
von Hoppenstedt
"Ihr denkt wohl auch, dass ich blöd bin?" schrie Malfoy völlig außer sich. "Als ob ich nicht erkennen würde, dass das da-" und damit fuchtelte er mit seinem Zauberstab in Richtung Tonks, die immer noch aussah wie Gregory Goyle "nicht mein Freund ist, sondern irgend so ein idiotischer Todesser!"
"Wir sind keine Todesser!" stellte Amber ruhig fest. In ihrem Kopf rasten die Gedanken. Irgendwie musste sie diesen verrückten Jungen entwaffnen und sein Gedächtnis manipulieren, sonst war alles verloren.
Draco ließ sich jedoch nicht beirren: "Natürlich seid ihr das! Dich kenne ich! Du warst schon ganz am Anfang eine von denen! Das hat mir mein Vater gesagt und ich hab ein Bild von dir gesehen!"
"Draco, bitte, beruhige dich." versuchte es nun Lupin und trat aus dem Zelteingang.
Zeitgleich verwandelte sich Tonks in ihre ursprüngliche Gestalt. Völlig verwirrt blickte sich der Slytherin um. In seinen Augen stand eine Mischung aus Panik, Angst und Wahnsinn. Diesen Augenblick nutzte Amber und mit einer einfachen Handbewegung schleuderte sie auf den jungen Mann einen Entwaffnungszauber. Geschickt fing sie dessen Zauberstab auf.
Remus ging auf Malfoy zu und hob beschwichtigend die Arme: "Wir sind nicht auf der dunklen Seite, Draco. Wir wollen auch deiner Familie nichts tun und möchten sie nicht ausspionieren oder etwas in der Art..."
"Was sucht ihr dann in unserem Haus?!?"
"Den Torbogen!" antwortete Remus ruhig. "Du weißt, wovon ich rede?"
Doch Draco sah ihn nur feindselig an. Offenbar prallte jedes Wort an ihm ab.
"Und was ist mit der da?" wollte er weiter wissen und blickte Amber abwertend an. "Sie trägt das dunkle Mal!"
"Das trägt auch Professor Snape und trotzdem ist er auf unserer Seite." erklärte der Werwolf.
"Professor Snape ist tot. Lassen Sie ihn da raus!" giftete Draco.
"Das ist er nicht.“ kam es beschwichtigend von Remus und als er sah, dass sein Gegenüber ihm kein Wort glaubte, fuhr er fort: „Willst du ihn sehen?"
Fassungslos starrte Malfoy daraufhin die drei Zauberer vor sich an. Waren sie alle verrückt geworden? War er verrückt geworden? Seit Monaten musste er sich die Geschichten und Taten der Todesser im Haus seines Vaters anhören, die den Zaubertränkemeister zu Tode gefoltert hatten. Dennoch ging er jetzt einen Schritt auf Lupin zu. Denn wenn er jemandem in dieser Runde einen Funken Verstand zu billigte, dann ihm.
Amber machte eine jähe Bewegung, so als wollte sie den Slytherin am Eintritt ins Zelt hindern, blieb dann jedoch ruhig und ging lediglich hinter Draco her. Remus durchschritt die kleine Behausung und brachte seinen ehemaligen Schüler wortlos in das Schlafzimmer.
Für einen kurzen Moment schien es dem Slytherin die Sprache verschlagen zu haben, als er seinen ehemaligen Lehrer und Mentor wie tot auf dem Bett liegen sah. Sein Gesicht war immer noch schneeweiß und man konnte nicht erkennen, ob er überhaupt noch atmete. Schnell drückte sich Amber deshalb an Draco vorbei und setzte sich zu dem Bewusstlosen. Sie fühlte seinen Puls und strich ihm dann einige Strähnen seines schwarzen Haares aus dem Gesicht. Sie hatte dabei völlig vergessen, dass um sie herum noch andere Menschen standen.
Draco schien die Szene, die sich gerade vor seinen Augen abspielte, richtig zu begreifen und zu bewerten. Er nickte kurz zu Lupin und ging dann mit diesem zurück in das Wohnzimmer, wo er sich unaufgefordert auf das Sofa fallen ließ.
"Er rekrutiert neue Anhänger." durchbrach Draco die bedrückte Stimmung.
Remus setzte sich neben ihn und hörte ihm aufmerksam zu.
"Es sind Leute, die schon längst tot sind. Sie kommen aus diesem Bogen. Dad hat ihn mir gezeigt."
"Wie viele hat er schon geholt?" fragte Tonks atemlos.
Draco warf ihr einen skeptischen Blick zu, als müsste er prüfen, ob sie einer Antwort würdig sei, sagte dann aber kaum hörbar: "Über hundert."
"Dein Vater verwahrt für Voldemort die Schlüssel zu diesem Raum." stellte Amber fest, die ebenfalls in das Wohnzimmer getreten war. Ihr Gesicht war kühl und berechnend auf den Jungen vor ihr gerichtet.
"Ja, das tut er. Aber nicht richtig. Er ist nicht mehr Herr seiner Sinne. Er will mit der ganzen Familie fliehen und sich verstecken. Das ist seine einzige Sorge. Für mich-" und damit legte der Slytherin eine Kunstpause ein "ist es ein Leichtes an den Schlüssel zu kommen und ihn euch zu geben."
"Würdest du das tun?" fragte Remus überrascht, doch Amber unterbrach ihn unwirsch: "So ein Unsinn! Als würden wir unser Vertrauen in deine Hände legen. Du bist doch einer von denen! Deine ganze Familie besteht aus Todessern!"
"Du warst auch mal eine von denen... und Severus auch." warf Tonks leise ein und Amber verstummte schlagartig. Damit niemand ihre Tränen sah, ging sie hastig zurück ins Schlafzimmer, wo sie sich am Bett ihres Freundes niederkauerte. Im Moment war das alles zu viel für die verzweifelte Hexe.
"Du würdest uns also wirklich helfen?" setzte Remus das Gespräch fort, als wäre nichts geschehen. "Warum?"
"Der dunkle Lord wird meine Familie früher oder später umbringen. Mein Vater hat bereits mehr als einmal versagt und wir sind tief in seiner Gunst gesunken. Ich will mich nicht mein ganzes Leben verstecken müssen. Ich will, dass das alles aufhört... Nur eins müsst ihr mir versprechen: Ihr dürft niemals jemandem sagen, dass ich euch geholfen habe."
"Aber Draco, wir sollen deine beste Seite verschweigen?"
"Versprecht es."
***
Remus, Tonks und Amber harrten seit dem Gespräch mit Draco Malfoy schon drei Tage im Zelt aus. Er hatte versprochen, sich zu informieren und seine Eltern sowie andere Todesser - allen voran seine Tante Bellatrice Lestrange - bezüglich des Tors auszufragen. In Etappen schickte er ihnen Briefe mit den neuesten Erkenntnissen.
Zuerst waren diese recht dürftig und Amber war mehrere Male nah daran, völlig auszurasten, ob der mangelnden Informationen. Dazu kam, dass es Severus immer noch sehr schlecht ging. Er musste mit Hilfe von Magie ernährt werden und zeigte bisher keine Besserung seines Zustandes.
Gestern jedoch war zum ersten Mal eine wirklich wichtige Nachricht gekommen, die gleichzeitig auch äußerst erschreckend war. Draco hatte ein Gespräch zwischen zwei Todessern belauscht - Avery und Dolohow - die in das Torbogen-Projekt am stärksten involviert waren. Das Resultat war, dass man nun wusste, wie man das Tor zerstören konnte.
"Das ist blanker Selbstmord!" hatte Remus daraufhin aufgestöhnt und sich die Haare gerauft. Er sah schlecht aus. Vor zwei Tagen war Vollmond gewesen. "Jemand soll in den Bogen treten und ihn von innen zerstören? Stand davon denn bitte irgendetwas in den Büchern, die du und Severus damals gelesen habt?"
"Die Bücher waren gefälscht, um uns auf eine falsche Fährte zu locken und uns das Amulett unterzuschmuggeln." stellte Amber ruhig fest. "Damit ist die Sache wohl klar. Tonks und ich werden erneut nach Malfoy Manor apparieren, uns dort mit Draco treffen und er öffnet uns die Kerkertür. Ich werde durch den Torbogen gehen und es tun. Und Tonks wird anschließend ins Zelt zurückkehren und berichten."
"Du gehst also schon davon aus, dass du stirbst?" Remus war fassungslos. "Das kann doch nicht dein Ernst sein! Was ist denn mit Severus?"
"Severus ist dem Tod näher als dem Leben. Es ist fraglich, ob er jemals wieder aufwacht. Ihr beide-" und damit sah sie Tonks und Remus mit ihren dunklen Augen an, die nun eigenartig glitzerten, "habt euch und so soll es auch bleiben."
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