
von Hoppenstedt
Die nächsten Tagen waren der reinste Stress. Severus und Amber übten noch länger und noch härter, damit der Tränkemeister zu hundert Prozent die zauberstablose Magie beherrschte. Hinzu kam, dass der Slytherin nun auch noch ein Animagus werden sollte.
"Hallo?" fragte Amber schüchtern in die Kerker hinein.
"Hier hinten!" rief Severus zurück.
Er hatte sich gerade in einem riesigen Bücher- und Pergamentstapel vergraben. Jede Bewegung würde das diffizile Bauwerk zum Einsturz bringen. Mit einem Lächeln auf den Lippen wartete er die Ankunft der Hexe ab. Er ahnte bereits, was sie wollte. Und er hatte sich vorbereitet.
"Severus, ich dachte, wir könnten heute mit der Verwandlung in ein Tier beginnen."
"Nein." war die einsilbige Antwort.
"Aber umso früher umso besser! Du brauchst Übung und Erfahrung im Animagusdasein!" konterte die Hexe.
"Völlig richtig. Ich stimme dir in allen Punkten zu."
"Wo liegt dann das Problem?"
"Wir werden heute nicht mit der Verwandlung beginnen. Weil ich es allein erlernen möchte. Und-" fügte er hinzu, weil Amber schon zu einem Widerwort ansetzen wollte "-ich habe bereits mit Nachforschungen diesbezüglich begonnen."
"Warum darf ich nicht dabei sein?" Die Enttäuschung in Ambers Stimme war deutlich zu hören. "Vertraust du mir nicht?"
"Das hat damit nichts zu tun. Ich möchte es ganz allein versuchen. Außerdem wolltest du noch nach London und einige Besorgungen erledigen. Geheime Besorgungen, wenn ich mich richtig erinnere. Dafür hast du jetzt Zeit."
Mit hängenden Schultern verließ die Hexe daraufhin die Räumlichkeiten des dunklen Mannes. Sie wollte gerade die Tür hinter sich schließen, als Severus ihr noch hinterher rief: "Du wirst erst morgen wieder hier sein. Wir treffen uns um drei Uhr genau hier. Und keine Sekunde früher. Ich werde dir in neuer Gestalt gegenübertreten."
"Wie Sie wünschen, mein Herr." fauchte Amber beleidigt und knallte die Tür ins Schloss.
Dann würde sie eben jetzt nach London reisen und in der Winkelgasse ihre Einkäufe machen! Sollte er doch sehen, wie er die schwierige Verwandlung alleine schaffen würde. Reichlich wütend packte die Hexe ihre Sachen.
Tief in ihrem Herzen konnte sie Severus allerdings verstehen. Er wollte es sich eben beweisen. Etwas einfühlsamer und taktvoller hätte er dennoch sein können! Typisch Mann!!! Andererseits... hätte sie ihn anders nicht gewollt. Sie mochte schwierige Männer. Regulus war kein solcher gewesen. Seine Nachfolger ebenfalls nicht. Nie hatte eine ihrer Beziehungen funktioniert. Das ließ auf die Zukunft hoffen.
***
Wie vereinbahrt erschien Amber erst am nächsten Tag um die angegebene Zeit in den Gemächern tief unten im Schloss. Aber es war niemand da. Dabei hatte sich die Hexe bereits auf eine besondere, imposante Animagusgestalt eingestellt.
Langsam betrat sie die Räume. Wie sie Severus kannte, saß er versteckt in irgendeiner Ecke und wartete nur darauf, unvermittelt zu erscheinen und sie zu Tode zu erschrecken. Doch das war nicht der Fall. Erst als sie an den gestrigen Bücherstapel herangetreten war, erblickte sie ihn. Und: schrie auf.
Vor ihr saß eine riesige schwarze Witwe. Entsetzt fasste sich Amber an die Brust. Sie war wie versteinert und starrte in die Beißwerkzeuge der Riesenspinne. Der dicke Körper mit den roten charakteristischen Flecken pumpte währenddessen unablässig.
Amber war kurz davor in Ohnmacht zu fallen. Dann ertönte jedoch ein leises, tiefes Lachen. Nur Sekunden später spürte die Hexe zwei starke Arme, die sie zu sich zogen. Gleichzeitig verschwand das Spinnentier.
"Gefällt sie dir? Ich bin durch Zufall auf den Zauberspruch gestoßen, der ein solch faszinierendes Wesen erschaffen kann." raunte Severus Amber ins Ohr, die schneeweiß im Gesicht war und leicht schwankte.
Besorgt hob er sie schließlich auf und trug sie zum Sofa. Vorsichtig ließ er sie darauf nieder und setzte sich dann zu ihr. "Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht so erschrecken. Aber jetzt brauchst du keine Angst mehr zu haben. Sie ist weg." Ein Grinsen blitzte darauf in seinem Gesicht auf: "Ich habe sie in dein Schlafzimmer verbannt."
Amber warf ihm einen fassungslosen Blick zu.
"Du wirst also hier bleiben müssen." lächelte er und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
Die Hexe zog ihn zu sich und umarmte ihn. Die Überraschung war ihm auf jeden Fall gelungen. Hatte sie wirklich noch gestern geglaubt, dass ein schwieriger Mann der Bessere wäre?!?
Nach einer ganzen Weile hatte sie sich soweit beruhigt, dass sie wieder sprechen konnte. "Was für ein Animagus bist du jetzt, Severus?"
"Willst du es sehen?" fragte dieser gespannt.
"Du hast es also geschafft?" Ambers Augen leuchteten bei diesen Worten und erfüllten den Tränkemeister mit Stolz.
"Ja. Also? Soll ich es zeigen?" Er war aufgeregt wie ein kleiner Schuljunge.
"Wenn es keine Spinne ist." Ein schwaches Lächeln der Hexe begleitete ihre Aussage.
"Es ist kein Spinnentier. Aber es wird dir trotzdem nicht gefallen, mein kleines Mäuschen..."
Amber erwartete Schlimmes. Was konnte jetzt noch kommen? Ein Skorpion? Ein Hundertfüßler? Eine Schlange? In ihrem Kopf malte sie sich die grauenhaftesten Geschöpfe aus.
Severus sah sie mit einer Mischung aus Skepsis und Zweifel an. Was würde die Frau vor ihm von seinem Animagus halten?
Dann verwandelte er sich das erste Mal vor Ambers Augen in seine neue Gestalt. Die Hexe staunte nicht schlecht, als sie auf das Tier zu ihren Füßen sah, welches nun mit einem anmutigen Sprung auf ihrem Schoß Platz nahm. Fasziniert streichelte Amber über das schwarze, seidene Fell, was den eleganten Kater veranlasste wohlig zu schnurren. Die funkelnden Raubtieraugen blickten dabei gespannt zu ihr empor.
"Du bist aber ein hübsches, kleines Katerchen.", wisperte Amber "Dich würde ich glatt in meinem Bett schlafen lassen. Aber nur, wenn du mir versprichst, keine Mäuse mit nach Hause zu bringen. Ich-", und dabei zeigte sie entschlossen auf sich "bin die einzige Maus in deinem Leben."
Der Kater schien verstanden zu haben und sprang vom Sofa, um sich nur Sekunden später in sein ursprüngliches Ich zurück zu verwandeln.
"Ich hatte gehofft, dass du ihn magst. Immerhin spiegeln unsere Animagi-Gestalten unsere Beziehung perfekt wieder." grinste Severus überlegen.
"Was soll denn das heißen?" mokierte sich Amber, die Hände in die Hüfte gestemmt.
Doch nur Sekunden später überbrückte Severus die kurze Distanz zwischen beiden Zauberern mit einer raubtierhaften Schnelligkeit und stützte seine Arme rechts und links von Ambers Körper ab. Sein Gesicht war nur eine Handbreit von ihrem entfernt, als er spöttisch antwortete: "Du bist das kleine, schwache, ängstliche Mäuschen und ich bin die Raubkatze, die mit dir spielt und die dich früher oder später auffressen wird!"
Amber jagte bei diesen Worten ein Schauer über den Rücken. Vielleicht mochte sie böse Männer doch. Zumindest fand sie die Situation gerade sehr erotisch. Langsam strich sie deshalb durch das Haar des Mannes vor ihr und gab ihm dann einen verlangenden Kuss, den er bereitwillig erwiderte.
Ich hoffe ja nur, dass sich das Katerchen nicht mit dem Hundchen am Grimmauldplatz Nummer 12 in die Haare kriegt... Und ja, der Titel des Kapitels war eine Finte. :D *hämisch grins*
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