
von Hoppenstedt
Das folgende Kapitel ist nichts für schwache Nerven!
Müde und erschöpft war Severus Snape schließlich in sein Bett gefallen, um Stunden später erneut die Augen aufzuschlagen. Irritiert blinzelnd sah er um sich, bis er seine Räumlichkeiten erkannte.
Sich unter der Decke streckend drehte er sich träge auf den Rücken, starrte den Himmel seines Bettes an und dachte nach. Der Kuss mit Amber war noch keinen Tag her. Auch jetzt noch konnte er sich das Gefühl ihrer Lippen auf seinen genau in Erinnerung rufen.
Doch wie sollte er ihr heute Abend begegnen? „Auf jeden Fall geduscht und rasiert!“ rief der Badspiegel in diesem Moment.
„Verflixtes Ding!“ knurrte Severus, musste aber mit einer tastenden Handbewegung über sein Gesicht feststellen, dass der verzauberte Gegenstand Recht hatte.
Mit einem Schnippen eines seiner langen Finger erschien ein Hauself im Zimmer, dem er auftrug für ein umfangreiches Mittagessen zu sorgen – das Schwimmen schien an den Körperkräften gezehrt zu haben – um sich danach ins Bad zu begeben.
Eine ausgiebige Dusche sowie eine sorgfältige Rasur später saß der Tränkemeister in frischen Sachen in seinem Wohnzimmer und machte sich über eine leckere Mahlzeit her. Die Hauselfen von Hogwarts verstehen ihr Handwerk, dachte er dabei genüsslich kauend und gleichzeitig über seine Tagesplanung nachdenkend.
Bis zum Abend würde er sich in seinem Zimmer verkriechen, ein paar Bücher lesen und dann pünktlich in der Großen Halle erscheinen. Aber eine Frage blieb: Wie sollte er Amber heute Abend gegenübertreten?
***
Als er das nächste Mal von seinem Buch und auf die Uhr sah, erschrak er. Er war schon fast zu spät! Wie konnte ihm das nur passieren?!?
Das war ganz einfach. Zuerst hatte er sich keine Minute auf den Text in seinen Händen konzentrieren können, weil er ständig an das bevorstehende Wiedersehen mit Amber denken musste. Nachdem er sich endlich zum Lesen gezwungen hatte, hatte ihn das Buch gefesselt und seine gesamte Aufmerksamkeit beansprucht.
Eilig rannte Severus nun die Gänge hinunter in die Halle zum Unterricht. Dort angekommen, musste er jedoch überrascht feststellen, dass noch niemand hier war. Die vier großen Haustische standen wie eh und je und kein einziges Kissen war zu sehen. Gerade als der Slytherin an seiner eigenen Fähigkeit die Uhr zu lesen zweifelte, rauschte Amber in den Raum.
„Verzeihung!“, japste sie außer Atem „Dumbledore.“
Severus hatte sie verstanden und verdrehte entnervt die Augen.
„Du weißt noch, was du zu tun hast?“ fragte Amber ihn daraufhin ernst.
Irritiert sah der Tränkemeister einen Moment auf die Frau vor sich, bis er begriff. Sie wollte anscheinend den Unterricht vom Privaten trennen. Sehr professionell, dachte er anerkennend.
Also übten sie wie in den Tagen und Wochen zuvor. Severus versuchte sein Bestes und Amber schritt immer dann ein, wenn er wieder einmal die Kontrolle verlor. Nie hätte der dunkle Mann gedacht, dass es so schwer sein würde.
Nachdem er seine zauberstablose Magie entdeckt hatte, war er überzeugt, sofort wieder ein vollwertiger Zauberer zu sein. Aber das war nun doch schwieriger, als gedacht. Erschöpft ließ er sich schließlich auf den Boden sinken.
Amber blickte ihm aufmerksam in die schwarzen Augen: „Hast du für heute genug?“
Ein Nicken war die Antwort, woraufhin Amber mit einem Schlenker aus dem Handgelenk die Halle in Normalzustand versetzte.
„Gut. Dann machen wir morgen weiter.“
„Was wollte Dumbledore von dir?“ warf der Tränkemeister unvermittelt ein.
„Er hat einen Auftrag für dich und mich.“ antwortete Amber ehrlich. „Genaueres wollte er aber nicht verraten.“
Wieder ein Nicken. Bevor Severus erneut zum Sprechen ansetzen konnte, hatte die Hexe ihn jedoch am Arm gefasst.
„Die Sonne ist ja noch gar nicht aufgegangen! Komm, Severus! Ich muss dir was zeigen!“ damit lief sie aus der Halle und mit ihm einige Treppen empor und Gänge entlang. Vor einer großen hölzernen Tür blieb Amber schließlich stehen. Der Tränkemeister ahnte bereits, wo er sich ungefähr befand. In einem der Türme. Wahrscheinlich lag hier-
„Mein Zimmer!“ rief Amber enthusiastisch und zog den völlig perplexen Zauberer hinein. „Jetzt mach schneller, Severus, sonst verpassen wir es noch!“
"Was denn verpassen?" fragte er errötend. Irgendwie ging ihm hier einiges zu schnell.
Überrascht fand er sich jedoch Sekunden später an einem der Fenster wieder. Augenblicklich wusste er, was Amber gemeint hatte: Den Sonnenaufgang. Von seinen Kerkern aus sah er derartige Naturschauspiele nie. Der Ausblick – das musste selbst er zugeben – war großartig.
Reflexartig legte er seinen Arm um die Frau neben sich, die dasselbe bei ihm tat. Erst eine Viertelstunde später lösten sie sich voneinander und Amber sah ihn neugierig an. Ob es ihm gefallen hatte, brauchte sie jedoch nicht zu fragen. Seine Augen glitzerten.
Etwas verlegen wegen der intimen Situation wollte die Hexe etwas zu trinken holen, sprang jedoch im gleichen Augenblick mit einem Aufschrei zurück. Severus wirbelte herum, bereit anzugreifen, konnte aber nichts sehen bis auf Amber, die entsetzt auf einen Punkt an der Wand starrte.
„Amber, was ist-?“ setzte er zu einer Frage an, aber die Hexe unterbrach ihn.
„Spinne. Da. Gerade eben. An der Wand. Mach sie weg!“ keuchte sie abgehackt.
Mit einem spöttischen Lächeln ging der Tränkemeister daraufhin auf die Stelle zu, die die zitternde Frau ihm zeigte und tatsächlich: Einen halben Meter darunter zwischen Bett und Wand saß ein außerordentlich prächtiges Exemplar einer Hauswinkelspinne. Interessiert betrachtete der Slytherin dieses. Das Tier hatte einen dicken fleischigen Körper und muskulöse behaarte Beine, die in einem eigentümlichen Winkel vom Körper abstanden.
„Oh Severus, mach dieses Monster weg! Egal wie.“ rief ihm eine vor Angst bebende Hexe aus der anderen Ecke des Raumes zu. „Aber nicht tot machen! Ich hasse dieses ekelhafte Geräusch, wenn man...“
Grinsend beförderte der Angesprochene die dicke schwarze Spinne schließlich in ein Glas und warf sie aus dem Fenster. Amber beobachtete alles mit vor Schreck geweiteten Augen.
„Hier kann ich keine Minute mehr schlafen.“ durchbrach sie endlich die Stille.
Severus ahnte bereits, was jetzt kommen würde und beschleunigte Amber´s Entscheidung noch durch einige wohldosierte Kommentare, damit die Hexe es sich nicht anders überlegte: „Wusstest du, dass Hauswinkelspinnen bis zu drei Meter in der Sekunde zurücklegen können?“
„Nein.“ antwortete die Hexe gepresst. „Ich übernachte bei dir oder bei Albus im Büro oder bei Filch in der Rumpelkammer...“
„Es gibt sogar Spinnen, die in Rudeln jagen, um damit größere Beutetiere zu erlegen.“
„...oder...“ und dabei sah man deutlich Ambers Abneigung in ihrem Gesicht „ich ziehe in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors.“
Der Tränkemeister musste innerlich lachen. Gleichzeitig war er aber auch zum Zerreißen gespannt, als er die Hexe mit regungsloser Miene fragte: „Und für welche Option entscheidest du dich?“
„Für die erste?“ wollte Amber wissen, während sich ein leichtes Rot auf ihre Wangen stahl. „Also, wenn das für dich in Ordnung ist...“
Severus nickte nur stumm, während in seinem Inneren ein Feuerwerk explodierte. Zusammen gingen sie aus den Gemächern.
***
In den Kerkern angekommen glitt Ambers prüfender Blick zuerst über die Wände und die Decke, doch der Slytherin beruhigte sie: „Alles, was du hier an ekligen Dingen findest, schwimmt in Einmachgläsern. Mit Ausnahme von mir.“ fügte er säuerlich hinzu.
Für den letzten Satz fing er sich einen erbosten Blick Ambers ein, der ihn reichlich amüsierte. Nur Sekunden später stand sie dicht vor ihm und nahm sein Gesicht in ihre Hände: „Sag nicht immer solche Sachen, Severus. Du weißt, dass das nicht stimmt.“ hauchte sie auf seine glatte Haut, bevor sie ihn zärtlich küsste.
Für alle, die nicht wissen, wie das kleine Tierchen aussieht: http://spinnen-forum.de/artikel/usergal/roland_egger/hauswinkelspinne2.jpg
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