Er musste im Laufe der Nacht doch weggepennt sein. Eigentlich kein Wunder, da er nach wie vor ein erhebliches Schlafdefizit hatte. Irgendwann nahm sich der Körper was er wollte und brauchte, wenngleich er nicht sehr lange geschlafen haben konnte. Vermutlich hatte es ihm in den frühen Morgenstunden die Lider zugezogen. Und so wie es jetzt draußen aussah, war es noch nicht ganz Mittag. Fünf, vielleicht sechs Stunden, dachte er. Die mussten fürs Erste reichen. Verdammt, er musste besser aufpassen, immerhin war er, trotz der scheinbaren Sicherheit des Cottage, noch immer auf der Flucht. Sie könnten ihn hier genauso finden, wie sie ihn auch in London gefunden hatten. Und wenn er dann gerade pennte, tja dann würde er seinen Schlaf wohl für immer weiterschlafen müssen. Irgendwo ein recht reizvoller Gedanke. Nur gab es da noch andere Sachen, denen er sich nicht so einfach entziehen konnte, durfte und auch nicht entziehen wollte, womit er mehr blinzelte und auf das sah, was kaum fünf Zentimeter von ihm entfernt lag.
Sie schlief nach wie vor relativ ruhig in ihrem Fieber. Sie murmelte, wimmerte, weinte und träumte augenscheinlich auch nicht. Sie lag vollkommen nur friedlich in seinen Armen, in denen sie dennoch sehr schwer atmete, was ihm aufs Neue Sorgen machte. Aber sie atmete und das war erstmal die Hauptsache, womit er sie noch ein wenig musterte.
Ihr blasses Gesicht, auf dem er die ähnlich blassen Sommersprossen ausmachen konnte. Von diesen huschte sein Blick zu den ebenso bleichen, rissig gewordenen Lippen, aus denen ihr heißer Atem in einem schnellen Fluss strömte. Über diese strich er ein wenig nachdenklich mit den Fingern, bevor sie wanderten und behutsam die Schatten unter ihren verschlossenen Augen nachzeichneten.
Am Ende legte er die Hand richtig auf ihre Wange und streichelte sie kurz sanft, bevor er sich ein wenig streckte und ihr einen kleinen, beruhigenden Kuss auf die Stirn hauchte. Kurz darauf verlor sich sein Blick erneut auf ihrer Erscheinung, die er sich schuldig besah.
Letztlich ließ er sie los und rappelte sich auf, um den Kamin wieder in Gang zu setzen und etwas Tee zuzubereiten. Sie musste zumindest trinken, wenn sie schon nichts zu Essen hier hatten, was allmählich zu einem immer größeren Problem wurde.
So ging das nicht weiter. Er musste in der Richtung irgendwo etwas auftreiben oder sonst wie Hilfe holen. Nur scheiterte es nach wie vor an dem Wie? Wie sollte er das machen? Er wusste ja noch nicht einmal, wo sie eigentlich waren. Auch konnte er Hermione unmöglich allein lassen, um erstmal wenigstens etwas in Erfahrung zu bringen. Mitnehmen konnte er sie aber auch nirgendwohin, da es sie viel zu sehr anstrengte. Ach verdammt, fluchte er und stocherte wütend mit dem Schürhaken in der Glut herum, die so langsam zu einem knisternden Feuer wurde. Es war echt zum verzweifeln. Er war hier alleine völlig aufgeschmissen. Da nützte ihm nicht einmal seine Magie wirklich etwas.
„. . .en. . .“ Drang plötzlich das schwache Murmeln Hermiones an sein Ohr, sodass er aufsah und zu ihr blickte. Sie wühlte bereits wieder etwas, worauf er zu ihr trat und sich ihre Hand nahm, die fahrig über die Decke glitt. Suchend.
„Hermione?“, rief er sie leise und hielt ihre Hand warm umschlossen, worauf sich ihre Finger mehr um seine schlossen. Damit erstarb das Murmeln. „Hermione?“, versuchte er es nochmal und strich ihr zusätzlich über die Wange, allerdings blieb sie ruhig.
Es war ihm ein Unding, doch sie spürte ganz offensichtlich doch irgendwie seine Gegenwart, was ihn zunehmend faszinierte. Einmal, dass sie ihn, oder allgemein irgendetwas von ihm, bemerkte aber auch, dass es sie tatsächlich so tief beruhigte. Nur warum? Sie hasste ihn. Mehr noch hatte sie Angst vor ihm, auch wenn sich das in den letzten zwei, drei Tagen wohl etwas gelegt hatte. Dennoch war und blieb er für sie doch alles andere als vertrauenswürdig.
Am Ende resignierte er. Er konnte sich über das Warum genauso den Kopf zerbrechen, wie über die Frage, wo er etwas zu Essen, mehr noch Hilfe, für sie herbekam? Er fand ja doch keine Antwort darauf, sodass er das Einzige tat, was er tun konnte.
Er blieb bei ihr sitzen, hielt ihre Hand und ließ die Kompresse auf ihrer Stirn immer wieder aufs Neue kühl werden. Und das für Stunden, bis sie zum späten Nachmittag erneut murmelte. Diesmal war es aber ein deutliches Aufwachmurmeln, denn ihre Lider zuckten, sodass er versuchte, sie mit Worten und sanften Gesten zu wecken.
„Hermione? Hey“, sprach er ihr ruhig zu, beugte sich etwas vor und strich ihr behutsam über die Wange. Im nächsten Moment neigte sie den Kopf schwach in diese Richtung, bevor sie erschöpft blinzelte.
„Malfoy?“, murmelte sie verwirrt und musterte ihn kurz irritiert. Sie war noch immer nicht richtig bei sich, dennoch nickte er und versuchte sie zu beruhigen.
„Es ist alles okay.“ Hermione sah ihn auf diese Worte aber auch weiter ein wenig überfordert an, bevor sie die Augen zusammen kniff und einmal mehr darum bemüht war, das Chaos in ihrem Kopf, all die wirren Erinnerungen, die da waren, zu ordnen. Sie suchte nach einer Reihenfolge, die Sinn machte. Angefangen mit der Frage: Was war passiert?
Nach und nach kehrte aber alles zurück. Die Greifer, das Manor, diese Irre Lestrange und dann auch noch ER! Irgendwann stahl sich auch Malfoy in ihre Erinnerungen, von dem sie noch immer nicht so richtig wusste, was sie von alldem halten sollte. Was er vorhatte? Ob er überhaupt etwas vorhatte, womit ihr noch etwas einfiel, was er getan hatte.
Er hatte ihr seinen Zauberstab gegeben. Er hätte sie gehen lassen. Einfach so, doch sie war geblieben. Einmal, weil sie in ihrer Verfassung ohnehin nicht weit gekommen wäre, aber auch, weil sie ihn nicht schutzlos hatte zurücklassen wollen. Ihn! Ihren Feind. Nur war er das jetzt und hier noch? Diese Frage stellte sie sich erneut, dachte sie an das Gespräch zurück, welches sie mit ihm geführt hatte. Sie hatte ihm von den Horcruxen und damit ihren Plänen erzählt um IHN aufzuhalten. Nur was war dann?
„Was’ passiert?“, fragte sie ihn erschöpft und presste nebenbei die linke Hand gegen den noch immer hämmernden Schädel. „Geht’s?“ „Nein“, murmelte sie schwach und ließ die Augen erstmal zu. Draco machte ihr auf den Anblick gleich ein Glas mit Wasser voll, bevor er sich auf den Rand des Bettes setzte und sie behutsam zu sich nahm. Er richtete sie soweit auf, dass sie trinken konnte, wobei sie bereits halb an ihm lehnte.
Hermione bekam es nur im Halbdusel mit und wehrte sich auch nicht gegen die Hände, die sie hielten. Was hätte es schon gebracht, außer ihr nur wieder mehr Schmerzen zu bereiten? Sie konnte ohnehin nicht von ihm weg und so wie es schien, hatte er zur Abwechslung tatsächlich mal nichts Böses im Sinn, sodass sie über ihren Schatten sprang und einfach nicht weiter über ihn, und alles was er tat, nachdachte.
Irgendwann lehnte sie mit dem Rücken richtig an seiner warmen Brust, wo er sie auch noch etwas mit einem Arm umschlungen hielt. In der Hand des anderen das Glas, was er ihr vorsichtig an die Lippen legte. Als sie es spürte, hob sie die schweren Lider ein Stückchen.
„Trink erstmal was“, hielt er sie an, was ihr mehr als gelegen kam. Sie leerte das Glas zügig, sodass die Benommenheit noch etwas verschwand. „Kann ich . . . kann ich noch ein . . . ein. . .“, kam ihr die Bitte nach mehr kaum über die Lippen. Das musste sie auch nicht, denn damit war das Glas bereits wieder voll, was er ihr abermals reichte, bis sie wirklich genug hatte.
„Besser?“ „Hm“, murmelte sie und blinzelte ihn schließlich erneut an. „Was ist passiert?“, fragte sie nochmal. Draco nahm sich allerdings erstmal die Kissen, die er so drapierte, dass sie aufrecht am Kopfende sitzen konnte, bevor er ihr gegenüber Platz nahm, um besser mit ihr reden zu können.
„Es hat dich weggeleiert, als ich dich geärgert hab.“ „Warum nur wundert mich das nicht?“, murrte sie ihn schwach an, was er müde belächelte. Dieses Lächeln machte nur kurze Zeit später erneut dem Ernst Platz, als ihm auch wieder vor den Augen umher huschte, was keine Minute später mit ihr passiert war.
„Du hattest dann aber auch noch so etwas wie . . . wie einen Anfall“, erklärte er vorsichtig, was sie jedoch nicht verstand und auch nicht unbedingt verstehen wollte.
„Anfall? Was . . . was meinst du?“ „Ich hab keine Ahnung, was es war. Ich hab so etwas noch nie zuvor gesehen. Aber ich denke, dass es durch einen Fluch kam. Du warst auf einmal richtig weg, hast die Augen weit aufgerissen und geschrien und. . .“ „Was? Was hab ich gemacht?“, wurde sie selbst ein wenig kirre, da sie sich an nichts dergleichen erinnern konnte. So wie er sie aber ansah, irgendwie selbst ein wenig verängstigt, allen voran verstört, das machte ihr noch mehr Angst.
„Es. . . Du . . . du hast geweint, nur waren es keine Tränen, sondern . . . Blut“, gestand er ihr, worauf sie ihn völlig überfahren ansah. „Was?“, keuchte sie entsetzt, er nickte aber nur, bevor er weiter meinte: „Das war aber nicht alles. Du. . . Ich bin mir nicht so richtig sicher, was genau es war, aber deine Blutadern haben sich dann auch . . . schwarz gefärbt. Allen voran um die Augen und. . . Kannst du dich an irgendeinen Fluch erinnern, den sie gesprochen haben? Einen speziellen Wortlaut, eine Geste oder sonst etwas?“, fragte er in einer leisen Hoffnung. Hermione sah ihn aber noch immer bleich, keuchend, wie auch entsetzt an, bevor sie kaum merklich mit dem Kopf schüttelte.
„Nein . . . nein ich. . . Ich kann nicht . . . ich weiß nicht was . . . wie. . .“, stammelte sie hilflos, da sie von den Dingen, die im Salon passiert waren, als sie mit IHM weggesperrt war, zeitnah nichts mehr mitbekommen hatte, außer die die Schmerzen.
Er hatte, neben dem Cruciatus, auch noch andere Flüche auf sie gewirkt. Das hatte sie durchaus noch registriert. Die meisten waren allerdings stumm oder sie hatte den Wortlaut, durch ihren eigenen Aufschrei, gar nicht mehr wahrgenommen. Irgendwann hatte sie außer der Folter überhaupt nichts mehr registriert. Sie hatte keine Ahnung, was da für Flüche waren und so wie Malfoy ihr das eben beschrieben hatte. . . Von so etwas hatte sie noch nie gehört.
„Du hast auch keine Ahnung, was das gewesen sein könnte?“, fragte er mit einer dumpfen Gewissheit, worauf sie kaum merklich mit dem Kopf schüttelte und ihn bleich, wie auch verstört ansah. In ihren Augen eine fürchterliche Angst.
„Was . . . was war. . . War da noch mehr? Hab ich. . . Was hast du. . .“ „Es hat dann wieder aufgehört als. . .“, brach er ab, da er sich keine richtige Vorstellung davon machen konnte, wie sie auf das reagieren würde, was er getan hatte. Sein plötzliches Schweigen trieb sie aber noch mehr in den Wahnsinn, weswegen sie ihn halb keuchend anschrie.
„Was hast du mit mir gemacht, Malfoy?!“ „Nichts eigentlich.“ „Eigentlich?“, japste sie aufgebracht, während ihr Herz immer schneller schlug. Draco versuchte sie dann auch gleich wieder zu beruhigen.
„Ich hab dich nicht verletzt oder sonst etwas getan. Ich hab keine Zauber gesprochen. Ich hab dich einfach bloß . . . festgehalten. Es hat dann von allein wieder aufgehört. Alles. Dich hat es dann aber weggeleiert“, erklärte er, verschwieg ihr allerdings seine Kuschelaktion. Stattdessen gestand er ihr nur das Kleine.
„Ich hab dich wieder hingelegt und . . . ja, deine Hand festgehalten, weil du irgendwie wohl etwas gesucht hast. Du hast dann aber ganz ruhig geschlafen. Da war nichts weiter. Es sei denn. . .“ „Was?“, sah sie ihn noch immer überfordert an. „Hast du im Unterbewusstsein noch irgendetwas mitbekommen?“ „Ich . . . nein . . . ja. . . Ich weiß nicht . . . ich. . .“, stammelte sie, bevor sie versuchte, sich an diesen bizarren Albtraum zu erinnern.
„Ich weiß nicht. Ich erinner mich nicht. Ich. . . Da waren Schatten von . . . von IHM. Sie hatten sein Gesicht“, murmelte sie sie und begann unweigerlich zu frösteln und zu zittern, als sie sich diese Dinge erneut ins Bewusstsein zwang.
„Er hat . . . ich. . . Es war dann auf einmal so . . . so kalt und . . . und dunkel. Ich hab. . . Es hat . . . es hat sich ein bisschen so angefühlt, wie . . . wie die Dementoren wenn sie . . . sie. . .“, zitterte sie noch mehr und sah ihn unsicher an.
„Als sie im . . . im Dritten im Hogwarts Express waren und bei uns im Abteil, da. . .“ „Als es Potter umgehauen hat?“, bohrte Draco, worauf sie nickte und sich ihr Blick damit ein wenig verklärte, als sie sich dieses Gefühl in Erinnerung rief. Mehr noch das, was sie jetzt erst gespürt hatte.
„Ich . . . ich weiß nicht ob du . . . ob du weißt, wie das . . . wie sie . . . dieses Gefühl von Kälte und Hilflosigkeit und Schmerz und Kummer und alles, was sie zurücklassen. . . Diese Schatten von ihm aber . . . das war noch 100-mal schlimmer, als das von den . . . den Dementoren“, zitterte sie noch stärker, womit ihr auch langsam die Tränen kamen, was sich Draco nicht länger mit ansehen konnte.
So wagte er sich im Kommenden extrem weit vor und lehnte sich dabei nicht nur aus dem Fenster, sondern sprang vielmehr aus diesem, in der Hoffnung, nicht allzu tief zu fallen. Er rechnete wirklich mit allem, als er sie tröstend in die Arme nahm, zu sich zog und ruhig umschlungen hielt.
Er wartete darauf, dass sie ihn anschrie, er solle sie loslassen. Dass sie ihm, trotz ihrer Verfassung, eine donnerte oder sich sonst wie aus seinem Griff wand. Was sie dann aber tat, hatte er überhaupt nicht auf der Kappe gehabt. Nämlich, dass sie sich seinen Armen und damit ihm richtig hingab. Sie hielt sich ihrerseits verzweifelt an ihm fest und schluchzte ihm schließlich in die Schulter.
„Das war so furchtbar. Ich dachte . . . ich dachte, es zerreißt mich. Ich dachte, er . . . sie verbrennen mich. Dass sie mir . . . mir alles nehmen, was mir wichtig ist. Was mir . . . woran ich mich festhalten kann.“ „Das haben sie aber nicht“, hauchte er ihr beruhigend zu, kam so aber nicht umhin ein wenig zulächeln, da sie ihm inzwischen wohl doch mehr vertraute als er gedacht hatte. Gehofft hatte, weswegen er sie auch weiter tröstend hielt und ihr schließlich ein wenig durch die Haare strich, während sie ihm in die Schulter weinte.
Irgendwann hob sie den tränenverschleierten Blick und sah ihm verzweifelt in die Augen, mit denen er versuchte ihr ein beruhigendes, aufmunterndes, warmes Lächeln zukommen zu lassen. Nebenher strich er ihr ein paar der verschwitzten Haare aus der fiebrigen Stirn und damit auch den Augen, sodass er sie besser ansehen konnte.
Hermione tat es ihm gleich und verlor sich zunehmend in dem plötzlich so sanften Grau seiner Augen, denen mit einem mal etwas furchtbar Weiches, Warmes anhaftete. Da war kein Spot, kein Hohn, keine Arroganz, keine Überheblichkeit, keine Kälte. Ja im Grunde nichts von alldem, was diese Augen sonst immer ausgestrahlt hatten. Stattdessen entdeckte sie etwas, was sie ihm nie im Leben zugeschrieben hätte. Ein Gefühl, was sie noch nicht einmal bei Ron, in all den Jahren, so intensiv wiedergefunden hatte, wie sie es jetzt gerade bei Malfoy sah.
Da war ein scheinbar unerschöpfliches Verständnis, Mitgefühl und allen voran eine so tiefe, beruhigende Wärme, die dafür sorgte, dass sie für einen kurzen Moment alles vergaß. Ihren Kummer, die Angst und Verzweiflung, aber auch diesen fürchterlichen Schmerz. All diese Dinge existierten für zwei, drei Sekunden nicht mehr, sondern nur das, was sie in seinen Augen las. Genauso von seinen Lippen, denn er lächelte auf die gleiche Art und Weise, wie er sie ansah.
Es irritiert, verwirrte und verstörte sie auf der einen Seite. Auf der anderen fand sie es unheimlich anziehend und faszinierend. Diese Augen, die ihr scheinbar ein stilles Versprechen gaben. Eines, was so unglaublich nah und greifbar war. So nah wie seine Hand, die auf einmal auf ihrer Wange lag und mit dem Daumen die bitteren Tränen beiseite strich.
„Ich. . .“, zitterte ihre Stimme, als ganz plötzlich der seltsame Drang in ihr erwachte, ihm noch näher zu sein, obwohl bereits jetzt kein Blatt Pergament mehr zwischen sie passte. Dennoch klammerte sie sich noch fester. Sie zog sich noch ein bisschen mehr zu ihm, sehr darauf bedacht seine Augen nicht frei zu geben, da sie dieses Etwas, was sie sah, nicht zu verlieren wollte.
„Ich. . .“, versuchte sie es erneut, doch fand sie einfach keine weiteren Worte. Sie wusste ja noch nicht einmal, was sie eigentlich sagen wollte, denn irgendwie hatte ihr Hirn gerade einen absoluten Aussetzer. Es funktionierte nicht mehr. Dafür aber etwas anderes, denn ihr ohnehin rasendes Herz jagte noch stärker.
Sie konnte etwas seinen Augen sehen, was ihr so fremd und unwirklich war, wie nur etwas unwirklich sein konnte. Dennoch sah sie dieses Etwas, was sie nicht mehr losließ, sondern gefangen hielt. Allerdings ließ sie sich davon nur zu bereitwillig gefangen nehmen und fesseln.
In der nächsten Sekunde knallte es jedoch unwahrscheinlich, sodass es abriss und Hermione kurz schrie, als das Cottage wie unter einem Hammerschlag erzitterte. Und das so sehr, dass sie mit Draco rücklings auf das Bett geworfen wurde und er sie für einen Moment unter sich begrub.
„Scheiße, was. . .“, fluchte er und versuchte sich aufzurappeln. Seine Hand schoss nur wenig später zu seinem Zauberstab, um sich zu verteidigen, denn diese Erschütterung war keine normale. Jemand war hier und hatte sich gewaltsam einen Weg durch seine Schutzbarriere gesucht. Und es war definitiv nicht seine Mutter, denn dieser hätte die Barriere nichts angehabt, da er sie dementsprechend aufgebaut hatte.
Sie hatten sie erneut gefunden. Und diesmal hatte er keinen Portschlüssel mehr, um verschwinden zu können. Noch als ihm diese Gedanken durch den Kopf jagten, wurde die Tür in einem Donnerschlag aus ihren Angeln gerissen.
Panisch sah er in die Staubwolke, die ihm mehrere Gestalten zeigte. Nur eine Sekunde später richtete er seinen Stab auf die Angreifer, doch da schallte bereits ein „Expelliarmus!“ in seine Richtung. Noch als ihm der Zauberstab aus der Hand gerissen wurde, schepperte ein wütendes „STUPEFY!“ durch den Raum, dem auch noch ein anderer Spruch folgte, den er durch das Stupefy aber nicht mehr mitbekam.
Er verlor augenblicklich das Bewusstsein, als er gegen die schwere Holzkommode krachte, die durch den Aufprall seines Körpers zu einem Großteil zersplitterte.
„Malfoy!“, schrie Hermione entsetzt, als er gewaltsam von ihr geworfen wurde und regungslos in dem Schutt liegen blieb. Kurz darauf fiel ihr Blick getrieben auf das Loch, auf die darin aufgetauchten Gestalten, die sie in der Staubwolke nicht erkannte. Es waren drei, vier oder fünf Personen, deren Zauber auch weiter wild durch den Raum auf Malfoy zuschossen, obwohl sich der Blonde bereits nicht mehr rührte.
„Aufhören!“, schrie sie panisch, wie auch verzweifelt und versuchte sich hastig aufzurappeln, um in diesen ungerechten Kampf einzugreifen, kam jedoch nicht mehr dazu.
Sie hatte sich noch gar nicht richtig hochgestemmt, als sich ihr Körper unter größtem Protest meldete und ihre übereilte Bewegung binnen eines Herzschlages mit höllischen Schmerzen ahndete. Es war ein einziger heißer Stich, der ihr durch die Brust ging und nur den Bruchteil einer Sekunde später derartig in den Kopf schoss, dass es ihr sofort das Bewusstsein nahm.
Das Letzte, was sie vor der erneuten Kälte und Dunkelheit noch bemerkte, war, dass ihr der Boden entgegen kam. Genauso, wie in einem dumpfen Echo Schreie durch den Raum hallten.
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