„Her-mione?“, konnte Ron nur stammeln, als ihre Freundin, zusammen mit seiner Schwester, seinen Eltern und Remus, aus dem Geheimgang trat. Kurz darauf stürzten er und Harry sich auf sie.
„Merlin nochmal, weißt du, was für Sorgen wir uns gemacht haben?“, erdrückten die Zwei sie fast, was ihr die Augen feucht werden ließ. Sie konnte gar nicht sagen, wie sehr ihr ihre Jungs gefehlt hatten.
„Es ist alles okay. Mir geht’s wieder gut“, brachte sie etwas schwach hervor, da ihr nun doch die Tränen kamen, als die Beiden sie eingehend musterten. Hermione lächelte aber weiter in ihren Tränen, sodass es bei Ron und Harry ebenfalls ein wenig zu schwimmen begann.
„Wie seht ihr überhaupt aus?“, schimpfte sie in einem leichten Schniefen, da die Zwei recht ramponiert aussahen. Ihre Gesichter waren verrußt, zerkratzt, teils mit Brandwunden versehen und, und, und.
„Lief bei Gringotts nicht alles so glatt“, meinte Harry, dem Hermione über die Wange strich. „Hat Remus schon gesagt. Habt ihr das Ding gefunden?“ „Ähm. . . Ja“, kramte Harry in seiner Tasche und förderte den noch heilen Kelch zutage.
„Stellt sich nur die Frage, wie wir den zerstören? Wir haben das Schwert nicht mehr.“ „Ich weiß“, murmelte Hermione gedrückt, als Ron sie plötzlich nochmal ganz zu sich zog und einfach nur festhielt. Er strich ihr über den Kopf und durch die Haare, wobei sein Blick seine Familie halb streifte. Bei ihnen standen aber noch zwei andere Gestalten, die er jetzt erst wirklich bemerkte.
„Was machen die denn hier?“, zischte er, sodass Harry und Hermione seinem Blick folgten. Als Harry die Schlangen sah, gefror seine Mimik unweigerlich zu Eis, womit er den Kelch auch wieder in der Tasche verschwinden ließ, was Hermione nur am Rande gewahrte. Sie dachte sich auch nichts dabei, da ihr zudem ein völlig anderer Gedanke durch den Kopf ging, als sie Blaise und Charlie sah, als Harry. So machte sie sich jetzt auch aus Rons Griff los und trat zu Charlie.
„Hast du etwas gegen ihre Verletzungen?“ „Ich denke schon“, murrte Charlie ein wenig und suchte in seiner Tasche. Zeitgleich trat Ginny zu Harry, den sie erleichtert in die Arme schloss. Dieser hielt sie kurz fest, sah dann aber erneut misstrauisch zu den beiden Slytherins, von denen sich Hermione irgendetwas geben ließ.
„Was wollen die hier?“, fragte auch Harry seine Freundin, die einen Moment zu den Jungs schaute, ehe sie meinte: „Sie sind mitgekommen, um uns zu helfen.“ „Helfen?“, japste Ron, wofür Ginny ihn mit einem bösen Blick abstrafte, als er zudem motzte: „Sie sind Schlangen und obendrein auch noch Malfoys Freunde!“ „Genauso wie sie meine und Hermiones Freunde sind, falls du es schon wieder vergessen hast!?“, funkelte sie ihren Bruder an, bevor sie hintenansetzte: „Davon abgesehen haben sie Hermione geholfen, sonst würde sie jetzt nicht mehr leben!“ Daraufhin schluckten Harry und Ron und sahen zu ihrer Freundin, die gerade mit zwei Phiolen zurückkam, die sie den beiden Jungs in die Hand drückte.
„Was ist das?“, beäugte Ron den Inhalt skeptisch. „Heiltränke. So ramponiert wie ihr ausseht, da ist doch sicher einiges im Argen.“ „Wir sollen das schlucken?“, sah Ron sie entsetzt an und wollte den Flakon von sich schieben.
Hermione rollte auf die Geste nur mit den Augen und nahm ihm kurzerhand das kleine Fläschchen ab. Sie zog den Pfropfen raus, hielt Ron die Nase zu, worauf er etwas sagen wollte, und trichterte ihm die Flüssigkeit ohne ein weiteres Wort ein. Im nächsten Moment begann er an zu würgen und den sterbenden Schwan zu spielen.
„Bist du wahnsinnig?“, krächzte er und wartete darauf, dass irgendetwas Unheimliches mit ihm passierte. Das Einzige, was allerdings geschah, war, dass seine Schrammen und alles ausheilten und er sich zudem plötzlich wieder besser fühlte. Harry musterte ihn nur kurz, bevor er zu Hermione sah die, so wie sie guckte, dasselbe mit ihm machen würde, sollte er nicht endlich den Trank schlucken. Was er dann auch tat. Wenig später setzte auch bei ihm ein Heilungsprozess ein.
„War das nun so schwer?“, fragte Hermione und sah die beiden Dickköpfe eigen an. Harrys Blick glitt jedoch zurück zu Zabini und Harper, die ihn ihrerseits giftig taxierten, ehe er sich nochmal an Hermione richtete.
„Sie wollen uns wirklich helfen?“ „Wären sie sonst hier?“, fragte sie, worauf er kaum merklich nickte. „Okay dann. . . Wir können jede Hilfe gebrauchen.“ „Das ist jetzt nicht dein Ernst?“, sah Ron seinen Freund entsetzt an. Dieser nickte nur und schaute wieder zu Hermione.
„McGonagall und die anderen Professoren rufen gerade die Schüler zusammen, um die Jüngeren zu evakuieren. Dort können sie erstmal helfen und dann sehen wir weiter. Sobald alle raus sind, müssen wir den Raum der Wünsche transformieren. Wahrscheinlich hat ER hier einen Horcrux versteckt.“ „Wie kommst du darauf?“, fragte Hermione lauernd, die es im Grunde wusste, bekam dann aber von Ron Antwort.
„Weißt du, wir sind mit einem der Verliesdrachen aus Gringotts geflohen. Als wir in Sicherheit waren, hatte Harry nochmal so eine Vision von du-weist-schon-wem. Er ist da in Gedanken seine Verstecke für die Horcruxe durchgegangen, um zu sehen, ob sie noch dort sind. Dabei hat er auch an das Schloss gedacht.“ „Verstehe“, murmelte Hermione gedehnt und sah wieder zu Harry.
„Hast du eine Idee, was es ist?“ „. . . Ja“, gab er ihr jedoch etwas unschlüssig zurück. So richtig schien er Malfoys Worten nicht zu trauen, aber da sie den Trinkpokal tatsächlich in dem Verlies gefunden hatten, traf das höchstwahrscheinlich auch auf das Diadem zu.
„Harry denkt, dass es das Diadem von Ravenclaw ist. Luna meinte, es wäre der einzig bekannte Gegenstand von Ravenclaw. Nur ist das Teil wohl schon seit 1’000 Jahren verschollen.“ „Als ich mich mit ihr umgesehen habe, haben uns diese Carrows entdeckt und Alarm geschlagen“, erklärte Harry. „Und warum denkst du, dass er es ausgerechnet im Raum der Wünsche versteckt hat?“, bohrte Hermione, wo er etwas unsicher meinte: „Ich hab so sein Gefühl.“ So so, dachte Hermione. Er traute Malfoy nicht genug, um es auszusprechen, aber dennoch gut genug, um diese Risiken einzugehen, was anhand der Sache mit Gringotts nur zu deutlich war. Vielleicht lag es aber auch nur an Ron, dessen Vertrauen in letzter Zeit recht leicht zu erschüttern war, dass Harry seine Infoquelle nicht preisgab.
„Ich sag den Jungs Bescheid“, murmelte Ginny und trat zu Blaise und Charlie, um ihnen ihre vorläufigen Aufgaben mitzuteilen. Kaum dass sie weg war, richtete sich Harry wieder besorgt an Hermione.
„Du hättest nicht herkommen sollen. Genauso wenig wie Ginny. Wir wollten eigentlich nur den Horcrux holen. Dass sie uns entdeckt haben und nun ins Schloss kommen, war absolut nicht geplant.“ „Dachte ich mir. Jetzt sind wir aber hier und werden euch helfen.“ „Hermione. . .“ „Nein“, hob sie gebieterisch den Zeigefinger.
„Das geht uns alle etwas an. Es geht um unseren Frieden und unsere Freiheit. Um beides werde ich genauso kämpfen. Ich könnte es mir nie verzeihen, mich irgendwo feige zu verstecken und abzuwarten. Andere für mich kämpfen zu lassen und damit vielleicht in den Tod zu schicken.“ „Denkst du, ich will das?“, sah Harry sie gequält an. Hermione lächelte auf den Anblick entschuldigend und zog ihn schließlich zu sich.
Er hatte eine unglaublich schwere Bürde zu tragen, die kein Mensch der Welt alleine fähig wäre zu tragen und die auch niemand alleine tragen sollte. Deswegen würde sie ihm diese Last auch so gut sie konnte abnehmen, was sie ihm im Kommenden zu verstehen gab.
„Du kannst das nicht alles allein schultern und das musst du auch nicht. Du hast viele Freunde, die dich unterstützen und dir beistehen wollen. Aus freien Stücken.“ „Ich will niemanden in den Tod schicken“, flüsterte er ihr bitter zu und hielt sie noch etwas fester.
„Das wirst du auch nicht. Jeder kämpft für sich, aber wir alle zusammen, kämpfen für etwas großes Ganzes. Wer nicht will, kann das Schloss verlassen. Du zwingst doch niemanden zu etwas. Es ist jedem selbst überlassen, was er tut oder wohin er geht. Welchen Weg er sich wählt. Und ich. . . Ich habe mir meinen Weg hierher gewählt. Ich will euch helfen. Dir“, sah sie ihn erneut an, worauf er ihr gequält in die Augen schaute.
„Das hätte dich schon mal fast das Leben gekostet“, erinnerte er sie schuldig und damit auch sich selbst. „Mir geht’s aber wieder gut“, erklärte sie ihm nochmal ruhig. Harrys Blick fiel daraufhin unweigerlich auf die beiden Slytherins, mit denen Ginny gerade sprach.
„Das ist aber nicht mein Verdienst“, murmelte er bitter, sodass Hermione seinem Blick folgte und schließlich etwas schwermütig lächelte, ehe sie zu Harry zurücksah. Sie nahm sein Gesicht in die Hände und strich ihm über die verdreckten Wangen.
„Die Beiden sind mir und Ginny schon sehr lange, sehr gute Freunde, auch wenn dir und Ron das nicht gefällt. Deshalb sind sie jetzt auch hier und deswegen haben sie mir vor Wochen geholfen. Genauso wie du oder Ron es getan hättet, wenn ihr gekonnt hättet.“ „Wir konnten aber nicht“, kam Harry auf den eigentlichen Punkt zurück, bevor er noch bitterer murmelte: „Wir haben dich im Stich gelassen.“ „Das habt ihr nicht. Ihr. . . Woher hättet ihr denn wissen sollen, wo ich bin und alles?“ „Trotzdem, das. . .“ „Hör auf. Das ist vorbei. Okay? Wir haben gerade ganz andere Probleme“, lenkte sie das Gespräch wieder auf das Kernthema, worauf er nickte. Damit öffnete sich die Tür zum Raum der Wünsche. In dieser Minerva, die für einen Moment überrascht auf die Neuankömmlinge sah, ehe sie zu Harry ging.
„Wir sind fast soweit. Es gibt aber noch Klärungsbedarf, wie wir nun genau vorgehen. Remus?“, richtete sie sich an Lupin, der zu ihr trat. „Könntet ihr alle kurz runter in die Große Halle kommen, damit wir uns beraten können? Ich weiß nicht, inwieweit ihr euch jetzt schon formiert habt?“ „Kingsley versucht noch Leute zu mobilisieren. Das kann allerdings etwas dauern. Wir sollten erstmal zusehen, dass wir das Schloss richtig gesichert und die Schüler evakuiert bekommen. Wir. . .“, brach Remus ab, als er plötzlich Tonks entdeckte, die ebenfalls aus dem Geheimgang kam.
„Was machst du denn hier? Ich hab dir doch gesagt, du sollst die Stellung halten und. . .“ „Was soll ich da halten, Remus?“, maß sie ihn strafend. Darüber hinaus war sie nicht die Einzige, die im Gang auftauchte. Hinter ihr erschienen nach und nach einige DA-Mitglieder, wie auch Harrys altes Quidditchteam, die alle dem Aufruf gefolgt waren.
„Vielleicht sollte erst einmal jemand hier bleiben, falls noch mehr Leute kommen“, murmelte Minerva, als sie die vielen ehemaligen Schüler sah, die ihren Weg zurück nach Hogwarts gefunden hatten, um ihnen beizustehen und mitzukämpfen.
Diesen Part bekam Ginny, nach längerer Diskussion, von ihrer Mutter aufs Auge gedrückt, während die Anderen in Richtung Halle verschwanden. Auf dem Weg dorthin konnte Harry deutlich erkennen, wie sich um das alte Gemäuer eine Art goldener Schleier legte und es umhüllte, bevor er durchsichtig wurde und nichts mehr darauf hinwies. Minerva sah es.
„Das wird Filius gewesen sein“, erklärte sie. „Er legt schon seit Snapes Flucht Schutzzauber über das Schloss.“ „Snape?“, stutzte Hermione und richtete sich an ihre Freunde, die ihr knapp erklärten. Wenig später kamen sie in der Großen Halle an. Dort hatten sich mittlerweile sämtliche Schüler versammelt, die teils unschlüssig um sich blickten, da keiner so richtig wusste, was eigentlich passiert war? Als sie Harry dann allerdings entdeckten, war jedem klar, dass es nicht nur leeres Gerede war. Er war wirklich hier.
„Herrschaften, bitte“, schallte Minervas Stimme lautstark durch die Halle, die schließlich erklärte. Währenddessen verschwand Harry zu seinen Freunden, den DA-Mitgliedern, wie auch seinem alten Haus. Hermione blieb hingegen bei Blaise und Charlie, die sich ein wenig abseits hielten.
„Das kann ja heiter werden“, murmelte Blaise und schielte kurz zu seinen ehemaligen Hauskameraden, die ihn und Charlie bereits entdeckt hatten. Nicht nur sie beide, sondern auch, dass sie bei Hermione waren und nicht an ihrem Haustisch. Es war eine Tatsache, die vornehmlich Pansy mit einem immer tödlicher werdenden Blick aufnahm.
„Sieht so aus, als ob Parkinson uns gleich anspringt“, meinte Charlie leicht grinsend. „Wir können es ja mal austesten“, grinste nun auch Blaise und sah zu Hermione. „Was?“, fragte die Gryffindor unsicher. Ihr behagte sein Blick nicht, da sie das nur zu gut von ihm kannte. Er heckte schon wieder etwas aus. Doch bevor sie weiter darüber nachdenken oder auch nur reagieren konnte, zog er sie zu sich. Er legte ihr den Arm um den Nacken und hauchte der Hexe einen kleinen Kuss auf den Schopf, was Hermione blöd gucken ließ. Und damit war sie nicht allein.
Pansy klappte auf den Anblick ungläubig der Kiefer runter, wie auch noch ein paar anderen Slytherins, was Blaise und Charlie mit einem selbstzufriedenen Grinsen aufnahmen.
„Schön, dass ihr noch lachen könnt!“, murrte Hermione die Beiden an, sodass Blaise schmunzelnd meinte: „Wenn du sehen würdest, was wir sehen, würdest du auch grinsen. Parkinson explodiert gleich. Solltest du dir nicht entgehen lassen.“ Auf den Hinweis sah die Brünette zu ihrer verhassten Mitschülerin, die bereits ihren Zauberstab bei der Hand hatte und vor Wut bebte.
„Wollen wir dem noch eins draufsetzen?“, richtete sich Blaise freudig an die Löwin, die im Gegensatz zu ihm die Gefahr um Parkinson nur zu deutlich spürte. Es würde sie nicht wundern, wenn die schwarzhaarige Hexe sie in der nächsten Sekunde verfluchte.
„Lieber nicht. Sie sieht so aus, als ob sie gleich. . .“ „UNWÜRDIGE!“, schallte es da jedoch wie aus dem Nichts, aus scheinbar allen Richtungen des Schlosses. Beinahe zeitgleich zuckten die Anwesenden unter der unheilbringenden, tödlich kalten Stimme zusammen und schauten sich panisch um.
„ER ist hier“, flüsterte Hermione zittrig, die diese fürchterliche Stimme sofort erkannt hatte. Für einen quälenden Moment hatte sie damit wieder das beklemmende Gefühl, allein mit diesem Monster zu sein, was sie zittern ließ. Kurz darauf schloss Blaise sie ganz in die Arme und sah sich misstrauisch mit Charlie in der Großen Halle um. Doch war nichts zu sehen. Es war nur seine Stimme, die sie hier erreichte mit der er forderte, ihm Harry auszuliefern, dann würde niemandem etwas passieren. Ja klar, dachte Hermione. Als ob er irgendwen hier am Leben ließ, sobald er Harry hatte. Dennoch gab es einige Schüler, die tatsächlich auf diese Forderung eingehen wollten. Natürlich waren es Schlangen, allen voran Parkinson, die auf Harry deuteten.
Vor den stellten sich dann allerdings schier übermächtig die übrigen Anwesenden und damit auch Hermione. Sie trat mit Blaise und Charlie zu ihren Freunden, was den zwei Jungs fragwürdige Blicke von beiden Seiten bescherte, doch sagte niemand etwas dazu. Stattdessen ergriff Minerva wieder das Wort und leitete endlich die Evakuierung ein, der sich sämtliche Slytherins, bis auf Blaise und Charlie, widerstandslos fügten.
Einige der Minderjährigen, aus dem fünften und sechsten Jahr, weigerten sich jedoch akribisch, da sie ebenfalls kämpfen wollten. Allerdings wurden alle unter Madam Pomfreys Aufsicht zum Raum der Wünsche geleitet, und damit, über den Geheimgang des Hog’s Head, aus der Schule geschleust.
Charlie und Blaise übernahmen so die recht undankbare Aufgabe, der Medihexe mit den Schülern zu helfen. Dafür wurden sie von ihren ehemaligen Hauskameraden und Mitschülern teils lautstark beschimpft. Ganz besonders von Pansy.
„Wie könnt ihr euch mit dem Schlammblut abgeben? Ihr seid widerliche Blutsverräter!“ „Halt’s Maul und geh endlich“, nölte Blaise, doch sie blieb bei ihm stehen und funkelte ihn wütend an.
„Draco wird euch Verräter einen Kopf kürzer machen, sobald er das herausfindet! Und ich werde dafür sorgen, dass er alles erfährt!“ „Mach“, grinste Blaise schadenfroh. „Er wird dir was husten, wenn du ihm davon erzählst. Er verabscheut dich“, gab er ihr genüsslich zu verstehen und betonte seine Worte nachhaltig, nun da er es konnte, was den Zorn in ihren Augen unbändig auflodern ließ.
„Du lügst.“ „Du hast ja keine Ahnung. Du warst bloß Mittel zum Zweck.“ Daraufhin blitzte es noch mehr in ihren Augen auf. „Halt’s Maul!“ „Warum? Erträgst du die Wahrheit nicht? Draco hat nie etwas für dich übrig gehabt. Er hat dich nur gebraucht, um seine eigenen Interessen zu wahren. Hast du echt gedacht, er leidet so dermaßen an Geschmacksverirrung, als das er dich in irgendeiner Art und Weise jemals attraktiv gefunden hätte? Du bist nichts, Parkinson. Du bist eine Krankheit, die er endlich los ist. Und ich weiß, dass er darüber heilfroh ist. Im Gegensatz zu dir kenne ich ihn nämlich wirklich. Ich weiß, was er will und das bist nicht du. Du warst es nie und du wirst es nie sein. Draco spielt in einer gänzlich anderen Liga“, höhnte er, wofür sie ihm am liebsten an die Kehle gesprungen wäre und die Augen ausgekratzt hätte, nur war dann auch noch Charlie da.
„Beweg dich, Parkinson. Ich hab keine Lust die ganze Nacht hier rumzustehen“, murrte Charlie sie an, zu dem sie ähnlich wütend sah. „Ihr seid Abschaum!“, spie sie, was ihn völlig kalt ließ. Stattdessen sah er zu Blaise. „Hast du’s ihr gesagt?“ „Ja!“, grinste dieser zufrieden, sodass Charlie zu ihr zurück sah.
„Da wir in deinen jämmerlichen Augen ja nun Abschaum sind. . . Da geht’s lang“, deutete er in den Gang und fügte noch hinten an: „Wenn du so freundlich wärst? Weder Blaise noch ich haben irgendein Interesse daran, uns länger als nötig mit dir und deinem unterbelichteten Kleinhirn zu beschäftigen“, gab er ihr sachlich, wie auch kühl zu verstehen, wofür sie ihn ohrfeigen wollte. Charlie war allerdings schneller.
Er hatte ruck zuck seine Hand gehoben und hielt sie am Handgelenk fest. In den grünen Augen noch immer eine völlig beherrschte Ruhe, die sich mit einer abweisenden Kälte den Platz teilte.
„Einmal“, warf er ihr lediglich warnend, wie auch unterkühlt zu, was den Zorn in ihren braunen Augen weiter hochflammen ließ, während er ihr Gelenk doch recht brachial zusammendrückte, sodass es sie schmerzte.
„Ich schlage keine Frauen, aber ich lass mich mit Sicherheit nicht von so etwas wie dir anfassen. Also verzieh dich endlich.“ Damit ließ er sie los, wo sie die beiden jungen Männer nur noch kurz todbringend anfunkelte. Am Ende spuckte sie Charlie nur noch vor die Füße, wandt sich um und stolzierte, hoch erhobenen Hauptes, davon.
„Bye, bye“, rief Blaise ihr freudig nach. „Ich sag Draco schöne Grüße“, setzte er noch hinten an und hatte Glück. Sie ließ sich provozieren und drehte sich nochmal wutschnaubend zu ihm.
„Er soll in der Hölle verrecken!“, fauchte sie und verschwand endgültig in der Dunkelheit. Blaise grinste allerdings auch dann noch, bis Charlie ihn an ihren Freund erinnerte.
„Wo steckt der überhaupt? Tonks hat doch gesagt, sie wollte ihm seinen Zauberstab zurückgeben.“ „Keine Ahnung. Wenn er schlau ist, bleibt er bei seiner Mutter“, murmelte Blaise, worauf Charlie ihn mehr als skeptisch ansah und dementsprechend eine Augenbraue hochzog, was Blaise seufzen ließ.
„Besser wir suchen ihn, sobald die hier alle durch sind“, meinte er, da er wusste, dass sein Freund nicht so schlau sein würde, sich versteckt zu halten. Er würde früher oder später hier aufschlagen. Und dann war besser jemand in seiner Nähe, bevor ihn eine der beiden Seiten lynchte.
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