
von Nashira1
1. Kapitel: Die Ankunft
Normalerweise war sie nicht aufgeregt. Niemals. Doch an ihrem ungleichmäßigem und schwerem Atem erkannte man, dass sie doch etwas nervös zu sein schien. Mr Argus Filch stand, mit einer ziemlich zerlausten Katze auf dem Arm, neben ihr. Aus der großen Halle ertönten freudige Klänge. Immer wieder erklang die Stimme des großen Albus Dumbledore. Zuvor waren etliche neue Jungzauberer in die Halle, die wohl der zentralste Ort in Hogwarts war, gebeten worden, die genau wie sie schon ungeduldig vor dieser warteten. Nur mit dem feinen Unterschied, dass die zukünftigen Schüler Hogwarts wohl um einiges aufgeregter waren.
Sie lauschte nun wieder an der gewaltigen Tür, die nur noch zwischen ihr und den anderen Schülern stand. Bald müsste die Prozedur der Aufteilung der neuen Schüler auf die vier verschiedenen Häuser, Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin, die durch den sprechenden Hut bekannt gegeben wurden, endlich vorbei sein.
„Nervös?“ Es war das erste Wort, das Filch, mit seiner überaus emotionslosen Stimme, ihr gegenüber erwähnte.
„Wohl eher nicht“, antwortete sie taff. Schon schien das Ende der Unterhaltung erreicht zu sein, denn Filch gab ein Geräusch von sich, das ihr entweder zeigen sollte, dass er ihr nicht glaubte oder es ihm völlig egal war. Er wendete sich ab.
Sie fragte sich immer wieder was eigentlich der Grund dafür war, sie nicht direkt mit den anderen neuen Schülern hinein zu lassen. Vielleicht wollte Dumbledore nicht, dass sie unter der Menge an elf- und zwölf- jährigen untergeht, da es wohl nicht üblich war, dass Zauberschüler zwei Jahre vor ihrem Abschluss noch die Schule wechseln. Außerdem schien der Schulleiter im Vorgespräch im letzten Monat sehr angetan von der neuen Schülerin zu sein und wollte somit, dass ihr etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wie auch immer die Wahrheit aussehen mochte, es war ihr nicht geheuer im Mittelpunkt zu stehen.
„Los. Geh rein.“ Es war ihr ein Rätsel woher er diese Anweisung wohl erhalten hatte. Noch bevor sie reagieren konnte stieß er sie mit einer Hand gegen die große Tür. Es gab einen kleinen Knall und sie dachte direkt was die Leute in der Halle wohl denken würden. Bevor sie ihre ganze Kraft aufwendete um das mächtige Tor zu öffnen, warf sie Filch einen verhassten Blick zu, der ihn wiederum kalt ließ.
„Bevor wir jedoch das Festmahl eröffnen, freue ich mich eine weitere neue Schülerin in Hogwarts begrüßen zu dürfen. Sie kommt aus der Schule für Hexerei und Zauberei in den Vereinigten Staaten und hat sich, aufgrund eines Umzuges, für ihre letzten zwei Jahre vor ihrem Abschluss an unserer Schule beworben.“ Dumbledore machte eine kurze Pause. Während dessen eilte sie durch den schmalen Gang, der sich zwischen den Tischen der Häuser Gryffindor und Ravenclaw gebildet hatte. Je näher sie dem Podest auf dem die Lehrer platziert waren, kam, desto nervöser wurde sie. Sie hatte sich die große Halle weitaus kleiner vorgestellt. „Ihr Name ist Mira Clarks.“
Als Mira nun endlich Dumbledores Rednerpult erreicht hatte wendete er sich angeregt zu ihr. „Miss Clarks, es ist mir eine Freude Sie in Hogwarts begrüßen zu dürfen“, sagte er freudig und schüttelte Mira euphorisch die Hand. Sie drückte ihm ebenfalls ihre Freude knapp aus und begann sich umzusehen.
Mira musterte einzelne Schüler und darauf jeden einzelnen Lehrer, die hinter Dumbledore an einer langen Tafel platz genommen hatten. Es ähnelte dem Gericht. In der Mittel thronte der Oberste, in diesem Fall der Schulleiter, und links und rechts neben ihm seine, nach Rang sortierten, Kollegen. Einer fiel ihr ganz besonders auf. Sie glaubte, dass dieser sie schon seit längerer Zeit beobachtete, aber sie war sich nicht sicher. Er taxierte sie von oben bis unten. Ihr war es schon fast unangenehm so angestarrt zu werden. Mit einer eleganten Handbewegung entfernte er langsam eine lange schwarze Strähne aus seinem Gesicht, was ihm den Ausdruck verlieh, er würde sich jetzt noch konzentrierter mit Mira befassen. Seine Blicke durchlöcherten sie wie Kugeln aus einem Revolver. Noch nicht einmal als Mira seine Blicke erwiderte ließ er von ihr ab, obwohl es, ihrer Ansicht nach, jeder andere Wohlerzogene so machen würde. Auf Dumbledores Aufforderung hin nahm sie, wie auch zuvor die Erstklässler auf dem Stuhl in der Mitte der Erhöhung platz. Obwohl es unüblich für eine Schülerin ihres Alters war, wurde ihr der berühmte sprechende Hut aufgesetzt. Auf die Antwort dessen, zu welches der vier Häuser in Hogwarts sie zugeteilt werden würde, wartend, gewann sie ihre vertraute Gelassenheit wieder, die sie zuvor für einen kurzen Augenblick verloren hatte. Selbstsicher sah Mira sich im großen Raum um. Neugierige Gesichter begutachteten sie von oben bis unten, was ihr aber diesmal keineswegs unangenehm war. Unter anderem erblickte sie das Gesicht des berühmten Harry Potter, das unter den anderen hervorstach wie ein schwarzes Schaf in einem Meer von Weißen. Seine Blitznarbe konnte sie sofort erkennen. Selbst in ihrem Heimatland war er eine Legende, denn auch in den Vereinigten Staaten von Amerika war Voldemort der wohl gefürchteste Zauberer aller Zeiten. Aber Mira war weiß Gott nicht jemand der sich von solchen Geschichten beeindrucken ließ. Ein paar ihrer alten weiblichen Bekanntschaften hätten wohl alles dafür gegeben mit Harry Potter nur ein paar Worte zu wechseln, aber nein, sie nicht.
Der sprechende Hut brauchte, ihrer Auffassung zu Folge, ewig lange um ihr zu sagen, zu welchem Haus sie bald gehören würde. Die Lehrer sahen sich schon verdutzt an. Mira hegte kurz den Gedanken, dass sie vielleicht nicht hierher gehörte. Dumbledore wollte grade das Wort ergreifen, als der Hut nun endlich laut das Wort „Gryffindor“ ausstieß. Etwas erleichtert sackte sie in sich zusammen.
„Tja, bei manchen intelligenten Geistern braucht der sprechende Hut nun mal etwas mehr Zeit um die richtige Entscheidung zu treffen.“ Lachend versuchte Albus Dumbledore die angespannte Situation etwas aufzulockern. Mira wusste nicht so recht, ob sie sich geschmeichelt fühlen sollte. Nachdem man ihr den Hut abgenommen hatte, erhob sie sich ohne Aufforderung von der unbequemen thronartigen Sitzgelegenheit und nahm an der Tafel der rötlich gekleideten Schüler platz, wobei sie darauf Wert legte sich zu ihrer Altersklasse zu gesellen. Ihr Blick fiel nun erneut auf den Professor mit den schwarzen Haaren, dessen Miene sich verfinstert hatte, sie aber weiterhin anstarrte. Von seinen Blicken gebannt schenkte Mira ihren neuen Mitschüler, die beabsichtigten sie freudig zu begrüßen, keine Aufmerksamkeit.
„Hey, ich bin Dean, Dean Thomas“, stellte sich der dunkelhäutige Schüler neben ihr vor.
„Und ich bin Seamus Finnigan.“ Neben Dean beugte sich ein Schüler mit ziemlich breiter Nase hervor, um einen Blick auf Mira werfen zu können.
Mit einem abwesenden „Hallo“ begrüßte sie die beiden und die restlichen Schüler um sie herum, deren Namen sie wohl niemals alle behalten könne.
„Nachdem wir nun die alljährliche Tradition beendet haben, lassen wir das Festmahl beginnen.“ Dumbledore hob seine beiden Arme in die Höhe und alle Tische deckten sich von selbst mit wunderbaren Speisen. Mira war beeindruckt, so etwas gigantisches hatte es auf ihrer alten Schule nicht gegeben. Sie aß von den leckeren Speisen, als hätte sie seit langem nichts richtiges mehr gegessen. Nebenbei unterhielt Mira sich mit Dean zu ihrer rechten und Parvati Patil zu ihrer linken. Parvatis lange schwarzen Haare fielen über ihre Schulter wie Seide.
„Und woher genau kommst du?“, fragte Dean sie.
„Aus Arizona, um genau zu sein aus Yuma. Ich muss mich daher erstmal an den ganzen Regen hier in England gewöhnen. Es ist schrecklich wenn man vorher in der Stadt mit den durchschnittlich meisten Sonnenstunden weltweit gelebt hat.“
„Warum seid ihr denn überhaupt umgezogen?“, fragte Parvati neugierig.
„Wegen meinem Dad. Er musste beruflich nach Gillingham, komplizierte Sache.“ Mira hatte keine große Lust ihren Mitschülern viel über den Beruf ihres Vaters zu berichten. Zudem glaubte sie, sie sollte nicht direkt mit der Tatsache, dass sie eine Muggelstämmige war, rausrücken.
„Ach, ich habe da eine Frage.“ Mira hielt inne. Die Gryffindors um sie herum, die ihr vorher gespannt gelauscht hatten, schauten sie erwartungsvoll an. „Wer ist dieser Mann?“ Sie deutete mit einer kurzen, abfälligen Bewegung auf den Professor, der sie vorhin so angestarrt hatte.
„Oh, das ist Professor Snape. Lehrer für Zaubertränke und Hauslehrer von Slytherin“, antwortete ihr Lavender Brown, die beste Freundin von Parvati, „Nicht gerade der netteste Mensch. Bevorzugt ständig sein eigenes Haus und schikaniert die Gryffindors. Auf den kann man echt verzichten.“ Mira schien auf diese Antwort verdutzt. Plötzlich ordnete sie seinen Blicken von vorhin Hass zu. Was sollte es bei dieser Charakterbeschreibung sonst sein? Sie fragte sich nur, was der Auslöser für diese Reaktion war.
„Ach, und er hat eine Abneigung gegen Muggelstämmige“, fügte Parvati hinzu. Da war er. Der Grund für seine Abneigung ihr gegenüber. Er musste es wissen.
„Hört sich ja nach einer netten Person an“, sagte Mira mit deutlich sarkastischem Unterton.
Nachdem sich das Festmahl nun dem Ende zuneigte verschwanden immer mehr Schüler aus der großen Halle um zu ihren Gemeinschaftsräumen zu schlendern und ihre Sachen auszuräumen. Auch die Gryffindorschüler des fünften Jahrgangs machten sich mit viel Gelächter auf den Weg. Mira verblüffte es wie gut man sie doch innerhalb der ersten Stunden aufgenommen hatten. Der Gemeinschaftsraum der Gryffindors befand sich im siebten Stock und war somit das höchstgelegenste der vier Häuser. Es würde wohl dauern sich an so viele Stufen zu gewöhnen, dachte Mira sich keuchend, als sie das fünfte Stockwerk betrat. Das Gemälde der Fetten Dame versperrte den Schülern den Eintritt zu den Gryffindorgemächern.
„Mimbulus Mimbeltonia“, sagte ein Schüler der siebten Klasse, der direkt vor dem Gemälde stand. Es schwing zur Seite und gewährte den Schülern Eintritt. Durch die vielen unterschiedlichen Sessel und Tische wirkte der große Gemeinschaftsraum, welcher zugleich der Eingangsraum des Hauses war, überaus gemütlich. Vor dem zentralen, offenen Kamin lag ein Teppich mit einigen Brandlöchern. Rechts von diesem stand eine Kommode und ein schwarzes Brett für aktuelle Neuigkeiten. Rundherum führten Türen vom Gemeinschaftsraum zu Treppenaufgängen der Mädchen- und Jungenschlafsälen, die oben im Turm lagen. Mira stieg mit ihrem Gepäck hoch zu den Mädchenschlafsälen und traf auf mehrere kleine Mädchengruppen, die auf ihren Betten saßen und tuschelten.
„Hey“, sagte Mira zaghaft, als sie ihren schweren Koffer an ihnen vorbei hievte. Doch anstatt etwas zu sagen, geschweige denn ihr zu helfen, wurde sie nur missbilligend begutachtet. Das war’s wohl mit der netten Aufnahme, dachte sich Mira. Doch dann tauchten Parvati und Lavender hinter ihr auf.
„Komm, wir helfen dir.“ Lavender nahm ihr den Koffer ab und warf ihn auf ein Bett am Fenster. „Das hier ist noch frei.“
„Ok, danke.“ Mira blickte aus dem Fenster und erkannte eine kleine Hütte und einen dunklen Wald in der Ferne. Schon waren die beiden Freundinnen wieder verschwunden. Seufzend ließ sich Mira auf ihr Bett neben ihren Koffer fallen.
„Hey, alles ok?“, fragte sie eine junge Hexe, der wohl das Bett gleich rechts neben ihrem gehörte. Sie war ihr vorhin gar nicht aufgefallen. Ihre gelockten, braunen Haare waren etwas über Schulterlang. Nach Miras Auffassung war sie überaus hübsch.
„Ehm, ja, alles in Ordnung.“ Doch dem war nicht so. Zum ersten mal seit ihrem Umzug vermisste sie ihre alte Heimat, ihre alte Schule. Die Fremde kam auf Mira zu und nahm direkt neben ihr auf dem Bett platz.
„Ich bin Hermine Granger.“ Hermine streckte ihr lächelnd die rechte Hand entgegen.
„Mira Clarks, aber das weißt du wahrscheinlich schon“, sagte Mira und schüttelte ihr die Hand.
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