Der Tag, sowie die kommende Nacht, zogen sich unerträglich und zehrten verstärkt an Dracos Kräften. Er hatte die ganze letzte Woche kaum geschlafen, seit die Greifer mit Hermione im Manor aufgetaucht waren.
Zwar hatte er anfangs noch gedacht, gehofft, dass Potter nach kürzester Zeit auftauchen würde, um ihr zu helfen. Nur war niemand gekommen, sodass ihre Schreie beinahe unentwegt durch das Manor gehallt hatten. Er hatte diesen Laut von der ersten Sekunde an nicht mehr aus dem Kopf gekriegt. In den paar Stunden, in denen er dann doch vor Erschöpfung weggenickt war, hatten ihn ihre Schreie selbst in seinen Träumen weiter heimgesucht. Noch dazu die passenden Bilder, die ihn auch jetzt noch fürchterlich schaudern ließen, womit sein Blick auf sie fiel.
Sie sah nach wie vor richtig scheiße aus. Ihre Blutflecke und das alles hatte er zwar weg bekommen, dennoch glich ihre Erscheinung mehr der einer Toten. Ihre Haut war bleich und fahl, glänzte jedoch wächsern, durch die nicht versiegen wollenden, kalten Schweißausbrüche. Ihre Atmung ging nach wie vor schwer, während es unter ihren Lidern unruhig zuckte. Hinzu kamen die tiefdunklen Schatten unter ihren Augen, denen er allerdings in nichts nachstand, nur hatte das bei ihm ganz andere Gründe.
Zwar wimmerte sie jetzt nicht weiter, dennoch war er sich sicher, dass sie Albträume hatte, weswegen er ihr nochmal etwas zur Beruhigung gab, nur verschwand das Zucken unter ihren Lidern damit nicht. Im Gegenteil. Mit der Zeit kamen ihr die Tränen, genauso wie sie schmerzlich zu murmeln begann. Die Stimme vollkommen kratzig und heiser.
„. . . nein . . . bitte . . . aufhören, bitte. . .“, keuchte sie schwer und wühlte schwach unter der Decke. Und das irgendwann so sehr, dass sie mit dem Armen fahrig um sich schlug. Draco nahm sie daraufhin bei der Hand, die er warm umschlossen hielt und nach der sie leicht krampfte. Seine andere legte er an ihren Kopf, wo er ihr behutsam durch die strähnigen Haare strich.
„Hermione? Hörst du mich? Es ist alles gut. Sie werden dir nicht mehr wehtun. Es wird nichts mehr passieren“, sprach er ihr ruhig zu und ließ seine Hand ein wenig wandern, die kurz darauf auf ihrer zerkratzen Wange lag, über die er vorsichtig strich.
Es war nur eine kleine Geste, die nach und nach aber tatsächlich ihre Wirkung tat. Die Hexe hörte auf zu murmeln, wenngleich ihre Atmung noch immer so schwer ging. Ihr Geist schien sie nun allerdings wieder in Frieden zu lassen. Und damit das so blieb, ließ er ihr auch weiter diese Gesten zukommen. Irgendwann in der darauffolgenden Nacht nickte er jedoch weg. Nur war der Schlaf, den er bekam, alles andere als erholsam, geschweige denn friedlich. Stattdessen hatte er aufs Neue alles vor Augen. Ihre Schreie, genauso die Misshandlungen, die ihr die ganzen Death Eater beigebracht hatten. Allen voran seine gestörte Tante, aber auch ER.
Zwar wusste er nicht genau, was im Salon passiert war, als sie mit ihm allein dort eingesperrt war. Seine Phantasie gaukelte ihm allerdings die schlimmsten Szenarien vor. Nicht zuletzt auch wegen der Blutlache, die so groß gewesen war, dass er bereits Angst gehabt hatte, sie hätten sie ausbluten lassen. Am Ende schreckte er zitternd hoch, als er Lucius sah, wie er sie umbrachte.
„Scheiße“, murmelte er völlig fertig, als er realisierte, dass es wieder nur ein Albtraum war. Einer von vielen, der inzwischen jedoch bitteren Tatsachen zugrunde lag.
Er fuhr sich mit den Händen über das schweißnasse Gesicht und versank etwas tiefer in dem alten Ohrensessel, den er sich gestern statt des Stuhles herangezogen hatte. Vermutlich würde er diese verfluchten Bilder nie mehr aus dem Kopf kriegen, genauso wie den ganzen anderen Horror der letzten Jahre.
Schließlich fiel sein Blick auf Hermione die, wie er fand, für ihre momentanen Verhältnisse ruhig schlief. Er sah nach ihrem Fieber, was leider nicht zurückgegangen war. Er seufzte aufgrund dessen und zog ihr die Decke wieder zurecht, bevor er den kleinen Ofen nochmal ordentlich anheizte, damit das Zimmer warm blieb.
Als er mit allem fertig war, schlurfte er durchs Obergeschoss auf der Suche nach einem Bad. Er brauchte eine Abkühlung. Und zwar eine Richtige.
Er verschwand unter der Dusche und regelte den Wasserstrahl immer mehr gen 0, bis es wirklich ekelerregend eisig kalt kam, was seinen trägen Geist allerdings wieder stärker weckte. Genauso seine schlaffen Muskeln, die irgendwann zu zittern begannen, um ein wenig Wärme zu erzeugen. Erst dann drehte er ab und trat aus der Dusche an den zersprungenen Spiegel. Als er hinein sah, sah er einen gebrochenen jungen Mann, der auf den ersten Blick nicht viel besser aussah wie Hermione.
Er war schon seit Wochen richtig grau im Gesicht, welches zudem auch ein wenig eingefallen wirkte. Ganz besonders um seine Augen, die stark in die Höhlen gekrochen waren. Rings herum lagen tiefdunkle Schatten, die wochenlangen, monatelangen kurzen, wenn nicht gar gänzlich schlaflosen Nächten zugrunde lagen. Genauso anderen Grausamkeiten, die sich über seine Erscheinung zogen. Mit all dem passte er optisch, leider, gerade perfekt zu Hermione, wenngleich ihm etwas anderes 100’000-mal lieber gewesen wäre. Nur war er davon meilenweit entfernt.
Letztlich trocknete er sich ab und rubbelte sich die Haare trocken, die in einem zerwühlten Chaos sonst wo standen, bevor er wieder in seine Klamotten schlüpfte, die er vorher etwas sauber zauberte. Im Anschluss schlurfte er ins Schlafzimmer zurück, in dem es ruhig geblieben war. Er ließ sich in den Sessel fallen, bevor er in seiner Tasche nach den Tränken wühlte, die er bei seiner Flucht vorsorglich mitgenommen hatte.
Da waren noch ein paar Aufbautränke, Vitamintränke, Harpers Schmerzmittel, wie auch was zur Beruhigung, ein Wundtrank und eine Phiole gegen Fieber, die er sich erstmal nahm und der Kranken zukommen ließ. Genauso einen der Aufbautränke. Er hoffte, dass es damit bald besser wurde und ihre Temperatur wenigstens runter ging. Alles andere musste er später sehen, wenn sie hoffentlich von irgendwo Hilfe bekamen, womit er kurz an seine Mutter dachte.
Wo sie wohl gerade war? Ob sie sicher war? Er hoffte es, verfluchte sich zeitgleich aber auch. Wenn er auch nur im entferntesten geahnt hätte, dass sie ihm helfen würde und zudem auch noch einen Weg kannte, um ungesehen aus dem Manor verschwinden zu können, er wäre gleich am ersten Tag bei ihr gewesen und hätte ihre Hilfe erbeten. Er hätte sie vermutlich auf Knien angefleht, ihm zu helfen. Stattdessen hatte er versucht, alles alleine zu stemmen, und dafür viel zu lange gebraucht. Fast eine Woche, in der die Gryffindor bereits hätte umkommen können. Eine Woche, deren Leid er ihr hätte ersparen können. Nun war es zu spät, womit er zu ihr sah.
Sie atmete nach wie vor extrem schwer und keuchend. Dieses Fieber machte ihr enorm zu schaffen, wenngleich er dennoch hoffte, dass es nur das war. Die Folgen einer einfachen Erkältung, vermutlich aber mehr noch einer Lungenentzündung, die sie sich in dem feuchtkalten Kerker zugezogen hatte. Es waren Dinge, die man mit der richtigen Magie abstellen konnte, nicht so andere Sachen. Nämlich die Flüche.
Niemand wusste, was im Salon passiert war, als sie mit IHM allein war. Er hatte keine Ahnung, was für dunkle Zauber dieses Monster auf sie gewirkt, und ihr sonst noch Grausames angetan hatte. Dass sie nach einer Begegnung mit IHM überhaupt noch lebend aus dem Salon gekommen war, grenzte für ihn schon an ein kleines Wunder.
Als er gehört hatte, was man mit ihr vorhatte, hatte er wirklich gedacht, das war’s. Trotz allem lebte sie noch, worüber er heilfroh war und dünn lächelte. Irgendwann begann er auch wieder, ihr durch die verschwitzten Haare und über die bleiche Wange zu streichen.
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Es war ein Albtraum. Das alles war ein einziger Albtraum. Es konnte doch nur so etwas sein, denn die Realität würde nichts dergleichen hervorbringen. Oder?
Hermione fühlte sich fürchterlich. Jede einzelne Faser ihres Körpers schmerzte sie unsäglich. Es war ein Gefühl wie abertausend Messerstiche. Und es brannte. Ihr war es, als würde sie an einem Marterpfahl stehen und bei lebendigem Leib verbrennen. Genauso hatte sie das beklemmende Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Egal wie viel sie ein sog, es schien nichts in ihre Lungen vorzudringen, die sich dadurch nur noch mehr verkrampften und stachen als ohnehin schon.
Und dann noch ihr Kopf. Das war mit das Schlimmste. Er fühlte sich an wie Mus. Tonnenschwer und auch plötzlich irgendwie zu klein. Es kam ihr so vor, als wollte irgendetwas darin gewaltsam nach außen dringen. Andersrum das Gleiche. Sie hatte das befremdliche Gefühl, jemand hätte ihr eine Zwinge um den Kopf gelegt, die immer weiter angezogen wurde, obwohl ihr Schädel bereits drohte zu zerspringen.
Verdammt, was war das? Was passierte mit ihr? Was stimmte hier nicht? Sie konnte sich beim besten Willen an nichts erinnern. Darüber hinaus verursachte selbst die simple Tatsache des Nachdenkens, einen unvorstellbaren Schmerz in ihrem Kopf, weshalb sie es bleiben ließ, um dem nicht noch mehr Zündstoff zu geben.
Sie wollte bloß noch sterben, damit das endlich aufhörte. Warum durfte sie nicht? Warum ließ man sie nicht? Oder war sie etwa doch schon tot und das, was sie fühlte, war das Resultat? Eine Ewigkeit mit diesem Leid fortexistieren zu müssen?
Warum quälte man sie? Was um alles in der Welt hatte sie verbrochen, dass man ihr Derartiges antat? „Schlammblut!“, echote es ihr plötzlich verächtlich, vor Abscheu triefend im Geiste nach, womit schlagartig alles zurückkam.
Harry, Ron, die Greifer, die sie gefangen genommen und nach Malfoy Manor geschleppt hatten. Diese wahnsinnige Bellatrix, die sich wie ein Tier auf sie gestürzt und sie in ihrem kranken Blutwahn bis zur Bewusstlosigkeit gefoltert hatte. Wieder und wieder und wieder. Crabbe, Goyle, der alte Malfoy. . . Und als wäre das nicht schon schrecklich genug, kam zum Schluss auch noch ER!
Man hatte sie mit IHM weggesperrt und allein gelassen. Wehrlos. Hilflos. Er hatte ihr ununterbrochen den Cruciatus beigebracht und noch dutzende andere Flüche, an die sie sich nicht einmal mehr erinnern konnte, da sie deren Wortlaut in ihrem unaufhörlichen Schrei gar nicht zur Kenntnis genommen hatte. Auch so hatte sich ihr Geist irgendwann immer weiter verabschiedet, bevor ihr Körper dem Beispiel gefolgt und ins Dunkel eingetaucht war. Es war ein kaltes so furchtbar befremdliches, schmerzliches Dunkel.
„. . . nein. . .“, wimmerte sie aufgrund all dessen, was plötzlich wie eine Lawine auf sie einschlug. „Sch. . .“, hörte sie dann aber etwas, was nicht von ihr kam, ihr irgendwo tief in ihrem Kopf aber ein wenig vertraut war. Und dann. . . Dann war da auf einmal etwas Warmes, Weiches. Es fühlte sich an wie Finger, die sie streichelten und dadurch noch etwas zurückließen. Es brauchte eine scheinbare Unendlichkeit, bis sie verstand, was es war. Als das der Fall war, entwich ihr ein erschöpftes Seufzen.
Die Berührung tat wahnsinnig gut, denn neben der sanften Wärme, die sie verbreitete, schien sie auch den Schmerz an dieser Stelle ein wenig hinfortzutragen, hatte sie das Gefühl. Es war damit nicht mehr ein einziger, riesengroßer Schmerzpunkt. Nein, da war plötzlich eine winzige Lücke, eine stecknadelkopfgroße Stelle, die anders war. Warm und beruhigend. Es war ein Punkt, auf den sie sich krampfhaft konzentrierte, um dem ganzen anderen, scheinbar übermächtigen Rest, ein wenig die Kraft zu nehmen.
„. . . Hermione?“, glaubte sie nach einer gefühlten Ewigkeit leise, wie auch behutsam ihren Namen zu hören. Nur war er das wirklich, oder bildete sie sich das nur ein? „Hörst du mich?“, drang die Stimme gedämpfte, aber auch irgendwie gebrochen, nochmal bis tief in ihr Unterbewusstsein vor. Dabei schien sie ihren Geist zu umschließen und den Schmerz noch ein wenig mehr zu vertreiben, wodurch ihr ein schwaches Murmeln entwich.
„Sch. . .“, hauchte ihr die Stimme daraufhin beruhigend zu, die sie allmählich glaubte zu erkennen. Konnte es sein? War das der Schatten, der sie bereits zweimal besucht und versucht hatte ihr zu helfen? War er jetzt tatsächlich hier bei ihr? Sie konnte sich dumpf daran erinnern, dass er ein drittes Mal bei ihr aufgetaucht war. Sie hatte kurzzeitig einen warmen Körper gespürt, in dessen Armen sie gelegen hatte.
Hatte er sein Versprechen etwa eingelöst? Hatte er sie wirklich aus diesem Horrorhaus geholt? Wie? Verdammt, wie? Man hatte ihn doch entdeckt! Hermione hatte die Blonde ganz kurz gesehen. Diese vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen, mit denen sie auf sie geblickt hatte.
Scheinbar hatte der Schatten sie überwältigt. Irgendwie. Es musste so sein, weshalb sie sich wieder mit ihren Lidern abmühte, die ihr so schwer vorkamen, als würden 60 Tonnen darauf lasten. Dennoch zwang sie sich dazu. Sie ignorierte das Brennen und den Schmerz so gut sie konnte, denn sie wollte ihren Schatten sehen. Sie wollte wissen, wer ihr geholfen hatte, jetzt bei ihr war und ihr etwas Wärme schenkte.
Irgendwann dann, sie war bereits nah am aufgeben, da sie sich mit jedem Versuch immer schwächer fühlte, gewann sie diesen schier aussichtslosen Kampf doch noch und blinzelte in ein verschleiertes, schummriges Grau in Grau.
Sie bekam in diesem absolut nichts definiert. Es waren nur triste Farbflecken, von denen sich einer allerdings bewegte und in dem Halbdunkel zu ihr beugte. Kurz darauf spürte sie es wieder. Nun sogar noch deutlicher. Es war eine Hand, die sich auf ihre Wange legte und behutsam darüber strich. Da wo er sie berührte, hinterließ er überdeutlich diese sanfte Wärme. Und zwar nur die, denn der dumpfe Schmerz kroch verstärkt in sich zusammen, bis sie ihn an dieser Stelle kaum mehr spürte.
„Hermione?“, hauchte er ihr erneut zu und hatte seine Hand schließlich an ihrem Kopf. Seine Finger strichen dort beruhigend durch ihren Schopf. Eine leise Wohltat, mit der es ihr die Augen aufs Neue zuzog. Das schwache Gefühl von Wärme drohte damit jedoch, in dem scheinbar übermächtigen Dunkel und Schmerz, zu verschwinden, an welches sie sich verzweifelt klammerte.
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„Hermione? Hey“, tätschelte Draco ihr noch immer die Wange, doch sie bekam die Lider nicht mehr auf. Und so wie sie ihn angesehen hatte, da. . . Draco hatte keinen Zweifel daran, dass sie weder ihn noch sonst irgendetwas um sich herum wahrgenommen, geschweige denn erkannt hatte. Ihre Augen waren nach wie vor total verklärt und zudem durch das Fieber völlig zerfressen.
Er seufzte schwer und ließ sich letztlich deprimiert nach hinten in seinen Sessel fallen. Wenn das nicht bald besser wurde, dann. . . Merlin, er wollte gar nicht darüber nachdenken. Er kriegte ja schon bei der bloßen Vorstellung Gänsehaut und kalte Hände.
Schließlich wühlte er nochmal in seiner Tasche, um ihr ein paar der Heiltränke zu geben. Nur hatte sich sein Vorrat innerhalb der zwei Tage bereits um die Hälfte minimiert. Einen wirklichen Erfolg konnte er dennoch nicht verzeichnen. Die Mittel taten ihre Wirkung entweder nicht oder aber, was er mehr befürchtete, sie waren nichts weiter, als ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Hoffentlich kam seine Mutter bald mit guten Nachrichten, viel mehr noch Hilfe, zurück. Denn die brauchten sie, so schien es, mit jedem Tag dringender. Doch auch in den darauffolgenden beiden Tagen blieb er mit Hermione allein. In der Zeit war sie zwar ab und an kurz wach, oder anders gesagt, sie hatte die Augen ein Stück weit aufbekommen. Wirklich wach war sie aber nie.
Draco hatte mehrmals versucht sie anzusprechen und ihr gut zuzureden. Ihr Blick war jedoch so verklärt geblieben. Sie hatte gar nicht auf ihn reagiert und war bereits nach kürzester Zeit wieder der Bewusstlosigkeit erlegen. Mittlerweile hatte er seine Tränke auch fast alle aufgebraucht. Ein paar der Schmerzstillenden hatte er zwar noch, dann hörte es allerdings schon auf. Er konnte sie nicht mehr länger so notdürftig behandeln, da er einfach nichts mehr hatte. Ihr Zustand hatte sich in der ganzen Zeit ja auch nicht wirklich gebessert. Sie war nach wie vor bleich und fieberte viel zu stark, als was gut für sie war. Ihre Wunden begannen zwar langsam auszuheilen, dennoch ging es ihr nicht besser. Es waren nur zu offensichtlich nicht die äußeren Verletzungen, die sie so marterten, sondern das, was im Verborgenen lag. Die Qualen, die man ihr mit all den Flüchen zugefügt hatte. Allen voran ER zum Schluss.
So war sie nach Bellatrix’ Treiben zumindest noch halbwegs ansprechbar gewesen. Die Begegnung mit IHM schien ihr jedoch den Rest geben zu haben. Vermutlich hatte sie durch die ganze Folter bereits den Verstand verloren, so wie es bei den Longbottoms der Fall war.
Auf den Gedanken, wie man einen Menschen mit derart sadistisch Freude quälen konnte, dass es mit der Zerstörung des Geistes einherging, schauderte er. Das war so abstoßend, widerlich und allen voran einfach nur krank.
Es war eine Vorstellung, Bilder, die ihn allerdings nicht mehr losließen, weshalb er versuchte sich abzulenken. Er stöberte ein wenig in dem Haus herum, in der Hoffnung vielleicht etwas zu finden, was ihnen helfen könnte. Immerhin. . . Er war noch immer nicht so ganz schlau daraus geworden, warum seine Mutter sie ausgerechnet in eine Mugglewohngegend gebracht hatte.
Sicher, hier würde man sie nicht vermuten, trotzdem war ihm an der Sache etwas eigenartig vorgekommen. Seine Mutter hatte sich seltsam benommen. Und dann noch ihr Blick. Darin hatte etwas Trauriges gelegen. Ein leiser Schmerz, den er so noch nie bei ihr gesehen hatte und auch gar nichts zuzuordnen wusste.
Am Ende durchwühlte er alle Zimmer auf der Suche nach. . . Ja, was eigentlich? Er hatte keine Ahnung, was er suchte. Irgendetwas Nützliches. Medikamente zum Beispiel. Muggle hatten so etwas doch auch. Schmerzmittel und dergleichen. Die würden zwar nicht so gut wirken wie ihre Zaubertränke, dennoch war es besser als nichts.
Inzwischen war er auch unten und verließ die Küche ein weiteres Mal resigniert. Er hatte nicht wirklich erwartet, dort etwas Essbares zu finden. Dennoch wäre er furchtbar dankbar dafür gewesen und hätte sicher alles in sich reingestopft, denn mittlerweile hing ihm sein Magen schrecklich in den Kniekehlen.
Seit er aus dem Manor geflohen war, hatte er nichts mehr gegessen, sondern sich bloß noch von Wasser ernährt. Die Aufbaupräparate hatte er alle Hermione gegeben, damit ihr Körper nicht noch mehr Defizite entwickelte. Inzwischen waren aber auch die aufgebraucht. Und das war ein Problem. Ein Riesengroßes. Die Gryffindor war durch die Woche, die sie im Manor gefangen war, bereits unwahrscheinlich geschwächt. Hinzu kamen die ganzen Flüche, ihre Verletzungen und, und, und.
„Verdammte Scheiße!“, fluchte er, als ihn die Wut über all das übermannte, und trat energisch gegen die marode, altbackene Schrankwand, der er dadurch den Rest gab. Keine Sekunde später brach sie polternd, in einer riesigen Staubwolke, über ihm zusammen und begrub ihn kurzzeitig. Kurz darauf kam er völlig verstiebt, schwer hustend, unter dem Trümmerhaufen wieder zum Vorschein und blickte ziemlich bedeppert in das Chaos.
„Ganz toll“, murrte er leise und kämpfte sich aus dem Gerümpel, wobei ihm etwas ins Auge fiel, was ihn für einen Moment an seiner Optik zweifeln ließ. Dann aber sah er es deutlich. Magie. Eine Spur von Magie.
„Was zum. . .“, murmelte er zunehmend irritiert und buddelte das, was er sah, gänzlich aus den Trümmern. Es war ein bereits ordentlich verschlissenes Fotoalbum. Und zwar eines mit magischen Bildern. Sie bewegten sich, was er kaum glauben konnte. Wie um alles in der Welt kam so etwas hier her? Was hatte so ein Album . . . solche Fotos in einem Mugglewohnhaus zu suchen?
Völlig weggetreten begann er in dem Buch zu blättern und entdeckte unter anderem Bilder von Hogwarts. Da war die Große Halle, der See, aber auch Schülern, die in die Kamera gewunken hatten.
„Ich glaub das nicht“, murmelte er auch weiter überrumpelt, bis er ein Foto sah, von dem er sich wirklich nicht mehr losreißen konnte. Es war ein Bild, was ihn dermaßen in seinen Bann zog, dass er alles um sich herum vergaß. Stattdessen fixierte er die zwei Personen auf der Abbildung immer stärker.
Es war eine junge Hexe, vermutlich 16 oder 17 Jahre, und ein gleichaltriger Zauberer. Und so, wie die Beiden aufeinanderhingen, da konnten sie doch nur ein Paar sein.
Er sah, wie der brünette Mann seine Freundin verschmust in den Armen hielt und sie schließlich auf den Schopf küsste, bevor er sich lächelnd in diesen kuschelte. Die Hexe wiederum strahlte ihrerseits übers gesamte Gesicht. Und das mehr als nur glücklich, was Draco verstört mit dem Kopf schütteln ließ. Zeitgleich löste er das Foto aus dem Album, um sich seinen leisen Verdacht zu bestätigen. Er warf einen Blick auf die Rückseite, wo Namen, Datum und Ort fein säuberlich versehen waren.
„Völlig unmöglich“, murmelte er und wollte wieder auf das Bild sehen, als ihm auf einmal ein fürchterlich heißes Stechen durch den linken Unterarm ging. Nur einen Augenblick später, noch bevor er auf das verfluchte Mal schauen konnte, durchzog das kleine Haus ein schier wahnsinniger Schrei, der ihn das Foto, und alles, was damit zusammenhing, schlagartig vergessen ließ.
„Scheiße, HERMIONE!“, rief er und überwand in Windeseile das Chaos, in dem er hockte. Er rannte die Treppen hoch, wo er nur eine Millisekunde später mit gezücktem Zauberstab in das Zimmer stürzte, um diese Bastarde zu erledigen, die sie aufs Neue verletzten.
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Ich war bei MTV in New York und es war tierisch kalt draußen. Sie brachten mich rüber ans Fenster und da stand dieses Mädchen, das nichts außer ein Harry-Potter-Handtuch trug und ein Schild in der Hand hielt, auf dem stand 'Nichts kommt zwischen mich und Harry Potter!'. Es war toll. Sie ist eine Legende.