Mit einem leisen Plopp tauchte Draco ungesehen am Rand des Verbotenen Waldes auf. Im Schutz des Dickichts erkannte er noch, wie sich über das alte Gemäuer ein goldener Schleier legte, bevor dieses Leuchten zur Gänze im Dunkel des Abends verschwand.
Die Ländereien lagen still dar, doch hieß das nichts. Er musste tierisch aufpassen, dass er niemandem begegnete. Wirklich niemandem. Weder Death Eatern noch jemandem aus der Schule, was gar nicht ging, denn sein Ziel war nun mal das Schloss. Wenn er dort irgendwie Tonks aufgegabelt bekam, die kleine Weasley oder noch besser, Blaise und Charlie, dann hatte er eine Chance.
So stahl er sich am Rand des Waldes entlang, stets darauf bedacht, in den Schatten zu bleiben, bis er Hagrids Hütte erreichte. Der Wildhüter war nicht in dieser, was Draco erleichterte, immerhin war der Halbriese, wie eigentlich alle, nicht wirklich gut auf ihn zu sprechen. Egal.
Er huschte auch weiter geduckt über die Ländereien in Richtung Schloss, als ohne Vorwarnung eine bedrohliche Stimme über das Gelände hallte. SEINE Stimme. Dieses Monster war bereits hier irgendwo, ging es ihm leicht panisch durch den Kopf, als er der schallenden Stimme lauschte, die die Auslieferung Potters forderte. Was sonst?
Schließlich verstummten die Geräusche und es herrschte erneut eine beinahe tödliche Stille auf dem Schlossgelände. Was nun?, fragte er sich. Er hatte keine Ahnung wohin er sollte, geschweige denn, was er überhaupt hier machte? Hermione würde bei den zwei Idioten sein, die zu blöd waren sie sicher wegzuschließen. Deswegen war er hier. Nur wo waren die beiden Holzköpfe? Was hatte sie nach Hogwarts getrieben?
Dann fiel ihm wieder ein, warum Hermione so sauer bei ihm angerauscht war. Er hatte Potter gesagt, wo vielleicht zwei dieser Horcruxdinger waren. Einer davon lag in Bellatrix’ Verlies, den sie heute Morgen offensichtlich geholt hatten. Der Andere befand sich vermutlich im Raum der Wünsche.
Das Beste war, er wartete im siebten Stock auf sie, bevor er sinnlos durch’s Schloss rannte. Sie auf dem Weg zu finden war ohnehin so gut wie aussichtslos, womit er sich von Schatten zu Schatten stahl und letztlich im Innern des alten Gebäudes verschwand.
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„Wo wart ihr, was. . .“, stutzte Harry, als Hermione und Ron plötzlich wieder bei ihm auftauchten.
Als sie die Große Halle verlassen wollten, hatte Ron ihre Freundin auf einmal eilig mit sich gezogen, als Remus und Minerva nochmal kurz mit ihm gesprochen hatten. Den Raum der Wünsche hatte er währenddessen so transformiert, dass er erneut ein Ort war, wo man alles Mögliche verbergen und verstecken konnte.
„In der Kammer der Geheimnisse“, grinste Ron stolz und auch Hermione strahlte. Harry und Ginny kamen jedoch nicht umhin verwundert auf das zu sehen, was die Beiden auf den Armen balancierten.
„Was ist das?“ „Die Zähne des Basilisken“, erklärte Ron mit Feuereifer. Harry verstand aber nicht gleich. „Was sollen wir damit?“ „Die Horcruxe zerstören. Mit Basiliskengift lassen sie sich vernichten“, erinnerte Hermione ihn und sah nochmal stolz zu Ron.
„Schön und gut nur, . . . Das Vieh ist seit fast fünf Jahren tot. Denkt ihr wirklich, da ist noch Gift an den Zähnen?“ „Das werden wir gleich sehen. Gib mir den Horcrux“, forderte Hermione, während sich Harry an Ron richtete, wie sie überhaupt dort runter gekommen waren? Der erklärte mit stolzgeschwelter Brust seine Idee. In der Zeit jagte Hermione den Zahn in den Trinkpokal, aus dem sich eine schwarze Wolke löste und das Gefäß Blasen zu schlagen begann.
„Es hat geklappt!“ „Dann fehlen nur noch zwei“, murmelte Harry und sah auf die Tür. „Hoffen wir, dass du Recht behältst, was dieses Diadem angeht“, meinte Ron, worauf Hermione etwas zu Harry schielte. Kurz darauf traten sie durch die Tür, dem Ginny unsicher mit Blicken folgte.
Am Ende machte sie sich auf den Weg nach unten, sehen, ob sie irgendwo helfen konnte. Dabei stieß sie im fünften Stock allerdings so heftig mit jemandem zusammen, dass es sie und ihr Gegenüber von den Füßen riss. Als sie aufsah, traf sie fast der Schlag.
„Malfoy? Was . . . was machst du denn hier?“ „Das Gleiche könnte ich dich fragen!“, zischte er und war damit wieder auf den Beinen, ebenso Ginny, die er sofort zu sich ran zog und eindringlich ansah.
„Wo sind sie?“ „Wer?“ „Her-. . . Granger und die zwei Idioten.“ „Die . . . die sind gerade in den Ra-. . . Was geht dich das eigentlich an?“, besann sie sich schlagartig, ihm lieber nichts zu verraten. Nur hatte sie schon genug gesagt, um Draco seine Ahnung zu bestätigen. Der ließ sie mit einem leise gemurmelten „Danke“ los und war im nächsten Moment weg. Ginny kam jedoch nicht umhin, ihm mit großen Augen nachzusehen. Danke? Von Malfoy? Allmählich zweifelte sie immer stärker an ihrem Verstand. Mehr noch an dem von Malfoy, den sie schließlich links liegen ließ, um endlich nach unten zu verschwinden.
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Kaum fünf Minuten später war Draco vor der entsprechenden Wand und lief dreimal auf und ab, um den Raum, wo er das Verschwindekabinett gefunden hatte, heraufzubeschwören. Er hoffte inständig, dass es der richtige Ort war.
„Wie sollen wir das Ding hier finden?“, stieß Ron verzweifelt aus, als sich der Raum mit all seinem Gerümpel, was die Schüler in den vorangegangenen Jahrhunderten verschwinden lassen wollten, vor ihnen auftat.
Es war eine berechtigte Frage, die sich auch Hermione stellte und zu Harry sah. Der lief aber zielsicher drauf los. Nichts ahnend, dass man sie bereits entdeckt hatte und ihnen folgte.
„Scheiße“, murmelte Draco, bei dem sich ihm bietenden Anblick. Wie um alles in der Welt sollte er sie hier wiederfinden? Irgendwie kam ihm der Raum inzwischen noch größer, noch verbauter und allen voran noch chaotischer vor, als er ihn in Erinnerung hatte. Das war doch wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen. Allerdings konnten sie noch nicht sehr weit sein. Sie hatten vielleicht zehn Minuten Vorsprung oder so, womit er einen Bücherhaufen, mit noch jede Menge anderem Gerümpel anvisierte, der sich zu einem gut drei Meter hohen Turm aufbaute.
Er kletterte diesen hoch, um sich einen groben Überblick zu verschaffen. Und tatsächlich, da waren sie. Potter lief stur vornweg, gleich so, als ob er einen Plan hätte. Hermione und das Wiesel folgten ihm eher ratlos. Was er dann aber noch entdeckte, ließ ihn panisch werden.
Hastig kramte er nach seinem Zauberstab, doch als er ihn hatte, waren sie bereits wieder hinter einer Deckung verschwunden, womit er von seinem Aussichtspunkt zurück nach unten huschte, den Fünf hinterher. Hoffend, dass die zwei Primaten zu doof waren, um einen gefährlichen Zauber auszuführen.
„Wo gehen wir hin?“, fragte Ron erneut, während sich Hermione unschlüssig umsah. Sie hatte irgendwie ein komisches Gefühl und auch so ein Ziehen im Nacken, über den sie sich schließlich fuhr und ein weiteres Mal etwas getrieben, wie ein scheues Reh, umschaute.
„Jetzt sag schon!“, drängte Ron ungeduldig, als Harry um noch eine Ecke verschwand und den Blick suchend schweifen ließ. Am Ende lief er zielsicher auf eine hässliche Büste, samt Perücke und, Hermione und Ron glaubten es kaum, einem Diadem auf der Perücke zu.
„Das!“, meinte Harry nur und nahm sich das Schmuckstück. „Ist es das? Ich meine. . . Woher wusstest du. . .“, stammelte Ron, während Harry etwas grinste und die grauenvolle Skulptur beiseiteschieben wollte. Zeitgleich sah sich Hermione erneut unsicher um, wo ihr Blick nun an einem Spiegel hängen blieb, der ihr verriet, was sie schon die ganze Zeit auf eigenartigem Weg spürte. Sie waren hier nicht allein.
„Passt auf!“, konnte sie nur noch schreien und stieß die Jungs zur Seite, als ihnen die ersten Flüche um die Ohren flogen.
„Passt auf!“, hörte Draco sie panisch schreien, bevor es knallte, krachte und klirrte. „Scheiße“, fluchte er, als er sah, wie alle möglichen farbigen Lichtblitze etwas vor ihm hin und her zischten.
„So nicht“, knurrte er und nahm die letzten Hürden.
„Scheiße, scheiße, scheiße“, stammelte Ron, als er mit seinen Freunden hinter einem massiven Schrank Schutz suchte, der unter einem der neuen Flüche jedoch explosionsartig zerbarst, sodass Hermione vor Schreck aufschrie.
„Wo kommen die auf einmal her?“, richtete sich Ron panisch an Harry, der seinerseits ein paar Flüche auf Crabbe und Goyle schleuderte.
„Woher soll ich das wissen?!“, brüllte er Ron unter dem Tumult an, als die Drei zur nächsten Deckung sprinteten und versuchten gänzlich zu fliehen. Ihre Zauber flogen so auch eher unkontrolliert in die Richtung ihrer Gegner, da sie durch ihre Hast nicht dazu kamen ordentlich zu zielen, was glücklicherweise auch auf Crabbe und Goyle zutraf.
Sie stürzten auch weiter durch die verschlungenen Gänge, Hermione fest an Rons Hand, der sie erbarmungslos hinter sich her zerrte, als sie mit Harry noch tiefer im Chaos des Raumes verschwanden. Der Ausgang rückte dadurch in weite Ferne, der ohnehin durch die beiden Slytherins blockiert wurde.
Irgendwann stolperte Hermione in dem ganzen Gerümpel, wie auch durch Rons Gezerre, und fiel der Länge nach zu Boden. Ron verlor ihre Hand, war durch seinen Schwung aber bereits drei Schritte weiter, sodass er sie nicht gleich wieder zu sich nehmen konnte. Nur eine Millisekunde später schleuderte Crabbe siegessicher einen neuen Fluch in Hermiones Richtung, die bloß noch panisch, wie auch hilflos auf den Zauberstab sah, aus dem ein greller Lichtblitz schoss.
„NEIN!“, schrie Ron, als auch schon etwas explosionsartig auseinander barst.
Einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs Flüche. Draco hatte keine Ahnung, was er alles auf die beiden Primaten schleuderte, da ihm die Wut restlos den Geist vernebelte. Es war ein einziges Gesplitter und Gescherbel, was durch den Raum hallte, bevor aus der Rauchwolke völlig unkontrolliert ein paar Lichtblitze in seine Richtung flogen. Diesen wich er mit einem Satz aus und ging hinter einem der Gerümpelhaufen in Deckung, dessen Einzelteile sich unter einer neuen Explosion sonst wo verteilten.
Kurz darauf spähte er hinter seinem Schutzwall hervor und sah Weasley, der sich neben Hermione fallen ließ und sie zu sich zog. Nur einen Moment später klammerte sich die Hexe zitternd an dem Schwachkopf fest, der sie wieder auf die Beine und damit auch aus der Gefahrenzone zog.
Merlin sein Dank, der Fluch hatte sie verfehlt. Er hatte ihn mit seinem noch irgendwie ableiten können, sodass er ein gutes Stück über der Löwin in die Ansammlung von Büchern, Statuen, Schränken, Stühlen und was nicht noch alles hier rum stand, eingeschlagen war.
Panisch sah Hermione nochmal in die Richtung, aus der die ganzen anderen Flüche plötzlich kamen und ihr Ziel bei Crabbe und Goyle fanden. Was sie dort allerdings sah, konnte sie kaum glauben, denn da war ein blonder Schopf. Aber das war unmöglich! Verdammt, was machte er hier?
„Hermione!“, hallte Rons Stimme völlig verschreckt durch ihre Ohren, in denen sich ein penetrantes Pfeifen breitmachte und sie starken Druck verspürte, sodass sie Ron, trotz seiner Lautstärke, kaum verstand. Scheinbar hatte ihr Trommelfell etwas abbekommen.
„. . .mione!“, echote ihr seine Stimme erneut nach, sodass sie endlich zu ihm aufblickte. Er griff ihr da bereits unter die Arme, zog sie zu sich, wo sie sich an ihm festklammerte und wieder auf die Beine helfen ließ. Kurz darauf war er mit ihr um die nächste Ecke in Deckung und damit bei Harry.
„Alles okay? Fehlt dir was?“, überschlug er sich halb. Hermione sah sich aber noch immer außerstande klar zu denken. Wie um alles in der Welt kam Malfoy hierher?
„Jetzt sag was!“, drängte Harry, zu dem sie völlig außer Atem sah und leicht geschockt „Malfoy. . .“ murmelte, was keiner der Beiden verstand. Ron noch weniger als Harry, der kurz hinter ihrem Schutzwall hervor linste und nun seinerseits sah, dass nach wie vor diverse Flüche hin und her flogen. Keiner davon fand sein Ziel jedoch in ihrer Richtung, womit er eine Chance für sie sah.
„Lasst uns abhauen“, meinte er nur noch und wollte sich aufrappeln. In dem Moment fiel Ron siedend heiß eine nicht unbedeutende Kleinigkeit wieder ein. „Wo ist das Diadem?“ Auf den Hinweis bemerkte Harry es selbst erst und wurde weiß.
Er hatte es vorhin fallen lassen, als Hermione ihn und Ron beiseite gestoßen hatte. Es musste noch immer irgendwo dort hinten liegen, wo auch weiter alle möglichen Flüche durch den Raum schossen. Unter diesen war plötzlich noch ein tiefes Raunen und Rumoren zu hören, bevor wie aus dem Nichts Flammen emporstiegen, die die Form eines Minotaurus annahmen, der einen berserkerartigen Schrei ausstieß. Nur eine Sekunde später stürzte er sich auf das vor ihm, ehe sich die Flammen völlig unkontrolliert einen Weg durch sämtliche Gänge und Materialien suchten. Dabei fraßen sie alles auf, was ihnen in die Quere kam.
„LAUFT!“, konnte Harry nur noch mit vor Entsetzen geweiteten Augen schreien, als sich der Feuersturm in ihre Richtung wälzte.
„Oh scheiße.“ Zu mehr kam Draco nicht, als aus Crabbes Zauberstab plötzlich Flammen züngelten, die sich in einen Minotaurus verwandelten. Dieser brüllte kurz, bevor sich die Flammengestalt herabsenkte und Crabbe verschlang.
Der Slytherin schrie noch ein paar Sekunden wie wahnsinnig, als sich das Höllenfeuer in seinen Körper fraß, ehe er zur Gänze in dem lodernden Inferno verschwand. Goyle konnte nur geschockt auf das vor sich starren, als sich der Flammenwall ausbreitete und in alles hineinfraß, was ihm im Weg war.
Draco achtete nicht länger darauf, sondern stürzte durch die chaotischen Gänge dieses Labyrinthes, aus allem erdenklichen Sammelsurium, davon. Hinter sich hörte er zwar noch Goyle aufschreien, den es scheinbar erwischt hatte, doch er drehte sich nicht um. Er musste hier raus. So schnell wie möglich, jedoch stand er plötzlich vor einer Sackgasse, da einer der Geröllhaufen zusammengefallen war.
„Scheiße“, fluchte er und sah panisch nach hinten. Das Feuer wuchs allerdings immer weiter an und zeigte nun die Gestalt der Hydra, mit ihren vielen Köpfen, die in alle sich bietenden Richtungen schossen. So auch in seine.
Panik und Todesangst stiegen in ihm auf, als er sich verzweifelt an dem Gerümpelhaufen hoch kämpfte. Hinter sich vernahm er überdeutlich das Knistern, Brechen und Bersten der Flammen, was sein Herz noch mehr rasen ließ. Seine Lungen brannten inzwischen fürchterlich, gleich so, als ob dieses Feuer bereits in ihm wäre.
Letztlich kam er oben an und stellte voller Entsetzen fest, dass er irgendwo falsch abgebogen war. Er war nicht mal ansatzweise in der Nähe des Ausgangs, sondern mehr in einem der Wandbereiche. Schlimmer noch, denn er hatte völlig die Orientierung verloren, und wusste nicht einmal mehr, wo die rettende Tür überhaupt war. Zudem stieg der beißende, schwarze Rauch immer stärker unter die hohe Decke und raubte ihm allmählich die Luft zum Atmen.
Mit dem dicken Qualm kam eine tödliche Hitze, die wirklich alles im Raum verbrannte. Nicht nur die Ansammlung von Büchern, Stühlen, Schränken, Statuen, Rüstungen und was es nicht noch alles war, sondern auch den Sauerstoff.
Das Feuer kroch tief in seine Lungen und drohte ihn von innen aufzufressen. So sehr, dass es ihm schließlich die Sinne nahm. Verdammt, so hatte das nicht laufen sollen.
„DA LANG!“, schrie Harry und stürzte um die nächste Ecke. Hinter ihm Hermione und Ron, der sie erneut fest bei der Hand hielt und erbarmungslos hinter sich her zerrte. Wenn sie stolperte, riss er sie sofort wieder zu sich und trieb sie zum weiterrennen an. Nur wohin? Zurück konnten sie nicht, da ihnen durch das Feuer der Weg versperrt war, sodass sie sich noch weiter vom Ausgang entfernten. Inzwischen krachte es ohne Unterlass, als immer mehr Schutttürme den Flammen zum Opfer fielen.
„HARRY!“, schrie Ron, den die wilde Panik zu übermannen drohte. Auf seinen Aufschrei blieb Harry dann aber wie vom Schlag getroffen stehen, sodass Hermione und Ron ihm ins Kreuz rannten und alle drei das Gleichgewicht verloren.
„Verdammt, wir müssen hier raus!“, brüllte Ron wieder. „Und wie?“, keifte Hermione ihren Freund an, bevor sie den Kopf erneut nach hinten riss, wo sich das Flammeninferno bereits 70% des Raumes einverleibt hatte.
„Wir fliegen“, meinte Harry plötzlich, zu dem die Beiden verwirrt sahen. „Was?“ „Fliegen“, wiederholte er und kramte in dem Haufen vor sich, wo zwei alte, etwas ramponierte Schulbesen zum Vorschein kamen.
„Mit den Dingern?“, sah Ron bleich auf die zerflockten Besen. „Hast du eine bessere Idee?!“, schrie Hermione ihn über den Lärm an, womit er sich den Besen nahm, der noch intakt zu sein schien. Genauso Harrys. Kurz darauf zog Ron Hermione hinter sich auf den Besen und betete, dass das altersschwache Teil ihr beider Gewicht trug. Er hatte Glück.
Er und Harry stießen sich vom Boden ab und entkamen so gerade noch rechtzeitig einem Teil der Flammen. Das Feuerwesen schien ihre Flucht jedoch bemerkt zu haben, denn die Flammen schossen wie Tentakeln, oder mehr noch Schlangen, in die Höhe, um sie zu greifen, erreichten die Drei aber nicht.
„Da vorn!“, deutete Ron schließlich auf den Ausgang, der sich in gut 300 Metern Entfernung vor ihnen auftat. Hermione fiel aus den Augenwinkeln allerdings noch etwas ganz anderes auf. Nämlich eine reglose Gestalt, die leicht abseits auf einem der noch halbwegs heilen Trümmerberge lag.
„Malfoy“, flüsterte sie geschockt. Kurz darauf durchfuhr es sie fürchterlich, womit sie Ron anschrie: „Da drüben liegt Malfoy!“ „Na und?“, meinte Ron und drehte, noch immer halb panisch aber dennoch irgendwie gleichgültig, den Kopf zu ihr.
„Verdammt, wir können ihn nicht hier lassen!“, schrie sie ihn an, doch Ron machte keine Anstalten in die entsprechende Richtung zu fliegen. „RON!“, brüllte sie ihn erneut an, worauf er motzte: „Wir haben keine Zeit. Hier kracht gleich alles zusammen!“, womit er Recht hatte. Und dennoch. . .
„HARRY!“, schrie sie stattdessen ihrem Freund zu, der den Slytherin inzwischen ebenfalls entdeckt hatte und dessen Blick auch noch immer auf der reglosen Gestalt lag.
„Hol ihn da raus!“, rief sie ihm panisch, schon fast verzweifelt zu, worunter sich wieder Ron mischte. „Bist du irre? Wir werden doch nicht wegen dem. . . HARRY!“, brüllte Ron dann aber, als sein Freund tatsächlich eine Wende flog.
„Malfoy!“, rief Harry, der Blonde reagierte allerdings nicht. Entweder war er bewusstlos oder bereits tot. „Verdammt nochmal“, fluchte Harry und flog seine Position erneut an. Den Blick ließ er dabei rasch durch Raum gleiten, den sich die Flammen restlos einverleibten. Ihm würden nicht mehr als ein paar Sekunden bleiben. Er konnte es unmöglich riskieren kurz zu landen und. . .
„Scheiße!“, fluchte er abermals, als ihm sein Gewissen gehörig in die Quere kam. Er setzte neu an und kam keinen Meter neben der Schlange auf, wo er den Blonden nur schnell am Oberarm ergriff. Er zerrte ihn hektisch hinter sich auf den Besen und legte Dracos rechten Arm über seine rechte Schulter, wo er ihn am Handgelenk umklammerte. Im nächsten Moment stieß er sich wieder ab. Keine Sekunde zu früh, denn damit erreichte das Feuer auch diesen Wall und verschlang ihn mit allem, was sich darin befand.
„Wenn ich jetzt bloß deine scheiß Leiche geholt hab, reiß ich dich in Stücke!“, keifte er kurz in Dracos Richtung, bevor er zügig auf das Loch zuflog, aus dem Ron und Hermione gerade verschwanden. Direkt hinter ihm die flammenden Schlangen, die nach ihm schnappten und bereits die Borsten seines Besens in Brand steckten.
„SCHLIESS SIE!“, brüllte er Hermione zu, als er noch halb im Raum der Wünsche war. Die Hexe hob dann auch schon den Zauberstab, sammelte sich und schrie: „COMPRESSERIT!“, kaum dass Harry an ihr vorbei zischte. Dabei riss er sie mit sich zu Boden, als sich der marode Besen nicht mehr halten ließ. Zeitgleich löste sich die Tür im Nichts auf, sodass die Flammen gegen eine undurchdringliche Wand schlugen, was dennoch den Boden des siebten Stockes gewaltig erschütterte. Dort schlug Hermione hart auf, genauso wie Harry, der zusammen mit Draco etwas über den Steinboden rollte, bevor beide regungslos liegen blieben.
„Harry!“, rief Ron seinen Freund, der leise stöhnte und sich auf den Rücken drehte. Kurz darauf war der Rotschopf bei ihm. „Bist du wahnsinnig wegen dem zurückzufliegen!?“, schimpfte er und deutete schließlich auf die reglose Gestalt Dracos. Harry antwortete ihm allerdings nicht, sondern rieb sich den dröhnenden Schädel, sodass Ron ihm nun doch half sich aufzusetzen. Inzwischen war auch Hermione bei ihm.
„Alles okay?“ „Denk schon“, murmelte er und schaute sie an. Sie sah bereits wieder extrem ramponiert aus, was vermutlich den Explosionen, aber auch ihrem Zusammenstoß mit ihm geschuldet war. Ron derweil richtete sich sauer an sie.
„Sag mal, was sollte das? Seit wann ergreifst du Partei für Malfoy?“ Daraufhin sah sie ihn wütend an. Ihm zu erklären, dass Malfoy vorhin scheinbar Crabbes Fluch von ihr abgelenkt hatte, würde er ohnehin nicht verstehen. Stattdessen sah sie zu dem reglosen Stoffbündel, zu dem sie schließlich trat, da Harry, Merlin sei Dank, nichts weiter fehlte.
„Hermione!“, rief Ron ihr nach, doch sie hörte nicht, was ihn ordentlich knurren ließ. Harry stand unterdessen ganz auf und folgte ihr. Inzwischen kniete sie neben dem Blonden und drehte ihn vorsichtig auf den Rücken. Er war noch immer weg, atmete jedoch. Zwar nur schwach, aber er atmete.
„Malfoy? Hey!“, rief sie und nahm sein leicht verrußtes Gesicht in die Hände. Kurz darauf schlug sie ihm auf die Wange. Eine Reaktion blieb allerdings aus, womit ihre Hand an seinem Hals entlang wanderte, an dem sie seine Pulsschläge zählte. Dieser ging nur sehr schwach.
Daraufhin sah sie erneut zu ihm auf und schlug ihm nochmal auf die Wange, bevor eine ihrer Hände in den zerwühlten Haaren verschwand, durch die sie strich und ihn mit zunehmender Sorge musterte.
Er hatte es schon wieder gemacht. Zwar hatte sie keine Ahnung, wo er auf einmal hergekommen war, aber er hatte ihr ein weiteres Mal geholfen. Er hatte die Flüche von Crabbe und Goyle von ihnen weg auf sich gelenkt und ihnen dadurch die Möglichkeit zur Flucht gelassen.
„Hermione!“, hörte sie Ron aufs Neue. Und das allmählich richtig aufgebracht, während sich Harry zu ihr in die Hocke sinken ließ.
„Lebt er?“ „Ja, aber. . .“, brach sie ab und wühlte schließlich in ihrer Jackentasche, aus der sie die Phiole von Charlie holte, die er ihnen gegeben hatte. Für alle Fälle. Sie zog den Pfropfen ab und nahm sich Draco etwas mehr ran, sodass er halb in ihren Armen lag. Als Ron sah, dass sie ihm ihren Trank geben wollte, brauste er sofort auf.
„Die sind für Notfälle!“ „Das ist einer! Außerdem ist es meine Phiole!“, fauchte sie ihn an und träufelte Draco Charlies Heiltrank ein, was ihn kurz husten und würgen ließ, bevor er brüchig murmelte.
„Malfoy? Hey, Augen auf“, drängte sie ihn und legte nochmal die Finger an seinem Hals. Wenig später stellte sie erleichtert fest, dass sein Puls wieder kräftiger wurde. Die Tränke der Harpers hatten wirklich eine durchschlagende Wirkung.
Letztlich schlug sie ihm erneut sacht auf die Wange, um ihn wach zu bekommen. Das Ganze auch weiter knurrend von Ron beobachtet, der recht wütend zwischen ihr, Harry und Malfoy hin und her sah.
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Selbst Muggel wie wir sollten diesen freudigen, freudigen Tag feiern! Jenen nämlich, da sich der Londoner Verlag Bloomsbury entschloss, die Manuskripte der britischen Autorin Joanne K. Rowling zum Druck anzunehmen und sie der breiten, nichtmagischen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.