Was im Verborgenen liegt - Unerwartete Probleme
von Alex2303
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Im Verlauf der kommenden Tage, arbeitete und feilte Hermione weiter an allem, da es ihr nie gut genug erschien. Zum Abend verschwand sie meist ins Mungos, um nach Draco zu sehen und ihn etwas aufzumuntern sowie abzulenken.
Ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen, auch wenn sie ihm ab und zu ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern konnte. Im Großen und Ganzen bekam sie ihn dennoch nicht so richtig aus seinem Loch heraus.
Am Mittwochnachmittag, des 31. Mai, suchte sie Ernie auf, da er sich noch immer nicht bei ihr gemeldet hatte. Sie wollte kein Risiko eingehen und ihm lieber selbst nochmal auf den Zahn fĂĽhlen.
„Her-Hermione. Hallo“, stammelte er überrascht, da er sie so unverhofft vor der Wohnungstür hatte. „Darf ich kurz reinkommen?“ „Hm“, machte Ernie jedoch matt und trat zur Seite, wo Hermione flüchtig den Blick durch die kleine Zwei-Raum-Wohnung schweifen ließ, bevor sie sich zu ihm drehte.
„Ich will dich eigentlich gar nicht lange stören. Ich wollte nur fragen, wie du dich nun entschieden hast?“ „Was?“ „Dracos Verhandlung“, erinnerte sie ihn, worauf etwas in seinen Augen zuckte.
„Wärst du bereit eine Aussage zu machen? Es würde uns wirklich unwahrscheinlich helfen, noch einen Fürsprecher zu haben.“ „Denkst du nicht, dass deine und vor allem Harrys Aussage reichen?“, fragte er unschlüssig, worauf sich in ihrer Magengegend ein mulmiges Gefühl breitmachte, denn Harry war noch immer nicht aufgetaucht. Genauso wenig Ginny. Die Beiden waren jedoch mit ihre wichtigsten Zeugen. Ginny, weil sie sehr viel mitbekommen hatte und Harry generell. Sein Urteil würde vermutlich das meiste Gewicht haben.
„Sicher. Aber je mehr desto besser. Umso klarer lässt sich das Bild darstellen. Eine Stimme geht gegen viele doch unter. Zumal die Meisten es ja auch gar nicht verstehen oder einen zweiten Blick riskieren wollen. Deswegen brauch ich wirklich jeden“, erklärte sie ihm, doch das Unsichere in seiner Mimik blieb. Und das gefiel ihr nicht. Ganz und gar nicht.
„Du musst zur Verhandlung gar nichts weiter sagen. Nur, dass du im Schloss gegen einen Death Eater gekämpft hast und Draco dir da geholfen hat. Ich will dem Gamot damit einfach nur nochmal verstärkt vor Augen halten, dass er auf unserer Seite gestanden hat. Mehr nicht.“ „Ich weiß nicht“, wurde Ernie jedoch noch unschlüssiger und ging an Hermione vorbei ins Wohnzimmer, wo er sich auf die kleine Couch fallen ließ. Die Gryffindor besah es sich unruhig. Im Innern ein immer blöder werdendes Gefühl, was sie krampfhaft versuchte zu ersticken, als sie zu dem Hufflepuff trat und sich zu ihm setzte.
„Ernie, bitte. Zwei, drei kurze Sätze zu dem, was du beobachtet hast. Mehr verlange ich doch gar nicht.“ „Das . . . ich. . . Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, was ich gesehen habe.“ „Was meinst du?“ „Ich weiß nicht mehr, ob ich wirklich Malfoy gesehen habe. Vielleicht war es doch jemand anderes. Ich will vor dem Gamot keine Falschaussage machen. Ich will keinen Ärger deswegen kriegen.“ Daraufhin horchte sie auf.
„Ist es das? Du hast Angst vor irgendwelchen Konsequenzen?“, fragte sie ruhig, mit einer nur allzu bitteren Gewissheit im Hinterkopf, mit der sie ihn missmutig ansah.
Ernie ballte auf ihre Worte dann auch schon die Hände zu Fäusten, ehe er gepresst meinte: „Ja! Man, ich. . . Ich will mir meine Zukunft wegen dem nicht ruinieren. Ich will später an der Zaubereruni in Memphis studieren. Die prüfen ihre Bewerber aber sehr genau und da. . . Ich kann da keinen Ärger und schlechte Beurteilungen gebrauchen!“ „Verstehe“, murmelte sie matt, maß den Jungen jedoch ziemlich vorwurfsvoll, bevor sie spitz meinte: „Da ist es natürlich ganz legitim, die Füße einfach stillzuhalten, um sich ein gutes Leben zu sichern. Sofern man, wie du, noch eines hat“, brachte sie ihren letzten Satz recht zynisch an und traf damit den richtigen Nerv. Ernie zuckte etwas zusammen und verzog die Lippen zu einem blutleeren Strich. Seine Hände verkrampften sich noch stärker, auf die er zunehmend gequält starrte, sodass Hermione es nochmal versuchte.
„Denkst du wirklich, eine kleine Aussage würde dich so schwer belasten? Selbst wenn du dich geirrt haben solltest, was ich nicht glaube, ließe sich das mit dem Tumult im Schloss entschuldigen. Daraus kann dir niemand einen Strick drehen. Ernie, bitte“, legte sie ihm eine ihrer Hände auf die seinen, die vor Anstrengung zitterten. Er rang mit sich. Das konnte sie sehen, schon fast spüren, sodass sie noch meinte: „Draco stand auf unserer Seite. Er hat für das Gute gekämpft und vielen von uns geholfen. Jetzt braucht er unsere Hilfe“, hielt sie ihm nochmal vor Augen und hoffte auf seine Einsicht. Ernie enttäuschte sie jedoch, als er mit dem Kopf schüttelte.
„Ich kann das nicht. Tut mir leid“, brachte er am Ende nur noch gepresst heraus, worauf sie ihn furchtbar verbittert ansah und ihre Hand zurücknahm. Doch auch dann sah er nicht zu ihr, sondern starrte weiter stur auf seine Fäuste.
„Okay. Wenn du das wirklich so siehst und tatsächlich für richtig hältst, kann ich daran nichts ändern. Ich kann dich zu keiner Aussage zwingen, selbst wenn es einem anderen Menschen helfen würde“, machte sie ihm ein schlechtes Gewissen, was deutlich an ihm nagte, wie sie an seiner verbissenen Mimik erkannte und so noch ein wenig kühl anfügte: „Ich hatte ich dich bisher eigentlich immer für sehr rechtschaffen gehalten, aber da habe ich mich wohl getäuscht.“ Mit diesen Worten erhob sie sich und trat an die Wohnungstür. Dort hielt sie nochmal inne und flüsterte verbittert: „Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft und dein Leben.“ Kurz darauf war sie aus der Tür raus und hätte am liebsten angefangen zu heulen.
Da hatte er ihr erst Hoffnungen gemacht, und sie damit Draco und jetzt kam so etwas! Verdammt, warum mussten sich die Leute so stur haben? Warum mussten sie so verbissen und engstirnig und nachtragend sein? Zumal die Wenigsten wirklich einen triftigen Grund hatten, Draco etwas derartig Schlechtes zu wĂĽnschen. Streng genommen waren da nur sie, Harry, Ron und vielleicht noch Neville. Auf ihnen hatte er schlieĂźlich am meisten rumgehackt. Und von ihnen war einzig und allein Ron noch immer so dermaĂźen rachsĂĽchtig.
Letztlich machte sie sich auf den Heimweg, um zum hundertsten Mal alles zu prüfen, durchzusehen und nachzuarbeiten, sodass sie erneut bis spät in die Nacht über den ganzen Texten, Gesetzbüchern und was sie nicht noch in die Finger bekommen hatte, brütete. Und das so lange, bis sich ihr Kopf auf einem der aufgeschlagenen Bücher wiederfand.
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Als Hermione am nächsten Tag gegen Mittag aus ihren wirren und kalten Träumen erwachte, fühlte sie sich noch erschöpfter als zuvor. So wäre sie auch beinahe der Versuchung erlegen, sich ins Bett zu begeben, um dort weiterzuschlafen.
Ihr Blick glitt dann jedoch flüchtig und träge durchs Wohnzimmer und blieb letztlich an der kleinen Standuhr auf dem Kaminsims kleben. Wenig später weiteten sich ihre rehbraunen Augen geschockt, als sich auch noch ihr Geist zuschaltete und die entsprechenden Schlüsse zog.
„Oh, verdammt!“, entwich es ihr panisch. Kurz darauf kramte sie hektisch sämtliche Unterlagen, allen voran die Anträge für die Zeugen, zusammen und trat an den Kamin. Sie hatte wirklich gut daran getan, sich in der Diagon Alley noch etwas Flohpulver zu besorgen.
Kaum im Ministerium angelangt, suchte sie gleich eilig die Abteilung des Zaubergamot Verwaltungsdienstes auf, wo sie ihre ganzen Formulare abzugeben hatte. Als sie dort ankam, war es bereits nach 11:30 Uhr.
Sie stolperte ein wenig gehetzt, die Haare völlig zerzaust und das Gesicht vor Müdigkeit, wie auch der unbequemen Schlafposition total zerknittert, in das entsprechende Büro. Dort wurde sie von Verwaltungsangestellten spitz, über deren kleine Brille hinweg, gemustert.
„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie schnippisch und zog auf Hermiones zerwühlten Anblick angewidert die Nase kraus.
„Ähm. . . Ja. Ich habe ein paar Anträge abzugeben. Für die Verhandlung von Draco Malfoy.“ Auf die Namensnennung des jungen Mannes kräuselte sich ihre Nase noch mehr.
„Miss Granger, nehme ich an?“, vermutete sie und maß die Gryffindor noch abfälliger als kurz zuvor. Die Brünette ignorierte den herablassenden Blick jedoch gänzlich. Daran hatte sie sich in den vergangenen Tagen gewöhnt und reichte der Angestellten stattdessen wortlos ihre Unterlagen, die sie auch weiter mit pikiert hochgezogener Nase überflog und auf Fehler prüfte. Als sie keine fand, legte sie die Anträge in ein Fach mit der Aufschrift: Geprüft und Genehmigt, womit der ganze Papierkram verschwand. Und zwar auf direktem Weg zu den Gremiumsvorsitzenden und der Anklage.
Erleichtert, dass sie es noch in der Zeit geschafft hatte, wollte Hermione das BĂĽro bereits wieder verlassen, als die Verwaltungsangestellte sie kurz zurĂĽckhielt. Und das auch weiter in einem schnippischen Ton.
„Ähm. . . Miss Granger?“ Auf ihren Ruf blieb die Löwin stehen und rollte genervt mit den Augen, bevor sie sich mit einem gelassenen Blick nochmal zu der Angestellten umdrehte.
„Ja?“ „Nicht, dass es mich etwas anginge, aber denken Sie nicht, dass Sie einen Antrag vergessen haben?“, erkundigte sie sich süßlich, worauf Hermione stutzte. Wie kam die Frau darauf? Sie konnte schließlich nicht wissen, wen sie alles als Zeugen vorgeladen hatte. Dennoch sah sie die verbliebenen Papiere kurz durch, fand jedoch nichts, sodass sie wieder zu der älteren Hexe sah.
„Ich wüsste nicht was.“ „So? Nun ich hätte gedacht, dass Sie Ihren Death Eater Freund vielleicht auch zu Wort kommen lassen wollen? Im Grunde zwar überflüssig, da das Gremium dem Wort eines solchen Individuums ohnehin keinen Glauben schenken dürfte“, lächelte sie spitz, während Hermione sie verwirrt ansah.
„Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Natürlich wird Draco für sich selbst sprechen. Als Angeklagter benötigt er aber keinen Sprechantrag“, gab Hermione der überheblichen Frau zurück.
Sie hatte die Gesetze in allen Richtungen geprüft. Als Angeklagter hatte man so oder so vor dem Gamot zu erscheinen. Ob man zu seinen Taten nun Stellung nahm oder nicht spielte keine Rolle. Der einzige Fall, der ihr bekannt war, wo der Angeklagte nicht zur Sitzung und Urteilsverkündung im Gerichtssaal war, war Sirius’ Verhandlung. Wobei man das nicht einmal eine Verhandlung nennen konnte. Man hatte ihn ohne Anhörung, Verteidigung, wie auch Selbstsprechung direkt verurteilt und nach Azkaban gebracht.
„Sind Sie sich da ganz sicher, Miss Granger?“, maß die Dame sie amüsiert, über ihre Brillengläser hinweg, was die Löwin unruhig machte.
„. . . Ja“, gab sie der Frau leicht verunsichert zurück, worauf die Beamtin in ihrem Schreibtisch nach etwas zu suchen begann. Schließlich holte sie eine Akte hervor, die sie aufschlug, auf den Tisch legte und zu der Gryffindor schob. Ein deutliches Zeichen dafür, dass sie wollte, dass Hermione sich den Bericht ansah. Diese trat noch immer unschlüssig, mehr und mehr aber verwirrt, näher und nahm sich die Unterlagen. Diese entpuppten sich als neue Gesetzgebung, die sie hastig überflog.
Der Gesetzentwurf war gestern Abend erst abgesegnet und verabschiedet worden und trat mit dem heutigen Tag in Kraft. Antragstellerin war Dolores Jane Umbridge, was Hermione gewaltig mit den Zähnen knirschen ließ. Die fette, rosa Kröte würde sie morgen allerdings nach Strich und Faden auseinandernehmen. Das hatte sie sich geschworen.
Derweil musterte die Verwaltungsangestellte Hermiones GesichtszĂĽge interessiert. Diese entglitten ihr zunehmend, als sie sich zum Kern des neuen Gesetzes vorgearbeitet hatte, welches fĂĽr den Angeklagten ebenfalls einen Antrag zur Selbstsprechung forderte.
„WAS?!“, schrie sie, als sie sich den Paragraphen wieder und wieder durchlas, in der Hoffnung, irgendein Wort übersehen zu haben, welches diese Gesetzesänderung anders auslegte als so, wie sie es gerade las. Denn wenn das stimmte, durfte Draco morgen ohne Antrag nicht erscheinen, worauf sie die Angestellte bleich ansah.
„Das ist ein Witz! Die . . . die können doch nicht so ohne weiteres dieses Gesetz einführen! Das . . . das. . .“ „Oh! Dann lag ich mit meiner Vermutung tatsächlich richtig, dass Sie gar nicht darüber in Kenntnis waren?“, flötete die blöde Tussi süß, was dem von Umbridge beinahe gleich kam.
„Ich brauch einen Antrag!“, keifte Hermione panisch und knallte der Frau die Akte mit der neuen Gesetzgebung auf den Tisch. Diese lächelte Hermione verzückt an.
„Ein Antrag, ja. Nun, denken Sie, dass Sie das in. . .“, sah sie auf die Uhr. „. . . 15 Minuten noch bewältigt bekommen?“ Auf die Zeitsprechung erstarrte Hermione kurz und sah ebenfalls auf die Uhr, wo es 11:45 Uhr war. 12:00 Uhr war Annahmeschluss für alle Formulare, die eine morgige Verhandlung mit sich brachten. Das schaffte sie nie in der Zeit, bis ins Mungos und wieder zurück, dennoch fauchte sie die Angestellte an.
„Ich will so einen Antrag!“ „Das geht auch freundlicher“, bedachte die Dame Hermione mit einem selbstgefälligen Blick. Trotzdem drehte sie sich in ihrem Stuhl um, stand auf und schlenderte seelenruhig zu einem der Aktenschränke, wo sie gelassen zu suchen begann.
„Wo waren sie denn?“, murmelte sie vergnügt, während das nervtötende Ticken der Uhr, der Gryffindor wie Donnerschläge in den Ohren widerhallte.
„Nein, hier nicht“, flötete die Angestellte auch weiter mit einer Arschruhe, die Hermione zur Weißglut brachte. Sie hatte in dem Moment ordentlich damit zu kämpfen, sich nicht einfach auf diese blöde Schnepfe zu stürzen und die ganzen Aktenschränke selbst zu durchwühlen.
„Hier nicht, da nicht. Hach, wo hab ich sie denn hingeräumt?“, begann sie theatralisch zu grübeln, während die Löwin immer roter anlief, was der Gesichtsfarbe Rons alle Ehre gemacht hätte, wenn er sich ständig so aufplusterte. Sie war kurz vorm platzen.
„Ah, ich glaube, ich weiß es wieder“, trällerte die dämliche Tussi, der Hermione mit Blicken bereits dutzende Messer in den Rücken gerammt hatte. Schließlich kam die dumme Kuh mit einem entsprechenden Formular zurück und reichte es Hermione. Diese riss es ihr förmlich aus der Hand und stürzte aus der Tür, wo die Frau ihr noch freudig hinterherrief: „Sie haben noch sieben Minuten!“
Das schaffst du nie!, schrie ein furchtbar verzweifeltes Stimmchen in Hermiones Kopf, dem sie sonst immer Glauben schenkte. Jetzt brüllte die Stimme der Verzweiflung, die der Logik allerdings unbändig an. Halt die Klappe!
Fünf vor 12 stolperte sie zu den Kaminen, die ins Mungos führten und krachte nur einen Herzschlag später auf der anderen Seite, völlig rußgeschwärzt, aus diesem, wo die Heiler und Besucher sie skeptisch ansahen.
Sie achtete jedoch nicht darauf, sondern hetzte weiter in Richtung der Station, wo sie in das entsprechende Zimmer stürzte. Kaum drinnen glotzten Charlie und Blaise sie recht blöd an. Draco wiederum. . . Der schlief zu allem Überfluss auch noch!
„Hermione, was . . . was ist passiert? Wie siehst du überhaupt aus?“, stammelte Charlie, den sie gänzlich links liegen ließ und stattdessen Draco recht unsanft in die Mangel nahm.
„Draco! Verdammt, wach auf!“, rüttelte sie ihn grob, allmählich hysterisch werdend, sodass Charlie und Blaise sie bereits von ihm wegziehen wollten, da es ihnen doch ein wenig unheimlich war. Ihr Aussehen und ganzes Verhalten.
„MALFOY!“, schrie sie letztlich, worauf er tranig blinzelte. „Was’n?“, murmelte er noch immer im Halbschlaf. Da knallte Hermione ihm aber schon den verrußten Zettel auf den Brustkorb, worunter er leicht schmerzlich zusammenzuckte.
„Unterschreib das!“, forderte sie ohne Erklärung, was ihn nur noch mehr verwirrte. „Was . . . was ist denn los?“ „Quatsch nicht. Unterschreib endlich!“, fauchte sie und hielt ihm entsprechendes Material hin, wo er kurz hilflos auf das verdreckte Papier sah, dann jedoch irgendwo unten rechts ein kleines Kreuz entdeckte, neben welches er, noch immer nicht ganz klar im Kopf, seine Signatur setzte.
Er hatte die Feder dann noch gar nicht richtig vom Pergament genommen, da riss Hermione ihm dieses bereits aus der Hand, sodass sich der Bogen unter dem y bis zum Rand des Zettels zog und dieses durch die Feder zerkratzte. Nur eine Sekunde später knallte es, als Hermione durch die Tür verschwunden war und zurück zu den Kaminen hetzte.
„Was war das denn?“, konnte Blaise nur verwirrt stammeln, doch weder Charlie noch Draco wussten ihm darauf eine Antwort zu geben.
Zur selben Zeit war die Gryffindor wieder bei den Kaminen, in die sie halb fiel, da sie durch das Gerenne bereits ordentlich Seitenstechen hatte. Ihre Lunge pfiff aus dem letzten Loch, während ihr Herz weiter bis zum äußersten Adrenalin, durch ihren Körper pumpte. Ihr blieben nicht einmal mehr zwei Minuten, als sie im Ministerium erneut den Gang hinter stürzte.
Verdammt, warum um alles in der Welt musste dieses beschissene Büro auch am Ende des Flures liegen? Dieser schien zu allem Überfluss auch immer länger zu werden, sodass sie scheinbar 1’000 Jahre brauchte. Dann tauchte das blöde Zimmer allerdings vor ihr auf, aus dem die dumme Tussi gerade trat und abschließen wollte.
„Warten Sie!“, rief Hermione, sodass die Angestellte aufblickte und selten dämlich grinste, als sie eine völlig verdreckte, zerzauste, restlos aus dem Atem gekommene Hermione vor sich sah, die beinahe in die Knie zusammengebrochen wäre, als sie vor der Verwaltungsangestellten zum stehen kam.
„Hier“, japste sie und hielt ihr den dreckigen, eingerissenen Zettel hin. Die Frau warf aber nur einen abwertend darauf.
„Also so etwas kann ich auf gar keinen Fall genehmigen. Außerdem. . .“ „Scourgify. Reparo“, sprach Hermione rasch zwei Zauber, die das Formular wieder ansehnlich und ordentlich machten. Die Angestellte betrachtete es allerdings auch weiter mit gerümpfter Nase, gleich so, als hielte Hermione ihr einen schwarzmagischen Gegenstand hin, um sie zu verfluchen.
„Ist . . . ist doch jetzt in Ordnung so? Ich . . . ich hab. . .“, keuchte sie noch immer schwer und bekam keinen vernünftigen Satz raus.
„Nun ja. So scheint es“, gab die Dame zu, worauf die Löwin erleichtert aufblickte. Da zog die Angestellte jedoch ihre Tür zu und versiegelte sie mit einem Zauber.
„Sie sind dennoch zu spät, Miss Granger. Es ist kurz nach 12:00 Uhr.“ „Das sind doch nur zwei Minuten. Bitte, ich. . . Die machen doch nichts. Bitte drücken Sie ein Auge zu“, begann sie zu betteln, hielt sich allerdings auch noch immer die stechende Seite.
„Tut mir schrecklich leid“, flötete die Dame alles andere als bedauernd, sodass Hermione ein gefährliches Rucken durch den Körper ging. Diese Spannungen bauten sich binnen weniger Sekunden noch stärker auf, als die Frau weiter sprach.
„Aber Vorschrift ist Vorschrift. Keine Anträge nach 12:00 Uhr. Davon abgesehen, habe ich seit eben diesen zwei Minuten Mittagspause. Wenn Sie mich also entschuldigen?“ Daraufhin wollte sich die Tippse an ihr vorbeischieben, als ein dunkles Feuer in Hermiones Augen aufzüngelte und sie die Frau grob am Arm festhielt. In der Hand des anderen hatte sie plötzlich ihren Zauberstab, dessen sie sich noch nicht einmal bewusst war. Dass sie den gezogen hatte.
„Sie werden meinen Antrag jetzt genehmigen und weiterschicken“, zischte Hermione kalt, während in den sonst so warmen, sanften, braunen Augen ein gefährliches, scheinbar alles verzehrendes, schwarzes Feuer aufloderte. Es war eine dumpfe Kälte, die die Verwaltungsangestellte zu spüren schien, denn ihre eben noch vor Hohn und Spott funkelnden grünen Augen, durchzuckte eine nervöse Unsicherheit. Angst.
„Was erlauben Sie sich?“, empörte sie sich. „Lassen Sie mich auf der Stelle LOS!“, quiekte sie schließlich leicht hysterisch, mit lauterer, schriller Stimme, als Hermione sie noch fester packte.
„Den Teufel werd ich! Ich habe nicht sämtliche Gesetzbücher, Vorschriften und Anträge gewälzt, damit mir diese fette, pinke Kröte jetzt einen Strich durch die Rechnung macht“, giftete sie gefährlich ruhig. Der Zauberstab in ihrer linken Hand zitterte inzwischen allerdings immer stärker. Aus dessen Spitze schlugen zudem bereits tiefrote Funken, was die Beamtin erbleichen ließ.
„Lassen Sie mich LOS!“, schrie die Frau nun wirklich panisch, worauf sich einige der anderen Angestellten auf dem Gang zu ihr und Hermione drehten, und so die leise Drohung bemerkten. Schließlich traten ein paar der Männer zu den Frauen, um zu sehen, was los war.
„Gibt es ein Problem, Jules?“, richtete sich einer der Mitarbeiter an seine Kollegin, die verängstigt fauchte: „Bist du blind? Schaff mir diese Gestörte vom Hals!“, deutete sie auf die Löwin, wo ihr Kollege jetzt erst den Zauberstab in der Hand der jungen Hexe erkannte und versuchte die Situation zu entschärfen.
„Miss, würden Sie bitte Ihren Stab wegstecken? Wir können das sicher vernünftig und gesittet regeln“, schlug er ihr lächelnd vor und wurde das nächste Opfer des flammenden Blickes.
„Ich möchte nur meinen Antrag abgeben. Mehr nicht“, gab Hermione dem Mann kalt, aber auch weiter gefährlich ruhig zu verstehen, der zustimmend nickte.
„Natürlich. Wir werden uns gleich darum kümmern.“ „Nicht gleich. Sofort!“ „Selbstverständlich. Um was für einen Antrag geht es denn?“, maß er Hermione versucht freundlich, die auf die Anwesenden, so wie sie aussah und sich benahm, wirklich verstärkt wie eine Psychopathin wirkte.
„Ein . . . ein Sprechantrag. Für die Malfoy Verhandlung morgen“, erklärte Jules zittrig, worauf ihr Kollege nickte und bemüht war, Hermione von seiner Kollegin loszueisen.
„Nun, das dürfte schwierig werden. Anträge sind nur bis 12:00 Uhr zulässig.“ „Er hätte schon lange weg sein können“, knurrte sie unterschwellig.
Zwischenzeitlich waren auch noch mehr Leute hinzugekommen. So auch jemand aus dem Aurorenbüro, da einer der Kollegen eine Meldung dort gemacht hatte, dass es wohl Probleme gab. Es war Hermiones Glück, dass sich gerade Remus dazu bereiterklärt hatte, nach dem Rechten zu sehen, andernfalls wäre die Sache brenzliger ausgegangen.
So aber sprach Remus ihr gut zu, dass ihr Verhalten ihr nur Ärger bescheren würde, und nahm sie letztlich unter merklichem Widerwillen mit in sein Büro. Auf dem Weg dorthin brach das Feuer in ihren Augen allerdings zusammen, die stattdessen drohten zu ertrinken, als sie sich bewusst wurde, dass sie es vergeigt hatte.
„Komm, setz dich“, wies Remus sie ruhig an, wo sie auf dem kleinen Zweisitzer zusammensank. Den nun wertlosen Antrag hielt sie noch immer in den Händen, auf den inzwischen die ersten Tränen tropften.
„Was um alles in der Welt war denn los? Was hast du überhaupt gemacht? Du siehst aus, als wärst du durch einen 100 Jahre alten Schornstein gerauscht“, scherzte Remus und versuchte so, die Stimmung etwas zu heben. Nur machte er es dadurch nur schlimmer, denn Hermione begann auf seine Worte richtig zu weinen. Und das völlig verzweifelt.
„Ich hab’s versaut“, schluchzte sie, sodass noch mehr ihrer Tränen auf das Formular perlten, was sich Remus genauer besah. Allen voran die verkrakelte Unterschrift des Malfoy Jungen.
„Was ist das?“, richtete er sich schließlich an Hermione, die schluchzend erklärte, was passiert war, bevor sie am Ende ganz zusammenbrach und sich verzweifelt an Remus klammerte, der auch weiter versuchte, sie zu beruhigen. Mittlerweile konnte er verstehen, warum sie vorhin so kratzbürstig, schon irgendwie bösartig war. Ein Racheengel vor dem Herrn war nichts dagegen.
„Was soll ich denn jetzt machen? Wenn er nicht zur Verhandlung erscheinen darf, wie soll er sich denn dann erklären? Wie soll er sich rechtfertigen und verteidigen? Oh, Remus. Ich . . . ich. . .“, verschluckte sie sich an ihren Tränen, während ihr alter Professor sie auch weiterhin tröstend in den Armen hielt.
„Sch. Komm, beruhig dich erstmal. Dann gehen wir alles nochmal in Ruhe durch, was uns noch für Möglichkeiten bleiben. Viele Gesetze sind recht schwammig formuliert, sodass man sie mit etwas Geschick für sich nutzen kann. Du hast die Bücher doch sicherlich alle gelesen?“, vermutete er, worauf sie knapp nickte und fieberhaft darüber nachdachte, wie man Dracos Stimme dennoch anbringen könnte? Und das für Stunden.
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Tom Felton zu Emma Watson bei den Dreharbeiten zur Schlagszene im dritten Harry-Potter-Film