
von Nashira1
12. Kapitel: Lupin der Werwolf
„Schön, dass du für mich Zeit gefunden hast, Albus.“ Severus Snape betrat eilig den großen, runden Raum.
„Natürlich, warum wolltest du mich so dringend sprechen?“
„Es geht um Draco Malfoy. Vor ein paar Tagen fand ich Miss Clarks gefesselt und geknebelt in einer Besenkammer im Kerker, da ich aus dieser seltsame Geräusche vernahm. Sie wurde mit dem Sectumsempra- Fluch schwer verletzt. Als ich sie fragte wer ihr das angetan habe, nannte sie mir seinen Namen.“ Er versuchte so viel Gleichgültigkeit wie möglich in seine Stimme zu legen. „Ich dachte, du solltest dies wissen.“
„Ich rechne es dir hoch an, dass du ein Schüler deines eigenen Hauses meldest, Severus. Du scheinst aus unserem kleinen Gespräch letztens gelernt zu haben. Ich werde mich um diesen Vorfall kümmern. Wie geht es der Kleinen denn jetzt?“
„Es geht ihr gut. Ich konnte sie mit dem Gegenfluch schnell heilen. Malfoy hatte zum Glück keinen Schimmer wie der Fluch korrekt angewendet wird“, antwortete Snape kalt und monoton.
„Und wie geht es dir? Schmerzen die Wunden noch?“ Dumbledore schlenderte mit auf dem Rücken verschränkten Händen zu ihm hinüber.
„Es hält sich in Grenzen.“ Er war auf diese Frage eher kurz angebunden.
„Möchtest du mir verraten, was eigentlich in dieser Nacht passiert ist?“
„Lupin griff mich an, als ich nachts kurz draußen an der frischen Luft war. Dieser dreckige Werwolf hat nicht mehr von mir gelassen, bis ich ihm mit letzter Kraft ein paar Flüche entgegen donnern konnte“, antwortete er mürrisch.
„Und diese haben deutliche Spuren an ihm hinterlassen, wie ich hörte.“ Dumbledore schaute prüfend über den Rand seiner Goldbrille hinweg.
„Ja, und das ist auch gut so“, sagte Snape zornig. „Er hat es doch nicht anders verdient.“
„Nanana, Severus, deine privaten Probleme mit Remus haben hier nichts zu suchen. Mischtest du ihm denn keinen Wolfsbanntrank für diesen Abend?“, fragte der Schulleiter interessiert.
„Natürlich“, log Snape, denn er hatte ihm nur einen Placebo zusammen gemischt, als Rache für das Gespräch mit Dumbledore. Wenn er doch vorher gewusst hätte, dass er selbst sich an diesem Abend draußen befinden würde, dann hätte er wohl diesen Fehler nicht begangen. „Entweder hat er fahrlässig gehandelt und ihn nicht eingenommen oder seine unkontrollierbare, unberechenbare Seite wird stärker und immun gegen meinen Trank.“
„So wird es wohl sein. Remus ist kurz vor dir aus dem Krankenflügel entlassen worden, ich werde noch ein Gespräch mit ihm suchen. Danke Severus für dein Erscheinen. Ich habe noch ein paar Dinge zu erledigen.“ Er wandte sich von ihm ab und verschwand durch eine Tür zu seiner rechten. Mit wehendem Umhang machte Snape ebenfalls kehrt und stolzierte aus Dumbledores Büro.
Am Abend machte sich Mira wieder auf den Weg zu Snapes Büro. Harry, Ron und Hermine erzählte sie, sie wolle sich mit ihrer neugewonnenen Freundin Marietta Edgecombe aus dem Hause Ravenclaw treffen. Zum Glück äußerte keiner der drei den Wunsch sie begleiten zu wollen, was wahrscheinlich an der nicht sehr sympathischen Marietta lag. Leider war sie die jenige, die Mira als erstes in Not eingefallen war.
Anstatt im sechsten Stock halt zu machen, schlenderte sie also hinunter zu den Kerkern von Hogwarts, wo Snape sie auch schon freudig erwartete. Mira schaute sich zunächst aufmerksam im Korridor um, bevor sie sich zu seinen Gemächern Eintritt verschaffte.
„Schön, dass du hier bist.“ Snape war ihr sofort entgegen geeilt, als sie vorsichtig den düsteren Raum betrat und küsste sie sinnlich auf die warmen Lippen.
„Verzeih mir, dass ich neulich morgens einfach gegangen bin, Severus. Ich wollte dich nicht wecken“, entgegnete Mira ihm und erwiderte seine lieblichen Küsse, „Warst du schon bei Dumbledore? Das hattest du doch vor, oder?“
„Ja, schon vorgestern Nachmittag, meine Süße. Er meinte, er kümmert sich darum.“ Sanft hielt er ihren Kopf in seinen Händen und schaute ihr sehnsüchtig in die funkelnden, grünen Augen. Mira kam die Frage auf, ob die Liebe, die in seinem sonst so misslaunigen, gefährlichen Blick lag, ihr selbst oder doch eher Lily galt. Doch dies herauszufinden würde schwer werden, dachte sie sich geistesabwesend. Mira konnte ihn einfach nicht darauf ansprechen. Die Angst vor seiner Reaktion hielt sie vor solch wagemutigen Fragen ab. Denn sie wusste mittlerweile ganz genau, wie leicht er die Beherrschung verlor.
Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als Snape sie auf den Arm nahm und mit ihr durch die Tür zu seinem Schlafzimmer verschwand, wobei sie aufpassen musste sich nicht den Kopf am Türrahmen zu stoßen. Heißblütig warf er sie auf das mächtige Bett und beugte sich über ihre Gestalt. Mira war sich sicher, dass er diesmal wieder über sie herfallen würde, doch es war anders. Snape strich ihr zärtlich mit einer Hand über die rechte Wange und starrte sie verliebt an. Er befand sich in einer Art Trance und konnte sich nicht mehr von ihrem Anblick losreißen. Wie sie da lag, in seinem Bett. Wie ein Engel.
„Du hast etwas besseres als mich verdient“, sagte er nach einer Weile. Snape verschloss ihre Lippen mit einem sanften Kuss. „Ich...“ Er wurde in seiner Rede durch ein hartes Klopfen an der Tür unterbrochen. „Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Bleib du hier, ich geh schnell.“ Er küsste sie noch einmal kurz auf die Stirn, erhob sich dann und schloss die Schlafzimmertür hinter sich, nachdem er in sein trostloses Büro getreten war. Mira atmete tief durch und legte sich wartend unter die schwere Decke. Erneut vernahm sie ein lautes Klopfen.
„Ja ja, ich komm ja schon“, rief Snape aufgebracht und öffnete die schwere Holztür mit einem Ruck. Die Person, die er da zu Gesicht bekam, wollte er in diesem Augenblick am allerwenigsten sehen.
„Hallo Severus.“ Der Mann trat an ihm vorbei in den finsteren Raum.
„Lupin“, knurrte Snape verärgert, „Was zum Teufel willst du hier?“
„Was ich hier will? Dein Trank war ohne Wirkung, mein Freund.“ Lupin wandte sich Snape zu und zeigte anklagend mit dem Zeigefinger auf ihn.
„Woher willst du das bitte wissen? Vielleicht ist das Tier in dir einfach zu mächtig für meinen Trank geworden“, zischte er mit zusammengebissenen Zähnen.
„Dumbledore war bei mir. Er sagte mir was du ihm sagtest. Glaubst du wirklich ich sei so verantwortungslos und nehme meinen Trank nicht ein?“ Er begann wild mit seinen Händen umherzufuchteln.
Mira hörte die zwei Männer im Nebenzimmer laut diskutieren und schnappte den einen oder anderen Satz auf, der sie wiederum stutzig machte. Deswegen trennte sie sich schweren Herzens von dem kuscheligen Bett und schlich auf Zehenspitzen zur Tür hin, an der sie gespannt lauschte um das komplette Gespräch zu verfolgen.
„Das war nur eine Mutmaßung. Er fragte mich nach meiner Meinung. Außerdem, kamst du, mein Lieber, nicht vor gut einem Monat zu mir und batest mich um einen verbesserten, stärkeren Trank, da der ursprüngliche zu schwach für deine bösartige Gestalt geworden war? Vielleicht bist du ja immun dagegen geworden. Du bist nicht mehr zu bändigen!“ Snape ließ nicht zu, dass Lupin von dieser Theorie abwich, da diese die weitaus überzeugendste war.
„Dumbledore testete den Trank bereits gestern auf meinen Wunsch hin, da ich mir schon gedachte habe, dass da etwas faul sein musste. Heute früh berichtete er mir, dass dieser Trank nicht mal den Hauch einer Wirkung mit sich trägt.“ Lupins sonst so geschmeidige Stimme bekam einen wutentbrannten Unterton. „Wie konntest du mir etwas dergleichen antun? Du kennst meine Not.“
Mira presste ihr Ohr immer fester gegen die schwere Tür um auch ja nichts zu verpassen.
„Hätte ich gewusst, dass du vor hattest mich in Stücke zu reißen, hätte ich das bestimmt nicht getan.“ Desinteressiert wandte er sich von Lupin ab und starrte zu dem Regal, in dem die diversen eingelegten Pflanzen und Kreaturen standen. Doch dem Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste gefiel dies ganz und gar. Er stapfte ihm verdrossen hinterher und griff nach seinem Arm um ihn herumzureißen.
In Stücke reißen?, dachte Mira schockiert. Lupin wollte Snape in Stücke reißen? Und von was für einem Trank sprachen die beiden? Plötzlich hörte sie einen dumpfen Aufprall.
„Ich sagte doch, du sollst mich nicht anfassen“, fauchte Snape unerbittlich und verstaute seinen schwarzen Zauberstab wieder in seinem Gewand, „Du dreckiger Werwolf!“
Wie erstarrt ließ sich Mira aus ihrer knienden Haltung rücklings auf den harten Dielenboden fallen. Jetzt wurde ihr alles klar, alles ergab einen Sinn. Der Grund warum er zu jeder Vollmondzeit vertreten wurde, der Grund warum er immer so kränklich wirkte. Lupin war der Werwolf. Professor Remus Lupin, den sie doch so verehrte, griff sie eines Nachts an. Wenn Snape nicht dazwischen getreten wäre, hätte er sie getötet. Er, ein Mensch, den sie seit dem ersten Augenblick bewunderte. Betrübt verkroch sich Mira in eine Ecke des schauerlichen Schlafzimmers und vergrub ihr Gesicht in den verschränkten Armen, die auf ihren angezogenen Knien ruhten. Tief seufzend verzog sich ihr Gesicht vor Trauer. Ungläubig schüttelte sie langsam ihren Kopf und presste ihre Augenlider fest zusammen um ihre Tränen zu unterdrücken. Mira konnte sich nicht ganz genau erklären warum sie so erschüttert über diese Neuigkeit war, aber auf einmal verlor sie jegliches Vertrauen zu ihm. Die ganzen Gespräche, die sie geführt hatten, in denen sie ihm so viel anvertraute, fühlten sich an wie eine einzige, große Lüge.
„Oh Gott, Lupin“, flüsterte sie bekümmert, „Nicht du.“
„Steh auf und verschwinde aus meinem Büro!“, hörte sie Snape aufgebracht rufen.
„Bleib ruhig, Severus. Ich will dir doch gar nichts böses.“ Lupin hielt seine Hände vor ihn um ihn zu beruhigen. Als Snape ihm jedoch erneut bedrohlich nah kam, erhob sich Lupin stolpernd und wich vor ihm zurück.
„Das mit deinem Trank kannst du von nun an vergessen“, zischte er drohend.
„Aber warum? Ich habe dir doch nichts getan.“ Lupin verstand die Welt nicht mehr. Eine tiefe Sorgenfalte hatte sich auf seiner Stirn gebildet, denn wie sollte er ohne den Wolfsbanntrank die Vollmondnächte überstehen?
„Du hast mir nichts getan? Bist du dir da sicher, Remus?“ Voller Zorn fasste Snape mit beiden Händen an seinen Kragen und riss sich sein Gewand vom Oberkörper. „Und was nennst du das hier?“ Es zeigten sich ein paar tiefe, lange Wunden, die ihm eindeutig durch Klauen zugefügt wurden. Lupin erschrak bei diesem Anblick, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte er noch nie einen Menschen in diesem Ausmaß verletzt.
„Es tut mir wirklich unendlich Leid, Severus. Bitte misch mir meinen Trank an, dann wird so etwas nie wieder geschehen“, flehte Lupin sanftmütig.
„Wir werden sehen und jetzt verschwinde!“ Snape zeigte mit einem Zeigefinger zur Türe um ihn zum Gehen zu animieren.
Kurz darauf hörte Mira die Tür zum Korridor hin zufallen. Wenig später betrat ein stets wutentbrannter Snape das Schlafzimmer und fand sie, sich gegenüber, zusammengekauert in einer Ecke sitzen. Als sie zu ihm aufsah flossen vereinzelt Tränen über ihr Gesicht.
„Was ist los, mein Schatz?“ Er eilte zu ihr hin und kniete sich vor sie.
„Er ist es? Er ist der Werwolf?“, fragte sie zutiefst getroffen.
„Ja, das ist er. Lupin griff uns an. Warum nimmt dich das so mit?“ Ein Hauch von Unverständnis durchsetzte seine Stimme.
„Ich mag ihn eben sehr. Er ist fraglos eine wichtige Vertrauensperson für mich.“
„Vertraust du mir denn nicht? Mira, ich würde alles für dich tun! Und ich würde dich niemals angreifen.“ Snape nahm wieder ihren Kopf in seine Hände und hob diesen an. „Sieh mich an, Süße.“
„Du hast mich bereits angegriffen und er kann doch nichts dafür, wie ich eben herausgehört habe.“ Mira richtete sich auf und schlenderte von ihm fort, um sich auf dem Bett niederzulassen.
„Warum nimmst du ihn bloß in Schutz?“ Er nahm neben ihr Platz.
„Warum hasst du ihn bloß so sehr?“ Verzweifelt starrte sie ihn an. Er griff nach ihrer Hand, doch sie ließ dies nicht zu und zog diese weg. Snape seufzte.
„Ich erzählte dir doch, dass James Potter, Harrys Vater, und dessen Freunde mich während meiner Schulzeit ständig schikanierten. Lupin war einer von diesen. Sie taten furchtbare Dinge mit mir.“ Gekränkt schaute Snape zu Boden. Mira sah ihn mitleidig an und rutschte Näher an seinen Körper heran.
„Ich hätte niemals gedacht, dass Lupin zu so etwas fähig ist.“ Sie strich ihm mit einer Hand durchs blasse, kalte Gesicht und küsste ihn darauf auf die ihr zugewandte Wange. „Das tut mir Leid.“ Mira lag etwas auf der Zunge, doch sie zögerte. „Aber er hat sich sicher über die Zeit geändert. Er war noch jung, jetzt ist er erwachsen und um einiges vernünftiger“, sagte sie schließlich.
Snape sah sie entrüstet an. Nachdem sich sein überraschter Gesichtsausdruck zu einem voller Empörung gewandelt hatte, sprang er voller Jähzorn auf und wich zur Seite.
„Warum zum Teufel kannst du nicht auf meiner Seite sein? Warum musst du diesen Mistkerl immer in Schutz nehmen?“
„Severus, bitte, bitte bleib ruhig.“ Mira eilte ihm sofort hinterher. Normalerweise war es nicht ihre Art nachzugeben, jedoch war Snape noch um einiges sturer als sie und da sie sich zum wiederholten Male stritten sah die Schülerin es vor zu kapitulieren. „Komm schon, es war nicht so gemeint. Natürlich bin ich auf deiner Seite. Ich bin immer auf deiner Seite, egal was du tust.“ Sie küsste ihren Lehrer sanft um ihn zu beruhigen, was auch funktionierte.
Die Korridore waren dunkler denn je, da der helle Mond durch schwere Wolken verdeckt wurde. Mira traute sich nach wie vor nicht sich durch den Lumoszauber Licht zu verschaffen, deswegen versuchte sie vorsichtig in völliger Finsternis zum Gryffindorturm zu finden. Snape hatte zuvor einen Unsichtbarkeitszauber über sie gelegt, da sie diesmal den Tarnumhang nicht bei sich trug. Ihr Herz schlug so laut, dass Mira befürchtete gehört zu werden. Länger machte sie dies auf keinen Fall mit, diese ständigen Spaziergänge mitten in der Nacht durch die stockfinsteren Gänge. Diese ständige Angst vor der Dunkelheit machte ihr überaus zuschaffen. Bald war sie an der Treppe zum Erdgeschoss angekommen, wenn nicht etwas großes, schweres ihr den Weg versperrt hätte.
Ein lautes Klirren hallte durch den kalten, leeren Flur. Es muss wohl eine Rüstung gewesen sein, die Mira blind umgestoßen hatte.
„Verdammt“, flüsterte sie vor sich ihn und blieb augenblicklich wie angewurzelt stehen, in der Hoffnung man hatte sie nicht gehört.
„Hallo? Ist da jemand?“, rief eine vertraute Stimme aus der Eingangshalle hinunter. Als sie Schritte die Treppe hinunter kommen hörte hielt sie schleunigst die Luft an. Lupin hielt seinen Zauberstab, dessen Spitze ihm den Weg leuchtete, vor sich und schaute sich in dem Korridor um. Vor ihm lag die verrostete Rüstung. Miras Herz klopfte lauter denn je. Allmählich wurde ihre Luft knapp. Innerlich hoffte, nein bat sie zu Gott, dass er bald wieder kehrt und einen der Schlossgeister für diesen Vorfall verantwortlich machen würde. Als ihr langsam schwarz vor Augen wurde nahm sie einen tiefen, hörbaren Atemzug. Der Professor starrte unverzüglich in ihre Richtung.
„Humenum revelio.“ Lupin schwang seinen Zauberstab. Ehe Mira sich versah wurde sie wieder sichtbar. „Was machst du denn um diese Zeit in den Kerkern?“
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