Kaum am Fuchsbau angekommen, wurde die Hexe auch gleich herzlich von Molly begrüßt und fest in die Arme geschlossen, sodass die kräftige Frau drohte sie zu erdrücken.
„Hermione, Liebes. Schön das du da bist“, lächelte Molly, was ihre Ziehtochter erwiderte. „Harry und Ginny sind draußen, falls du zu ihnen willst?“ „Ich wollte gerade fragen“, lächelte die Brünette und folgte Mollys Wink in den Garten, wo sie die Beiden, nahe dem Teich, auf einer Decke entdeckte.
„Na ihr zwei.“ „Na du eine“, grinste Ginny gegen die Sonne und hielt sich schließlich die Hand über die Augen, um ihre Freundin besser erkennen zu können, die sich neben ihnen platzierte.
„Und? Was hat Malfoy zu allem gesagt?“, fiel Ginny gleich mit der Tür ins Haus. „In Bezug auf was?“ „Alles.“ „Hm. Na ja, er konnte es am Anfang nicht so richtig glauben, dass sich doch so viele für ihn ausgesprochen haben. Besonders du“, sah sie zu Harry, der kurz perplex schaute, bevor er ihr wieder aufmerksam lauschte, während sich Hermione eine vorwitzige Haarsträhne hinters Ohr strich.
„Er war tatsächlich der festen Ansicht, dass ihr es begrüßen würdet, wenn er in Azkaban zugrunde geht. Er meinte, es wäre . . . normal“, sprach sie es mit einem leichten Schaudern aus, sodass es Harry kurz schüttelte. Hermione meinte derweil weiter: „Als ich ihm soweit alles erklärt hab, da. . . Er war wirklich ehrlich dankbar für alles und teils auch total verblüfft. Unter anderem auch, dass Katie ihm aus der Sache mit der Halskette keinen Strick gedreht und sogar noch zu seinen Gunsten etwas geflunkert hat. Das konnte er überhaupt nicht begreifen“, schmunzelte Hermione wieder, als sie sein leicht dümmlich dreinblickendes Gesicht nochmal deutlich vor Augen hatte. Ginny guckte in dem Moment ähnlich verdattert.
„Was hat der bitte für ein verschrobenes Bild von uns?“ „Das Gleiche, wie wir von ihm“, gab Hermione ihr leicht spitz zurück, worauf sie schnaubte: „Ist ja auch berechtigter! Immerhin sind wir hier die Guten gewesen.“ „Die Dinge sind nicht immer, wie sie scheinen. Böse ist nicht gleich Böse, wenn ich dich an Blaise und Charlie erinnern darf?“, warf Hermione ihr erneut spitz zu, worauf sie ergeben nickte und einsilbig „Ja, ja“ nuschelte, während Harry ihren Worten etwas mehr nachhing. Schließlich stellte er eine Frage, die Hermione verblüffte.
„Und wie geht’s ihm jetzt?“ Daraufhin sah sie ihn kurz so an, als hätte sie das Monster von Loch Ness vor sich, bevor tief in ihrem Hinterkopf eine kleine Hermione breit zu lächeln begann.
„Ähm. . . Soweit eigentlich gut, nur. . .“ „Was?“, bohrte Ginny und rückte näher zu ihr auf. „Er hatte vorhin allerdings einen kleinen Rückfall.“ „Rückfall?“, wiederholte Ginny skeptisch und zog verwirrt eine Augenbraue hoch.
„Was genau weiß ich nicht, nur. . . Er hatte sich wegen des Artikels im Quibbler ziemlich aufgeregt und ist deshalb wieder zusammengebrochen. Daniel meinte, ihm hängen noch einige der Flüche nach. Dass die noch immer auf ihn wirken, auch wenn seine Verletzungen soweit verheilt sind.“ „Weswegen hat er sich überhaupt aufgeregt?“, wunderte sich Harry. „Soweit ich den Artikel von Xenophilius richtig gelesen habe, lief doch alles durchweg glatt. War ihm wohl nicht glatt genug?“, vermutete Harry mit leisem Argwohn, den Hermione zu zerstreuen musste.
„In einer Sache nicht. Nein. Er hat sich wegen Megans Angriff auf mich so sehr aufgeregt.“ „Wie jetzt?“, stutzte Harry erneut. Und auch Ginny sah überrascht zu ihrer Freundin, bevor sie sich wieder an die ganzen anderen Dinge erinnerte, die sie ebenfalls von ihm gesehen hatte. Mit alldem kam sie nicht umhin, mit einem kleinen Grinsen mit dem Kopf zu schütteln, während Hermione Harry näher aufklärte.
„Ich denke, du hast den Artikel gelesen? Er hat sich meinetwegen so aufgeregt. Weil sie mich angegriffen und etwas verletzt hat.“ „Warum sollte er sich deswegen. . .“, stockte Harry und biss sich ordentlich auf die Zunge. Im nächsten Moment schaute er recht verlegen drein, bevor er versuchte, sich aus der unverhofft peinlichen Situation zu winden.
„Also. . . Ich mein. . . Klar war das Scheiße. Als Molly uns davon erzählt hat, war ich ja selber auf 180. Das war wirklich das Allerletzte aber . . . uhm. . . Warum sollte sich Malfoy so sehr darüber aufregen?“ „Warum nicht?“, stellte Ginny überraschenderweise eine Gegenfrage, noch bevor Hermione dazu kam. Stattdessen sah sie erstaunt zu ihrer Freundin, ehe sie Harry erneut in Augenschein nahm.
„Er ist nicht dieses gefühlskalte Arschloch. Oder wie erklärst du dir sonst alles, was er, seit der Flucht aus dem Manor, getan hat?“, fragte sie ruhig. Harry schwieg jedoch nachdenklich, sodass Hermione etwas tiefer Luft holte, bevor sie meinte: „Mit all diesen Dingen, da. . . Nun. . . Ich hab mich mit ihm . . . ausgesprochen, könnte man sagen.“ „Ausgesprochen?“, maß Harry sie skeptisch. Hermione nickte.
„Ja, und. . . Er meinte, er hätte eigentlich nie wirklich ein Problem mit mir gehabt. Dass da nur. . . Na ja, dass da eben die Sache mit. . . Dass er halt nicht nett zu mir sein durfte, wegen seines Umfeldes und allem. Ich weiß ja auch wie es mit Blaise und Charlie war und. . . Draco hat doch auch darüber Bescheid gewusst, dass die Beiden sich mit uns treffen. Es war ihm egal. Er hat die Zwei dafür nie an den Pranger gestellt. Und mir und Ginny haben sie die ganzen Jahre über ja auch immer ein Ohr abgekaut, dass er nicht so wäre, wie wir ihn sehen, von daher. . .“ „Vertraust du ihm?“, lehnte sich Harry plötzlich gefährlich zu ihr, worauf sie ihn kurz nachdenklich ansah, bevor sie nickte.
„Eigentlich schon, ja. Nach allem was war. . . Hogwarts, die Sache in Arizona, dass er mit mir geflüchtet ist, da. . .“, brach sie ab, worauf Harry brummelnd nickte, was sie unsicher stimmte.
„Sei nicht sauer deswegen, aber ich denke, dass es richtig ist. Ich bin mir sicher, dass er das alles ernst meint. Weil. . . Du warst im Schloss doch dabei. Er hat dort selber Kopf und Kragen riskiert, um es zu beenden und uns zu helfen. Er hätte das doch nie getan, wenn er es nicht selbst auch gewollt hätte. Ich glaube, dass das Gesicht, was er uns da gezeigt hat, mehr seinem Eigentlichen entspricht.“ „Möglich nur. . . Hermione, das ist trotzdem ‘ne ganz schön harte Nuss zu verdauen. Also. . . Na ja, Malfoy und nett, das passt für mich noch immer nicht wirklich zusammen. Die Sache mit Zabini und Harper war ja schon ein Ding für sich. Und. . .“, brach er ab, seufzte und fuhr sich kurz durch die zerzausten, schwarzen Haare. Schließlich nahm er seine Brille ab und drückte die Nasenwurzel etwas zusammen, um den Knoten in seinem Hirn zu lösen. Selbst wenn Malfoy nichts machte, bereitete der Typ ihm Kopfschmerzen.
„Vielleicht solltest du euch auch nochmal eine Chance geben“, meinte Hermione ruhig, worauf er sich die Brille wieder aufsetzte und seine Freundin zweifelnd musterte.
„Ich und Malfoy?“ „Irgendwann!“, schob sie schnell ein, da ihm deutlich ins Gesicht geschrieben stand, dass er von ihrem Gedanken im Augenblick nicht wirklich angetan war. Von daher beschloss sie, ihm fürs Erste auch nichts davon zu erzählen, dass sie und Draco sich eine Freundschaft zugestanden hatten.
Als sie an den vergangenen Abend dachte, musste sie unweigerlich warm lächeln. Es hatte sich gut und seltsam richtig angefühlt. Sie hatte sich bei dem Blonden außerordentlich wohl gefühlt. Es war schon erstaunlich, wie sich die Dinge manchmal ändern und entwickeln konnten. Schließlich sah sie zurück auf Harry.
„Ich denke, Draco würde sich im Moment, auf den Gedanken, sich mit dir auszusprechen, auch ein bisschen schwer tun. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass der alte Malfoy, so wie wir ihn die ganzen Jahre über gesehen haben, nicht mehr da ist. Ich kann’s mir nach allem einfach nicht mehr vorstellen.“ „Na ja. . .“, blieb Harry unschlüssig, was Hermione seufzen ließ. Am Ende mahnte sie sich an, Harry die Zeit zu lassen, die er brauchte, um sich mit der Tatsache anzufreunden. Dass sie ihm diese lassen sollte, darum hatte er selbst ja vor kurzem auch gebeten.
„Sei trotzdem ein bisschen vorsichtig, Hermione. Ich will jetzt nichts heraufbeschwören oder alte Geschichten aufwärmen!“, meinte er rasch, als sie ihn leicht strafend maß.
„Es ist nur. . . Versteh mich nicht falsch. Aber es ist trotz allem noch Malfoy. Vertrau ihm nicht zu leichtfertig. Auch wenn du dir sicher bist, dass er sich so sehr geändert hat. Da. . . Du siehst einfach immer uneingeschränkt das Gute im Menschen und da. . . Ich will einfach nicht, dass er dir wehtut“, musterte Harry sie nun mit Sorge, sodass das kleine Wutwölkchen in ihr augenblicklich verrauchte und sie ihren Freund zu sich zog.
„Danke, aber. . . Du musst dir in der Richtung keine Gedanken machen. Wirklich. Ich pass schon auf mich auf. Und das mit Draco, da. . . Auch wenn es dir vielleicht leichtfertig erscheint, aber ich vertraue ihm. Ich vertraue darauf, dass er es wirklich ernst und ehrlich meint. Nach allem was war, denke ich, ist es kein Fehler, ihm etwas mehr Vertrauen entgegenzubringen. Ich mein. . . Was soll er denn noch alles tun, um sich zu beweisen? An der Vergangenheit kann er schließlich auch nichts ändern.“ „Sicher, nur. . . Pass trotzdem auf. Okay? Versprich mir das. Wenn er dir irgendwie blöd kommt oder so, dann lass es mich wissen, damit ich ihm den Arsch aufreißen kann“, meinte Harry ernst, was Hermione abermals seufzen ließ. Am Ende nickte sie ergeben und löste sich ganz von ihm. Dabei fiel ihr noch eine Person ins Auge, die sich mit langsamen, etwas trägen Schritten zu ihnen bewegte.
۩ ۞ ۩
Es war bereits später Nachmittag, als er es endlich geschafft hatte, sich aus Lavenders Gesellschaft zu lösen, wenngleich es ihm zeitweise doch schwerer gefallen war. Sie waren nicht wirklich aus dem Bett gekommen.
Merlin, diese Blondine war wahrlich unersättlich. Nicht unbedingt eine schlechte Eigenschaft. Wenn er nur nicht solche immensen Kopfschmerzen hätte, dann würden sie vermutlich jetzt noch die Laken zerwühlen.
Irgendwann musste aber auch das schönste Spiel sein Ende nehmen. Nicht zuletzt auch, da der Hexe eingefallen war, dass sie sich mit irgendeiner Freundin hatte treffen wollen. Shoppen oder so. Da war er ganz froh gewesen, sich abseilen zu können. Frauen und das Wörtchen Shoppen war zumeist eine tödliche Kombination, wähnte man sich als Mann in der Nähe.
Er wollte jetzt im Grunde eigentlich nur noch eins. Nämlich in sein höchst eigenes, persönliches Bett, um sich seinem Katerchen zu ergeben, in der Hoffnung, dieser würde sich dann endlich schleichen. Kaum in der Küche, wurde er allerdings gleich von seiner Mutter in Beschlag genommen.
„Ron! Sag mal, wo um alles in der Welt kommst du jetzt her? Und wie siehst du überhaupt aus?“ Ihre Stimme schwankte in diesen drei Sätzen von Überraschung, zu leichtem Ärger, der schließlich der Verwunderung und letztlich der Sorge wich.
„Hab mich bei ‘nem Freund verquatscht.“ „Die ganze Nacht? Merlin, ich hab dich gesucht!“, wich die Sorge nun wieder einem unterschwelligen Ärger, was ihn schnauben ließ.
„Man, Mom! Erstens bin ich volljährig und zweitens war es nur ein Abend. Davon abgesehen war ich das komplette letzte Jahr nicht da!“, erinnerte er seine Mutter eher ungewollt an ihre riskante, wie auch halsbrecherische Suche nach den Horcruxen, was Molly recht schweigsam stimmte.
„Tut mir leid“, rang er sich auf ihren gequälten Anblick dann noch heraus. Merlin, er wusste doch, warum sie so überfürsorglich reagierte. Du musst dich eindeutig wieder mehr zur Ruhe bringen, mahnte er sich selbst. Ruhe war im Augenblick allgemein ein sehr guter Gedanke.
„Ich leg mich oben hin“, meinte er schließlich. „Tu das, nur. . .“ „Was?“ „Harry, Ginny und Hermione sind draußen im Garten.“ „Hermione?!“, fuhr er plötzlich hellwach herum und sah seine Mutter überrascht an. Diese nickte.
„Ja. Vielleicht sagst du ihnen wenigstens kurz Hallo?“, rieb sie ihm unter die Nase, während der kleine Ron in seinem Kopf recht laut danach schrie, sich zu seinen Freunden zu setzen, um mit ihnen etwas zu reden. Schlafen konnte er später, weshalb er Mollys Aufforderung nachkam, aus der Küche trat und hinter das Haus schlich, wo er die Drei auf der Wiese entdeckte. Hermione hatte Harry da gerade die Arme umgelegt und nickte mit einem kleinen Lächeln irgendetwas ab.
Es war ein sanftes Lächeln, was ihm einen heißen Schauer durch den Körper schickte. Überhaupt ihre Erscheinung. Sie sah in dem Aufzug wahnsinnig scharf aus. Der Business Dress gestern hatte ihr allerdings auch gut gestanden. Das hatte irgendwie etwas Verbotenes an sich, was seine Phantasie kurzzeitig auf ungeahnte Weise angeregt hatte, bis ihm wieder klargeworden war, was der ganze Auftritt sollte. Malfoy!, schnaubte er leise und zerfetzte den Blonden in Gedanken. Zeitgleich meldete sich der kleine Ron erneut mit einem beinahe ohrenbetäubenden Gebrüll, was nicht gerade förderlich für seinen ohnehin schon schweren Kopf war. „Denk nicht mal dran!“ Ron verdrehte daraufhin die Augen und massierte sich ein wenig die hämmernden Schläfen. Scheiß Kater. Er hätte sich in der Diagon Alley besser noch einen Katertrank besorgt, anstatt gleich nach Hause zu apparieren. Nun war es zu spät, womit er etwas unsicher auf die Drei zutrat.
Mittlerweile hatte Hermione ihn bemerkt und blickte auf. In ihren Augen zuckte es leicht unruhig, was auch auf die blauen Rons zutraf. Er wusste nicht wirklich, was er sagen sollte, von daher kam nur ein verunglücktes „Hey“, dem sich Ginny und Harry dann auch gleich zuwandten.
„Ron. Wo warst du gestern Abend denn noch?“, begann Harry belanglos, da er keinen neuen Streit zwischen seinen Freunden provozieren wollte. Als er mit Ginny nach Frankreich verschwunden war, hatten die Zwei sich ja noch in der Wolle. Und wenn er Molly gestern richtig verstanden hatte, war ihr Disput wohl noch immer nicht beigelegt. Er hatte einfach keine Lust, erneut diese Spannungen zwischen den Beiden ertragen zu müssen, wie damals im Sechsten. Diese wochenlange Zankerei und das eisige Schweigen waren eine echte Belastungsprobe gewesen.
„Leaky Cauldron. Hab mich mit jemandem verquatscht“, gab Ron recht einsilbig von sich, den Blick auch weiter auf Hermione gerichtet, die sich sichtlich unwohl in seiner Gegenwart fühlte.
„Ich glaube, ich geh erstmal wieder“, murmelte sie leise zu Ginny und wollte aufstehen. Doch da hatte Harry sie bereits bei der Hand und zog sie mit einem harschen Ruck zurück auf die Decke. Als ihr Blick den seinen traf, sah sie nur zu deutlich eine leise Warnung in seinen Augen. Eine, die klipp und klar sagte, dass er sie nicht eher gehen ließ, bis sie sich mit Ron ausgesprochen hatte. Toll!, murrte sie innerlich. Das hatte die Male zuvor ja schon so gut geklappt! Am Ende rückte sie dennoch mehr zu Ginny, als Harry Ron deutete, sich zu ihnen zu setzen. Der Rotschopf zögerte auf den Wink kurz, nahm dann aber neben Harry Platz, sodass ein recht angespanntes Schweigen unter den vier jungen Leuten einkehrte. Eines, das Harry mit Mühe zu durchbrechen versuchte.
„Sagt mal, hat Kingsley auch schon mit euch gesprochen?“ „Weswegen?“, sah Hermione zu ihm. „Na ja, er hat doch letztens gemeint, dass er uns gerne im Ministerium anstellen wollte. Aurorenbüro und so.“ „Nein. Davon abgesehen hab ich dir bereits gesagt, dass ich nicht im Ministerium arbeiten will“, warf Hermione ein. „Ja, schon. Damals war Fudge aber noch Minister. Außerdem wolltest du dich doch immer für die Rechte anderer magischer Geschöpfe einsetzen? Oder was war S.P.E.W.?“, grinste Harry verschmitzt, worauf sie knallrot anlief, aufgrund ihres damals etwas kindischen Aktionismus’.
„Man, Harry. Das war in unserem vierten Jahr! Klar find ich es noch immer unmöglich, was mit den Hauselfen gemacht wird. Das damals war aber einfach . . . naiv“, gab sie zu, was Harry noch mehr grinsen ließ.
„Du gibst also zu, dass die Aktion ziemlich blöd war?“ „Die war nicht blöd!“, fauchte sie aufgebracht, doch er grinste weiter „Ach nein?“, worauf sie recht kleinlaut hinten anfügte: „Nur ein bisschen schlecht aufgezogen.“ „Du weißt es doch jetzt besser“, klinkte sich Ginny zwinkernd in die Diskussion mit ein, dem Harry nickend beipflichtete, während Ron seine Freundin unschlüssig, mehr noch nachdenklich musterte.
„Genau. Zudem hättest du Kingsley nun auf deiner Seite. Der wird dich bei deinen Vorhaben sicher unterstützen. Die Hauselfen sind ja nicht die einzigen magischen Geschöpfe. Denk mal an die Halbriesen, wie Hagrid.“ „Oder die Werwölfe, wie Remus!“, stimmte Ginny begeistert mit ein. „Firenze“, meinte Harry weiter. „Du könntest auch etwas für die Mugglegesetzgebung tun“, weitete Ginny das Feld aus, dem Harry mit einem Nicken zustimmte.
„Du hättest die Möglichkeit das zu ändern, was du gerne ändern wolltest.“ „Gleichberechtigung schaffen.“ „Kann ja sein. Nur hätte ich erstmal gerne eine Baustelle abgeschlossen“, nuschelte sie leise und biss sich prompt auf die Zunge. In der nächsten Sekunde wartete sie auf die Explosion des Vulkans Namens Ron. Doch es kam nichts. Er saß auch weiter ruhig, gedanklich offenbar etwas abwesend, zwischen ihnen.
Entweder, so dachte sie, hatte er nicht ganz verstanden, was sie mit ihrer Baustelle meinte. Oder er war allmählich doch zur Vernunft gekommen. Sie hoffte Letzteres, zumal er sich während der Verhandlung am Ende nicht irgendwie protestierend zu Wort gemeldet hatte, so wie Ernie und Alicia. Er hatte geschwiegen und zum Schluss ein ziemlich unergründliches Gesicht gemacht. War es möglich? Konnte sie darauf hoffen, dass er es endlich eingesehen hatte, so wie Harry?
„Uhm. . . Ron?“, richtete sie sich leise an ihn, worauf er blinzelte und verwundert zu ihr sah. Offensichtlich hatte sie ihn aus einem Tagtraum oder ähnlichem gerissen. Wollte sie es jetzt wirklich riskieren und mit ihm über die Sache reden? Es würde doch nur wieder in Streit ausarten.
„Harry und Ginny sind aber auch noch da“, flüsterte ihr dann allerdings ein kleines Stimmchen zu, was dafür sorgte, dass sie zu den Beiden sah. Falls es doch wieder so hässlich werden sollte, wie letztens bei ihr zu Hause, würden die Zwei, oder zumindest Ginny, sie vielleicht mit ihren Argumenten unterstützen.
„Kann ich dich mal kurz, . . . uhm. . .“, brach sie ab und deutete ihm, ein Stück mit ihr zu gehen. Kurz darauf standen die Beiden auf, wo ihr Blick für einen Moment den Harrys streifte, der lächelnd nickte. Stellte sich jetzt nur die Frage, wie anfangen, ohne, dass Ron gleich wieder an die Decke ging? Wie die Sache am diplomatischsten verpacken?
„Ich. . . Ich wollte mich bei dir bedanken“, begann sie schließlich. Vermutlich war es das Beste, die Angelegenheit etwas von hinten aufzudröseln, sodass er keinen Angriffspunkt fand. Für den Augenblick schien es auch zu funktionieren, denn er sah sie verwundert, mehr noch verwirrt an.
„Wes-Weswegen?“, fragte er und kratzte sich unschlüssig am Hinterkopf. Was hatte er denn bitte gemacht, dass sie ihm danken wollte? Sie hatten sich zuletzt doch nur noch gestritten. Davon abgesehen, fing sich auf ihre wenigen Worte bereits sein schlechtes Gewissen an zu melden, da er letzte Nacht und heute Morgen ausgiebig seinen Spaß mit Lavender gehabt hatte.
„Nun ja, dass du. . . Dass du zur Verhandlung nichts gesagt hast“, meinte sie schließlich, wo er kurz brauchte, um zu verstehen, auf was sie aus war. Als das der Fall war, kochte die Wut in ihm ohne Vorwarnung wieder hoch, da die rosa Kröte ihn nicht aufgerufen hatte und. . . „SEI STILL!“, schrie der kleine Ron in seinem Kopf beinahe ohrenbetäubend, was ihn schmerzlich blinzeln ließ. „Denk nicht einmal daran und hör ihr ein einziges, verdammtes mal zu, du blöder Arsch!“, schimpfte klein Ron weiter, sodass es ihm vermehrt in den Ohren klingelte und die dunkle Stimme vorerst keine Beachtung fand, die ihm bereits andere Sachen zu säuselte.
„Molly hat mir nach der Verhandlung gesagt, dass du auch eine Vorladung bekommen hast“, begann sie leise und strich sich fahrig eine Haarsträhne hinters Ohr, bevor sie weiter meinte: „Ich hab keine Ahnung, warum Umbridge dich dann doch nicht aufgerufen hat. Wahrscheinlich wollte sie sich nicht noch mehr blamieren, wenn noch einer ihrer Zeugen nicht so agiert wie geplant“, erklärte sie ihre Gedanken und kam nicht umhin, innerlich breit zu grinsen, als sie an Katie dachte. Nach außen blieb sie ruhig und ließ ihre Worte auch weiter fließen, in der Hoffnung, diesmal auf Verständnis zu stoßen. Immerhin hatte er die Geschichte nun im Ganzen gehört und vor allem auch gesehen, dass Andere sehr wohl dazu fähig waren, zu verzeihen. Allen voran Katie, die Draco mit ihrer kleinen Flunkerei sogar noch zusätzlich entlastet hatte. Diese hatte zum Schluss ja auch dazu geführt, dass die Übrigen über ihren Schatten gesprungen waren und sich ebenfalls zu Wort gemeldet hatten.
Scheinbar hatte das alles irgendwo in Ron nun doch etwas bewirkt, denn er blieb auch weiter still, was die Hexe zum weitersprechen animierte. Nichts ahnend, dass im Kopf ihres Freundes ein Kampf tobte, der ihn am Denken hinderte, weswegen er auch gar nicht wirklich hörte, was sie ihm sagte.
Stattdessen vernahm er seine kindliche Stimme, die ihm penetrant ein Ohr abkaute und versuchte, gegen die dunkle Stimme an ihn zu appellieren. Sie versuchte ihn verzweifelt daran zu hindern, etwas wegen Malfoy zu sagen, jedes Mal, da sich die Worte in seinem Geist formten. „Sei still, sei still, verdammt noch mal halt ein einziges Mal deine Klappe!“, schrie klein Ron, als er Hermione etwas in der Richtung, dass doch alle den Verstand verloren hätten, entgegensetzen wollte. „Hör auf mit ihr wegen Malfoy zu streiten. Sie hat doch Recht! Er hat mit euch gekämpft und sie und Ginny letztlich auch gerettet!“, flehte die Kinderstimme. Die kindliche Unschuld und Unbefangenheit, die ihm, zusammen mit sehr vielen anderen, durch die dunklen Jahre, wie auch den Krieg selbst, vorzeitig verlorengegangen war. Sie alle hatten viel zu schnell erwachsen werden und lebenswichtige Entscheidungen treffen müssen. Entscheidungen zwischen Leben und Tod.
Der mitunter aufregendste, unbefangenste Teil des Lebens, ihre Kindheit und Jugend, war zu einem Großteil von der Dunkelheit verzehrt und zerstört worden. Eine, die sich gefährlich in sein Herz geschlichen hatte und das Kind in ihm zum Schweigen bringen wollte, was sich nach einem harmonischen Miteinander mit seinen Freunden sehnte. „Malfoy ist eine Plage. Ein Dämon, der euch ins Verderben stürzen wird, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt! Und mit Hermione wird er anfangen. Sie ist zu gutgläubig. Zu warmherzig. Er wird ihr wehtun. Das musst du verhindern!“, raunte das Dunkel in seinem Kopf, dem er nickend beipflichtete. Es war eine Geste, die Hermione jedoch als Zustimmung auf ihre Worte sah und zu strahlen begann, in der irrigen Annahme, dass ihn die Einsicht nun doch allmählich ereilte, wie Harry, worauf sie ihm überglücklich in die Arme fiel.
„Danke, Ron. Ich bin so froh, dass du es verstehst“, meinte sie, was er absolut nicht kapierte. Er hatte keine Ahnung, was sie eben alles gesagt hatte, weshalb er nachfragen wollte, allerdings schrie der kleine Ron da bereits, sodass es ihm mächtig in den Ohren klingelte. „Frag nichts! Sag nichts! Halt die Klappe und nimm sie jetzt verdammt nochmal in die Arme!“ Es war eine Aufforderung, der er diesmal ohne weiteres gehorchte, denn es war etwas, was er schon so lange nicht mehr hatte tun können. Genauso etwas anderes, was nach und nach mehr in sein Bewusstsein kroch und damit die Nebelgestalten aus seinem Kopf vertrieb.
Stattdessen wuchs ein Wunsch in ihm. . . Ein Bedürfnis, das er gestillt haben wollte. Die passende Gelegenheit dazu bot sich ihm nur einen Augenblick später, als sie ihn wieder ansah. Ohne weiter an irgendetwas zu denken, außer seinen Wunsch zu erfüllen, senkte er den Kopf und legte seine Lippen fest auf ihre.
Sie waren furchtbar weich und samtig, was ihn nur einen Moment später zu mehr animierte. Er fuhr mit seiner Zunge über ihre Lippen und drängte um Einlass, den sie ihm, völlig überrumpelt von seiner Geste und Forschheit, widerstandslos gewährte. Kurz darauf erkundete seine Zunge gierig ihre Mundhöhle. Zwei, drei, vier, fünf Sekunden, bis sie ihre Überraschung verlor und sich peinlich berührt von ihm und seinem stürmischen Kuss befreite.
Auf ihren Wangen schimmerte inzwischen ein zartes Rot, mit dem sie ihn verlegen anschaute. Beinahe zeitgleich machte sich ein seltsam flaues Gefühl in ihrem Innern breit. Es waren keine Schmetterlinge oder dergleichen, denn die hatte sie zuletzt vor gut 1 ½ Jahren in sich gespürt. Das hier war . . . anders.
Natürlich ist es anders, du Huhn!, schallt sie sich nur einen Augenblick später. Es war ja auch ein Kuss von einem anderen Menschen. Würde sie Harry küssen, würde sich das auch ganz anders anfühlen. Blaise und Charlie das gleiche. Immerhin war jeder Mensch anders.
Allerdings konnte sie nicht leugnen, dass sie auf ein spezielles Gefühl in sich gehofft hatte, wenn sie Ron küsste. Doch da war absolut nicht der Eindruck, ein wenig den Boden unter den Füßen zu verlieren. Verlangen und dergleichen. Der Wunsch, es zu vertiefen, was sie letztlich darauf schob, dass sie wegen allem einfach noch zu gestresst war. Sie hatte ja noch immer keine Klarheit, was nun mit Draco war? Und das nagte an ihr. Mehr als sie geahnt hätte, womit sich ihre Gedanken erneut bei dem Blonden einfanden, während Ron sie auch weiter in den Armen hielt und seinen eigenen Gedanken in Sachen Malfoy nachhing.
Er würde nicht zulassen, dass der Typ ihr etwas antat. Er würde sich von dem Frettchen nicht übertölpeln lassen, indem er auf seine Spielchen einging. Er durfte nicht zulassen, dass die Schlange sie gegeneinander aufwiegelte und auseinander drängte. Alleine waren sie verwundbar. Aber zusammen. . . Zusammen hatten sie bis jetzt alles gepackt. Und das würde Malfoy auch noch zu spüren bekommen. Niemand drängte sich zwischen ihn, Hermione und Harry. Dafür würde er sorgen. „Du musst deine Freunde, Hermione, vor diesem Dämon in Menschengestalt beschützen“, raunte die dunkle Stimme tief, worauf er wieder etwas nickte und seine Freundin noch fester umschloss. Das werde ich. Egal wie, schwor er sich.
۩ ۞ ۩
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.