
von Kathi Weasley
Die restlichen Tage der Woche verflogen geradezu und so waren die Hogwartsschüler fast überrascht, als der lang ersehnte Samstag endlich bei ihnen angekommen war. Die ganze Woche über hatte man die Spannung zwischen den Häusern gespürt und vor allem die Slytherins boykottierten eifrig die Gryffindors, indem sie sich sofort auf die Seite der Hufflepuffs geschlagen hatten. Sticheleien und plötzliche Angriffe auf den Fluren standen bei den beiden Mannschaften die ganze Woche auf der Tagesordnung, was ihre Aufregung nur noch steigerte.
Als die Quidditchspieler an diesem wichtigen Tag beim Frühstück eintrafen, wurden sie schon von lauten Jubel- und Buhrufen begrüßt, was ihre Aufregung nicht gerade abschwächte. Sogar Sirius schien angesichts der nervösen Stimmung aufgeregt zu werden, denn er erwiderte die „Viel Glück“-Rufe einiger Mädchen nur mit einem halbherzigen Lächeln, das aber eher so aussah, als ob er Zahnschmerzen haben würde. Allerdings war das noch nichts gegen James‘ seelische Verfassung, da dieser mühsam und mit zitternder Hand versuchte, das Müsli, das ihm Remus hingestellt hatte, runter zu würgen, jedoch brach er nach ein paar Löffeln sein Frühstück mit etwas grünlichem Gesicht ab. Danach hetzte er unter dem schadenfrohen Lachen der Slytherins aus der Halle, zweifellos um sich zu übergeben. Somit ließ er seine Mannschaft beim Frühstück mit etwas mulmigem Gefühl zurück und erst, als sie sich alle bei den Umkleiden eingefunden hatten, bekamen sie ihn wieder zu Gesicht.
Bevor er sie mit seiner Rede überfiel, ließ er ihnen noch Zeit sich umzuziehen und wartete bis auch der Letzte seine Schoner anhatte.
„Also. Da draußen erwartet uns eine starke Mannschaft. Ohne Zweifel müssen wir heute alles geben. Sie zu schlagen, ist schwer, aber machbar. Wenn wir uns alle zusammen reißen und auch spielen. Vielleicht wird der eine oder andere sich verletzen, aber das ist zu verkraften, denn er kann sich immer sagen, dass er uns damit zum Sieg verholfen hat. Wir haben diesen Triumph verdient! Wir haben hart trainiert und bei allen Spielen unser Bestes abgeliefert. Und genau das werden wir auch heute machen. Also lasst uns da jetzt raus gehen und Gryffindor zeigen, dass wir auf den Besen unschlagbar sind!“, sprach er, wobei er damit auch sich selbst etwas überzeugen wollte.
Im Redefluss nahm er zu Jules‘ Erleichterung auch wieder eine gesundere Farbe an, was sie mit Sirius einen kurzen freudigen Blick tauschen ließ. Zwinkernd erwiderte er ihre Miene und stand dann mit ihr auf, um nach James mit ihr und Florence auf das Feld zu marschieren, wo sich schon sämtliche Schüler der Häuser auf den Tribünen eingefunden hatten.
Der Himmel hatte sich zu einer endlos grauen, bewölkten Fassade zusammen geschlossen und allein das machte die Gryffindors schon recht mürrisch. James hatte sie zwar auf das schlechte Wetter schon vorbereitet, aber sie hätten es alle besser gefunden, wenn die Sonne sich hätte blicken lassen. Missmutig gingen sie unter Geschrei und Gegröle der Zuschauer weiter zur Mitte des Quidditchfelds, wo Madam Hooch schon auf die beiden konkurrierenden Mannschaften wartete.
„Willkommen zu unserem ersten Quidditchspiel der Saison! Der Himmel scheint es heute leider nicht gut mit unseren Spielern zu meinen. Das verspricht schon, dass es ein spannendes Spiel werden wird. Anscheinend haben die Gryffindors sich schon auf den Rasen getraut, angeführt von James Potter, der dieses Jahr eine ganz erstaunliche Mannschaft zusammen gestellt hat. Hoffen wir das Beste für sie! Und Applaus bitte für die Hufflepuffs, die nun mit ihrem Kapitän Norton das Feld überqueren. Sieht so aus, als wären die Hufflepuffs in guter Form. Aber was ist das? Baker, von den Gryffindors, niest! Ob das ein schlechtes Omen ist?! Wir werden sehen.“, gab der Kommentator bekannt, der sich anscheinend auch schon bei seinem Mikrofon eingefunden hatte.
Jules sah genervt zu ihm hoch, während Florence sich neben ihr die Nase putzte. Sie hörte, sie verärgert etwas murmeln, verstand aber nicht was. Grinsend musterte sie den Kommentator und stellte stöhnend fest, dass es Eric Brightman aus Hufflepuff war, der natürlich sein eigenes Haus im guten Licht darstellte und dabei auch gerne mal hämische Kommentare über die Gryffindors abließ.
Auch Sirius war anscheinend von der Wahl des Kommentators nicht unbedingt angetan, denn er sagte herablassend: „Klar, dass Brightman sich diese Gelegenheit sich in den Mittelpunkt zu stellen nicht auslässt.“
Er sah grimmig zu dem Hufflepuff hoch, der nun detailliert über das Händeschütteln der beiden Kapitäne berichtete. Überraschend kam für ihn dann auch der Ruf von Madam Hooch, die nun alle auf ihre Plätze komplementierte und dabei ein sehr ernstes Gesicht machte.
„Okay, lassen wir es krachen.“, sprach Sirius und grinste dabei aufmunternd zu seinen Mannschaftskameraden, die ihn nach diesem Kommentar ebenfalls grinsend anblickten.
Jules stieß sich heftig vom Boden ab und ließ sich ein paar Meter über dem Erdboden wieder schweben, um auf den endgültigen Anpfiff zu warten. Unter ihr holte Madam Hooch gerade die Bälle nacheinander aus der Truhe und nahm dann den roten Ball unter den Arm.
Bevor sie ihn zu ihnen hinauf warf, musterte sie alle Spieler noch einmal kritisch und rief dann zu ihnen hoch: „Das hier soll ein faires Spiel werden. Ich will keine hochgradig Verletzten und auch keine miesen Foul-Spiele.“
Nach dieser Ansage holte sie weit mit dem Quaffel aus und warf ihn schwungvoll los, was sofort ein heftiges Durcheinander und Gedränge um den Ball verursachte. Florence, die sich mutig in das Knäuel um den Quaffel geschmissen hatte, tauchte zu Jules‘ großer Freude wieder aus dem Gedränge auf und hielt den roten Ball fest umklammert, während ihr zwei Hufflepuffjäger nachjagten. Kurz tauschte Jules einen kurzen Blick mit Sirius, der genau wie sie die Jägerin beobachtet hatte, und flog dann los, um zu ihrer Kollegin aufzuschließen, die nun schon ernsthaft in Bedrängnis geraten war. Als sie bei ihr angekommen waren, rempelten sie die Jäger schon grob an, was Florence den Ball eilig zu Sirius werfen ließ. Der fing ihn geschickt auf, passte ihn wieder zu Jules, die ihn mit einer geschickten Rolle um ihren Besen auffing und dann wieder zu Florence zurück werfen wollte. Das wurde aber von dem dritten Jäger der Hufflepuffs verhindert, da er den Ball abpasste und dann schnell wie der Blitz, aber nun mit einer wütenden Jules im Rücken, auf das Tor der Gryffindors zu jagte. Dort erwartete Logan ihn auch schon mit grimmiger, aber auch etwas unsicherer Miene. Erwartungsvoll verfolgte Jules den Ball, wie er auf die Torringe zu schoss und betete inständig, dass Logan es schaffen würde. Ein lautes Stöhnen der Gryffindorfans betonte aber leider das enttäuschende Ergebnis. Geknickt sah Logan, wie der Ball nun wieder ins Spiel kam und immer mal wieder gefährlich nahe in seine Richtung kam, jedoch wurde er noch rechtzeitig von den Gryffindorjägern daran gehindert wieder in einem der Torringe zu landen. Jules gab ihr Bestes, um den Ball zu Florence spielen zu können, die ihn durch ihre flinke Flugweise zum gegnerischen Hüter schaffen konnte. Sirius versuchte auch ein paarmal mit auch erfolgreichen Ablenkungsversuchen zu glänzen, die auch manchmal Früchte trugen, jedoch bald von den Hufflepuffs durchschaut wurden. Gehetzt probierte er danach immer wieder durch Ben und Lara gedeckt sich zu den anderen beiden Jägerinnen durchzudrängen, aber die Hufflepuffs schienen ihn nun auf dem Kicker zu haben, da seine Täuschungen sie nun wieder zu einem Punkterückstand geführt hatten.
„Es steht nun 60 : 20 für Gryffindor, wie auch immer sie das geschafft haben, und die Hufflepuffs sollten sich langsam wirklich mal ranhalten.“, hörte Jules auf einmal Brightman sagen, der allmählich ziemlich genervt angesichts des Rückstands seines Hauses war.
Sie meinte sogar über die Entfernung den verkniffenen Blick Prof. McGonnagals, die neben ihm Platz genommen hatte, erkennen zu können, was sie zu einem breiten Grinsen brachte.
Plötzlich flog James schnell an ihr vorbei, wobei er ihr im Vorbeifliegen eilig zurief: „Konzentrier dich gefälligst!“
Augenverdrehend sah sie sich wieder nach dem Quaffel um, der anscheinend irgendwie wieder in den Besitz der Hufflepuffs gekommen war. Nach einem kurzen Seufzen warf sie sich wieder ins Getümmel und flog von hinten an die gegnerischen Spieler heran, die sich gerade abwechselnd den Ball zu passten. Der vor ihr fliegende Hufflepuff war ganz eindeutig darauf bedacht, immer auf Angreifer vorbereitet zu sein, denn er blickte ständig nervös hinter sich.
Als er dabei Jules bemerkte, die schnell zu ihm aufschloss, knurrte er genervt zu ihr: „Julia, ich werde nicht zimperlich mit dir sein, das weißt du.“
Er warf den Quaffel eilig zu seinem Mitspieler, damit er sich völlig auf Jules konzentrieren konnte, die nun blitzartig ihren Besen umschwenken wollte, da der Quaffel den Besitzer gewechselt hatte. Doch ihr Vordermann wollte das nicht zulassen und flog so dicht neben ihr, dass sie keine richtige Kurve oder Drehung hinbekommen konnte.
„Lass das!“, rief sie ihn entnervt zu und war kurz davor ihn an seinen blonden Locken zu packen und vom Besen zu ziehen.
Dabei musterte sie genauer die Gestalt ihres Gegners, der sie nun überlegen angrinste. Anscheinend hatte dieser ihre zusammen gekniffenen Augen und nun böse Miene richtig gedeutet. Diesen Gesichtsausdruck hatte sie eine Zeit lang nur zu oft gesehen.
„Anthony.“, stieß sie kurz hervor, bevor sie abrupt ihren Besen herumriss und davon flog, wobei ihr eben Genannter ruckartig folgte.
„Was ist denn, Julia? Letztes Jahr warst du doch noch ganz scharf auf unsere Kuschelstunden.“, schrie er über das ganze Feld hinter ihr her und Jules hörte seine fiese Lache in ihrem Rücken.
Anscheinend hatte er schon wieder aufgeholt und rückte ihr nun auf die Pelle. Jules heizte ihrem Besen ein und versuchte noch schneller zu werden, wobei sie auch von irgendwo Sirius‘ Stimme wahrnahm.
„Was machst du denn, Jules?! Verdammt, wir brauchen dich hier!“, brüllte er ihr nach, was sie zum Lachen brachte, denn Sirius verstand offenbar nicht ihre verzwickte Lage.
Anthony Gardner hatte sich wahrscheinlich jetzt als Ziel gesetzt, sie nicht einmal in die Nähe der Torringe zu lassen, denn nur das konnte sein bescheuertes Verhalten erklären. Er schwenkte um, wenn sie es tat. Fing den Quaffel ab, bevor er ihr in die Hände fallen konnte. Sabotierte ihre Ausweichmanöver und damit auch Fluchtversuche und natürlich warf er ihr immer wieder komische Aussprüche an den Kopf, die sie noch wütender machten. Aber genau das schien ihm zu gefallen. Aufgebracht flog sie ihre Runden um das Feld, schlug Haken und drehte Loopings nur, um ihn endlich loszuwerden, jedoch blieb er dicht neben ihr.
Gryffindor war wegen ihr nun von Hufflepuff eingeholt worden und allmählich wurden auch ihre Fans auf ihren ungewöhnlichen und nicht enden wollenden Tanz in der Luft aufmerksam. Sogar Lily war mittlerweile von ihrem Sitz aufgestanden und hatte sich nach vorne an die Bande durchgedrängelt, wo auch Remus und Peter standen.
„Was ist da nur los?“, fragte sie die beiden und blickte daraufhin nur in fragende Gesichter.
„Keine Ahnung. Dieser Gardner ist einfach nur komplett irre. Sieh dir mal an, wie der fliegt!“, antwortete ihr Alice, die vor Aufregung an Frank geklammert auch ganz vorne stand.
Lily beobachtete neugierig den eben erwähnten Hufflepuff und bemerkte, dass er nicht von Jules abließ und sie hartnäckig verfolgte.
„Ist sowas überhaupt erlaubt?“, fragte sie und Remus nickte mit nervöser Miene.
„Ja. Gegen Verfolgen ist noch nichts zu sagen, aber sollte er sie vom Besen werfen, ist es wirklich höchste Zeit für Madam Hooch einzugreifen.“, entgegnete er noch, wobei er seine Augen nicht vom Spiel nahm.
Lily machte es ihm nach, aber beobachtete eigentlich nur Jules und den Hufflepuff, die sich nun heftig zu streiten schienen. Stirnrunzelnd betrachtete sie die Szene und riss überrascht die Augen auf, als Sirius auch dazukam und sich an dem Wortgefecht zu beteiligen schien. Er wollte Jules augenscheinlich davon überzeugen, sich wieder richtig ins Spiel einzubringen, worauf sie anklagend auf Anthony Gardner zeigte, der sich in seiner Rolle als Übeltäter wohl sehr gut vorkam, da er nichts gegen diese Anschuldigung erwiderte, soweit Lily erkennen konnte. Sirius redete nun auf Anthony auf, wobei er dabei fast von einem Klatscher getroffen wurde, der nah an seinem rechten Arm vorbei flog. Was danach geschah, ließ Lily und Remus erschrocken die Augen aufreißen und Alice schockiert auf quietschen.
Alle Zuschauer waren gefesselt von dem Schauspiel, das sich ihnen bei diesem Quidditchspiel bot, denn, dass zwei Jäger sich in der Luft geprügelt hatten, war noch nie vorgekommen. Madam Hooch pfiff am laufenden Band auf ihre Trillerpfeife und tobte auf dem Boden schon mit hochrotem Kopf.
„So etwas hab ich ja noch nie erlebt!“, schrie sie eifrig, wobei sie danach sofort wieder ihre Trillerpfeife an den Mund setzte und drauf los pfiff.
Die Gryffindorspieler hatten nun schon völlig das Spiel vergessen und waren allesamt zu Sirius gestürzt, der Anthony wohl eine blutige Nase verpasst hatte. James sprach nun eindringlich auf Sirius ein und schien ihn schließlich überzeugt zu haben, da dieser nun nur noch böse Blicke an Anthony austeilte, der sich ächzend wieder auf seinem Besen aufrichtete. Jules betrachtete besorgt seine Nase und strich ihm noch einmal entschuldigend über den Arm, bevor sie davon flog. Anthony sah ihr wütend nach, wobei aus seiner Nase immer noch Blut floss. Danach flog er schnell zu seinen Mitjägern und gliederte sich wieder ins Spiel ein, weshalb er eilig noch seine Nase heilte.
Das Spiel nahm nun wieder seinen gewohnten Lauf und in der nächsten halben Stunde gelang es James glücklicher Weise den Schnatz zu fangen, was ein erleichtertes Jubeln bei den Gryffindors auslöste. Lachend ließen sich die Spieler zu Boden gleiten, während die Gryffindorfans auf das Feld stürmten. Als sie am Boden angekommen waren, umringten die Fans ihre Spieler und hoben sie auf ihre Hände. Die Hufflepuffs verdünnisierten sich schnell in ihre Umkleiden, um der Blöße und Enttäuschung ihrer Fans zu entgehen.
Die Gryffindorfans trugen ihre Spieler zu deren Umkleiden und ließen sie dann schweren Herzens wieder runter, aber nur unter der Ablegung des Versprechens, eine Party im Raum der Wünsche zu veranstalten. Danach gingen die Spieler erleichtert in die Umkleide, um sich umzuziehen. James schien am erleichtertsten von allen Spielern und lobte sie energisch: „Gut gespielt! Aber es geht immer noch besser!“ Die Gryffindorspieler schüttelten grinsend die Köpfe, zogen sich dann aber eilig um, damit sie rechtzeitig zur Feier im Gryffindorturm kommen konnten.
Dort angekommen war schon für Essen und Getränke gesorgt worden und laute Musik einer Zaubererband erklang aus einem Radio. Überall an den Wänden glänzten die Farben Rot und Gold, wobei anscheinend einige eifrige Erstklässler gerade versuchten selbstgemachte Plakate an den Wänden zu befestigen. Auf diesen glitzerten die Gesichter der Gryffindor-Quidditchmannschaft ihnen entgegen und Jules hätte schwören können, dass sie sogar manchmal zwinkerten.
Sie schlenderte mit James an ihrer Seite zum Getränketisch, um sich ein Butterbier zu holen.
James hatte wohl gerade dasselbe vor und gleichzeitig nahmen sie einen großen Schluck von dem kühlen und erfrischenden Getränk.
Während Jules gierig einen Schluck nach dem anderen aus der Flasche nahm und dabei ein paar Spielmomente in Gedanken wiederholte, sprach James: „Was für ein Spiel!“
Er sah grinsend zu ihr, wobei ihm augenscheinlich abrupt ein ernüchternder Gedanke kam, denn seine Augenbrauen zogen sich nachdenklich zusammen. Jules blickte ihn fragend an, da James sie nun misstrauisch beobachtete und schließlich entschlossen den Mund öffnete.
„Aber mich würde echt interessieren, was – in Merlins Namen – mit Gardner los war.“, fuhr er fort und sah sie nun unverwandt an, als würde er eine Erklärung von ihr erwarten.
Nun mehr als verwirrt, runzelte Jules die Stirn und entgegnete langsam: „Ja, klar. Das war echt schräg mit ihm.“
Sie bemerkte wie James‘ Lippen kurz zuckten, so als müsste er sich eisern ein Grinsen verkneifen.
Wie immer wusste er genau, dass sie ihm nicht die gesamte Wahrheit gesagt hatte. Er ahnte, dass sie ihm etwas verheimlichte. Auf James‘ Gesicht breitete sich nun wie auf Kommando ein ausgewachsenes Grinsen aus.
Schließlich lachte er kurz auf und legte ihr lässig einen Arm um die Schulter, was einige Mädchen in ihrer Umgebung bestürzt schnauben ließ.
„Also was war los?“, fragte er ohne auf ihre vorherige Aussage einzugehen. Sie grinste ihn an und zuckte wegwerfend mit den Schultern, doch er ließ – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht locker und zwickte sie zusätzlich in die Schulter.
Jules seufzte ergeben und sagte schließlich: „Lass uns morgen darüber reden. Spaziergang um 11? Treffen wir uns unten in der Eingangshalle?“
James musterte sie eingehend, um irgendein Anzeichen für einen Skandal in ihrem Blick zu finden, doch ihre Miene war selbst für ihn nichtssagend. Anscheinend wollte sie wirklich nicht in dieser großen Menschenmenge darüber reden, was zwischen ihr und dem Hufflepuff in der Vergangenheit vorgefallen war.
„Na schön.“, sagte er und trank einen Schluck aus seiner Flasche Butterbier.
Danach nahm er Augen zwinkernd wieder den Arm von ihrer Schulter, aber nicht ohne sie vorher nochmal in die Schulter zu zwicken, und verschwand dann in der Menschenmenge. Jules stand noch einen Moment alleine da und ließ sich das Gespräch noch einmal durch den Kopf gehen. Ob es eine gute Entscheidung war, James die Unterhaltung zuzusagen?
Sie schüttelte kurz den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben, und quetschte sich dann an ein paar Drittklässlern vorbei durch die Menge, um ihre Freundinnen zu finden.
„Nein, James. Auch wenn du den Schnatz gefangen hast, ist das kein Grund für mich, mit dir auszugehen.“, hörte sie Lily schon zischen, worauf sie grinsend herumwirbelte und gerade noch James geknickt abziehen sah.
Sie trat einen Schritt auf ihre Freundinnen zu, als sie angerempelt wurde und unbeholfen hinfiel. Sofort streckte ihr derjenige die Hand hin und sagte dabei: „Schätze jetzt sind wir quitt.“
Überrascht ergriff sie die Hand des Trampeltiers und sah zu ihm hoch, wobei sie bei dem Anblick des Gesichtes beschämt den Kopf senkte. Er legte ihr zwei Finger unter das Kinn und zwang sie damit wieder hochzusehen.
„Warum denn so schüchtern?!“, neckte er sie und brachte sie damit zum grinsen. Jules sah lächelnd in seine grauen Augen und wäre fast in deren Tiefe versunken, wäre da nicht diese fiese Schramme direkt über seinem Auge gewesen, die ihr fast ins Gesicht sprang. Ohne für und wider abzuwägen, streckte sie die Hand aus, um sein geschundenes Gesicht zu berühren, stoppte jedoch kurz davor ab und ließ wieder beschämt ihren Arm sinken.
„Du hättest das nicht machen sollen, Sirius.“, bekräftigte sie, wie ein paar Stunden zuvor schon in der Umkleide.
Wieder zuckte er nur grinsend mit den Schultern und meinte, während er neckisch mit den Augenbrauen wackelte: „Keiner sollte so ein hübsches Mädchen zum Weinen bringen.“
Er grinste sie breit an, wobei sie das Gefühl hatte, dass er etwas vor ihr verbarg. Sie blickte forschend zu ihm hoch, konnte aber nur in seine grauen Augen sehen, die keine verräterische Gefühlsregung zeigten. Nach dieser Erkenntnis stieß sie ihn leicht lächelnd in die Seite und ging dann weiter zu Lily, die ihr Gespräch schon misstrauisch beäugt hatte.
Gerade als sie bei ihr angekommen war, verschränkte Lily die Arme vor der Brust und sagte ohne Umschweife: „Ich hab dich gar nicht rumschreien hören.“
„Das ist vorbei.“, entgegnete Jules und grinste angesichts der verkniffenen Miene ihrer Freundin. „Ist auch besser so. Viel angenehmer für die Stimmbänder und so. Ich brauch jetzt keine Hustenbonbons mehr!“
Schmunzelnd blickte sie gespielt ernst ihre Freundin an, bevor auch schon das Lachen aus ihr herausbrach. Lily musterte sie missbilligend und erwiderte ironisch: „Haha. Sehr witzig. Außerdem hab ich ihn gerade gar nicht angeschrien.“
Sie fuhr sich gestresst durch die Haare, während Jules ihre Geste grinsend beobachtete.
„Das hast du früher nie gemacht. Färbt James schon ab?“, fragte sie und Lily schoss einen giftigen Blick auf sie ab.
Danach murmelte sie mürrisch etwas vor sich hin und zog dann eingeschnappt ab, womit sie Jules bei Melody zurückließ. Grinsend blickte Jules zu Melody, die sie mit einer schon fast eifersüchtigen Miene musterte.
Fragend zog Jules die Augenbrauen zusammen und fing an: „Was ist los? Wir haben gewonnen! Also sieh‘ mich bitte nicht an, wie auf einer Trauerfeier!“
Sie verzog aufmunternd ihren Mund zu einem Lächeln, was Melody aber nicht aufzuheitern schien.
„Du verstehst es einfach nicht, oder?“, fragte sie ohne Umschweife und schüttelte nun traurig den Kopf. Jules sah sie verwirrt an und brachte Melody damit zum grinsen.
Zu ihrer Enttäuschung war es kein nettes, sondern ein teuflisches Grinsen und, um sie zusätzlich zu verwirren, fügte Melody dabei hinzu: „Weißt du eigentlich, dass er dich nur belügt? Er meint es nicht ernst. – Hat er noch nie und wird er auch in Zukunft nicht.“
Danach lächelte sie Jules noch einmal herablassend und sogar fast mitleidig an und verschwand dann in der Menge. Zurückgelassen inmitten von einer feiernden Meute stand Jules überrumpelt da und überlegte, was sich wohl hinter den Hieroglyphen ihrer Freundin verbergen könnte. Sie kam zu keiner Lösung.
Sie drängelte sich nach längerem Stillstehen zur Bar durch, um sich auf diese Ansprache ihrer Freundin einen Drink zu genehmigen. Das alles schrie geradezu nach einem Butterbier.
Bei den Getränken fand sie Lily wieder, die gerade mit Remus sprach, der einen ziemlich geknickten Eindruck machte.
Sie hörte eben wie Lily zu ihm sagte: „Das mit deinem Kaninchen ist wirklich schlimm.“
Sie tätschelte ihm mitfühlend die Schulter, worauf Remus nur abwesend nickte.
„Ich schätze, da kann man nichts mehr machen. Ich kann nur hoffen, dass es ihm bald wieder besser geht.“, erwiderte er und erblickte Jules, die sich zu ihnen gestellt hatte.
„Hey, Jules. Was soll die betrübte Miene?“, begrüßte er sie und versuchte ein Grinsen, welches aber eher wie eine verunglückte Grimasse wirkte.
Jules änderte ihren Gesichtsausdruck schnell zu einem Lächeln und entgegnete: „‘Betrübte Miene‘?! Ich bin total fröhlich!“
Sie lachte kurz, wurde aber durch den zweifelnden Blick von Lily zum Schweigen gebracht. Diese hatte ihr Mienenspiel nämlich kritisch beobachtet und tippelte nun Nerv-tötend mit ihrem Fuß auf den Boden.
Hinzufügend fragte sie: „Wem willst du hier eigentlich etwas vormachen?“
Jules zuckte nur mit den Schultern und atmete einmal tief ein, um sich zu beruhigen und einen ausgeglichenen Eindruck zu machen. Danach trank sie ein paar große Schlucke von ihrem Butterbier und verspürte sogleich ein warmes Gefühl von Zufriedenheit in sich. Sie sah noch einmal aufmunternd zu Remus und Lily, um ihnen ihre gute Stimmung zu beweisen, und stürzte sich danach in die tanzende und grölende Menge, die sie sofort verschluckte.
Lily und Remus blickten ihr verwirrt nach, wobei sie schließlich gegenseitig eine fragende Miene tauschten.
„Ist sie verrückt geworden?“, sagte Lily und Remus nickte als Antwort auf ihre Frage.
Kopfschüttelnd standen die beiden da, wurden aber von James unterbrochen, der Lily schüchtern ansah und Remus dabei nicht zu bemerken schien.
„Hallo, Lily. Tut mir leid, dass ich vorhin so blöd war. Eigentlich hätte ich es mir längst mal merken sollen, dass du sowieso nie ja sagst, aber – naja – die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht wahr?“, erklärte er und wuschelte sich dabei heftig durch die Haare, um seiner Nervosität zu verstecken.
Lily starrte ihn mit einem Ausdruck zwischen Ungläubigkeit, Verärgerung und Mitleid an und entgegnete stotternd: „Nun ja, vielleicht hätte ich dich auch einfach nicht so anschreien sollen. – Ich meine, du hattest es verdient, aber – naja – ich sollte womöglich nicht immer so rumbrüllen, wenn du mich fragst. Wahrscheinlich wäre es sogar am Vernünftigsten, wenn ich ja sagen würde – was ich aber natürlich nicht mache – denn dann müsste ich nicht immer so laut werden und du würdest endlich deinen Willen bekommen. Aber ich antworte – wie gesagt – nicht ja. Sondern nein.“
Unbeholfen fuhr sie sich durch die Haare und lächelte ihn freundlich an, während Remus grinsend zwischen den beiden hin und her sah. James blickte ebenfalls lächelnd zu Lily, obwohl sie ihm gerade wieder eine Absage erteilt hatte.
Von frischem Mut gepackt sagte er: „Möglicherweise – ich meine, nur wenn du möchtest – könnten wir doch das nächste Schulsprechertreffen an dem Hogsmeade-Ausflug machen oder? Nur als Abwechslung.“
Aufgeregt verwüstete er wieder seine Frisur und ließ Lily damit leicht grinsen.
Unentschlossen fragte sie sich jedoch, ob er dieses Schulsprechertreffen dann als Date ansehen würde. Das wollte sie nämlich auf keinen Fall riskieren. So wie sie James kannte, würde er dieses Date dann noch als Zeichen sehen, dass sie auf jeden Fall – und unwiderruflich – in ihn verliebt war. Oder aber über Nacht einer Gehirnwäsche unterzogen worden war. Besser nochmal sicher gehen also.
Sie fuhr sich durch die Haare und fragte dann nochmals nach: „Schulsprechertreffen?“
James nickte entschlossen und blickte sie hoffnungsvoll an, worauf sie unentschlossen schnell fortfuhr: „Okay. Um wie viel Uhr treffen wir uns?“
Sie sah erwartungsvoll und irgendwie auch zerknirscht zu ihm hoch und James starrte sie auf ihre Antwort hin an, als ob sie ihm gerade verkündet hätte, dass ihre Eltern Hippogreife wären.
„Wie meinst du das? Heißt das – Heißt das, du sagst ja?“, fragte er sicherheitshalber nach und Lily nickte ergeben. Daraufhin strahlte er sie so breit an, dass sie einfach nicht anders konnte, als ebenfalls zu lächeln.
Angesteckt von seiner Freude lachte sie laut auf und bestätigte: „Ja, ich denke schon.“
Sie wollte gerade wieder zu ihm auf sehen, als sie bemerkte, dass sein Gesicht nicht mehr über ihr und ihre eigenen Füße nicht mehr am Boden waren. James hatte sie nämlich vor Freude gepackt und wirbelte sie nun in der Luft herum.
Dabei sprach er erleichtert: „Ich bin so froh, dass du zugesagt hast, Lily.“
Ängstlich sah Lily zu ihm herab und sagte bittend: „Ja, ja, aber kannst du mich jetzt bitte wieder runterlassen?“
Dieses Herum-Gewirbel tat ihr ganz eindeutig nicht gut. Sie hatte schon das Gefühl, als würde sich alles um sie herum drehen. Schnell setzte James sie wieder auf dem Boden ab und grinste sie breit an, während Remus leise lachend neben ihnen stand und ihr Verhalten wohl nur allzu amüsant fand.
„Dann treffen wir uns nächsten Samstag um 14.00Uhr in den Drei Besen.“, beschloss er immer noch strahlend und Lily nickte zustimmend, obwohl nun ein zweifelnder Gesichtsausdruck ihre Miene zierte.
„Lass es mich nicht bereuen.“, warnte sie ihn, wobei ihr ein Grinsen auf die Lippen schlich, was er sofort ebenso grinsend erwiderte.
Lächelnd sah er zu ihr und beruhigte sie: „Werd ich nicht.“
Lily lächelte ihn lieb an, da er ihr das ablehnende Benehmen am Anfang nicht übel genommen hatte. Langsam verstand sie ein wenig, was all die Mädchen an ihm fanden, wobei sie das momentan auf den Alkoholeinfluss schob.
Während Lily mit James ein Treffen verabredet hatte, tanzten Alice und Frank unbeholfen in einer Ecke, wobei Alice ständig an Franks Arm zog, um ihn zu mehr Bewegung zu bringen. Dieser schien jedoch nicht mehr Gliedmaßen als nötig bewegen zu wollen und tappte nur ungeschickt von einem Fuß auf den anderen. Zwischendurch fuhr Alice ihn deswegen immer mal an, ließ es aber jedes Mal nach einem kurzen Aufschrei wieder bleiben. Stattdessen sah sie auf ihre Füße, um einen Tritt rechtzeitig vermeiden zu können. Als schließlich doch ein großer Fuß auf ihrem stand, schrie sie zwar kurz „Au“, lachte aber kurz danach los, da Frank sie so schuldbewusst anblickte, dass sie gar nicht mehr wütend sein konnte. Liebevoll umarmte sie ihn und stoppte damit seine tapsenden Bewegungen, die nun noch vorsichtiger waren, als vorher. Er erwiderte grinsend ihre Umarmung und zog sie mit sich zu einem Sessel, um weiteren Tritten vorzubeugen.
Alice ließ es nachsichtig über sich ergehen, jedoch sagte sie noch tadelnd zu ihm: „Das musst du aber üben, Frankie! Was willst du denn ansonsten am Abschlussball machen?“
Das stimmte Frank nachdenklich, denn daran hatte er noch gar nicht gedacht.
Er sah sich schon unzählige Male stolpern, hinfallen und Alice auf die Füße treten. Nervös sah er sich schon nach einem geeigneten Tanzlehrer um, während Alice nichtsahnend an ihn gekuschelt an einem Butterbier schlürfte. Franks Blick schweifte über seine tanzenden Mitschüler und seine Augen fingen ein seiner Meinung nach besonders begabtes Mädchen beim Tanzen ein. Sie bewegte sich wirklich gut zur Musik, was aber auch an ihrem erhöhten Alkoholpegel liegen konnte, da sie manchmal gefährlich wankte.
Er musste grinsen, was ihm aber sofort wieder verging, als das Mädchen sich zu ihm umdrehte und er sie von vorne sehen konnte. Jede Sache hatte anscheinend irgendwo einen Haken.
Er schlang betrübt einen Arm um Alice, die sich aufgeregt quatschend auf seinem Schoß hin und her bewegte. Er nahm ihr vorsichtig das Glas Butterbier aus der Hand und trank selbst einen Schluck, um die Enttäuschung zu verkraften. Wie sollte er denn jetzt tanzen lernen?
Er kuschelte seinen Kopf in Alices Haar und atmete ihren Duft ein, um sich zu beruhigen. So bekam er nicht mehr wirklich mit, was um ihn herum passierte, denn er schlief schon bald in dieser Position ein und spürte nur noch, wie Alice ihm beruhigend über den Kopf streichelte und ihm einen Kuss auf die Wange hauchte.
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