
von Hoppenstedt
"Jetzt habe ich aber auch noch eine kleine Überraschung für dich!" flötete Amber nach dem Kuss vergnügt und zog den Tränkemeister neben sich auf die Couch.
"Ich hasse Überraschungen!" knurrte dieser böse und machte dabei ein miesepetriges Gesicht.
Die Hexe sah ihn betont beschwichtigend an: "Diese wird dir gefallen! Es ist nur ein Teil meiner Einkäufe, aber-"
"-es waren solche Massen, dass du sie unmöglich in die Kerker bringen konntest?" fragte der Tränkemeister spöttisch und fing sich damit einen wütenden Blick der Hexe ein, den er jedoch nur kühl erwiderte.
"Wenn du dein Selbstwertgefühl dadurch stärken möchtest, dass du Vorurteile gegenüber Frauen äußerst, kannst du das gerne tun. Aber ich werde darauf nicht eingehen." zickte ihn die Frau auf dem Sofa reichlich genervt an und holte nun ihre umfangreichen Einkäufe aus einer winzigen Tasche.
Severus war für einen kurzen Moment verblüfft. Weibliche Wesen wendeten also Vergrößerungszauber auf das Innenleben ihrer Taschen an. Und da wunderte sich Amber allen Ernstes, dass er hämische Kommentare über die Kaufsucht von Frauen machte?
Doch weiter kam er mit seinen Gedanken nicht. Die Slytherin hielt ihm eine blaue Hose und ein rotes T-Shirt vor die Nase. Eindeutig Männersachen, stellte der Tränkemeister fest. Muggelmännersachen. Grauenhaft. Sein Gesichtsausdruck verdüsterte sich - wenn das überhaupt möglich war - noch weiter.
"Was willst du mir damit sagen? Dass wir auf einen Kostümball gehen und uns dort zum Vollidioten machen?" fragte Severus skeptisch. Immerhin konnte Amber nicht wirklich wollen, dass er das Zeug-
"Du wirst es anziehen! Wir müssen morgen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und eben auch darauf, dass wir uns in Muggelgegenden herumdrücken müssen."
"Ich werde das Zeug nicht anfassen." sagte Severus nur verächtlich und stand auf, um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen.
"Warum nicht? Willst du mit langer schwarzer Robe und Gehrock mitten durch London laufen?" Amber musste zugeben, dass sie mit Gegenwehr gerechnet hatte. Nichtsdestotrotz fand sie seine Einstellung lachhaft und kindisch.
Der Tränkemeister hatte jedoch ein ganz anderes Problem mit der Kleidung: "Ich werde nicht wie ein Muggel herumlaufen!" war sein letztes Wort in dieser Angelegenheit.
Zumindest sollte es das sein. Keiner seiner Schüler hätte bei seinem mörderischen Blick auch nur gewagt, den Mund aufzumachen. Ganz im Gegenteil dazu Amber.
"Früher trugst du auch Jeans und T-Shirt und es hat dich nicht gestört." warf die Hexe voller Überzeugung hoffnungsvoll ein.
"Früher trug ich es, weil ich es tragen musste. Weil ich in einer Muggelgegend gelebt habe und weil meine Eltern kein Geld hatten. Heute... Egal!" fauchte Severus böse und kam seinem Katerimage damit ziemlich nahe.
Er hatte sich in Rage geredet. Dabei war sein Problem ein ganz Offensichtliches, bildete er sich ein. Zumindest für ihn war es das. Mit den Klamotten, die Amber ihm hinhielt, würde er unter Umständen dem Bild seines Vaters mehr als nur nahe kommen. Und das wollte er nicht. Niemals so aussehen wie dieser. Das war auch einer der Hauptgründe, warum der Tränkemeister Wert auf bodenlange Umhände und Gehröcke legte. Sein Erzeuger hätte derartiges niemals angerührt.
"Willst du dich nicht mehr an deine Kindheit erinnern.", vervollständigte Amber den angefangenen Satz ihres Gegenüber "Ist es das?"
"Ich will mich vor allem nicht an meinen Vater erinnern. Das Thema ist hiermit beendet." steif schritt der Tränkemeister dabei durch seine Räumlichkeiten und erinnerte Amber entfernt an eine überdimensionale Fledermaus.
"Und wenn ich dir was anderes aussuche? Etwas Eleganteres?"
"Wenn dein Klamottengeschmack in etwa so ist, wie dein Männergeschmack, kann dabei nichts Vernünftiges herauskommen." Die Bosheit in seiner Stimme war kaum zu überhören. Dabei war es lediglich seine üblich Art, sich selbst als minderwertig hinzustellen. In den letzten Jahren hatte diese Taktik hervorragend funktioniert. Sie war eine gute Ausrede dafür, nicht glücklich und zufrieden sein zu können beziehungsweise zu dürfen.
"Gut. Ich werde es trotzdem versuchen." antwortete Amber betont ruhig und atmete ein paar Mal tief durch. Sie hatte nicht die geringste Lust auf Streit mit dem Mann vor ihr. Deshalb drehte sie sich um und schritt zügig zur Tür.
"Wo gehst du hin?" wollte Severus überrascht wissen.
"Dahin, wo ich meine Ruhe habe. Du kannst dich in der Zwischenzeit in deinem Selbstmitleid suhlen!" schrie sie ihn beinahe an und schloss mit einem Knall die Tür. Das war wohl nichts mit ruhig bleiben, dachte sie bei sich. Aber es hatte gut getan. Sie konnte und durfte sich eben nicht alles gefallen lassen. Und schon gar nicht Severus´ Launen.
Diesen hatte sie nun allein in seinem Zimmer zurückgelassen. Wütend auf sich selbst mussten einige Einmachgläser mit schwimmenden Kreaturen im Verlaufe des Nachmittags an den kalten Kerkerwänden zerschellen.
Morgen werden die beiden dann auf große geheime Suche gehen. Also falls sie sich bis dahin vertragen haben. Ihr dürft gespannt sein.
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