
von Hoppenstedt
Nachdem der Meister der Zaubertränke seine ausführliche Rede beendet hatte, herrschte bedrücktes Schweigen in der kleinen Küche. Alle mussten die neuen Informationen erst einmal verarbeiten. Und Dumbledore ließ dazu Zeit.
"Welche Möglichkeiten haben wir jetzt konkret, Albus?" fragte schließlich Kingsley in die Stille.
Alle Augen - auch die Ambers und Severus´ - blickten gebannt auf den Schulleiter, als dieser zu sprechen anhob.
"Nun, über die Tatsache, dass wir mit besonderer Vorsicht und Sorgfalt vorgehen müssen, sind wir uns sicher alle einig. Dass dafür nur Severus und Amber in Frage kommen, dürfte ebenso klar sein." Ein prüfender Blick aus blauen Augen jagte dabei über den Tisch. Aber alle schienen ausnahmslos zu zustimmen. "Gut. Dann hätten wir das geklärt. Ihr beide-" und dabei sah er auf seine beiden Spione "werdet die Sache im Auge behalten und mir sämtliche Neuigkeiten unverzüglich mitteilen."
"Und wenn wir den Bogen finden, was dann?" warf Severus schneidend ein.
Dumbledore atmete tief durch. "Ihr werdet ihn zerstören müssen. Koste es, was es wolle."
Damit war das Thema beendet und man wandte sich betroffen anderen wichtigen Themen wie Voldemorts aktuellen Plänen und Aktionen zu. Während die Gespräche andauerten, verfinsterte sich das Gesicht des Tränkemeisters stetig. Er versuchte es zu ignorieren, aber es gelang ihm nicht. Sirius Black - dieser dreckige Köter - saß Amber gegenüber und zwinkerte, grinste und flirtete ständig mit der Hexe.
Da Severus direkt neben ihr saß und sie sich in ihrem Stuhl zurückgelehnt hatte, konnte er nicht sehen, ob sie auf die blöde Anmache dieses noch blöderen Typen einging. Aber wenn sie es nicht tun würde, hätte dieser Idiot doch wohl längst aufgehört! Oder hatte sie ihm bereits Avancen gemacht? Immerhin hatte sie monatelang in diesem Haus gelebt!!!
Als die Versammlung endlich aufgehoben wurde, stand Severus kommentarlos auf, während Amber noch blieb. Wahrscheinlich unterhielt sie sich nun noch angeregt mit diesem Affen von einem Gryffindor! Wütend wie schon lange nicht mehr - Eifersucht tobte - lief der Tränkemeister die Treppen im Haus empor und rauschte, nachdem er die Tür geknallt hatte, wütend in den gemeinsamen Schlafraum von ihm und Amber. Am liebsten hätte er sich jetzt gleich wieder umgedreht und seine zauberstablose Magie an diesem dreckigen, stinkenden...
Was er nicht bemerkt hatte, war, dass ihm jemand unauffällig gefolgt war. Dieser klopfte nun bestimmt an die eben geschlossene Tür, unterbrach entstehende Rachegedanken und trat ohne ein "Herein!" abzuwarten, ein.
Severus, der wie ein Tiger im Käfig - oder wie ein kleiner schwarzer Kater vor Mrs. Norris - im Zimmer auf und ab gelaufen war, sah überrascht auf: Remus Lupin lächelte ihn an und setzte sich dann unaufgefordert auf einen der im Raum befindlichen Stühle.
Bevor der Slytherin den Eindringling mit einem giftigen Spruch begrüßen konnte, hatte Remus aber bereits angefangen zu sprechen:
"Ich muss dir, glaube ich, nicht sagen, wie froh ich bin, dich lebend und gesund wieder zu sehen?"
"Da glaubst du richtig. Wenn du mich nun also allein lassen würdest..."
"Severus, bitte!" sagte der Gryffindor unnatürlich streng. "Ich glaube des Weiteren sehr genau zu wissen, warum du gerade so wütend bist."
"Hast du neuerdings eine Glaskugel vor dem Bauch oder einen Kurs bei Trelawney belegt?" fauchte der dunkle Mann böse. Warum konnten die Menschen ihn eigentlich nie in Ruhe lassen? Und wieso dachten eigentlich immer alle, sie wüssten, was sein Problem wäre? Als könnte man in seinem Gesicht-
"Ich kann es förmlich an deinem Gesicht ablesen.“ vervollständigte Remus den Gedanken des Tränkemeisters trocken. Severus konnte nicht umhin, kurz in seinem Auf und Abrennen inne zu halten und dem Mann vor ihm einen überraschten Blick zu zuwerfen. „Du bist verliebt. Und offensichtlich nicht nur das. Denn du bist auch eifersüchtig.“
Ein missmutiges Knurren war die Antwort: „Was weißt du schon?“
„Ich brauche nichts zu wissen, ich brauche es nur zu sehen. Außerdem hat Albus mir erzählt, dass ihr ein Paar seid. Und bevor du jetzt gleich wieder auf hundertundachtzig bist-“ warf Remus ein, als er seinen Gegenüber regelrecht Funken aus den Augen sprühen sah „Er hat es nur mir erzählt, weil ich mir große Sorgen um deinen Gesundheitszustand gemacht habe, nachdem ich dir nicht helfen konnte. Aber gerade weil ich damals nichts tun konnte, will ich es jetzt wieder gut machen... Was denkst du, tut Amber gerade unten in der Küche?“
Severus schnaubte nur widerwillig. Unter gar keinen Umständen würde er Remus etwas von seinen Gedanken und Gefühlen offenbaren.
„Sie unterhält sich mit Tonks. Sehr angeregt im Übrigen. Und sie hat Sirius ein Glas Kürbissaft über den Kopf gekippt, weil er es immer noch nicht begriffen hat...“ Remus konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er den fassungslosen Gesichtsausdruck des Spions sah.
„Was hat er immer noch nicht begriffen?“ fragte Severus scharf.
„Dass Amber nichts von ihm will. Offensichtlich hat sie nur Augen für dich.“ Damit legte er seine Hand beschwichtigend auf die Schulter des anderen und zwang ihn, sich ebenfalls zu setzen. „Wie kommst du auf die Idee, dass sie etwas von Sirius wollen könnte?“
Für einen Moment rang Severus mit sich selbst. Eigentlich wollte er Remus nichts erzählen... aber es lag ihm förmlich auf der Zunge und er wollte sein Verhalten auch irgendwie rechtfertigen.
„Vielleicht, weil er ihr etwas geben kann, was ich ihr nicht geben kann.“ Der Tränkemeister musste bei diesem Satz schlucken, war es doch genau das, worüber er sich seit Monaten den Kopf zerbrach.
Remus runzelte die Stirn. „Versteh ich nicht. Was genau meinst du?“ fragte er offen und ohne jegliches Taktgefühl. Aber das störte seinen Gegenüber wenig. Umsicht und Feinfühligkeit waren in seinem Wortschatz ebenfalls nicht oder nur gering vorhanden.
"Wie soll ich dir das jetzt erklären?"
"Einfach rundheraus. Ich weiß, dass Frauen manchmal echt schwierig sind. Sie putzen ständig, färben sich ihre Haare in den seltsamsten Farben, stellen immer wieder die gleichen nervigen Fragen,..."
"Das ist es nicht."
"...gehen einkaufen und geben das ganze Geld aus, räumen und schmeißen alles weg, regen sich auf, wenn man-"
„Wir schlafen nicht miteinander.“ unterbrach Severus den Redeschwall seines Gegenübers.
„Was? Wie? Habt ihr noch nie? Will sie nicht? Oder wie?“ stammelte Remus etwas überfordert vor sich hin.
„Es hat nichts mit Wollen zu tun. Und es ist auch nicht Ambers Schuld. Ich bin derjenige, der panische Angst davor hat. Ich kann einfach nicht.“
„Dann solltest du etwas daran ändern. Im Prinzip ist es ja nur: Zauberstab rein und ra-“
„Lass mich bitte mit solch dämlich-männlichen Weisheiten zufrieden!“ fauchte der Tränkemeister wütend. Auf den Arm nehmen konnte er sich selbst. Er brauchte eine Lösung für sein Problem, einen guten Rat, irgendetwas.
„Äh ja. Das ist schwierig. Ich kann dir nur sagen, dass Sex eine gute Sache ist.“
„Sagst du.“
„Es ist die Wahrheit. Aber es ist eben nur unter einer Bedingung schön: Du musst deinen Partner lieben und dein Partner muss dich lieben. Wenn das auf euch beide zutrifft, dann brauchst du keine Angst zu haben.“ erklärte Remus plötzlich sensibel.
Bevor Severus jedoch nicken oder irgendetwas sagen oder sich ein paar Tipps geben lassen konnte, ging die Tür vorsichtig auf und Amber trat ein. „Huch? Störe ich euch?“ fragte sie die beiden Männer überrascht.
„Nein.“ antworteten diese wie aus einem Mund und verrieten sich dadurch gegenseitig.
„Äh... ja... gut. Molly hat das Abendessen fertig und wir sollen alle in die Küche kommen, bevor ihr entweder etwas anbrennt oder kalt wird.“
„Geht in Ordnung!“ eilig stand Remus auf, sah Amber etwas unsicher an und trat dann schnell den Weg nach unten an.
„Was ist denn mit dem los?“ fragte die Hexe ihren Freund verblüfft.
„Nichts.“ antwortete dieser schlicht und gab ihr einen Kuss.
Severus hatte einen Entschluss gefasst.
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