
von Nashira1
2. Kapitel: Der erste Schultag
Mira erwachte früh am nächsten morgen. Sie hatte sich die ganze Nacht lang immer wieder von der einen auf die andere Seite gedreht, doch nie eine Position gefunden, in der sie verweilen konnte. Es waren so viele Dinge in ihrem Kopf, so viele Dinge, die ihr Kummer bereiteten. Gerädert schlenderte sie in ihrem Morgenmantel, den sie sich umgeworfen hatte, zum Mädchenbad. Mira erschrak als sie in den Spiegel blickte, denn sie sah aus, als wäre sie über Nacht um Jahre gealtert. Dunkle Ringe verliefen unter ihren großen, grünen Augen, die doch eigentlich immer so frisch und lebendig wirkten. Die Wellen, die sich normalerweise verspielt durch ihr langes, braunes Haar wandten, waren zerzaust und glanzlos, wie die einer alten Hexe. Sie wusch sich mit eiskaltem Wasser durch ihr Gesicht, was zunächst unangenehm war, doch sich schließlich als Wohltat herausstellte. Als sie zurück zu ihrem Schlafplatz kam schaute sie neugierig auf ihren Wecker. 5:27. Frühstück gab es um acht. Seufzend ließ Mira sich wieder auf ihr Bett fallen.
Die Gryffindorschülerinnen plauderten laut und richteten sich für den Schulalltag her. Mira schlug die Augen auf. Sie musste erneut eingeschlafen sein. Die Uhr zeigte sieben Uhr dreiundzwanzig.
„Ah, ich wollte dich grade geweckt haben. Hast du gut geschlafen?“ Eine lächelnde Hermine stand vor ihr.
„Danke, ja, war ganz ok“, sagte Mira verschlafen und rieb sich die nicht mehr ganz so verquollenen Augen. Nachdem sie ihre Müdigkeit nach und nach überwunden hatte richtete sie sich auf und begann sich in ihre schwarze Kleidung mit gold- roten Akzenten zu zwängen. Nach einem kurzen Badaufenthalt konnte der Tag beginnen. Ihre Laune hatte sich um einiges gebessert. Motiviert stieg sie die Stufen zu dem Gemeinschaftraum der Gryffindors hinab, wo auch schon Hermine auf sie wartete.
„Da bist du ja. Das sind Ron und Harry.“
Na super, Hermine war mit dem ach so berühmten Harry Potter befreundet, dachte sich Mira. Sie konnte nicht genau sagen warum sie eine Abneigung gegen ihn über die Jahre seiner Berühmtheit entwickelt hatte, aber Fakt war doch, dass er nichts dazu beigetragen hatte Voldemort vor 15 Jahren in seine Schranken zu weisen und doch wird er deswegen immer noch gefeiert.
„Hey, ich bin Mira.“ Sie streckte erst Ron, dann Harry freundlich ihre Hand entgegen.
„Gut, lasst uns gehen“, entgegnete Hermine, nachdem die Begrüßungszeremonie beendet war.
Die Vier schritten eilig die Gänge und Treppen von Hogwarts entlang. Dafür, dass sie zu dem Haus mit dem längsten Weg zur großen Halle gehörten, waren sie reichlich spät dran. Als sie diese erreichten, hatten sich die Tische schon mit einer gigantischen Auswahl an Speisen bedeckt. Die Jungzauberer zwängten sich zwischen die Schüler ihrer Jahrgangsklasse.
„Also, erzählt mal, was muss ich wissen?“ Mira war neugierig was sich auf ihrer neuen Schule alles so abspielte.
„Naja, da ist eigentlich nicht viel. Halte dich besser fern von den Slytherins und Professor Snape. Das sind nicht so die freundlichsten Zauberer“, sagte Hermine und bekräftigte somit Lavenders Aussage vom Vortag.
„Ich würde sagen, wir führen dich später mal durchs Schloss und etwas über die Ländereien von Hogwarts“, schlug Harry vor. Mira nahm dankend an und wunderte sich sogleich über die Offenheit Fremden gegenüber, die die Schüler dieser Schule an den Tag zu legen schienen.
Nach dem Frühstück begann der Unterrichtstag mit Verwandlung, unterrichtet von ihrer Hauslehrerin Professor Minerva McGonagall. Sie war eine eher streng aussehende, alte Hexe in den Mitte- Siebzigern. Sie trug ihre ergrauten Haare zu einem Knoten frisiert. Ihr Umhang mit Karomuster ließ darauf schließen, dass sie entweder schottischer Abstammung war, worauf auch ihr Nachname hinweisen würde, oder lediglich ein Faible für deren Markenzeichen hatte.
Freudig verkündigte sie dem Kurs, der sich aus den Schülern des fünften Jahrgangs aller vier Häuser zusammensetzte, dass das erste Thema dieses Schuljahres „Gestalten wandelnde Zauberer“ lautete, ihr persönliches Lieblingsthema, gestand sie.
„Wir alle wissen doch was Sie sind. Wozu sollen wir das noch besprechen?“, rief ein blonder Schüler des Hauses Slytherin vorlaut.
„Das ist übrigens Draco Malfoy“, flüsterte ihr Ron von der linken Seite zu, „Vor dem solltest du dich in Acht nehmen.“
„Mister Malfoy, ich verbiete mir diesen Ton.“ Professor McGonagall schien empört.
„Ach, diese Schule stürzt doch eh immer weiter ab. Jetzt nehmen wir schon einfach so Schlammblüter von anderen Kontinenten an. Wie tief kann man noch sinken?“ Malfoys Blick war voller Hass, als er nach diesen zu Worten Mira hinüber blickte. Es war wie ein Stich in ihre Seele. Wie konnte er davon wissen? „Sie hat sich ja schon mit der Richtigen angefreundet. Dann hat Granger nun endlich gleichgesinntes Abschaum zur Freundin.“
„Halt’s Maul Malfoy.“ Harry und Ron standen gleichzeitig auf und machten den Eindruck, als wollten sie auf ihn zu stürmen.
„Jetzt reicht es. Sie beiden setzen sich wieder hin“, Professor McGonagall deutete auf Ron und Harry, „und Sie Mister Malfoy halten jetzt endlich ihren Mund. Nach dem Unterricht will ich Sie in meinem Büro sehen.“
„Das wird meinem Vater aber gar nicht gefallen“, entgegnete Malfoy provozierend.
„Das ist mir vollkommen egal!“ Die Adern auf McGonagalls Stirn pulsierten vor Wut.
Es war kaum zu glauben, dass bei dieser angespannten Stimmung noch vernünftiger Unterricht möglich war. Doch McGonagall zog diesen, nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, energisch durch. Auch wenn sie etwas empfindlicher auf Fragen und falsche Antworten reagierte als sonst, wie sie von Hermine erfuhr.
„Das kann ja wohl echt nicht wahr sein. Was bildet der sich eigentlich ein? Der kennt mich doch gar nicht.“ Harry, Ron, Hermine und Mira schritten zusammen den Gang entlang. Mira war außer sich vor Wut.
„Glaub mir, er muss keinen Muggelstämmigen kennen um zu wissen, dass er sie hasst“, versicherte Harry ihr mitfühlend.
„Und was hat sein Vater eigentlich für eine Position, dass er so von sich überzeugt ist?“, erkundigte sich Mira erbost.
„Er ist Mitglied im Ministerium und besticht irgendwie alles was ihm in die Quere kommt. Hat jedenfalls mein Vater erzählt, der arbeitet auch im Ministerium in der Abteilung für Missbrauch von Muggelartefakten“, erzählte Ron stolz.
„Deswegen denkt er auch er könnte sich hier alles erlauben, aber wir hoffen, dass sich das irgendwann noch ändert und er mal was von „Respekt“ hört“, warf Harry ein, „Aber komm schon, lass dich von ihm nicht unterkriegen.“
„Werde ich sicher nicht. Danke Harry.“ Langsam schien Mira doch Gefallen an ihm zu finden.
Als nächstes folgte Geschichte der Zauberei mit Professor Binns, der wahrscheinlich der älteste und gebrechlichste Mann war, den Mira je gesehen hatte. Trotzdem galt er als äußerst streng. Er stellte das erste Thema des Schuljahres so spannend vor, wie es im Endeffekt auch war- langweilig. Mira hatte an ihrer alten Schule die Hexenverfolgung und -verbrennung schon letztes Jahr ausführlich behandelt und war deswegen noch gelangweilter als ihre Mitschüler. Natürlich war Malfoy auch wieder mit von der Partie und verkündete lauthals wie wenig Gefallen er doch an dem Thema fand. Jedoch reichte ein böser Blick von Professor Binns um ihn ruhig zu stimmen. Mira war froh, als der Unterricht endlich vorbei war.
Es war nun an der Zeit, dass die drei Freunde Mira durch das Schloss und über das Gelände führten. Zunächst zeigte sie ihr das Pokalzimmer im Erdgeschoss, danach die verschiedenen Stockwerke mit ihren Klassenräumen. Sie schauten kurz bei Madame Pomfrey im Krankenflügel im ersten Stock und in der Bibliothek im zweiten Stock vorbei. Als letztes folgten der Wahrsage-, der Astronomie- und der Schulsprecherturm, dessen Räume sie aber nicht erlaubt waren zu betreten.
„Oh Gott, ich kann nicht mehr, zu viele Treppen.“ Mira stützte sich erschöpft und außer Atem mit den Händen auf ihren Knien ab. Die drei lachten. „Ja, ihr habt gut lachen, ihr seit das ja gewöhnt. Meine alte Schule war nicht so groß und die Unterrichtsräume befanden sich eigentlich größtenteils auf einer Etage.“
„Hast du noch Lust auf die Ländereien?“, fragte Ron. Mira nickte, unfähig zu sprechen.
Nach ein paar Minuten und jede Menge Stufen standen die vier vor der großen Eingangstür und wenig später auf einer großen Wiese vor dem Schloss. Ein kühles Lüftchen wehte, aber es war trotzdem angenehm unter dem wolkenfreien Himmel. Die Blätter der Bäume raschelten herrlich und das Wasser des großen Sees, der von Hügeln umrandet war, rauschte in der Ferne. Sie stiegen den Hügel hinab zu einer kleinen Hütte, die aussah, als würde sie jeden Augenblick zusammen brechen und einem finsteren Wald.
„Das ist der verbotene Wald. Dort wohnen sehr gefährliche und düstere Gestalten, also geh besser nicht dort rein und wenn ja, dann lass dich besser nicht erwischen“, erklärte Ron ihr.
„Danke für den Rat, aber ich hatte auch nicht vor diesen Wald zu betreten.“ Mira fuhr ein kalter Schauer über den Rücken als sie ins Dunkle des Waldes sah. Sie hatte nicht vor vielem Angst, aber vor der Dunkelheit hatte sie schon einiges an Respekt. Harry ging vor und klopfte an der hölzernen Tür.
„Hier wohnt Hagrid. Er ist dir vielleicht schon am Lehrertisch in der großen Halle aufgefallen. Ist nen großer, haariger Kerl“, erklärte Hermine. Und da hatte sie nicht übertrieben, denn der Mann, der die Tür öffnete, war ungefähr doppelt so groß wie ein normaler Mensch und sicher fünf mal so breit. Seine langen, braunen Haare passten perfekt zu seinem mindestens genau so langen zotteligen Bart. Das große Gesicht war so zugewuchert, dass man nur schwer seine beiden schwarzen Knopfaugen erkennen konnte.
„Hallo Harry.“ Er tätschelte ihm freudig die Schulter, was Harry aus dem Gleichgewicht warf. „Ron, Hermine.“ Nickend wandte er sich den beiden zu. „Ach, und du bist doch diese Mira.“
„Das ist korrekt.“ Trotz seines beängstigend wilden Aussehens strahlte er eine Freundlichkeit aus, wie Miras es bis jetzt nur selten erlebt hatte. Er war ihr im ersten Moment sympathisch.
„Kommt doch rein.“ Hagrid winkte sie mit seiner rechten Pranke hinein.
Als sie seine Hütte, die von innen weitaus größer aussah als von außen, betraten, kam ihnen ein unangenehmer Geruch entgegen.
„Hagrid, was ist das?“ Hermine rümpfte die Nase.
„Ach, das ist nur... ich ehm... koche nur etwas“, stammelte Hagrid vor sich hin. Keiner der vier hakte weiter nach. „Wollt ihr nen Tee?“ Sie bejahten und hielten wenig später alle eine übergroße Tasse von Hagrids Spezialtee (was auch immer das heißen mochte) in den Händen.
„Und wie gefällt’s dir hier in Hogwarts?“, wollte Hagrid wissen.
„Mir gefällt das Schloss und die Ländereien sehr gut, obwohl ich mich erstmal an die ganzen Stufen gewöhnen muss. Aber an so manche Leute hier werde ich mich wohl nie gewöhnen.“ Mira blickte zu den anderen.
„Lasst mich raten, du hast schon Bekanntschaft mit Malfoy oder Professor Snape gemacht?“
„Ja, mit dem zu freundlichen Draco Malfoy“, antwortete Mira sarkastisch, „Ich wurde einfach mal in der ersten Unterrichtsstunde als Schlammblut bezeichnet.“
Hagrids Miene verfinsterte sich und schon wirkte er wieder Angst einflößend. „Dieser dreckige Malfoy! Das der nicht einfach mal sein Maul halten kann!“ Hagrid schlug mit seiner Hand auf den Holztisch, an dem sie zuvor alle Platz genommen hatten, sodass die Tassen, die auf ihm standen, wankten.
„Aber was soll man machen, wenn sein Vater ihn immer wieder rettet bevor es Ärger gibt. Dadurch fühlt er sich doch noch bestätigt, dieser kleine Mistkerl“, entgegnete Harry wütend.
Schweigen trat ein. Doch Mira löste dieses unangenehme Schweigen nach einer Weile, indem sie Hagrid fragte, was denn seine Aufgaben im Schloss wären.
Stolz offenbarte Hagrid ihr seinen Job als Lehrer für Pflege Magischer Geschöpfe und Wildhüter von Hogwarts. Er berichtete ihr von all den tollen magischen Tieren, um die er sich täglich kümmerte. Obwohl sie nur aus Freundlichkeit gefragt hatte, langweilten sie seine Vorträge über doppelschwänzige Wassermolche und Hippogreife nicht im geringsten.
Als es langsam dunkel wurde, beschlossen Harry, Ron, Hermine und Mira wieder zurück zum Schloss zu schlendern, damit sie auch pünktlich zum Abendessen kamen. Hagrid verabschiedete sich freundlich und bat sie bald wieder zu kommen.
Diesmal erschienen sie zur rechten Zeit in der großen Halle. Mira nahm zwischen Parvati und Hermine Platz. Ihre Laune hatte sich seit Malfoys Ausbruch in Verwandlung wieder etwas gebessert. Das Essen war wieder hervorragend. Daran konnte sie sich gewöhnen.
Die Gryffindors lachten zusammen und Mira fühlte sich, als wenn sie schon immer dazu gehören würde. Langsam war sie froh, auf dieser Schule gelandet zu sein. Wenn doch nicht Malfoy und Konsorten wären, dachte sie. Da war es wieder. Miras Blick viel, wie am Abend zuvor, wieder auf Professor Snape, der sie erneut anstarrte, aber keine Miene verzog. Was hatten diese durchdringenden Blicke bloß zu bedeuten?
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