sie versuchte, eine geistreiche Antwort zu finden. Irgendwas Spöttisches, das ihn mit den Augen rollen oder schmollen ließ, was soviel wie ihren Sieg bedeutete. Aber ihr Blick huschte zu seinem, und sie konnte nur an seine Lippen und seine Hände auf ihrem Körper denken, überall; wie seine Zunge in ihren Mund tauchte und ihre lockte. Er wiegte sich leicht nach vorne, sein Ausdruck wechselte von Verärgerung zu etwas Dunklerem, etwas, das den Knoten in ihrem Unterleib noch enger zusammenzog. Und sie glaubte, dass auch er nicht anders konnte, als sich zu erinnern.

„Du hast Gänsehaut“, sagte sie, weil ihr Gehirn sie in seiner Gegenwart im Stich ließ. „Frierst du?“

„Nein.“ Und sein Ton ließ ihre Augen zu seinen wandern, wo sie die dunklere Farbe wahrnahm, den vertrauten Hunger. Ihre Hände berührten seine Haut, bevor sie bemerkte, dass sie sie gehoben hatte. Sie drückte seine Schultern, spürte die glitschige, feuchte und heiße Haut unter ihrer Berührung. Malfoys Hände waren langsamer – zögerlicher. Er legte sie um ihre Taille, seine Daumen bewegten sich unentschlossen. Vielleicht hätte sie das beunruhigen sollen – sein Zögern, und dieses schwache Leuchten in seinen Augen, als würde er gleich etwas Verrücktes, Wildes und vermutlich Verhängnisvolles tun, ohne die Macht zu haben, es aufzuhalten. Aber sie neigte sich ihm bereits entgegen, drückte ihre Brust an seine, berührte seinen Kiefer, sein Kinn mit ihren Lippen.

„Wo ist Potter?“, fragte er und sie war froh, dass seine Stimme so rau klang.

„Nicht hier“, erwiderte sie, dann küsste sie ihn. Es begann wie beim letzten Mal – langsam, sanft, erforschend, nur ohne den Alkohol, der ihre Sinne betäubte. Lippen glitten behutsam, unvertraut, übereinander. Aber das langweilte sie bald, und das Wissen, dass Harry jeden Moment reinplatzen könnte, führte ihre Hände in seine Haare und zog ihn tiefer in den Kuss. Ihre Zunge drängte sich in seinen Mund und er stöhnte, leise und tief in seiner Kehle. Sie hatte drei, vier Sekunden die Kontrolle, und dann war er der Malfoy, den sie kannte. Er zwang sie aus seinem Mund und jagte ihr in ihren hinterher.

Sein Griff um ihre Hüften verstärkte sich, entspannte sich, stärkte sich. Hob sie hoch, während er gleichzeitig einen Schritt machte und sie damit gegen die Wand drückte, und er war so nah, dass sie ihn nur in sich aufnehmen konnte. Alle Anstalten von Zärtlichkeit fielen von ihm ab. Alles Zögern verschwand. Er war überwältigend; seine Hände zogen über ihren Körper, sein Mund nahm sie völlig in Besitz. Er berührte ihre Brüste, massierte sie, schluckte ihr Stöhnen. Sie konnte ihr enttäuschtes Wimmern nicht unterdrücken, als seine Lippen den Kontakt zu ihr abbrachen.

„Warum hörst du -?“

Der Türgriff bewegte sich wieder, der Klang durchbrach den lustvollen Nebel, der ihren Verstand einhüllte. Zuerst glaubte sie, Malfoy würde es ignorieren und sie trotzdem küssen. Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie protestieren würde. Aber dann trat er zurück, sein Körper verließ ihren, Hände strichen über ihre Arme, bevor auch sie gingen. Die Enttäuschung schlug heftig gegen ihre Brust.

Harry trat eine Sekunde, nachdem sich die Badezimmertür schloss, in den Raum. Sein Grinsen war schief und Sirius so ähnlich, dass Hermine einen Moment brauchte, um die vertraute Trauer zu bewältigen. „Das hier ist wirklich eine Bruchbude, oder? Die Schlüssel funktionieren alle nicht.“ Und dann, sehr viel leiser, „Tut mir leid, Hermine. Erst als ich die Tür offen hatte, fiel mir ein, dass ihr vielleicht etwas allein sein wollt.“

Sie entschied, dass es moralisch nicht vertretbar wäre, Harry Potter umzubringen, egal wie erfolgreich er ihr potentielles Sexleben ruinierte.

::

Harry verschwand nach fünf Tagen, wie bereits angekündigt. Hermine brachte ihn zur Tür, dann in die Halle und raus auf die Straße, weil es einfach zu schwierig war, ihn gehen zu sehen. Er sagte ihr nicht, wann er wiederkommen würde und sie fragte auch nicht. Er war wieder maskiert, kaum erkennbar.

„Pass auf dich auf“, warnte sie und glättete seinen Kragen. „Mach nichts Leichtsinniges oder Dummes. Und ruf uns, wenn du Hilfe brauchst.“

„Versuch, dir nicht allzu viel Sorgen zu machen“, erwiderte er, drückte dann aber seine Stirn an ihre und hielt ihren Nacken fest. „Egal, was passiert, ich will, dass du weißt, dass du und Ron die beste Familie ward, die ich je hatte.“

„Wirst du jetzt auch noch rührselig, Potter?“

Er grinste schräg, und sie erkannte einen schwachen Schatten des Harry, den sie kannte. „Nicht eine Sekunde.“ Er schluckte, sein Hals bewegte sich. „Ich liebe dich, ’Mine.“

„Ich liebe dich auch, Harry.“

Dann war er weg.


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