Was im Verborgenen liegt - Ein kleines Stück Normalität
von Alex2303
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Er konnte nicht aufhören. Er konnte bei dem Anblick absolut nicht aufhören breit zu grinsen. Nicht einmal, als Charlie ihm genervt den Ellenbogen in die Seite stieß. Selbst dann grinste Blaise weiter. Um damit aufzuhören, dafür fand er das Bild vor sich einfach zu süß.
Diesmal hatte er auch eine Kamera dabei, um den Augenblick für die Ewigkeit zu bannen. Das hatte noch den angenehmen Nebeneffekt, dass er Draco damit aufziehen konnte. Mehr noch, denn er konnte ihn mit dem Material erpressen und allen voran Druck machen.
Für den Moment begnügte er sich allerdings damit, seinen blonden Freund zufrieden zu mustern der, soweit er das erkennen konnte, einen doch recht seligen Gesichtsausdruck hatte. Er schien seit langem wirklich mal richtig gut zu schlafen, was zweifellos der Anwesenheit der kleinen Gryffindor geschuldet war. Genauso der Tatsache, dass sie unglaublich verschmust in Dracos Armen lag.
Es war ein Bild, was einem Außenstehenden eigentlich nur einen Eindruck vermittelte. Nämlich den, eines verliebten Pärchens. Ob es nun an dem war, war eine Frage, die Blaise seit gestern urgewaltig unter den Nägeln brannte. Ob sein Freund die Karten auf den Tisch gelegt, oder ob er wegen des Damoklesschwerts, was noch immer unheilvoll über ihm schwebte, weiter geschwiegen hatte. Was auch immer nun aber war, eines war sicher. Nämlich, dass sich die Beiden ganz offensichtlich einen gewaltigen Schritt näher gekommen waren.
Dass Draco diesen Schritt, aus was für Gründen auch immer, vielleicht wieder zurück machte, würde er nicht zulassen. Diesmal nicht. Er würde nicht mehr dulden, dass er dem Leben, und damit dem Glück, erneut aus dem Weg ging. Er würde seinen Freund vorwärts treiben und zwar mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, bis er hatte, was er sich wünschte und in Blaise’ Augen auch mehr als verdiente.
Für den Moment aber. . . Nun, für den Moment betrachtete er auch weiter neckisch das schlafende Paar, das irgendwann zum Mittag allmählich wach wurde. Angefangen mit Hermione, die sich noch immer recht schlaftrunken in Dracos Armen rekelte. Nichts ahnend, dass sie mit dem Blonden nicht mehr alleine war.
Sie streckte sich ein wenig und blinzelte schließlich den Rest Schlaf weg, bevor sie ihre Konzentration auf den Slytherin legte, mit dem sie die Nacht, wie auch ein Bett geteilt hatte. Das zweite Mal, wie sie mit einem Schmunzeln resümierte. Diesmal hatte sie aber keinen Feind im Bett, wie sie damals für sich gedacht hatte, sondern einen Freund. Nach diesem sah sie gleich näher und rappelte sich vorsichtig in seinen Armen auf, um ihn nicht unnötig zu wecken. Auf ihre nur zu deutliche Bewegung, konnte Blaise sich jedoch nicht mehr beherrschen.
„Na Prinzessin? Gut geschlafen?“ Beim Klang der Stimme des frechen Slytherins, fuhr sie wie geschlagen zusammen und drehte sich hektisch zu ihm um. Dabei verlagerte sie ihr Gewicht etwas ungeschickt, was den Blonden, neben ihrem verschreckten, „Blaise!“ ebenfalls weckte. Besagte Schlange grinste auch weiter diebisch.
„Hab ich euch zwei Süßen geweckt?“, neckte er sie alles andere als bedauernd. Sein Grinsen reichte inzwischen auch schon von einem Ohr zum anderen.
„Zabini, du blödes Arschloch!“, zischte Draco genervt, wie auch völlig verschlafen. Dabei fuhr sich kurz mit der Hand über das Gesicht und die Augen, um den Schlaf zu vertreiben. Die andere Hand hatte er noch immer um Hermione geschlungen, sodass sie nicht aus dem Bett kam. Nur, dass sie das immer mehr wollte, als Blaise die nächste Spitze schoss.
„Darf man dem jungen Paar zur Verlobung oder Ähnlichem gratulieren?“ „BLAISE!“, fauchte Draco daraufhin gefährlich und funkelte seinen Freund warnend, mit bedrohlich dunklen Augen an. Diese sagen nur zu deutlich: Halt die Schnauze, sodass Blaise seufzte. Sturer Esel!, dachte er und war sich ziemlich sicher, dass der Blonde die beiden Worte nur zu klar vernommen hatte.
Er hatte ihr also wieder nichts gesagt. Aber wunderte ihn das? Wenn er ehrlich war, nicht wirklich. Wahrscheinlich würde er es am Ende sein, der Hermione reinen Wein einschenkte. Vorerst hielt er allerdings die Klappe. Wenn die ganze Geschichte vorbei war, so viel hatte er Draco versprochen. Wenn er nicht mehr diese Ungewissheit über sich schweben hatte. Bis dahin würde Blaise die Füße stillhalten. Dann aber. . . Dann Gnade ihm Merlin, wenn er dann nicht endlich die Zähne auseinander machte.
Es war eine Drohung, die sich deutlich in Blaise’ Blick widerspiegelte. Eine, die Draco offensichtlich auch verstanden hatte, denn er seufzte etwas und nickte kaum merklich. Im Anschluss fiel sein Blick auf Hermione, die sich mittlerweile soweit aufgerappelt hatte und nun mehr auf der Bettkante saß. Und das peinlich berührt, aufgrund der Situation, wo sie recht kleinlaut mit Blaise und Charlie schimpfte.
„Warum habt ihr mich nicht geweckt?“ Dafür erntete sie ein anzügliches Grinsen von Blaise. „Ich konnte nicht. Ihr habt beide sooo schön geschlafen. Es wäre ein Verbrechen gewesen, euch da zu stören“, meinte er neckisch, was sie rot werden ließ, während Draco genervt die Augen verdrehte. Blaise hatte ihm zwar versprochen die Klappe zu halten, nicht aber seine Spitzen zu reduzieren.
„Davon abgesehen hast du Ruhe gebraucht“, mischte sich Charlie dazwischen, um die Situation zu entschärfen. Denn so wie Draco guckte, da hatte Charlie keine Zweifel daran, dass er Blaise beim nächsten falschen Kommentar anspringen würde. Schließlich konzentrierte er sich wieder auf Hermione.
„Scheint dir auch ganz gutgetan zu haben. Du siehst nicht mehr so blass aus“, meinte er mit einem Schmunzeln, was ihr noch mehr die Röte in die Wangen trieb. Am Ende fiel ihr Blick auf Draco, der auch gleich lächelte, als sie ihn ansah.
Es war dieses warme Lächeln, was er ihr schon ein paar Mal entgegengebracht hatte. Es war dasselbe Lächeln, was damals im Cottage dafür gesorgt hatte, dass sie begonnen hatte, ihm zu vertrauen. So sehr, dass es ihr am Ende noch eine Schlange zum Freund geschaffen hatte. Ausgerechnet ihn! Allerdings. . . Warum auch nicht?
Schließlich erwiderte sie sein Lächeln und bedauerte irgendwo im Hinterkopf, die freche Störung durch Blaise. Sie hätte gerne noch etwas in Ruhe mit ihm geredet. Aber dafür war später auch noch Zeit. Jetzt hingegen. . . Sie hatte wahnsinnigen Hunger und wollte endlich aus den unbequemen Sachen raus. Und duschen! Merlin, sie brauchte eine Dusche, schon allein um das Chaos auf ihrem Kopf wenigstens halbwegs in Ordnung zu bringen.
„Ich verschwinde erstmal“, murmelte sie, was Blaise gleich protestieren ließ. „Wieso?“ „Wieso? Ich seh aus wie ein zerrupftes Huhn! Außerdem will ich aus den Klamotten raus, unter die Dusche und vor allem etwas essen“, erklärte sie ihm. Nur einen Augenblick später grinste er durchtrieben.
„Eine Dusche hast du hier. Und Klamotten. . .“ Damit wurde sein Grinsen noch diebischer, als er den Kopf zur Seite neigte, dem sie folgte und so eine kleine Reisetasche entdeckte. Diese nahm sie sich verwirrt und linste kurz hinein, wo ihr in der Tat ein paar frische Sachen ins Auge stachen. Ganz besonders die tiefrote Spitzenunterwäsche, weshalb sie die Tasche gleich peinlich berührt verschloss, bevor sie Blaise anfauchte.
„Ich hoffe für dich, du hast die nicht gepackt! Ansonsten schwöre ich dir, ist dein Kopf beim nächsten Quidditchspiel der Quaffel!“ „Huh, sind wir heute wieder kratzbürstig. Hat unser Kleiner seine Finger nicht von dir lassen können?“, witzelte Blaise und kriegte, in Ermangelung eines besseren Wurfgeschosses, Dracos Kissen mit voller Wucht ins Gesicht.
„Jetzt sag noch, ich hab Recht?“, sah er feixend zu seinem Freund, der ordentlich schnaubte. „Sei froh, dass ich noch nicht richtig hoch komme, ansonsten wär es meine Faust und nicht das Kissen gewesen!“ „Man, ihr versteht auch gar keinen Spaß“, maulte er und klärte die Geschichte schließlich auf, indem er wieder zu Hermione sah die, mit hochrotem Kopf, noch auf dem Bett hockte.
„Ginny hat ein paar Klamotten für dich zusammengesucht. Ich schwöre, ich hab keine Ahnung, was der kleine Teufel zusammengepackt hat und ich war auch ganz sicher nicht in deiner Wäsche.“ „Das will ich dir auch geraten haben!“ „Hey! Ich hab nicht so eine Perversion! Ich guck mir sexy Unterwäsche lieber an einem lebendigen, sexy Körper an“, grinste er lasziv, wofür Hermione ihm die Faust gegen in die Seite donnerte. Und das recht energisch, denn er verzog für einen Moment schmerzlich das Gesicht, bevor er doch wieder grinste „Mehr!“ und schließlich lachte.
„Du bist und bleibst ein hohler Schwachkopf!“, giftete Draco, den Blaise nur blöd angrinste. „Ja, ich hab euch zwei auch lieb. Und deswegen. . .“, zog er Hermione hoch und dirigierte sie mitsamt der Tasche ins Bad. „Gehst du jetzt erstmal schön duschen, Charlie und ich besorgen euch etwas zum Mittag und dann reden wir noch kurz. Es gibt da nämlich etwas, das dürfte euch interessieren.“ „Was?“, sah Hermione ihn nun wieder aufmerksam an. Blaise schüttelte jedoch mit dem Kopf.
„Erst duschen, dann essen, dann reden. Oder willst du, das ich mitkomme?“, grinste er diebisch und hatte damit schneller als gedacht die Tür vor der Nase. „Heißt das Nein?“, rief er noch immer lachend und gesellte sich letztlich zu Draco, dem Charlie kurz mit dem Kissen half.
„Du kannst es auch nicht lassen, oder?“, zischte Draco noch immer. „Nein. Ich hab dir damals auch gesagt warum. Und wo wir gerade dabei sind. . . Wie nennt sich die neue Konstellation zwischen euch denn jetzt, nicht das ich mich mal ganz zufällig aus Versehen irgendwie verplapper?“, höhnte Blaise und stellte zufrieden fest, dass an Dracos Stirn gefährlich eine Ader pochte.
„Na?“, bohrte er, worauf sein Freund unverständliches Zeug nuschelte, sodass er sich mehr zu ihm beugte. „Ich hab dich nicht verstanden, Malfoy. Was war das?“, triezte er ihn, sodass Draco lauthals resignierte.
„Merlin nochmal, du kannst einem echt den letzten Nerv rauben. Wir sind . . . sind zu dem Schluss gekommen, dass wir irgendwie so etwas wie . . . wie Freunde sind.“ „So etwas wie Freunde, hm? Glückwunsch. Das hättest du schon in Arizona haben können, dann wärst du jetzt weiter“, bohrte Blaise in der Wunde, worauf Draco entnervt „Halt einfach die Schnauze“ murrte und sich die schmerzenden Schläfen massierte, sodass sich Charlie nun doch mal dazwischen klinkte.
„Hör endlich auf und lass ihn in Ruhe. Jetzt im Nachhinein wieder damit anzufangen, bringt nichts mehr. Davon abgesehen ist er noch lange nicht wieder auf der Höhe, um sich wie gewohnt mit dir zu streiten. Lass uns erstmal in der Kantine etwas zu Essen holen. Danach könnt ihr euren Ehekrach fortsetzen“, sah Charlie nun doch gewitzt zu Draco, der lediglich mit den Augen rollte, womit die Beiden an der Tür waren.
Dort rief Blaise nochmal lautstark: „Und komm ja nicht auf die Idee, Hermione beim Duschen zu beobachten!“ Mit diesem Wortlaut huschte der Dunkelhaarige rasch aus dem Zimmer, als das Kissen erneut geflogen kam, diesmal aber nur die Tür anstatt seines Kopfes traf.
„Irgendwann, Zabini. Irgendwann dreh ich dir nochmal den Hals um“, murrte Draco und musste vorerst ohne Kissen auskommen. Nach gut einer Viertelstunde ging allerdings die Tür zum Bad auf, aus dem die Gryffindor trat und so um ein Haar über das Kissen gestolpert wäre. Sie nahm es sich stirnrunzelnd und ging schließlich zu Draco, der sie interessiert musterte und nicht leugnen konnte, dass das Miniwiesel einen exzellenten modischen Geschmack hatte.
Hermione steckte in ein paar tief dunkelgrauen Röhrenjeans, die ihre schlanken Beine richtig gut zur Geltung brachten. Oben rum trug sie ein weinrotes, eng anliegendes Shirt mit V-Ausschnitt, der keinesfalls zu viel preisgab, auf der anderen Seite aber zwangsläufig die Phantasie weckte, wie es wohl darunter aussehen könnte. Ihre Haare fielen ihr offen, in inzwischen wieder weicheren Locken, über den Rücken, die ihre ganze Gestalt nur noch mehr umschmeichelten. Er kam einmal mehr nicht umhin festzustellen, wie hübsch sie eigentlich war. Eine Sache, der sie sich nach wie vor offensichtlich nicht bewusst war, so unschlüssig wie sie schaute. Schüchtern.
„Was?“, fragte sie verunsichert, aufgrund seines Blickes, womit ihm jetzt erst vermehrt klar wurde, dass er sie anstarrte.
„Ah. . . Nichts. Ich. . . Du siehst toll aus“, kriegte er dann doch noch irgendwie raus, was sie zart rot werden ließ. „So etwas aus deinem Munde?“ „Was? Soll ich lieber lügen?“, schaute er beleidigt, sodass sie gleich einlenkte.
„Nein. Es ist nur etwas . . . ungewohnt von dir etwas Nettes zu hören“, gestand sie ihm, was jedoch dafür sorgte, dass er eine Augenbraue, Slytherin like, hochzog, weshalb sie verunsichert auf das Kissen in ihren Händen blickte.
„Reizend. Dann stell dir für den Anfang doch einfach vor, ich wäre Blaise.“ Daraufhin sah sie ihn wieder direkt an und begann laut zu lachen.
„Der war gut. Du und Blaise, ihr seid wie Tag und Nacht. Zumindest äußerlich. Da müsstest du schon Vielsafttrank nehmen, damit die Vorstellung funktioniert.“ „Lass mal. Das Zeug schmeckt widerlich.“ „Ich weiß“, grinste sie, als sie an ihre Erfahrungen mit dem Gebräu zurückdachte. Crouch musste sich damals im Vierten doch zur Gänze seine Geschmacksknospen weggeätzt haben, da er den Trank ständig hatte schlucken müssen, um sich nicht zu verraten.
Schließlich sah sie auf das Kissen in ihren Händen und fragte einfach nur „Blaise?“, worauf er nickte und sie dieses zurück an seinen Platz legte, damit er sich richtig hinlegen konnte.
„Du hast ihn doch garantiert gehört.“ „Hab ich“, schmunzelte sie und nahm neben ihm auf der Bettkante Platz. „Ich frag mich manchmal echt, was in seinem Kopf vor sich geht?“ „Uh. . . Das willst du nicht wirklich wissen, glaub mir. Jede Menge schmutzige Wäsche, wenn du verstehst, was ich meine?“, grinste er lasziv, was sie wieder lachen ließ, bevor sie abwehrend die Hände hob.
„Okay. Keine Details, bitte. Ich hab so schon eine ziemlich lebhafte Phantasie.“ „Tatsächlich?“ „Auch wenn es unglaublich klingt, aber ja. Ich habe eine recht blühende Phantasie. Manchmal mehr als mir lieb ist.“ „Lass mich mal raten. Deswegen versinkst du auch so sehr in deinen Büchern?“ „Ähm. . . Ja“, gab sie verlegen zu und wartete auf etwas Spöttisches. Nur kam, anders als gewohnt, auch jetzt nichts in der Richtung. Stattdessen lächelte er wieder. Schon irgendwie wissend.
„Kenn ich.“ „Was?“, stutzte sie und sah ihn an. „Das Gefühl, alles um sich herum zu vergessen und mit allen Sinnen tief in ein gutes Buch einzutauchen, welches einen die Realität vergessen lässt.“ „Okay. Ich gebe zu, ich bin überrascht.“ „Was? Dass ich auch gerne mal ein gutes Buch lese?“ „Könnte man sagen. Ja. Bei deinem Gestänker dachte ich eigentlich immer, du nimmst maximal ein Lehrbuch in die Hand.“ „Nur weil ich dich, zum Schein, möchte ich nochmal betonen, immer damit aufgezogen habe, heißt das nicht, dass ich nicht auch gerne lese. Du weißt sehr vieles nicht von mir, kleine Gryffindor.“ „Na dann klär mich mal auf“, forderte sie mit einem kecken Schmunzeln, was etwas Lauerndes in seinem Blick weckte.
„Was möchtest du denn wissen?“ „Och, ich weiß nicht. Was sind denn deine Lieblingsbücher?“ Daraufhin guckte er sie gespielt enttäuscht an.
„Ich muss sagen, ich bin enttäuscht. Da lass ich dir die ungeheure Möglichkeit mich alles zu fragen, was du wissen willst und du entscheidest dich für Bücher?“ „Nun, ich dachte mir, ich fang mit etwas Unverfänglichem an. Zu den schlüpfrigen Sachen können wir später ja noch übergehen“, grinste sie diebisch, in was er einstimmte und ihr stattdessen ihre, seiner Meinung nach, uninteressanten Fragen beantwortete.
Angefangen bei Büchern, die er gerne las, ebenso Autoren. Sein Lieblingsfach, Zaubertränke, was sollte es auch anderes sein? Über sein Lieblingsessen und die Süßigkeiten, wo sie dann doch mal stutzte, da sie nicht erwartet hatte, dass er so einen breit gefächerten Geschmack hatte.
Sie fragte ihn alles Mögliche, was ihr einfiel, was nicht selten eher belanglose und oberflächliche Sachen waren. Sie wollte einfach nicht riskieren, dass die Stimmung kippte, wenn sie ihm eine Frage über die Dinge stellte, die sie wirklich interessierten. Nämlich was genau hinter der Malfoyschen Scheinfassade vor sich gegangen war? Fragen, über seine Familie. Genauso, wie es für ihn war, unter Voldemort und den ganzen anderen Death Eatern leben zu müssen? Immer mit der Angst vor Augen, aus einer Laune dieses Monsters heraus, den Tod zu finden.
Sie wusste, dass er nicht darüber reden wollte. Das hatte sie bereits gemerkt, als sie sich ihre Notizen für die Verhandlung gemacht hatte. Sie hatte da nur das Nötigste aus ihm herausbekommen. Nicht selten hatten Blaise und Charlie stattdessen ein paar Bröckchen fallen lassen, wenn er partout nicht den Mund aufmachen wollte.
So begnügte sie sich fürs Erste mit den Standardfragen, die man jemandem stellte, um ihn besser kennenzulernen. Da fiel man ja auch nicht mit der Tür ins Haus, und fragte nach den dunklen Familiengeheimnissen und ob es irgendwo im Keller eine Leiche zu finden gab?
Draco gab ihr die ganze Zeit auch brav Antwort, in seinen Augen konnte sie allerdings deutlich erkennen, dass er wusste, dass ihr ganz andere Dinge unter den Nägeln brannten. Jedoch machte er keine Anstalten, diese Themen von sich aus anzusprechen, sondern schien ihr eher dankbar dafür, dass sie den Anstand hatte, ihn damit nicht zu bedrängen.
Mit allem, was sie so von ihm erfuhr, kam sie nicht umhin festzustellen, dass er einen exzellenten Geschmack hatte, kulturell sehr versiert war, aber auch Spaß verstand. Allerdings galt das wohl als eine Grundvoraussetzung, war man mit Blaise befreundet.
Am Ende waren diese oberflächlichen Dinge dann doch recht interessant und informativ. Sie hatte damit vermehrt die Möglichkeit, sich ein genaueres Bild von ihm zu machen. Und dieses war ihr, das konnte sie beim besten Willen nicht leugnen, äußerst sympathisch.
Gestört wurde ihr kleines Frage-Antwort-Spiel irgendwann durch Blaise und Charlie, die mit dem angedrohten Mittagessen kamen. Als Hermione zufällig auf die Uhr blickte, zog sie skeptisch die Augenbrauen kraus, denn die Beiden waren annähernd eine Stunde weg. So lange brauchte man doch nicht, um etwas zu Essen zu besorgen?
„Wart ihr erst noch in Indien, die passenden Gewürze holen?“, warf sie Blaise neckisch zu, der bereits grinste. „Ich bin davon ausgegangen, dass du vielleicht etwas länger im Bad brauchst. Zur Not hätte ich dir eine helfende Hand gereicht.“ „Die du dann vermutlich recht schnell los gewesen wärst“, kommentierte Charlie trocken, als er sein Tablett mit Hilfe eines Beistelltischchens vor Draco auf dem Bett platzierte, während Blaise der Löwin ihr verspätetes Mittagessen reichte.
Nach dem Essen zauberte Blaise noch ein paar Zeitungen und Zeitschriften aus seiner Tasche, die sich unter anderem als der Daily Prophet, die Witch Weekly und der Quibbler entpuppten. Als Hermione die Blätter sah, bekam sie große Augen, was Blaise neckisch grinsen ließ.
„Dacht ich’s mir doch, dass du die lesen willst. Mit welcher willst du anfangen?“ „Wenn du schon so fragst, den Daily Prophet. Die haben doch garantiert wieder bloß die Hälfte geschrieben.“ „Das und auch nur das, was sie für interessant hielten“, bestätigte Blaise ihr und reichte ihr das Blatt. Den Quibbler gab er Draco mit einem Grinsen.
„Ich gehe doch stark davon aus, dass du wissen willst, was genau gesagt wurde? Der alte Lovegood hat alles eigentlich genau so niedergeschrieben, wie es passiert ist. Zumindest deckt sich sein Artikel zu 95% mit dem, was gesagt wurde“, erklärte Blaise, als beide bereits halb in ihrer jeweiligen Lektüre versunken waren.
Hermione knirschte beizeiten mit den Zähnen, wo sich Blaise denken konnte warum. Der ganze Bericht war mal wieder recht zweideutig geschrieben. Dabei ließ er zudem jede Menge offene Fragen und Gedanken an den Leser zurück, wohingegen der Quibbler eher ein ebenbürtiges Protokoll der Verhandlung war. Eines, was Draco dann aber entsetzt schnauben ließ.
„Jones hat was?!“ Auf seinen Aufschrei sahen die Drei verwundert zu ihm. Dracos graue Augen taxierten Hermione jedoch durchdringend, die in der ersten Sekunde nicht wusste, was er nun schon wieder hatte?
„Was ist los?“ „Was los ist? Warum hast du nicht gesagt, dass Jones dich angegriffen hat?“ Daraufhin biss sie sich kurz auf die Zunge und wollte es schließlich als Lappalie abtun.
„Es war nichts weiter. Sie. . .“ „Nichts weiter? Diese gestörte Ziege greift dich mit dem Unverzeihlichen an und du sagst allen Ernstes: Es war nichts weiter?“, schaukelte er sich hoch und knallte die Zeitung energisch neben sich. In der Zwischenzeit hatten seine Atmung und der Herzschlag gefährlich angezogen, was man überdeutlich sah, denn er zitterte vor Anspannung. Er verfiel immer stärker eine Keuchatmung, was dafür sorgte, dass Hermione versuchte, ihn wieder zu beruhigen.
„Es war wirklich nichts. Sie hatte gar keine richtige Gelegenheit mich. . .“ „Erzähl mir keinen Scheiß! Du. . .“ Zu mehr kam er nicht, da ihm ohne Vorwarnung ein heißer Stich durch den Körper ging, der seinen Kopf vor Schmerz explodieren ließ. Sein Herz wurde scheinbar in Fetzen gerissen, während es ihm die Luft abschnürte.
Er verfiel immer stärker in eine hektische, gequälte Keuchatmung und krampfte die rechte Hand energisch in das Krankenhemd, in dem irrationalen Glauben, den Schmerz in seiner Brust dadurch ersticken zu können.
„Scheiße, Draco!“, zischte Blaise, den Charlie sofort raus jagte „Hol Paps!“, während Hermione versuchte, den Blonden zu beruhigen. Fürs Erste zwang sie ihn aber wieder mehr in sein Kissen und sprach ihm gut zu.
„Schschsch. Ganz ruhig. Es ist alles okay. Wirklich. Ganz ruhig atmen, hörst du? Tief durchatmen“, hielt sie ihn an, doch er keuchte weiter schwer, rollte sich zur Seite und krümmte sich unter Schmerzen zusammen.
„Draco!“, rief Charlie eindringlich nach ihm und murmelte schließlich ein paar Zauber, unter denen Draco ein gepresstes „Scheiße“ hervorbrachte, als er versuchte, sich gegen den Schmerz in seiner Brust aufzulehnen und diesen niederzuringen. Ebenso den Schwindel und die dunklen Schatten, die ihn drohten zu übermannen. Erfolglos. Das Dunkel brach stärker und schneller über ihn herein, als ihm lieb war und raubte ihm nur etwas später zur Gänze die Sinne.
„Draco? Hey!“, schlug Charlie ihm auf die Wange, um ihn wieder wach zu bekommen. Doch er war weg und blieb weg, sodass Hermione verunsichert zu Charlie sah.
„Was hat er?“ „Keine Ahnung“, murmelte Charlie und schaute näher nach seinem blassen Freund, der auch weiter recht schwer atmete. Sein Puls raste und das zudem noch in asynchronen Schlägen, was Charlie dazu veranlasste, ihn erneut anzusprechen.
„Draco? Hörst du mich? Komm, wach auf!“ In dem Moment ging die Tür auf. In dieser stand Daniel, der rasch ans Bett trat und dabei fragte: „Was ist passiert?“, bevor sein Blick über Draco glitt, nach dem er sofort sah, während Charlie meinte: „Keine Ahnung. Wir haben uns nur unterhalten. Er hat sich dann aber etwas aufgeregt und auf einmal angefangen zu keuchen. Er schien plötzlich ziemlich starke Schmerzen zu haben.“ „Hm“, murmelte Daniel ernst, sprach ein paar Zauber und flößte Draco schließlich einen Trank ein, ehe er ihn behutsam zurück ins Kissen gleiten ließ und die Decke zurecht legte. Als er zu Charlie schaute, fielen ihm die Zeitungen ins Auge.
„Habt ihr euch über den Prozess unterhalten?“, bohrte Daniel, der es im Grunde ahnte, noch bevor sein Sohn zustimmend nickte. Kurz darauf fiel Charlie mit gestochen scharfer Klarheit wieder ein, was Draco so aufgeregt hatte.
Zwar hatte der alte Lovegood diesen recht unschönen Teil der Verhandlung mit Jones nicht so ausgewalzt, wie die Witch Weekly oder schlimmer noch, der Daily Prophet. Dennoch war auch er ein bisschen näher auf diese Thematik eingegangen. Drama halt. Und das war offensichtlich Grund genug für Draco, um sich aufzuregen.
Wenn Charlie jedoch ehrlich war, konnte er es auch verstehen, denn sein Freund war nun mal nicht anwesend. Andernfalls hätte er gesehen, dass es tatsächlich nur eine Sache von ein paar Sekunden gewesen war, bis man die gestörte Ziege überwältigt hatte. Schließlich fiel sein Blick auf Hermione, die Draco schuldig, aber auch sehr nachdenklich musterte. Am Ende legte sie ihre Konzentration auf Daniel.
„Was ist mit ihm?“ „Hm? Ein zu hoher Stressfaktor. Ich hab euch gestern nicht umsonst gesagt, dass er nach wie vor Ruhe braucht“, maß er die Freunde ungehalten, bevor er noch anfügte: „Einige der Flüche wirken noch immer nach. Besonders auf sein Herz. Mein Befund, ihn nicht an der Verhandlung teilnehmen zu lassen, beruhte in zweiter Hinsicht wirklich nur auf deiner Idee, wegen des fehlenden Antrags. Er hätte das so oder so keine sieben, acht Stunden durchgehalten. Er ist noch nicht so weit, auch wenn ihm auf den ersten Blick nichts zu fehlen scheint. Macht euch das nochmal bewusst, wenn ihr das nächste Mal mit ihm sprecht!“, mahnte Daniel und scheuchte die Drei, unter leisem Protest, aus dem Zimmer, über welches er noch einen Zauber legte. Dieser verwehrte Unbefugten den Zutritt und ließ ihm zeitgleich ein Signal zukommen, wenn es dennoch jemand versuchte.
So trennten sich die Freunde vorerst, wo Hermione sich nur noch um die Sache mit dem Antrag für den Hausarrest kümmerte. Im Anschluss apparierte sie in den Fuchsbau, da sie die Einsamkeit der eigenen vier Wände nur erschlagen hätte. Überhaupt. . .
Sie wollte nicht allein sein. Sie wollte nicht diese Ruhe haben, um über irgendetwas nachzudenken. Am allerwenigsten über die Vorfälle im März im Manor. Es war ihr ja schon mehr als genug, wenn sie sich nachts mit diesen Dingen rumschlagen musste. Da wollte sie diese Dämonen am Tage nicht auch noch in ihrem Kopf haben.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Ich glaube nicht an Hexerei.
Joanne K. Rowling