
von Hoppenstedt
Mit einem "Plopp!" landete Amber zusammen mit Severus am Grimauldplatz Nr. 12. Die Trage neben ihr war noch immer unsichtbar. Ihre Haare waren vom Wind zersaust und hektische rote Flecken hatten sich auf ihren Wangen gebildet. Zügig ging sie über die Straße auf das Haus zu, das Rettung und Sicherheit versprach.
Laut klopfte sie schließlich gegen die Tür. Wie immer meldete sich zuerst Mrs. Black und schrie sich die Seele aus dem Leib. Dann wurde eine Männerstimme laut und schließlich verstummte die alte Vettel.
Langsam wurde Amber die Tür geöffnet. Sirius Black blickte kurz kritisch auf den Ankömmling, erkannte dann die junge Frau und ließ sie mit einem Lächeln herein.
"Das Treffen hat vor einer halben Stunde begonnen. Du hast noch nicht viel verpasst."
Amber antwortete nicht und ging hastig an ihm vorbei ins Haus. Doch spätestens als sie den Flur betreten und Sirius die Tür wieder geschlossen hatte, rümpfte er die Nase und musste erneut sprechen.
"Was stinkt hier so?" fragte er unangenehm berührt.
Doch Amber hatte keine Zeit und keine Nerven irgendetwas zu erklären. "Hol Albus. Ich brauche Hilfe." ratterte sie nur atemlos herunter und schrie ihn schließlich an, als er sich nicht rührte: "Mach hin, verdammt nochmal!"
Das wirkte. Schnellen Schrittes lief Sirius in Richtung Tür. Aber er brauchte gar nicht in die Küche. Dumbledore stürzte, alarmiert durch Ambers Geschrei, aus dem Raum. In diesem Moment hatte die Hexe den Unsichtbarkeitszauber von dem Bewusstlosen genommen.
Weiß im Gesicht blickte der Schulleiter auf seinen ehemaligen Spion. Dieser war kaum wieder zu erkennen. Er musste schrecklich misshandelt worden sein. Sein dünner, abgemagerter Körper war jedoch mit einem Umhang eingewickelt, der das Schlimmste verdeckte.
Ein Zittern lief durch den alten Zauberer, bevor er mit brechender Stimme sprach: "Ist er tot?"
"Nein!" rief Amber erbost. "Jetzt helft mir gefälligst! Ich brauche ein Bett, warmes Wasser, Verbände und ein, zwei Leute, die mir helfen und was von Heilzaubern verstehen!"
Remus meldete sich daraufhin sofort, während Mrs. Weasley in die Küche zurückrannte und das geforderte Material zusammensuchte. Der Schulleiter hatte sich inzwischen neben den Verletzten gekniet und dessen Puls gefühlt. Entsetzt starrte er nun auf dessen Hand.
Mit einem ausdruckslosen Blick betrachtete er Amber, der Tränen der Verzweiflung über das bleiche Gesicht liefen. Jeder im Raum wusste, was die Löcher in den Händen des Tränkemeisters bedeuteten...
***
Nachdem Sirius ihnen ein Zimmer zur Verfügung gestellt hatte, fingen Remus, Albus und Amber sofort mit der Arbeit an. Aber schon nach wenigen Minuten schickte die Hexe beide Männer aus dem Raum. Sie waren ihr keine Hilfe.
Remus war kreidebleich und kämpfte mit Übelkeit, während Dumbledore kaum Ahnung von Heilzaubern hatte und dazu so durcheinander war, dass er nur im Weg stand.
Als dieser Amber schließlich auch noch mit den Worten: "Wir können nichts mehr tun. Ich weiß, es ist schwer zu begreifen. Aber Severus wird sterben." am Arm berührte, war es Zeit, ihn augenblicklich aus dem Raum zu befördern. "Du trägst keine Schuld daran." sagte er noch, bevor die Tür hinter ihm zufiel.
***
Remus Lupin war augenblicklich nach dem Verlassen des Zimmers ins Bad gegangen und hatte sich übergeben. So etwas hatte er noch nie gesehen. Man wusste als Heiler gar nicht, wo man anfangen sollte. Es war ein hoffnungsloses Unternehmen.
Schließlich begab er sich in die Küche, in der auch schon ein sichtlich gealterter Albus Dumbledore saß. Beide schwiegen, bis Kingsley das bedrückte Schweigen der Ordensmitglieder brach: "Habt ihr seine Hände gesehen?"
Alle nickten. Der Schock stand den meisten ins Gesicht geschrieben.
"Hat er eine Chance?" wollte Kingsley weiter wissen und sprach damit das aus, was alle in diesem Moment bewegte.
Remus schüttelte langsam den Kopf: "Ich kann es mir nicht vorstellen. Und selbst wenn..."
"... wird er ohne Verstand sein." beendete Dumbledore den angefangenen Satz. Eine einsame Träne rann dabei durch seinen Bart.
***
In der Zwischenzeit hatte Amber mit Hilfe von Reinigungs- und Diagnosezaubern die Verletzungen des Tränkemeisters offen gelegt. Es dauerte nur wenige Minuten und sämtliche Knochenbrüche waren geheilt. Anschließdend träufelte sie eine durchsichtige Flüssigkeit auf die zahlreichen offenen Wunden. Sogleich schlossen sich diese.
Danach zog die Hexe eine dünne Phiole aus einer Tasche und kippte den rötlichen Inhalt in eine kleine Schale. Dazu tat sie eine leuchtend gelbe Creme. Beides verrührte Amber zu einer homogenen Masse. Mit Hilfe eines Pinsels strich sie nach und nach das Heilmittel auf jede Stelle des geschundenen Körpers. Immer, wenn sie mit einem Körperteil fertig war, verband sie es, sodass der Tränkemeister schließlich fast zur Gänze eingewickelt war.
Besondere Aufmerksamkeit musste sie dabei auf seine zerstörten Hände legen. Vorsichtig umfasste sie diese jeweils und sprach dann einige äußerst komplizierte Zaubersprüche. Dabei ließ sie auch eigene Energie auf den Mann vor ihr übergehen. Anschließend wurden auch die Hände mit Heilcreme bestrichen und dann verbunden.
Zum Schluss säuberte sie noch seine verklebten Augen und tropfte in diese jeweils einen Tropfen einer weißen Substanz, die die Bindehautentzündung abheilen lassen würde.
Erschöpft deckte sie ihn zu und strich ihm einige Strähnen seines teilweise verbrannten Haares aus dem Gesicht. Sein Atem ging sehr langsam. Dafür sorgte der Zaubertrank, den sie ihm bereits vor zwei Stunden in den Kerkern gegeben hatte. Dieser fuhr sämtliche Körperfunktionen auf ein Mindestmaß herunter, um so jede nützliche Kraft zu sparen. Er lag in einer Art komatösen Schlafes.
Amber würde ihm in den nächsten Stunden auch noch einige Tränke gegen mögliche Infektionen und Entzündungen geben. Alle diese Tränke hatte sie selbst entwickelt und teilweise war sie auch zufällig auf ihre Wirkung gestoßen, obwohl sie etwas ganz anderes hatte brauen wollen.
Für´s Erste sollte Severus jetzt jedoch seine Ruhe haben. Traurig betrachtete Amber den Mann vor ihr. Alle Aufregung und sämtlicher Stress lösten sich in diesem Moment von ihr. Haltlos fing sie an zu schluchzen. Tränen liefen über ihr Gesicht und nur noch verschwommen nahm sie den Schlafenden vor sich wahr. Aber eines sah sie sehr klar: Er würde leben! Dafür würde sie sorgen!
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