Mit wahnsinnigen Kopfschmerzen und einem extrem faden Geschmack im Mund, der eindeutig von zu viel Firewhiskey herrührte, öffnete Ron die blauen Augen und sah sich orientierungslos um. Er hatte keine Ahnung, wo er war, wie er hier hingekommen war, geschweige denn was überhaupt passiert war.
Sein erstes nüchternes Resümee war, dass er sich in einem Gästezimmer befand. Eines, was mal eine Renovierung vertragen könnte. Die Holzmöbel, bestehend aus einem kleinen runden Kaffeetisch, samt zwei dazugehörigen gepolsterten Stühlen und einer Kommode, hatten eindeutig schon bessere Zeiten gesehen. Ebenso der matt braune, abgetretene Teppich. Von dem Bett, in dem er lag, ganz zu schweigen. Die durchgelegene Matratze hatte seinem Rücken alles andere als gutgetan.
Was er dann allerdings noch neben sich entdeckte, ließ ihn für einen Moment an seiner Wahrnehmung zweifeln. Kurz darauf warf er rasch einen Blick unter die Decke, um sich seine dumpfe Vermutung bestätigt zu sehen. Er war nackt, genauso wie die Blondine, die noch immer friedlich neben ihm schlief.
„Scheiße“, zischte Ron leise und sah genauer nach dem Geschöpf, mit dem er gerade das Bett und offensichtlich auch eine heiße Nacht geteilt hatte, nahm er sich allein die Kleidungsstücke, die wild im Zimmer verstreut herumlagen. Als er seiner Bettgeschichte die Haare etwas aus dem Gesicht strich, klappte ihm endgültig der Kiefer runter, denn er hatte nicht irgendein fremdes Mädchen bei sich, sondern Lavender!
„Scheiße“, fluchte er erneut, bevor er versuchte, sich daran zu erinnern, wie um alles in der Welt das passiert war? Wie er mit ihr im Bett gelandet war?
Nur äußerst langsam und träge kamen die Eindrücke zurück. Malfoys verdammter Prozess. Seine Hermione, wie sie sich für das Frettchen ausgesprochen hatte, genauso Harry und seine Schwester. Überhaupt seine komplette Familie! Sie hatten nach der Verhandlung noch mit bei den Slytherins gestanden und mit ihnen geredet. Sie hatten nicht einmal bemerkt, dass er gegangen war. Keiner hatte von ihm Notiz genommen, bis auf Lavender.
Sie war ihm besorgt gefolgt, wo sie schließlich im Leaky Cauldron gelandet waren. Dort hatte er begonnen, sich bei ihr über die ganze Geschichte auszukotzen. Angefangen mit der Tatsache, dass seine Freunde ihn für die Schlangen verrieten. Genauso seine Familie.
Ja, er fühlte sich von Harry und vor allem von Hermione verraten. All die Jahre hatte er sie immer vor den Schlangen, besonders vor Malfoy, versucht zu beschützen und zu verteidigen. Und was war der Dank? Sie wechselte die Seiten und zog zu allem Überfluss Harry auch noch mit sich! Nicht nur ihn, sondern auch seine Familie und ihre Freunde. Sie hatten sich alle von ihren Gedanken anstecken und vergiften lassen, weil sie sonst immer Recht hatte.
Hier in dem Fall irrte sie sich aber. Es war immerhin Malfoy! Und der änderte sich nicht. Vorher würde die Hölle zufrieren. Doch das sah keiner. Sie waren alle zu weich und gutgläubig. Sie vertrauten zu sehr auf Hermiones und Harrys Meinung. Niemand würde auf ihn hören. Auf das dritte Rad am Wagen, was er seit jeher gewesen war.
Immer war es Harry, der im Vordergrund gestanden hatte. Der Held der ersten Stunde. Der Auserwählte, Weltenretter und Voldemort Bezwinger. Oder Hermione, mit ihrem Intellekt, mit dem sie für jedes Problem eine Lösung fand. Was hatte er gegen die Zwei schon groß aufzubieten?
Er war ein durchschnittlicher 08/15 Schüler. Er war ein 08/15 Sohn, der mit den Leistungen seiner fünf Brüder nicht mithalten konnte. Vier, korrigierte er sich in Gedanken bitter, was an den Tatsachen nichts änderte. Das einzige, was ihn in den Augen der Anderen etwas besonders gemacht hatte, war der Punkt, dass er von Anfang an mit Harry befreundet war. Er war es immerhin, der ihm die ganzen Gepflogenheiten der magischen Welt näher gebracht hatte, von denen er bis zur Einschulung überhaupt keine Ahnung gehabt hatte.
Verdammt, er war ihm immer ein treuer Freund gewesen! Er hatte doch auch seinen Beitrag zu allem geleistet. Er hatte Harry aus dem See gefischt, als das Medaillon gedroht hatte, ihn zu ertränken. Es war seine Idee, und nicht Hermiones, den Trinkpokal mit den Basiliskenzähnen zu zerstören, wofür sie ihn in der Kammer geküsst hatte. Und trotzdem. . . Trotzdem verrieten sie ihn jetzt alle wegen einer Schlange. DER Schlange! Einem dreckigen Death Eater, der nichts anderes getan hatte, als sie die ganzen Jahre zu schikanieren, seine Familie zu beleidigen und seine Freundin zu demütigen. Das war und blieb für ihn das Schlimmste. Dass Hermione, trotz all der Dinge, die das Frettchen ihr angetan hatte, plötzlich auf seiner Seite stand und irgendwo Trostpflaster für diesen Bastard spielte.
Als er daran dachte, dass sie gestern nach der Verhandlung vermutlich wieder zu dem Dämon in Menschengestalt gegangen war, um ihn zu trösten und aufzumuntern, kam ihm die Galle hoch. Genauso eine unbändige Wut.
Der Typ war wahrlich ein Dämon, der sich hinter einer scheinbar perfekten Fassade zu verstecken wusste. Malfoy war und blieb die Wurzel allen Übels. Seines ganz Persönlichen. Merlin allein wusste, was er nicht alles dafür geben würde, damit der Typ ein für allemal in der Versenkung verschwand. Dann würde sich alles mit der Zeit auch wieder normalisieren. Hermione würde endlich zur Vernunft kommen. Dann wäre alles so wie früher. Nicht nur wie früher, sondern besser! Der Krieg war schließlich vorbei. Sie mussten nicht mehr ihren Hals riskieren, sondern konnten ihr Leben und ihre neue Freiheit in vollen Zügen genießen. Dafür hatten sie doch all die Jahre gekämpft. Sie hatten nach allem ein bisschen Ruhe und Frieden verdammt nochmal verdient!
„Ronie. . .“, drang ein helles, schlaftrunkenes Stimmchen an sein Ohr und riss ihn damit aus seinen Gedanken. Als er neben sich sah, erkannte er mit leichtem Schrecken, dass Lavender wach wurde.
Verdammt, was sollte er ihr sagen? Sorry, aber ich war sturzbetrunken? Sie würde ihn nach Timbuktu fluchen. Überhaupt. Er hatte noch immer keine Ahnung, wie sie in einem Bett gelandet waren? Was da gestern bei ihm im Kopf abgelaufen war? Er wusste wirklich nur noch, dass er wegen Malfoy rumgemotzt und sich einen Firewhiskey nach dem anderen hintergekippt hatte. Wie bei Merlins verfluchter Unterhose waren sie sich dann so nah gekommen?
„Komm her“, murmelte Lavender noch immer schlaftrunken und legte dem Rotschopf eine Hand in den Nacken, über den sie ihn zu sich zog und in einen kurzen Kuss verwickelte.
„Das letzte Nacht war Wahnsinn“, säuselte sie verträumt, während sie ihn mit dunklen Augen musterte, die vor Verlangen glänzten. Sie wollte mehr, was sie schließlich dadurch zum Ausdruck brachte, dass sie ihn aufs Neue küsste. Und das diesmal um einiges Leidenschaftlicher. Sie zog ihn ganz zu sich und ließ ihre Hände über seinen trainierten Oberkörper wandern, bevor sie sich drehte und halb über ihm positionierte. Die Aussicht, die sie ihm dabei bot, brachte sein Blut unweigerlich in Wallung, welches zwangsläufig in tiefere Regionen schoss.
Sie nahm es grinsend zur Kenntnis und räkelte sich noch stärker auf seinem Schoß, ehe sie viele kleine Küsse auf seiner Brust verteilte. Kurz darauf arbeitete sie sich zu seinen Lippen vor, die sie hungrig in Beschlag nahm und mit seiner Zunge in einen heißen Kampf trat.
Ron wollte ihr zwar noch etwas sagen, nur verflüchtigen sich seine Worte und Gedanken immer schneller, je mehr sie ihn beanspruchte. Stattdessen gingen nun auch seine Hände auf Wanderschaft und erforschten aufs Neue ihren Körper, den er vor knapp zwei Jahren das erste Mal so intensiv erkundet hatte. Ihre Rundungen hatten seitdem an den richtigen Stellen sogar noch zugenommen. Ihr Busen war noch praller geworden, den er gleich genüsslich knetete, was ihr ein leises Stöhnen entlockte.
„Oh ja, Won-Won. Fester“, wies sie ihn an, was er sich nicht zweimal sagen ließ und schließlich ihre Nippel zwirbelte, bevor er an diesen leckte, sodass sie sich nach kürzester Zeit aufstellten. Er saugte daran und biss immer mal herzhaft hinein, was sie aufs Neue stöhnen ließ.
Dass sie es gerne etwas Deftiger und Härter hatte, hatte er im Sechsten schon herausgefunden. Und er fand es toll! Sie richtig anfassen und nehmen zu können, weshalb er ihr ordentlich in die Nippel zwickte, was sie quieken ließ. Dieser spitze Schrei weckte sein Hirn für eine winzige Sekunde jedoch auf, sodass er sich bewusst wurde, was er gerade veranstaltete.
„Lavender, ich. . .“ Zu mehr kam er allerdings nicht, da sie sich prompt zu ihm beugte und seine Lippen ein weiteres Mal gierig verschloss. Noch im gleichen Moment forderte sie seine Zunge zu einem neuen Kampf heraus, dem er sich nach kurzem Zögern bereitwillig ergab. Das leise Stimmchen in seinem Hinterkopf ignorierend, was ihm schon die ganze Zeit verzweifelt versuchte klarzumachen, dass das falsch war. Dass das alles falsch war.
Gegen den schwarzen Schatten, der sich wie aus dem Nichts in seinem Geist aufbaute, hatte das kleine Stimmchen jedoch keine Chance. Die dunkle Erscheinung verschluckte und erstickte jeglichen Laut und raunte Ron stattdessen andere Dinge zu. „Genieß es. Du hast es dir verdient. Sie versteht dich. Das hat sie dir gestern Abend gesagt.“ Ja, das hatte sie, gab er der dunklen Stimme Recht, als ihm langsam alles wieder einfiel.
Sie hatte ihn verstanden und bedauert, dass sich seine Freunde so verhielten und von ihm abwandten. Sie hatte ihn getröstet und schließlich angefangen ihn zu küssen. Damit hatte sie ein heißes Verlangen in ihm geweckt, weswegen sie sich ein Zimmer im Leaky Cauldron genommen hatten. Eines, in dem sie noch immer waren, und die Leidenschaft erneut drohte die Oberhand zu gewinnen. „Du machst einen riesen Fehler! Du machst es nur noch schlimmer!“, schrie ihm die kleine Stimme nochmal verzweifelt zu, die irgendwie so klang wie er selbst. Wie er als Kind geklungen hatte. Unschuldig, gutmütig, etwas naiv aber dennoch entschlossen. Jemand, der zu seinen Freunden stand, egal was war. „Das hier ist kein Fehler. Du hast nichts falsch gemacht. Du hast dir nichts vorzuwerfen“, raunte die dunkle Stimme dem jedoch tief dazwischen, der sich Ron erneut hingab. Nein, er hatte nichts falsch gemacht. Er hatte immer auf der richtigen Seite gestanden. Immer! „Ja, das hast du. Lass dich von ihnen nicht einlullen und manipulieren. Harry und Hermione irren sich. Sie wissen nicht, was sie tun. Sie lassen sich leichtfertig täuschen, aber so dumm bist du nicht. Du weißt, was Malfoy ist und immer sein wird. Er steht auf der dunklen Seite. Er ist ein Monster. Ein Dämon, vor dem du Harry und Hermione beschützen und retten musst“, flüsterte die Stimme weiter.
„Ja“, kam es Ron daraufhin zustimmend über die Lippen, als Lavender seine Brust küsste. Diese ging fälschlicherweise von einer anderen Bestätigung aus, die sie verzückt Lächeln ließ. „Gefällt dir das, Ronie?“, hauchte sie verboten lüstern, worauf er ihr in die dunkel gewordenen Augen sah. „Sie will dich. Lass dich verwöhnen. Nimm dir, was dir zusteht. Du hast dir ein bisschen Glückseligkeit verdient“, echote ihm die kalte Stimme erneut in den Ohren nach, worauf sich auf seine Züge ein breites Grinsen stahl.
Als die Blonde es registrierte, wurde ihres noch verruchter. Kurz darauf verschwand ihr zerwühlter Haarschopf unter der Decke in Richtung seines Lendenbereichs, wo sie sich einer ganz bestimmten Stelle widmete, was ihn ungeahnt nach Luft schnappen und die Hände in die Laken krallen ließen.
„Oh, Merlin“, stöhnte er heiser und legte den Kopf in den Nacken, je intensiver sie ihn mit dem Mund verwöhnte und damit sämtliche Gedanken vertrieb. Die Gedanken, an das Monster Namens Malfoy, ebenso an seine Freunde, von denen er sich verraten fühlte. Den Gedanken daran, dass Hermione drohte ihm gänzlich den Rücken zuzukehren. Allen voran aber den Gedanken, dass sein Tun und Handeln Jetzt und Hier, genauso falsch war, wie auch sonst sein ganzes Verhalten.
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Es waren ein paar weiche, lockige Haare, die ihn leicht in der Nase kitzelten und letztlich weckten. Als er die müden grauen Augen aufschlug, sah er in der ersten Sekunde nur einen völlig zerwühlten, braunen Haarschopf, der etwas von einem explodierten Kopfkissen hatte.
Als er diesen mit einer Hand glättete und die wilden Strähnen beiseite strich, kam das dazugehörige Gesicht zum Vorschein. Dieses zauberte ihm zwangsläufig ein mildes Lächeln auf die Lippen, ebenso wie es ihm das Innerste angenehm wärmte.
Es war die simple Tatsache, dass sie noch da war, fest an seine Brust gekuschelt neben ihm lag und friedlich schlief. Es war eine Position und Nähe, die er zuletzt im Cottage in Frankreich hatte genießen können, wenngleich ihm die Situation jetzt 1’000-mal lieber war, denn im Gegensatz zu der Nacht damals, ging es ihr jetzt gut. Sie war unverletzt, gesund und allen voran in Sicherheit, da dieses Monster und auch sonst die ganzen Bastarde weg waren, die ihr ein Leid getan hatten.
Mehr noch, denn er hatte seit gestern Abend die endgültige Gewissheit, dass sie ihrer beider Vergangenheit hinter sich lassen konnte oder sogar schon hinter sich gelassen hatte. Dass sie ihn nicht mehr hasste und verachtete.
Es war eine Gewissheit, die ihn auf der einen Seite unbeschreiblich glücklich machte. Auf der anderen sah er es als quälend an, da er auch weiter nicht wusste, ob ihm die Welt die Möglichkeit ließ, mehr aus dieser Freundschaft zu machen? Ob es ihm das Schicksal vergönnte zu leben? Richtig zu leben? In Freiheit? Ob er sein Versprechen halten konnte, sie zu einem schönen Dinner einzuladen? Merlin allein wusste, wie sehr er sich diese Dinge wünschte und danach sehnte. Nach einem normalen Leben und ihrer Gesellschaft. Für den Anfang begnügte er sich allerdings mit dem, was der Augenblick ihm schenkte.
So ließ er seine Hand durch ihren Schopf wandern und brachte nebenher ihre wüste Haarpracht wieder ein wenig in Ordnung. Es war ihm schon ein bisschen seltsam, was für einen beruhigenden Effekt diese einfache Geste auf ihn hatte. Liegt vielleicht auch an der dazugehörigen Person, gestand er sich schmunzelnd ein, hielt dann jedoch schlagartig inne, als sie sich in seinen Armen regte und leise murmelte. Mist, fluchte er. Er hatte sie nicht wecken, sondern diese Nähe noch etwas länger halten und genießen wollen. Was sie dann aber machte, überraschte ihn und ließ ihn diebisch grinsen, denn sie zog sich, offensichtlich doch noch schlafend, mehr zu ihm. Sie kuschelte sich ein bisschen stärker an seine Brust und legte eine ihrer Hände auf seine Schulter, an der sie sich festhielt. Am Ende murmelte sie nur noch irgendetwas Unverständliches vor sich hin, bevor erneut vollkommene Ruhe unter ihnen einkehrte.
Als er sich sicher war, dass sie tatsächlich schlief, ging er wieder seinem persönlichen, kleinen Bedürfnis nach, ihr durch den Wuschelkopf zu streichen und sie etwas zu kraulen. Im Anschluss glitt seine Hand ein Stückchen tiefer, mit der er ihr leicht über den Nacken und Rücken strich.
Dass ihr diese Gesten gefielen und gut taten, konnte er recht deutlich an ihrer Mimik erkennen. Ihre Lippen verzogen sich dabei immer Mal zu einem kleinen Schmunzeln. Dieses veranlasste ihn dazu, noch ein bisschen weiter zu gehen und ihr einen sanften, federleichten Kuss auf die Stirn zu hauchen. Mit den Lippen strich er weiter, wie in einem Streicheln, darüber und hauchte ihr letztlich noch einen zärtlichen Kuss auf die Schläfe. Am Ende kuschelte er sich ergeben, zufrieden und auch irgendwie tief glücklich, in ihren Schopf.
So wie es jetzt war, er hätte sonst was dafür gegeben, diesen Moment in der Zeit zu bannen. Festzuhalten in der Ewigkeit, fernab der kalten Realität, die da draußen auf ihn lauerte. Jetzt und Hier war nichts davon zu spüren. Jetzt und Hier zählte nur seine Existenz, wie auch die der kleinen Gryffindor Hexe, nach der er sich so sehr verzehrte. Nach ihrem Lächeln, ihren Augen, ihrer Nähe und damit ihrer Wärme.
Er hatte noch nie etwas in einer derartigen Intensität gewollt, wie dieses Mädchen und das machte ihm auf einer gewissen Ebene genauso große Angst. Er wusste, dass er sie wollte. Verdammt, er konnte sich eine Welt ohne diese besserwisserische, dickköpfige aber allen voran liebenswerte Hexe nicht vorstellen. Und genau das war es, was ihm diese Furcht bescherte. Dieses Existenzielle. Hätte Bellatrix oder einer der Anderen sie im Manor ermordet, er wäre Amok gelaufen und hätte, ohne Rücksicht auf Verluste und jedwede Konsequenz für sich, ein Blutbad angerichtet. Angefangen bei ihrem Mörder.
Es war ihm immer wieder aufs Neue unbegreiflich, wie eine einzelne Person auf eine andere so eine Wirkung haben konnte? Wie es sein konnte, dass man aufgrund dessen die eigene Existenz und Sicherheit, dem der Anderen unterordnete?
Dieses Gefühl der Zuneigung, Liebe, war schon eine seltsame Reaktion. Er hatte irgendwo mal gelesen, dass Liebe die schwierige Erkenntnis war, dass jemand anderes, als man selbst, real ist. Es war verrückt aber es stimmte.
Diese Erkenntnis hatte ihn damals wie ein Vorschlaghammer getroffen, als er für eine quälende Ewigkeit, die im Grunde kaum mehr als ein, zwei Minuten gewesen war, davon ausgegangen war, sie wäre tot. Als er geglaubt hatte, nie mehr in ihre vor Wut funkelnden rehbraunen Augen sehen zu können, wenn er sie mal wieder geärgert hatte. Sie nicht mehr lachen sehen zu können, wenn sie am Gryffindortisch saß. Sie nicht mehr beobachten zu können, wenn sie in der Bibliothek konzentriert über einem ihrer Bücher brütete, eine ihrer Haarsträhnen gedankenverloren um den Finger wickelte und etwas auf ihrer Unterlippe herumkaute. Es war ihm, als würde seine Welt plötzlich in einem Scherbenhaufen liegen, den nichts und niemand mehr kitten konnte. Dann aber hatte sich der Scherbenhaufen auf ungeahnte Weise von selbst wieder zusammengesetzt, als er erkannt hatte, dass er sich geirrt hatte. Dass ihr nichts fehlte, sie lebte und atmete.
Er hatte sich in der Sekunde schwerelos gefühlt. Als wäre alle Last von ihm abgefallen, was dafür gesorgt hatte, dass sich ein seltsam erleichtertes Lächeln auf seine Züge gestohlen hatte. Merlin sei Dank, hatte das damals bis auf Blaise und Charlie niemand bemerkt. Seither hatte es Blaise aber nicht mehr lassen können, ihn permanent grinsend damit aufzuziehen und es ihm genüsslich unter die Nase zu reiben, dass er sich in die kleine Gryffindor verliebt hatte.
Zwar hatte er seinen Freund immer wieder angeknurrt, dass er einen Dachschaden hätte, nur hatte er es seitdem selbst nicht mehr verleugnen können. Und damit war die Furcht von Tag zu Tag mächtiger geworden, sich zu verraten. Angst, was passieren könnte, wenn die falschen Leute auch nur ansatzweise davon Wind bekamen. Lucius hätte ihn vermutlich halb tot geflucht. Vorher hätte er aber 100%ig dafür gesorgt, dass der Grund für diese, in seinen Augen, blutsverräterische Schande, vom Angesicht dieser Welt verschwand.
Allein auf die Vorstellung suchte sich ein eisiger Schauer einen Weg durch seinen Körper, der dafür sorgte, dass er den kleinen, warmen Körper fest zu sich zog, um sich damit zu beruhigen. Mit der Gewissheit, dass sie hier war. Hier bei ihm. Dass ihre Gestalt warm war, sie atmete, ihr Herz schlug und ihr auch sonst nichts fehlte. Dass es ihr gut ging und vor allem auch weiterhin gut gehen würde, denn der ganze Horror der letzten Jahre war endgültig vorbei. Zumindest für sie, was ihm ein Trost war. Die Tatsache, dass er sich keine Sorgen mehr um ihre Sicherheit und ihr Leben machen musste.
Schließlich legte er den Kopf wieder gänzlich an den ihren und hauchte ihr einen weiteren kleinen Kuss auf die Schläfe. Am Ende schloss er die Augen, um vielleicht auch noch ein bisschen zu schlafen, denn er fühlte sich trotz allem noch immer recht matt. Seine kleine Hexe hielt er dabei weiter fest in den Armen.
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Schon als mir zum ersten Mal klar wurde, dass Bücher von Menschen geschrieben werden und nicht einfach so auf Bäumen wachsen, stand für mich fest, dass ich genau das machen wollte.