
von Elbe
Vielen Dank an meine beiden Review-Schreiberinnen xLilyEvansx und Gwendolyn D., eure Re-Kommis gitbs in meinem Thread!
Und ich würde mich sehr freuen auch von meinen anderen Abonnenten etwas zu hören ;)
Aber nun, viel Spaß beim Lesen des zweiten Kapitels! =)
Eure Elbe
So vergingen also die ersten Wochen des neuen, letzten Schuljahres und Septimus und Cedrella begannen, sich näher zu kommen, dank Septimus' Witz und Redegewandtheit. Nach seinem ersten kleinen Erfolg in der zweiten Unterrichtsstunde fuhr er fort, sie jede Stunde in ein Gespräch zu verwickeln. Schon bald hörte Cedrella auf, sich innerlich dagegen zu wehren, zu interessant fand sie den jungen Mann und zu sehr genoss sie die Unterhaltungen. Der Umgang wurde lockerer, er war klug und witzig. Warum sollte sie die Stunde denn in beharrlichem Schweigen durchstehen müssen, wenn sie Spaß haben konnte? Auch wenn er ein Gryffindor war. Seit wann war es denn verboten, sich mit Schülern anderer Häuser zu unterhalten? Wer würde das auch schaffen, fünf Stunden die Woche mit dem Projektpartner kein Wort zu reden? Und nur weil er ein Weasley war. Das war doch Unsinn. Nur ein Vorurteil.
Sie erschrak bei ihren eigenen Gedanken, hätte sie nie gedacht, einmal so etwas zu denken. Doch es machte ihr immer weniger aus. Wusste doch auch niemand außer ihr, was sie dachte.
Und außerdem redeten sie nur. Was war schon dabei? Warum musste sie sich dafür rechtfertigen?
Zu tief waren ihr die Vorurteile eingeprägt worden, zu tief die Gehorsamkeit erzogen worden.
Doch nicht nur vor sich selbst musste Cedrella sich rechtfertigen. Ihr Vergnügen bei den Gesprächen blieb natürlich nicht unentdeckt von ihren Freundinnen.
„Was redest du eigentlich immer so angeregt mit dem Kupferdach in Zaubertränke?“, fragte Ruth sie eines mittags spitz.
„Ich rede nicht angeregt mit ihm. Er ist mein Projektpartner, ich muss mit ihm reden, wenn wir ein gutes Ergebnis erzielen wollen!“
„Ach, und dazu gehört auch lachen?“, bemerkte Delilah mit einem Zwinkern. Sie sah die Sache nicht ganz so ernst, ihre Eltern waren nie auf Hogwarts gewesen, sondern auf einer kleinen irischen Schule und so hatte sie die Kluft zwischen Slytherin und Gryffindor nicht schon in die Wiege gelegt bekommen.
„Er ist ein Gryffindor!“, meldete Marjory sich empört zu Wort.
„Er ist ein Weasley!“, zischte Ruth.
Cedrella blickte verzweifelt auf ihren Teller. Sie hatte damit rechnen müssen, dass diese Vorwürfe irgendwann kommen würden. Was sollte sie tun? Sie durften sie bloß nicht an ihre Eltern verraten...
„Hört mal, was soll ich denn tun, wenn er ein Gespräch mit mir anfängt? Am Anfang habe ich doch versucht, ihn zu ignorieren, aber darauf hatte ich dann auch keine Lust mehr. Ich will nun mal nicht die ganze Zeit schweigend verbringen. Und er ist nett zu mir und wenn er etwas Witziges sagt, muss ich nun mal lachen. Ich kann auch nichts dafür, aber es ist nun mal so, dass ich jetzt an diesem Tisch sitze. Jetzt versuche ich das Beste aus der Situation zu machen und ich verstehe einfach nicht, wieso es besser sein sollte, gemein zu ihm zu sein, oder ihn zu ignorieren. Dabei habe ich doch auch keinen Spaß!“
Mit diesen Worten stand sie auf und ging für den Rest der Pause in den Gemeinschaftsraum hinunter. Sie hoffte, ihre Worte würden auf etwas Verständnis und Einsicht treffen.
Was würde erst passieren, wenn ihre Freundinnen erführen, dass sie sich insgeheim auf die Stunden freute, sie kaum erwarten konnte? Es war einfach so anders, mit ihm zu reden als mit ihren Freundinnen. Mit denen waren es seit Jahren die gleichen Themen. Schule, Lehrer, lästern. Vielleicht noch die Slytherinjungs. Ihm konnte sie gestehen, dass sie eigentlich sehr auf Quidditch stand und zu gerne selber einmal spielen würde. Ihre Freundinnen würden sie auslachen. Mit ihm konnte sie über ihre Zukunft reden, dass sie viel lieber Heilerin werden würde als Hausfrau oder eine Stelle als Sekretärin im Ministerium anzunehmen. Ihre Freundinnen wären entsetzt. Und dabei kannte sie ihn noch gar nicht lange, dabei hatte sie auch all diese Vorurteile gehabt, dabei war sie sich stets bewusst, dass sie eigentlich nicht so mit ihm reden wollen sollte. Dass sie sich nicht darauf freuen sollte. Dass sie kein Kribbeln im Bauch haben sollte. Dass ihr Herz keinen Hüpfer machen sollte, wenn sie ihn sah. Dass sie nicht – ja, sie konnte, sie musste es sich längst eingestehen – dass sie sich nicht in ihn hätte verlieben sollen.
Wie genau es passiert war, wusste sie auch nicht. Aber sie war sich nun sicher. Und sie meinte manchmal, dass es vielleicht sein konnte, dass er auch ähnlich für sie empfand. Sie hoffte. Heimlich. Manchmal versuchte sie sich wieder einzureden, dass es nicht so war. Aber wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann wünschte sie sich nur, mit ihm Zeit zu verbringen. Ihn zu berühren. Ihn eines Tages zu küssen.
Das Schuljahr hatte so wunderbar begonnen. Septimus war so stolz auf sich, mit Cedrella auf eine freundschaftliche Basis gekommen zu sein. Nie hätte er sich das erträumen lassen. Er hatte das Gefühl, dass sie die Stunden, die Gespräche mit ihm langsam wirklich genoss. Konnte das wirklich sein? Am Anfang hatte sie sich noch so gegen seine Versuch, ein Gespräch aufzubauen gewehrt.
In zwei Wochen war das erste Hogsmead-Wochenende des Jahres. Sollte er sie vielleicht fragen...?
Er würde sich gerne mit Lester beraten, wie sie es auch sonst taten, wenn einer von Beiden eine Auserwählte um ein Rendezvous bitten wollte. Doch der würde ihn in diesem Fall doch erstmal nur auslachen, weil er es für einen Scherz hielte und ihn dann wahrscheinlich für krank erklären.
Warum sah denn sonst keiner – zumindest keiner seiner Bekannten – wie wunderbar dieses Mädchen war?
In der nächsten Zaubertränkestunde wollte er all seinen Mut zusammen nehmen und sie fragen. Hieß es nicht so schön, Wunder geschähen immer wieder?
Doch als sie dann vor ihm stand, ihn verstohlen anlächelte und leise fragte, wie sein Tag so gewesen war, hatte der Mut ihn wieder verlassen. Es war trotzdem eine schöne Stunde mit ihr gewesen, doch es wurmte ihn sehr, dass er, wo er doch ein Gryffindor war, es nicht gewagt hatte, die Frau seines Herzens um ein Treffen zu bitten. Es wurmte ihn so sehr, dass er ihr nach der Stunde heimlich folgte und, als sie schließlich alleine auf einer Treppe auf dem Weg zum Nordturm war, sie anstupste. Erschrocken fuhr sie herum.
„Septimus!“ Mit großen Augen blickte sie ihn an, bevor sich ein kleines Lächeln in sie stahl. „Was machst du denn hier, du hast doch gar kein Wahrsagen?“
„Ja, ich weiß, ich ähm, bin dir ein bisschen gefolgt, muss ich gestehen, nun ja, ähm...“
„Du bist mir gefolgt?“
„Ja, ich wollte dich nämlich noch was fragen...“
Erwartend sah sie ihn an. Nun war er da, der Moment. Er konnte nun nicht mehr weglaufen. Septimus holte tief Luft und sah auf ihren Hals, das war sicherer.
„Ich wollte dich fragen, ob du vielleicht mit mir nach Hogsmead gehen möchtest, in zwei Wochen ist ja ein Ausgehwochenende und ich kenne da ein nettes Café und...“
In dem Moment, in dem er fertig gesprochen hatte und wieder in ihre Augen blickte, merkte er schon, wie naiv er gewesen war.
Ihre Miene verzog sich ein wenig und er sah, sie würde ihm absagen. Aber er sah auch, es tat ihr Leid.
„Oh, Septimus... es, es tut mir Leid, aber.. ich kann nicht. Weißt du, ich mag dich wirklich, aber... ich darf nicht mit dir gesehen werden, verstehst du? Ich meine, was würde meine Familie sagen? Und die würde das auf jeden Fall mitbekommen, Ruth würde es bestimmt meiner Schwester erzählen und die würde es meiner Mutter schreiben! Es geht nicht, es tut mir Leid.“
„Oh, klar, ist schon okay, ich versteh schon. War ja auch nur so eine Idee... an meine Freunde habe ich auch gar nicht gedacht, was die denken und so. Die würden wahrscheinlich auch ganz schön schauen...“
Er lachte ein wenig verlegen. Cedrella drehte sich mit einem letzten entschuldigenden Blick und einem „Ich muss jetzt, wir sehen uns!“ um und ging.
Da stand er nun.
Nach etwa einer Minute, die ihm wie eine Ewigkeit vorkam, in der er sich gedanklich für seine Naivität und Dummheit schalt, fiel ihm ein, dass ja auch er Unterricht hatte und er sich sputen musste, damit er nicht zu spät kam.
Drei Minuten später huschte er, eine Entschuldigung zu Prof. Burnhold murmelnd, auf seinen Platz neben Lester.
„Wo warst du denn?“, zischte dieser ihm zu.
„Ach, ich wurde noch ein bisschen aufgehalten“, antwortete Septimus flüsternd.
„Aha.“ Skeptisch zog Lester eine Augenbraue nach oben. „Von wem denn?“
„Prof. Gamp. Ist doch egal.“
Er hoffte inständig, dass Lester es damit belassen würde.
Natürlich hatte sie abgesagt. Er hatte auch gar nicht daran gedacht, dass sie gesehen würden, dass man über sie reden würde, dass sie Schwierigkeiten bekommen würden. Er hatte sich einfach so sehr nach ihr und einem Treffen außerhalb des Zaubertränkeunterrichts gewünscht.
Und ehrlich gesagt, es wäre ihm wahrscheinlich auch egal gewesen. Solange Lester und Ramona zu ihm halten würden, würde er alles durchstehen, und wenn sie dann noch an seiner Seite war...
Doch sein Gedanke war einfach zu utopisch gewesen. Immerhin hatte es ihr Leid getan. Und er hatte gesehen, dass sie es ehrlich meinte. Doch sein Traum würde nie in Erfüllung gehen.
Eilig kletterte sie die Leiter in das unnormalste Klassenzimmer hoch. Prof. Whitness lächelte milde, als sie, Pendel an die recht kleine Klasse verteilend, Cedrella erblickte. Cedrella mochte diesen Raum, er wirkte so kuschelig, mit den vielen kleinen samtbezogenen Sofas, nicht wie die anderen, nüchternen Klassenzimmer. Sie mochte auch Prof. Whitness, die ein Grund war, warum sie diese Fach weiter gewählt hatte, nicht etwa weil sie ein herausragendes Talent für die Wahrsagerei hatte. Sie war nicht übel, aber vieles war ihr dann einfach doch zu schwammig und verschwommen. Eilig huschte sie zu ihrem Platz.
„Okay“, sagte Prof. Whitness in ihrer sanften Stimme. „Da nun alle anwesend sind, möchte ich euch heute ein Gebiet zeigen, das ihr bisher noch nicht kennengelernt habt. Wir werden es nur kurz behandeln und es kommt auch nicht sehr häufig in den Prüfungen dran, aber man weiß ja nie...“ Dabei lächelte sie verheißungsvoll. „Die Pendelei ist nicht wirkliche Wahrsagerei, es dient nur um herauszufinden, was das subtile Unterbewusstsein schon lange weiß. Bitte schlagt eure Bücher auf Seite 115 auf und lest euch erstmal die Einleitung zu diesem Kapitel durch.“
Sie nahm ihr Buch zur Hand und begann zu lesen. Nach ein paar Minuten stellte sie fest, dass sie immer noch nicht über den ersten Satz hinausgekommen war. Sie seufzte leise auf. Sie musste sich jetzt konzentrieren. Sie konnte nicht weiter an ihn und die Szene eben denken.
Er war so süß gewesen... es hatte ihr so Leid getan, ihm absagen zu müssen. Aber es ging einfach nicht anders. Sie konnten sich nicht einfach so in aller Öffentlichkeit treffen. Das musste er doch auch wissen, oder? Hatte er sich keine Gedanken gemacht, was seine Freunde und Familie sagen würden? Die wären doch ganz sicher auch nicht begeistert. Vielleicht war es ihm auch egal, ihr war es das jedenfalls nicht. Es ging nicht anders. Sie konnte nicht.
„So, ich denke, ihr solltet nun fertig sein. Habt ihr irgendwelche Fragen? Nein? Nun gut, dann lest das erste Kapitel und bearbeitet die Frage dazu. Danach werden wir eure Ergebnisse besprechen!“
Schuldbewusst riss sich Cedrella zusammen, fest entschlossen, sich nicht noch einmal ablenken zu lassen.
Die nächsten Tage war Septimus noch weiter ein wenig geknickt. Seine Freunde versuchten vergeblich den Grund für seine schlechte Laune zu erfahren, doch Septimus verriet nichts. Sie würden ihn ja doch nicht verstehen, warum sie dann damit belästigen?
Doch wann immer er zum Zaubertränkeunterricht in den Kerker ging, riss er sich zusammen. Sie sollte nicht sehen, dass ihre, zwar verständliche, aber dennoch schmerzhafte Abfuhr ihn so mitnahm.
Gleich in der nächsten Stunde nach dem er sie gefragt hatte, hatte sie sich noch einmal entschuldigt und ihre Situation erklärt. Er hatte nur gemeint, er würde das natürlich verstehen und respektieren, sie solle sich darüber keine weiteren Gedanken machen.
Ein paar Tage später saß Cedrella bis spät in die Nacht im Gemeinschaftsraum der Slytherins und arbeitete an einem schwierigen Aufsatz für Verwandlung. Außer ihr war nur noch Irvin da, der ebenfalls hinter einem großen Bücherstapel versteckt war. Irgendwann streckte er sich gähnend.
„Ich muss ins Bett, ich arbeite daran morgen weiter. Das solltest du auch machen, Cedrella, um diese Uhrzeit bringt das doch gar nichts mehr. Oder kannst du dich etwa noch konzentrieren?“
„Naja“, musste sie zugeben. „Leicht fällt es mir nicht mehr.“
„Siehst du. Hast du übrigens schon gesehen, nächstes Wochenende ist ein Ausflug nach Hogsmead geplant. Na, hättest du Lust, mit mir dort hin zu gehen?“
„Ich... mit dir? So als eine Art Rendezvous?“, fragte sie zögerlich.
„Wenn du möchtest“, antwortete er.
Was sollte sie darauf antworten? Eigentlich, wenn sie ehrlich war, wäre sie viel lieber mit Septimus dorthin gegangen. Aber das ging nun mal nicht. Sie durfte sich nicht mit diesem Jungen anfreunden. Sollte sie überhaupt nach Hogsmead gehen? Aber sie konnte Irvin doch nicht einfach so absagen...
„Hm... ja, gut, warum nicht?“
„Toll, das freut mich! Gute Nacht, Cedrella.“ Beschwingt packte Irvin seine Sachen zusammen und machte sich auf den Weg in seinen Schlafsaal.
Cedrella saß noch eine Weile da und dachte nach, über das was eben geschehen war, über das was sie nächsten Samstag erwarten würde und über das, was sie nächsten Samstag eigentlich viel lieber machen würde. Konzentrieren konnte sie sich nun wirklich nicht mehr, schließlich packte auch sie ihre Sachen und ging zu Bett.
„Ah, Ced! Das ist ja so toll!“, quietschte Ellinor am Frühstückstisch los. „Ich freue mich für dich!“
„Warum denn?“, wollte die Angesprochene wissen.
„Warum? Na, Irvin hat dich doch gestern Abend gefragt, ob ihr zusammen nach Hogsmead gehen wollt!“
„Woher um alles in der Welt weißt du das, Ellinor?“
Ellinor wurde rot und fing an zu kichern.
„Naja, also es ist so, Roderick hat mich doch eben abgefangen und da hat er mich gefragt, ob ich mit ihm nach Hogsmead gehen möchte. Ich hab – natürlich! – zugesagt, und er hat eben auch erwähnt, dass Irvin mit dir geht. Oh, das wird so toll werden! Roderick ist so ein Gentleman... Meine Eltern werden begeistert sein, wenn ich ihnen das erzähle!“
„Herzlichen Glückwunsch!“, gratulierte Ruth ihren Freundinnen. „Habt ihr ein Glück, dass sich solche Männer für euch interessieren. Ced, stell dir nur mal vor, was deine Eltern dazu sagen werden, dass Irvin Flint dich ausführen will!“
„Ja, ja, die werden sich freuen...“
Cedrella gab sich große Mühe, genauso begeistert zu wirken wie ihre Freundinnen. Was war nur mit ihr los? Noch vor ein paar Monaten hätte sie ihm mit ganzem Herzen zugesagt, sich wirklich gefreut, und nun tat sie das eigentlich nur, um den Erwartungen der Anderen zu entsprechen.
Das konnte doch nicht richtig sein. Aber was sollte sie bloß tun? Sie hatte ja keine Wahl.
Warum hatte sie sich nur in diesen rothaarigen Weasley aus Gryffindor verlieben müssen? Das Ganze würde sowieso zu nichts führen! Warum konnte sie sich nicht einfach darüber freuen, dass ein beliebter, gut aussehender, reinblütiger Slytherin um sie warb und sie ausführen wollte. So wie sie sich freuen sollte, wie sie sich früher gefreut hätte.
Doch sie bekam Septimus Weasley einfach nicht aus ihrem Kopf.
Schließlich verging die Woche recht schnell, Cedrella genoss jede Zaubertränkestunde und schalt sich danach immer wieder dafür. Und dann war der Samstag da.
Ellinor huschte aufgeregt im Schlafsaal umher und gab ihr Bestes, sich für Roderick hübsch zu machen; sie suchte zehn verschiedene Kleider aus ihrem Koffer bis sie sich unter Beratung von ihren vier Freundinnen schließlich für eines entschieden hatte, schminkte sich stark, wischte alles wieder weg und trug nur wenig Schminke auf, wischte erneut alles weg und wollte es natürlich lassen, bis Marjory sie zu ein wenig Wimperntusche überreden konnte.
Cedrella beneidete sie insgeheim für ihre Vorfreude. Was sie anging, so war sie gar nicht aufgeregt. Warum auch? Es war nicht so, dass ein besonders aufregender Nachmittag auf sie warten würde.
Sie zog eines ihrer schönsten Kleider an und puderte ihre Nase. Zusammen gingen die fünf Mädchen hinunter in die Eingangshalle, wo Ellinor und Cedrella auch schon erwartet wurden. Nachdem sie sich beim Hausmeister abgemeldet hatten, verteilten sie sich, schließlich sollten die 'Pärchen' ihre Ruhe haben.
„Ist das nicht ein herrliches Wetter heute?“, fragte Irvin und reckte sein Gesicht der Sonne entgegen.
„Ja, ein bisschen windig vielleicht...“, meinte Cedrella.
„Ist dir etwa kalt?“, fragte Irvin besorgt.
Eigentlich sollte sie ob dieser Frage dahinschmelzen, dachte Cedrella, doch es war so anders sich mit Irvin zu unterhalten als mit Septimus. Bei Septimus klopfte ihr Herz wild, sie fühlte sich schummrig im Bauch, aber auf eine gute Art. Bei Irvin fehlte das Alles. Bei ihm fühlte sie nichts.
„Nein, nein, es geht schon, der Umhang ist warm genug.“
Sie liefen eine Weile stillschweigend nebeneinander her.
'Sag irgendwas!', dachte Cedrella verzweifelt, da ihr dieses Schweigen unangenehm war. Endlich fiel ihr eine passende Frage ein.
„Wo gehen wir denn überhaupt hin?“
„Ich dachte, wir könnten diesen neuen Pub 'Eberkopf' einmal ausprobieren. Wenn es uns dort nicht gefällt, können wir ja in unser Stammcafé gehen.“
„Ja, das klingt doch ganz gut!“, sagte sie mit so viel Begeisterung, wie sie aufbringen konnte.
Doch anscheinend waren nicht nur sie auf diese Idee gekommen, denn der Pub war brechend voll. So betraten das nur spärlich gefüllte Café 'Dorfmitte' und Irvin steuerte sogleich einen Platz am Fenster an.
Das Treffen mit Irvin wurde gar nicht so langweilig wie sie befürchtet hatte, was sie ein wenig beruhigte, denn so konnte sie ihren Freundinnen schon eher etwas vorschwärmen, als wenn es furchtbar geworden wäre. Sie konnte sich recht gut mit ihm unterhalten, auch wenn sie zugeben musste, dass es ihr mit ihm weniger Spaß machte als mit Septimus. Sie unterhielten sich auch vorwiegend nur über oberflächliche, triviale Dinge; ihre Gespräche mit Septimus, obwohl sie nie so ungestört waren wie hier, hatten meist mehr Tiefe.
Lester, Mona und Septimus liefen erst nach dem Mittagessen nach Hogsmead. Zu dem Zeitpunkt hatten sich die Schüler schon weiter verteilt, daher konnten Septimus und Mona sogar noch einen kleinen Tisch im „Eberkopf“ ergattern, während Lester ihnen allen ein Butterbier an der Theke holte.
„Eigentlich ganz schön hier, oder?“, meinte Mona und blickte sich um.
„Ja, hier könnte man durchaus öfter hingehen“, antwortete Septimus. Er nippte an seinem Butterbier. „Ich wollte später noch nach etwas schauen... ohne euch, wenn es geht.“
„Ohne uns?“, fragte Lester misstrauisch.
„Naja, du weißt schon... hier hat bald jemand Geburtstag?“, sagte Septimus auf Lesters unwissenden Blick hin. „Ihr könnt ja noch hier sitzen bleiben, ich komm dann wieder her. Oder wollt ihr sonst noch wo hin?“
„Nein eigentlich nicht, oder Liebes?“
Mona schüttelte den Kopf.
Septimus trank sein Butterbier aus und ging wieder nach draußen. Er hatte schon länger überlegt, was er seiner kleinen Schwester, die in zwei Wochen Geburtstag hatte, schenken könnte. Da sie jetzt offiziell im Gryffindor-Quidditchteam war, wollte er einen Blick in den kleinen örtlichen Quidditchladen werfen. Kaum hatte er den Laden betreten, sah er hundert verschiedene Dinge, von denen er sich sicher war, dass sie ihr gefallen würden. Schließlich entschied er sich für ein Besenpflege-Set, das zum Glück auf 8 Galleonen heruntergesetzt war, denn so etwas konnte man immer gebrauchen. Glücklich, etwas gefunden zu haben, ging er aus dem Laden und lief die Dorfstraße entlang. Dabei kam er an dem Café vorbei, das sonst das Stammlokal der Hogwartsschüler war und nun eventuell vom Eberkopf abgelöst wurde. Er warf einen Blick hinein, es schien nur mäßig gefüllt. Und dann fiel sein Blick beim Vorübergehen auf einen Tisch ganz am Fenster, bei dem er sogar erkennen konnte, wer dort saß. Cedrella. Einen Moment stockte ihm der Atem und sein Herz sank ihm in die Hose. Denn sie saß dort mit Irvin Flint.
Schnell lief er weiter, damit sie ihn nicht noch sah. Was hatte er sich auch gedacht, natürlich lief da etwas zwischen ihr und diesem Slytherin. Aber sie hätte ihn doch nicht anlügen müssen. Sie hätte ihm ja auch so sagen können, dass sie sich nicht für ihn interessierte. Wütend und leise vor sich hin schimpfend rannte er fast den Pfad zum Schloss hoch. Seine Freunde, die auf ihn warteten, hatte er bereits vergessen, so aufgebracht war er.
Er hatte wirklich geglaubt, zwischen ihnen hatte sich etwas entwickelt. Eine Art geheime Freundschaft, aus der irgendwann vielleicht doch einmal etwas mehr werden würde. Er konnte einfach nicht aufhören, zu hoffen. Doch er musste sich nun eingestehen, dass er offensichtlich wieder einmal mehr hineingelesen hatte, als da war. Er hatte ja sogar verstanden, warum sie ihm abgesagt hatte. Aber dass das nun der wahre Grund war, das erschütterte ihn zutiefst. Warum nur musste sie ihn anlügen? Er hätte auch mit der Wahrheit umgehen können. Nur mit dieser Lüge, das konnte er nicht.
Frustriert ließ er sich in einen Sessel am Feuer fallen.
Die Welt war doch ungerecht, dachte er. Was fand dieses schöne, wunderbare Mädchen nur an diesem schleimigen Slytherin? Allerdings kannte sie ihn schon viel länger. Und mit ihm konnte sie sich auch auf offener Straße zeigen.
Diese Eifersucht kannte er gar nicht von sich. Aber er hatte ja auch noch nie mit ansehen müssen, wie sich das Mädchen, das er liebte, mit einem Anderen traf. Hätte sie nicht einfach nur mit ihren Freundinnen gehen können? Oder hätte er nicht einfach hier im Gemeinschaftsraum bleiben können? Das hätte ihm nicht den ganzen Tag ruiniert.
So saß er noch eine Weile da und ging seinen trübseligen Gedanken nach.
„Hier ist er!“ Ein Ruf schreckte ihn aus seinen Gedanken, da fiel ihm siedend wieder ein, dass er seine Freunde eigentlich wieder hatte abholen wollen. Draußen fing es bereits an zu dämmern. Mona und Lester stellten sich verärgert vor ihm auf.
„Sag mal, hast du uns vergessen?“, keifte Mona ihn an. „Wir haben uns vielleicht Sorgen um dich gemacht!“
„Hey, jetzt beruhig dich doch erstmal ein wenig. Ich bin sicher, Sev hatte einen guten Grund, oder?“, versuchte sein bester Freund, die Lage zu entschärfen.
Septimus schwieg einen Moment. Unruhig kaute er auf seiner Lippe herum. Ja, er hatte einen Grund. Ob der gut war oder nicht, sei einmal dahingestellt. Das Problem war nämlich, dass er diesen Grund unmöglich beichten konnte.
„Du hast doch einen Grund, oder?“, fragte Lester nun unsicher.
„Ja, schon...“
„Und der wäre?“
„Ihr wisst, ihr seid meine allerbesten Freunde. Aber ich kann das selbst euch unmöglich sagen. Ich kann es niemandem sagen. Es tut mir Leid, ihr würdet das nicht verstehen. Ihr... ihr würdet mich für verrückt erklären. Also bitte, können wir das einfach so belassen?“ Septimus stand auf. Auf einmal war er ziemlich müde geworden. Jetzt war es also raus. Zumindest teilweise. Seine Freunde wussten von seinem Geheimnis. Nun würde es bestimmt nicht mehr lange dauern, bis sie es in Erfahrung bringen würden.
„Du... du hast ein Geheimnis vor uns?“, fragte Ramona ungläubig. „Aber du kannst uns doch alles sagen!“
„Nein, das nicht. Bitte glaubt mir einfach, das wird das Beste sein. Wahrscheinlich findet ihr es irgendwann sowieso raus, aber bis dahin... ich gehe jetzt was essen. Kommt ihr mit?“
Ohne eine Antwort abzuwarten, ging Septimus los in Richtung Portraitloch. Er hörte noch, wie die Zwei hinter ihm tuschelten, bevor sie sich ihm, das Thema glücklicherweise beruhen lassend, anschlossen.
Ganz im Gegensatz zu sonst freute sich Septimus gar nicht auf die nächste Zaubertränkestunde. Es grauste ihn richtig davor. Wie sollte er sich verhalten? Würde sie sich anders verhalten? Wahrscheinlich hatte sie gar nicht mitbekommen, dass er sie gesehen hatte. Er konnte nicht so tun, als sei nichts. Dazu war die Wunde noch zu frisch, dazu war er noch zu aufgebracht. Mit zitternden Knien ging er die Stufen zum Kerker hinunter. Sie war schon da, er war einer der letzten aus der Klasse, da er sich extra Zeit gelassen hatte. Sie begrüßte ihn leise mit einem strahlenden Lächeln. Für einen Moment schien die Welt still zu stehen. Wie konnte er da nur böse auf sie sein? Doch schon im nächsten Moment erinnerte er sich an letzten Samstag, wie er sie mit Irvin gesehen hatte, wie sie sich angeregt mit ihm unterhalten hatte.
„Hallo“, meinte er knapp und widmete sich sogleich dem Trank. Wie um alles in der Welt sollte er sich nur verhalten?
Cedrella verstand die Welt nicht mehr. Sie hatte sich so auf diese Stunde gefreut, sich gefreut, ihn wiederzusehen, mit ihm zu reden. Und nun schwieg er sie die ganze Stunde über nur an. Dabei war er doch sonst immer derjenige, der so viel redete. Gleich war die Stunde aus und er hatte bisher nichts als „Hallo“ gesagt. Sogar sie hatte in ihrer ersten Stunde mehr geredet.
„Was ist denn los? Redest du nicht mehr mit mir?“, fragte sie vorsichtig.
Er zuckte nur mit den Schultern.
„Was.. was...? Hab ich dir irgendetwas getan?“
„Das müsstest du doch am Besten wissen.“
„Was? Wie?“
„Ja letzten Samstag!“, zischte er ihr zu. „ Ich hab euch gesehen. Mir absagen und dann mit diesem... Flint!“
„Aber, ich dachte, das hätten wir geklärt...“
„Geklärt? Du hast mir erklärt, warum du dich nicht mit mir öffentlich sehen lassen willst. Du hast nichts von einem anderen Kerl gesagt.“
In dem Moment läutete es zur nächsten Stunde und Septimus rauschte sofort, ohne sich um das Aufräumen oder die erforderte Abgabe der Trankprobe zu kümmern, davon.
Cedrella stand da und wusste nicht, wie ihr geschah. Daran hatte sie ja gar nicht gedacht, als sie Irvin zugesagt hatte. Dass Septimus das sehen könnte und daraus den Schluss ziehen könnte, sie würde lieber mit Irvin als mit ihm die Zeit verbringen. Eigentlich wollte sie ihm ja sofort hinterher, aber das wäre wohl etwas auffällig geworden. Außerdem musste sie sich ja noch um den Trank und das Aufräumen kümmern... Doch sie musste das in Ordnung bringen, und zwar bald!
Gegen Abend, Septimus spielte gerade mit Lester Schach während Mona Hausaufgaben machte, klopfte eine Eule an das Fenster des Gryffindorturms. Als ein Fünftklässler dem Kauz das Fenster öffnete, flog sie in direktem Weg auf Septimus zu, ließ ihm einen Brief in den Schoß fallen und flog wieder hinaus.
„Wer schickt dir um die Uhrzeit noch einen Brief?“, fragte Lester erstaunt.
„Keine Ahnung, aber es muss wohl dringend sein...“
'Septimus Weasley' stand in einer ordentlichen Schrift auf dem Umschlag, und darunter 'persönlich'. Neugierig öffnete er den Brief.
'Septimus,
Es tut mir Leid, dass du die Sache zwischen Irvin und mir offensichtlich missverstanden hast. Es ist jedenfalls nicht so, wie du denkst, bitte glaube mir das. Ich würde mich dir gerne genauer erklären, denn dieser Umstand lässt mir keine Ruhe. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn du mich in dem leeren Klassenzimmer im zweiten Stock triffst. Ich warte dort ab 19:00 Uhr. Bitte lass mich dort nicht sitzen, ich möchte nicht, dass etwas weiterhin zwischen uns steht.
Cedrella'
Sie wollte ihn treffen und ihm alles erklären. Wollte er das auch? Was für ein Unsinn, natürlich wollte er das. Er sah auf die Uhr und sprang sofort auf. Es war bereits fünf vor sieben.
„Und? Von wem ist der Brief? Was steht darin?“, wollte Lester wissen.
„Das... das kann ich nicht sagen...“
„Ach, dein kleines Geheimnis... hast du eine heimliche Geliebte oder was? Komm schon, mir kannst du es doch erzählen!“
„Lester... bitte, lass es gut sein. Es ist keine Geliebte. Ich, tut mir Leid, ich muss kurz weg.“
„Und das Spiel?“, rief Lester ihm hinterher, doch Septimus war schon weg.
Rastlos lief Cedrella im Zimmer auf und ab. Würde er kommen? Sie hoffte es so sehr, sie musste ihm doch diesen von ihm völlig missverstandenen Umstand erklären. Sie wollte nicht, dass er noch länger so sauer auf sie war. Sie blickte auf ihre Armbanduhr. Jetzt war es genau sieben Uhr. Er musste gleich kommen. Er musste...
Dann öffnete sich endlich die Tür und völlig außer Atem kam Septimus hinein.
„Du bist gekommen!“
„Hey... ja, da bin ich.“
Erschrocken über ihren kleinen Gefühlsausbruch, biss Cedrella sich auf die Lippe, lächelte ihn schüchtern an und setzte sich auf einen der Tische.
„Du, ähm, weißt ja, ich wollte dir diese wirklich blöd gelaufene Situation erklären... bitte, versteh mich nicht falsch, weißt du, ich... ich wäre wirklich gerne mit dir ausgegangen, aber, wenn das meine Eltern erführen! Sie würden mich gleich enterben! Und mit Irvin... er hat mich gefragt und ich konnte ihm nicht ansagen. Ich sage nicht, dass ich es genossen habe, mich mit ihm zu treffen. Aber ich kenne ihn auch schon länger und bis ich dich kennengelernt habe, fand ich ihn auch toll. Wenn ich ihm jetzt also abgesagt hätte, wären meine Freundinnen bestimmt aufmerksam geworden. Und das Schlimme ist, ich weiß, dass Ruth mich wirklich bei meinen Eltern wegen so etwas anschwärzen würde. Sie ist, was das angeht nun mal sehr... streng. Oder meine Schwester würde es erfahren. Das käme dann aufs Gleiche hinaus.“ Unruhig stand sie auf. Septimus stand immer noch an derselben Stelle und hörte ihr aufmerksam zu. „Ich mache ihr keinen Vorwurf, sie wurde eben so streng erzogen... gut, das wurde ich auch. Bis neulich habe ich ja noch genauso gedacht. Bis ich dich kennengelernt habe. Und weißt du, ich... ich mag dich. Ich würde auch gerne mehr Zeit mit dir verbringen, auch wenn das schwierig werden wird. Und... was sagst du nun?“
Sie hatte alles gewagt. Sie hatte sich ihm voll geöffnet. Ihr Herz klopfte, ihre Hände wurden schwitzig. Wie würde er nun reagieren?
Er lächelte.
„Ich mag dich auch. Natürlich verstehe ich, dass deine Situation sehr kompliziert ist und das respektiere ich. Ich würde dich auch gerne öfter sehen und ich werde dabei sehr vorsichtig sein, damit du keine Angst haben muss.“ Er machte ein paar Schritte auf sie zu, unsicher griff er nach ihrer Hand. Auch sein Herz klopfte wild. Sie zog sie nicht zurück.
Glücklich lief Septimus zurück in seinen Schlafsaal, nein, er schwebte. Sie hatte gesagt, dass sie ihn mochte! Sie wollte mehr Zeit mit ihm verbringen! Er konnte sein Glück kaum fassen. Es war mehr, als er sich jemals erwartet hatte.
Er hätte so gerne jemanden gehabt, mit dem er sein Glück teilen konnte. Doch dies war nun sein Geheimnis. Irgendwann, irgendwann würde er es Lester erzählen. Und er konnte nur hoffen, dass Lester ihn nicht verurteilen und abstoßen würde. Dass er es akzeptieren würde.
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