
von Morgain LeFay
Ein paar Stunden nach dieser Misere stehe ich bereits wieder im Salon. Mein Arm schmerzt unter einem weißen Verband, aber ich verkneife mir auch nur einen Ton.
"Morgaina, wir haben uns überlegt, dass du einen besseren Anschluss in Slytherin bekommen könntest, wenn wir ein Fest veranstalten.", sagt Narzissa hoffnungsvoll. Ich aber bin entsetzt:
"Was? Nein, das brauchst du wirklich nicht machen, ich hab doch schon genug -ähm- Bekanntschaften! Das ist wirklich nicht -"
"Und ob! Ich weiß, dass du besonders zu der jungen Hennesy ein besseres Verhältnis nötig hast. Außerdem feiern wir dabei gleichzeitig die Rückkehr deiner Mutter."
"Jaah, feiern...", nuschele ich vor mich hin. Dann verziehe ich mich in mein Zimmer.
Vor meinem großen Fenster stelle ich mich auf. Draußen schneit es heftig und alles ist in einem grellen Weiß gehüllt. Plötzlich fällt mir etwas ein: Einmal hatte ich Fred und George Weasley während des Nachsitzens ein wenig kennengelernt. Als die beidem merkten, dass auch ich Umbridge nicht ausstehen kann, weihten die beiden mich in das Geheimnis der Widerstandstruppe der DA (Dumbledores Armee) ein. Da Draco und einige andere meines Hauses sich aber dem Sonderkommando Umbridges anschlossen, stand ich natürlich mal wieder zwischen den Parteien, doch nun habe ich meine Kontakte zu normalen, nicht vorurteilenden Zauberern zu verlieren, denn wenn ich nur noch mit den reinblütigen Familien agiere, besteht die Gefahr, genauso schlimm wie sie zu werden.
Ich setze mich also an den Schreibtisch und entwerfe einen netten Brief, indem ich die beiden Weasleys nach einer Mitgliedschaft anfrage. Außerdem wünsche ich ihnen noch fröhliche Weihnachten und viele Grüße an Ginny. Dann gebe ich den Brief meiner Eule und sie fliegt als brauner Punkt durch die Schneelandschaft.
3 Tage später ist das von Draco ersehnte Weihnachtsfest soweit. Innerhalb dieser Tage habe ich versucht jeglichen Kontakt mit meiner Mutter zu meiden und war entweder in der Winkelgasse oder verbrachte meine Zeit in der Bücherei des Manors. Zwar wurde ich oftmals von Narzissa ermahnt, ich solle "gefälligst ein wenig Zeit meiner Familie verbringen", das sei "ja der Sinn von Weihnachten". Doch trotzdem habe ich versucht besonders Lucius und Bellatrix zu meiden.
Am Weihnachtsmorgen werde ich sanft geweckt: vor mir steht ein kleiner, grünäugiger Hauself. Als ich realisiere, wer hier in mein Gesicht schaut, reiße ich die Augen auf und kann gerade noch verhindern, den Namen auszuschreien.
"Dobby!", flüstere ich mit Freude in der Stimme, "was machst du denn hier?"
"Dobby möchte Morgaina Lestrange frohe Weihnachten wünschen.", sagt der kleine Elf mit großen, tränengefüllten Augen. Ich habe Dobby schon immer geliebt, aber Lucius hatte so gut es ging den Umgang mit ihm unterbunden, da Hauselfen "Kreaturen eines niederen Standes" seien und man diese als solche behandeln müsse. Das habe ich aber nie vertreten und Dobby, Kreacher und alle anderen Hauselfen in Schutz genommen. Als Harry Potter Dobby in unserem zweiten Schuljahr die Freiheit geschenkt hatte, war ich überglücklich, allerdings hatte ich ihn seitdem nicht mehr gesehen.
Nun nehme ich Dobby in die Arme und sage liebevoll:
"Ich danke dir, Dobby. Dir auch ein wunderschönes Weihnachtsfest! Ich habe dich so vermisst, aber es geht dir gut, da bin ich froh drüber.". Er erwidert meine Umarmung und kuschelt sich an mich.
"Dobby freut sich so sehr, Morgaina Lestrange zu sehen, aber ist traurig, dass ihre Mutter so böse zu ihr ist.", er deutet auf meinen verbundenen Arm.
"Ach, das ist doch halb so schlimm, mach dir keine Sorgen, es geht mir ganz gut.", lüge ich.
Plötzlich klopft es. Ich schrecke hoch.
"Ja?", rufe ich, in der Hoffnung, meine Hysterie zu unterdrücken. Es ist Narzissa:
"Morgaina, ist alles in Ordnung? Warum schließt du dein Zimmer ab?"
Ein Blick zu Dobby genügt; offenbar hat er das Zimmer verriegelt. Er verschwindet mit einem "Plopp!" und die Tür springt auf.
"War nur zur Vorsicht.", versuche ich auszuweichen. Narzissa glaubt mir offensichtlich nicht, hakt aber nicht nach:
"Frohe Weihnachten, Schätzchen."
"Frohe Weihnachten, Mutter.", gebe ich zurück. Ihr Blick wird ernst, wie Stein; so böse hat sie mich wohl noch nie angesehen.
"Ich bin nicht deine Mutter. Wenn du mich noch einmal so nennst, wirst du es bereuen.", faucht die mir sonst vertraute Frau.
"Was? Narzissa, was meinst du? Du warst schon immer meine-"
"Fröhliche Weihnachten, alle miteinander!", ruft Bellatrix während sie gut gelaunt in mein Zimmer stolziert. Ich sitze noch immer in meinem Bett und starre ungläubig zur Tür:
"Oh, ja, genau, ähm, gleichfalls." Narzissas strenger, gleichzeitig warnender Blick lässt mich schnell "Mutter" hinzufügen. Bella grinst und wendet sich zu Narzissa:
"Wo ist mein Lieblingsneffe?"
"Ich glaube, er schläft noch.", sagt sie ruhig. "Gehen wir ihn suchen. Morgaina, wir sehen uns gleich im Salon" Und die Tür knallt zu.
"Was war das denn?", frage ich mich laut. Nach kurzem Überlegen stehe ich auf und gehe ins Bad. Da erscheint Dobby wieder. "Morgaina Lestrange muss jetzt in den Salon, Dobby wird heute Abend wiederkommen?", fragt er, während er sich neben meinen Spiegel stellt, in dem ich mich schminke.
"Ja, aber du musst wirklich kommen!", entgegne ich ernst. "Versprich es mir, Dobby!" Dobby streckt seine kleine Hand aus, ich die meine.
"Dobby verspricht es hoch und heilig.", schwört er, bei unserem Händedruck.
Mit einem Knall verschwindet er und ich mache mir die Haare.
Im Salon angekommen, sitzen bereits alle auf ihren Stühlen. Ich wünsche den Übrigen noch frohe Weihnachten und setze mich hinzu.
Zunächst essen wir. Ein ziemlich schweigsames Unterfangen, denn Narzissa weicht jedem meiner Blicke aus, Draco isst, als hätte er eine Woche nichts bekommen und mit den beiden anderen rede ich lieber gar nicht.
Doch irgendwann fragt Bella:
"Weißt du schon, wer dir heute Abend die Ehre geben wird?" Ich sehe sie fragend an.
"Was meinst du?"
"Na das Fest heute Abend. Es werden alle großen, reinblütigen Familien kommen. Auch deine Schulfreunde sind eingeladen.", protzt Mom, wobei sie das Wort "Freunde" besonders betont und mich mit wissendem Blick anschaut.
Ich bin entsetzt. Ich wusste, dass es dazu kommen musste, aber nicht heute! - Weihnachten ist ruiniert.
"Oh.. Toll..", versuche ich mit ein wenig Begeisterung zu entgegnen. Danach schweige ich bis wir uns an die Geschenke machen.
Wie immer gibt es viele, teure Geschenke, sogar Bellatrix hat mir Eines gekauft. Als ich es auspacke, erstarre ich.
"Das.. Das Buch liegt doch unter Sicherheitsverwahrung im Ministerium, wie..?"
Bella grinst. "Ja, aus diesem Buch kannst du noch viel über dunkle Magie lernen. Ich wusste, dass es dir gefällt."
Naja, mit gefallen hat das wenig zu tun, sollte ich mit diesem Buch erwischt werden, darf ich vielleicht in die alte Zelle von Mutter ziehen..! Aber was solls, ich verstecke es einfach irgendwo, denke ich mir, während ich ein erzwungenes "Danke" hervorbringe. Dann öffne ich das nächste Päckchen, in der Hoffnung etwas Erfreulicheres zu finden. Und tatsächlich ist da etwas Schönes:
"Wow, nicht zu fassen!"
Es ist ein Päckchen von Fred und George, darin schimmert mir eine DA-Münze entgegen. Um mich herum spüre ich neugierige, fragende Blicke. Tja, wenn ich auch nur andeute, dass das von den Weasleys kommt, darf ich alles, samt Verpackung wegschmeißen, also:
"Das ist eine einzigartige Münze, die es nur in Durmstrang gibt. Sie ist von Oliver Graham, er geht da zur Schule, ich hatte ihn letztes Jahr kennengelernt, weißt du noch, Draco?"
Natürlich hat Draco keinen Plan, wovon ich rede, also stimmt er zu.
Schnell mache ich das nächste Geschenk auf; Meine gute Laune schwindet: ein kleines silbern verpacktes Päckchen von Serafina. Als ich es öffne, funkelt mir ein silbernes Armband entgegen. Es sind 2 dünne Schlangen, die sich mehrmals umeinander schlängeln und sich gegenseitig beißen. Nach der Drohung, die die Absenderin mir in der Schule gegeben hat, traue mir nicht, es anzufassen...
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