
von Morgain LeFay
Am nächsten Morgen werde ich durch das aufgehende Sonnenlicht geweckt, bleibe aber ungerührt im Bett liegen. Wie ich dorthin gekommen bin, weiß ich nicht mehr, aber dass Serafina nun genau über meine Mutter, Lucius und alles andere informiert ist. Wäre ich nicht angetrunken gewesen, hätte sie niemals in meinen Geist eindringen können..! Mist!
Wie dem auch sei, es ist nun mal passiert. Ich sehe auf meine silberne Armbanduhr: In 2 Stunden ist Schulbeginn. Langsam richte ich mich auf und sehe von Bett zu Bett. Alle anderen scheinen noch zu schlafen. Ich stehe auf, ziehe mich um, mache mir die Haare und lese mir Narzissas Brief noch einmal durch. Sollte ich zurückschreiben? Nein, lieber nicht. Jedenfalls im Moment.
Da mir immer noch viel Zeit bleibt, gehe ich zum Bett von Serafina und bleibe davor stehen. Wenn sie so schläft, könnte man denken, sie sei ein durchaus liebenswertes Mädchen.. Da sie offenbar fest schläft, gehe ich näher an sie heran. J
etzt stehe ich direkt von ihr aus links neben ihrem schönen, blassen Kopf. Selbst im Schlaf scheint sie perfekt zu sein. Ihr Atem geht ruhig und ihre Hand, die auf ihrem Bauch liegt, sieht glatt und weich aus. In ihrem Gesicht ist weder Freude noch irgendeine andere Gefühlsregung zu erkennen, ihre Maske fällt nicht mal im Schlaf.
Plötzlich kommt mir eine Idee: Jetzt, da Serafina schläft, könnte ich ihre Träume sehen, wenn nicht sogar versuchen, ihre Erinnerungen zu "stehlen".
Schnell dreht sich mein Kopf in alle möglichen Richtungen, um zu prüfen, ob ich wirklich die Einzige bin, die wach ist. Dann schnappe ich mir meinen Zauberstab und richte ihn auf das schöne blonde Mädchen vor mir. 'Legillimens', sage ich in Gedanken.
In Serafinas Unterbewusstsein:
Sie und Angelique sitzen auf einer großen Terrasse unter einem riesigen Pavillon und sehen auf die große angrenzende Graslandschaft. Angelique fuchtelt mit ihrem Zauberstab herum und lasst verschiedene Bilder von Personen erscheinen:
Zuerst Draco.
Serafina: "Der ist ein Trottel."
Angelique: "Also ich find ihn niedlich."
Serafina: "Das ist doch nicht dein Ernst!"
Nun verwandelt sich Dracos Bild in Pansys.
Serafina: "Dumme Kuh"
Angelique: "Aber nützlich"
Pansys Bild verschwindet, ich sehe mein Gesicht.
Angelique: "Was soll man dazu sagen?", spottet sie.
Serafina, aber schweigt. Sie sieht mein leicht lächelndes Gesicht erst nachdenklich, dann hasserfüllt an. Noch immer sprachlos hebt sie ihre beinahe weiße Hand, streckt die Finger aus und ich höre sie in ihren Gedanken "Incendio" sprechen. Mein Bild geht in lodernden Flamen auf und das Szenario verschwindet.
Ich bin wieder in der Realität und stehe neben Serafinas Bett. Ein einziger Unterschied ist zu verzeichnen: Ihre blauen, leuchtenden Augen durchbohren meine. So gefährlich und hasserfüllt hat sie noch nie ausgesehen. Ich kann mich nicht rühren, sogar blinzeln erscheint mir momentan unmöglich. Wahrscheinlich steht mir die Angst im Gesicht geschrieben. Sekunden vergehen, die mir wie Stunden vorkommen. Aber auch Serafina macht keine Anstalten sich zu bewegen. Diese fürchterlichen Augen fressen mich auf und ich traue mich nicht zu atmen oder zu denken.
Doch endlich passiert etwas: Kaum merklich macht sie ihren von roten Lippen umrandeten Mund auf und spricht leise zu mir:
"Du kleines Miststück. Die Todesser sollen dich holen und so sehr foltern, dass du nicht mehr denken kannst!"
Eigentlich hätte ich jetzt gern widersprochen, sie ist schließlich auch in meinen Geist eingedrungen, aber ich bin immer noch wie gelähmt.
Blitzschnell fährt sie hoch, greift meine Haare und zieht mich zu ihrem Gesicht herunter. Ich falle auf die Knie und spüre, wie sich ihr Griff in meinen Haaren verfestigt. Doch ich traue mich nicht auch nur einen Ton von mir zu geben.
Das Blondchen reißt mir den Zauberstab aus der Hand und wirft ihn auf den Boden, weit weg von mir. Ihr Gesicht ist mir nun so nah wie nie zuvor. Der gleichmäßige Atem ist schneller geworden und ich spüre ihn an meiner rechten Wange.
"Das, du kleines Miststück, war dein Todesurteil.", flüstert sie bedrohlicher denn je. "Ich lass dich bluten, kleine Prinzessin und sobald deine Mutter auch nur einen Fuß aus Askaban gesetzt hat, wird dein Leben eine einzige Plage sein, hast du verstanden?"
Ich kann mich nicht bewegen, ihr Atem brennt wie Feuer auf meiner Haut und mein Kopf glüht vor Panik. Serafina ist keine Hexe der leeren Worte, das weiß ich genau..
Plötzlich lächelt sie finster, ihr Gesicht ist jetzt ca. 10 cm von meinem entfernt und ich spüre einen Zauberstab an meiner Kehle.
"Incarcerus ", zischt sie genüsslich. Ein Seil windet sich um meinen Hals, ich kann nicht mehr atmen! Meine Hände versuchen mich von dem mich erstickenden Gegenstand zu befreien, aber vergebens; ich ringe um Luft, mir bleibt nichts anderes, als Serafina dabei flehend anzusehen.
Doch ihr Blick bleibt genüsslich lächelnd und kalt.
"Ein kleiner Vorgeschmack, meine Süße.", flüstert sie. Ich aber liege nun mehr oder weniger auf dem Bett vor ihr, mein Blick gleicht dem eines Bettlers, ich habe Angst und fühle mich extrem wehrlos - momentan würde ich alles für Serafina tun, um diesen Qualen zu entkommen.
Ich versuche zu sprechen:
"B.. Bitteh..", winsele ich.
"Was? Fester?", fragt sie mich amüsiert. Ich kann nicht mehr. Meine Hände versuchen das Seil loszumachen, doch sie werden schwerer. Auch mein Bild von der grinsenden Serafina verschwimmt nun; ich kann mich nicht mehr halten und mein Kopf sinkt auf ihre Beine. Alles wird schwarz.
Eine warme Hand fährt mir über den Kopf, das Seil um meine Kehle ist weg und ich bekomme wieder Luft.
Als ich die Augen öffne ist jedoch niemand mehr zu sehen. Serafina ist verschwunden, ich liege aber noch an derselben Stelle, an der ich eingeschlafen bin. Ich schrecke hoch, wie spät ist es?! - Noch 10 Minuten bis Unterrichtsbeginn. Ich schnappe mir meine Schulsachen und renne los. Mein erstes Fach ist Wahrsagen. Warum ich das gewählt habe, weiß ich auch nicht..
Ich komme 2 Minuten zu spät, scheine aber wie immer nichts Besonderes verpasst zu haben: Prof. Trelawney philosophiert noch über unseren Horizont, unsere Wesen und so weiter. Als ich den Raum betrete, sieht mich die verrückte Frau an.
"Verzeihen Sie meine Verspätung, ich war verhindert, Professor.", sage ich höflich und warte auf ihre Antwort. Doch die Frau steht wie angewurzelt da und starrt mich mit ihren übergroßen Augen, die sich in ihrer Brille bilden, an. Verunsichert frage ich: "Professor..?"
"Oh, du armes Kind.", bemitleidet sie mich, während sie auf mich zukommt, "Ich sehe grauenvolle Dinge, die dir widerfahren werden. Fürchterliche Qualen und keine Hoffnung."
Mein Gesicht bildet ein einziges Fragezeichen. Ich sehe in die Runde, aber die anderen schauen auch nur ausdruckslos zu uns herab.
"Ähh, danke, Professor. Aber ich glaube, ich lasse die Zukunft lieber Zukunft sein.", antworte ich in der Hoffnung, nun nicht mehr Mittelpunkt zu sein. Ich laufe auf einen freien Platz und lege mein Schreibzeug auf den Tisch. Und tatsächlich ist Trelawney wieder komplett mit etwas anderem beschäftigt. Verrückt eben.
Die nächste Stunde steht an: Zaubertränke.
Es ist echt wunderlich, aber ich scheine die einzige Slytherin zu sein, die Snape nicht leiden kann. Natürlich bekomme ich nicht solche schlechten Noten, wie Potter oder andere, denn meine Künste sind nicht von schlechten Eltern (wortwörtlich). Trotzdem werde ich immer angemotzt, bei den schwersten Fragen aufgerufen oder als Versuchskaninchen ausgewählt.
Heute scheint Professor Snape besonders schlechte Laune zu haben, denn ich habe nur gesagt, dass der Trunk des Friedens (Starkes Beruhigungsmittel) nicht immer hilfreicher ist, als Alkohol. Und seine Antwort war:
"NACHSITZEN! Ich sehe Sie nach dem Unterricht in meinem Büro!"
Wow, ich glaube, ich habe den Rekord gebrochen: am ersten Schultag schon Nachsitzen, das hat sicher noch keiner geschafft! Was solls, es ist Snape, muntere ich mich auf.
Nun kommt eine Doppelstunde Verteidigung gegen die dunklen Künste mit Professor Umbridge.
Bereits als die Frau den Raum betritt, bin ich genervt von ihr. Leider ist meine Laune nun völlig im Keller angelangt, was sie zu spüren bekommen wird..
„Guten Morgen, Klasse. Mein Name ist Professor Umbridge und ich freue mich euch kennen zu lernen.“, redet sie uns zuckersüß zu.
„Ja, klaaar.“, spotte ich leise, doch Umbridge hat es gehört. Sie sieht mich kurz mit finsterem Blick an, lässt dann aber von mir ab.
„Ich denke, dass wir alle bald wirklich gute Freunde sein werden. Chrm, chrm.“, wendet sie sich der Klasse zu und grinst breit.
Ich muss lachen bei der Vorstellung, dass sie eine „Freundin“ für mich sein will. Aber eigentlich sollte sie das ebenfalls nicht hören… Nun stellt sie sich vor mich und sieht mir tief in die Augen:
„Entschuldigung, was meinten Sie gerade, Miss?“
„Lestrange.“, erwidere ich, um die eigentliche Frage zu umgehen. Ihr kurzes Aufleuchten in den Augen entgeht mir nicht - sie kennt meine Mutter - ganz sicher.
Dennoch lächelt Umbridge mich (immer noch) an und bestellt mich nach dem Unterricht in ihr Büro. Aber ich muss ja schon zu Snape. Was nun?
„Ich kann aber nicht kommen, ich mu-“
„Entweder Sie heben die Hand bevor sie sprechen, oder Sie kommen täglich nach dem Unterricht zu mir. Außerdem interessiert es mich nicht, ob Sie nicht kommen können, nur weil sie schon etwas anderes vorhaben. Und nun seien Sie still!“, macht Umbridge mich vor der gesamten Klasse nieder. Ich kann es ja aber nicht ändern, dass ich zu Snape muss, daher spreche ich erneut:
„Ich muss aber schon bei Professor Snape Nachsitzen.“
Während ich kurz Luft hole, höre ich Pansy hinter mir tuscheln und lachen. Doch im Moment ist mir das egal.
„Ich kann nun mal nicht!“, ich bin so in Rage, dass ich aufgestanden bin, „Ich kann doch nichts dafür! Das müssen Sie-“
„ES REICHT!“, schreit Umbridge mich an. Plötzlich setze ich mich, ohne dass ich es kontrollieren kann. Also ein Zauber ihrerseits..
Die restliche Stunde verbringe ich in völligem Schweigen.
Tja, ich muss mich wohl entscheiden. Gehe ich zu Snape und lasse mich von Umbrige zusammenfalten, oder gehe du zu Umbridge und lasse mich von Snape runtermachen?
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