In den kommenden Stunden blieb es vollkommen ruhig. Harry beschäftigte sich gemeinsam mit Arthur mit der Telefonverbindung, während Ginny und Tonks mit Draco bei Hermione blieben.
Auf den leisen Wink, dass er doch bitte wieder in sein Zimmer gehen sollte, hätte Draco Remus fast mit Blicken gelyncht, worauf Tonks ihrem Gatten versichert hatte, dass sie auf den kleinen Stinker schon ein Auge haben würde. Zumal Hermione, solange er in der Nähe und sie damit etwas Körperkontakt zu ihm hatte, tatsächlich ruhig blieb.
Dieser Kontakt beschränkte sich inzwischen zwar nur noch darauf, dass er ihre linke Hand festhielt, dennoch genügte es. Sie lag ruhig da und schien tief und fest zu schlafen. Draco wiederum hatte, kaum dass ihr Anfall in sich zusammengebrochen war, allerdings aufs Neue mit seinem dicken Schädel, aber auch dem extrem giftigen Blick von Ginny zu kämpfen.
Er hatte keine Zweifel daran, dass sie ihm bei einer falschen Bewegung direkt ins Gesicht springen und die Augen auskratzen würde. Tonks hockte so die ganze Zeit mehr wie ein Puffer zwischen den Beiden, die sich regelrecht belauerten. Zwar hatte sie immer mal versucht, ein ruhiges Gespräch anzuzetteln, damit die gereizte Atmosphäre, die im Augenblick hauptsächlich durch Ginny kam, ein wenig in sich zusammenbrach. Jedoch erfolglos.
Die Rothaarige traute dem Frieden um den Blonden nicht, auch wenn er gerade nichts weiter machte, außer sich die Freiheit zu nehmen zu atmen. Was Tonks von ihrer Position aus dann aber noch sah, war, dass er sehr wohl etwas tat. Nämlich recht abwesend, dafür aber umso sanfter, mit dem Daumen über Hermiones Handrücken zu streicheln. Ginny, die ihm gegenüber auf der anderen Seite des Bettes hockte, konnte es allerdings nicht erkennen. Allen voran, da sie ihm die ganze Zeit krampfhaft in die Augen starrte. Ein stilles Duell, wo Draco nach einer Weile resignierte. Nicht zuletzt auch aufgrund seiner Kopfschmerzen. Erließ den Blick irgendwann fallen, der sich stattdessen an Hermione festfraß. Und das so lange, bis Arthur bei ihnen auftauchte. Inzwischen war es beinahe 9:00 Uhr morgens.
„Kommt ihr? Ich glaube, wir haben es jetzt“, verkündete er stolz. Draco maß ihn nur murrend. Er wollte Hermione nicht allein lassen, was Tonks recht deutlich registrierte, denn er zuckte sich nicht.
„Na los. In fünf Minuten sollte dann doch alles geklärt sein.“ „Hast du ‘ne Ahnung“, murmelte er wissend, ließ Hermione nun aber doch los. Allerdings nicht ohne ihr die Decke noch mal etwas zurecht zu legen und die Kompresse zu tauschen. Eine Handlung, die sich Ginny peinlichst genau besah.
Am Ende kamen sie in der Küche alle wieder zusammen, wo Arthur noch immer recht stolz sein Werk präsentierte, obwohl es nichts weiter war, als ein stinknormales Telefon mit Tastenfeld. Damit verlor sich Harrys Blick mehr auf Draco. Nun war er gespannt. Malfoy war mit der allerletzte Zauberer auf Erden, dem er zutraute, dieses simple Gerät zu bedienen. Draco spürte Harrys Blick überdeutlich auf sich, allerdings ließ er den Jungen der lebt eiskalt auflaufen.
Er nahm sich wie selbstverständlich den Hörer und tippte recht schnell eine 14-stellige Nummer ein, was sich Arthur interessiert besah. Zwischenzeitlich hatte sich auch Ron wieder unauffällig dazu geschlichen und beobachtete argwöhnisch alles von weitem. Dann hieß es warten, wo Harry sich in einem kühlen „Du hast was vergessen“ noch die Freiheit nahm, den Lautsprecher einzuschalten. Draco bedankte sich mit einem giftig triefenden Blick.
„Ich frage mich, wie mir das passieren konnte, Potter?“, warf er ihm in seiner gewohnt arroganten, überheblichen Art zu und lauschte weiter dem nun nicht mehr stillen Tuut, welches sich plötzlich in einem leisen Klack verlor, bevor kurz Geraschel ertönte. In der nächsten Sekunde nölte ihm eine völlig verpennte Stimme mürrisch entgegen.
„Was?“ „Es funktioniert!“, freute sich Arthur, dem Draco einen genervten Blick zuwarf. Ginny guckte hingegen erstaunt, da sie die, zwar etwas verzerrte, Stimme tatsächlich als die Zabinis erkannte.
„Hab ich dich geweckt?“, fragte Draco süß, worauf kurz Ruhe herrschte, bevor es dumpf am anderen Ende der Leitung polterte. „Draco?!“, keifte Blaise überrascht, verwirrt aber auch ein wenig entsetzt ins Telefon. „Erraten. Und jetzt nimm das Kissen aus dem Gesicht, ich hab ein Problem.“ „EIN PROBLEM?“, wurde sein Freund sofort fast unerträglich laut, sodass es Draco in den Ohren klingelte und er den Hörer beiseite legte, als die befürchtete Schimpfkanonade losbrach.
„Du hast nicht bloß EIN Problem, Freundchen!“, schrie Blaise aufgebracht. „Verdammt, wir haben ausgemacht, dass du dich regelmäßig versuchst bei uns zu melden und was war? Nichts! Merlin nochmal, wir sind schon vom Schlimmsten ausgegangen. Wir. . .“ „Jetzt halt mal die Luft an. Ich konnte nicht, wie du dir vielleicht denken kannst!? Ich bin die letzten Monate überhaupt nicht mehr aus dem Manor rausgekommen!“ „Und jetzt, was. . . Ist bei euch jetzt wieder Ruhe? Hat Potter ihn. . .“ „Nein.“ „Aber. . .“ „Lässt du mich jetzt mal erklären?“, motzte Draco, sodass sein Freund seinen Fragenschwall eindämmte. „Erzähl“, meinte er einfach nur, sodass Draco ihm mit einer Schnellfassung kam.
„Ich bin mit meiner Mutter beim Orden untergekommen.“ „Dem Orden des Phönix?“, staunte Blaise. „Genau dem. Und die glotzen mich alle gerade schön blöd an, weil ich mit dir telefoniere. Allen voran Potter“, schielte Draco zu diesem, in dem gefährlich die Wut hochkochte. Blaise stutzte.
„Po-Po-Potter?“ „Ja.“ „Und da lebst du noch?“, überraschte es ihn, dem Draco noch eins draufzusetzen wusste. „Erstaunlicherweise, ja. Für Meuchelaktionen scheint neuerdings Weasley zuständig zu sein“, höhnte er recht kühn, sodass Ron kurz vorm platzen war und damit ganz in die Küche trat, um der indirekten Aufforderung nachzukommen. Remus hielt ihn allerdings zurück, mehr noch als Blaise meinte: „Der hohle Schwachkopf.“ Damit wurde es Ginny zu bunt, die Draco recht laut anblaffte, was Blaise durch den Lautsprecher überdeutlich hörte.
„Wolltest du ihn nicht was fragen, Malfoy?!“, zischte sie. „War das nicht. . .“, stammelte Blaise, als er sie hörte, worauf Draco recht durchtrieben zu grinsen begann. „Weasleys reizende, kleine Schwester. Sie hört mit.“ „Wa. . . Wer ist noch alles bei dir?“, fragte Blaise, der sich jetzt erst bewusst wurde, dass offensichtlich der Lautsprecher an war.
„Die halbe Weasley Sippe, Potter, Lupin, meine schrullige Cousine Nymphadora. . .“, nannte Draco absichtlich ihren richtigen Namen, um sie zu ärgern.
„TONKS!“, schrie sie ihn sofort wütend an und klatschte ihm zur Strafe nochmal eine, bevor er weiter aufzählte: „. . . Shacklebolt und meine Mutter.“ „Okay“, entwich es Blaise nun doch etwas überfahren. „Was . . . was willst du dann von mir? Bei dem Problem kann ich dir echt nicht helfen.“ „Die sind gerade auch nicht mein Problem, sondern Granger.“ „Hermione?“, stutzte Blaise und bemerkte jetzt erst, dass Draco sie eben gar nicht aufgezählt hatte.
Die Anwesenden nahmen es hingegen mehr als verwirrt zur Kenntnis, dass Zabini sie beim Vornamen nannte. Alle bis auf Ginny, der es langsam zu blöd wurde und allen voran zu lange dauerte.
„Blaise!“ „Was?“, erschrak er, als er plötzlich wieder den Rotfuchs vernahm. Draco begann allerdings zufrieden zu grinsen, als klein Weasley Blaise stattdessen erklärte.
„Du und Charlie, ihr müsst herkommen!“, setzte sie dem Slytherin sofort das Messer auf die Brust. „Wa. . . Wieso? Sag mal spinnst du!? Solange in England noch immer dieses Chaos herrscht, werden wir uns hüten zu. . .“ „Ihr müsst! Verdammt, Hermione geht’s richtig dreckig. Wir brauchen einen Heiler. Irgendjemanden, der sich mit dunklen Flüchen auskennt.“ „Wie-Wieso? Was . . . was ist denn passiert?“ „Was wohl?“, murrte Draco, zu dem Ginny sah.
„Potter und Weasley haben nicht richtig auf sie aufgepasst“, sprach er es nochmal indirekt an, womit Ron aufs Neue kurz vorm platzen war. „Sie ist von Greifern geschnappt worden, die sie ins Manor geschleppt haben. Was Bellatrix und die Anderen mit ihr gemacht haben, kannst du dir ja denken!“, fauchte Draco wütend, sodass Blaise kurz schwieg, bevor er vorsichtig fragte: „Wie schlimm ist es?“ „Sehr schlimm. Es war ja nicht bloß Bellatrix, sondern auch ER.“ „WAS?“, schrie Blaise nun wirklich in die Leitung, sodass Draco weiter erklärte.
„Ich weiß nicht, was er mit ihr gemacht hat. Auf alle Fälle hat sie hohes Fieber, starke Schmerzen und ist auch so mehr bewusstlos als alles andere. Und dann ist da noch ein . . . ein Fluch. Ich hab keine Ahnung was es für einer ist, aber. . . Das kommt wie ein Anfall. Es war jetzt die Nacht erst wieder. Sie fängt von der einen Sekunde auf die andere an zu schreien. Ihre Blutadern treten schwarz hervor und sie weint Blut. Letzte Nacht war es sogar so schlimm, dass es ihr schon aus den Ohren kam.“ „Scheiße“, murmelte Blaise daraufhin erschlagen.
„Ist Charlie bei dir?“, klinkte sich Ginny kurz darauf bitter dazwischen. „Was? Ähm. . . Ja. Der . . . der pennt.“ „Dann weck ihn. Blaise, bitte. Ihr müsst herkommen“, wurde sie verzweifelt. „Hier im Orden seid ihr sicher. Wirklich“, versprach sie, doch er schwieg kurz. „Wir. . .“ „Ihr bleibt wo ihr seid“, fiel ihm Draco bereits im Ansatz ins Wort. Und das auf eine Art und Weise, die keinen Widerspruch duldete, worauf Ginny ihn wütend anfauchte.
„Man, was soll das? Du hast doch gesagt, sie können uns helfen!“ „Aber nicht so!“, fauchte er zurück. „Ich will die Beiden nicht hier haben. Erstens ist es zu gefährlich. . .“ Daraufhin wollte Ginny ihm erneut wütend widersprechen, Draco kam ihr jedoch zuvor. „. . . und zweitens habt ihr in dem Saftladen hier doch gar nicht das nötige Equipment, um irgendwelche komplizierten Tränke zu brauen! Mal ganz davon zu schweigen, dass wir hier sicherlich nicht herausfinden, was das für ein Fluch ist! Guck dich doch mal in der Bruchbude um. Ihr habt ihr genauso wenig helfen können, wie ich in der letzten Woche. Das ist doch alles nur Kriegsmedizin. Sie müsste ins Mungos. In eine richtige Klinik. Das ist es, was sie braucht, aber nicht das!“, deutete er auf den etwas schäbigen Raum, womit Ginny einen Teil ihres Zornes runter schluckte.
„Und was dann?“, murrte sie. „Verdammt, wie oft denn noch? Ich hab doch schon mal gesagt, dass es das Beste ist, wenn wir sie zu Charlie und seinem Vater schaffen! Du vertraust mir nicht. Schön. Leg ich auch überhaupt keinen Wert drauf. Ich weiß aber, dass du Charlie und Blaise genug vertraust“, rieb er ihr lauernd, wie auch wissend unter die Nase und setzte dann doch einen drauf. „Granger das gleiche.“ „Du. . .“, knurrte Ginny ihn nun wieder furchtbar wütend an, da ihr diese leise Erkenntnis geradezu ins Gesicht sprang.
„Wovon redet er?“, klinkte sich Molly dazwischen, die aus dem Streit, aber auch Ginnys Bitten und allem, nicht mehr schlau wurde. Aus der Tatsache, dass sie die beiden Slytherin Jungs, die scheinbar sehr gut mit Malfoy befreundet waren, mit dem Vornamen ansprach und auch wie selbstverständlich mit Zabini redete, gleich so als wären sie Freunde.
„Sag es ihnen“, stichelte Draco und sah Ginny durchdringend an, die ihm am liebsten an die Kehle gesprungen wäre. „Was?“, stutzte Molly noch mehr. „Draco, lass das“, bat Blaise, doch der Blonde hörte nicht. „Sag es oder ich erzähl es ihnen.“ „Du hast es gewusst!“, zischte Ginny, womit sich ein diebisches, durchtriebenes Leuchten in die hellen, grauen Augen stahl.
„Natürlich hab ich davon gewusst. Die Beiden sind schließlich meine besten Freunde.“ „Freunde?“, warf Harry zynisch dazwischen, sodass Draco wütend zu ihm schielte. „Ich dachte immer, das wären Crabbe und Goyle? Oder besser noch, das Geld deines Vaters?“ „Crabbe und Goyle sind alles, aber garantiert nicht meine Freunde, Potter“, zischte Draco ihn giftig an und drehte sich zurück zu Ginny. Diese maß ihn noch immer so, als ob sie ihm in der nächsten Sekunde den Hals umdrehen würde.
„Erzähl deiner Familie von deinem kleinen, dunklen Geheimnis.“ „Draco. . .“, hörte er Blaise noch nölen, inzwischen hatte er allerdings genug gesagt, um Arthur und Molly restlos zu verunsichern. „Wovon redet er? Was . . . was hast du gemacht?“, sah Molly ihre Tochter ein wenig verzweifelt an. „Nichts“, versicherte sie ihr, sah dann aber nochmal zurück zu Draco. „Was haben die Zwei dir erzählt?“ „Genug“, grinste er gleichermaßen selbstzufrieden, wie auch schadenfroh, was sie übermächtig knurren ließ. Blaise hatte aufgegeben.
„Sag es“, forderte Draco erneut. „Was? Ginevra, was hast du getan?!“, wurde Molly nun richtig aufgekratzt und sah ihre Tochter halb panisch an. Doch anstatt von ihr eine Antwort zu bekommen, richtete sich Draco recht frech an Molly und sah diese schadenfroh an, bevor sein Blick direkt zu Harry und Ron glitt.
„Nichts. Nichts außer sich mit Blaise und Charlie anzufreunden.“ „WAS?“ „Halt die Klappe!“, fauchte Ginny und auch Blaise maulte: „Komm, lass.“ „Im Übrigen trifft das auch auf Granger zu.“ „Wa. . .“ Damit blieb den Anwesenden noch mehr der Mund offen stehen. Bei Harry und Ron machte sich auf die Aussage blankes Entsetzen in den Gesichtern breit, während sich Ginny nach etwas umsah, mit dem sie Draco erschlagen konnte.
„Du lügst!“, unterstellte Ron ihm wütend. „Was hätte ich für einen Grund? Zumal ich euren bescheuerten Gesichtsausdruck gerade sehr amüsant finde.“ In dem Moment hatte Ginny den Daily Prophet bei der Hand.
Sie rollte die Zeitung zusammen und zog dem Blonden damit energisch eins über den Schädel, sodass er wieder zu dem Rotfuchs sah. Als sie erneut ausholte, um ihm mit einem „Du blödes Arschloch“ noch eine zu verpassen, hielt er sie jedoch blitzschnell am Handgelenk fest und funkelte sie warnend an.
„Noch ein Mal und ich vergeß mich“, drohte er ihr leise, bevor Harry ihn von seiner Freundin wegriss. „Fass sie nicht an!“ „Dann bring dem kleinen Giftzwerg mal Manieren bei.“ „Das sagst ausgerechnet du, du schmierige Ratte?!“, keifte Ron und zog seinen Zauberstab.
„Hallo?“, ging Blaise’ langsam verzweifelte Stimme in dem aufkeimendem Streit der Vier unter. „Was willst du Weasley? Mich verfluchen? Nur zu. Tu dir keinen Zwang an“, reizte Draco ihn noch mehr und breitete einladend die Arme aus. Sein Blick nahm dabei eine dunklere Nuance an, bevor er ruhig und beherrscht weiter sprach.
„Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass dein liebes Schwesterchen und Granger sich noch in ganz anderen Gefilden herumgetrieben haben. Dass sie euch zwei Idioten nichts davon gesagt haben, ist mir völlig klar. Ihr hättet das mit eurem Erbsenhirn doch nie kapiert“, wurde er wieder ausfallend, womit sich Ron erneut nicht im Griff hatte. Die bloße Vorstellung, dass Hermione und seine Schwester mit den Schlangen zusammenhocken sollten, vernebelte ihm komplett das Hirn.
„Flipendo!“, donnerte er schneller als er, aber auch Draco, gedacht hatten. Arthur kam so nicht mehr dazu, seinem hitzköpfigen Sohn den Zauberstab aus der Hand zu reißen, da aus diesem bereits ein weißer Lichtblitz schoss und Draco hart vor die Brust traf.
Er wurde schmerzhaft zurückgeworfen, wo er mit dem Rücken auf einem der maroden Holzstühle landete, der dadurch lautstark sein Dasein aushauchte und Draco nicht bloß schwere Prellungen am Rücken verursachte. Er spürte einen heißen Stich in seinem Innern, der dafür sorgte, dass ihm kurzzeitig die Luft wegblieb. In der nächsten Sekunde fing er an Blut zu husten, als er versuchte zu atmen.
„Draco!“, rief Narcissa geschockt. Keinen Herzschlag später war sie bei ihm, als er sich unter Schmerzen zusammenkrampfte und den Arm um den lädierten Brustkorb schlang. „Was ist? Sag was!“, drängte sie ihn panisch, doch es kam nur ein neuer Blutschwall. „Ich. . .“, keuchte er halb erstickend. Verdammt, er kriegte keine Luft mehr!
„Tut doch etwas!“, richtete sich Narcissa verzweifelt an die Anwesenden. Kurz darauf war Tonks bei ihr und versuchte Draco behutsam auf den Rücken zu drehen, wodurch er nur noch mehr keuchte, krampfte und einen weiteren Blutschwall herauswürgte.
„Remus!“, rief sie, während Harry und Ginny immer entsetzter auf den Blonden sahen. In Harry kamen auf den Anblick unweigerlich die Erinnerungen an das sechste Jahr wieder hoch, als er sich mit Draco in den Waschräumen duelliert und aus Unwissenheit den Sectumsempra an ihm ausprobiert hatte. Er hatte das damals nicht gewollt und Ron jetzt sicher auch nicht. Als er zu seinem Freund sah, war er sich seiner Gedanken jedoch nicht mehr so sicher. Ron guckte zwar auch geschockt, nur lag darunter eine seltsam befriedigende Genugtuung, die Harry ein wenig schaudern ließ.
„Anapneo“, hörte er Remus dann leise murmeln, worauf Draco wieder mehr keuchte. Inzwischen war er schon kreidebleich geworden, was durch das Blut um ihn herum, sowie auf seinen Sachen, nur noch mehr hervorstach.
„Ganz ruhig“, sprach Remus weiter und murmelte zum dritten Mal den Episkey, um seine Rippen, und damit den Schaden, den Rons Fluch angerichtet hatte, so gut es ging zu beheben, damit er ihnen jetzt hier nicht erstickte.
„HALLO? Ginny verdammt, was ist da los?!“, schrie Blaise nun schon halb ins Telefon, da auf einmal eine hektische Unruhe herrschte. Er hatte nur das Krachen und Poltern gehört, worunter sich gequältes Husten, Narcissas verzweifelte Worte, und nun auch schwere Keuchlaute gemischt hatten.
„Ich. . .“, begann sie unsicher. „Was ist passiert? Was. . . Sag mir nicht, dein bescheuerter Bruder hat ihn wirklich verflucht?!“, kochte die Wut in Blaise hoch. „Es . . . es war nur ein Rück-weich-Fluch. Er . . . er ist dann aber. . .“ „Was? Ginny, WAS?“, wurde Blaise immer panischer. „Er ist blöd gestürzt und. . .“ „Was? Lebt er?“ „Ich. . .“ „GINNY!“ „J-Ja. Ich. . . Remus kümmert sich um ihn“, zitterte ihre Stimme allerdings unwahrscheinlich, da es eine halbe Ewigkeit dauerte, bis sich die Atmung des Slytherins wieder beruhigte und er aufhörte Blut zu husten.
„Sieh zu, dass er am Leben bleibt, damit ich ihn umbringen kann!“, keifte Blaise auf den Schrecken. „Verdammt, kann der Idiot nicht einmal seine scheiß Klappe halten?!“, fluchte er auch weiter am anderen Ende der Leitung, was Ginny, zwar noch etwas unsicher, aber dennoch schwach lächeln ließ. Typisch Blaise.
„Bringt ihn mit!“, fauchte er dann noch, was Ginny kurz irritierte. „Was?“ „Ihr sollt ihn mitbringen. Wer weiß, was dein hirnloser Bruder noch an ihm kaputt gemacht hat! Es ist besser Charlies’ Vater checkt ihn richtig durch. Und wegen Hermione, . . . So wie ich ihn vorhin verstanden habe, scheint ihr noch nicht einmal einen einfachen Trank für sie brauen zu können. Wir haben hier aber alles Mögliche da und in der Bibliothek stehen genug Bücher über Heilkunde und Flüche. Und das ist doch das Problem, oder nicht?“ „Schon.“ „Also. . . Bleib dran, ich such die Adresse raus, damit ihr wisst, wohin ihr apparieren müsst.“ „Wir können mit Hermione aber nicht apparieren. Das ist für sie zu weit!“ „Und Seit-an-Seit?“ „Verdammt Blaise, sie ist seit Tagen bewusstlos. Selbst die kleinste Bewegung tut ihr unwahrscheinlich weh. Wir. . .“ „. . . Portschlüssel“, krächzte Draco ihr kratzig dazwischen, worauf Ginny leicht verzweifelt zu ihm sah.
Er hatte sich mit der Hilfe seiner Mutter etwas hochgequält und saß nun halb, keuchte aber noch immer unwahrscheinlich. Er war nicht nur weiß, sondern schon irgendwie grau im Gesicht und hatte leichte Zuckungen an den Augen, die er krampfhaft versuchte offen zu halten. Auch so. . . Er zitterte fürchterlich. Die ganzen Blutflecke auf der Jacke, und der kleine Rest an seinem Mundwinkel, ließen ihn zu allem Überfluss noch horrormäßiger erscheinen.
„. . . Portschlüssel. Mit . . . mit ‘nem Portschlüssel. . .“, krächzte er wieder. „Verdammt Malfoy, halt die Klappe. Du klingst, als ob du gleich krepierst!“, keifte Blaise durch’s Telefon, worauf der Blonde kurz grinste, bis ihm das Grinsen regelrecht im Hals stecken blieb und er erneut schwer hustete. Diesmal blieb der Blutschwall allerdings aus. Dennoch sprach Remus noch ein paar Mal seine Zauber, um wirklich ganz sicher zu gehen, dass es auch so blieb.
„Portschlüssel. Okay, ja. Koordinaten. Warte. . .“ Damit kehrte eine fürchterliche Stille ein, die nur durch Remus gemurmelte Worte und das schwere Keuchen Dracos durchbrochen wurde. Dann aber, als sich der erste Schreck allmählich legte, richtete sich Molly noch immer überfordert an ihre Tochter, denn das Gespräch mit Zabini hatte Malfoys Worte eigentlich bewiesen. Sie kannten sich. Und das mehr als gut, was sie maßlos verunsicherte.
„Du . . . du hast dich wirklich mit diesem Zabini und . . . und Harper und. . .“, glitt ihr Blick ein wenig verstört zu Draco, als sie leiser, dafür noch etwas entsetzter anfügte: „. . . ihm getroffen?“ „Mit Blaise und Charlie, ja. Mit Malfoy hab ich nichts am Hut.“ „Und Hermione? Hat sie. . .“ „Ja. Es . . . es hat in meinem Zweiten langsam angefangen“, murrte Ginny leise, worauf Molly große Augen bekam.
„Seitdem trefft ihr euch mit . . . mit. . .“ „JA!“, keifte sie ihre Mutter schließlich an, da an den beiden Jungs, wie sie im Nachhinein gemerkt hatte, nichts Schlechtes war. Sie hatten sich häufig heimlich, meistens in der Bibliothek, getroffen, geredet, Hausaufgaben gemacht, aber auch nur rumgeblödelt.
Der anfängliche Hass, oder mehr die Abneigung gegen die beiden Slytherins, war leisem Misstrauen gewichen. Diesem war eine kleine Vorsicht gefolgt, bis sie auch das hinter sich gelassen hatten und sich seither im Verborgenen mit den Beiden trafen.
Was sie an der ganzen Sache nur wunderte, war, dass Malfoy offensichtlich darüber Bescheid wusste und ihre Freundschaft scheinbar stillschweigend geduldet hatte. Das irritierte sie. Charlie und Blaise waren doch seine besten Freunde. Hatte er vorhin zumindest gesagt. Und Charlie und Blaise hatten ihr und Hermione ja auch mehr als einmal versucht zu erklären, dass Malfoy nicht so schlimm wäre, wie sie dachten. Sollten die Beiden am Ende damit etwa Recht behalten? Ginny konnte sich das nicht vorstellen. Absolut nicht, nur. . .
Da war und blieb die Sache mit Hermione. Das letzte Nacht, wie auch das, was allgemein in den letzten zwei Wochen passiert war. Er hatte gesagt, dass er sie mit seiner Mutter aus dem Manor gebracht und versucht hatte, ihr zu helfen. Dass er sie die letzten Tage, bevor der Orden sie gefunden hatte, wohl wirklich gepflegt hatte, hatten sie an den sauberen Verbänden erkannt. Hermione hatte keine frischen Wunden gehabt und am Ende anscheinend noch versucht, ihre Jungs zurückzuhalten, als Ron das getan hatte, was er schon so lange mit Malfoy machen wollte.
„Wieso?“, hörte sie ihre Mutter dann wieder, sodass sie von Malfoy zurück zu Molly blickte. „Wieso?“ „Ja.“ „Weil. . .“ „Was ist denn dabei, Molly?“, mischte sich Tonks in das Gespräch mit ein, die noch immer bei Draco hockte. Der wurde von ihr und seiner Mutter weiterhin gestützt, während Remus seiner Arbeit nachging.
„Was ist so schlimm daran, wenn sich ein paar Schüler aus zwei verschiedenen Häusern verstehen?“ „Aber sie sind. . .“ „Slytherins, na und? Deswegen müssen sie doch nicht zwangsläufig schlecht sein. Das ist doch auch mit der Grund für alles. Diese ganzen Vorurteile, mit denen die Kinder schon im ersten Jahr konfrontiert werden und damit zwangsläufig aufwachsen. Sie kriegen es von den Älteren so vorgelebt und damit geht das immer so weiter. Irgendwann muss damit doch mal Schluss sein. Und wenn Hermione und Ginny sich mit den beiden Jungs verstehen, dann ist das doch ein guter Anfang. Ein gutes Beispiel für andere.“ „Sie hat Recht, Molly“, richtete sich auch Remus an sie, der fürs Erste nichts mehr für Draco tun konnte. Dieser atmete noch immer schwer und lehnte leicht an der Schulter seiner Mutter.
„Sieh uns doch an. In unserer Schulzeit haben wir die Gepflogenheiten der Älteren übernommen. Das Haus Slytherin hat einen schlechten Ruf, das kann wohl keiner abstreiten. Aber auch aus anderen Häusern kommen Verräter. Pettigrew war unser Freund und Gryffindor, hat uns am Ende aber dennoch alle verraten. Angefangen bei James und Lily. Darüber hinaus, hat er dafür gesorgt, dass ER wieder einen Körper bekommt und damit in die Welt zurückkehrt“, mahnte Remus, worauf sie schwieg, aber dennoch unsicher zu ihrer Tochter und schließlich dem blonden Slytherin sah, der ihnen Hermione, warum auch immer, zurückgebracht hatte.
„Ginny!“, echote es plötzlich wieder aus der Leitung. „Ich bin hier.“ „Hast du was zum schreiben?“ „Was? Ich. . .“, sah sie sich suchend um, bekam dann aber von Harry das Nötige gereicht, den sie unsicher musterte. Er zwang sich allerdings zu einem kurzen Lächeln, bevor er sich Remus’ Worte noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen ließ.
„Ja.“ „Okay, hör zu. Der Ort an sich heißt Coyote Creek. Ist in der Nähe von Tucson. Aber ich denke, es ist besser, wenn ihr den Portschlüssel für das angrenzende Waldstück präpariert. Charlie und ich holen euch dann dort ab.“ „Ist gut.“ „Also Längengrad ist -110.6757 und Breitengrad war 32.1066. Ich schätze, das sollte reichen, damit wir uns nicht verfehlen.“ „Okay.“ „Wann seid ihr da, damit wir euch abholen können?“ „Ähm. . .“ Daraufhin schaute Ginny hilflos zu ihren Eltern.
„In sechs Stunden“, meinte dann aber Kingsley, den Draco sauer ansah. „Warum erst so spät?“, krächzte er noch immer, worauf der dunkelhäutige Auror zu ihm blickte. „Ich will den Portschlüssel selbst präparieren. So ein großer, ungenehmigter Sprung würde im Ministerium sonst sofort auffallen. Dem sollten wir gleich entgegenwirken.“ „Er hat Recht. Blaise?“, mischte sich Remus dazwischen. „Was?“ „In sechs Stunden.“ „Dann also 8:00 Uhr“, murmelte er. „Wieso acht? Dann ist es um drei“, mischte sich Ginny irritiert ein, der Blaise erklärte.
„Bei euch vielleicht aber nicht bei uns. Bei mir ist es kurz nach 2:00 Uhr nachts! Ich hab gepennt.“ „Ach so.“ „Klärt alles. Ich hau Charlie gleich noch raus. Wenn es so schlimm ist, wie Draco sagt, dann suchen wir lieber schon alles zusammen. Bis später. Ach ja, wenn Draco wieder irgendwie scheiße macht, dann fesseln ihn eben.“ „Danke!“, zischte der Blonde giftig.
„Du hältst die Klappe und legst dich gefälligst hin! Du klingst noch immer, als würdest du mit Rasiermessern gurgeln.“ „Ja, Papa“, stöhnte Draco entnervt. Blaise reagierte allerdings nicht mehr darauf. „Bis später.“ Damit war er weg und ließ die Anwesenden doch etwas überfordert mit den ganzen neuen Eindrücken zurück. Allen voran mit dem kleinen, wie Draco es genannt hatte, dunklen Geheimnis der beiden Mädchen.
Ginny spürte noch immer die bohrenden Blicke aller auf sich liegen, was sie restlos nervte, sodass sie mit einem gemurmelten „Ich seh mal nach Hermione“ abrauschte. Ein kleiner Hinweis, dem Draco folgen wollte, nur hielt ihn seine Mutter zurück.
„Du legst dich jetzt hin“, mahnte sie ihn ruhig. „Mir geht’s gut“, nuschelte er jedoch wirsch und wollte sich erneut aufrappeln, wo sie ihn nun wirklich energisch festhielt und auch ihre Stimme erhob.
„Tut es nicht!“ „Ich hab gesagt mir. . .“ „Obdormiscunt“, klinkte sich Tonks dann noch ungefragt dazwischen und tippte ihrem störrischen Cousin sacht mit dem Zauberstab an den Kopf. Diesen überkam damit fast augenblicklich eine beinahe tödliche Müdigkeit, die ihn dennoch nicht daran hinderte nochmal kurz, mit immer schwerer werdendem Kopf, zu Tonks zu schielen.
„Du . . . blöde. . .“ Mehr kam nicht mehr, da er in der nächsten Sekunde den Kräften des Schlafzaubers erlag und wegnickte. „Sowas von stur“, murmelte Tonks und tätschelte ihm den Kopf, als er zusammengesunken in Narcissas Armen lag.
„Hat er das von dir?“ „Möglich“, lächelte sie etwas matt und schaute auf ihren einzigen Spross. Tonks tat es ihr gleich, bevor sie ein wenig theatralisch meinte: „Hoffentlich wird Teddy nicht auch so ein Dickkopf“, und spitz zu Remus linste. „Was siehst du mich an?“, fragte er verwundert. „Hm“, machte sie aber nur und zuckte mit den Schultern.
Am Ende halfen sie und Remus Narcissa mit ihrem Dickkopf, während Molly versuchte das Chaos in der Küche zu beseitigen. Harry und Ron verschwanden zu Ginny, sie nochmal wegen der Sache mit den beiden Slytherins ausfragen.
Als Ron jedoch anfing, ihr den Kopf waschen zu wollen, von wegen, was sie sich dabei gedacht hatten, schaltete sie auf stur. Stattdessen legte sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf Hermione, die bereits nach kürzester Zeit wieder unruhig wurde und zu träumen begann. Und diese Träume waren alles andere, als Balsam für ihre gequälte Seele.
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Aber ich habe gelernt, auf allen möglichen Arten von Papieren zu schreiben. Die Namen der Hogwarts-Häuser sind auf einer Flugzeug-Kotztüte entstanden - ja, sie war leer.