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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Überraschungen

von Alex2303

۩ ۞ ۩


Am Montagnachmittag, nach dem Unterricht, verschwand Hermione gleich in die Eulerei, um ihren Brief abzuschicken. Sie freute sich bereits jetzt auf eine Antwort von ihm. Sie wusste nicht warum, aber als sie gestern Abend mit Ginny alle Möglichkeiten durchgegangen war, hatte sie gemerkt, dass sie dieser Typ immer mehr in seinen Bann zog. Ihr kamen stets neue Fragen in den Sinn, die sie ihm stellen wollte, um so ein Puzzleteil mehr zu bekommen, was ihr helfen könnte, seine Identität zu enthüllen.
Auf der einen Seite interessierte es sie von Tag zu Tag mehr, wer er war. Sie wollte es wissen, dann aber wiederum nicht, weil damit das Geheimnis und das leicht Mysteriöse um ihn herum verschwinden würde. Ein vielleicht dunkles Geheimnis, was ihr in der Tat sehr reizvoll erschien. Das hatte durchaus etwas, das konnte sie nicht leugnen.
Harry fand zwar nach wie vor, dass mit dem Typen irgendwas faul sein musste, wenn er so ein Geheimnis um sich machte. Allerdings rügte Ginny ihn stets aufs Neue, dass er zu schwarz sah und der Typ vermutlich nur extrem schüchtern war.
Harry hatte es vorerst so hingenommen, sie, Hermione, aber dennoch ein wenig zur Vorsicht gemahnt. Man konnte ja nie wissen. Sie hatte genickt und versprochen aufzupassen, kam sich dabei aber ein bisschen wie ein kleines, dummes Kind vor, wenn ausgerechnet Harry ihr mit sowas kam. Schließlich war er sonst immer derjenige, der sich kopflos in Probleme stürzte. Dass er sich bloß Gedanken um sie machte, wusste sie, nur fand sie das jetzt, hier vollkommen übertrieben.
So ging der Briefwechsel in der kommenden Woche auch weiter hin und her und beschränkte sich plötzlich nicht mehr nur auf einen am Tag. Der arme Hyperion war fast ununterbrochen unterwegs, nur entdeckte Hermione die Eule wirklich nie im Schloss, außer sie brachte ihr einen neuen Brief von ihm. Dieser Typ musste aber irgendwo in Hogwarts sein, anders ging es gar nicht! Doch sie fand ihn nie.
Anfang der nächsten Woche dann, Hermione wartete am Frühstückstisch bereits aufgeregt auf die Post, kam der kleine Waldkauz, wie schon die letzten Tage, mit als Erstes angeschwebt. Er ließ sich ganz galant bei ihr nieder, wo er ihr heute besonders stolz sein Bein mit der Nachricht entgegenstreckte.
Der Kleine schien es zu riechen oder sonst was, denn Hermione hatte ihm nochmal ein paar spezielle Leckereien bei Hagrid geholt. Ein paar Wühlmäuse, die sie ihm etwas unterhalb des Tisches gab, sodass niemand es bemerkte, bevor sie sich dem Brief widmete.

Meine liebe Hermione,

mir liegt, seit ich angefangen habe dir zu schreiben, eine sehr große Bitte auf dem Herzen, die ich nicht mehr länger aufschieben kann, aber auch nicht aufschieben will.
Du hast mich immer wieder gefragt, wer ich bin, was ich dir leider auch weiterhin nicht verraten kann. Es ist nicht so, dass ich es nicht möchte. Im Gegenteil. Ich würde dir gerne alles erklären. Wirklich alles, doch ist der Zeitpunkt dafür gerade mehr als schlecht. Ich hoffe, du kannst mir dies verzeihen, aber im Augenblick ist es besser, es bleibt so wie es ist.
Du sollst wissen, dass du mir sehr wichtig bist und ich versucht bin alles richtig zu machen, weswegen ich mich seit diesen zwei Wochen mit meiner Bitte, mehr noch meinem Wunsch, dir gegenüber so schwer tue. Deswegen bitte ich dich jetzt schon um Verzeihung, da mein Egoismus in dieser Sache dennoch größer ist als die Vernunft.


Je mehr sie las, desto mehr Herzklopfen bekam sie. Verdammt, was hatte er denn auf einmal? Wollte er die Briefe etwa einstellen? Das wollte sie nicht. Ganz und gar nicht.
Seit er ihr schrieb, ging es ihr nach und nach wieder besser. Sie freute sich jedes Mal ungemein, wenn sie Hyperion sah, der ihr einen neuen Brief brachte. Kleine Kurznachrichten über den Tag, aber auch die längeren Briefe am Morgen und Abend. Der kleine Waldkauz pickte nämlich seit drei Tagen sogar abends nochmal ans Fenster ihres Schlafsaals, wo ihn meistens Parvati rein ließ. Diese war selbst recht fasziniert von dem Fremden, der ihrer Mitschülerin all diese Briefe schrieb. Ebenso, dass er ihr die putzige, kleine Eule anvertraut hatte. Die Einzige in ihrem Schlafsaal, die davon genervt war, war, wie sollte es anders sein, natürlich Lavender.
Die verschmuste Eule hatte sich, von Lavender einmal abgesehen, aber nach und nach ganz frech in die Herzen fast aller Gryffindors geschlichen und wurde spaßeshalber bereits als zweites Maskottchen gehandelt. Dennoch bevorzugte der Kauz Hermiones Streicheleinheiten, wenngleich die von Ginny ebenfalls hoch im Kurs standen. Immerhin bekam er von ihnen immer mal eine besondere Leckerei und war dadurch schon ein wenig verwöhnt.
Die Vorstellung aber, dass sie den Kleinen bald vielleicht nicht mehr zu Gesicht bekam, mehr noch, denn mit ihm würden auch die Briefe verschwinden und damit der Mensch, der sich dahinter verbarg, schmerzte sie ungemein.
Sie wollte ihn gerne kennenlernen. Richtig. Sie wollte wissen, wer sich hinter all den so liebevoll geschriebenen Briefen versteckte. Selbst wenn es am Ende ein Bergtroll war, wollte sie dennoch erfahren, wer es geschafft hatte, sich so leise in ihr Herz zu schleichen. Sie wollte herausfinden, wer es war, dem es gelungen war, sie von ihrem Kummer um Ron abzulenken und aufzuheitern. Wer ihr wieder ein Lächeln ins Gesicht und Innerstes gezaubert hatte. So las sie ein wenig unsicher weiter.

Wie du weißt, findet am Samstag der Halloweenball für die Viert- bis Siebtklässler statt. Und obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass du noch keine Einladung zu diesem bekommen hast, möchte ich dich gerne einladen, mit mir dort hinzugehen.

Daraufhin verschlug es ihr kurz den Atem und sie fing an zu zittern, bevor sie sich den Absatz wieder und wieder durchlas. Doch er blieb was er war, sodass sie blindlings nach rechts in Ginnys Richtung griff und ihre Freundin ein wenig nervös am Pullover zog. Die war bis eben noch mit essen beschäftigt, genauso wie sie sich mit Harry wegen des Quidditchtrainings unterhielt. Aufgrund von Hermiones kleiner Ziehaktion, sah sie zu der Brünetten, die auf einmal Weiß im Gesicht war.
„Himmel, Hermione. Was ist denn?“ Doch anstatt ihr eine Antwort zu geben, deutete sie ihr auf den Absatz, den Ginny selbst zweimal lesen musste, bevor sie ihre Freundin breit angrinste.
„Das ist doch toll!“, strahlte sie. Hermione blieb jedoch blass, was den Rotschopf maßlos irritierte. „Oder nicht?“, fragte sie stattdessen, sodass Hermione sie verunsichert ansah. „Doch. Ich. . . Ich will ihn ja gerne treffen. Ich will wissen, wer er ist.“ „Na da ist die Feier doch perfekt!“ „Das wäre dann aber ein . . . ein. . .“ „Ein Date, meine Liebe“, schmunzelte Ginny verschwörerisch.
„Ehrlich gesagt finde ich es sehr geschickt, sich die Feier für euer erstes persönliches Treffen zu wählen. Noch dazu, da es ein Maskenball ist“, zwinkerte Ginny ihrer Freundin zu. Hermione sah allerdings unschlüssig auf den Brief und las den Rest.

Ich weiß, dass es das Egoistischstes und wohl auch Dümmste ist, was ich tue, aber ich würde diesen Abend sehr gerne mit dir zusammen verbringen. Ich möchte mit dir reden und dir dabei in deine Rehaugen sehen können. Ich möchte mit dir tanzen und richtig deine Nähe spüren können. Deshalb frage ich dich noch einmal, bitte dich darum, mich auf die Feier zu begleiten. Du würdest mir damit ein unvergessliches Geschenk machen. Und bis dahin,

pass auch weiter gut auf dich auf.


„Na?“, bohrte Ginny. Hermione sah sich jedoch noch immer außerstande, klar zu denken. Dass, was sie sich bis eben gewünscht hatte, lag nun in greifbarer Nähe. Sie könnte ihn treffen. Sie würde endlich erfahren, wer er war, nur verunsicherte sie das auf einmal fürchterlich.
„Schreib ihm, dass du seine Einladung annimmst“, drängte Ginny sie enthusiastisch. „Aber. . .“ „Nix aber. Du wolltest ihn kennenlernen. Und das machst du jetzt auch.“ „Aber wenn ich . . . wenn ich ihm nicht gefalle?“ „Oh Mione, das ist doch der absolute Blödsinn. Er hat schließlich Kontakt mit dir aufgenommen. Er hat dich zu Madam Pomfrey gebracht und scheint mehr über dich zu wissen, als du denkst, von daher stellt sich die Frage überhaupt nicht. Oder willst du ihn jetzt nicht mehr treffen?“ „Doch!“ „Aber?“, setzte Ginny an, da ihrer Freundin dieses eine Wort in knallig roten Lettern regelrecht auf der Stirn geschrieben stand. Hermione schluckte dann auch schon und sah zurück auf den Brief.
„Er hat die ganze Zeit so ein Geheimnis um sich gemacht und jetzt will er das plötzlich fallen lassen? Was ist, wenn Harry nun doch Recht hat und sein Geheimnis ist kein Gutes? Dass es mir nicht gefallen wird? Ich will ihn treffen. Natürlich. Irgendwie hab ich auf einmal aber Angst davor, was dann ist. Wie . . . wie es weitergehen könnte, weil. . . Ich will ihm gerne weiter schreiben. Ich will das auch weiter haben, nur. . . Ich hab Angst, dass sich dann alles ändert“, gab sie Ginny unsicher zu verstehen und sah sie schließlich hilflos an, worauf der Rotschopf nickte.
„Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Aber. . . Das Einzige, was sich dann vielleicht ändert, ist die Tatsache, dass du ihn dann öfters treffen kannst“, zwinkerte die Rothaarige aufmunternd. „Schreib ihm. Sag ihm Ja. Ich bin mir sicher, der Abend mit ihm wird dir gefallen“, lächelte Ginny und strich ihrer Freundin kurz durch die Haare, bevor sie sich erhob, ihr einen kleinen Kuss auf die Schläfe hauchte und meinte: „Bis später. Schreib ihm.“ Damit war sie weg. Hermione blieb allerdings noch eine ganze Weile an ihrem Tisch sitzen, der sich mehr und mehr leerte, und sah gedankenverloren auf den Brief in ihren Händen.
Inzwischen war Hyperion auch wieder unter dem Tisch hervorgekommen und setzte sich neben sie an den Tischrand, wo der Kauz sie mit seinen großen Augen ansah. Scheinbar fragend. Als sie ihn entdeckte, strich sie ihm sanft übers Gefieder, worauf er genüsslich die Augen schloss, aber auch nach der kleinen Streicheleinheit nicht verschwand. Offensichtlich wartete er darauf, dass sie ihm eine neue Nachricht mitgab.
„Ich hab jetzt nichts zum Schreiben dabei“, flunkerte sie etwas und meinte weiter: „Ich komm dann zu dir.“ Das schien der Eule zu genügen, denn damit machte er sich endlich auf den Weg. Hermione blieb allerdings noch kurz sitzen und hätte so fast die erste Stunde verpasst, da sie nach wie vor völlig in ihren Gedanken versunken war, was man auch merkte. Sie war den ganzen Tag doch recht abwesend und reagierte nicht mal auf Malfoys blöde Sticheleien.
Als sie am Abend, noch immer unschlüssig, in den Gryffindor Turm gehen wollte, hörte sie aus einem der Klassenzimmer, die um die Uhrzeit eigentlich leer sein sollten, irgendetwas scheppern und zu Bruch gehen. Offensichtlich hielt sich hier einer nicht an die Schulregeln, dem sie als Vertrauensschülerin entgegenzuwirken hatte.
Sie straffte sich ein wenig und trat an die Tür des entsprechenden Zimmers, aus dem sie jedoch keine wirklichen Stimmen, sondern nur Gestöhne hörte, weswegen sie kurz innehielt und sich schüttelte. Nein, so blöd war kein Schüler.
Verunsichert aufgrund dessen schlich sie dennoch langsam näher und schob die Tür vorsichtig einen Spalt auf, da sie keine Lust hatte in eine derartige Situation zu platzen, auch wenn es verboten war. Sie würde das Ganze dann nur ewig nicht mehr aus dem Kopf kriegen.
„Jaaa . . . fester. . .“, hörte sie eine ihr leider viel zu bekannte kieks Stimme erregt stöhnen, was ihr gleich den ersten Schauer über den Rücken jagte und sie zittern ließ.
Das würde er nicht machen. Nein, das würde er nicht machen. So blöd konnte er nicht sein, versuchte sie sich noch einzureden und schob letztlich die Tür ein kleines bisschen weiter auf, hoffend auf etwas anderes. Jemand anderen. Was sie dann aber sah, bestätigte ihr ihre schlimmsten Befürchtungen.
Lavender saß, mit hochgeschobenem Rock und halb offener Bluse, auf einem der Tische. Die Hände hatte sie begierig in einen roten Haarschopf gekrallt, den sie ungestüm zerwühlte und etwas zu sich zog. Der junge Mann vor ihr, von dem Hermione sich standhaft weigerte zu glauben, dass es tatsächlich Ron war, hatte die Hose so locker auf den Hüften sitzen, dass die doch nur offen sein konnte!
„Nein. . .“, murmelte sie in einem heiseren, leisen Flüstern, als sie das Treiben der Beiden sah. In dem Moment öffnete Lavender die Augen und schien mit ihren Blauen direkt in Hermiones Braune zu sehen. Wenn die Gryffindor sich nicht so sicher gewesen wäre, dass man sie aus ihrer Position heraus gar nicht sehen konnte, sie hätte schwören können Lavender sah ihr direkt in die Augen. In den Blauen ein zufriedenes Blitzen als sie wieder laut, wie auch zufrieden stöhnte: „Mein Won-Won.“
Damit fing sich Hermione und stolperte mit zittrigen Beinen von der Tür weg, bevor sie klopfenden Herzens, mit immer stärker brennenden Augen, in ihren Turm stürzte. Ginny und die Anderen ignorierte sie vollkommen, die ihr bereits fragende Blicke zuwarfen. Stattdessen verschwand sie ohne Umwege in ihren Schlafsaal, warf sich aufs Bett und ließ den bis eben noch so krampfhaft zurückgehaltenen Tränen freien Lauf.
Das konnte nicht sein. Das konnte doch einfach nicht wahr sein! Das konnte er nicht gemacht haben, versuchte sie sich bitter einzureden. Doch das Bild war dafür viel zu eindeutig gewesen und brannte sich schließlich unbarmherzig in ihren Geist.
Oh wäre sie doch an dem blöden Zimmer vorbei gegangen! Wäre sie nicht so lange oder noch länger in der Bibliothek geblieben, dann hätte sie das nie gesehen. Verdammt, warum tat ihr das überhaupt noch so weh? Sie hatte doch gewusst, dass die Beiden wie Kletten aufeinanderhingen.
Bis jetzt hatte sie tief im Hinterkopf aber noch gehofft, dass diese Sache nur etwas Oberflächliches war. Dass Ron sich einfach nur von der dummen Pute hatte verleiten lassen. Von ihrem dicken Dekolleté, was sie ihm bei jeder Gelegenheit unter die Nase schob.
Es klackte leise, als Ginny ins Zimmer trat und die Tür beinahe geräuschlos wieder schloss, über die sie noch zusätzlich den Muffliato legte, damit man unten nichts hörte. Kurz darauf schlich sie zu ihrer Freundin, die furchtbar bitter in ihr Kissen weinte und so versuchte, ihre Tränen darin zu ersticken. Genauso das Stechen in ihrem Innern. Mittlerweile war die Rothaarige ganz bei ihr und kroch zu ihr aufs Bett, wo sie ihrer aufgelösten Freundin beruhigend durch die Haare und über den Rücken strich.
„Was ist denn passiert?“, fragte sie leise, bekam allerdings keine Antwort, sodass sie ins Blaue riet. „Hat Malfoy dir wieder was getan?“ „Nein“, schluchzte Hermione. „Was denn dann?“ Daraufhin wurden ihre Tränen und das Schluchzen kurz stärker, bevor sie in diesem kaum hörbar „Ron“ hervorbrachte. Ginny verstand nicht gleich, zählte dann aber eins und eins zusammen, dass ihr Bruder einmal mehr was ziemlich Blödes gemacht haben musste.
„Was hat er jetzt wieder angestellt? Hat er dir wehgetan?“ „Ich . . . ich hab sie. . . Er und Brown. . . Ich hab sie in einem Klassenzimmer. . . Sie haben . . . sie haben miteinander. . . Er hat sie. . . Oh Gott, Ginny!“, schluchzte Hermione ihr in die Schulter, worauf ihre Freundin sie fest umschloss und tröstend in den Armen hielt.
„Er ist ein riesengroßer Idiot, der es absolut nicht verdient, dass du dich seinetwegen fertig machst und weinst. Wenn er so blöd ist und sich lieber Brown hingibt, obwohl er so jemand Besonderes wie dich haben könnte, dann ist ihm echt nicht mehr zu helfen. Er verdient dich nicht. Hörst du? Er ist keine einzelne deiner Tränen wert. Er. . .“ „Ich bin so dumm“, schluchzte Hermione und klammerte sich noch etwas fester an Ginny.
„Verdammt, ich hab das doch gewusst und trotzdem . . . trotzdem tut das so weh und ich. . .“, brach sie ab und verlor sich erneut in ihren Schluchzern, während Ginny sie einfach nur beruhigend hielt und ihr über den Rücken strich. Erst nach mehreren Minuten, die Hermione wie Stunden vorkamen, fing sie sich ein wenig und sah ihre Freundin mit blutunterlaufenen Augen an. Diese lächelte mitfühlend und strich ihr die Tränen behutsam von den blassen Wangen.
„Du bist nicht dumm, sondern ein ganz wundervoller Mensch, der nur das Allerbeste verdient und das ist nicht Ron, glaub mir. Auch wenn es das war, was du dir immer vorgestellt hast. Aber Vorstellung und Wunsch allein reichen meistens nicht aus, vor allem, wenn der Andere so ein blinder, ignoranter, eingebildeter, gefühlsarmer Holzkopf ist, der keinen Blick für das wahre Schöne hat. Andere haben den aber“, schmunzelte sie, bevor sie noch meinte: „Zum Beispiel dein Verehrer.“ „Was?“, stutzte Hermione leicht heiser. Ginny nickte.
„Dem liegt doch nur zu offensichtlich eine Menge an dir. Denk doch an den Zauber auf der Kette, oder letztens, als er dich erst zu Madam Pomfrey gebracht und dir später noch die Medizin geschickt hat. Außerdem ist da noch die Einladung zum Ball, die du jetzt schön brav annimmst und ihm schreibst, dass du dich auf Samstag freust!“, legte Ginny fest, dem Hermione noch etwas entgegensetzen wollte, der Rotschopf hob allerdings warnend den Zeigefinger.
„Ah! Ich will nichts hören. Du wirst auf die Feier gehen, ihn treffen und dich prächtig amüsieren. Ron streichst du ab jetzt aus deinem Kopf, immerhin verschwendet er ja auch keinen Gedanken daran, wie es dir geht. Oder was war das letztens, als du wegen der Beiden so blöd auf der Treppe gestürzt bist?“, sah Ginny sie warnend an, worauf sie schwieg, was ihre Freundin als stille Zustimmung deutete.
„Schreib ihm. Ich bring den Brief dann in die Eulerei zu Hyperion. Der wartet bestimmt schon“, schmunzelte sie, da der Kauz bereits auf die kleinste Andeutung Hermiones oder ihrer Gegenwart angeflogen kam. Der Kleine lauerte ganz offensichtlich darauf, seine Aufgaben zu bewältigen.
„Ich hab doch aber nichts“, nuschelte Hermione. „Wie nichts?“, stutzte Ginny, als sie Hermione etwas zum Schreiben holte, denn sie würde den Schlafsaal erst wieder mit einem Brief ihrer Freundin verlassen. Diese nestelte inzwischen noch immer leicht verweint an ihrer Bettdecke.
„Zum anziehen. Ich hab nichts hier und nach Hogsmeade komm ich jetzt auch nicht mehr.“ „Das lass mal meine Sorge sein. Ich treib schon etwas Schönes für dich auf. Und jetzt mach nicht mehr so ein Gesicht. Freu dich lieber, dass du ihn endlich richtig kennenlernst. Das wolltest du doch auch.“ „Hm“, nickte Hermione knapp, denn es stimmte. Sie wollte in nach wie vor treffen, nur lieber auf neutraler Basis, immerhin spitzte inzwischen schon der halbe Turm auf ihren Unbekannten. Sie würde auf der Feier kaum Ruhe haben.
„Los schreib“, drängte Ginny und schob ihr prompt Pergament und Tusche vor die Nase, worauf Hermione nochmal unschlüssig auf sie sah. Der Rotschopf kannte aber kein Erbarmen.
„Schreib ihm, ansonsten mach ich es und schleif dich zur Not auf die Party.“ „Bloß nicht“, scherzte Hermione ein wenig gequält und nahm sich letztlich ihre Feder, um ein paar Zeilen zu schreiben. Ginnys strengen Blick die ganze Zeit im Nacken, der noch zusätzlich dafür sorgte, dass ihre Hand ordentlich zitterte. Am Ende hatte sie den kurzen Brief dennoch fertig, den ihr Ginny sofort aus der Hand nahm und ihre Freundin lobend auf die Wange küsste.
„Den schaff ich jetzt erstmal weg und du. . . Du machst dich vielleicht nochmal ein bisschen frisch, du siehst nämlich ganz schön zerknittert aus“, strich Ginny ihr fürsorglich durch die Haare, worauf Hermione nur nickte und die jüngste Weasley damit verschwand. Doch anders als aufgetragen, wusch sich Hermione nicht die Tränen weg, sondern machte sich gleich richtig bettfertig. Sie wollte für heute einfach niemanden mehr sehen und hören. Sie wollte nur noch ihre Ruhe und hoffte, dass sie die trotz allem im Schlaf fand. Ihr Geist schien allerdings anderer Meinung zu sein, denn dieser hatte nichts Besseres zu tun, als ihr die halbe Nacht genau das vor Augen zu halten, was sie am wenigsten sehen wollten. Nämlich Ron und Lavender beim Sex.
So war sie am nächsten Morgen völlig fertig und sah auch dementsprechend aus. Sie war blass und hatte dicke, dunkle Ringe unter den Augen, die noch immer ein bisschen verquollen waren. Mit diesen hatte sie sich beizeiten aus dem Bett gequält und versuchte auch weiter einen großen Bogen um die anderen Schüler zu machen. Nur hatten dummerweise ein paar Slytherins die gleiche Idee zeitig frühstücken zu gehen, denn sie eckte in ihrem Tran mit drei der Jungs an.
„Pass doch auf, du blö-“, zischte Malfoy giftig, verstummte auf ihre bleiche Erscheinung aber. Nur einen Augenblick später fing er sich allerdings und hatte den Mund schon zu einem neuen Kommentar geöffnet, nur schnitt Hermione ihm das Wort bereits im Ansatz ab.
„Was. . .“ „Lass mich in Ruhe, Malfoy.“ Damit war sie an ihm vorbei, mehr als dankbar, dass Blaise und Charlie ihn scheinbar mit irgendwas abgelenkt hatten oder sonst wie im Zaum hielten, denn sie hörte keine Spitzen, die ihr nachhallten.
So kam sie in der Großen Halle an, hatte aber überhaupt keinen Hunger und stocherte eher lustlos in ihrem Essen herum, bevor sie es ganz von sich schob. Ihre Gabel hatte jedoch nicht einmal den Weg in ihren Mund gefunden. Am Ende stand sie auf und verschwand in die Bibliothek, noch bevor die Eulen kamen. Im Nacken ein seltsames Ziehen, was sie versuchte abzuschütteln.
In der Bibliothek zog sie völlig wahllos ein Buch aus dem Regal und verkroch sich damit in die hinterste Ecke, wo sie garantiert niemand fand. Da sie eine Freistunde hatte, würde die nächste Zeit ohnehin keiner hier auftauchen. Sie versuchte sich in ihr Buch zu vertiefen, merkte aber selbst recht schnell, dass sie sich nicht konzentrieren konnte, und legte es beiseite.
Am Ende lehnte sie sich zurück und schloss die Lider, jedoch huschten ihr, wie bereits die Nacht, damit aufs Neue diese obszönen Bilder durch den Kopf. Auch glaubte sie, in der scheinbaren Stille der Bibliothek, vermehrt dieses widerliche Gestöhne zu hören. Darunter mischte sich irgendwann allerdings ein leises Poken.
Daraufhin öffnete sie die Augen und sah zum Fenster, wo Hyperion wohl schon eine Weile versuchte, die Scheibe mit seinem Schnabel nieder zu machen. Schließlich ließ sie ihn rein, wo er ihr das Bein darbot.
„Danke mein Kleiner“, gab sie der Eule zu verstehen, und strich ihm etwas übers Köpfchen, wie auch das Gefieder, bevor er verschwand und sie auf den Brief sah, den ihre Hände leicht zitternd hielten. Sie schloss das Fenster und nahm wieder Platz, zögerte allerdings den Brief zu öffnen. Nur, was war schon dabei? Sie hatte ihm ja ihre Zustimmung geschrieben, wenn auch mit Nachdruck von Ginny.

Meine liebe Hermione,

ich hoffe, bei dir ist alles in Ordnung. Du sahst heute Morgen ziemlich schlecht aus, als ich dich entdeckt habe. Auch schien mir dein letzter Brief ein wenig unsicher geschrieben zu sein.
Ich wollte dich mit meiner Einladung nicht unter Druck setzen oder dergleichen. Wenn du das nicht möchtest, dich aber irgendwie dazu verpflichtet fühlst, lass dir von mir gesagt sein, du musst nicht mit mir auf die Feier gehen, wenn du nicht willst, auch wenn ich mich wahnsinnig über deine Zusage gefreut habe.
Wenn es dir aus anderen Gründen nicht gut geht, dann lass es mich bitte wissen, vielleicht kann ich dir helfen. Wenn nicht, dann geh zu Madam Pomfrey und rede mit ihr. Sie hat ja immer ein passendes Mittel parat.
Vielleicht hast du aber auch nur schlecht geschlafen. Wenn ja, dann ruh dich noch etwas aus und lass dich für heute einfach krankschreiben.
Schimpf nicht mit mir, ich mein es nur gut. Du wirst den einen Tag sicher nicht so viel verpassen, immerhin kennst du den Lehrplan für das ganze Schuljahr doch sicher schon auswendig, so wie ich dich kenne. Also gönn dir ein wenig Ruhe.

Ich freu mich auf Samstag.

Pass auf dich auf


Als sie fertig war, kam sie nicht umhin ein wenig zu lächeln. Er kannte sie wirklich gut. Erschreckend gut. Wenn es ihr nicht so verquer wäre, würde sie sogar darauf schwören, dass er sie bald besser kannte, als Harry, Ron oder Ginny.
So hatte sie ja kurz die Backen aufgeblasen, als er ihr mit dem Schwänzen kam. In dem kommenden Satz hatte sich dann allerdings gezeigt, dass er wohl genau dieses Bild vor sich gehabt hatte, als er seine nächsten Worte geschrieben hatte.
Sie blieb dann noch etwas in der Bibliothek, kam letztlich seinem Rat aber nach und ließ sich kurzerhand von Madam Pomfrey krankschreiben. Konzentrieren konnte sie sich ohnehin nicht und so musste sie für den Rest des Tages weder Ron, noch Brown und auch Malfoy nicht sehen.
Sie zog sich in ihren Gemeinschaftsraum zurück und machte es sich am Kamin mit einer Decke gemütlich, bevor sie ihrem Fremden nochmal schrieb. Sie würde Ginny bitten den Brief abzuschicken, da es sicher fragwürdig aussah, wenn sie, als krankgeschrieben, trotzdem weiter durchs Schloss spazierte.
Es dauerte dann auch nicht sehr lange, nachdem sie den Brief versiegelt hatte, dass sie in ihrem Sessel, in die Decke gemummelt, einschlief. Dieses Mal allerdings ohne die Bilder.

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