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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Neue Erkenntnisse

von Alex2303

۩ ۞ ۩


Kurz vor 15:00 Uhr tauchte Tonks wieder bei Narcissa auf, um den Schlafzauber von Draco zu nehmen, dem die Ruhe sichtlich gutgetan hatte. Er war nicht mehr ganz so blass.
„War er ruhig?“ „Ja“, lächelte Narcissa und strich ihrem Sohn kurz durch die Haare, als sich Tonks zu ihm beugte und „Evigilas“ flüsterte. Allerdings tat sich Draco recht schwer damit, die Augen zu öffnen, was der Aurorin nochmal deutlich zeigte, dass er auch weiter Ruhe brauchte. Sobald sie da waren, konnte er sich aber wieder hinhauen.
„Draco. Augen auf. Wir müssen los.“ „Was?“, murmelte er völlig vertrant und blinzelte auch weiter verpennt die freche Hexe mit dem bunten Haarschopf an. „Es ist fast 15:00 Uhr. Blaise und Charlie warten sicher schon.“ Damit war er wach, allerdings viel zu schnell oben, sodass sich seine Gehirnerschütterung erneut unangenehm meldete. Genauso die noch immer teils ramponierten Rippen, denn er zischte kurz vor Schmerz.
„Langsam“, mahnte Tonks ihn. „Was ist mit Her-. . . Granger?“, korrigierte er sich rasch. Tonks schmunzelte auf den Versprecher allerdings spitz. „Du brauchst mir nichts vorspielen. Deine Mutter hat mir da noch ein paar Sachen verraten. Davon abgesehen hab ich Augen im Kopf. Dein Verhalten letzte Nacht war recht deutlich“, grinste sie nun, was Dracos Laune nicht wirklich hob, sondern ihn nur wieder knurren ließ.
„Alter Stinkstiefel“, stänkerte Tonks noch etwas, half ihm dann aber auf. „Na komm. Kingsley ist soweit mit allem fertig. Er und ich werden euch begleiten.“ „Ihr traut mir wohl nicht?“, stellte er nüchtern fest, dem Tonks gleich widersprach.
„Doch“, log sie, da sie ursprünglich allein mit ihm und Hermione hatte gehen wollen. Kingsley traute der Sache allerdings nicht zu 100%. Darüber hinaus standen auch Harry, Remus und vor allem Ron, dem Vorhaben mehr als skeptisch gegenüber, sodass sie letztlich resigniert hatte.
„Du bist aber auch noch ganz schön Matsch, von Hermione mal zu schweigen. Selbst mit einen Portschlüssel ist so eine lange Reise dennoch anstrengend.“ „Sicher“, gab er ihr süffisant zurück, da er für sich andere Wahrheiten sah. Am Ende folgte er Tonks, noch immer leicht wankend, die sich nochmal neugierig zu ihm drehte.
„Aber sag mal, . . . Was mich noch interessieren würde. . . Seit wann kennst du dich so gut mit diesem Muggle Zeug aus?“ „Hm? Ach, das ist wegen Charlie.“ „Der ist doch auch ein Reinblut?“, wunderte sich Tonks, zu der Draco spitz sah. „Und? Macht das irgendeinen Unterschied?“ „Na ja. . . Eigentlich nicht“, sah sie sich verlegen, kam aber nicht umhin, sich über ihren Cousin zu wundern. Solche Worte aus seinem Mund? Am Ende sprach sie weiter.
„Aber gerade ein Reinblut hat damit doch noch weniger zu tun als sonst jemand.“ „Sicher. Die Freundin von Charlies Vater ist aber ein Halbblut. Sie hat wohl eine Menge von dem Zeug angeschleppt, weil sie es teils doch recht praktisch fand, aus beiden Welten schöpfen zu können. Charlie kam mir irgendwann dann auch damit. Ich hab am Anfang gedacht, er hat einen Treffer weg. Aber das mit dem Telefon ist wirklich praktisch. Auf dem Weg können sie einem nicht so nachspionieren, wie mit den Eulen oder Flohgesprächen.“ „Scheint so“, murmelte Tonks, nach wie vor angenehm überrascht, eine derartige Seite an ihm entdeckt zu haben. Kurz darauf waren sie in dem kleinen, warmen Zimmer, in dem Hermione lag. Dort herrschte allerdings gesteigerter Aufruhr.
„. . . Warum nicht?“, fragte Ginny ihre Mutter zum gefühlt hundertsten Mal. „Es ist viel zu gefährlich.“ „Und was? Wieso?“ „Ich hab Nein gesagt und gut!“, sprach Molly ein Machtwort. Der Rotfuchs sah es aber nicht ein und richtete sich stattdessen an Arthur. Rons blöde Argumentation ebenfalls ignorierend, der ausnahmsweise auf Mollys Seite war. Allerdings war Harry auch nicht sonderlich begeistert von Ginnys Idee.
„Jetzt sag doch auch mal was!“ „Du hast deine Mutter doch gehört“, gab sich Arthur hilflos. „Nein! So leicht lass ich mich von euch nicht abkanzeln! Verdammt noch mal, was ist denn dabei, wenn ich Tonks begleite?“ „Ich trau dem ganzen nicht, Merlin nochmal!“, entwich es Molly nun doch noch. Just in dem Moment betrat Tonks mit Narcissa und Draco das Zimmer.
„So so“, flötete der Blonde seiner Cousine süß zu, die sich verlegen sah, bevor sie versuchte mit Molly zu reden. „Denkst du wirklich, dass es eine Falle ist und die Jungs ihr etwas antun würden? Wir haben die Koordinaten doch geprüft. Es ist so, wie Zabini es beschrieben hat. Außerdem wurde der Portschlüssel von uns angefertigt. Im Zweifelsfall wären wir mit dem doch ganz schnell wieder weg“, versuchte Tonks es mit Logik, dem Remus zustimmte.
„Sehe ich auch so. Zumal Kingsley auch noch dabei ist. Vermutlich ist es in Arizona im Augenblick 100-mal sicherer, als hier in England.“ „Siehst du!“, warf Ginny ihrer Mutter zu, der es dennoch nicht behagte. Draco besah sich die Zankerei nur kurz, bevor sein Blick auf Harry fiel und auch eine Weile an ihm haften blieb. Am Ende gab er sich seufzend einen Ruck und zog sich seinen persönlichen Feind Nummer 2 ran. An erster Stelle kam noch immer die Hohlbirne Weasley.
„Was?“, giftete Harry sofort, als Draco ihn unauffällig von den Streitenden wegdirigierte. „Ich hab dir noch was zu sagen, Potter.“ „Ach ja?“, zischte Harry. Draco versuchte ruhig zu bleiben und ihm das, was ihm nach und nach wieder eingefallen war, zu verklickern.
„Granger hat mir erzählt, dass ihr diese Horcruxdinger sucht.“ „Sie. . . WAS?!“, sah Harry ihn kurz entsetzt an, womit sich Dracos Blick verfinsterte. „Jetzt mach nicht so einen Aufstand und hör mir ein einziges Mal zu.“ „Dir?“ „Ich hab gesagt du sollst die Schnauze halten. Verdammt, ich. . . Ich weiß vielleicht wo zwei dieser Dinger sind.“ „Du. . .“, fand Harry schlagartig keine Worte mehr. Ja überhaupt die Tatsache, dass Hermione ihm etwas verraten haben könnte, überstieg gerade gewaltig sein Verständnis.
„Sie hat mir erklärt, was das für Dinger sind und warum ER sie braucht. Dass er bloß wegen den Teilen wieder existiert.“ „Das . . . du. . .“, konnte Harry auch weiter nur stammeln, sodass Draco entnervt mit den Augen rollte.
„Auch wenn mir das von eurem glorreichen Vogelverein keiner glaubt, aber ich habe ein genauso großes Interesse daran, dass ER wieder verschwindet. Und zwar endgültig! Also hör zu. Granger meinte der Kelch von Helga Hufflepuff ist einer davon. Das Ding liegt aber bei Bellatrix im Verlies bei Gringotts. Ich hab sie abends mal darüber reden hören, ob er dort noch sicher wäre. Das andere, was ich mitgekriegt habe, ist, dass der letzte, von dem ihr noch nichts wisst, vermutlich das Diadem von Rowena Ravenclaw ist. Er hat es scheinbar schon vor Jahrzehnten im Schloss im Raum der Wünsche versteckt. Und was seine Schlange Nagini angeht, er hat einen Schutzzauber auf ihr liegen und lässt sie eigentlich nie unbeaufsichtigt. Nur so als Tipp.“ Damit ließ er Harry los, der kurz völlig überfordert da stand, bevor er sich Draco seinerseits ran zog.
„Warte.“ „Was?“, zischte dieser genervt. „Wieso?“ „Was?“ „Warum sagst du mir das?“ „Bist du blöd und taub? Ich hab gesagt, ich will, dass ER verschwindet. Okay? Ich habe ... kein ... Interesse an dieser ganzen Scheiße“, betonte Draco seine Worte nachhaltig, was Harry ihm allerdings nicht glaubte.
„Du lügst.“ „Sieh es wie du willst, Potter“, zischte er überheblich. „Ich hab dir gesagt, was ich dir sagen wollte. Wenn du mir nicht glaubst, dann streng dein Spatzenhirn eben selbst an. Auf Granger musst du die nächste Zeit nämlich verzichten!“ Damit wollte er sich erneut umdrehen, doch Harry ließ ihn nicht los.
„Was noch?“, nölte er und sah Harry langsam stinkig an. „Wieso dann das alles? Warum hast du bei dieser ganzen Scheiße mitgemacht, wenn du das wirklich nicht wolltest? Wieso hast du sie in die Schule gelassen?“, sah Harry ihn durchdringend an.
Er hatte es auf dem Astronomieturm ja nur zu deutlich gesehen. Malfoy hatte seinen Zauberstab gesenkt. Er hätte Dumbledore nicht getötet. Ob nun aus Feigheit oder weil er es wirklich nicht wollte, dessen war sich Harry nach wie vor nicht schlüssig.
„Ich hatte meine Gründe“, raunte Draco dunkel. „Gründe?“, japste Harry aufgebracht, bevor ihn eine dumpfe Wut packte. „Was für kranke Gründe kann man für so etwas haben?“ „Gründe die du nie verstehen wirst, Potter“, zischte Draco nun wirklich wütend, während sich in den grauen Augen ein unheimliches, dunkles Funkeln zeigte. Es war ein tiefer Sturm, mehr noch Orkan, der dafür sorgte, dass Harry seinen Arm losließ.
„Draco?“, rief man ihn bereits zum zweiten Mal, sodass er schließlich zu Tonks trat. Diese sah, wie auch die Anderen, verwirrt zu den beiden jungen Männern, die noch kurz miteinander gesprochen hatten. Inzwischen war Harry allerdings so bleich wie Draco.
„Was ist los? Was hat er wieder abgelassen?“, knurrte Ron leise, dem es nach wie vor nicht schmeckte Hermione und nun auch Ginny, die sich mit ihrem Dickkopf durchgesetzt hatte, auf diese ungewisse Reise zu noch zwei Slytherins zu schicken. Noch dazu, da Malfoy dabei war. Harry sah sich jedoch noch immer in diesem Blick verloren. Aber auch dem, was Malfoy ihm gerade gesagt hatte. Ob es der Wahrheit entsprach wusste er nicht, nur machte es leider irgendwo Sinn.
Dass der Kelch einer der Gegenstände war, hatten sie bereits recht stark vermutet, um nicht zu sagen gewusst. Nur hatten sie keinen Schimmer, wo sie nach diesem suchen sollten? Und der Letzte. . . Sie hatten bereits gemutmaßt, dass es etwas von Rowena Ravenclaw oder Godric Gryffindor sein musste. Nun hatte Malfoy ihm ein durchaus stimmiges Indiz vor die Füße geworfen. Eigentlich sogar drei, denn wenn ER seine Schlange so sehr schützte, wie sollten sie die dann töten?
„Was war los?“, fragte Tonks, die noch immer stutzig zu Harry sah. Draco gab ihr aber keine Antwort, sondern trat zu Kingsley, der sich gerade Hermione nehmen wollte. Er schob dann allerdings die Hände des groß gewachsenen Aurors beiseite und griff nach dem zitternden Mädchen, der noch immer der kalte Schweiß auf dem Gesicht glänzte.
Sie murmelte schwach und stöhnte leise unter jeder noch so kleinen Bewegung. Dennoch hüllte er sie fest, aber trotzdem vorsichtig in die warme Decke, bevor er sie richtig nahm und hochhob, worauf er selbst ein wenig schmerzhaft das Gesicht verzog. Tonks sah es und war damit bei ihm.
„Lass Kingsley sie nehmen. Du bist doch selber noch verletzt“, flüsterte sie, doch er blieb stur und trat letztlich zu dem Auror, was Tonks seufzend so hinnahm. „Kleiner Dickkopf“, murmelte sie nur und schürzte kurz die Lippen, bevor sie sich noch schnell von Remus mit einem Kuss verabschiedete.
„Seid vorsichtig“, mahnte er sie. Tonks grinste. „Das solltet ihr lieber sein.“ Damit trat sie zu Kingsley, der den kleinen Portschlüssel, ein Feuerzeug, in der Hand hielt. Mit der anderen ergriff er Draco am Arm, was Tonks ihm gleich tat und dann auch noch die Hand von Ginny nahm, sodass sie alle zusammenhingen.
„Wir sehen uns!“, warf Tonks dem Rest nur noch zu, als Kingsley das Feuerzeug aufschnappen ließ und so der allseits bekannte Zug um den Bauchnabel sie hinfort riss.

۩ ۞ ۩


Mit einem leisen Plopp kamen sie irgendwo im nirgendwo in einem Mischwald an, dessen Bäume mehrere 100 Meter in den Himmel ragten. Es herrschte beinahe völlige Stille um sie herum, sah man von den Vögeln ab, die am frühen Morgen zwitschernd ihre Bahnen zogen. Darunter mischte sich dann allerdings ein leises Stöhnen, was von Draco herrührte, dem die Beine nachzugeben drohten. Diese weite Streckenübertragung war alles andere als förderlich für seinen angeschlagenen Kopf und Kreislauf.
„Hey! Langsam“, hielt Kingsley ihn und griff ihm etwas unter die Arme. Tonks und Ginny waren unterdessen versucht Hermione zu halten, falls Draco sie vor Erschöpfung fallen ließ. Die Beiden merkten dann aber recht schnell, dass das noch das Unwahrscheinlichste war, denn er drückte sie trotz allem noch mehr an sich.
„Draco?“, hauchte Tonks besorgt, worauf er die Augen träge aufschlug. Irgendwie drehte sich noch immer alles. „Lass Kingsley sie nehmen. Du kippst gleich um, so wie du aussiehst“, appellierte sie an ihn, wo er doch wirklich ernsthaft meinte: „Es geht mir gut!“ Seine Stimme strafte ihn jedoch Lügen, denn sie war inzwischen nicht mehr als ein erschöpftes Flüstern.
„Tut es nicht. Du. . .“ „Fang ja nicht auch noch so an wie meine Mutter!“, pflaumte er sie allerdings wieder an. Das aber noch immer fertig, was ihn dennoch nicht daran hinderte, sich aus Kingsleys Griff zu winden. Tonks blies auf sein Gemecker bereits beleidigt die Backen auf und wollte ihm noch was an den Kopf werfen, doch da taumelte er schon los.
„Blaise? Charlie?“, rief er keuchend in den Wald, in dem seine noch immer leise Stimme dennoch kräftig widerhallte. Kurz darauf tauchten in gut 20 Metern Entfernung, hinter einem der riesigen Bäume, zwei Gestalten auf.
In der nächsten Sekunde schossen die Zauberstäbe von Ginny, Tonks und Kingsley nach oben und zeigten sofort auf die Neuankömmlinge. Draco kümmerte sich allerdings nicht darum, sondern schlurfte zu den beiden Jungs, die die Hände etwas hoch nahmen, um zu zeigen, dass sie unbewaffnet waren.
„Nette Begrüßung!“, rief Blaise den drei Anderen zu und trat ganz zu Draco. „Du siehst richtig scheiße aus, weißt du das?“, warf der Dunkelhäutige ihm mit einem matten Grinsen entgegen. Eines, in das Draco nicht einstimmen konnte. „Erspar mir dein Gesülze“, keuchte er schwer. „Ja, ja“, meinte Blaise wiederum und sah letztlich auf das zerbrechliche Stoffbündel, was der Blonde in den Armen liegen hatte.
Hatte er bis eben noch geglaubt, dass sein bester Freund mehr einem wandelnden Toten glich, so wurde er in der nächsten Sekunde eines besseren belehrt, als er Hermiones bleiche Erscheinung mehr erkannte, die noch 100-mal schlimmer aussah.
„Scheiße“, murmelte er, während sich Charlie näher bei Draco über die Geschehnisse erkundigte. „Was genau ist jetzt eigentlich passiert? Was hast du mitgekriegt?“ „Nicht viel“, keuchte Draco. Inzwischen waren auch die anderen Drei bei ihnen, die Charlie nur mit einem kurzen Blick bedachte, der am Ende mehr nur Ginny galt. Blaise versuchte unterdessen, Hermione anzusprechen und hatte letztlich die Hand auf ihrer Stirn liegen.
„Man, sie glüht.“ „Erzähl mir was Neues“, murmelte Draco matt und kniff die Augen zusammen, als der Schwindel kurz stärker wurde, was Charlie die Augenbrauen kraus ziehen ließ.
„Du brauchst ganz dringend ein Bett“, rieb er ihm unter die Nase. „Mir fehlt nichts.“ „Schnauze“, meinte Blaise akkurat und nahm ihm kurzerhand Hermione ab, der durch den Personenwechsel ein leises, schmerzliches Wimmern über die Lippen kam.
„Ganz ruhig, Süße“, flüsterte Blaise beruhigend und hielt sie sicher, bevor sein Blick zurück auf Draco fiel der, nun da er die Gryffindor nicht mehr als leisen Halt hatte, erneut drohte umzukippen. Nur war diesmal Charlie da, der ihn am Arm fest und somit auch aufrecht hielt.
„Ist dein Vater da?“, richtete sich Ginny an den schlanken, brünetten Jungen, dessen grüne Augen sie kurz streiften, bevor er sich wieder auf Draco konzentrierte. Er legte sich ungefragt seinen Arm um Schulter und Nacken, um ihn besser stützen zu können, während er Ginny Antwort gab.
„Er ist nach Tucson appariert, um noch ein paar frische Zutaten und Bücher über Verfluchungen und dergleichen zu holen. Kann sein, dass er etwas später erst zurückkommt. Das Nötigste ist aber da. Allen voran ein warmes Bett“, meinte er und schielte wieder zu Draco, der sichtlich darum kämpfte die Augen offen zu halten.
„Ist es sehr weit?“, erkundigte sich Tonks, worauf Charlie mit dem Kopf schüttelte. „Das Auto ist ganz in der Nähe. Wir müssen zwar noch kurz fahren, es sind aber keine zehn Minuten bis nach Coyote Creek.“ „Auto?“, stutzte die junge Hexe und auch Ginny und Kingsley guckten verblüfft.
„Auto, ja. Wieso?“, verstand Charlie jedoch nicht, der die ganze Muggletechnik, durch seine Stiefmutter in spe, bereits recht gut kannte und irgendwann seine anfängliche Skepsis diesen Dingen gegenüber auch beigelegt hatte. Genauso Blaise.
„Nur so“, meinte Tonks am Ende leicht dahin, womit die beiden Jungs losliefen. Charlie auch weiter an Dracos Seite, den Tonks lieber noch auf der anderen flankierte, da es ihr so vorkam, als wäre er bloß noch eine Marionette, die an dünnen Fäden aufrecht gehalten und zum Gehen gebracht wurde. Eine Marionette, der man jede Sekunde die Fäden durchschneiden könnte. Dass er völlig am Ende seiner Kräfte war, erkannte sie jetzt erst wieder überdeutlich.
Sie hätten sich im Hauptquartier wirklich mehr um seine Verletzungen kümmern sollen, anstatt diese im stillen Keimen zu lassen. Hatte Narcissa ihr nicht auch gesagt, dass er an der Schulter verletzt worden war? Vergiftet? Das schien sich jetzt zunehmend zu rächen.
Doch bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, lichtete sich der riesige Wald und es kam ein schicker, schwarzer SUV mit getönten Scheiben zum Vorschein. An diesen trat Charlie und machte sich daran den Innenraum magisch zu vergrößern, damit sie alle bequem Platz hatten. Draco scheuchte er als erstes rein, der sich mehr als dankbar in den weichen, schwarzen Ledersitz fallen und erschöpft sinken ließ. Die Augen hielt er für einen Moment geschlossen, bis Blaise dazu kam.
„Gib sie mir“, wies er seinen Freund leise an, der zwar kurz überlegte, ihm diese Bitte letztlich aber erfüllte und sich stattdessen neben ihn platzierte. Dem folgte Ginny, dann Tonks, die erneut sehr interessiert schaute, und zum Schluss etwas zögerlich Kingsley, dem es als Einzigem nicht so ganz geheuer war, sich in den schwarzen Kasten zu setzen. Als Letztes folgte Charlie, der auf dem Fahrersitz vorn verschwand und das Stahlmonster sicher über den Waldweg zurück auf eine halbwegs befestigte Straße lenkte, die irgendwann auch wieder durch den aufgetragenen Teer schwarz wurde.
Während der gesamten Fahrt sprachen sie kaum ein Wort. Stattdessen belauerten sich die Parteien ein wenig. Hauptsächlich Kingsley, der unruhig alles im Auge behielt. Blaise versuchte es zu ignorieren und hatte seinerseits mehr ein Auge auf seinen Freund und Hermione. Draco schien, kaum dass er Hermione bei sich hatte, allerdings weggenickt zu sein. Er war noch mehr in seinem Sitz zusammengesunken und hatte dadurch den Kopf richtig an dem der Hexe liegen, wo er dann auch halb in dem zerwühlten, braunen Schopf verschwand. Es war ein Bild, was sich gerade Ginny nachdenklich und zunehmend verwirrt besah.
Malfoy hatte doch sonst immer über ihre Erscheinung und alles gewettert. So sehr, dass man glauben sollte, er würde sie nicht einmal mit einer Kneifzange anfassen. Das jetzt aber, das war. . . Bei Merlin, wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie glatt auf den Gedanken kommen, dass er ihre Freundin gern hatte. Aber das war . . . verrückt!
Zwischenzeitlich lenkte Charlie den SUV in eine riesige Einfahrt, hinter der sich ein flacher Bau, ganz in weiß ausgekleidet, mit jeder Menge verspiegelter Fenster verbarg. Am Vordereingang ein üppiger Garten, mit exotischen Pflanzen und einem satten, grünen Rasen, der an ihnen vorbeischwebte.
„Wahnsinn“, kam Ginny nicht umhin zu staunen. Tonks ging es ähnlich, als sich plötzlich vor ihnen ein Tor öffnete und der SUV in der Kellereinfahrt verschwand. Eine völlig normale Handlung, die Kingsley jedoch ordentlich aufscheuchte, sodass er seinen Zauberstab zur Hand hatte.
„Was wird das?“, fragte er Blaise drohend, der daraufhin nur eine Augenbraue nach oben zog. „Wir fahren in die Garage?“, gab er ihm in einer stutzigen Frage Antwort und maß den Auror zweifelnd. Am Ende schüttelte er mit dem Kopf, kaum dass Charlie geparkt hatte, und richtete sich an Draco, den er versuchte zu wecken.
„Draco? Hey, wir sind da.“ Doch sein Freund reagierte nicht, was Blaise beinahe befürchtet hatte. So wollte er sich erstmal Hermione nehmen, was der Blonde nun doch bemerkte, denn er ließ das Mädchen nicht los, sondern blinzelte knurrend mit dunklen Augen über ihren Schopf hinweg. „Nein. . .“ „Wir sind aber daah“, rieb ihm Blaise gedehnt unter die Nase. Mittlerweile war auch Charlie an der Tür, die er den Vieren auf hielt.
„Kommt ihr?“ „Sicher“, murmelte Blaise und neigte sich erneut zu seinem Freund. „Gib sie mir, damit sie wieder ins Bett kommt. Und zwar ohne Zusammenbruch“, gab er Draco überdeutlich zu verstehen und sah ihn durchdringend an, sodass er nachgab. Kurze Zeit später waren sie oben und liefen durch die einzelnen, teils offenen Räume, die sich die beiden jungen Frauen fasziniert besahen.
Der Flachbau war nicht einfach nur ein Haus, sondern entpuppte sich immer mehr als kleine Villa, die in hellen Farben, vorzugsweise in Weiß, gehalten war, und zudem aus vielen Glas und Edelstahlelementen bestand. Es wirkte nicht kalt oder steril, sondern sehr modern aber dennoch gemütlich, da sich überall entsprechende Dekorationen, verbunden mit viel Grünzeug wiederfand.
„Schick, nicht?“, richtete sich Blaise keck an Ginny, in deren Augen es anfing zu leuchten. „Das ist irre.“ „Hat Heather so hergerichtet“, erklärte Charlie. „Wer?“ „Die Freundin von meinem Vater. Magie und Mugglemoderne in einem“, grinste Charlie, als er noch eine Tür öffnete und sie damit, in einem doch etwas überdimensionierten Schlafzimmer herauskamen, welches alleine schon fast doppelt so groß war, wie das Wohnzimmer der Weasleys.
„Merlin nochmal“, murmelte Ginny und ließ erneut alles auf sich wirken. Die tolle Einrichtung, die schlicht aber dennoch elegant, sowie modern war, wie auch sonst alles, was sie bis jetzt von dem Haus gesehen hatte. Dann war da auch noch der atemberaubende Blick aus dem Panoramafenster, der in einiger Ferne einen riesigen Wald zeigte. Direkt hinter dem Haus verbarg sich zudem ein Garten mit Terrasse, der an einem seichten Hang befestigt war. Am Fuße dessen lag ein kristallklarer, kleiner See.
Während Ginny und Tonks noch ein wenig staunten und Kingsley alles nach Merkwürdigkeiten absuchte, war Blaise an dem großen, weißen Bett angelangt, wo Draco die Decke zurück schlug, damit sie Hermione hinlegen konnten. Als die Gryffindor sicher und warm versteckt vor ihnen lag, scheuchte Blaise seinen Freund raus.
„Du legst dich jetzt hin.“ „Mir geht’s gut!“ „In deinen Träumen vielleicht. Los raus. Um Hermione kümmert sich Charlie. Ich guck nach dir.“ „Aber. . .“ „Raus“, ließ Blaise nicht mit sich reden und schleifte den Blonden letztlich am Kragen hinter sich her.
„Wirklich erstaunlich“, murmelte Tonks verblüfft, obgleich des Schauspiels der beiden Jungs, dem sie noch kurz mit Blicken folgte, bevor sie zu Harper trat. Der war bereits bei Hermione und schlug ihr nochmal die Decke etwas zurück. Kurz darauf zog er ihr auch das Hemd ein wenig auf, um näher nach ihr zu sehen.
„Kannst du ihr helfen?“ „Wird sich zeigen. Erstmal muss ich wissen, was genau ihr fehlt. Die Verletzungen sind da weniger das Problem, sondern die Flüche“, murmelte Charlie bereits leicht in sich gekehrt, als er begann die Verbände vorsichtig zu lösen, wo er dann auch sehr behutsam mit den Fingern über die Wunden strich.
„Blaise hat mir die Nacht noch von einem erzählt, der wie ein Anfall oder so kam“, sah er von Hermione auf fragend zu Tonks, die ihm mit Ginny, so gut sie konnte, erklärte.

۩ ۞ ۩


„Okay. Und jetzt noch mal ganz von vorne“, setzte Blaise an, kaum dass er Draco in einem anderen Zimmer auf das Bett gedrückt hatte. Dieser seufzte kurz, bevor er ihm alles erzählte, was vor gut zwei Wochen seinen Anfang genommen hatte. Er ließ rein gar nichts aus. Auch nicht die beiden Vergewaltigungen, wo er viel zu spät dazu gekommen war.
„Die haben WAS?“, hatte Blaise entsetzt geschrien, während Draco Mühe hatte diese Bilder erstmal wieder aus seinem Kopf zu vertreiben, bevor er weiter erklärte. Dass sie mit IHM weggeschlossen war und er wohl sonst was mit ihr veranstaltet hatte. Er erzählte ihm von ihrer Flucht, dem Aufenthalt in Mugglelondon, den ersten Anfall, den sie gehabt hatte, dann den Angriff durch seinen Alten und Bellatrix. Den Tagen im Cottage und zum Schluss den Zirkus, den sie im Hauptquartier des Ordens hatten. Als er fertig war, war er aufs Neue erschöpft und hatte einen furchtbar kratzigen Hals vom Reden, dem Blaise mit einem Glas Wasser entgegen wirkte. Im Anschluss kramte er ein paar vorgefertigte Präparate heraus, die Draco nach und nach zu schlucken hatte, sodass ihm von den ganzen Tränken kotzübel wurde.
„Viel hilft nicht unbedingt viel, Zabini“, brachte er angewidert über die Lippen, als sich ihm der Magen ein weiteres Mal umzudrehen drohte. „Na in deinem Fall trotzdem noch immer besser als nichts. Los, Jacke und Hemd ausziehen“, wies er ihn in einem leichten Militärton an, dem Draco nicht widersprach. Er war viel zu K.o., um stundenlang mit Blaise zu diskutieren, da er einen ähnlichen Dickkopf hatte wie der Blonde selbst.
Sein Freund musterte derweil die schmächtig gewordene Gestalt Dracos nachdenklich, was sich immer stärker in Sorge wandelte. Allen voran als er sich den noch immer lädierten Brustkorb betrachtete, der in sämtlichen Farben schimmerte. Aber auch die Wunde an Dracos Schulter verursachte Blaise Bauchschmerzen. Die sah nicht gut aus. Zwar blutete sie nicht, rings um den Einstich war die Haut allerdings stark entzündet und schimmerte zudem leicht bläulich.
„Das war das Geschenk deiner Tante, was?“, tastete Blaise vorsichtig darüber, was Draco dennoch überdeutlich in einem Stich spürte und ungewollt die Schulter wegzog.
„Ich hab zwar nicht so viel Ahnung wie Charlie, aber das da sieht richtig scheiße aus.“ „Erzähl mir was Neues“, murmelte Draco matt, sodass sich Blaise zu ihm beugte und ihm durchdringend in die Augen sah. Diese waren glasig und wirkten stark ausgezehrt. Am Ende legte er ihm die Hand auf die Stirn, obwohl er es sich denken konnte.
„Hinlegen!“, schnauzte Blaise nur noch und half letztlich mit einem Schubs nach. „Ich hol Charlie.“ „Der soll Hermione. . .“ „Mit der wird er fertig sein, solange wie du erzählt hast. Also bleib liegen oder ich helf nach“, drohte er mit seinem Zauberstab, als Draco Anstalten machte sich aufzurappeln. Auf die dreiste Drohung ließ er sich allerdings grummelnd nach hinten fallen, was ihm sein Körper mehr als nur etwas dankte.
„Ich bin gleich wieder da“, versprach Blaise und huschte zu Charlie. Im Kopf noch immer die ganze Story, die er eben gehört hatte. Dass die Beiden, allen voran Hermione, da noch lebten, grenzte für ihn an ein kleines Wunder.
„Charlie?“, rief er seinen Freund, der sich gerade noch etwas mit Ginny und Tonks unterhielt. „Was?“ „Bist du soweit fertig?“ „Mehr oder weniger.“ „Heißt?“ „Es sind noch ein paar Flüche, mit denen ich nichts anfangen kann. Allen voran dieser Komische“, sah er zu Ginny und Tonks, bevor er sich zu Blaise drehte.
„Ich denke, es ist besser, Paps sieht dann auch nochmal nach ihr. Vielleicht fällt ihm noch etwas ein.“ „Hm“, machte Blaise und sah auf ihre verletzte Freundin. Sie atmete schwer und war noch immer vollkommen bleich.
„Wenn du dann Zeit hast. . . Ich glaube, es ist besser, du guckst bei Draco selber nochmal. Seine Verletzungen sehen auch nicht gut aus“, erklärte Blaise, sodass die Beiden zu ihm gingen. Tonks wie ein Schatten hinter ihnen, während Ginny bei ihrer Freundin blieb und ihr besorgt durch die Haare strich.

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