
von Morgain LeFay
Da steht sie. In einem schillernden roten Kleid mit großem Ausschnitt starrt sie mich an. Natürlich ist sie nicht allein, neben ihr steht der abwesend schauende Oliver Goodwill und ein paar andere Slytherins.
Zwar versuche ich so schnell wie möglich mit irgendjemand anderem Augenkontakt aufzunehmen, um mich mit ihm zu beschäftigen, doch ich habe Pech: Die Elite beehrt mich mit ihrer Anwesenheit.
"Ein wunderschönes Anwesen.", erklärt Serafina im Gang auf mich zu. Ich stehe immer noch wie angewurzelt da.
"Ähm, Danke.. Es gehört den Malfoys."
Die Gruppe teilt sich auf, nachdem die Anführerin ein leichtes Kopfnicken als Zeichen gegeben hat. Sie steht nun ganz allein, nach wie vor lächelnd, vor mir.
"Na los, fang an.", werfe ich schnell ein, um ihr (leider erfolglos) den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie beginnt:
"Wie man sieht, haben deine Mutter und du einen tollen Draht zueinander."
Sie streckt ihre Hand nach meiner kleinen Wunde im Gesicht aus. Doch ich greife schnell ihr Handgelenk.
"Kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen? Was hab ich dir denn getan?", frage ich mit möglichst viel Nettigkeit in der Stimme. Sie hebt ihre Hand und mein Arm mit ihrem Band steht auf Augenhöhe.
"Was meinst du denn damit? Wir sind doch Freunde! Du trägst sogar mein Geschenk, wenn das mal nichts beweist."
"Ich weiß zwar nicht, was du mir hier gegeben hast, aber ich trage es keinesfalls freiwillig und das weißt du!"
Sie reißt ihre Hand mit dem Satz aus meinem Griff und tritt näher.
"Dein Name mag vielleicht Lestrange sein, aber ich weiß genau, dass du niemals die Erbarmungslosigkeit und Hingabe wie deine Mutter haben wirst."
Wie gerufen erscheint meine Mutter plötzlich neben dem hübschen Mädchen.
"Na, amüsiert ihr euch? Du bist die kleine Hennessy, richtig?", fragt sie Serafina. Diese spielt die Überfreundliche und antwortet:
"Ja, Mrs. Lestrange. Ich finde es hier wunderbar. Von meinen Eltern soll ich im Übrigen Grüße ausrichten, sie sind momentan auf Reisen."
Ich weiß nicht, was ich hier sagen soll.. Die 2 Personen, die ich auf den Tod hasse, unterhalten sich wie beim Kaffeekränzchen. Bella fängt nun sogar an, über die Vergangenheit von ihr und Serafinas Eltern zu reden, also nutze ich die Gelegenheit und laufe in Richtung Schlafzimmer. Als ich den ersten Schritt in die Halle mache, die zu den Treppen nach oben führt, glaube ich meinen Augen kaum:
Der Mann, dessen Bild ich vor ein paar Stunden von einer Wand in der Winkelgasse gerissen habe, steht leibhaftig hier. Ich starre ihn ungläubig an. Offenbar bemerkt das der junge Mann, denn er läuft auf mich zu.
"Na hallo, meine Hübsche", spricht er, "Wie kommt es, dass du hier allein bist?"
Ich betrachte ihn und entgegne:
"Ich bin die Gastgeberin dieses Festes."
"Oho, na dann ist es mir eine umso größere Ehre."
Er verneigt sich vor mir und fährt fort:
"Mein Name ist Scabior. Darf ich dich zu einem der von dir spendierten Drinks einladen?"
Ich sehe mich um: keiner, den ich kenne, ist in der Nähe. Nach kurzem Nachdenken komme ich zu dem Entschluss, dass nichts daran falsch sein kann. Immerhin sind nur reinblütige Familien eingeladen. Scabior läuft auf mein Kommando zu dem Tisch mit den Getränken. Dabei bemerke ich, dass plötzlich mein Arm anfängt, zu schmerzen. Es kommt von Serafinas Armband. Schnell laufe ich zu Scabior und entschuldige mich.
Sobald ich ihm den Rücken zugekehrt habe, höre ich ihn rufen:
"Du hast mir gar nicht gesagt, wie du heißt!"
Ich drehe mich um und antworte lächelnd:
"Stimmt, das hab ich nicht."
Ich spanne meine Muskeln an, um den Schmerz ein wenig zu unterdrücken, muss aber letztlich zu Serafina zurückkehren, um zu klären, was das zu bedeuten hat.
„Sehen Sie, ganz einfach.“, erläutert Serafina meiner Mutter, als ich bei beiden ankomme.
Wütend sehe ich die Blonde an. Sie grinst.
„Was ist?“, will sie unschuldig wissen. Mom steht mit neugierigem Blick daneben – es wundert mich, dass sie so ruhig ist. Mein Arm brennt immer mehr.
„Was machst du, verdammt?!“, zische ich Serafina so leise und aggressiv wie nur möglich, „Hör auf mit dem Mist!“
„Na gut.“
Das war zu einfach. Aber komischerweise lässt der Schmerz tatsächlich nach.
„Es war mir eine Ehre mit Ihnen zu reden, Mrs. Lestrange. Doch ich lasse Sie nun wieder mit Ihrer reizenden Tochter allein.“
„Kein Problem, Kleines. Ich bin sicher, wir werden uns bald wiedersehen.“
„O, das hoffe ich doch.“, verabschiedet Serafina sich, als wäre Mom ihr größtes Vorbild. Sie tritt zu mir, gibt mir einen Kuss auf die Wange und zwinkert mir zu: „Bis bald, Morgaina. Viel Spaß noch.“
Noch kurz sehe ich dem wunderschönen Mädchen hinterher, dann drehe ich mich zu Bella.
Keine von uns sagt etwas, sie starrt mir einfach nur herablassend ins Gesicht. Als Narzissa zu uns stößt, bin ich zu tiefst erleichtert.
„Wie siehts aus? Bist du bereit Morgaina?“
„Wie? Wofür?“
Geschockt sieht sie mich, dann ihre Schwester an.
„Du hast ihr nichts erzählt?! Wir waren uns doch einig, dass-“
„Tsssss!“, zischt Bella Narzissa unheilvoll an, „Mein Kind, Zissy.“
Mir scheint, als ob ich etwas wichtiges verpasst habe. Allmählich bekomme ich ein wenig Angst.
„Wovon redet ihr? Was habt ihr vor?“
Narzissa schweigt, sieht mich aber mitleidig an. Bellatrix hingegen fährt gelassen fort:
„Wir machen gleich einen Ausflug. Und jetzt-“
„Ausflug?!“
„Und jetzt Ruhe!“
Was meint sie mit „Ausflug“? Wohin sollten wir um die Uhrzeit im Winter gehen? Und wer kommt mit? Doch meine Fragen sollen im nächsten Moment von Lucius beantwortet werden, der sich vor den Kamin stellt und mit seinem Zauberstab seine Stimme intensiviert:
„Sehr geehrte Gäste, meine lieben Freunde und Gefährten! Wir alle sind heute Abend nicht nur wegen einer üblichen Dinnerparty zusammengekommen.“
„Nicht?“, frage ich Narzissa, die noch immer neben uns steht, im Flüsterton. Lucius redet weiter:
„Es ist an der Zeit unseren Kreis zu erweitern. Heute wird die Nachzüglerin unserer wohl aufopferungsvollsten Hexe die Ehre haben, in den Kreis der Elite einzutreten. Herzlichen Glückwunsch, Morgaina Lestrange!“
Mein Gesicht, das bisher noch einen neugierig-ängstlichen Blick aufwies, wandelt sich in ein gespieltes Lächeln bei dem Beifall, den mir jeder zu geben scheint. Was hat das alles zu bedeuten?
„In wenigen Minuten wird Bellatrix ihre Tochter zu unserem Meister bringen und sie wird die Ehre haben, mit dem dunklen Mal versehen zu werden.“
WAS?!
„Diejenigen von uns, die bereits das dunkle Mal haben, werden spüren, sobald der Dunkle Lord unsere Jüngste kennzeichnet. In diesem Sinne, viel Erfolg, Morgaina!“
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