. . . Als Hermione das nächste Mal die Augen öffnete, fand sie sich in einem dunklen Gemäuer wieder, was eindeutig etwas von einem mittelalterlichen Muggle Folterkeller hatte.
Sie sah unter anderem einen Pranger, einen Schraubstock, einen Strecktisch, ein spanisches Pferd, entsprechende Werkzeuge, wie Daumenschrauben, Zwingen, Peitschen, einen gespickten Hasen, Dolche und eiserne Ketten. Jede Menge Ketten mit den dazugehörigen Schellen, die in den Wänden eingelassen waren und von der Decke hingen. Ein solches Paar war gerade in Benutzung. Es waren Ketten, in denen jemand hing, den sie nicht dort sehen wollte und dennoch. . .
Es war verstörend, wie bei einem Unfall. Sie wollte dieses Leid im Grunde nicht sehen, trotzdem konnte sie den Blick nicht von dem Bild lösen. In ihre Augen stiegen unweigerlich bittere Tränen des Schmerzes, als sie über Dracos geschundene Erscheinung huschten.
Seine Handgelenke lagen in den rostigen Schellen und hielten die gemarterte Gestalt aufrecht, da er selbst keine Kraft mehr hatte, um auf den Beinen zu stehen. Er trug nur eine verdreckte, graue Leinenhose, auf der sich vermehrt frische Blutflecken zeigten. Sein Oberkörper, allen voran der Rücken, war übersät mit tiefen, blutigen Striemen, die eindeutig die Folge von dutzenden Peitschenhieben waren. Hinzu kamen unzählige Stich-, Schnitt- und Brandverletzungen, die den bleichen Körper zittern ließen.
Die Augen hatte man ihm mit einem schwarzen Tuch verbunden, um der Folter, mit der Ungewissheit des Kommenden, noch mehr Tiefe zu verleihen. Seine Atmung ging schwer und keuchend. Auf seinem Gesicht glänzte wiederum der kalte Schweiß, der sich teils mit frischem Blut vermischte, welches aus der aufgeplatzten Unterlippe ran. Genauso einer Platzwunde unterhalb des linken Wangenknochens.
„. . . Was machen wir jetzt mit dem?“, hörte sie plötzlich eine Stimme schnauben, zu der sie verschreckt sah und jetzt erst die beiden Männer in ihren dunklen Umhängen bemerkte. Diese hatten erneut keine Gesichter. Zumindest konnte Hermione keine erkennen, egal wie sehr sie sich anstrengte. Das einzige, was sie sah, war das abfällige Grinsen.
„Vielleicht sollten wir langsam zu schärferen Methoden übergehen“, sinnierte der Andere, sodass ihr schlecht wurde. „Wär ‘ne Maßnahme. Die Missgeburt soll schließlich wissen, wie wir hier mit dreckigen Death Eatern umgehen“, moserte der Zweite und machte in einem harten Schlag von der dornenbesetzten Peitsche gebrauch. Diese riss die Wunden auf dem Rücken des Blonden nur noch tiefer, dem lediglich ein leises Wimmern über die Lippen kam. „Aufhören“, wisperte Hermione auf den Anblick, die erneut vergeblich versuchte, irgendwie zu Draco zu gelangen. Doch egal wie sehr sie sich mühte, sie kam nicht vom Fleck. Stattdessen musste sie hilflos mit ansehen, wie die Typen ihn traktierten und darüber sinnierten, was sie noch mit Anstellen könnten?
Schließlich zog einer der Beiden seinen Zauberstab und deutete auf den wehrlosen Jungen, der kaum noch bei Bewusstsein schien. Nur eine Sekunde später machte sich auf dem Gesicht der unheilvollen Schattengestalt, ein amüsiertes Grinsen breit. . .
„Sind alle wieder anwesend? Gut. Dann wollen wir den Anklagepunkt des versuchten Mordes durchgehen. Die Anklage hat das Wort“, richtete sich Tiberius über seine Brille hinweg an Umbridge. Diese lächelte nach wie vor süßlich, wobei Hermione glaubte in diesem Lächeln und den tückischen Augen, etwas Siegessicheres zu erkennen. Und das behagte ihr nicht. Allerdings war sie mit Megans Anschuldigungen, und der Aussage von Smith, bereits auf die Schnauze geflogen. Was auch immer sie sich jetzt überlegt hatte, Hermione würde ihre Vorwürfe in der Luft zerfetzen.
„Nun, Miss Granger. Zu Anfang der Verhandlung stand der Tatbestand der Zugehörigkeit der Death Eater, wie auch die Tatsache, dass Mr. Malfoy besagte Death Eater in die Schule geschleust hat.“ „Das ist richtig. Nur sagte ich bereits, dass diese Dinge unter höchsten Zwängen geschahen“, maß Hermione das rosa Knallbonbon gefährlich. Umbridge ließ sich diesmal jedoch nicht so leicht locken.
„Da steht Aussage gegen Aussage. Fakt ist, dass er es getan hat. Und darüber hinaus auch noch andere Gräueltaten.“ „Wenn Sie auf die Sache mit Albus Dumbledore anspielen, Severus Snape hat damals den Zauber gesprochen und das, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, in Absprache mit Albus Dumbledore. Der scheinbare Mord war von Dumbledore selbst so geplant und initiiert. Mr. Malfoy hat ihn lediglich entwaffnet, konnte oder vielmehr wollte den letzten Schritt aber nicht gehen, obwohl er wusste, was das für ihn, seine Mutter und Freunde bedeutet hätte“, funkelte Hermione Umbridge eiskalt an, die auch weiter so sicher lächelte. Hier stimmt etwas nicht, flüsterte ihr ein zaghaftes Stimmchen zu. Umbridge war sich ihrer Sache auf einmal zu sicher.
„Mag sein. Für Ihre Annahme haben Sie jedoch keinerlei Beweise oder gar Zeugen. Albus Dumbledore ist tot, ebenso Severus Snape. Davon abgesehen, wollte ich auf etwas ganz anderes hinaus. Wie ich im Zuge der Untersuchungen erfahren habe, war der Direktor nicht das einzige Opfer eines feigen Mordanschlages.“ „Wovon reden Sie?“, funkelte Hermione Umbridge immer wütender an, während irgendetwas in ihrem Hinterkopf zu kratzen begann. Eine dumpfe Ahnung.
„Offen gestanden bin ich überrascht, dass Ihnen das scheinbar nicht klar ist, wo Sie doch selbst, wie ich hörte, Zeugin einer dieser Attentate waren?“ „Bitte was?“, sah Hermione Umbridge nun völlig ungläubig an. Das Gremium derweil musterte die alte Hexe aufmerksam. Und das war alles andere als gut. Dass Umbridge ihr Interesse auf sich ziehen konnte.
„Würden Sie bitte deutlicher werden?“, forderte Hermione, worauf die rosa Kröte lächelte „Selbstverständlich“ und sich dem Publikum zuwandte, dem die Gryffindor nervös folgte.
„Miss Bell? Ich möchte Sie bitten, sich zu dem Attentat auf Ihre Person zu äußern“, trällerte Umbridge süß, worauf Hermione schlagartig bleich wurde. Blaise klappte daraufhin der Kiefer runter, bevor er geschlagen den Blick senkte. Charlie wiederum legte die rechte Hand über die Augen, um das Elend nicht auch noch sehen zu müssen, während der Rest der Anwesenden sich unsicher ansah. Einzig und allein Ron grinste breit und tief zufrieden, als sich Katie nach unten begab.
Umbridges Blick lag damit wieder auf Hermione. Sie stellte amüsiert fest, dass die Gryffindor mit der Situation gerade völlig überfordert war, was sie ihr noch zusätzlich, genüsslich unter die Nase rieb, kaum dass Katie Platz genommen hatte.
„Mir scheint, Sie können sich nun doch an besagtes Attentat erinnern? Ein recht Heimtückisches, möchte ich noch anfügen“, säuselte Umbridge, während Hermione vergeblich Katies Blick suchte. Sie versuchte auf diesem Weg beinahe verzweifelt mit ihr zu kommunizieren, um sie um Nachsicht zu bitten. Zeitgleich verfluchte sie sich, dass sie überhaupt nicht an die Aktion mit Katie gedacht hatte, obwohl sie vor ein paar Tagen noch mit ihr darüber gesprochen hatte!
Damit gingen ihre Gedanken weiter und sie wurde richtig bleich, als ihr Kopf in Richtung Publikum zu Ron schoss. Ihr Freund grinste selbstgefällig, während sich in seinen Augen eine furchtbare Genugtuung widerspiegelte. Verdammt, Umbridge hatte ihn doch nicht etwa auch noch als Zeugen geladen? Wenn doch, Ron würde kein einziges, gutes Haar an Draco lassen.
„Miss Granger?“, holte Umbridge sie aus diesem Horrorszenario, womit sie zu der fürchterlichen Frau sah. Diese hatte ihren panischen Blick registriert und sonnte sich förmlich in ihrer plötzlichen Überlegenheit. An der Tatsache, dass Hermione diese beiden Dinge kaum schönreden konnte, womit sie sich an Katie richtete.
„Miss Bell, Sie erlitten im Zuge der Berührung einer schwarzmagischen Opalhalskette, am 12. 10. 1996, eine lebensgefährliche Verfluchung, aufgrund derer sie längere Zeit im St. Mungos Hospital zur Behandlung waren. Ist das korrekt?“ „Ja“, gab Katie ruhig von sich, den Blick auch weiter starr nach vorn gerichtet. Weg von Hermione, die krampfhaft in ihrem Hirn nach einer Notlösung suchte.
Draco hatte damals nicht gewollt, dass Katie und Ron zu Schaden kamen. Es waren Unfälle, nur war sie sich zu 100% sicher, dass Umbridge es mit allen Mitteln so auslegen würde, als hätte er es auf die Beiden abgesehen. Und wenn Ron dann wirklich Aussagen durfte. . . Er würde dem Gamot doch garantiert vorheulen, dass Draco schon immer versucht hätte, ihn zu verfluchen oder Ähnliches.
„Diese Kette wurde Ihnen über Umwege von Mr. Malfoy zugespielt.“ „Einspruch!“, fuhr Hermione Umbridge dazwischen, da ihr gerade ein rettender Gedanke kam, womit das Gremium zu ihr blickte. Nicht so Katie, die auch weiter stur geradeaus sah und scheinbar einen Punkt hinter den Ratsmitgliedern taxierte.
„In welchem Zusammenhang?“, fragte Tiberius höflich. „Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass die Kette von Mr. Malfoy stammte.“ Sie erinnerte sich wieder. Wie auch bei dem Met, war es nur eine Vermutung, dass Draco der Übeltäter war. Wirkliche Belege hatten sich dahingehend nie gefunden, auch wenn er es ihr letztens gestanden hatte. Es gab allerdings keinen eindeutigen Hinweis. Nur Mutmaßungen und auf die konnte sich Umbridge nicht alleine stützen.
„Ich denke schon, dass es die gibt“, trällerte Umbridge, zu der Hermione hasserfüllt sah. „Und die wären?“ „Dazu würde ich gerne noch jemanden hinzuziehen. Mr. Borgin?“, säuselte Umbridge. Kurz darauf wurde Hermione noch schlechter, als Umbridge den Inhaber von Borgin & Burke’s als Zeugen rief.
Der Typ hing zwar nicht direkt mit den Death Eatern zusammen, war ihrer Meinung nach aber ein 100-mal dunklerer Spießgeselle, als Draco. Jeder hier wusste, dass er in seinem Geschäft mit schwarzmagischen Artefakten handelte. Gegenstände, wie eben auch die verfluchte Halskette, die Draco wohl noch vor Beginn des Sechsten dort erstanden hatte.
Schließlich schlurfte der düstere Mann mit seinen fettigen Haaren runter in den Saal, wo noch ein Podest, etwas von Katie entfernt, sowie tiefer, erschien, zu dem er sich begab. Dabei wurde er recht ungehalten von den Mitgliedern des Gremiums gemustert. Offensichtlich waren Einige von ihnen sehr daran interessiert, den Mann in Sicherungsverwahrung zu wissen.
„Mr. Borgin. Kommt Ihnen dieses Schmuckstück bekannt vor?“, trällerte Umbridge süß und hielt eine kleine Glaseinfassung hoch, in der sich die Kette befand. Borgin nickte.
„Ja. War eins meiner Stücke. War unverkäuflich und diente nur als Ausstellungsstück“, erklärte er lapidar. Umbridge nickte zur Bestätigung.
„Nun, wie kann es dann sein, dass dieses Ausstellungsstück, wie Sie sagten, in Miss Bells Hände geraten konnte?“, musterte Umbridge ihn spitz, während Borgin mit den Schultern zuckte.
„Der Malfoy Spross hatte sich dafür interessiert. Ich wollt’s ihm nicht verkaufen. Will ja nicht, dass jemand zu Schaden kommt.“ Wer’s glaubt, dachte Hermione zornig und spießte Borgin förmlich mit Blicken auf, der nur kurz in ihre Richtung schielte und sie mit seinen dunklen Augen durchtrieben anfunkelte, bevor er zurück zu Umbridge sah.
„Wie gesagt, ich wollt’s nie verkaufen. Diente nur dem Dekorationszweck. Der kleine Malfoy hat aber keine Ruhe gegeben und mich dann bedroht. Hat mir mit ‘nem Besuch durch Greyback gedroht. Da hab ich’s ihm überlassen. Häng schließlich an meinem Leben“, raunte er, worauf Umbridge zufrieden nickte und sich süßlich an Hermione richtete.
„Ich denke, Ihr Einspruch dürfte sich damit erledigt haben.“ Daraufhin knirschte Hermione gewaltig mit den Zähnen, während Umbridge Borgin deutlich machte, er könne wieder gehen. Kurz darauf richtete sie sich an das Gremium.
„Verehrte Ratsmitglieder, es scheint mir offensichtlich, dass die Halskette aus den Händen Mr. Malfoys stammte.“ Daraufhin nickten einige, womit Hermione ihre Hoffnungen wie ein Kartenhaus zusammenfallen sah. Umbridge konzentrierte sich indes ganz auf Katie.
„Miss Bell, Sie werden mir sicherlich zustimmen, dass Mr. Malfoy versucht hat Sie zu ermorden?“ Es war keine wirkliche Frage für Umbridge, sondern nur eine Feststellung vor Zeugen, um Draco das Genick zu brechen. Sie wartete dann auch gar nicht erst auf Katies Antwort. Stattdessen wollte sie sich mit ihren nächsten Worten an das Gremium wenden, als Katie plötzlich meinte: „Nein.“ „Ähm. . . Wie bitte?“, blickte Umbridge leicht verdattert zu Katie, die noch immer stur geradeaus sah.
Auf dieses eine Wort schaute Hermione ihre ehemalige Hauskameradin mit etwas offen stehendem Mund an, während Blaise’ Kopf auf das Nein wie eine Rakete nach oben schoss. Charlie hatte die Hand unterdessen weggenommen und guckte ähnlich blöd wie Hermione.
„Ich habe Nein gesagt“, wiederholte Katie ruhig und sah nun zu Umbridge. Diese schien für eine Sekunde nicht zu wissen, wo oben und unten war. Genauso wie Hermione, die kaum begreifen konnte, was hier gerade passierte, denn sie zweifelte ein wenig an ihren Ohren. Hatte Katie eben wirklich das Attentat verneint?
„Miss Bell, ich glaube, Sie haben meine Frage nicht ganz verstanden. Mr. Malfoy hat versucht, Sie zu ermorden!“, wurde Umbridge deutlicher. Katie ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen.
„Ich habe Sie sehr wohl verstanden. Allerdings stimmt das so nicht. Er hat nicht versucht, mich zu ermorden“, wiederholte Katie nochmal, nun aber mit einer gewissen Schärfe in der Stimme, die Umbridge schnauben ließ.
„Miss Bell, Sie sind Zeugin einer Anhörung. Sie haben sich dazu verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.“ „Das tue ich auch. Ich sagte, dass er mich nicht ermorden wollte.“ „Miss Bell, bitte entschuldigen Sie, aber. . . Wenn ich das vorhin richtig verstanden habe, dann waren Sie doch das Opfer des Fluches, der auf besagter Kette liegt, die der Angeklagte in seinen Besitz gebracht hat?“, richtete sich einer aus dem Gremium an Katie, die wieder nach vorn blickte und nickte.
„Das ist richtig.“ „Nun, dann. . . Verzeihen Sie mir meine Frage, aber warum sind Sie dennoch der Ansicht, dass er nicht diesen Gedanken hatte?“ „Es war ein . . . ein Unfall“, meinte Katie, womit Geraune und Gemurmel durch den Saal ging. Zeitgleich begann Hermione neue Hoffnung zu schöpfen, da Katie selbst es plötzlich als Unfall bezeichnete, genauso wie Hermione es ihr kürzlich versucht hatte zu erklären.
„Ein Unfall? Miss Bell, das. . . Wie kommen Sie darauf es so zu sehen?“, erkundigte sich das Gamot verwirrt. Umbridge platzte ihr jedoch dazwischen, als sie das sich langsam bildende sanfte Lächeln auf Hermiones Zügen gewahrte.
„Ich. . .“ „Werte Ratsmitglieder, anscheinend wird Miss Bell unter Druck gesetzt und bedroht.“ „Wie bitte?“, zischte Hermione, während das Gremium murmelte und sich letztlich erneut an Katie richtete.
„Stimmt das, Miss Bell? Belästigt oder bedroht man Sie?“ „Keineswegs. Offensichtlich. . .“, sah Katie gefährlich zu Umbridge. „. . . scheinen einige hier aber nicht wirklich an der Wahrheit interessiert zu sein.“ Hah! Katie, ich könnte dich küssen, lachte Hermiones Herz, womit sie nicht die Einzige war, denn Blaise begann neckisch über das gesamte Gesicht zu grinsen, während sich Tonks hinter vorgehaltener Hand das Schmunzeln verkneifen musste. McGonagall das gleiche.
„Nun, Miss Bell. Das Gremium ist an der Wahrheit interessiert. Wären Sie so freundlich, uns Ihre Sicht der Dinge zu schildern?“ „Gern“, lächelte Katie und erklärte knapp. Angefangen damit, dass sie das Päckchen, in den Waschräumen der Three Broomsticks, von Madam Rosmerta bekommen hatte und als Geschenk nach Hogwarts bringen sollte. An wen hatte die Wirtin nicht sagen können, da sie unter dem Imperius gestanden hatte. Sie erklärte, dass sie sich im Folgenden mit ihrer Freundin gestritten hatte, weswegen das Päckchen heruntergefallen und aufgegangen war. Zeitgleich verwies sie auf Leanne, die ihre Worte, zwar etwas verwundert, dennoch nickend bestätigte, womit Katie weiter erklärte, dass sie, als sie die Kette hatte auflesen wollen, der Fluch getroffen hatte. Das Päckchen selbst, und damit der Inhalt, war aber nie für sie vorgesehen gewesen, sodass die Anschuldigung nicht stimmte, dass Draco versucht hätte sie umzubringen. Es war, wie Katie sagte, ein Unfall, den sie ihm nicht zum Vorwurf machte und im gleichen Atemzug auch auf eine Anzeige verzichtete, was erneutes Raunen verursachte. Das Gremium wiederum musterte Katie verwirrt.
„Möchten Sie bei Ihrer Aussage bleiben, Miss Bell?“, fragte man sie verwundert, worauf Katie nickte. „Er hat mir persönlich damit nicht schaden wollen. Ich vermute mal. . .“, schielte sie unauffällig zu Hermione. „. . . dass er die Kette, wenn er sie überhaupt jemals für irgendetwas nutzen wollte, eher Dumbledore unterschieben wollte. Zumindest könnte ich es mir vorstellen, nach allem, was ich vorhin gehört habe“, erinnerte sie das Gremium geschickt an Hermiones Auftaktrede, von wegen warum er so gehandelt hatte, wie er gehandelt hatte. Es war ein Hinweis, der Umbridge innerlich schäumen ließ. Hermione sah es an ihren Augen, dass es der alten Hexe immer schwerer fiel, ihre süßliche Fassade aufrechtzuerhalten. Sie hatte erhebliche Mühe, das Monster, was sie war, hinter der Maske versteckt zu halten.
„Miss Bell, . . .“, begann sie letztlich versucht beherrscht, sodass Katie zu ihr schaute. „. . . ich muss sagen, ich kann nicht nachvollziehen, warum Sie dieses Individuum. . .“, spuckte sie schon fast. „. . . scheinbar versuchen zu decken, wo er Ihnen so großes Leid beschert hat und. . .“ „Er ist erstens kein Individuum, sondern ein Mensch und hat zweitens nichts dergleichen getan!“, unterbrach Katie Umbridge erbost über so viel Dreistigkeit.
„Der Vorfall mit der Kette war ein Unfall und offen gestanden das Einzige, was er sich mir gegenüber je hat zu Schulden kommen lassen. Er hat mich sonst nie verletzt. Ab und zu kam mal ein blöder Spruch, sicher. Aber das waren einfache Streitigkeiten unter Schülern, die völlig normal sind. Aber wo ich gerade bei Schuldigkeiten bin, dann möchte ich gerne noch sagen, dass er seine Schuldigkeit mir gegenüber bereits beglichen hat.“ „Wie meinen Sie das?“, maß das Gremium sie verwirrt und auch Hermione kam nicht umhin, Katie fragend anzusehen.
„Während den Kämpfen in Hogwarts, hat er mir den Rücken frei und damit einen Death Eater vom Hals gehalten. Andernfalls würde ich jetzt nicht mehr hier sitzen“, erklärte Katie, worauf Hermione sich dermaßen am Riemen reißen musste, um nicht blöd zu gucken oder sich sonst wie ihre Verwirrung anmerken zu lassen. Das war neu. Mehr als neu. Ein verstohlener Blick von Katie, verbunden mit einem kaum merklichen Zwinkern ihrerseits, machten Hermione das Herz gleich nochmal um dutzende Tonnen leichter.
Damit hätte sie nicht gerechnet, dass Katie tatsächlich so weit ging. Sie war ja schon erleichtert, dass sie Draco nicht an den Pranger stellte und ihm die Schuld an ihrem Unglück gab. Aber das jetzt. . .
„Wollen Sie damit sagen, dass Mr. Malfoy Sie während den Kämpfen ebenfalls geschützt hat?“, wunderte sich der Vorsitzende, da Tonks, Luna und Hermione selbst dies bereits geschildert hatten. Katie nickte, sodass sich die Mitglieder des Gremiums einmal mehr überrascht ansahen, während Umbridge kurz vorm platzen war.
„Zufälle!“, schnappte sie sauer und handelte sich dafür einen schier vernichtenden Blick von Hermione ein. Aber auch Katie maß sie abwertend. Mehr noch als sie anfügte: „Vermutlich hatten Sie mehr Glück als Verstand. Merlin allein weiß, was er in dieser Nacht tatsächlich vorgehabt hat. Aber mit Sicherheit keine Hilfe leisten!“, zischte Umbridge und handelte sich dafür einen weiteren tödlichen Blick von Hermione ein.
Was dachte die rosa Kröte, ihm jetzt noch in die Schuhe schieben zu wollen? Sie hatte erklärt, dass er seit Beginn der Schlacht mit ihnen gekämpft hatte. Sie hatte erläutert, dass er ihnen bedeutende Hinweise gegeben hatte, um Voldemort vernichten zu können. Sie hatte Zeugen, die für ihn gesprochen hatten und im Gegensatz zu denen Umbridges, auch glaubwürdig waren. Und das schien der Hohe Rat offensichtlich auch verstärkt so zu sehen, denn Einige, nicht gerade wenige, maßen Umbridge mit zunehmend verständnislosen Blicken. Was dann jedoch passierte, damit hatte keiner gerechnet, denn einer der Zuschauer stand etwas unsicher auf und zog so die Aufmerksamkeit des Gamots auf sich.
„Stimmt etwas nicht?“, richtete sich der Vorsitzende an den jungen Mann, zu dem nun auch Hermione blickte, um festzustellen, dass es Ernie war. Dieser wirkte sichtlich nervös und sah verunsichert zwischen Hermione, Katie, Umbridge und dem Rat hin und her, bevor er bei den Ratsmitgliedern hängen blieb.
„Es . . . es stimmt nicht.“ „Bitte?“, verstand das Gremium nicht. Zeitgleich machte sich in Hermione eine leise Verunsicherung breit. Was hatte er vor? Ernie sah allerdings auch kurz zu Hermione, schluckte und meinte weiter: „Was Umbridge sagt. Dass es . . . dass Katie nur Glück hatte. Ich . . . uhm. . .“, wurde er unsicher, das Gamot derweil interessierter. Allen voran Tiberius.
„Dürfte ich Ihren Namen erfahren Mr. . .?“ „Macmillan. Ernie Macmillan. Uhm. . . Hufflepuff, falls das wichtig ist?“, meinte er nervös. Tiberius lächelte Milde.
„Nun Mr. Macmillan, offensichtlich liegt Ihnen etwas auf dem Herzen, was Sie uns gerne mitteilen möchten.“ Daraufhin sah Ernie unsicher zu Hermione, die kaum merklich, aufmunternd nickte. Umbridge sah es jedoch und versuchte kommendes zu verhindern.
„Werte Ratsmitglieder, so viel ich weiß, steht Mr. Macmillan nicht auf der Zeugenliste und ist damit nicht berechtigt, eine Aussage zu tätigen“, pochte sie auf die Regeln, über die Tiberius ungeniert hinweg sah.
„Mrs. Umbridge, ich denke auch Sie werden nicht mehr leugnen können, dass die Dinge hier doch um einiges komplexer liegen, als wir ursprünglich angenommen haben. Wenn der Rest des Gremiums nichts dagegen hat, dann würde ich Mr. Macmillan gerne als Zeugen nachnominieren.“ „Bitte?!“, quiekte Umbridge schrill und wurde blass, als sämtliche Mitglieder zustimmend nickten.
Ernie wurde es jedoch mulmig. Es war ihm anzusehen, dass er sich nicht wohl in seiner Haut fühlte. Als sein Blick dann allerdings kurz den McGonagalls streifte, sah er seine alte Professorin kaum merklich nicken und zuversichtlich lächeln.
„Gut“, hörte man Tiberius wieder, der sich kurz lächelnd an Hermione richtete. „Miss Granger, haben Sie Fragen an Miss Bell?“ „Keineswegs“, lächelte Hermione, sodass man Katie entließ. Diese zwinkerte Hermione im vorbeigehen verschmitzt zu, sodass das Herz der jungen Hexe noch etwas leichter schlug.
„Mr. Macmillan. Bitte. Wir würden gerne erfahren, warum Sie die Meinung der Anklage nicht teilen“, wies Tiberius ihm freundlich auf den Stuhl zu Hermiones Podest. Ernie zögerte allerdings.
„Uhm. . . Ich. . . Ich möchte vor dem Gremium nichts Falsches sagen“, nuschelte er schließlich und sah Hermione ein wenig hilflos an, genauso Tiberius. Dieser lächelte auch weiterhin Milde, schon fast großväterlich. Ähnlich, wie man es früher oft bei Dumbledore gesehen hatte.
„Ich verstehe. Seien Sie versichert, niemand wird Ihnen aus Ihren Worten etwas Schlechtes nachsehen, zumal es Ihnen, so sehe ich das, wichtig erscheint. Sie sagten, die Aussage der Anklage wäre falsch. Wir würden nur gern wissen, was Sie zu dieser Ansicht bewegt? Bitte“, deutete Tiberius ihm erneut auf den Stuhl.
Inzwischen war Katie wieder ganz oben und schubste den Schulkamerad sacht mit einem „Geh schon“, womit er kurz zu ihr sah. Die ehemalige Gryffindor Jägerin nickte nur aufmunternd, worauf er schluckte, sich dann aber doch in Bewegung setzte. Bei Hermione angelangt, lächelte diese ihm unglaublich dankbar zu, bevor Tiberius das Wort ergriff.
„Mr. Macmillan, Sie haben das Wort. Sie sagten, es würde nicht stimmen, dass Miss Bell wohl nur Glück gehabt hätte? Warum sind Sie dieser Ansicht? Konnten Sie dahingehend etwas beobachten?“ „Nein. Also. . . Nicht direkt. Ich habe Katie. . . uhm . . . Miss Bell während der Waffenruhe nur kurz im Schloss gesehen, als sich Madam Pomfrey um sie gekümmert hat und. . . Malfoy war dann auch da. Und . . . ähm. . . Er hat dann mit . . . mit Za- mit Blaise Zabini geredet. Ich weiß nicht was. Es war nur . . . uhm. . . Hannah hatte ihn dann auch gesehen und Ha- Charlie Harper gefragt, was er im Schloss machen würde. Harper meinte dann: ,Uns helfen‘ und da. . .“ „Ist das alles?“, zischte Umbridge ihm ungehalten dazwischen, zu der Ernie unsicher sah, während die rosa Pest ausholte.
„Aufgrund der Aussage eines Slytherins, noch dazu offensichtlich eines engen Freundes des Angeklagten, zweifeln Sie an meinen Worten?“, echauffierte sich Umbridge, sodass Ernie wie geschlagen zusammenzuckte, während Blaise giftig schnaubte.
„Nein. Also. . . Ich . . . ähm. . .“, wurde Ernie immer nervöser, sodass Umbridge versuchte, ihn restlos einzuschüchtern und fertigzumachen.
„Mr. Macmillan, sind Sie tatsächlich so naiv, dem Wort eines Slytherins zu glauben, der vermutlich auch noch mit den Death Eatern unter einer Decke steckt? Wahrscheinlich war er sogar ein Verbündeter dieser und. . .“ „Wie bitte?!“, brauste Blaise ungeahnt auf, zu dem prompt alles sah. Charlie versuchte noch, ihn mit einem „Halt die Klappe und setz dich!“ zischend auf seinen Platz zu ziehen. Mit eher geringfügigem Erfolg.
„Was soll die Scheiße von wegen Verbündete? Wir hatten nichts mit diesem Psychopathen Verein zu tun! Wir hatten es nie! Wir. . .“ „Dann haben Sie also kein enges Verhältnis zu Mr. Malfoy?“, klinkte sich Umbridge durchtrieben dazwischen, dem Blaise auf den Leim ging.
„Natürlich hab ich das!“, schnauzte er sie stinksauer an und ließ seinem Temperament kopflos freien Lauf. „Draco ist mein bester Freund. Er ist wie ein Bruder für mich! Er. . .“ „Und Sie wollen mir erzählen, Sie hätten nichts mit den Death Eatern zu tun?“, unterbrach Umbridge ihn kalt lächelnd, bevor sie noch anfügte: „So viel zu dem Wort eines Slytherins“, worauf Blaise merkte, dass er gerade ordentlich scheiße gebaut hatte, als er seinen Freund zu schützen versucht hatte. Inzwischen hatten Charlie und Tonks ihn auch wieder auf seinen Platz gedrückt und zischten ihn sauer an.
„Etwas Dümmeres hättest du jetzt echt nicht machen können!“, giftete Charlie wütend und auch Tonks tadelte ihn hart.
„Wie kannst du dich von der provozieren lassen?!“ „Ich . . . ich. . .“, stammelte Blaise, bekam allerdings nicht mehr heraus, als er hilflos zu Hermione sah, die sauer mit dem Kopf schüttelte, sich dann aber mit dunklem Blick zu Umbridge drehte.
„Dem Wort eines Slytherins kann man also nicht glauben? Ist es tatsächlich das, was Sie sagen wollten?“ „In der Tat“, gab Umbridge zufrieden zurück, worauf sich Hermiones Blick noch stärker verdunkelte und es hinterhältig in ihren beinahe schwarz erscheinenden Augen blitzte.
„Wenn dem so ist, dann dürfte man Ihnen ja erst recht nichts mehr glauben.“ „Bitte was?“, schaute Umbridge kurz verwirrt drein, bevor es auch in ihrem Blick blitzte. Und das leicht panisch, was noch etwas schlimmer wurde, als Hermione süffisant anmerkte: „Immerhin waren Sie zu Ihrer Schulzeit ebenfalls dem Haus Slytherin zugeteilt.“ Daraufhin brach angeregtes Gemurmel los. In Umbridges Kopf arbeitete es derweil auf Hochtouren, sodass Hermione glaubte, die einzelnen Rädchen in ihrem Geist rattern zu hören, ehe sie krächzte: „Es gibt Ausnahmen!“ und ihre Worte in der nächsten Sekunde bereits bitterlich bereute, als Hermione noch durchtriebener grinste.
„Schön, dass Sie das auch so sehen. Dass es Ausnahmen gibt, was ja dann heißt, dass man dem Wort eines Slytherins durchaus Glauben schenken kann. Dass sie nicht alle so schlecht sind, wie ihr Ruf. Womit ich auf Mr. Macmillans Aussage zurückkommen möchte. Dass Mr. Malfoy uns helfen und unterstützen wollte. Dass er auf unserer Seite gekämpft hat, was auch auf seine Freunde Blaise Zabini und Charlie Harper zutrifft, die deswegen extra nach Großbritannien zurückgekehrt sind und sich dieser Gefahr ausgesetzt haben. War es nicht so, Mr. Macmillan?“ „Was?“, schrak Ernie zusammen, als Hermione plötzlich wieder mit ihm sprach.
„Charlie Harpers Worte. Er sagte, dass Sie alle in Hogwarts seien, um zu helfen. Und das haben sie doch auch, oder nicht?“ „Doch. Ich. . . Ähm. . . Die Beiden haben sich während der Waffenruhe mit Madam Pomfrey um die ganzen Verletzten gekümmert und vorher auch gegen . . . gegen die Death Eater gekämpft“, gestand Ernie, womit sich das Gremium verwundert an Hermione richtete.
„Das ist schön und gut, Miss Granger. Nur hat das nichts mit unserer Verhandlung zu tun.“ „Das sehe ich etwas anders“, sah Hermione freundlich aber bestimmt zu den Mitgliedern des Rates, als sie sich erklärte.
„Ich möchte das Gamot daran erinnern, dass die Anklage, vor nicht einmal fünf Minuten, den Herren Zabini und Harper, aus dem simplen Aspekt heraus, dass sie Slytherin Schülerin waren und zudem mit Draco Malfoy eng befreundet sind, vorgeworfen, ja sie schon fast beschuldigt hat, den Death Eatern zugehörig zu sein, was meines Erachtens schwerste Verleumdung und damit ein Strafdelikt ist! Die Beiden sind nichts dergleichen, genauso wenig wie Draco Malfoy, der das Dunkle Mal, wie zu Anfang der Verhandlung bereits gesagt, unter Mordandrohungen aufgezwungen bekommen hat. Er hatte sich den Death Eatern nicht angeschlossen, weil er es wollte oder deren Ansichten und Ideologie teilte, sondern weil er seine Freunde. . .“, deutete sie auf die Zwei. „. . . sowie seine Mutter versucht hat zu schützen. Er hatte keine andere Wahl, als diesem Zwang, möchte ich es nennen, nachzukommen, um die Menschen, die ihm wichtig waren, vor einer grausamen Folter und Mord zu beschützen. Ich möchte das werte Gremium, wie auch alle hier Anwesenden, einmal bitten, kurz in sich zu gehen und darüber nachzudenken, was sie selbst in einer derart verfänglichen Situation getan hätten?“, sah Hermione in den Saal, der nun recht schweigsam war. Als ihr Blick den Minervas streifte, sah sie in den Augen ihrer Professorin Stolz glänzen, während die alte Hexe anerkennend nickte und selbst den Blick durch den Saal wandern ließ. Und das mehr als zufrieden, sodass Hermione sich zurück an das Gamot richtete.
„Man spricht einem Menschen sehr schnell sämtliche Ehre ab und steckt ihn in Schubladen, ohne näher auf die Hintergründe zu achten. Auch ich habe dies getan und musste nach und nach erst eines Besseren belehrt werden. Ich möchte damit keinesfalls sagen, dass Draco Malfoy ein völliges Unschuldslamm ist. Er hat sich, während seiner Schulzeit, sehr oft alles andere als verständig oder gar liebenswürdig verhalten. Im Gegenteil. Er war ein ziemlich großes Arschloch. Ich selbst habe ihm in Gedanken sicherlich 100’000-mal die Pest an den Hals gewünscht und hätte sie ihm nicht selten auch gern angehext. Ich wollte nichts mit ihm zu tun haben und ihn noch nicht einmal mit einer Kneifzange anfassen. Ich habe ihn gehasst und verabscheut für alles, was er mir, wie auch meinen Freunden, in den vergangenen Jahren an den Kopf geworfen hat. Er war für mich ein arrogantes, eingebildetes Reinblut. Er war für mich nur Malfoy. Ein Slytherin. Eine von den bösartigen Schlangen. Die Oberschlange, wie ihn andere auch nennen. Trotzdem stehe ich jetzt hier, und versuche ihm den Arsch zu retten. Ein für alle völlig unverständlicher Aspekt“, machte Hermione eine kurze Pause, um die Mimik der Gremiumsmitglieder zu mustern, die auch weiter sehr interessiert an ihren Lippen hingen und ihren Worten aufmerksam lauschten.
„Ich wurde in den vergangenen Tagen immer wieder auf das Warum angesprochen. Ob ich bedroht oder erpresst werde, wie es durch den Daily Prophet fälschlicherweise propagiert wurde. Ob ich unter dem Imperius stehe oder Ähnlichem. Nichts von alldem ist der Fall. Ich tue es aus freien Stücken, weil ich es will und für richtig halte. Weil ich gelernt habe, dass man einen Menschen nicht so einfach in eine Schublade stecken kann, nur weil er zum Beispiel dem Haus Slytherin zugeteilt wurde oder ein Reinblut ist. Dies sind zwei Aspekte, die auch auf zwei wundervolle Menschen zutreffen, die ich bereits seit fünf Jahren zu meinen besten Freunden zählen darf. Dass ich dieses Glück habe, liegt an dem Dickkopf einer der Beiden, mit dem er mir so lange auf die Nerven ging, bis ich mich dazu bereit erklärt hatte, mich einmal in Ruhe mit ihm zu unterhalten. Er hat mir damit gezeigt, dass es dumm, arrogant und überheblich ist, so oberflächlich über einen Menschen zu urteilen, nur weil andere ihn aufgrund des Schubladendenkens, gesellschaftlicher Zwänge, wie auch der Traditionen, verurteilen und von Beginn an nicht einmal eine Chance geben wollen. Ich aber habe die Entscheidung, diesem speziellen Freund eine Chance zu geben, jedoch keine Sekunde lang bereut, auch wenn er mich manchmal zur Weißglut treibt“, schielte sie leicht in die Richtung der beiden Jungs und taxierte Blaise gefährlich. Er und Charlie lächelten allerdings sanft, wobei es bei Blaise ein wenig etwas Neckisches annahm. Allen voran, da einige Hermiones Blick folgten und ebenfalls auf die beiden Slytherins sahen. Kurz darauf richtete sie sich wieder an das Gremium.
„Sicherlich wundern Sie sich, warum ich Ihnen all das sage, aber dieses Denken, von dem ich eben gesprochen habe, haust in uns allen. Die meisten Menschen haben von Beginn an die Möglichkeit, sich ihren Weg selbst zu bestimmen und damit auch die Chance, sich eine eigene Meinung über andere Menschen zu bilden. Ein kleiner Teil wiederum, hat diese Wahl nicht. Diese Kinder bekommen von klein auf gesagt und vorgelebt, was sie zu denken und wie sie sich zu verhalten haben, ganz gleich ob sie selbst das wollen oder nicht. Sie werden ihrer Persönlichkeit und der Entscheidungsfreiheit beraubt, noch bevor sie ansatzweise die Chance haben, sich dagegen zu wehren. Man drängt sie damit auf einen Weg, der ihnen nicht die Möglichkeit lässt umzukehren. Es ist ein Weg, der nur mit viel Glück und Mut, vielleicht noch einmal in einen beschwerlichen Pfad mündet, den man nur mit sehr viel Kraft beschreiten kann. Einen Pfad, für den sich Draco schon lange Zeit vor der Schlacht entschieden hatte. Es war und ist ein äußerst Schmaler, der ihn bei einem einzigen, falschen Schritt in eine tödliche Schlucht gestürzt hätte. Dennoch hat er diesen Weg gewählt, da er irgendwann angefangen hat, an der Richtigkeit der Dinge zu zweifeln, die man ihm von klein auf beigebracht und vorgelebt hat. Was aber denken Sie wäre gewesen, hätte er sich offen gegen diese Dinge gestellt?“ Wieder machte sie eine bedachte Pause, um dem Rat, sowie den übrigen Anwesenden die kurze Möglichkeit zu lassen, ihren Gedanken und Vorstellungen nachzuhängen, bevor sie weitersprach. Dass man ihren Worten noch immer äußerst aufmerksam lauschte, erkannte sie an der angespannten Stille, in der man selbst eine Stecknadel hätte fallen hören können.
„Er wurde mit Anfang 16, als fast noch halbes Kind, möchte ich sagen, in das Regime der Death Eater gedrängt und gegen seinen Willen zu einem solchen gemacht. Er kam den Forderungen Voldemorts nur aus einem einzigen Grund nach. Nämlich um die Menschen, die ihm wichtig sind, vor dem ganzen Wahnsinn zu schützen. Er war sich des Fehlers, den er damit beging, bewusst, sah jedoch keinen anderen Weg, als den grausamen Befehlen Voldemorts nachzukommen. Es war die Verzweiflung, die ihn zu diesem Fehler getrieben hat, ebenso die Angst, um das Leben seiner Mutter, wie auch seiner Freunde, die trotz allem versucht haben, für ihn da zu sein. Ich denke, dass sie ihm die nötige Kraft, den Halt, sowie Mut gegeben haben, um sich aus diesem dunklen Regime zu befreien und dagegen zu stellen. Er hat uns mit seinem Wissen und Können gegen die Death Eater unterstützt und das, obwohl er wusste, dass es für ihn kein schönes Ende nehmen würde. So oder so nicht, denn deswegen sind wir heute alle hier. Deswegen stehe ich hier vor Ihnen, um Ihnen deutlich zu machen, dass es ein schwerer Fehler ist, ihn ohne die Hintergründe zu kennen, so leichtfertig zu verurteilen und ihm etwas aufzubürden, was er nicht verdient hat. Er hat Fehler gemacht, das kann niemand abstreiten. Aber wir alle machen Fehler. Fehler sind menschlich und haben immer einen Grund, deren Mühe man sich machen sollte, zu hinterfragen, was ich getan habe. Ich hatte die Möglichkeit hinter den dunklen Schleier zu sehen, um das Warum verstehen zu können. Und das tue ich jetzt. Ich kann einen Großteil seiner Handlungsweise inzwischen nachvollziehen, mehr noch aber verstehen. Ich habe angefangen zu verstehen, dass er nicht nur ein arroganter Reinblüter, Slytherin und Malfoy ist, sondern ein Mensch, der dazu bereit war, sich für seine Freunde und Familie zu opfern. Dass er kein kalter Eisklotz ist, sondern ein Mensch, der Gefühle hat, wie jeder andere auch. Dass er nicht nur der blöde Malfoy ist, den ich all die Jahre vor der Nase gehabt habe, sondern auch Draco ist, den niemand von uns wirklich kennt, geschweige denn versteht, außer seine beiden Freunde. Er ist ein Mensch, den andere auf einen Weg geführt haben, den er sich nicht selbst wählen durfte und dennoch von diesem Weg abweichen konnte, womit ich wieder auf Mr. Macmillans Worte zurückkommen möchte. Ich bin mir sicher, dass er einen triftigen Grund dafür hatte, Charlies knappen Worten Glauben zu schenken. Ist es nicht so?“, sah sie zu Ernie, der sie aufgrund ihrer ausschweifenden Rede noch immer überrascht mit großen Augen und leicht offen stehendem Mund ansah. Ihre Frage hatte er durch alles nicht einmal verstanden.
„Was?“ „Ich würde gerne wissen, warum Sie dem kleinen Satz von Charlie Harper so viel Bedeutung beimessen?“ Damit rastete bei Ernie wieder etwas ein, zumal Hermione ihn recht auffordernd, aber auch bittend anblickte. Er wusste, was sie von ihm hören wollte, worauf er schließlich nickte und sich kurz mit der Zunge über die trocken gewordenen Lippen leckte, bevor er endlich erklärte.
„Ja, . . . ähm. . . Vor . . . vor der Waffenruhe hab ich mit Seamus im vierten Stock gegen einen Death Eater gekämpft. Der hatte Seamus dann mit einem Fluch getroffen, sodass er K.o. war. Ich konnte mich alleine kaum noch wehren und. . . Der hätte mich fertiggemacht.“ „Hat er aber nicht, sonst wären Sie jetzt ja nicht hier. Nicht wahr?“, maß Hermione ihn ein spitz, sodass Ernie schluckte und doch tatsächlich ein wenig verlegen rot wurde, ehe er nickte und weiter sprach.
„Nein. Ich . . . ähm. . . Ich hab es am Anfang gar nicht richtig realisiert aber. . . Malfoy hatte den erledigt. Ich hab ihn allerdings erst in der Halle erkannt, weil. . . Er sah ganz anders aus als sonst.“ „Inwiefern?“, hakte Hermione nach.
„Na ja, er lief ja sonst immer im Anzug rum. Meistens schwarz. Als ich ihn dann aber in der Halle bei Zabini gesehen hab, und auch schon vorher auf dem Gang, da. . . Er hatte Jeans, T-Shirt und ‘ne Sweatjacke an. Er sah auch ziemlich ramponiert aus. Total verrußt und blutig. Ich hätt ihn wirklich fast nicht erkannt, aber er war es“, endete Ernie, worauf Hermione mehr als zufrieden nickte.
„Deshalb glauben Sie der Aussage von Charlie Harper. Richtig?“ „Ja. Dass er helfen wollte. Hat er mir ja auch“, fügte Ernie vorsichtig an, was das Gremium mehr als interessiert aufnahm, wo sich noch einige Notizen machten. Umbridge schnaubte.
„Vielleicht hat er in Wahrheit ja gar nicht den Death Eater treffen wollen, sondern Sie, Mr. Macmillan?“, monierte Umbridge, worauf Hermione sie restlos zweifelnd ansah.
„Das ist jetzt nicht Ihr Ernst? Wie viele Beweise wollen Sie eigentlich noch, das er sich für unsere Seite eingesetzt und gekämpft hat?“ „Ein paar neutrale Zeugen zum Beispiel.“ „Bitte?“, sah Hermione die Frau nun völlig fassungslos an.
„Ihnen als Verteidigung liegt offensichtlich auch noch sehr viel Persönliches daran, einen Mörder wieder auf freien Fuß zu lassen und. . .“ „Er ist kein Mörder!“, fuhr Hermione ihr aufgebracht dazwischen. Sie hatte merklich zu tun, ihre Beherrschung nicht gänzlich zu verlieren, und suggerierte sich aufs Neue ein, sich nicht von der Schrulle provozieren zu lassen. Denn das war es, was sie zweifellos wollte, um Hermione unglaubwürdig machen zu können.
„Mrs. Lupin steht in einem engen, verwandtschaftlichen Verhältnis zu dem Angeklagten und Miss Lovegood, nun. . . Ich denke, über Ihre Person müssen wir uns nicht näher äußern“, meinte sie abfällig, was Blaise, aber auch Neville, auf 180 brachte. Charlie sah es und hatte Mühe ihn zur Ruhe anzuhalten, bevor sein Blick auf die zierliche Blonde fiel, über deren Augen sich etwas leicht Verklärtes, Trauriges legte. Neville neben ihr versuchte ihr dann auch gleich leise, ein paar aufmunternde Worte zukommen zu lassen, während Hermione Umbridge mit Blicken zerfetzte. Diese lächelte süffisant.
„Zudem möchte ich noch anfügen, dass ich. . .“ „Es reicht!“, drang es sauer von den Zuschauerrängen, wo sich Alicia plötzlich erhoben hatte und Umbridge genauso wütend anfunkelte, wie Hermione.
„Was fällt Ihnen ein, unsere Freunde zu beleidigen, nur weil Ihnen die Tatsachen nicht passen?!“, zischte sie, wo sich nun jedoch Tiberius ruhig dazwischen schaltete.
„Dem stimme ich zu. Mrs. Umbridge, mäßigen Sie sich und Sie Miss. . .“ „Spinnet.“ „Bitte setzen Sie sich wieder.“ „Gleich. Ich will bloß noch was loswerden“, sah Alicia zu Tiberius, dessen Blick sich mit ihrem traf und er sie aufmerksam musterte, bevor er ihr deutete zu sagen, was sie wohl noch sagen wollte.
„Malfoy mag sich die ganzen Jahre aufgeführt haben wie der letzte Arsch. Allerdings nicht in dieser Nacht. Sie wollen einen neutralen Zeugen? Steht vor Ihnen. Er hat auch mir geholfen, als ich bereits entwaffnet war! Rowle oder so hieß dieser Typ, der mich fast erledigt hätte! Wenn Malfoy nur versehentlich den Death Eater anstatt Ernie getroffen hätte, wie erklären Sie sich das dann bei mir?! Er hätte da gar keinen Grund gehabt dazwischenzufunken, da ich schon wehrlos war!“, zischte Alicia, die Hermione noch immer aus großen Augen ansah. Diese wurden dann sogar noch größer, als sich zusätzlich zu Alicia noch Angelina, Parvati, Anthony, sowie Oliver Wood und Sally Roper erhoben, zu denen die Ratsmitglieder verwundert sahen. Griselda vermutete auf den Anblick gleich das Richtige.
„Besteht die Möglichkeit, dass Ihnen Ähnliches widerfahren ist, wie Miss Spinnet?“ Daraufhin nickten die Fünf, womit neues Geraune durch den Saal ging und sich die Mitglieder des Gamots leise miteinander unterhielten. Als Umbridge sah, was kam, bebte ihre Unterlippe immer mehr.
„Ich möchte den Hohen Rat noch einmal deutlich darauf hinweisen, dass keiner der Sechs als Zeuge fungiert und ihre Aussagen damit nichtig sind!“, bezog sie sich erneut scharf auf die strengen Regelungen, worauf das Gremium zwar nickte, allerdings nicht wirklich den Eindruck erweckte, als würde es diese Ansichten außenvorlassen wollen, denn Tiberius richtete sich an Hermione.
„Waren Sie im Bilde über diese Dinge?“ „Teils“, murmelte sie ehrlich verblüfft, was Tiberius noch mehr verwunderte.
„Warum haben Sie die Herrschaften dann nicht als Zeugen geladen?“ „Weil ich niemanden dazu zwingen konnte, eine Aussage zu machen, wenn er nicht wollte.“ „Ich verstehe.“ Damit blickte er wieder zu den Sechs, die noch immer standen.
„Dann. . . Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie alle Ihre Meinung bezüglich einer Aussage geändert haben?“ Daraufhin sahen sich die Sechs kurz unschlüssig an, bevor erst Alicia nickte, dem die Übrigen etwas zögerlich folgten.
„Nun. . .“, sah Tiberius zu seinen Kollegen, die teils andeutungsweise nickten, sodass er sich wieder dem Saal und somit den Zuschauern zuwandte.
„Wir werden Ihre Eindrücke mit zu Protokoll nehmen.“ „WAS?“, kreischte Umbridge, der damit gehörig ihre Maske verrutschte, wie Hermione zufrieden feststellte.
„Das ist doch eine Farce! Es gibt keine Anträge für eine Zeugensprechung. Es gibt Regeln die. . .“ „Es sind lediglich Vorschriften. Im Endeffekt obliegt es uns, auf neue Einflüsse zu reagieren. Diese scheinen uns hier gegeben und so auch nur zu offensichtlich“, meinte ein anderes Mitglied und sah letztlich zu den Sechs.
„Wären Sie bereit, Ihre Beobachtungen als offizielle Zeugen zu Protokoll zu geben?“, fragte man die Sechs, die sich kurz ratlos ansahen, dann aber einstimmig nickten. Es war eine Geste, die Hermione kaum fassen, geschweige denn verarbeiten konnte.
Ihr waren gerade, wie aus dem Nichts, nach Ernie, noch weitere Zeugen in die Hände gefallen, die sich einer nach dem anderen zu den Vorfällen äußerten. Zwar hatten sie, außer Alicia und Oliver, Draco nicht direkt vor der Nase gehabt, sein so auffälliger Blondschopf war allerdings ein nur zu deutliches Erkennungsmerkmal, was dem Gremium offensichtlich als Beweis genügte.
Eine Stunde später waren die Sechs durch und Umbridge ein Hochdruckkessel, der kurz vor seiner Entladung stand. Zwar zierte ihre Mimik noch immer ein Lächeln, dieses war jedoch zum zerreißen gespannt. Ihre Lippen waren fest aufeinandergepresst, während ihre Erscheinung nur so bebte vor Zorn.
„Nun gut. . .“, begann Tiberius und ließ den Blick über das Protokoll schweifen, das um einiges umfangreicher und überraschender ausgefallen war, als sie alle es erwartet hatten.
„Es ist wirklich erstaunlich, wie sich die Dinge in diesem Verfahren bisher entwickelt haben. Ich muss zugeben, mit einer solchen Fülle an Informationen und Begebenheiten, hatten wir nicht gerechnet. Was die kämpferischen Aktivitäten in Hogwarts betrifft, so scheint uns dieser Punkt, mehr als deutlich geklärt. Oder haben Sie noch etwas vorzubringen, Mrs. Umbridge?“, maß Tiberius sie streng. Es war unschwer zu erkennen, dass er keinerlei verfälschte Aussagen ihrerseits mehr dulden würde.
„Nein“, presste Umbridge hervor, legte dann aber den Kopf schief und meinte: „Allerdings schwebt der Tatbestand des versuchten Mordes noch immer im Raum.“ „Ich denke, Miss Bell hat sich diesbezüglich deutlich genug geäußert“, mischte sich Griselda dazwischen. Umbridge lächelte jedoch süffisant, sodass Hermione erneut eine leichte Panik befiel, denn sie ahnte, welchen Joker Umbridge vorhatte zu präsentieren. Damit glitt ihr Blick die Ränge hinauf. Und zwar direkt zu Ron.
Dessen Gesicht war inzwischen zu einer unergründlichen Maske aus Stein geworden. Hermione konnte keine einzelne Regung in diesem deuten. Dennoch versuchte sie, ihn mit Blicken irgendwie dazu zu bewegen, nichts Dummes zu tun. Nichts zu sagen, was Draco vielleicht doch noch das Genick brechen könnte.
„Miss Bell war nicht das einzige Opfer eines Attentates. Ich würde gern. . .“ Just in dem Moment ging die Tür zum Saal auf, in der drei Personen erschienen, die das Gremium für die dreiste Unterbrechung rügte.
„Wir sind hier mitten in einer Verhandlung! Wie können Sie. . .“ In dem Augenblick traten die Gestalten näher, sodass man sie erkannte. Als das der Fall war, wich der Unmut der Gremiumsmitglieder und machte stattdessen der Überraschung Platz.
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Ich habe diese Bücher für mich selbst geschrieben. Was passiert ist, ist ein Schock für mich. Ich dachte mir, dass die Bücher vielleicht drei Menschen gefallen werden, neben mir meiner Schwester und, vielleicht, meiner Tochter.