„Au“, war das Erste und einzige, was ihm leise stöhnend über die Lippen kam. Merlin nochmal. Er hatte das unwirkliche Gefühl, als drohte sein Kopf zu zerbersten. Nicht viel weniger schlimm war der Schmerz in seinem Rücken der, je mehr sich sein Geist regte, ihn auch immer stärker quälte und letztlich erneut stöhnen ließ.
„Sch. . .“, vernahm er, ein wenig wie durch Wasser, eine beruhigende, ihm sehr bekannte Stimme. Dann war da noch etwas Kühles auf seiner Stirn, was das Pochen dahinter allmählich beruhigte und eindämmte, wenngleich es nicht wirklich verschwand. Stattdessen hielt es ihn in diesem seltsamen Dämmerzustand, zwischen schlafen und wachen gefangen. Dabei wurde er, für jede noch so kleine Regung die er tat, mit höllischen Schmerzen bestraft, sodass ihm immer mal ein leises Stöhnen über die Lippen kam.
„Sch. . . Ganz ruhig“, hörte er erneut die vertraute Stimme und spürte letztlich eine warme Hand an seinem dicken Schädel, die ihm kurz durch die Haare strich, während eine andere mit einem feuchten Tuch behutsam über die zerschrammte Wange tupfte.
„Es ist alles gut. Schlaf noch ein bisschen“, sprach ihm die warme Stimme weiter gut zu, was etwas ungemein Verführerisches an sich hatte. Einfach wieder in dem Dunkel zu versinken und damit diesen Schmerz hinter sich zu lassen. Nur waren da die letzten Eindrücke aus dem Cottage, die stückchenweise in seinen scheinbar zertrümmerten Kopf zurückkamen. Und dass, was sie zeigten, ließ ihn schlagartig munter werden.
„Hermione!“, rief er panisch, riss die Augen auf und schrak letztlich viel zu schnell hoch. Verdammt, sie hatten sie gefunden! Sie hatten sie angegriffen! Sie hatten. . .
Zu mehr kam er nicht, da ihn der Schwindel, wie auch Schmerz zurück zwang und erneut drohte, in die Bewusstlosigkeit zu reißen. Er sackte haltlos in sich zusammen, wurde dann aber fest umschlossen. Er spürte wie er an einen warmen Körper gezogen und beruhigend in den Armen gehalten wurde. Eine Hand der fremden Gestalt lag dann noch an seinem Kopf, der ihm unwahrscheinlich schwirrte und stach.
„Sch. . . Ganz ruhig, Draco. Es ist alles gut. Ihr seid sicher“, echote ihm die Stimme ein weiteres Mal nach. Auch meinte er ein paar Lippen zu spüren, die ihm mehr als erleichtert einen Kuss auf die Schläfe hauchten.
„Ruh dich noch etwas aus. Du hast ganz schön was abbekommen“, hörte er sie nochmal und glaubte die Stimme allmählich als die seiner Mutter zu erkennen, womit er sich zwang die Augen zu öffnen. In der Zwischenzeit bettete Narcissa ihn wieder auf das improvisierte Lager.
„Schlaf noch ein bisschen“, sprach sie ihm gut zu und legte das Tuch zurück auf seine Stirn. Inzwischen hatte er die Lider aber ein wenig aufbekommen, sodass er sie endlich in einem warmen Kerzenschein erkannte. Sie sah müde und erschöpft aus, lächelte allerdings erleichtert und strich ihm nebenher durch die Haare.
„Es ist alles in Ordnung.“ „Was. . . Wo. . .“, konnte Draco nur unruhig stammeln, sodass sie ihm berichtete: „Ich habe deine Tante Andromeda nach vier Tagen gefunden. Sie waren untergetaucht. Ich habe ihr alles erklärt und damit auch Nymphadora. Sie hat dann Kontakt zum Orden aufgenommen, allerdings haben sie mir anfangs nicht geglaubt und misstraut. Sie hielten es für eine Falle. Irgendwann haben sie meinen Worten aber nachgegeben und sind mit mir nach Mugglelondon, in das Haus, wo ich dich zurückgelassen habe. Als wir dort waren, fehlte von dir und dem Mädchen aber jede Spur. Das Schlafzimmer war völlig verwüstet, wo wir dann auch Blut von dir und der kleinen Granger entdeckt haben. Genauso von Greyback und Bellatrix. Ich dachte so schon das Schlimmste“, kamen ihr ein wenig die Tränen.
„Ich weiß nicht, wie sie dich gefunden haben, aber ich vermute sehr stark, dass Bellatrix irgendwann der Gedanke gekommen ist, wo ich mich vielleicht mit dir versteckt haben könnte“, entschuldigte sie sich und strich sich die Tränen aus den Augen, bevor sie weitersprach.
„Durch die Spuren des Kampfes und euer Blut da. . . Wir dachten, sie hätten euch erwischt und zurück ins Manor gebracht. Da ich die Figur aber nicht mehr finden konnte, hatte ich nicht grundlos die Hoffnung, dass du noch fliehen konntest. Der Orden wollte dann aber kein Risiko mehr eingehen, als sie das Cottage in Frankreich aufgesucht haben. Sie sind ohne Rücksicht vorgedrungen, anstatt mich einfach vorgehen zu lassen“, strich sie ihm wieder durch die Haare.
„Sie haben dich überwältigt und auch ziemlich schwer am Kopf verletzt. Du hast wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung. Der Weasley Junge muss dir auch noch einen Fluch beigebracht haben.“ DER! Was sonst?, dachte Draco giftig knurrend, noch während seine Mutter weitersprach.
„Du sahst nicht gut aus, als sie mit dir und der Kleinen aus dem Cottage gekommen sind und da. . .“ „Was ist mit ihr?“, fuhr Draco seiner Mutter dann aber über den Mund, als sie auf Hermione zu sprechen kam. Dabei hatte er sich wieder mehr aufgerappelt, was sofort mit einem Schwindel bestraft wurde. Den versuchte er mit seiner Hand ein wenig einzudämmen, die er gegen den hämmernden Schädel presste.
„Bleib liegen!“, mahnte seine Mutter, doch er hörte nicht, sondern sah sie durchdringend an. „Was ist mit ihr? Geht’s ihr besser? Haben sie. . .“ „Ich weiß es nicht“, unterbrach Narcissa seinen Fragenschwall und stützte ihn am Ende ein wenig, da er so aussah, als würde er jeden Moment aufs Neue umkippen.
„Wir sind nach London zurück und ich denke, sie werden sich sicherlich gut um sie gekümmert haben. Nur haben sie im Orden auch keinen Heiler und. . .“, brach sie ab, als sie an das zurückdachte, was sie gestern Nachmittag hatte mit ansehen müssen.
Der Werwolf Lupin hatte das Mädchen, in eine Decke gehüllt, auf den Armen liegen gehabt. Sie war aber nicht nur bleich gewesen, sondern richtig fahl. Darüber hinaus hatte sie extrem schwer geatmet und auch etwas Blut auf dem weißen Hemd gehabt. Sie musste es nur zu offensichtlich ein paar Minuten zuvor gehustet haben, denn es war frisch. Narcissa hatte es sogar noch an ihren Lippen erkennen können.
„Was, Mutter? Was!?“, schrie Draco sie halb an, da sie gestockt hatte und noch blasser geworden war. „Verdammt, was ist mit ihr?“ „Ich . . . ich weiß es nicht. Ich habe nichts weiter mitbekommen, aber sie sah sehr schlecht aus. Sie muss Blut gehustet haben“, erklärte sie ihm ihre Eindrücke, womit er weiß im Gesicht wurde. Warum? Verdammt, wo kam das jetzt auf einmal her? Als er kurz zuvor mit ihr gesprochen hatte, war soweit noch alles in Ordnung gewesen. Hatte sie durch den Stress vielleicht wieder so einen Anfall gehabt? Oder hatte sie sich allgemein zu sehr übernommen? Er hatte die vergangenen Tage ja schon gesehen, dass sie jede noch so kleine Bewegung unwahrscheinlich anstrengte und vor allem schmerzte.
„Scheiße“, fluchte er und rappelte sich ganz auf, um nach ihr zu sehen. Den Schwindel, seine zittrigen Beine, den Schmerz aber auch die mahnenden Worte seiner Mutter ignorierte er. Er taumelte mehr, als das er lief, an die Tür des kleinen, spartanisch eingerichteten Zimmers, in dem sie waren, und drehte an dem blöden Knauf, der nicht nachgab. Die Tür war abgeschlossen. Man hatte sie eingeschlossen. Weggeschlossen vor allen anderen. Allen voran vor ihr, was ihm seine Mutter recht müde zu verstehen gab.
„Sie misstrauen uns nach wie vor. Etwas anderes habe ich aber kaum erwartet.“ Daraufhin spürte Draco die Wut unwahrscheinlich in sich hochkochen. Kurz darauf trat er mit aller Gewalt gegen die verdammte Tür, die sich dennoch nicht öffnete. Stattdessen wankte er und drohte unter einer aufkommenden Schwindelattacke zusammenzubrechen. Er stolperte zwei Schritte zurück und presste die rechte Hand an den dröhnenden Schädel, worauf Narcissa gleich bei ihm war und ihn zu sich nahm.
„Bei Merlin, leg dich hin! Das bringt doch nichts“, zog sie ihn behutsam zurück und drückte ihn mit sanfter Gewalt auf die etwas sperrige Pritsche. Auch versuchte sie ihn richtig hinzulegen, doch er wehrte sich schwach, sodass sie ihn fürs Erste sitzen ließ, dann aber erneut das kalte Tuch an seine Stirn legte.
„Ganz ruhig“, sprach sie ihm beruhigend zu, wo er endlich mal so schlau war, auf sie zu hören, während er auch weiter versuchte, den Schwindel niederzuringen. Allerdings lehnte er zeitweise wirklich mehr an der Schulter seiner Mutter, die ihn, nun, da sie ihn halbwegs gesund zurück hatte, am liebsten gar nicht mehr losgelassen hätte.
„Ich hab mir wahnsinnige Sorgen um dich gemacht“, hauchte sie ihm leicht zittrig zu und strich ihm durch die zerwühlten Haare. „Als ich dieses Chaos gesehen habe, da. . . Ich dachte, ich sehe dich nie wieder“, kamen ihr die Tränen, worauf er schwach blinzelte und ihr recht müde zu verstehen gab: „Wenn es nach dem Alten und Bellatrix gegangen wäre, dann wär es jetzt auch so.“ „Was ist passiert?“, fragte seine Mutter bitter, obwohl sie es gar nicht so genau wissen wollte. Die Ungewissheit war allerdings um ein Vielfaches schlimmer, womit Draco ihr recht tonlos erzählte.
Narcissa lauschte dem still und nickte immer mal. Irgendwann zog sie ihn aber wieder mehr zu sich und strich gedankenverloren ĂĽber die Stelle, wo Bellas Messer ihr Ziel gefunden hatte.
Ihr war klar, dass ihm das vermutlich noch immer recht starke Schmerzen bereitete. Fieber hatte er ja auch, dennoch ließ er sich wie immer nichts anmerken. Am liebsten hätte sie ihn jetzt irgendwie behandelt, nur hatte der Orden ihr ihren Zauberstab abgenommen. Genauso den von Draco, sodass sie vollkommen hilflos und dazu verdammt waren, auf die nächsten Schritte und Entscheidungen des Ordens zu warten.
So kam Narcissa mit der Zeit aber wieder eine Frage in den Sinn, die sie in den vergangenen Tagen nie wirklich losgelassen hatte. Nämlich das Warum? Warum hatte Draco diese für ihn so lebensgefährliche Situation heraufbeschworen und dann auch tatsächlich auf sich genommen? Sie ahnte im Grunde warum, hatte von ihm aber noch immer keine klare Antwort bekommen. Eine, die sie nun aber erhalten könnte, denn er konnte nicht weg, genauso wenig wie sie.
„Warum?“, fragte sie ihn von daher, worauf er sie gleichermaßen müde, wie auch erschöpft ansah. „Was?“ „Warum das alles? Warum war es dir so unheimlich wichtig, der Kleinen zu helfen?“, erkundigte sie sich, bekam allerdings keine Antwort, außer einen wütenden, kalten Blick, der von einem unterschwelligen Knurren begleitet wurde. Das allein genügte jedoch, um ihr ihre Ahnung beinahe zur Gänze zu bestätigen, dennoch wurde sie genauer.
„Kann es sein, dass dir dieses Mädchen mehr bedeutet, als es den Anschein hat?“, fragte sie behutsam und nahm jede noch so kleine Regung in seiner Mimik in sich auf. Angefangen mit dem gefährlichen Blitzen und Zucken in seinen Augen, die sich um eine Nuance verdunkelten. Das bedrohliche Knurren, was aus seinem Innern drang, unterstrich den Eindruck nur noch zusätzlich. Es war ihr wie eine leise Wut. Und zwar auf sie, da er glaubte, sie könne seine Beweggründe ohnehin nicht verstehen. Doch das tat sie.
„Draco, hör mal. Wenn du. . .“ Zu mehr kam sie jedoch nicht, da er plötzlich etwas aus der Jeans kramte und ihr wortlos ein altes, leicht zerknittertes Foto vor die Nase hielt, was sie sofort schlucken ließ.
„Bevor du mich hier ins Kreuzverhör nimmst, erklär mir lieber was das ist!?“, raunte er dunkel, während sie zittrig nach dem alten Bild griff und nun selbst auf diese längst vergangenen Tage blickte.
„Wo . . . wo hast du das gefunden?“, murmelte sie kaum hörbar, den Blick ungebrochen auf die Fotografie gerichtet. Draco schnalzte lediglich: „Sagen wir mal so. Der Schrank damit ist über mir zusammengebrochen“, bevor er Narcissa wirklich das Messer auf die Brust setzte.
„Wer ist dieser Tom?“, bohrte Draco nach dem Mann, der auf dem Foto so verliebt mit seiner damals 16-jährigen Mutter kuschelte. Narcissa betrachtete aber auch weiter bitter das Bild, bevor sie ihn ansah und traurig meinte: „Sieht man das nicht?“ „Doch, ich seh es. Mich würde aber interessieren, wie du dann an Lucius geraten bist?“, giftete Draco noch mehr, da auf der Abbildung nur zu deutlich rüber kam, dass seine Mutter diesen Tom wohl richtig geliebt hatte. Dass sie glücklich mit ihm war. Etwas, was auf ihre Ehe mit Lucius definitiv nicht zutraf, wie er wusste. Also, warum hatte sie sich das angetan, wenn sie doch etwas anderes gehabt hatte?
Narcissa derweil musterte erneut bitter das Bild und strich gedankenverloren ĂĽber die Erscheinung ihres alten Freundes. Ăśber eine verlorene Zeit, die nie wieder zurĂĽckkommen wĂĽrde.
„Ich hab ihn mit 15 in Hogwarts näher kennengelernt“, begann sie, den Blick auch weiter auf das sich bewegende Bild geheftet. „Er war, wie die kleine Granger, Gryffindor und mugglestämmig. Ich weiß selbst nicht mehr so richtig wie, ich glaube, wir mussten in Zaubertränke gemeinsam etwas Brauen. Es hatte mich am Anfang wahnsinnig gestört, mit ihm zusammenarbeiten zu müssen. Er hatte aber so eine Art, jeden für sich zu gewinnen. Meine Verbohrtheit hat ihn auch ein wenig gereizt und angestachelt, sodass er wieder und wieder versucht hat, mit mir ins Gespräch zu kommen. Am Anfang habe ich ihn zwar ständig abgewiesen, aber das hat sein Interesse nur noch mehr geschürt. Deine Tante Andromeda meinte dann immer, ich solle mich nicht so haben, er wäre nett. Mit der Zeit habe ich das dann auch so empfunden, nur war da die Sache mit dem Blutstatus. Du weißt, was deine Großeltern davon halten und sonst unsere Familie?“, sprach sie es an, bekam aber keine Antwort. Die musste Draco ihr auch nicht geben, da es für jeden ein offenes Buch war.
„Auf alle Fälle habe ich mich irgendwann doch stärker auf ihn eingelassen. Wir haben uns anfangs noch heimlich getroffen, weil es mir nicht ganz geheuer war. Da Andromeda ihre Beziehung zu diesem Tonks aber auch so offen gelebt hatte, hatten wir dieses Versteckspiel mit der Zeit auch weitestgehend sein lassen. Deine Großeltern und Bellatrix hatten es natürlich mitbekommen und mir und Andromeda immer wieder auf recht deutliche Art zu verstehen gegeben, was sie davon hielten. Es war ursprünglich auch so geplant gewesen, dass Andromeda Lucius heiraten sollte.“ „Hat sie aber nicht“, murrte Draco leise, was seine Mutter abnickte.
„Nein. Sie hat sich nach ihrem Abschluss gleich mit diesem Ted abgesetzt und war untergetaucht, um Gras über die Sache wachsen zu lassen. Du kannst dir sicher vorstellen, was in diesem Sommer bei uns zu Hause los war? Sie hatten mir gedroht, dass etwas passieren würde, sollte ich die Verbindung zu Tom nicht lösen. Ich wollte das nicht, wollte aber auch nicht, dass ihm etwas zustößt.“ „Also hast du dich von ihm getrennt?“, vermutete Draco, worauf sie mit dem Kopf schüttelte.
„Nein. Ich wollte. Ich habe versucht, es ihm zu erklären, aber er war dermaßen . . . stur. Er wollte mich nicht gehen lassen. Er wollte nicht, dass ich mich mit dieser Ehe unglücklich mache. Er hatte dann die Idee, dass wir uns nach außen trennen sollten, damit niemand etwas bemerkt, um nach dem Abschluss, wie Andromeda, doch einfach erstmal unterzutauchen und wegzugehen. Ich hatte mir in der Richtung Hilfe und Rat bei meiner Schwester geholt. Unser Plan hatte soweit auch geklappt. Wir waren in dem Cottage in Frankreich unentdeckt. Es schien alles gut zu gehen. Sie haben dann aber irgendwie seine Eltern ausfindig gemacht und. . .“, brach sie ab, als sie mehr und mehr an diese Horrornacht zurückdachte. Draco sah es. Dass sie blasser wurde, je mehr sie erzählte. Zudem kamen ihr allmählich die Tränen.
„Ich hab ihm noch gesagt, dass er nicht zurückgehen sollte. Dass es vermutlich ohnehin schon zu spät war. Er hatte aber nicht auf mich gehört. Er wollte seinen Eltern helfen. Und ich wollte ihn auch nicht alleine gehen lassen. Als wir dann in London waren, waren sie bereits tot. Meine Familie hat uns überrumpelt und. . .“, wieder brach sie ab, als die Bilder dessen sie überrannten. Sie sackte auf ihrem Stuhl in sich zusammen und begann ihren Kummer und Schmerz von damals herauszuweinen. So sehr, dass Draco sie ein wenig zögerlich in die Arme nahm, wo sie ihm nun in die Schulter schluchzte und sich schier verzweifelt an ihren Jungen klammerte.
„Sie haben ihn vor meinen Augen gefoltert und . . . und ermordet. Sie haben mit mir das Gleiche gemacht und. . . Ich war schwanger“, gestand sie ihm zittrig und erzählte damit dem ersten Menschen wirklich alles aus dieser Nacht.
„Was?“, entwich es Draco entsetzt, der sie auf dieses leise Geständnis geschockt ansah. Narcissa nickte in ihrem Schluchzen. „Deswegen sollte ich nicht mitkommen. Aber ich . . . ich konnte ihn nicht . . . ich wollte ihn nicht alleine . . . ich. . . Ich hab ihn geliebt. Wirklich geliebt. Ihn und unser Baby, aber. . .“, schluchzte sie und verschluckte sich so halb an ihren Tränen, worauf Draco sie noch fester hielt.
Dass, was sie ihm gerade erzählt hatte, er hätte nie . . . nie eine solche Geschichte hinter dem Foto vermutet. Vielleicht eine Liebelei aber doch nicht so etwas! Ihm wurde damit nochmal überdeutlich klar, wie krank seine Sippe war.
„Ich habe mich am Ende dem Willen meiner Familie gefügt und Lucius geheiratet“, begann sie nach einer Weile tonlos, noch immer in Dracos Armen liegend. „Mir war ohnehin alles gleich geworden. Ich habe mich nach außen so gegeben, wie alle es von mir erwartet haben, obwohl ich innerlich geschrien habe. Ich wollte nichts mehr als zu sterben, habe es aber nie geschafft einen entsprechenden Trank zu mir zu nehmen. Mir war es dann immer, als hielte mich etwas zurück. Jemand. Mit 24 wurde ich erneut schwanger und. . . Ich wollte eigentlich kein Kind, aus dieser für mich so verhassten Beziehung“, murmelte sie leise, sah ihn dann aber wieder an. Seinen Blick vermochte sie in dem Moment nicht zu deuten, da sie ihm gerade irgendwie gestanden hatte, dass sie ihn nicht hatte haben wollen. In seinen Augen lag damit etwas Bitteres, aber auch Leeres. Ein dumpfer, leiser Schmerz, verbunden mit einer quälenden Gewissheit, die sie gleich zum weitersprechen animierte.
„Lass es mich erklären, Draco. Es ist nicht, dass ich kein Kind wollte. Und als ich dich dann das erste Mal in den Armen liegen hatte, ein unschuldiges Kind, da ist mir klar geworden, dass du genau das bist. Ich hatte mir ein Kind gewünscht, welches ich mit einem Menschen haben konnte, den ich auch wirklich liebe. Diesen Menschen hatte mir meine Familie zwar genommen, ich hatte aber die Gelegenheit einen solchen Menschen aus dir zu machen“, hauchte sie und strich ihm über die blasse, zerkratzte Wange, bevor ihre Hand in seinen Haaren verschwand.
„Der Gedanke daran, mein Wunsch, dir ein anderes Leben geben zu können, eines, was ich mir für mich gewünscht habe, das hat mir wieder Kraft gegeben. Dass ER durch die Potters im darauffolgenden Jahr verschwunden ist, hatte mir noch zusätzlich in die Hände gespielt. Bellatrix, Rodolphus und Rabastan wurden weggesperrt und Lucius selbst konnte sich nicht so entfalten, wie er es immer wollte und damit konnten sie dich nicht so erziehen, wie sie wollten. Ich habe wirklich versucht, dir dieses Dunkel und den damit verbundenen Wahnsinn zu ersparen, aber du weißt ja selbst nur zu gut, wie dein Vater ist.“ „Ja“, knurrte Draco zähneknirschend. Narcissa zwang sich jedoch zu einem Lächeln.
„Du bist aber nicht wie er. Du bist nicht so geworden, wie er es wollte, auch wenn ich das lange Zeit befürchtet hatte. Stattdessen da. . . Du bist mir ähnlich. Sehr sogar“, lächelte sie in ihren Tränen und strich ihm noch ein wenig durch die zerwühlten Haare.
„Du bist kein schlechter Mensch, auch wenn das jeder denkt. Es ist nicht so. Das hast du in den letzten Tagen mehr als deutlich bewiesen und ich denke, es gibt da nun sicher auch einen Menschen, der das weiß oder zumindest anfängt zu verstehen“, lächelte sie noch mehr, was ihn misstrauisch stimmte.
„Was meinst du?“ „Ich denke, das weißt du. Ich rede von dem Mädchen. Du hast dich um sie bemüht und versucht sie zu schützen. Sie ist dir nicht so egal, wie du immer getan hast, nicht wahr?“ „Und wenn schon! Was . . . was spielt das denn jetzt für eine Rolle?!“, brauste er auf und stand damit wieder. Narcissa blieb ruhig.
„Eine sehr große“, entgegnete sie ihm, was ihn noch mehr knurren ließ. In den grauen Augen funkelte es gefährlich, als sie ruhig, wie auch mit Bedacht fragte: „Du liebst sie. Hab ich Recht?“ Daraufhin blitzte es erneut schier übermächtig in seinen Augen auf. Es war ein unbeschreiblicher Zorn, aber auch eine beinahe grenzenlose Verzweiflung, die sie ihn traurig mustern ließ.
„Draco. . .“, wollte sie seine Hand nehmen, doch er schlug sie wütend weg. „Lass mich!“, fauchte er und trat, noch immer leicht wankend, auf die Kommode zu, auf der er sich keuchend abstützte. Im Kopf ein heilloses Chaos.
Narcissa besah es sich gequält, wie er dort so zittrig stand und um seinen Halt bemüht war. Nicht einfach nur um den Körperlichen, sondern vielmehr um den Innerlichen, weswegen sie sich ebenfalls erhob, zu ihm trat und ihm behutsam die Hände auf die Schultern legte. Sie versuchte ihn etwas zu sich zu ziehen, wo sie ihm beruhigend, wie auch aufmunternd zuflüsterte: „Es ist doch alles in Ordnung. Es wird sich alles finden.“ „Nein“, murmelte er verbittert und sah sie mit dunklen Augen an.
„Sie hasst mich. Und es ist besser, das bleibt so“, gab er ihr nun wieder ruhiger zu verstehen, worauf sie traurig mit dem Kopf schüttelte. „Das ist doch Unsinn. Bei Merlin, Draco. Sieh doch, wo wir sind!“, deutete sie auf den Raum.
„Wir sind nicht mehr unter ihnen. Weder du noch ich wollten all diese Dinge. Und ich. . . Ich habe die Hälfte meines Lebens gelebt und so auch in diesem Dunkel gelebt. Du aber bist noch so jung. Du kannst dir deine Zukunft doch noch so gestalten, wie du das willst. Mit wem du willst. Und. . .“ „Und wie soll ich das damit machen?!“, zog er sich plötzlich den Jackenärmel zurück und hielt seiner Mutter die Verfluchung auf seinem Unterarm entgegen. Und das mit einer wachsenden Verzweiflung, was sie sich gequält besah, bevor sie ihm beruhigend die Hände auf den Arm legte und das Dunkle Mal damit verdeckte. Im Anschluss zog sie ihn zu sich und schloss ihn tröstend in die Arme.
„Es tut mir so schrecklich leid, dass ich das nicht verhindern konnte, aber auch dafür wird sich irgendwann sicher eine Lösung finden. Genauso für alles andere. Es wird sich alles ganz sicher klären und. . . Wenn es dem Mädchen wieder besser geht, vielleicht redest du dann mal ganz in Ruhe und ehrlich mit ihr, hm?“, sah sie ihn wieder an und hielt sein Gesicht in den Händen, wo sie ihm mit den Daumen über die Wangen strich. Als sie ihm in die Augen sah, schimmerte in diesen eine beinahe grenzenlose Verzweiflung.
„Sie hasst mich“, gab er ihr erneut, mit einer so bitterlichen Gewissheit zu verstehen, die es ihr schwer machte, ihm ein aufmunterndes Lächeln zukommen zu lassen.
„Dinge können sich ändern, mein Lieber. Dafür muss man aber auch bereit sein, etwas zu tun und zu riskieren. Aber ich denke, dafür hast du schon mal den ersten Stein gesetzt. Alles andere wird sich zeigen. Also quäl dich nicht noch länger. An vergangenem kann man leider nichts mehr ändern. Man kann sich seine Zukunft aber neu ebnen. Auch wenn es schwer ist und Zeit in Anspruch nimmt. Manchmal sehr viel Zeit“, lächelte sie matt und strich ihm erneut über die zerschrammte Wange, bevor sie ihn mit einem „Komm her“ wieder in die Arme nahm. In dem Moment ging die Tür auf und sie waren zu dritt.
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Es gibt wunderbare Sequenzen – von der Spannung beim Trimagischen Turnier bis zum Humor und Herzschmerz beim Weihnachtsball, aber das treibende Element ist der traumhafte Thriller, in dem es ein echter Bösewicht auf Harry abgesehen hat – und nur Harry allein in der Lage ist, ihm die Stirn zu bieten.