
von Hoppenstedt
Reichlich genervt und missmutig lief ein kleiner schwarzer Kater lautlos über ein brachliegendes Feld. Gerade hatte er Voldemorts Hauptquartier verlassen und einige erschreckende Entdeckungen gemacht, von denen er nicht nur den drei Menschen berichten musste, die seit Wochen mit ihm kampierten, sondern auch schriftlich dem Schulleiter Albus Dumbledore.
Vor dem unsichtbaren Zelt angekommen, dass nur durch ein Passwort sichtbar wurde, hielt Severus an. „Käsefondue.“ dachte der Slytherin in Gedanken und musste innerlich wie immer grinsen, wenn er an die Findung dieses Passworts dachte. Remus, Tonks und auch er selbst waren für komplizierte Zauberformeln oder alte, längst vergessene Namen von Zauberern. Amber hingegen hatte fest auf „Käsefondue“ bestanden, nachdem sie auf dem Bett sitzend reichlich niedlich an einem Stück Käse knabberte. „Da kommt niemand drauf. Es ist so hübsch muggelig.“ mampfte sie.
„Mäusemäßig.“ hatte Severus ihr daraufhin ins Ohr geraunt. Doch er war bereits überzeugt. Auf dieses Passwort käme Voldemort wahrhaftig nicht einmal im Traum.
Nachdem er das Wort in seinen Gedanken geformt hatte – miauen funktionierte leider nicht – wurde das Zelt sichtbar und auch Remus, der direkt davor saß und Wache hielt. Dieser blickte erleichtert auf den Kater und ging mit ihm gemeinsam in den kleinen Unterschlupf. Dank Magie war es im Inneren wesentlich geräumiger. Dumbledore hatte nicht gerade für eine luxuriöse Ausstattung gesorgt, aber es reichte, um sich einigermaßen wohl zu fühlen. So gab es drei verschiedene, relativ kleine Räume. Ein Bad, das die Frauen am intensivsten nutzten, einen Aufenthaltsraum, in dem gegessen und beraten wurde und ein Schlafzimmer mit zwei Feldbetten.
Gerade letzteres war ein echtes Problem für Severus und Amber. Nachdem sie den zweiten Weihnachtsfeiertag ausschließlich im Bett verbracht und sich ihrer körperlichen Entdeckung und Vereinigung gewidmet hatten, mussten sie bereits einen Tag später die Koffer packen und mit Remus und Tonks in dieses Zelt nahe des Hauptquartiers Voldemorts ziehen. An Sex war hier nicht zu denken. Man hatte keine Minute für sich. Selbst ein Muffliato-Zauber hatte wenig Wirkung, da man direkt vom Aufenthaltsraum in das Schlafzimmer schauen konnte. Severus beschlich daraufhin der unwillige Zorn, Dumbledore hätte dies mit Absicht so eingerichtet.
Jetzt verwandelte er sich zurück und Amber fiel ihm augenblicklich um den Hals: „Alles in Ordnung?“ fragten ihre besorgten Augen und Severus nickte. Ernst blickte er dann in die Gesichter der drei Menschen vor ihm: „Er hat ihn gebaut. Der Torbogen ist fertig.“
„Nein!“ riefen die anderen wie aus einem Mund.
Amber, die immer noch neben dem Tränkemeister stand, schwankte und hielt sich die Hand vor den Mund, wusste sie doch, was dies bedeutete: Voldemort würde seine eigene Armee mit untoten Anhängern und Schwarzmagiern kreieren. Und die kleine Gruppe hier im Raum hatte von Dumbledore den Auftrag diese Gefolgsleute mitsamt dem Torbogen zu vernichten. Ein Himmelfahrtskommando. Amber war kreidebleich. Besorgt umfasste der Slytherin mit einem Arm ihre Taille und zwang sie, sich auf die Couch zu legen.
Er hasste es! Er hasste diese ganze verdammte Situation, die Amber früher oder später krank machen würde. Vielleicht sogar töten – raunte eine Stimme in seinem Hinterkopf, die er jedoch sofort verdrängte. Das würde er nicht zulassen!
„Dann wissen wir, was zu tun ist. Wir wechseln uns ab mit der Wache. Wenn wir uns sicher sein können, dass alle Todesser ausgeflogen sind, kehrt ihr-“ und damit blickte Remus auf Amber und Severus „ins Quartier zurück und versucht an Informationen zu gelangen, wie man diesen Bogen zerstören kann.“
Für diese Tätigkeit blieb ihnen auch nichts anderes übrig. Die beiden Zauberer waren die einzigen Animagi und damit auch die einzigen, die unbemerkt in Voldemorts Burg gelangen konnten.
Severus ergriff das Wort: „Dann werdet ihr beide währenddessen weitere Nachforschungen anstellen,“ Dumbledore hatte ihnen reichlich Bücher aus seinem privaten Fundus zur Verfügung gestellt „wie wir diese Untoten beseitigen können.“
Wenn der Bogen erst zerstört wurde, nachdem der dunkle Lord bereits Menschen aus dem Totenreich zurückgeholt hatte, mussten die vier Zauberer womöglich getrennt durch England reisen und einen nach dem anderen liquidieren.
„In Ordnung. Remus und ich werden weiter Wache halten.“ und bevor Severus noch etwas einwenden konnte, fuhr Tonks entschieden fort „Ihr müsst euch ausruhen. Es kann jeden Moment losgehen. Dann braucht ihr eure ganze Kraft und Konzentration.“ Damit gingen die beiden Zauberer taktvoll hinaus und ließen das Paar allein.
„Ich habe Angst.“ flüsterte Amber erstickt.
Severus beugte sich zu ihr hinunter und sprach genauso leise: „Ich verstehe... Aber ich bin bei dir. Ich passe auf dich auf.“ Zärtlich küsste er sie und beide legten soviel Liebe und Zuversicht in den Kuss, wie nur möglich. Eine halbe Stunde später, in der der Tränkemeister versucht hatte, Ambers Nerven zu beruhigen und seine eigenen ebenfalls, tauchte Lupin wieder im Eingang zum Zelt auf.
„Sie sind weg.“ rief er nur und war schon wieder verschwunden.
Eilig stand das Pärchen auf und machte sich auf den gefährlichen Weg. Severus als Kater. Amber auf seinem Rücken als Maus. Wie bereits gewohnt lief das schwarze Tier durch die düsteren, morbiden Gänge der Burg und beide landeten schließlich in dem mit Büchern gefüllten Raum, aus dem sie damals durch einen Sprung aus dem Fenster hatten fliehen müssen. Dort angekommen, verwandelten sich die Zauberer augenblicklich in ihre ursprüngliche Gestalt und stellten das Zimmer auf den Kopf. Mit zauberstabloser Magie würden sie das angerichtete Chaos später wieder beheben.
Severus und Amber schlugen nach und nach die verschiedensten Bücher auf, aber es verging Stunde um Stunde ohne Ergebnis. Als die Hexe schließlich „Ich hab´s!“ rief, hatte bereits keiner der beiden mehr mit einem Erfolg gerechnet. Der Slytherin stand sofort auf und beugte sich von hinten über seine Freundin, um mitzulesen. Und tatsächlich: Neben einer Anleitung zur Erbauung des Tors, fand sich auch ein winziger Absatz zu dessen Zerstörung. Jeden einzelnen Satz genau und wortwörtlich im Kopf verließen die Zauberer schließlich den gefährlichen Ort auf demselben Weg, den sie gekommen waren, um Bericht abzulegen und über das weitere Vorgehen zu beraten.
***
„Der Zauber ist auf jeden Fall machbar.“ erklärte Amber erleichtert den beiden anderen, die Wache gehalten und sich nebenbei über Untote belesen hatten.
„Das ist die erste gute Nachricht seit langem.“ atmete Tonks erleichtert auf. Ihr Haar färbte sich augenblicklich von mattgrau zu bonbonrosa.
„Ihr meint also, dass ihr den Bogen zerstören könnt?“ hakte Remus nach, den die neue Haarfarbe seiner Freundin belustigte.
Severus nickte. „Wie viele Kreaturen Voldemort erschaffen hat und bis zur Zerstörung noch erschaffen wird, wissen wir jedoch nicht.“ warf er ein und vernichtete damit einen Großteil der guten Laune.
„Du immer mit deinem Pessimismus.“ neckte Amber ihn zärtlich und fuhr ihm durchs Haar. „Lasst uns etwas essen und unseren ersten Erfolg feiern.“ lächelte sie etwas müde in die Runde.
Beide Frauen deckten daraufhin den Tisch, während die Männer sich einen Spaß daraus machten, Dinge aus der Küche ins Wohnzimmer schweben zu lassen. Beinahe wäre Amber dabei mit einem Schinken kollidiert, den ihr Liebster in Kopfhöhe durchs Wohnzimmer trudeln ließ.
"Severus! Wenn du nicht artig bist, sitzt du gleich mit einer Büchse Kitekat in der Ecke!"
"Also wenn überhaupt, steht mir Sheba zu. Gegarte Filets mit Lachs in Soße wären akzeptabel!" feixte er und war in so guter Stimmung, wie schon lange nicht mehr.
Amber gab ihm einen Kuss und setzte sich lächelnd zu ihm. Einmal mehr wurde ihr bewusst, warum sie ihn liebte. Wenn er lachte, dann immer einnehmend. Dabei bekam sein Gesicht einen so sanften und offenen Ausdruck, dass die Hexe gar nicht anders konnte, als ihn zu küssen.
„Wir müssen Dumbi noch schreiben! Das dürfen wir nicht vergessen.“ meldete sich Tonks zu Wort, nachdem alles vorbereitet war.
„Wem?“ fragte Severus völlig perplex und in der Hoffnung, er hätte sich gerade verhört.
„Dumbi-Bumbi. Albusschnucki. Du weißt schon.“
„Das ist die erste Vorstufe des Wahnsinns.“ spottete Severus böse, während er sich geschäftig reichlich Kartoffelsalat auf seinen Teller häufte und auch noch Brot und Würstchen dazu nahm.
Amber sah dies gern. Er aß sonst viel zu wenig. Noch heute konnte man die ihm zugefügte Folter erahnen, wenn er einmal nicht in seinen imposanten Roben steckte, sondern wie heute nur Hose und Hemd trug. Er war schrecklich dünn. Besonders an Weihnachten, als die Hexe ihn nackt gesehen und vor allem gefühlt hatte, war ihr dieser Umstand schmerzlich bewusst geworden.
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