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Fanfiction

Kind of Romeo and Juliet... - 1.

von Elbe

Was war nur passiert?
Cedrella saß wie gewohnt mit ihren Freundinnen aus Slytherin im Hogwartsexpress und fuhr ihrem letzten Schuljahr entgegen. Doch sie tratschte nicht wie sonst mit Marjory, Ellinor, Delilah und Ruth über ihre Mitschüler, über Lehrer, über Familie. Sie saß stumm am Fenster, gegen das der Regen peitschte, und ihre Gedanken schweiften umher. Es störte sie, dass sie sich trotzdem nur um ein Thema drehten. Sie wusste einfach nicht, wie sie damit umgehen sollte. Es war absurd. Absolut absurd. Dass es so etwas überhaupt geben konnte. Es war unnatürlich.
Und das Schlimmste: sie konnte sich niemanden anvertrauen.

Cedrella Black wurde am Johannistag 1917 geboren, als mittlere von drei Töchtern. Sie wurde wie jede reinblütige Hexe gut erzogen, in dem Glauben, nur ihr und denen ihrer Art, also reinblütigen Zaubererfamilien, sei es vergönnt, die hohe Kunst der Zauberei zu erlernen und zu perfektionieren. Muggel, die meinen, sie hätten Zauberkraft, hatten sie von einem armen Zauberer geraubt. Denn Magie konnte schließlich nicht einfach so aus dem Nichts in einen Menschen geboren werden. Halbblüter waren zu dulden, wenn auch zu verachten. Genauso schlimm waren allerdings Blutsverräter. Reinblütige Zauberer, die sich mit Muggeln oder Schlammblütern abgaben, oder sogar anfreundeten. Ein Schande.
Es war keine Frage, dass sie, als Mitglied des fürnehmen und gar alten Hause Black, eines Tages nach Slytherin kommen würde. Etwas anderes war absolut undenkbar.
Und tatsächlich, am Tage ihrer Einschulung – sie war schrecklich nervös gewesen, sich der Tatsache bewusst, dass es einer Entehrung gleichkäme, wenn sie in ein anderes Haus kommen würde – hatte der Sprechende Hut seine Pflicht erfüllt und sie in das Haus ihrer Vorfahren geschickt. Mit den Mädchen in ihrem Haus kam sie gut zurecht, es entstand sogar enge Freundschaft. Auch mit den Jungen hatte sie ein gutes Verhältnis, war es anfangs zwar noch peinlich und aufregend mit einem von ihnen zu reden, hatte sie nie wirklich Kontakt zu Jungen ihres Alters gehabt, später gelöst und freundlich. Zu den Schülern der anderen Häuser pflegte sie keinen Kontakt, wie es sich gehörte. In der Schule war sie keine Überfliegerin, aber hatte immer ohne großes Lernen recht gute Noten erzielt. Und in ihrem fünften Schuljahr wurde sie mit dem Vertrauenschülerabzeichen beehrt. Kurz, sie war, auch dank ihrer Familienzugehörigkeit, eine beliebte, würdige Slytherin.

Und jetzt das. Es war nicht langsam passiert, unauffällig, subtil. Es war ein plötzlicher, hart treffender Schlag ins Gesicht gewesen.
Letztes Schuljahr, es war kurz vor den Sommerferien gewesen, alle Prüfungen waren geschrieben, war sie mit ihren Freundinnen am Seeufer gesessen. Nicht weit entfernt waren ein paar Jungen aus ihrer Klasse: Irvin, Morris und Roderick. Irvin hatte schon seit ein paar Monaten ein Auge auf sie geworfen, das wusste Cedrella. Und auch er gefiel ihr. Nicht, dass schon irgendetwas gelaufen wäre oder laufen würde, nicht ohne Absprache mit den Eltern. Doch Irvin war ein Flint, darüber musste sie sich also nicht wirklich Gedanken machen. Ihre Eltern wären wahrscheinlich begeistert. Er neckte sie ab und zu; sie wusste, dass das ein gutes Zeichen war, und versuchte, sich nicht allzu sehr ärgern zu lassen. Doch damals war er zu weit gegangen. Er hatte ihre empfindliche Stelle getroffen. Schon immer hatte sie sich geärgert, dass sie stets am Ufer lag, während alle anderen sich im Wasser amüsierten. Schon immer wollte sie endlich auch einmal über die Tiefen des Gewässers schwimmen wie ihre Freunde. Oder Enten. Aber sie konnte nicht schwimmen. Sie hatte es nie gelernt. Und irgendwann, hatten ihre Eltern gesagt, sei es nun einmal zu spät und auf dem Land sei es ohnehin viel sicherer, sie wolle doch nicht etwa, dass ihr das gleiche Schicksal zuteil wurde wie Onkel Odolbert. An diesem verhängnisvollen Nachmittag hatte Irvin sie aufgezogen, ob sie denn wasserscheu sei, da sie nie auch nur den kleinen Zeh ins Wasser halte, oder ob sie einfach Angst vor dem Riesenkraken im schwarzen See habe. Anstatt wie sonst eine kluge Antwort auf den Lippen zu haben, war sie nur rot geworden und hatte sich ins kühle Schloss verdrückt. Doch es hatte sie gewurmt. Sie wollte keine Außenseiterin sein, auch wenn sie sonst ziemlich beliebt war, wurde sie am See meist recht komisch angeschaut. Und jetzt auch noch diese Stichelei von Irvin. Er hatte ihr nachgerufen, sie solle nicht sauer sein, aber es war ihr einfach zu peinlich gewesen. Sie hatte in dem Moment, als sie sich in einer dunklen Nische im Schloss an der Wand niedergelassen hatte, geschworen, dass sie lernen würde zu schwimmen. Koste es, was es wolle.
So kam es, dass, als alle ihre Mitschüler und Mitschülerinnen nach dem Verschwinden der Sonne ihre Sachen zusammengepackt hatten und wieder ins Schloss gegangen waren, Cedrella sich zum See geschlichen hatte, natürlich wollte sie nicht gesehen werden. So war sie eine Weile am Ufer gestanden und hatte auf den großen schwarzen See hinaus geblickt. Hatte geistig Schwimmzüge gemacht. Hatte sich schließlich ausgezogen, bis auf ihren noch ungetauften Badeanzug. Und war vorsichtig ins kalte Wasser getreten. Langsam war sie Schritt für Schritt immer weiter in den See gegangen, ihr Ziel fest vor Augen, bis sie nur noch auf Zehenspitzen stehen konnte. Nun war es also soweit. Sie hatte tief durch geatmet und versucht, ihre Angst hinunterzuschlucken. Die anderen machten das schließlich ständig. Ihr Körper war inzwischen schon ziemlich durchgekühlt. Und dann wagte sie es. Sie hob ihre Beine an und bewegte ihre Gliedmaßen. Tatsächlich kam sie voran, allerdings mehr schlecht als recht, die Bewegungen nicht richtig ausführend, war sie schnell ermüdet und wollte wieder festen Boden unter den Füßen spüren. Doch da war nichts. Nichts. Sie strampelte und strampelte, Panik überkam sie, da tauchte sie das erste Mal unter. Wasser, Wasser überall, über ihr, unter ihr, nur Wasser. Endlich stieß sie wieder an die Luft, sie hustete und hustete und versuchte sich verzweifelnd vergeblich über Wasser zu halten. Ich sterbe, dachte sie, als sie das zweite Mal untertauchte und eine große Ladung Wasser in ihre Lunge kam, beim verzweifelten Versuch, Luft zu holen. Doch dann wurde sie von zwei Starken Armen gepackt und an die Luft gezerrt, sobald sie im flacheren Gewässer waren, hustete Cedrella all das Wasser aus ihre Lungen und klammerte sich Halt suchend an ihren Retter.
„Danke“, keuchte sie.
„Nicht der Rede wert. Pass einfach auf, das nächste Mal.“ Er hatte eine angenehmen Stimme, fiel ihr auf. Nicht so schneidend, wie die von Irvin. Sie zitterte wie Espenlaub. Er begleitete sie stützend an Land, dort ließ er sie vorsichtig nieder, holte ihr Handtuch, trocknete sie ab, holte ihre Kleidung und half ihr hinein. Dann setzte er sich neben sie.
„Was sollte das denn? Es ist dunkel und kalt, alle anderen sind beim Essen. Und du? Bist du lebensmüde?“ Er fragte sie ganz neutral, dennoch konnte sie eine leichte Spur von Vorwurf in seiner Stimme hören, die er tunlichst zu verbergen versuchte.
„Ich... ich weiß auch nicht... „
„Du weißt nicht? Ich habe dir gerade das Leben gerettet, ich würde schon gerne erfahren, warum ich das tun musste.“
„Ich...“ Sie starrte auf das Gras vor ihren Füßen. „Ich kann nicht schwimmen“, nuschelte sie schließlich. Sie zitterte immer noch. Sie spürte seinen Arm um ihre Schultern.
„Das ist doch nicht schlimm“, sagte er. „Viele Leute können nicht schwimmen. Und das kann man auch lernen, für so etwas ist es nie zu spät. Aber doch nicht so. Das ist viel zu gefährlich.“
Seine Worte taten gut, ebenso sein Arm, sein Körper, der Ihrem so nah war, sein Atem, der ihr Gesicht streifte.
„Danke.“ Sie wollte nun endlich wissen, wer ihr Retter war, sie drehte den Kopf und blickte in zwei wunderschöne, meerblaue Augen, in denen sich das Mondlicht spiegelte. Sie gehörten Septimus Weasley. Einem Blutsverräter. Erschrocken hatte sie ihn angeblickt, dann war sie schnell aufgesprungen und zum Schloss hoch gerannt. Glücklicherweise waren alle beim Abendessen gewesen, so hatte sie ungesehen in ihren Schlafsaal laufen können, wo sie sich noch schnell heiß geduscht hatte und dann in ihr Bett gegangen war.

Dann waren die Sommerferien gekommen und obwohl alles ganz normal war, war doch etwas anders. Ihre Gedanken hatten sich nur noch um ihren gryffindor'schen Retter gedreht. Um den Blutsverräter mit den schönen Augen. Sie war unausgeglichen gewesen, hatte mit allen Streit angefangen, hatte zu nichts Lust gehabt. Ihre Eltern hatten sich schließlich erklärt, sie sei einfach in einem schwierigen Alter, das würde sich schon wieder beheben.

Und jetzt saß sie hier im Zug und wieder konnte sie an nichts anderes denken. Er war ein Weasley. Ein Weasley! Schlimmer ging es kaum. Er gehörte dieser kinderreichen, rothaarigen Familie an, die sich für Muggel und Schlammblüter einsetzte und die alle ausnahmslos nach Gryffindor kamen. Doch er war auch ihr Retter; ob sie ohne ihn überhaupt noch hier sitzen würde? Und er hatte wunderschöne Augen. Ihr Herz klopfte schneller als sonst.
Noch nie war sie einem Jungen so nahe gewesen. Es hatte sich so gut angefühlt. Und überhaupt nicht falsch. Aber warum fühlte es sich nicht falsch an? Er war ein Gryffindor, er war ein Blutsverräter, er war ein Weasley! Nein, sie musste ihre kranken Gedanken stoppen.
„Ced, jetzt erzähl' du doch mal von deinen Ferien!“, wurde sie da von Marjory aufgefordert.
Dankbar nahm sie die Ablenkung ihrer Freundin an.












Septimus hatte einen recht normalen Sommer bei sich zu Hause erlebt. Den ersten Monat hatte er mit seinen Geschwistern quidditchspielend im Garten verbracht – sofern das Wetter es zuließ â€“ den zweiten mit seinen besten Freunden – seiner kleinen Schwester Ramona und seinem Klassenkameraden Lester Prewett. Zwischen Mona und Lester hatte sich den Sommer über etwas mehr als Freundschaft entwickelt und Septimus wusste noch nicht, was er davon halten sollte. So beäugte er sie misstrauisch, wie sie unter seinem Schweigegelübde vorsichtig miteinander kuschelnd ihm gegenüber saßen, während der Zug in Richtung Norden ratterte. Es war ja nicht so, dass er es ihnen nicht gönnte, sah er auch, dass ihre Liebe füreinander echt war. Aber er hatte auch ein wenig Angst. Würde ihre Freundschaft zerbrechen, würden sie sich doch trennen? Außerdem kam er sich im Moment wie das fünfte Rad am Wagen vor. Und er kam nicht umhin zuzugeben, dass es ihn ein wenig wurmte, dass seine kleine, 16-jährige Schwester schon einmal geküsst hatte und er noch nie einem Mädchen so nah gewesen war.
Und so schweiften seine Gedanken langsam ab; Mona und Lester waren ohnehin mit sich selbst beschäftigt.
Und natürlich blieben sie bei ihr hängen. Sie war so schön. Aber so unerreichbar. Niemals würde sie sich für ihn interessieren können. Niemals würde sie ihm Beachtung oder gar Achtung schenken. Außerdem hatte sie eine völlig andere Weltanschauung, als er. War sie doch eine Slytherin, eine Black. Aber tief in ihrem Inneren, so glaubte er, war sie vielleicht gar nicht so. Schließlich war er schon eine ganze Weile in sie verliebt und beobachtete sie demnach schon seit geraumer Zeit. Sie war so schön. Ihre feinen Gesichtszüge, ihr schwarzes Haar, ihre sturmgrauen Augen, ihr zierlichen Hände. Und unvergessen war natürlich der Abend am See. Was hatte sie nur dazu bewegt, sich abends heimlich aus dem Schloss zu schleichen und alleine schwimmen zu lernen?
Zum Glück war er an diesem Abend draußen gewesen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte er nicht zu ihrer Rettung eilen können.
Gerne saß er abends am Schwarzen See und beobachtete den Übergang vom Tag in die Nacht. An diesem Abend war er noch ein wenig länger sitzen geblieben, er hatte ohnehin nicht viel Hunger gehabt. Und dann war sie auf einmal gekommen. War am Ufer gestanden und hatte auf den See hinaus geblickt. Dann hatte sie sich ausgezogen, bis auf ihren Badeanzug, der ihren wunderschönen Körper bedeckte. Sie war langsam ins Wasser hinaus gewatet, bis sie nicht mehr stehen konnte. Er hatte sich ziemlich gewundert, hatte er immer angenommen, sie mochte das kühle Nass einfach nicht und das sei der Grund, weshalb man sie nie wie alle anderen im See herumtollen sah. Doch dann hatte sie versucht zu schwimmen. Ihm war beinah das Herz stehen geblieben, als er gesehen hatte, wie sie das erste Mal untertauchte. Ohne zu überlegen rannte er in das Wasser, es spritzte hoch, er war klatschnass, es störte ihn nicht. Rasch schwamm er zu der Stelle, an der sie eben das zweite Mal untergetaucht war und zog sie mit sich. Sie zitterte wie verrückt. Am Ufer setzte er sie sanft auf den Boden und half ihr in ihre Kleidung. Dann hatte er sich neben sie gesetzt und mit ihr geredet. Es wäre so schön gewesen, hätte ihm nicht der Schock noch so tief in den Gliedern gesessen. Er hatte sie im Arm gehalten, ihre Haut war so sanft gewesen; sein Herz hatte wie wild gepocht. Und dann hatte sie endlich in seine Augen gesehen. Ihre Augen waren so wunderschön. Doch er hatte ihren Schrecken darin gesehen, natürlich, sie war von einem Familienfeind gerettet worden, sie hatte in seinen Armen am See gesessen. Sie war aufgesprungen und weggerannt. Lange noch war er dort geblieben und hatte ihr hinterher gestarrt. Ihre Reaktion war nicht überraschend gewesen, dennoch schmerzte sie ungemein. Warum musste er sich auch ausgerechnet in eine Black verlieben? Sie würde seine Liebe niemals erwidern, damit musste er sich einfach abfinden. Warum konnte er nicht einfach ein anderes Mädchen finden? In Hogwarts gab es viele schöne Mädchen. Doch sie waren alle anders. Langweiliger in seinen Augen. Sie waren nicht SIE. Er wusste nicht, was seine Familie, seine Freunde dazu sagen würden, wüssten sie davon.
„Hey Sev!“ Sev war sein Spitzname, den Lester für ihn bei ihrem ersten Treffen erfunden hatte. Er hatte gesagt, Septimus sei viel zu lang und kompliziert und alt, so könne man sein Kind doch heutzutage nicht mehr nennen. Dann hatte er ihm erklärt (als ob er das nicht selber gewusst hätte), dass Septimus aus dem Lateinischen käme und der Siebte heiße, also the seventh auf Englisch, also würde er ihn Sev nennen, das sei kurz, modern und niemand käme darauf, dass es von Septimus komme. Doch außer Lester und Mona nannten ihn alle beim vollen Namen.
Er schreckte aus seinen Gedanken auf. „Hm?“
Seine Schwester lachte ihn an. „Was ist los? Du wirkst so nachdenklich?“
„Ja, ich hab ein wenig nachgedacht... einfach über Gott und die Welt.“
„Aha. Hat jemand Lust auf 'ne Runde Exploding Snap?“



Das Bankett verlief wie eh und je. Septimus, Lester und Mona setzten sich an den Tisch, es wurde den Klassenkameraden von den Ferien berichtet, bis die neuen Erstklässler kamen, der Hut sein Lied sang und die Neuen an den Tischen begrüßt wurden. Septimus schielte immer wieder zum Slytherintisch hinüber und suchte ein bekanntes Gesicht. Als er sie endlich entdeckt hatte, blickte er erschrocken zurück auf seinen noch leeren Teller. Sie hatte ihn angesehen. Das war noch nie passiert, sooft er sie beim Essen beobachtet hatte, niemals hatte sie zu einem der anderen Tische geblickt, speziell nicht zum Gryffindortisch und vor allem hatte sie weder ihn noch jemand Anderen so angeblickt. So direkt; mitten in seine Augen hatte sie gesehen. Sie hatte ihn nicht nur zufällig, flüchtig gestreift. Aber warum? Sie interessierte sich nicht für Schüler aus anderen Häusern, soweit er das mitbekommen hatte. Vor allem nicht für Weasleys aus Gryffindor. Vorsichtig sah er wieder auf, doch auch sie hatte inzwischen ihren Blick abgewandt.
Er seufzte leise auf, niemand bekam es mit. Und das war gut so. Seine Freunde, die sonst alles von und über ihn wussten, wussten dennoch nichts über seine Gefühle. Was hatte es denn auch für einen Sinn, würden sie davon erfahren, würden sie ihm zuerst nicht glauben und dann für verrückt erklären, aus zwei Gründen, weil er in eine Black verliebt war und weil eine Black ihn niemals zurück lieben würde. Womit sie ja auch Recht hätten. Natürlich war dieser Gedanke allein utopisch.
Trotzdem schlief er an diesem Abend mit einem Lächeln ein.




Am nächsten Morgen wurde Cedrella unsanft von Delilah geweckt, als sie und die drei Anderen bereits auf dem Weg zum Frühstück waren.
„Ced, du musst jetzt aufstehen, du hast verschlafen! Wir sind schon mal beim Frühstück, beeil dich einfach ein wenig, ja?“
Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet ihr, dass ihre Freundin Recht hatte, sie quälte sich aus dem warmen Bett und tapste, die Müdigkeit noch in ihren Augen stehend, unter die Dusche, für die sie an diesem Morgen nur wenig Zeit hatte. Als sie endlich fertig gerichtet am Frühstückstisch ankam, waren ihre Freundinnen, die alle mit ihr in der ersten Stunde Zaubertränke hatten, schon auf dem Sprung zum Klassenzimmer.
„Geht ihr schon mal vor“, sagte Cedrella, „ich muss noch schnell einen Bissen essen, bevor ich in den Tag starte, vor allem, wenn ich mir den Stundenplan hier so ansehe...“
Sie erntete mitfühlende Blicke und die Vier verschwanden in Richtung Kerker. Cedrella schlang zwei Scheiben Brot hinunter und eilte ihnen dann nach. Im Fortgeschrittenenkurs saß man immer zu viert an einem Tisch, da oft Teamarbeit verlangt wurde, letztes Jahr konnte Ruth nicht mit ihnen an einem Tisch sitzen, dieses Jahr würde es durch ihr spätes Aufstehen natürlich sie treffen. Sich dieser Tatsache bewusst war sie die Stufen hinunter gehetzt. Dennoch war sie nicht darauf gefasst gewesen, dass ihr Herzklopfen sich hier im Kerker nicht beruhigen würde, sondern sogar verstärken würde, als sie auf den einzigen freien Platz zusteuerte. Den Platz neben einem gewissen rothaarigen Gryffindor. Schweigend setzte sie sich.
„Hallo“, sagte er schüchtern.


„Guten Morgen“, begrüßte sie Prof. Gamp. „Sie sind nun in Ihrem letzten Schuljahr und ich werde Ihnen keine große Ansprache über die Arbeit, die dieses Jahr zweifelsohne machen wird, halten, denn ich denke, Sie sollten nun alt genug sein, selber die Verantwortung Ihrer Zukunft gegenüber in die Hand zu nehmen, selber wissen, wie wichtig die UTZs für Ihre Berufswahl sind. Daher will ich nun gleich mit dem neuen Stoff anfangen. Dieses Jahr werde ich Ihnen die schwierigsten, kompliziertesten und gefährlichsten Tränke zeigen und erwarte von Ihnen daher, dass Sie in jeder Stunde Ihr Bestes geben – wenn nicht sogar noch mehr. Ich hoffe, Ihnen ist bewusst, dass bei den meisten dieser Tränke die kleinste Ungenauigkeit reicht, um ein verheerendes Ergebnis zu bekommen. Wir werden nun gleich mit einer praktischen Arbeit beginnen.“ Er schnippte den Zauberstab gegen die Tafel, auf der ein Rezept erschien. „Dies ist ein sehr komplexer Trank, den wir erst in den nächsten Stunden zu Ende führen werden können. Heute sollten Sie bis Punkt 7 kommen. Bitte arbeiten Sie jeweils zu zweit, Sie wissen, wo Sie die Zutaten finden. Gegen Ende der Stunde möchte ich, dass jedes Paar eine beschriftete Phiole bei mir am Pult abgibt, lassen Sie die vollen Kessel stehen, ich werde sie Ihnen nächste Stunde dann wieder herrichten. Und nun, beginnen Sie!“

Die zwei Hufflepuffs, die mit ihnen am Tisch arbeiteten, schlossen sich sofort zusammen und so blieb ihr nichts anderes übrig, als ihn ebenfalls schüchtern anzublicken und seine Begrüßung zu erwidern. Warum nur fühlte sie sich dabei so komisch?
Sie gab sich größte Mühe, ihn den Rest der Stunde nicht anzusehen, geschweige denn jeglichen Blickkontakt zu ermöglichen.
Sie mochte Zaubertränke gerne, es war ihr bestes Fach und auch er schien nicht untalentiert, weshalb sie von Prof. Gamp, der gegen Ende der Stunde einen Kontrollgang machte, ein besonders großes Lob bekamen.
Insgesamt konnte sie der Stunde also nichts Schlechtes abgewinnen, auch über ihren Partner konnte sie sich nicht beschweren. Außer, dass sie ihn als Auslöser für ihre gelegentlichen Konzentrationsstörungen sah. Was war nur mit ihr los?
Sollte sie ihn nicht eigentlich unausstehlich finden? Doch das konnte sie einfach nicht. Er war zu nett und zuvorkommend gewesen. Aber er war Gryffindor, Weasley!
Später würden ihre Freundinnen ihr gewiss mitteilen, wie sehr es ihnen Leid täte, ob es arg schlimm neben ihm sei, ob sie auch wirklich nicht sauer sei. Und sie würde sie belügen. Nicht mit dem Teil, dass sie nicht sauer war. Sondern, dass sie die Stunde neben ihm eigentlich genossen hatte.




Septimus lief glücklich die Stufen zur Eingangshalle hoch und dachte an die letzte Unterrichtsstunde. Es war fantastisch gewesen, das Schicksal hatte es absolut gut mit ihm gemeint. Er hatte die ganz Stunde mit Cedrella Black zusammenarbeiten dürfen und die nächsten Stunden würden ähnlich ablaufen. Noch dazu war ihr Trank bisher der Beste der Klasse gewesen, größtenteils ihr Verdienst, doch auch er hatte etwas dazu beitragen können.
Und ihr Duft! Er hatte noch nie etwas so wunderbares gerochen. Fast die ganze Stunde über hatte er ihn in der Nase gehabt, er hatte sich wirklich anstrengen müssen, sich zu konzentrieren. Sie hatte zwar außer einem Hallo und ein paar Anweisungen bezüglich des Trankes nicht ein Wort gesagt, weshalb er auch lieber seinen Mund gehalten hatte (worauf er auch ein wenig stolz auf sich war), doch war er sich sicher, dieses Schweigen würde sich in den nächsten Stunden legen.
Als er schließlich am Zauberkunstklassenzimmer ankam, wartete Lester bereits auf ihn.
„Und?“, fragte der. „Wie war deine erste Stunde im neuen Jahr?“
Septimus konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Wirklich gut! Ich habe eine echt tolle Partnerin bekommen, unser Trank war der Beste dieser Stunde. Und, wie war deine Freistunde?“
„Ja, war nicht übel...“, meinte er beiläufig, als sie ins Zimmer gelassen wurden.
„Meine Schwester hat nicht zufällig auch montags erste Stunde frei?“
Nun war es an Lester, schelmisch zu grinsen.




Hier in Hogwarts, wo Lester und Ramona nicht mehr fürchten mussten, von ihren Eltern entdeckt zu werden, ließen sie keine Gelegenheit aus, Septimus und allen Anderen im gryffindor'schen Gemeinschaftsraum zu zeigen, dass sie zu einander gehörten. Sie saßen ihm gegenüber, teilten sich einen Sessel und küssten sich, glücklich lächelnd. Sie merkten gar nicht, dass Septimus sie mit einer seltsamen, nicht gerade glücklich wirkenden Miene anstarrte. Er gönnte es ihnen ja wirklich und hatte ihnen, als Monas großer Bruder, seinen Segen gegeben. Aber mussten sie dies dann wirklich hier in aller Öffentlichkeit vor ihm demonstrieren? Seine besten Freunde waren zu nichts mehr zu gebrauchen. Er fühlte sich einsam und ausgeschlossen. Es war, als hätte er einen großen unverdaulichen Klumpen in seinem Magen, vor allem, wenn er an seine unmögliche Liebe zu einer gewissen Slytherin dachte. Warum musste er sich auch ausgerechnet in sie verlieben, warum? Selbst wenn sie, so unwahrscheinlich es sei, auch etwas für ihn empfinden sollte, so hätte es doch dennoch keine Zukunft. Sie, ihre Familien waren einfach zu verschieden.
„Ich gehe ins Bett. Gute Nacht“, sagte er und erhob sich.
„Schon?“, fragte Lester erstaunt.
Septimus, der sich im Stillen wunderte, dass sein bester Freund überhaupt Notiz von seiner Bemerkung genommen hatte, nickte und murmelte etwas Unverständliches und verschwand dann nach oben.




Im Gemeinschaftsraum der Slytherins wurde es allmählich ruhiger, immer mehr Schüler gingen zu Bett. Cedrella und die anderen Mädchen der siebten Klasse saßen noch auf ihren Lieblingssofas um einen kleinen Tisch herum. Marjory und Ruth verglichen ihre Hausaufgaben in Alte Runen, Delilah und Ellinor kicherten über die Blicke, die Roderick ihnen die ganze Zeit über zuwarf und Cedrella saß einfach da, die Beine angewinkelt und umschlungen, und dachte nach. Sie wusste einfach nicht, was es mit dieser letzten Stunde Zaubertränke auf sich hatte, warum sie andauernd an ihn denken musste. Natürlich war ihr schon einmal der Gedanke gekommen, doch – sie war noch nie verliebt gewesen. Woher sollte sie also wissen, ob sie sich in ihn verliebt hatte? Und warum sollte sie sich auch in ihn verliebt haben? Er war ein Gryffindor und er war ein Blutsverräter. Nur weil er sie gerettet hatte? Und weil er wunderschöne Augen hatte... und sein Geruch, sie hatte heute bei ihrer Zusammenarbeit mehrmals an ihm gerochen – an ihm riechen müssen!, sie hatte ja keine Wahl gehabt – und sie hatte für einen kurzen Moment nicht gewusst, wie ihr geschah.
„Ced, hast du Lust, eine Partie Schach mit mir zu spielen?“, fragte Delilah sie bittend und holte sie aus ihren – nicht, dass sie das zugeben würde – schwärmerischen Gedanken.
„Nein, tut mir Leid, ich bin müde. Ich geh jetzt zu Bett. Warum fragst du nicht Ellinor oder Marjory oder Ruth?“
„Die sind ja auch schon ins Bett gegangen...“, murrte Delilah und die Beiden folgten ihren Freundinnen in den Schlafsaal.
Warum nur, fragte sie sich beim Umziehen, freute sie sich so auf die nächste Stunde Zaubertränke am folgenden Tag?




Als sich Septimus und Lester am nächsten Morgen am Gryffindortisch niederließen, war von Mona noch keine Spur zu sehen – sehr zu Lesters Bedauern. Dafür kam sogleich Tiberius Jones, ein Klassenkamerad, Sucher und neuer Kapitän der Quidditchmannschaft, auf sie zu.
Quidditch, seine Leidenschaft. Er freute sich schon darauf, endlich wieder zu trainieren, zu spielen, sich mit den anderen Häusern zu messen, im Kampf um den Pokal. Letztes Jahr hatte Ravenclaw ihn leider zu Recht gewonnen, aber dieses Jahr, in seinem und Tiberius' letztem Jahr, würden sie ihn sich wieder zurückholen.
„Septimus“, sagte er und setzte sich ihm gegenüber, „gerade war Prof. Dumbledore bei mir, wegen der Auswahlspiele. Sie finden am Samstag statt, elf Uhr. Du bleibst natürlich in der Mannschaft, ich will nur, dass alle dabei sind, verstanden? Achja und da Elijah Pronks nun endgültig weg ist, meinst du, deine Schwester hat Interesse, ihn nun voll zu ersetzen? Sie war nämlich wirklich gut, letztes Jahr.“
Er hatte ganz vergessen, dass gleich vier der letztjährigen Teamkollegen Hogwarts verlassen hatten.
„Oh, gut!“, antwortete er. „Ich glaube schon, ich werd sie gleich mal fragen, wenn sie kommt.“
„Das wäre fabelhaft. Dann bräuchten wir immerhin nur noch einen Treiber und zwei Jäger. Obwohl ich sie natürlich trotzdem noch „testen“ sollte, falls sich noch Andere bewerben, das wäre sonst unfair. Ah, ja, wenn man vom Teufel spricht, da kommt sie ja!“, rief Tiberius erfreut.
Tatsächlich schlurfte Ramona sehr müde wirkend in die große Halle, blickte sich um, gähnte einmal ausgiebig, entdeckte sie und steuerte auf sie zu.
Septimus musterte seine Schwester scharf und wandte sich dann leise an seinen besten Freund.
„Les, sag mal, wie lange wart ihr gestern noch wach?“
„Ähm... ein Weilchen?“, antwortete Lester und errötete.
„Hör mal, ich möchte nicht, dass Mona wegen eurer Beziehung übermüdet in den Unterricht geht und sich das eventuell auf ihre Noten auswirkt.“
Sie standen auf und gingen langsam in den Unterricht.
„Warum bist du eigentlich nicht Vertrauensschüler geworden?“
Septimus blickte ihn scharf an. „Dir ist hoffentlich schon klar, dass...“
„Ist ja gut, tut mir Leid. Wird nicht wieder vorkommen, ich verspreche es dir. Aber... du weißt, was ich für sie empfinde?“
„Ja, das weiß ich. Und das ist auch der Grund, weshalb ich eure Beziehung billige. Auch wenn ihr meine Geduld zur Zeit durchaus auf die Probe stellt...“
„Ich weiß. Tut mir Leid. Es ist nur... wir müssen uns endlich nicht mehr verstecken, verstehst du?“



Der Tag verging schleppend langsam. Endlich läutete es zur letzten Stunde und Septimus sprang, zu Lesters großer Verwunderung, auf und flog förmlich die Stufen hinunter zu den Kerkern. Er hatte sich schon den ganzen Tag auf diese Stunde gefreut, war als Erstes im Zimmer und wartete ungeduldig, bis sie mit ihren Freundinnen im Schlepptau das Zimmer betrat.
„Hallo“, sagte er lächelnd. Er musste sich zusammenreißen, nicht zu zittern, als sie sich mit einem kleinen Lächeln und einer freundlichen Antwort auf den Lippen, neben ihm niederließ.
„Und, wie war dein Tag bisher so?“ Er wusste nicht genau, woher der Mut kam, ein lockeres Gespräch mit ihr zu beginnen, wusste er doch, dass sie ihn normalerweise nicht leiden konnte, nicht einmal leiden durfte.
„Äh, ganz gut soweit... und deiner?“ Sie war sichtlich verwirrt.

Warum fragte er sie das? Und warum ließ sie sich auf dieses Gespräch ein?
„Ja, auch. Eigentlich wars ziemlich langweilig. Naja, kann ja mit dieser Stunde nur besser werden, nicht wahr?“
„Ja, ich denke schon?“, antwortete sie unsicher. „Zaubertränke ist mein Lieblingsfach.“
„Ja, ich weiß.“ Er grinste sie an.
„Ach, echt? Woher denn?“ Misstrauisch sah sie ihn an.
„Äh, ja, ähm, ich dachte, weil du so gut bist und so...“ Errötend blickte er hastig auf die Tafel, an die der Professor wieder das Rezept gezaubert hatte und fuhr fort. „So, als Nächstes brauchen wir die Jobberknoll-Federn, ich geh schon welche holen.“

Er redete mit ihr. Er hatte sie einfach angesprochen. Als wäre nichts. Und ihr Herz pochte.
Ignorieren, schalt sie sich, einfach ignorieren. Noch dazu spürte sie die Blicke ihrer Freundinnen, immer wieder sahen sie zu ihr, mit demselben Bedauern, mit dem sie Ruth letztes Jahr immer angesehen hatten, dass sie an einen anderen Tisch verbannt war. Doch irgendwo tief in sich drin spürte sie auch eine gewisse Dankbarkeit über die zuvor noch so oft verfluchten 4-er Tische. Woher die kam und warum bei Merlin sie überhaupt da war, das wusste sie nicht.
Natürlich ahnte sie es. Aber nein, nein, nein! Sie hatte sich nicht verliebt. So ein Schwachsinn. Sie fühlte sich in seiner Nähe nur so komisch, weil sie nicht so viel Kontakt zu Jungen gewohnt war. Ja, daran musste es liegen. Wie war sie nur auf diesen lächerlichen Gedanken gekommen? Ihre Gedanken waren oft einfach zu absurd, fast musste sie laut loslachen.
„Du bist nicht so gesprächig, was?“
Erschrocken blickte sie auf. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass er wieder an den Tisch zurückgekehrt war. Er war knallrot angelaufen. Und dennoch lächelte er. Sie hätte dahinschmelzen können.
Sie schüttelte nur den Kopf und widmete sich wieder dem Zerreiben von Florfliegenflügeln.


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