
von Morgain LeFay
Jeden neuen Tag, an dem ich aufwache, schmerzt mir die misshandelte Hand. Die Worte "Ich Schweige" werden mich wohl nie wieder allein lassen.
Umbridge fordere ich nun nicht mehr heraus und rede nur mit ihr, wenn es nötig ist. Als mich Angelique nach meinen Nachsitzen-Stunden fragte, erklärte ich ihr, dass nichts weiter abläuft und ich hauptsächlich Schreibarbeiten machen muss, was ja mehr oder weniger auch stimmt. Serafina ist die Wunde an meiner Hand nicht entgangen, sie hat Spaß daran: Immer, wenn ich ihr etwas sage, was sie nicht hören will, zückt sie ihren Zauberstab und lässt sie meine Wunde schmerzen.
Auch der Unterricht der 3 unverzeihlichen Flüche fällt nun für mich flach, denn Umbridge hält mich täglich bis in die Nacht fest. Ich versuche die anderen auf nach den Ferien zu vertrösten, denn ich habe Hoffnung, dass ich da endlich "entlassen" werde.
Und endlich ist es so weit: Winterferien.
Draco und ich reisen zurück nach Hause, es wäre für mich auch reinste Folter gewesen, hier in Hogwarts festzusitzen.
Am Bahnhof holen uns Lucius und Narzissa ab. Sie strahlt vor Freude, er steht nur mit ernster Miene da, aber ich habe nichts anderes erwartet.
"Es ist so schön, euch wiederzusehen.", schwärmt Narzissa.
"Danke, gleichfalls.", sage ich fröhlich. Wir holen unser Gepäck und machen uns auf den Weg.
Zu Hause angekommen, kommt Kreacher und begrüßt mich ehrfürchtig. Ich mochte ihn schon immer, er kümmert sich um mich, seit ich denken kann.
Die Hauselfen greifen sich Dracos und mein Gepäck und schaffen es in unsere Zimmer.
"Ich habe eine große Überraschung für dich, Morgaina.", schwärmt Narzissa mir beim Abendessen vor. Verwundert frage ich:
"Ach ja? Was ist es denn?"
"Darauf kommst du nie, glaub mir."
"Dann sag es mir einfach!", dränge ich ungeduldig. Nun mischt sich auch Onkel Lucius ein:
"Es besteht dringende Schweigepflicht, klar? - Du behandelst dieses Thema bitte mit Präzision." Jetzt dämmert es mir langsam und ich hoffe so sehr, dass ich mit meiner Vermutung falsch liege.
"Morgen wirst du deine Mutter kennen lernen!", ruft Narzissa mit Freude in der Stimme. "Nein", stammele ich geschockt, "Das ist nicht wahr, oder? Onkel Lucius, ihr macht Scherze, stimmts?"
"Ich fürchte, Morgaina du hast recht gehört. Bellatrix Lestrange wird am morgigen Tage hier aufkreuzen.", lautet Lucius' Antwort.
Der Tag ist also gekommen, aber dass er so bald da sein würde, dachte ich nicht.
"Freust du dich?", fragt Narzissa hoffnungsvoll. Ich kann nur nicken. Normalerweise belüge ich sie ja nicht, aber das hier muss sein.
Am nächsten Tag geht es mir extrem schlecht. Ich fühle mich, als würde ich vor Aufregung sterben. Oder ist es Angst?
Ich versuche jedenfalls einen kühlen Kopf zu bewahren und mache mich fertig. Kämme mir die Haare, ziehe mir ein schwarzes Kleid an und nachdem ich mir sicher bin, dass ich meiner Mutter so unter die Augen treten kann, gehe ich in das riesige Wohnzimmer.
Noch scheint sie nicht da zu sein.
Draco sitzt gelangweilt auf dem Sofa.
"Aufgeregt?", fragt er mit Ironie in der Stimme.
"Wenn du wüsstest.."
"Mutter hat dich gesucht, ich glaube, sie will euch vorstellen...", gibt er mitleidig von sich. Ich sage ihm, dass ich mich auf die Suche nach Narzissa mache und drehe mich um. Zu meiner Verwunderung ruft er mir noch hinterher:
"Viel Glück. Und keine Sorge, du bist ein gutes Mädchen, sie muss dich einfach mögen!"
Im Konferenzzimmer finde ich Narzissa, sie redet mit einer Frau in schwarz.
"Oh, Morgaina, ich habe dich gesucht, komm rein.", ruft mir sie mir mit heiterer Stimme zu. Ich trete langsam mit weichen Schritten ein. Die andere Frau mit extrem hoch gesteckten und gelockten Haaren wendet ihren Blick mir zu.
"Darf ich vorstellen, das ist deine kleine Tochter, Morgaina; Morgaina, nun lernst du endlich deine Mutter kennen.", vermittelt Narzissa.
Mir ist übel, zum ersten Mal steht sie mir gegenüber:
Ihre schwarzen Haare; ihr faltiges, hübsches, jedoch bedrohliches Gesicht; ihr eiskalter Blick und ihre geringschätzenden Augen ziehen mich in ihren Bann. Was soll ich sagen..?
"Ich habe mehr erwartet.", keift Bellatrix mich mit Verabscheuung an, "Dieses liebevolle Gesicht, die hoffnungsvollen, unschuldigen Augen... Sicher, dass sie es ist, Zissy?"
"Absolut sicher, Bella. Sie hat viel von dir, weißt du?"
Ich schweige. Keine netten Worte, keine Geste, rein gar nichts. Meine Mutter ist wohl die einzige, die ihre Tochter kritisiert, nachdem sie sich zum ersten Mal richtig getroffen haben. Aber was die kann, kann ich schon lange.
"Ich kenne dich von den Fahndungsplakaten her, du musst die sein, von der alle so abfällig reden."
"Morgaina!", ermahnt mich Narzissa. Dieses Mal ist es mir aber egal, es ist mein Recht, zurückzuschießen!
"Lass uns doch allein, ja, Zissy?", fordert Bella mehr, als dass sie fragt, doch ihr Blick beruht noch immer auf mir. Unterwürfig, wie sie ist, läuft Narzissa in Richtung Tür und ruft:
"Übertreib es nicht, Bella. Sie ist deine Tochter."
Als die Tür zufällt, flüstere ich sogar noch:
"Genau, du bist ja gerade erst aus dem Knast raus, da musst du erstmal rausfinden, wer wer ist."
Doch plötzlich habe ich ein extrem ungutes Gefühl...
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel