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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Was uns nicht umbringt macht uns stärker

von Alex2303

۩ ۞ ۩


„. . . Avada Kedavra.“ Es war bloß ein Hauch, fast ein Flüstern, dennoch gab es nur eine zehntel Sekunde später einen lauten Knall, dem mehrere panische Schreie und Gepolter folgten.
„DRACO!“, stieß Hermione entsetzt aus, als er mit dem Stuhl nach hinten kippte, genauso wie Blaise „DRAY!“, der mit Charlie regelrecht über den Tisch stürzte, um nach seinem Freund zu sehen, der auf dem Boden lag.
Die Gryffindor kniete neben ihm und versuchte verzweifelt, ihn anzusprechen. Dabei schossen ihr unkontrolliert dicke Tränen des Entsetzens aus den Augen. Diese schürten einen fürchterlich brennenden Schmerz in ihrem Innern, der für eine gefühlte Ewigkeit andauerte, die kaum mehr als zwei Sekunden war.
Diese brauchte es, bis Dracos Herz getrieben weiter hämmerte und so drohte, seiner Kehle zu entweichen. Er keuchte schwer und starrte geschockt an die Decke, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen, denn sein Verstand hatte gerade irgendwie einen Aussetzer. Zwar sah er Hermione, Blaise und Charlie, die sich zu ihm beugten und versuchten, ihn anzusprechen. So richtig kam aber nichts bei ihm an.
„HABEN SIE NOCH ALLE REISIGE IM BESEN SIE. . . SIE. . .“, keifte Blaise unsäglich wütend und deutete bedrohlich, mit einem tiefdunklen Feuer in den beinahe schwarz gewordenen Augen, mit dem Zauberstab auf das Gesicht seines Professors. Dieser hob entschuldigend die Hände.
„Es tut mir leid. Ich dachte nur, eine kleine Veranschaulichung meiner Erklärung wäre ganz hilfreich, um. . .“ „HILFREICH? SIND SIE NOCH GANZ DICHT?!“, donnerte Blaise ihm mit wildem Zauberstabgefuchtel dazwischen, während der Rest der Klasse, etwas unschlüssig obgleich dessen, was hier gerade passiert war, die Hälse reckte, um in die hinterste Reihe sehen zu können. Von dort hörten die Drei ihre Mitschüler tuscheln.
„. . . hat der Malfoy jetzt erledigt?“ „. . . lebt der noch?“ „. . . 100 Punkte für Dippet!“ „. . . geschieht ihm recht.“ „. . . Schade, scheint nicht geklappt zu haben“, und Ähnliches drang zu ihnen durch, was Hermione und Charlie gänzlich ignorierten. Stattdessen versuchten sie ihren Freund auch weiter irgendwie anzusprechen. Der kam nur langsam wieder zu sich und blinzelte ein- zweimal.
Damit wich die eben noch schier übermächtige Taubheit aus seinen Gliedern und überließ wieder anderen Gefühlen und Sinnen den Platz. Das Erste, was er verstärkt spürte, neben dem Blut, das donnernd durch seine Venen raste, war ein massives Stechen am Hinterkopf.
„Scheiße“, fluchte er in einem Keuchen, als er an die Stelle fasste und sich leicht zusammenrollte, was sich Charlie und Hermione unsicher besahen, während Blaise Dippet erneut ankeifte.
„WAS ZUR HÖLLE HABEN SIE MIT IHM GEMACHT?!“ Dabei schlugen bereits Funken aus seinem Zauberstab, was Ginny und Harry auf den Plan rief, die ihren ersten Schreck hinter sich gelassen hatten.
„Mach keinen Mist!“, warf Ginny dem Slytherin verschreckt zu und versuchte, seinen Arm runter zu drücken. Im gleichen Moment lehnte sich Harry hektisch über den Tisch, um nach den Anderen zu sehen.
Hermione und Charlie waren da auch weiter um Draco bemüht, dem, Merlin sei Dank, nichts Ernstes zu fehlen schien. Sie halfen ihm, sich etwas aufzusetzen, wobei er das Gesicht aufs Neue schmerzlich verzog und die rechte Hand fest gegen den Hinterkopf drückte.
„Geht’s?“, hauchte Hermione besorgt, aber auch unendlich erleichtert, als sie ihm beruhigend durch die Haare strich. Kurz darauf hielt sie jedoch inne, als sie dort etwas spürte, was nicht dahin gehörte. Als sie ihre Hand wieder zu sich nahm, sah sie sich ihre Ahnung bestätigt. Blut.
„Es tut mir wirklich leid. Ich wollte Sie nicht so erschrecken“, entschuldigte sich Dippet nochmal. Auf seinen Lippen lag allerdings ein leicht amüsiertes Lächeln, was Hermione, Charlie und allen voran Blaise zur Weißglut trieb, der erneut herumschrie.
„Was sind Sie eigentlich für ein gestörter Arsch? Sie haben eben versucht, ihn umzubringen, und tun so, als würden Sie bei einem netten Teekränzchen sitzen!?“ „Wenn ich eine derartige Absicht gehabt hätte, Mr. Zabini, dann hätte der Fluch auch seine Wirkung getan. Sie hätten mir richtig zuhören sollen. Ich. . .“ „ZUHÖREN? Ich geb Ihnen gleich was von wegen zuhören!“, giftete Blaise, während das gehässige Getuschel und Geläster in der Klasse allmählich lauter wurde. Dieses kam langsam auch in Dracos leicht vernebeltem Geist an, der nur noch einen Gedanken hatte. Und zwar raus. Weg. Weg von allem. Weg von diesen Irren. Dabei rappelte er sich schneller auf, als seine Freunde gedacht hätten.
„Draco!“, rief Hermione, als er Dippet energisch zur Seite stieß, an ihm vorbeirauschte und noch immer recht kopflos aus der Klasse verschwand, die ihm tuschelnd, teils schadenfroh grinsend und lachend, hinterher sah.
„Vielleicht doch etwas viel“, murmelte Dippet nachdenklich, während sein Blick aufmerksam durch die Klasse wanderte und so ziemlich jedes Gesicht sehr genau abtastete.
„ETWAS?“, keifte Blaise kurz darauf aufs Neue, sodass der Mann zu ihm und seinen Freunden sah, wo er sich noch etwas mehr von dem aufgebrachten Slytherin anhören musste.
„Ich kann Sie ja mal so verfluchen, Sie perverses Arschloch!“ „Blaise!“, zischte Ginny in einer leichten Schnappatmung, die Böses kommen sah. Dippet blieb aber erstaunlich gelassen. Ja er lächelte sogar recht milde, während sich Hermione aufrappelte, um Draco zu folgen, allerdings von ihrem Professor am Arm festgehalten wurde.
„Sie bleiben bitte hier“, meinte er ruhig. „Den Teufel werd ich!“, zischte sie und hielt ihm schließlich ihre blutige Hand vor die Nase.
„Er ist verletzt und das ist allein Ihre Schuld!“ Damit machte sie sich los und war keine fünf Sekunden später ebenfalls aus dem Zimmer raus.
„Hermione, warte!“, rief Charlie und eilte ihr nach, dicht gefolgt von Blaise der Dippet nochmal energisch gegen die Wand stieß. Dieser hielt die Drei nun auch nicht mehr zurück. Stattdessen wanderte sein Blick erneut durch die Klasse, die zum Großteil noch immer amüsiert über das Schauspiel grinste, während sich Ginny und Harry ratlose Blicke zuwarfen. Am Ende sah Harry vorwurfsvoll zu seinem Professor.
„War das wirklich nötig?“ „Komm schon, Harry“, tönte es aus der Reihen, noch bevor Dippet ihm antworten konnte. „War doch lustig.“ „Ja, genau.“ „Ist doch bloß Malfoy.“ „So einen Dämpfer hat der gebraucht.“ „Da weiß er gleich, wo er steht“, bekam Harry vermehrt von seinen Hauskameraden zu hören, was eine seltsame Wut in ihm weckte. Wut über die Tatsache, wie gleichgültig sie nach diesem grausamen Krieg, der so viele Opfer gefordert und so großes Leid über sie alle gebracht hatte, über ein Leben sprachen.
Sicher, es war Malfoy. Aber diese Zurschaustellung, seitens seines Professors, ging weit unter die Gürtellinie. Das war mehr als unnötig gewesen, zumal der Blonde ihnen letztlich auch mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen hatte.
„Lustig? LUSTIG!?“, schrie Harry das zweite Mal und sah aufgebracht in die Klasse. Dabei streifte sein Blick kurz die verbliebenen vier Schlangen, die den Eindruck erweckten, als hätte man sie genauso verflucht, was ihn noch wütender machte und er nun wirklich sauer seine Hauskameraden zusammenstauchte.
„Sagt mal, habt ihr sie noch alle!? Ich wüsste nicht, was an der Aktion lustig war!? Aber wenn ihr das so toll findet, könnte ich an euch ja auch mal so einen Versuch machen! Mal sehen, ob ihr das dann auch noch so amüsant findet!“, fauchte er, worauf einige ruhiger wurden, andere ätzten weiter.
„Merlin, ist doch nix passiert!“ „Leider“, murrte Ron leise und sah bissig zu Harry, der ihn seinerseits aufgebracht anfunkelte, aufgrund seiner Äußerung. Ginny tat es ihm gleich, und schoss kleine Giftpfeile auf ihren Bruder, der es gekonnt ignorierte.
„Genau!“ „Warum regst du dich überhaupt so auf?“ „Früher hättest du auch darüber gelacht!“, ertönte es maulend aus einer anderen Ecke, was das Feuer in Harrys sonst so gutmütigen grünen Augen nur noch mehr schürte.
„Denkt ihr wirklich ernsthaft, ich könnte über so etwas lachen? Ich hatte früher zwar auch meine Reibereien mit Malfoy, hätte ihm aber nie willentlich solchen Schaden zugefügt und mich dann vielleicht noch darüber amüsiert!“ „Und der Sectumsempra?“, warf Ron schnarrend, mit kaltem Blick ein, zu dem Harry wütend sah.
„Du weißt ganz genau, dass das damals keine Absicht war. Wenn ich gewusst hätte, wie dieser scheiß Fluch wirkt, hätte ich ihn nie an Malfoy ausprobiert!“, spie er Ron aufgebracht entgegen, der nur abfällig das Gesicht verzog und sich letztlich von Harry abwandte. Dippet versuchte unterdessen, Ruhe in die Klasse zu bringen.
„Herrschaften bitte. Ich denke, Ihre Diskussionen können Sie später noch weiterführen. Ich für meinen Teil würde gerne mit meinem eigentlichen Unterricht beginnen.“ Damit verschwand Dippet wieder an sein Pult, womit allmählich auch Ruhe einkehrte und er den Zauber erläuterte, den er seinen Schülern beibringen wollte. Nämlich den Patronus.

۩ ۞ ۩


„Draco?“, rief Hermione unentwegt nach dem Blonden, fand ihn jedoch nirgends. Er schien wie vom Erdboden verschluckt, obwohl er gar nicht so viel Vorsprung haben konnte. Eine Tatsache, die auch Blaise und Charlie erkennen mussten.
Sie hatten sich, kaum dass sie bei der Hexe waren, getrennt, um effektiver nach ihrem Freund suchen zu können. Dafür war das Schulhaus und umliegenden Gelände, aber viel zu groß und weitläufig. Er konnte sonst wo sein und damit auch sonst was anstellen.
Hermione hatte zudem die ungute Vermutung, dass er ganz weg war. Dass er sich hinter die Appariergrenzen des Schlosses begeben hatte und somit gänzlich außer Reichweite war. In dem Fall würde ihm das zum Verhängnis werden, sobald die entsprechenden Leute vom Ministerium Wind davon bekamen.
„Verdammt nochmal“, fluchte sie und rannte schließlich in Tonks hinein, die gerade um die Ecke kam. In der nächsten Sekunde landeten beide schmerzhaft auf dem Boden. Als die Punk Hexe aufblickte und die Löwin entdeckte, zog sie fragend die Augenbrauen kraus.
„Hey. Sag mal, müsstest du nicht im Unterricht sein?“, erkundigte sich die Aurorin und half der Gryffindor auf. Hermione stand dann noch gar nicht richtig, als sie mit der Tür ins Haus fiel.
„Draco ist weg!“ „Wie, weg?“ „Weg. Wir hatten Ärger im Unterricht und da. . . Er ist einfach verschwunden. Ich hab keine Ahnung wohin.“ „Wer weiß, wo er steckt. Er. . .“ „Du verstehst nicht!“, unterbrach Hermione Tonks und klärte sie mit knappen Worten auf, worauf Tonks der Kiefer runter klappte.
„Ernsthaft?“ „Ja. Verstehst du mich jetzt? Er war total neben sich. Es würde mich da nicht mal wundern, wenn er vielleicht ganz abgehauen ist.“ „Er weiß, dass er dann gewaltigen Ärger bekommt.“ „Ja. Nur wird er das in der Verfassung absolut nicht sehen.“ „Mist“, fluchte Tonks.
„Wo warst du schon alles?“, ließ sich die Aurorin ihre Wege erklären, bevor sie ihr beim Suchen half.

۩ ۞ ۩


Kaum aus der Klasse raus, stürzte Draco plan- und ziellos durch’s Schloss. Er stolperte durch Gänge, Seitenarme, andere Flügel, die Treppen hoch und runter, hin und wieder auch noch durch einen intakten Geheimgang, der ihn irgendwo anders im Schloss wieder ausspuckte, sodass er stellenweise wirklich nicht mehr wusste, wo er war.
Im Grunde war es ihm auch egal. Es war ihm egal, wohin er lief. Er wollte nur weg. Weg von alldem. All diesen Arschlöchern. Irgendwohin, wo sie ihm nicht folgen konnten. Wo er seine Ruhe hatte und ihn niemand angreifen konnte und würde. Wo er Schutz fand.
Letztlich, scheinbar nach Stunden, landete er vor einer der unzähligen kalten Steinwände, die ihm dennoch so vertraut war, wie sein Spiegelbild. Kurz darauf legte er die flache Hand auf das kühle Gestein und strich mit den Fingerspitzen einige der Furchen im Mauerwerk nach.
Auch wenn er sich nicht immer wohl hinter diesen Mauern gefühlt hatte, so waren sie ihm trotz allem sechs lange Jahre eine Zuflucht gewesen. Es war ein kleiner Teil des Schlosses, den er mehr als Zuhause ansah, als sonst etwas. So auch jetzt.
„Cordis Conversio“, murmelte er und kam nicht ganz umhin, ein wenig schwach zu lächeln, aufgrund des Passwortes. Veränderung des Herzens. McGonagall wollte offensichtlich nichts dem Zufall überlassen. Allerdings blieb die Frage offen, ob dieser Gedanke wirklich bei allen ankam und auch verinnerlicht wurde?
Für den Moment war ihm diese Tatsache jedoch so egal, wie auch sonst alles um ihn herum. Er verschwand, kaum dass sich die Steinmauern vor ihm geöffnet hatten, in seinen alten Gemeinschaftsraum, der noch immer so aussah, wie er ihn in Erinnerung hatte.
Die nackten, aber dennoch kunstvoll gehauenen Felswände waren noch völlig intakt und zeigten in den Bögen verschiedene Wandmalereien alter Zauberer oder geschichtliche Szenerien. Auch die Decke schien keinen Schaden genommen zu haben, sodass der Raum nach wie vor durch die grünen Kugellampen in einem leicht grünlichen Schimmer erhellt wurde. Entweder hatten die Auswirkungen der Schlacht nicht so tief gereicht oder sie hatten alles bis ins kleinste Detail wiederhergestellt. Fast.
Das Einzige, was fehlte, was er aber auch nicht wirklich vermisste, war diese hässliche Dekoration, die aus Schrumpfköpfen bestanden hatte.
Seit seiner frühen Kindheit hegte er Ekel gegen diese Dinger. Sie waren ihm unheimlich und hatten immer für ein gewisses Unbehagen in ihm gesorgt, was er allerdings nie gezeigt hatte. Das wäre ja auch völlig Malfoy untypisch gewesen. Pah!
Ihm kam unweigerlich das Kotzen, als er an diese ganzen Versteckspielchen dachte. Die Erwartungen, die er von seiner tollen Familie aus gefälligst zu erfüllen hatte. Angefangen damit, keine Gefühle zu zeigen, denn Gefühle waren ja eine Form der Schwäche. Die Schlimmste überhaupt, laut Lucius. Und er hatte keine Schwäche zu zeigen gehabt. Er hatte zu funktionieren gehabt. Er hatte perfekt sein müssen, in allem, was er tat. In allem, was man von ihm verlangte. Besonders im Manor. Hatte er sich hier in der Schule noch Schnitzer und dergleichen leisten können, war jeder noch so kleine Fehler im Manor schmerzhaft bestraft worden.
Merlin, wie er all das gehasst hatte. Die Ferien, die nicht selten ausschließlich aus Verpflichtungen und vor allem seinen Studien bestanden hatten, damit er seiner Familie gerecht wurde und Lucius’ Ansprüchen genügte.
Er schnaubte unweigerlich auf die Erinnerungen, als er sich auf die edle, schwarze Ledercouch, mit ihren silbernen und tiefgrünen Samtkissen, fallen ließ. Sein Blick verlor sich dabei in dem bereits prasselnden Kaminfeuer, welches die kunstvoll gehauenen Steinwände erhellte.
Perfektion, ja. Nur wofür? Um ein gefühlloses Monster aus ihm zu machen, wie Voldemort eines war? Draco hatte bis heute nicht verstanden, was sein Erzeuger mit alldem bezweckt hatte? Was hinter diesem Wahn gesteckt hatte?
Dass es ihm nicht nur um das Ansehen und die Repräsentation ihrer Familie gegangen war, hatte Draco beizeiten bemerkt. Lucius selbst war immerhin meilenweit davon entfernt, auch nur annähernd diese Perfektion innezuhaben, die er ihm unentwegt abverlangt hatte. Ja, der alte Malfoy musste während seiner Schulzeit sogar ein miserabler Flieger gewesen sein. Vielleicht nicht so grottenschlecht wie Longbottom, aber dennoch alles andere als elegant.
Es war eine Geschichte, mit der seine Mutter ihn vor Jahren, noch vor Hogwarts, hatte aufmuntern wollen, als er die von Lucius geforderte Leistung auf seinem Besen nicht ganz so perfekt hatte erbringen können und sich, neben anderen Dingen, mal wieder hatte anhören dürfen, was für ein Versager er doch war, wenn er nicht einmal das schaffte! Er wäre unwürdig, einem Squib gleich. Der Alte hatte es so zeitweise wirklich geschafft, ihm die Freude am Fliegen zu nehmen, die häufig die einzige Art von Freiheit für ihn dargestellt hatte.
Als er dann von seiner Mutter erfahren hatte, dass sich Lucius selbst mehr schlecht als recht auf einem Besen hatte halten können, hatte ihm das kurz ein schwaches Lächeln auf die Lippen gezaubert und gezeigt, dass niemand perfekt war. Auch nicht sein Erzeuger, obwohl er immer etwas anderes gesagt und von sich behauptet hatte.
Inzwischen war Draco, was die magischen Fähigkeiten und Talente anging, Lucius allerdings in vielen Bereichen überlegen. Einzig und allein was die Erfahrung und damit die Skrupellosigkeit anging, diese würde er nie erreichen. Und darüber war er heilfroh. Dass Lucius nicht so ein Monster aus ihm hatte machen können, wie er gewollt hatte.
Ja, es bescherte ihm nun auch wieder ein kleines Grinsen, als er daran dachte, dass all die Mühe, die sich der Alte mit seiner Ausbildung gemacht hatte, ihm am Ende zum Verhängnis geworden war. Wie hatte Greyback damals gesagt? „Zeig deiner verkommenen Brut, was wir mit Blutsverrätern machen!“ Genauso die Worte von Lucius. „Du bist eine Schande für die ganze Familie Malfoy!“
Diese beiden Sätze zu hören hatte ihm, trotz der verhängnisvollen Situation, ein zufriedenes Grinsen auf die Lippen gezaubert und zudem ein unwahrscheinlich berauschendes Gefühl in ihm hinterlassen. Wahren Stolz, verbunden mit einer unbeschreiblichen Genugtuung. Mehr noch, denn es war befreiend gewesen.
Ja, er war fei und dennoch schwebte weiter dieser dunkle Schatten über ihm, den er so sehr gehofft hatte los zu sein. Es war ein Schatten der, anders als die ersten sechs Schuljahre, nicht mehr nur aus Lucius bestand, sondern inzwischen gänzlich seinen Namen umfasste.
Angefangen mit seiner blutigen Familiengeschichte und damit jeder Leiche, die man über die Jahrhunderte in den Verliesen des Manors hätte finden können. Hinzu kam die Reinblütigkeit an sich, auf die er sich lange Zeit etwas eingebildet hatte. Auf die er stolz gewesen war, weil er stolz darauf hatte sein müssen, obwohl es immer wieder Momente gegeben hatte, gerade als er noch kleiner war, in denen er nicht verstanden hatte, warum diese Tatsache so bedeutsam war?
Ein weiterer dunkler Schatten und damit der Dunkelste überhaupt, gegen den er sich nicht einmal in irgendeiner Art und Weise hatte wehren können, war und blieb die verfluchte Death Eater Zugehörigkeit, die er all den vorangegangenen Dingen zu verdanken hatte. Lucius, der Tatsache, dass er ein Malfoy war, ein altes Reinblut, das stolz auf diesen Blutstatus hatte sein müssen.
Dieser eine Schatten würde ihn bis ins Grab begleiten, ganz gleich wie sich der Rest seines Lebens entwickeln würde. Dieser Schandfleck würde nie vollkommen verschwinden. Und so wie die Dinge zurzeit lagen, auch all die übrigen Schatten nicht.
Seine Mitschüler hassten und verabscheuten ihn und hätten zudem offensichtlich große Freude daran, in endlich tot zu sehen. Es war ein Aspekt, der ihn im Grunde auch gar nicht interessierte. Diese ganzen Arschlöcher waren ihm egal. Es war ihm gleich, was sie von ihm dachten. Einzig und allein die Meinung einer war ihm nicht gleichgültig.
Und da lag für ihn schon wieder das nächste Problem, denn er wollte nicht, dass sie durch ihn, und der Verachtung anderer auf ihn, in Schwierigkeiten kam. Dass sie in irgendeiner Art und Weise darunter zu leiden hatte, denn im Gegensatz zu ihm hatte, sie das in keiner Weise verdient.
Das leise Rumpeln der Steinmauer riss ihn schließlich unverhofft aus seinen dunklen Gedanken. Als er auf schielte, entdeckte er die vier Erstklässler, die angeregt quatschend den Gemeinschaftsraum betraten. Als sie den Blonden erspähten, blieben sie jedoch wie angewurzelt stehen. Dabei starrten sie ihn völlig entgeistert aus großen Augen an, als wäre er irgendein komisches Tier, was ihn bis aufs Blut reizte. Und das wurde noch schlimmer, als zwei von ihnen tuschelten und ihn auch weiter wie einen Aussätzigen anglotzten.
„VERPISST EUCH!“, blaffte er die Kinder wütend an. Das fehlte ihm gerade noch, dass die Zwerge ihn auch noch so anstarrten. Das vertrug sein ohnehin arg gebeuteltes Selbstwertgefühl und Ego derzeit überhaupt nicht. Davon abgesehen wollte er allein sein, was er keine fünf Sekunden später auch wieder war, da die Kinder in leicht panisch rückwärts aus der Öffnung stolperten, die sich sofort verschloss.

۩ ۞ ۩


Inzwischen war es bereits spät am Abend. Blaise und Charlie waren allerdings nach wie vor mit ihrer Suche rat- und erfolglos. Bei Hermione und Tonks sah die Sache ähnlich aus.
Sie hatten fast das ganze Schloss und die Ländereien nach Draco abgeklappert. Aufgetaucht war er dennoch nicht. Auch jetzt nicht, als das Abendessen in der Halle allmählich sein Ende fand, was die Freunde frustriert hatten ausfallen lassen.
Blaise und Charlie schlichen sich dann auch langsam in die Kerker. Dort hatten sie gleich als Erstes nachgesehen, jedoch war er nicht dort gewesen, was sie beinahe befürchtet hatten. So war die gleiche, düstere Vermutung in ihnen herangekeimt, dass er sich in seinem Zustand richtig aus Hogwarts geflüchtet hatte. Übel nehmen könnte man es ihm nicht.
Schließlich erreichten die Beiden den Zugang zum Gemeinschaftsraum, vor dem die vier Erstklässler hilflos verharrten, was die Zwei verwunderte. Dann tat sich Charlie allerdings ein Gedanke auf.
„Habt ihr das Passwort vergessen?“ „Nein. Es ist . . . uhm. . .“, murmelte einer und sah unsicher zu den Übrigen, die nicht so richtig wussten, was sie sagen sollten. Ob sie überhaupt etwas sagen sollten?
Blaise und Charlie sahen sich daraufhin skeptisch an, bevor Blaise den Zugang für sie öffnete und hinein spähte. Auf den ersten Blick konnte er nichts Außergewöhnliches feststellen, sodass er wieder zu den Kindern sah.
„Habt ihr was kaputt gemacht?“ Die Vier schüttelten den Kopf, ehe einer meinte: „Der . . . der Schulsprecher. . . Er hat uns rausgejagt und. . .“ zu mehr kam der kleine Junge nicht, als Blaise’ Kopf herum fuhr „Draco?“ und er in den Raum stürzte. Bei seiner zweiten Sondierung, entdeckte er den blonden Schopf, der ein wenig über den Rand der Couch zu sehen war.
Zu diesem eilte er gleich, während Charlie zu den Kleinen meinte: „Geht in eure Schlafsäle!“ Die murrten zwar, da sie schon ins Bett geschickt wurden, widersprachen aber nicht.
Zwischenzeitlich war Blaise an der Couch, wo er etwas verunsichert auf seinen Freund blickte, der in sich zusammengesunken in den Polstern lümmelte und sinnlos ins Feuer starrte.
„Draco?“, flüsterte der Dunkelhäutige und beugte sich zu ihm, worauf der Blonde mit dunklen Augen zu ihm schielte.
„Merlin, wo warst du?“, fing Blaise an. Erleichtert darüber, dass nichts passiert war und Draco auch nicht irgendwie etwas Unüberlegtes getan hatte, wie zum Beispiel abzuhauen.
„Siehst du doch!“, murrte Draco und starrte wieder sinnlos ins Feuer. Zeitgleich tauchte Charlie auf seiner anderen Seite auf und hatte damit einen recht deutlich Blick auf die blutverklebten blonden Haare. Denen rückte er mit einem Zauber erstmal zu leibe, ehe er genauer nach der Verletzung sehen wollte. Draco schlug ihm allerdings die Hand weg.
„Lass mich.“ „Jetzt stell dich nicht so an!“, murrte Charlie zurück und setzte erneut an. Diesmal hielt Draco still, sodass er sich die Platzwunde kurz näher besehen konnte, bevor er zwei Zauber murmelte, mit denen die Wunde verschwand.
„Ist sonst alles in Ordnung?“ „Klar! Ging mir nie besser“, zischte Draco sarkastisch, worauf Blaise mit den Augen rollte, ehe er sich in den Sessel Draco gegenüber fallen ließ. Charlie tat es ihm gleich.
„Draco, komm schon“, begann Charlie. „Dippets Aktion war richtig mies, steht gänzlich außer Frage. Aber du hättest auch nicht abhauen dürfen“, wandte Blaise ein, zu dem der Blonde finster schielte.
„Ach? Hätte ich mich ihm also weiter für irgendwelche Flüche zur Verfügung stellen sollen, bis irgendeiner mal klappt?“ „Jetzt red nicht so einen Blödsinn. Natürlich nicht! Aber das war irgendwo kontraproduktiv. Die Anderen haben sich so schon das Maul zerrissen, was dadurch jetzt garantiert noch mehr wird.“ „Denkst du, das hab ich nicht gehört?“, sah er wieder bedrohlich zu Blaise, der recht bitter nickte, dann aber ein wenig schmunzelte. Draco zog daraufhin skeptisch eine Augenbraue hoch, ebenso wie Charlie verwundert guckte.
„Okay, was ist an der Sache jetzt so lustig?“ „Lustig gar nichts, nur. . .“, sah Blaise beschwörerisch, aber auch noch immer schmunzelnd zu Draco.
„Du hättest Hermione mal hören sollen. Als wir dich gesucht haben, hat sie gewettert wie ein Rohrspatz. Eine Furie war nichts dagegen. Dippet hat sich mit der Aktion eine gefährliche Hexe zum Feind gemacht. Genauso die anderen Idioten“, grinste er noch mehr, in was Charlie ein wenig einstimmte. Schließlich taxierte Blaise, seinen noch immer mürrischen Freund, mit schräg gehaltenem Kopf.
„Wo du jetzt aber einmal hier bist, wolltest du mir nicht noch etwas erklären, in Bezug auf dein geführtes, nicht geführtes Gespräch mit Mademoiselle Granger?“ Kaum dass Blaise es angesprochen hatte, da löste sich auch schon das Griesgrämige aus Dracos Blick und machte stattdessen etwas tief Deprimiertem Platz.
„Also? Hast du nun mit ihr gesprochen oder nicht?“ „Nicht direkt.“ „Also nein.“ „Nicht direkt“, wiederholte Draco, was Blaise mit den Augen rollen ließ.
„Merlin, Draco. Es geht bloß eins. Ja oder nein?“ „Das ist kompliziert!“ „Nein, ist es nicht. Du machst es dir nur kompliziert und. . .“ Er seufzte. „Weißt du, was ich langsam glaube?“ „Was?“, sah Draco müde zu seinem Freund.
„Du hast einfach nur Angst davor, ihr reinen Wein einzuschenken, mein Lieber. Du traust dich nicht.“ Daraufhin schwieg der Blonde und starrte aufs Neue in die knisternden Flammen des Kamins, was sich Blaise bedrückt besah.
„Sie mag dich doch. Das wissen wir“, warf Charlie aufmunternd ein. „Einen Freund mögen ist aber noch immer was ganz anderes als . . . als. . .“ „Es ist eine Basis. Und ich denke, die ist inzwischen mehr als stabil. Wenn du ihr aber nichts sagst, kann sich nicht mehr entwickeln und. . .“ „Das ist es ja“, murmelte Draco gedrückt und sah schließlich zu Blaise.
„Sie will nicht.“ „Woher willst du das wissen? Hast du in ihrem Kopf herumgeschnüffelt?“, maß Blaise ihn lauernd, worauf Draco mit dem seinem schüttelte.
„Du weißt, dass ich das nicht mache. Das war auch nicht nötig.“ „Weil?“, ließ Blaise nicht locker, sodass der Blonde seufzte und sich geschlagen zurücklehnte. Sein Blick blieb auch weiter in die Flammen gerichtet, als er an Freitagabend zurückdachte. An alles, was da war, genauso was am nächsten Tag war.
„Wir haben am Freitag doch etwas getrunken und. . .“, begann er und schilderte seinen Freunden letztlich alles, was gewesen war. Ihre Blödelei, die Gespräche, den Kuss und das, was am kommenden Morgen war. Hermiones Reaktion, was Blaise blöd glotzen ließ. Charlie ähnlich.
„Nochmal. . . Du hast WAS?“, hakte Blaise nach und sah den Blonden fassungslos an, kaum dass Draco geendet hatte. Dieser warf ihm zum Dank einen wütenden Blick zu.
„Ich hab ihr gesagt, es war ein Witz!“ „Wieso?“ Blaise konnte noch immer nicht fassen, was er da eben gehört hatte! Genauso Charlie, der einfach nur mit dem Kopf schüttelte. Draco stöhnte.
„Hörst du mir überhaupt zu?“ „Ja. Sehr gut sogar. Also, warum bei Merlins letztem Willen, hast du sie angelogen und es als Witz hingestellt!?“ „Weil sie mich angesehen hat, als wäre ich ein Troll mit zwei Köpfen, den sie heiraten soll!“ „Na Letzteres wäre ja nicht so schlimm“, grinste Charlie leicht und bekam zur Belohnung ein kleines, grünes Kissen ins Gesicht.
„Oh, halt die Schnauze. Ich find das nicht witzig!“, knurrte Draco sauer, aber auch recht fertig. Blaise schüttelte mit dem Kopf.
„Das war dämlich.“ „Was?“ „Sie anzulügen!“, beharrte Blaise, was Draco erneut mit den Augen rollen ließ, bevor er sich wieder auf seinen Freund konzentrierte.
„Du hast sie nicht gesehen. Sie hat mich regelrecht panisch angesehen. Als hätte ich ihr sonst was für einen Horror gestanden. Nicht unbedingt eine Reaktion, die ich mir auf einen Kuss erhofft habe!“, knurrte Draco giftig. Blaise wurde auf die Aussage auch wieder etwas ruhiger.
„Ja, schon klar. Nur. . .“, lehnte er sich in seinem Sessel leicht vor und taxierte seinen Freund vermehrt. „Auch wenn sie total betrunken war, sie hat dich doch zuerst geküsst, wenn ich dich richtig verstanden habe?“, rekonstruierte Blaise, worauf Draco brummelig nickte.
„Und du hast gesagt, sie hätte nach dir gefragt? Also quasi, ob du sie lieben könntest?“ Wieder nickte der Blonde, in dessen Mimik sich zunehmend etwas Schwermütiges schlich.
„Wie kannst du dann so blöd sein und ihr sagen, es wäre nur ein Witz gewesen?“ „Verdammt, Blaise! Sie war sturzbetrunken! Sie hat sich nicht einmal mehr an den ganzen anderen Blödsinn erinnert. Und so verstört wie sie mich an dem Morgen angesehen hat, da hatte ich gehörig meine Zweifel, dass sie auch nur ansatzweise gewusst hat, was sie da getan oder gesagt hat, geschweige denn will! Ihr Hirn hat doch überhaupt nicht mehr richtig funktioniert.“ „Gefühle sind aber keine Kopfsache“, gab Charlie ruhig zu bedenken, zu dem Draco gleich sah. Der Brünette fixierte ihn ernst.
„Das weißt du. Man kann sie nicht abstellen. Man kann sie mit einem klaren Kopf vielleicht verstecken, oder wie du vor den Death Eatern mittels Okklumentik verbergen, aber nie abstellen.“ „Charlie hat Recht“, mischte sich Blaise wieder dazwischen.
„Hermione denkt zu viel. Das weißt du genauso gut wie wir. Sie versucht alles irgendwie logisch und rational zu erklären. Gefühle haben aber keine Logik. Sie kommen einfach. Und die Tatsache, dass sie, auch wenn sie so besoffen war, wie eine ganze Firewhiskeybrennerei, dich geküsst und deine Zuwendung gesucht hat, finde ich, lässt trotzdem sehr tief blicken.“ „Ach ja?“ „Ja. Sie mag dich. Und das mehr als sie bereit ist zuzugeben, was vermutlich zum Großteil Potter und den übrigen Idioten geschuldet ist. Diesen albernen Kindereien, was sich während des Eröffnungsbanketts ja wieder gezeigt hat. Sie versucht einfach nur Problemen aus dem Weg zu gehen und es jedem Recht zu machen, wobei sie sich und ihre Interessen wie immer vernachlässigt und hinten anstellt. In ihrem Zustand wird das alles aber hinten runtergefallen sein, sodass ihr ihr Kopf zur Abwechslung mal nicht im Weg war. Ich denke, sie hat das in ihrem Dusel schon ernst gemeint. Ich mein. . . Dass, was sie jetzt von dir zu sehen bekommt, ist ja im Grunde das, was sie will.“ „Ja toll. Und was mach ich jetzt?“, motzte Draco ein wenig.
„Deinen Scherz zurücknehmen würde nach hinten losgehen. Du hättest gleich näher darauf eingehen sollen. Wahrscheinlich war sie einfach nur zu perplex, um richtig darauf zu reagieren. Wie gesagt, sie hat sicher nur zu viele Bedenken, wie Potter und der Rest das aufnehmen würde. Dass sie mit uns, und jetzt eben auch mit dir, befreundet ist, scheint ja niemandem wirklich zu gefallen. Mit dem Wiesel hat sie offensichtlich leider auch noch so halb und halb was am Laufen, auch wenn ich nicht verstehe, wie sie sich das noch immer antun kann?“ „Ich glaube, das kapiert keiner“, mischte sich Charlie dazwischen, worauf Blaise nickte und sich erneut auf den Blondschopf konzentrierte.
„Sie erinnert sich jetzt vielleicht nicht mehr daran, irgendein rationaler Teil in ihr will dich aber. Sieh mal, sie hat alle nur möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um dir zu helfen. Sie hat sich deinetwegen wieder mit dem Wiesel gestritten und dich vor der kompletten Schule nochmal deutlich verteidigt und in Schutz genommen. Als du noch in Azkaban warst, hat sie sich die Schuld daran gegeben und psychisch selber richtig fertiggemacht. Das ging meiner Meinung nach weit über einen einfachen, freundschaftlichen Aspekt hinaus. Dass es an dem ist, musst du ihr jetzt eben irgendwie begreiflich machen.“ „Und wie?“ „Streng deinen Grips an und lass deinen Charme spielen. Davon hast du immerhin im Überfluss“, grinste Blaise ein wenig durchtrieben, bevor er noch meinte: „Du weißt, was ihr gefällt und was sie mag. Nutz dieses Wissen. Komm ihr entgegen, aber bedräng sie nicht. Sei ihr der Freund, den sie sich wünscht. Sei einfach du selbst und lass dich vor allem von den anderen Idioten nicht mehr so leicht aus dem Konzept bringen. Kapiert?“ „Ja, Papa“, stöhnte Draco ergeben, allerdings auch etwas einsichtig, was Blaise zufrieden benickte und den Blonden letztlich von der Couch jagte.
„Dann sieh zu, dass du in euren Turm kommst. Hermione macht sich bestimmt noch Sorgen, wo du abgeblieben bist. Sie will dir nach wie vor mit allem helfen, also mach ihr das nicht so schwer, klar?“ „Klar.“ „Dann zisch ab. Ich muss noch Hausaufgaben machen“, jammerte Blaise ein wenig und bugsierte seinen Freund schließlich vor den Eingang des Gemeinschaftsraumes, wo er dann noch durchtrieben meinte: „Eine passende Gelegenheit, Hermione deine Vorzüge im nüchternen Zustand näherzubringen, hätten wir ja schon am Samstag.“
Damit war Blaise wieder im Innern verschwunden, noch bevor Draco dazu kam, ihm etwas entgegenzusetzen außer ein wütend gebrülltes: „BLAISE!“

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„Warte in eurem Turm, vielleicht taucht er früher oder später dort auf“, hatte Tonks gesagt. Wer’s glaubte.
Merlin allein wusste, wo der Blödmann steckte. Wenn sie Pech hatten, dann hatte das Ministerium bereits Wind von seinem Verschwinden bekommen, ihn ausfindig gemacht und einkassiert. Und das nur wegen Dippets bescheuerter Vorführung!
Der Kerl hätte sich doch denken können, dass gerade dieser Fluch niemanden kalt ließ. Erst recht nicht, nach der Schlacht, die kaum ein halbes Jahr zurücklag. Bei Draco war es ohnehin noch schlimmer, denn vor einer Woche hatte er sogar noch mit dem Gedanken gelebt, jahrelang in Azkaban bleiben zu müssen. Und das mit allen nur erdenklichen Grausamkeiten.
Hermione schauderte unwillkürlich, als sie daran dachte. Genauso, wie schlecht es ihm am Freitag noch gegangen war. Mit Daniels Mitteln hatte sich das, Merlin sei Dank, recht schnell etwas ausgleichen lassen. Richtig fit war er deswegen trotzdem nicht.
Seine Kondition war nach wie vor im Arsch. Hauptsächlich aber seine Psyche. Etwas, was man sich eigentlich an einem Finger abzählen konnte, wenn man wenigstens etwas Grips und vor allem Verständnis und Mitgefühl hatte.
Letzteres schien nicht auf Dippet zuzutreffen, ansonsten hätte er auf diese dumme Vorführung und Zurschaustellung, verzichtet oder zumindest einen harmloseren Zauber angewandt. Aber nein, er. . .
In dem Moment knarrte das Porträt, worauf sie den Kopf herumriss und schließlich einen blonden Schopf im Durchgang entdeckte. Keine Sekunde später wurden ihre Augen beinahe tellergroß, bevor sie sich von ihrem Platz am Fenster löste und zu ihm stürzte.
„Draco!“, entwich es ihr mehr als erleichtert, als sie ihm schon halb in die Arme fiel. Dabei brachte sie so viel Schwung mit, dass er sich am Rahmen des Zugangs festhalten musste, um nicht rückwärts aus diesem zu stolpern. Kurz darauf sah er stutzig auf die kleine Gryffindor, die sich ganz fest an ihn klammerte. Und das in der Tat sehr erleichtert, was ihm ein sanftes Lächeln auf die Lippen zauberte und er ihr seinerseits einen Arm um den Rücken schlang, um sie noch fester bei sich zu halten.
„Merlin, ich hab mir Sorgen gemacht“, flüsterte sie, worauf er ihr antworten wollte. Da machte sie sich aber von ihm los und begann ihn stattdessen zusammenzufalten.
„Wo zum Teufel hast du die ganze Zeit gesteckt? Verdammt, wir haben das gesamte Schloss und die Ländereien nach dir abgesucht! Ich dachte schon, du wärst so blöd gewesen, aus der Schule zu verschwinden! Weißt du, was das für Ärger gegeben hätte? Sie hätten einen Grund gehabt, dich wieder einzusperren und. . .“ Der Rest ihrer Schimpfkanonade erstickte an seiner Brust, als er sie rasch zu sich zog und fest in den Armen hielt. Nebenbei strich er ihr beruhigend über den Rücken, was dafür sorgte, dass sie ihm ihre Arme erneut um die Mitte legte.
„Es tut mir leid. Die Sache im Unterricht war mir nur. . . Mir war das einfach zu viel und da. . .“, brach er ab, seufzte und kuschelte sich ein wenig in ihren Schopf.
„Ich bin eine Zeit lang eher planlos durch’s Schloss gelaufen und irgendwann in den Kerkern gelandet.“ Daraufhin nickte sie verständig und sah ihn schließlich wieder an.
„Geht’s soweit denn? Was ist mit deinem Kopf?“, erkundigte sie sich noch immer besorgt und wollte gleich näher nach ihm sehen. Er hielt ihre Hand dann aber sanft fest.
„Hat sich Charlie schon drum gekümmert. Es ist alles in Ordnung. Eine echte Schlange lässt sich nicht so leicht unterkriegen.“ „Hätte mich auch gewundert“, schmunzelte sie nun, ehe sie ihren Zauberstab zog und ihren Patronus heraufbeschwor. Draco besah es sich interessiert, als ihr Otter aus dem Fenster verschwand.
„Was war das?“ „Mein Patronus.“ „Ich seh gar keine Dementoren“, scherzte er grinsend, in was sie einstimmte, bevor sie ihm lehrreich erklärte: „Ein Patronus kann mehr, als nur Dementoren verjagen. Dumbledore hat zu seiner Zeit eine Methode entwickelt, wie der Orden mit Hilfe des Patronus Zaubers Botschaften sicher an andere übermitteln kann.“ „Echt?“ Draco war überrascht. Hermione nickte.
„Und du hast deinem Biber jetzt eine Nachricht mit auf den Weg gegeben?“ „Mein Patronus ist ein Otter, kein Biber. . .“ „Ist doch das gleiche“, grinste er neckisch, worauf Hermione mahnend den Zeigefinger erhob.
„Nein, ist es nicht. Aber um auf deine Frage zurückzukommen, es war eine Info für Tonks, dass du wieder da bist, ansonsten sucht sie noch die ganze Nacht nach dir.“ „Ah ja“, grinste er noch immer, als sich sein Magen ein wenig mürrisch zu Wort meldete.
„Hast du Hunger?“ „Etwas“, gestand er ihr, worauf sie nickte und ihn bei der Hand nahm, was er sich verwundert besah.
„Ich hab auch noch nichts gegessen. Aber die Elfen machen uns sicher noch eine Kleinigkeit fertig“, lächelte sie und verschwand kurz darauf mit ihm runter in die Küche.
Dort trafen sie allerdings keinen x-beliebigen Elfen, sondern Dobby. Der bekam gleich große Augen, als er die Magier sah, wodurch er versehentlich den Schwebezauber auf den Tellern löste, die prompt klirrend zu Boden fielen.
„Es ist alles in Ordnung, Dobby“, versuchte Hermione den Elf zu beruhigen, der wie vom Schlag gerührt da stand und recht unsicher zwischen der Gryffindor und Draco hin und her sah. Es war nur zu deutlich zu erkennen, dass er nicht so richtig wusste, was er tun sollte, denn er nestelte äußerst nervös an seinem Handtuch herum. Kurz darauf kam der Löwin ein Gedanke, was den Elfen so verschreckt hatte und nun wohl auch verunsicherte. Nämlich Dracos Anwesenheit.
„Du brauchst keine Angst haben. Wir. . . Draco will niemandem etwas Schlechtes. Wir sind inzwischen sehr gute Freunde“, erklärte sie dem Elf, der unsicher zu dem Malfoy Erben blickte, der zur Bestätigung nickte. Kaum dass er das getan hatte, machte sich ein unbändiges Strahlen auf den Zügen des Elfen breit.
„Ist das wahr?“, fragte er freudig, worauf Hermione nickte, sich allerdings über die plötzlich so drastische Stimmungswandlung des Elfen wunderte.
„Ja.“ „Oh, das freut Dobby!“, stieß der Elf begeistert aus und schnippte mit den Fingern, worauf das Geschirr wieder ganz war und in den entsprechenden Regalen verschwand.
„Was kann Dobby für Miss Hermione und Master Draco tun?“ „Master?“, stutzte Hermione und sah verblüfft zu Draco. Der zuckte nur mit den Schultern „Ich bin nicht Lucius“, worauf Hermione ein stilles „Oh!“ entwich. Scheinbar war hauptsächlich der alte Malfoy so herrisch und gemein zu dem Elfen gewesen, der inzwischen von einem Bein auf das andere hopste und darauf wartete, dass man ihm Anweisungen gab.
„Wir. . . Wir haben beide das Abendessen verpasst und. . .“ Zu mehr kam Hermione nicht, da der Elf bereits davon wuselte und alles Mögliche zu Tisch trug, was den zwei Magiern munden könnte, sodass sich dieser beizeiten zu verbiegen drohte.
„Merlin, Dobby! Eine Kleinigkeit hätte genügt“, stieß Hermione kopfschüttelnd aus, während Draco grinsend Platz nahm und die Gryffindor neben sich zog. Schließlich pickte er sich die ersten leckeren Sachen heraus, was ihm Hermione gleich tat und so doch noch zu einem schönen Abendessen, in netter Gesellschaft kam.

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