Was im Verborgenen liegt - Steinige Wege
von Alex2303
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Entgegen Hermiones Hoffnungen, und trotz Harrys Wutausbruchs, hatte Dippets kleine Einführungsstunde bereits nach kürzester Zeit die Runde im Schloss gemacht und war somit Gesprächs- und Lästerthema Nr. 1. Vorzugsweise die männliche Schülerschaft amüsierte sich köstlich über diesen gelungenen Streich.
Allerdings gab es auch reichlich Mädchen, die es mit einem selbstzufriedenen, höhnischen Grinsen aufnahmen und recht abfällig tuschelten.
Hermione vermutete, dass diese Mädchen in den vergangenen Jahren wohl das eine oder andere Mal das Bett oder Ähnliches mit Draco geteilt hatten. Wahrscheinlich hatten sie sich dann auch mehr ausgemalt und erhofft, was einfach nur idiotisch, furchtbar naiv und allen voran dumm war.
Diese blöden Hühner hätten sich im Grunde an einem Finger abzählen können, sofern sie ihr Hirn etwas benutzt hätten, dass sie sich gewaltig die Finger an dem Blonden verbrannten, wenn sie sich auf ihn einließen. Aber Dummheit musste bekanntlich bestraft werde. Immerhin sprachen sie hier von Draco Malfoy! Macho ersten Grades und auch sonst ein eingebildeter, selbstverliebter, arroganter Arsch. So zumindest ihre Sichtweise auf ihn, während der vorangegangenen Jahre.
Inzwischen lagen die Dinge jedoch anders. Sie hatten sich verlagert. Und zwar ins genaue Gegenteil. Er war nicht mehr länger jemand, dessen Gunst oder gar Aufmerksamkeit es galt zu wecken. Stattdessen strafften ihre Mitschüler ihn mit Verachtung, Abneigung, Hohn, Spott und noch sehr viel mehr, was früher ausschließlich von ihm gekommen war.
Es waren alles Dinge, die sie selbst über die Jahre hatte schlucken müssen. Genauso Harry. Umso größer war und blieb das Unverständnis der Übrigen, dass ausgerechnet sie nun zu ihm hielt und freundschaftlich mit ihm umging, gleich so, als wäre es nie anders gewesen.
Dass es nicht gerade leicht werden würde, die Anderen davon zu überzeugen, dass das alte Ekel nicht mehr existierte, war ihr von Anfang an bewusst. Allerdings hatte sie ein wenig darauf gesetzt, dass ihre Meinung und ihr Urteilsvermögen stärker zu einer positiven Bilanz beitrug. Nur wollte diese Rechnung nicht so richtig aufgehen.
Zwar gab es neben Ginny und Luna dennoch eine Handvoll Personen, die neutral an die Sache herangingen, wie zum Beispiel Ernie, der sich recht politisch aus allem raus hielt. Aus Sticheleien und Anfeindungen, aber auch ihrem Zuspruch.
Wer Hermione aufs Neue angenehm überrascht hatte, war Sally Roper. Ihre Mitschülerin hatte sich gleich am nächsten Tag nach Verwandlung vorsichtig bei ihr erkundigt, wie es Draco ging? Dabei hatte sie verstohlen zu den Jungs gesehen, die noch kurz gequatscht hatten, bevor sich Blaise in seine Freistunde geschlichen hatte, während Draco und Charlie auf sie gewartet hatten, um zu Arithmantik zu gehen. Als Hermione Sally angestachelt hatte, ihn selbst zu fragen, hatte sie nervös mit dem Kopf geschüttelt und war gegangen.
Sehr verdächtig, hatte sich Hermione mit einem Grinsen gedacht. Zeitgleich hatte es sie erleichtert, dass doch nicht alle gegen den Blonden waren. Allerdings war Sallys indirekter Zuspruch nicht mehr, als ein Tropfen auf dem heißen Stein, was sich von Stunde zu Stunde, auf den Gängen, in der Halle und auch der Bibliothek, immer stärker herauskristallisiert hatte.
Überall wo Draco sich aufhielt, wo auch immer er vorbei kam, war es zunehmend wie ein Spießrutenlauf. Dementsprechend bescheiden war seine Laune, was irgendwo auch an ihren Nerven zehrte. Zwar sagte er nichts, nur kannte sie ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, dass es unter der so emotionslosen Maske, die er einmal mehr zur Schau trug, gefährlich brodelte und kochte.
Der erste Ausbruch sollte auch nicht mehr sonderlich lange auf sich warten lassen und kam noch vor ihrer zweiten Doppelstunde in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Draco hatte sich noch während des Mittagessens beizeiten aus der Halle verkrümelt, da ihm die Blicke, das Getuschel und auch sonst alles was war, zunehmend auf den Zeiger gingen.
Hinzu kam der Unmut über die Tatsache, Dippet erneut zwei Stunden ertragen zu müssen, der ihn garantiert fertigmachen würde. Hermione folgte ihm deshalb sofort, kaum dass er aus der Halle raus war, und lief prompt in eine Auseinandersetzung hinein.
Vor ihr bei Draco entdeckte sie noch fünf andere Jungs, die sich bei näherem Hinsehen als Kevin Entwhistle, Justin Finch-Fletchley, sowie David Banner, Jacob Fisher und Adrian Baldwin entpuppten. 2x Ravenclaw, 1x Hufflepuff und 2x Gryffindor. Drei Mugglegeborene, zwei Halbblüter. Zwei Fraktionen, die noch schlechter auf Draco zu sprechen waren, als der große Rest. Und so wie sie guckten, waren sie offensichtlich auf Streit aus, denn sie kreisten den Blonden ein.
Dessen Blick wanderte kalt und nicht weniger bedrohlich von einem zum nächsten. Dabei streiften seine dunklen Augen auch Hermione, die schließlich tief Luft holte und sich entschlossen zwischen die Jungs schob. Dabei baute sie sich entschieden vor Entwhistle auf.
„Ich hab euch am Freitag was gesagt!“, zischte sie warnend. Kevin schnaubte nur, bevor er Hermione mit einem gemurmelten „Verzieh dich“ einfach zur Seite schob und damit aus ihrem Kreis drängte, ehe er sich wieder auf Draco konzentrierte.
„Dippet hätte sich mit dir Drecksratte echt mehr Mühe geben sollen.“ „Ja. Du bist Verschwendung von Sauerstoff“, stimmte Justin mit ein und stieß Draco grob gegen die Schulter. Die Hand des Blonden schoss daraufhin allerdings blitzschnell nach oben, sodass er seinerseits den Hufflepuff zu fassen bekam.
Er drückte ihm das Handgelenk brachial zusammen und auch leicht verrenkt zur Seite weg, sodass sein Kontrahent schmerzvoll das Gesicht verzog, während Dracos Mimik immer dunkler und bedrohlicher wurde.
Seine Augen waren eiskalt, als er unheilvoll raunte: „Fass … mich … nicht … an, Fletchley. Würde dir nicht bekommen“, drohte er ihm offen, worauf Hermione panisch nach Luft schnappte, denn sie sah die Sache bereits eskalieren.
„Scheiße“, zischte Justin schmerzhaft und wand sich unter Dracos festem Griff, worauf Kevin und Adrian ihn packen wollten. Hermione war jedoch schneller. Sie huschte halb zwischen den Jungs durch und schlug Draco die Hand weg, sodass er Justin losließ, ehe sie mit gezücktem Zauberstab in die Runde der Fünf deutete. Im Blick etwas Warnendes.
„Hört gefälligst auf Streit zu suchen. Ich warne euch“, funkelte sie die Fünf unheilvoll an, die es ihr gleichtaten. „Was ist dein Problem?“, ätzte Kevin. „Warum verteidigst du den Penner schon wieder? Bezahlt er dich?“, vermutete er und sah schließlich über Hermione hinweg höhnisch zu Draco.
„Lässt sich das feige, kleine Frettchen jetzt schon von einer Frau beschützen?“ „WIE HAST DU MICH GENANNT?!“, donnerte Draco wütend. Nur einen Herzschlag später, versuchte er Kevin zu greifen, allerdings schubste Hermione ihn erneut hinter sich und sah ihrerseits warnend zu Kevin. Ihr Blick war inzwischen ähnlich dunkel und bedrohlich wie der Dracos.
„Du hast keine Ahnung, was du da redest! Ich würde mich an deiner Stelle nicht mit ihm anlegen. Greyback ist schließlich nicht von alleine tot umgefallen“, drohte sie ihm. Der Ravenclaw schnaubte nur und zischte abfällig: „Ja klar!“
Hermione wusste, dass er ihr nicht glaubte. Es nicht wollte oder konnte, was im Endeffekt keine Rolle spielte. Sie wusste, dass es so war, und wusste damit auch, dass Draco kreuzgefährlich sein konnte, wenn er wollte. Und so geladen wie er gerade war, da. . .
Sie würde nicht riskieren, dass er wegen so einer höhnischen und dummen Auseinandersetzung Ärger bekam. Dafür hatte sie zu viel Kraft, Nerven und Zeit in diese Sache investiert. Mal ganz davon zu schweigen, dass sie selbst den Blonden, ihren Freund, nicht wieder in diesem Loch wissen wollte, nur weil ihm etwas die Sicherungen durchgebrannt waren.
„Glaub es oder glaub es nicht. Ich sag euch das jetzt nur noch ein einziges Mal. Der Krieg ist vorbei. Keiner von uns legt Wert auf irgendwelche neuen Auseinandersetzungen. McGonagall will Ruhe in der Schule haben. Dass wir unsere Konflikte beilegen und keine Neuen schüren. Merlin, ihr seid erwachsen, also benehmt euch gefälligst auch so! Wenn ihr das nicht könnt, werde ich ungemütlich, verstanden?“, endete sie und zog Draco, hoch erhobenen Hauptes, erneut wie einen kleinen, dummen Jungen hinter sich her, den Gang runter zum Verteidigung gegen die dunklen Künste Klassenzimmer. Sie waren so noch nicht richtig dort, als er sich ruppig von ihr löste und sie unsäglich wütend anfauchte.
„Hast du sie noch alle?! Ich hab dir gesagt, du sollst dich nicht in meine Angelegenheiten einmischen! Ich brauch deine Hilfe gegen diese Idioten nicht. Ich. . .“ „Nein, stattdessen ziehst du es vor, dich mit ihnen Prügeln zu wollen!“ „Oh bitte, ich bin nicht Weasley. Ich hab ganz andere Methoden mir jemanden vom Hals zu halten“, schnarrte er, worauf es gefährlich in Hermiones Augen blitzte.
„Lass mich mal raten. Irgendeine Art von schwarzer Magie? Flüche? Verdammt nochmal, DRACO!“, schrie sie ihn an und stampfte wütend wie Rumpelstilzchen auf.
„Schalt dein ach so schlaues Hirn mal zu. Du darfst keinerlei verbotene Zauber anwenden. Keine Flüche! Hast du das schon wieder vergessen? Du sollst dich ums verrecken nochmal aus Ärger raushalten, ansonsten bist du schneller wieder in Azkaban, als du fluchen kannst! Willst du dem Ministerium auch noch zusätzlich in die Hände spielen? Wenn dir einer blöd kommt, dann schluck es!!! Das mussten wir alle die ganzen Jahre, wenn du uns vollgepöbelt hast!“ „Ich hab dir schon mal gesagt, dass ich nicht anders konnte!“, blaffte er aufgebracht zurück, was sie ihrerseits schreien ließ.
„Ja und?! Das spielt jetzt aber keine Rolle! Erstens glaubt dir das ohnehin niemand und zweitens ist das vergangen. Diese Dinge sind gesagt worden. Du hast Menschen damit aufs tiefste verletzt! Es würde mich nicht einmal wundern, wenn du gerade Kevin, Justin und David, genauso wie mich, auch ständig als Schlammblut beschimpft hast! Du. . .“ „HÖR AUF!“, schrie er sie an, als sie diese eine Sache ansprach, die ihm immer derartig zuwider gewesen war, dass er gedroht hatte an diesem Wort zu ersticken, wenn er es ihr entgegengeschleudert hatte. Und das nur, da die anderen Schlangen von ihm erwartet hatten, dass er Hermione fertigmachte, demütigte und bloßstellte, die ihn jetzt und hier aufs Neue anschrie.
„WAS? Es war doch so! Du. . .“ In dem Moment setzte Draco vor, worauf sie zurück schrak und gegen die Wand stieß. Keine Sekunde später keilte er sie zwischen sich und der kalten Mauer ein, die Hermione urplötzlich im Rücken hatte.
Mit den Händen rechts und links von ihrem Kopf an der Wand abgestützt, beugte sich der Blonde bedrohlich zu ihr, sodass ihre Gesichter kaum 10cm voneinander trennten und sie jeweils den hektischen, aufgeregten Atem des anderen auf den Zügen spüren konnten.
Ihre Augen waren ineinander verhakt und zudem gefährlich dunkel. In ihnen huschten die unterschiedlichsten Gefühlsregungen umher. Da waren Wut, Frustration, Enttäuschung, ja sogar Angst blitzte kurz in den Augen Hermiones auf, als sie Draco so bedrohlich über sich hatte, der auch weiter schwer atmete.
„Hör … auf“, wiederholte er. Nun wieder leiser, ruhiger aber dennoch gepresst. Er hielt sie weiter mit seinem Blick gefangen, unter dem sie sich zunehmend unwohler fühlte und ihn schließlich grob von sich stieß, um wieder mehr Abstand zu ihm zu haben und richtig atmen zu können, denn irgendwie war es ihr so, als hätte er ihr die Luft zum Atmen mit seiner Nähe genommen. Genauso wie früher, wenn sie sich gegenübergestanden hatten. Etwas, was doch nicht mehr sein sollte. Es war ein Gefühl, was sie nicht mehr in sich spüren wollte und trotzdem war es da. Es war da und sorgte dafür, dass sie sich in eine Ecke stellte und schützend die Arme um den Oberkörper schlang.
Draco tigerte unterdessen sauer, mehr noch frustriert, auf dem Gang auf und ab und fuhr sich gestresst durch die Haare, die ihm dadurch ähnlich wirr vom Kopf abstanden, wie am Morgen direkt nach dem Aufstehen. Zeitgleich tobten in seinem Kopf Chaos, Unverständnis, vor allem aber Enttäuschung.
Ja, er hatte diese Dinge gesagt. Er hatte ihr damit wehgetan. Das wusste er und es tat ihm aufrichtig leid. Sie hatten doch aber darüber gesprochen. Dass er das nicht gewollt und so gemeint hatte. Sie hatte ihm ja auch gesagt, dass sie ihm deswegen nicht mehr böse war. Offensichtlich ein Irrtum, wie sich gerade gezeigt hatte. Ein Irrtum von vielen.
Sie war noch immer da. Diese dicke, dunkle Barriere, die sich ihre Vergangenheit schimpfte.
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Als Blaise und Charlie ein wenig später am Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste ankamen, stand Hermione in einer Ecke des Gangs. Die Arme vor der Brust verschränkt, fixierte sie einen offensichtlich hoch interessanten Fleck auf dem Steinboden. Draco hatte sich, ebenfalls in abwehrender Haltung, die andere Ecke auserkoren und starrte finster vor sich hin ins Nichts. Blaise und Charlie tauschten auf den Anblick nur kurz einen skeptischen Blick miteinander, ehe sie zu ihrem Freund traten.
„Was ist los?“, flüsterte Blaise, bekam aber keine Antwort. Ja sein Freund sah ihn nicht einmal an, sondern eher noch durch ihn hindurch. Sein Blick blieb dunkel, sodass er damit einen Geist hätte töten können, was Blaise scharf die Luft einziehen ließ, bevor er kurz zu Hermione schielte, die auch weiter auf den Boden blickte.
„Oh Merlin“, stöhnte er und konzentrierte sich wieder mehr auf den Blonden. „Sag mir jetzt nicht, ihr habt euch gestritten?“, flüsterte er, erntete allerdings nur Schweigen.
„Was war denn?“, hakte auch Charlie nach. Dracos starrer Blick blieb jedoch, womit allmählich der Rest laut quatschend eintrudelte. Unter ihnen Dippet, der den Schülern das Zimmer aufsperrte.
Dort verschwand Draco, wie gehabt, in der letzten Reihe, wie auch Blaise und Charlie, während sich Hermione zu Ginny verkrümelte, was ihre Freundin mit hochgezogener Augenbraue zur Kenntnis nahm. Nur einen Moment später fiel ihr Blick hinter zu den Jungs.
Dort zuckte Charlie mit den Schultern auf ihre stille Frage, was denn los wäre, bevor er sein Augenmerk erneut auf den Blonden legte. Der machte jedoch keine Anstalten, irgendjemandem seine Aufmerksamkeit zu schenken.
„Alles in Ordnung?“, hauchte Ginny ihrer Freundin schließlich zu, die knapp nickte und sich rasch ihr Buch nahm, was Ginny noch skeptischer stimmte. Als sie zu Harry schaute, zuckte der auch nur mit den Schultern, während Ron das Schauspiel mit einem zufriedenen Grinsen aufnahm.
Die Tatsache, dass Hermione, warum auch immer, Stress mit dem Frettchen hatte. In ihm regte sich daraufhin der Gedanke, dass sie jetzt endlich kapiert hatte, dass er nach wie vor dieser Arsch war und auch immer bleiben würde. Dass er der Feind war.
Neben Ron waren es auch David und Jacob, die angeregt flüsterten und immer wieder gehässige, durchtriebene Blicke nach hinten zu Draco warfen. Auf ihren Lippen zeichnete sich dabei recht deutlich ein bösartiges Grinsen ab, was so lange anhielt, bis Dippet die Aufmerksamkeit seiner Schüler für sich beanspruchte.
„Ich habe Ihnen jetzt eigentlich nichts weiter zu sagen. Das Thema ist nach wie vor die Patronus Beschwörung, die ja einige von Ihnen schon sehr gut beherrschen“, lächelte Dippet in die Klasse und sah vornehmlich zu Harry.
„Dahingehend möchte ich Sie bitten, Ihren Mitschülern, die den Zauber noch nicht können, zu helfen.“ „Ganz toll!“, murmelte Blaise und auch Charlie verdrehte die Augen, bevor er zu den Anderen sah, die sich bereits in Gruppen zusammenrauften. Und da traf Löwe auf Löwe. Hermione verschwand dann auch zu einem Mädchen aus Ginnys Klasse, was nur heißen konnte, dass sie richtig sauer auf Draco war. Warum auch immer.
Ginny wusste auf den Anblick nicht wirklich, was sie tun sollte? Sie hatte mit Harry und Neville in der letzten Stunde angefangen mit Theo, Tracey und den Schwestern zu üben, da abzusehen war, dass die Übrigen den Slytherins bei dem Zauber nicht helfen würden. Nun waren da noch drei Schlangen, die niemanden hatten, der ihnen ein wenig unter die Arme griff, da Hermione nur zu offensichtlich ganz plötzlich ein dickes Problem mit Draco hatte, was während des Mittags eindeutig noch nicht der Fall war.
Schließlich stand sie auf und trat zu den Jungs, um sie mit in ihre große Gruppe zu holen, damit sie wenigstens die Grundlagen mitbekamen. Üben konnten sie dann noch immer für sich, wenn der Spruch und die Zauberstabbewegung richtig saßen.
„Kommt ihr mit zu uns? Harry ist ein toller Lehrer“, lächelte sie den Dreien zu, wobei ihr Blick etwas mehr auf Draco fiel, der sinnlos ins Nichts starrte. Er schien Ginny nicht einmal gehört zu haben und machte auch keine Anstalten sich zu erheben. Stattdessen blieb sein Blick auf dem Fenster hängen, hinter dem sich die Ländereien erhoben.
„Draco?“, versuchte Blaise es, kaum dass er stand. Sein Freund bewegte sich allerdings nicht, was ihn seufzen ließ. Hier war ordentlich was in die Hose gegangen, aber dem würde er sich nach dem Unterricht näher widmen. Sie hatten dann ja nur noch Verwandlung. Danach konnte er Draco in die Mangel nehmen, den Dippet inzwischen auch im Blick hatte, jedoch nichts sagte, als er sich nicht zu den Übrigen gesellte. Dem Rest viel es ebenfalls auf. Unter anderem Hermione, als sie mal kurz den Blick hob, während Jennifer den Zauber mit geschlossenen Augen wie ein Mantra vor sich hin murmelte, um keine Endungen mehr zu verschlucken.
Schließlich endete der Unterricht recht unspektakulär. Die, die den Zauber noch nicht konnten, hatten ihn auch jetzt noch nicht drauf, wenngleich bei zwei Leuten zumindest ein schwacher, weißer Nebel aus dem Zauberstab gekommen war. Dippet hatte es gelassen aufgenommen und seine Schüler zum Üben ermutigt, da der Zauber nicht so leicht war und ein wirklich starkes Glücksgefühl benötigte, was man erst einmal entdecken musste.
„Mr. Malfoy?“, rief er Draco dann allerdings, als er als Letzter aus der Klasse verschwinden wollte. Auf den Ruf seines Professors blieb er augenrollend stehen und drehte sich angefressen, mit unheilvollem Blick, zu Dippet.
„Was?“, knurrte der Blonde. Dippet ignorierte seinen Unmut jedoch, genauso wie er Dracos Abwesenheit und Arbeitsverweigerung während des Unterrichts toleriert hatte.
„Ich kann mir denken, dass Sie noch immer recht ungehalten wegen der Sache von Montag sind. Dennoch würde ich Sie bitten, auch in Ihrem eigenen Interesse, dem Unterricht in der nächsten Stunde wieder mehr zu folgen.“ „Natürlich, Professor“, schnarrte er bissig und sah Dippet verhasst an, der ihm dann aber auf die Tür deutete.
„Sie sollten sich beeilen, wenn Sie nicht zu spät zu Ihrer nächsten Stunde kommen wollen“, erinnerte er ihn und suchte sich schließlich die Unterlagen für die dritte Klasse zusammen.
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„Mitkommen!“, knurrte Blaise, kaum dass sie aus dem Verwandlungszimmer raus waren und schleifte Draco am Kragen hinter sich her, runter in Richtung der Kerker, was rege interessiert von den umstehenden Schülern beobachtet wurde.
Der Blonde murrte nur kurz als Zeichen des Widerwillens, folgte Blaise’ strenger Anweisung jedoch, sodass sie keine zehn Minuten später in den Kerkern waren. Dort verschwanden sie in Charlies Zimmer, versiegelten es und legten zudem den Muffliato darüber, um wirklich ungestört und ungehört zu bleiben.
„Was hast du ausgefressen?“, begann Blaise ohne Umschweife, kaum dass er Draco in einen der beiden Sessel gedrückt hatte. Charlie nahm auf dem Bett Platz und beobachtete, wie immer, die Situation recht ruhig. Dracos Mimik behielt er dabei verstärkt im Blick.
„Gar nichts!“ „Gar nichts? Okay. Frage. Warum geht dir A) Hermione aus dem Weg und warum hast du B) so schlechte Laune wie schon ewig nicht mehr?“ Daraufhin murrte der Blonde nur, sodass Blaise vermehrt die Ohren spitzte.
„Ich höre?“ „Wir hatten einen kleinen Disput.“ „Aha. Wie klein war der denn? Und vor allem, wie sah der aus?“ Wieder murrte der Slytherin, schilderte seinem Freund dann aber recht kleinlaut die Auseinandersetzung mit Entwhistle und den übrigen Idioten. Genauso den Streit, der dieser Sache gefolgt war. Er war am Ende noch gar nicht richtig mit berichten fertig, da schlug Blaise ihm bereits heftig auf den Hinterkopf.
„AU!“ „Nix, au. Spinnst du jetzt völlig? Mensch, du sollst keinen Ärger machen!“ „Hab ich doch gar nicht! Die Idioten haben. . .“ „Haben angefangen, ja. Du wirst am Ende aber derjenige sein, der den Mist auszubaden hat. Die Typen vom Ministerium wird es nicht kümmern, wer Stress gemacht hat. Die sehen doch nur, dass du da mit drin steckst, und hätten dich damit am Wickel!“ „Blaise hat Recht!“, meldete sich nun auch Charlie zu Wort.
„Verdammt, die sind es nicht Wert, dass du dich in Schwierigkeiten bringst. Dahingehend hat Hermione vollkommen Recht. Du musst dich aus allem raushalten, auch wenn’s dir manchmal schwerfällt. Gerade bei den Flachzangen. Aber was bringt es dir am Ende? Nichts! Nicht, außer fünf Jahre Azkaban. Willst du das?“ „Natürlich nicht!“ „Dann halt dich gefälligst zurück! Wenn die Arschlöcher weiter Stress machen, können Charlie und ich uns um die kümmern. Uns sitzt niemand im Nacken, wenn wir ihnen ein paar lehrreiche Flüche oder ähnliches verpassen“, versprach Blaise mit einem durchtriebenen Grinsen auf den Lippen, als ihm bereits einige passende Ideen durch den Kopf schossen. Charlie bremste diese Art der Pläne allerdings aus.
„Ich halte das für keine gute Idee, Blaise.“ „Was?“ „Das auf so einer Ebene zu regeln. Wir müssen uns doch echt nicht auf deren Niveau herablassen. Wir haben schließlich ganz andere Mittel und Möglichkeiten. Zumal es letztlich auch nicht unbedingt für Draco . . . für uns alle sprechen würde, wenn wir ihr dreckiges Spielchen mitspielen und quasi da weitermachen, wo wir im Sechsten aufgehört haben. Wir sollten sie vielmehr auflaufen lassen, sodass sie sich wenn, dann selber in die Scheiße reiten. Ohne, dass einer von uns da irgendwie direkt mit drin hängt. Verstehst du, was ich meine?“ „Klar!“, lachte Blaise und grinste durchtrieben.
„Charlie, du überraschst mich immer wieder aus Neue.“ „Du redest ja auch mit einer Schlange“, stimmte Charlie in das diebische Grinsen ein, womit sich die Beiden erneut auf ihren Freund und sein aktuelles kleines, großes Problemchen konzentrierten.
„Als Erstes entschuldigst du dich bei Hermione und sprichst dich mit ihr aus. Klar?“ „Klar.“ „Punkt Zwei. Keine Streitigkeiten, Drohungen, Anfeindungen oder andere für dich riskante Dinge, gegen Löwen, Raben und Dachse. Klar?“ „Klar“, murrte er nun allerdings ein wenig, was nicht weiter verwunderlich war, denn das hieß für ihn, seinen Stolz und alles sehr tief herunterzuschlucken. Angefangen mit blöden Sprüchen, wie Hermione schon gesagt hatte.
„Und drittens, du machst gefälligst im Unterricht mit. Schlechte Noten bekommen dir nämlich genauso wenig, wie Prügeleien oder die Anwendung von Flüchen. Klar?“ „Klar.“ „Okay, dann lass uns was essen, ich hab Hunger.“ Damit trieb er den Blonden hoch, raus aus den Kerkern in die Große Halle zum Abendessen, wo die Schlangen nun wieder unter sich blieben.
Im Anschluss verschwanden die Drei zurück in die Kerker und begannen Pläne zu schmieden, wie sie der Idiotentruppe um Entwhistle möglichst dekadent ein Bein stellten, damit sie sich selbst ins Abseits manövrierten. Am besten noch so, dass es McGonagall oder einer der anderen Profs bemerkte.
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„Was war denn los?“, bohrte Ginny ihrerseits während des Essens, das Hermione nur von einer Seite des Tellers auf die andere schob, anstatt wirklich etwas zu sich zu nehmen.
Zur Überraschung aller, hatte sich Ron ganz plötzlich wieder zu ihnen gesellt, der fürs Erste versuchte, ein möglichst belangloses Gespräch mit Harry anzufangen, um im Kommenden herauszukriegen, was das Frettchen gemacht hatte? Unter Umständen konnte er da dann noch etwas nachsetzen, damit der Streit zwischen Hermione und dem Death Eater größer wurde. Allerdings machte die Brünette keine Anstalten den Mund aufzumachen und blieb auch gedanklich recht versunken. Ihren Broccoli hatte sie dadurch bestimmt schon drei dutzendmal von A nach B bewegt.
„Jetzt sag schon. Draco sah ja au–“, brach Ginny ab, als Ron auf einmal in seinen Saft prustete, was den kompletten Tisch fragend schauen ließ. Der Rotschopf hustete und würgte noch kurz etwas, bevor er leicht grün zu seiner Schwester sah.
„Hast du das Frettchen gerade beim Vornamen genannt?“ „Hab ich, ja. Gewöhn dich dran!“, zischte sie und sah zurück zu Hermione, die Ron auf diese Betitelung recht düster anfunkelte, denn das Frettchen hatte vorhin vermutlich die Bombe zum platzen gebracht.
Sie wusste, dass Draco diese Bezeichnung hasste. Hatte er ihr ja auch noch gesagt. Genauso, dass er nicht wollte, dass sie sich in seine Angelegenheiten mischte und dadurch riskierte, Ärger zu kriegen.
Auf den Gedanken seufzte sie schwer und warf schließlich ihre Gabel, mit dem aufgespickten Broccoli, klirrend auf den Teller, bevor sie sich frustriert zurücklehnte und aufs Neue sinnlos ins Nichts starrte.
„Hermione?“, hauchte Ginny, da sie deutlich erkannte, dass ihrer Freundin der Streit, oder was auch immer nun genau zwischen ihr und Draco vorgefallen war, nicht gut tat und sie noch weniger glücklich damit war. Aber das war soweit ja kein Wunder. Immerhin. . . Wer stritt schon gerne mit seinen Freunden? Außer ihrem blöden Bruder vielleicht, zu dem sie kurz schielte, ehe ihr Blick rüber zu den drei Schlangen glitt, die sich gerade geschlossen aus der Halle stahlen.
Ginny vermutete in die Kerker und hoffte, dass Blaise rauskriegte, was hier faul war und dem Blonden in den Arsch trat. Sie war sich eigentlich zu 100% sicher, dass Draco schuld an der gedrückten Laune ihrer Freundin war, die sie sich letztlich mit einem „Komm mit“ schnappte und den Gemeinschaftsraum der Löwen aufsuchte, der noch relativ leer war. Hier in der Ruhe und Einsamkeit erhoffte sich Ginny vielleicht doch noch eine Antwort zu bekommen.
„Also, was war jetzt? Du hast dich doch mit Draco gestritten, oder? Weswegen? Was hat er gemacht?“ Daraufhin seufzte Hermione und sah bedrückt zu ihrer Freundin, kaum dass sie auf der Couch Platz genommen hatte. In der Hand hielt sie eines der Kissen, von dem sie die Ecken zwirbelte.
„Komm, sag schon. Vielleicht kann ich dir ja helfen, hm?“, lächelte Ginny aufmunternd. Hermione schüttelte jedoch mit dem Kopf.
„Kaum.“ „Weil? Jetzt lass dir nicht jedes Wort aus der Nase ziehen. Draco hat Scheiße gebaut indem er was gemacht?“, versuchte Ginny es nun so, was der Brünetten ein bitteres Lächeln auf die Lippen zwang.
„Gar nichts eigentlich, das ist es ja. Ich hab ein bisschen überreagiert und dann kam eins irgendwie zum anderen.“ „Und was und wie genau?“, bohrte Ginny. Und wie bereits zuvor Draco Blaise und Charlie erklärt hatte, erklärte nun auch Hermione den Ärger mit den Fünf, wie auch ihren folgenden Disput. Kurz darauf stöhnte Ginny.
„Merlin nochmal. Das darf doch echt nicht wahr sein. Solche Idioten!“, meckerte der Rotschopf und konzentrierte sich schließlich wieder voll auf Hermione.
„Aber ich kann Draco da schon etwas verstehen.“ „Tatsächlich?“, sah Hermione ihre Freundin leicht überrascht an, die verschwörerisch nickte. „Unheimlich, oder?“, grinste Ginny, bevor sie zum Thema zurückkam.
„Du hast ihn da aber ganz gewaltig in seinem Stolz gekränkt. Ich mein. . . Welcher Typ lässt sich schon gerne von einem Mädchen verteidigen und beschützen? Das ist doch pures Gift fürs Ego und den Stolz. Erst recht, bei unserem Macho.“ „Du hältst ihn für einen Macho?“, hakte Hermione nach, was die Rothaarige wieder grinsen ließ.
„Teils. Schon, ja. Ich bin mir nur noch nicht so ganz schlüssig, wer in der Beziehung schlimmer ist. Blaise oder Draco?“ „Schwere Frage“, sinnierte Hermione, was Ginny noch breiter grinsen ließ.
„Nicht wahr? Aber um zum Thema zurückzukommen. . . Du hast da einen richtig wunden Punkt bei ihm getroffen. Dass er das nicht ruhig hinnimmt, war klar.“ „Ja, ich weiß. Ich hab ja auch gesagt, dass ich vielleicht ein bisschen überreagiert hab. Aber ich hab die Katastrophe echt schon kommen sehen. Ich wollte ihm doch nur helfen“, sah Hermione bedrückt zu ihrer Freundin, die zustimmend nickte.
„Ich denke, das weiß er garantiert auch irgendwo in seinem blonden Strohschädel“, grinste sie, in was Hermione kurz einstimmte, bevor Ginny weiter meinte: „Blaise tritt ihm sicher noch in den Hintern. Nach der Sache von Montag kann ich aber verstehen, dass er ein bisschen die Schnauze voll hat.“ „Das war ja auch mies“, murmelte Hermione bei dem Gedanken daran.
„Wahrscheinlich hat Dippet ihn deswegen heute soweit auch in Ruhe gelassen.“ „Hm“, murmelte Hermione ein wenig schwermütig, was Ginny schließlich abwinkte.
„Wird schon alles werden. Mach dir deshalb keinen Kopf. Der soll erstmal wieder runter kommen und dann klärt sich das alles bestimmt auch ganz schnell. Er ist doch auch nicht blöd. Er weiß, was gut und schlecht für ihn ist“, versuchte Ginny die Brünette aufzumuntern, bevor sie recht unkonventionell das Thema wechselte und auf der Couch noch ein Stück zu Hermione aufschloss.
„Aber jetzt mal was anderes. Die Sache in Zauberkunst. . . Kannst du mir da ein bisschen helfen? Bitte, bitte, bitte. Ja? Ich hab nicht so richtig verstanden, was genau Flitwick wollte“, erklärte sie und setzte einen Golden Retriever Blick auf, den auch Ron nur zu gut beherrschte, wenn er etwas von Hermione wollte. Vorzugsweise ihre Hausaufgaben oder sonst wie Hilfe für die Schule.
„Hast du dir das von Ron abgeschaut?“ „Was?“ „Den Hündchenblick?“, lachte Hermione, als die Rothaarige kurz verwirrt guckte, dann aber wieder besagten Hündchenblick aufsetzte und sich bei ihrer Freundin einkuschelte.
„Meine liebste, allerbeste Hermione. Bitte, bitte hilf mir, diesen blöden Zauber in meinen Kopf zu kriegen.“ „Der ist nicht blöd“, lachte Hermione, bevor sie etwas mit ihrer Freundin übte. Später gesellten sich auch noch Harry und Neville dazu, sodass es ein wenig so war, wie in den vorangegangenen Jahren.
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Noch immer etwas in Gedanken versunken, schlich Draco spät am Abend durch die Gänge, raus aus den Kerkern, hoch in Richtung Schulsprecherturm. Dabei bemerkte er erst recht spät, dass ihm jemand folgte. Im fünften Stock angekommen, hatte er dann nicht nur ein paar Gestalten hinter sich, sondern auch vor sich, die höhnisch grinsend auf ihn zuschlenderten.
Ganz toll, murrte er, als Entwhistle mit Banner und Fisher vor ihm in der Dunkelheit des Ganges auftauchte. Hinter ihm waren Fletchley und Baldwin und nahmen ihm damit die Möglichkeit, einfach kehrtzumachen und über einen anderen Weg seinen Turm aufzusuchen.
Ignorieren und die Typen auflaufen lassen. Soweit der Plan fürs Erste. Nur waren die Idioten nur zu offensichtlich auf Krawall aus, was sie dann auch verlauten ließen, als er ohne Regung an ihnen vorbeigehen wollte. Entwhistle zog ihn, als sie auf Augenhöhe waren, jedoch ruppig am Oberarm zurück.
„Wo willst du denn hin, Frettchen?“, schnarrte er, was den Blonden innerlich bereits gefährlich knurren ließ. Nicht reizen lassen, Draco. Die sind es nicht wert, wiederholte er, was ihm Hermione, Blaise und Charlie schon gesagt hatten.
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht. Davon abgesehen ist es fast 21:00 Uhr. Wenn ihr also keinen Ärger wollt, solltet ihr zusehen, dass ihr in eure Gemeinschaftsräume verschwindet“, gab er den Fünf ruhig und sachlich zu verstehen. Die grinsten sich allesamt aber nur dämlich an, ehe Fletchley seine Konzentration wieder ganz auf den Slytherin legte.
„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass wir uns von so einer kleinen, räudigen Ratte wie dir etwas sagen lassen?“, höhnte Justin, bevor er Draco vor die Brust und damit ein Stück weiter in Richtung Wand stieß, von wo der Blonde sie bedrohlich anfunkelte.
„Treib’s nicht zu weit, Fletchley.“ „Sonst was?“, spottete Adrian überheblich, zu dem sich auch noch Jacob stellte und selbstsicher meinte: „Willst du uns dann verfluchen?“ Daraufhin lachten die Fünf dreckig auf, sodass es dumpf von den kalten Steinmauern des Ganges widerhallte.
„Nur zur“, reizte Kevin ihn und baute sich einladend vor dem Blonden auf. „Wir würden nur zu gerne sehen, wie die Fritzen vom Ministerium dich an Händen und Füßen gefesselt hier rausschleifen und zurück nach Azkaban verfrachten“, raunte Kevin unheilvoll, mit einem boshaften Glitzern in den Augen. Zeitgleich begannen die beiden Löwen, Jacob und David, hämisch zu grinsen.
„Du bist erledigt, Malfoy. Du weißt es nur noch nicht“, meinte Justin und hatte damit seinen Zauberstab bei der Hand, dem die anderen Vier folgten.
Scheiße. . .
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Später am Abend trudelte Hermione wieder im Südturm ein. Sie hatte sich kaum von ihren Freunden und den Gesprächen trennen können. Zudem hatten sie ihr auch vorgeschlagen, dass sie bei Ginny schlafen könnte.
Die hatte, aufgrund einer Neuregelung, wie alle anderen Vertrauensschüler, für das siebte Jahr ein eigenes Zimmer bekommen, damit sie genug Ruhe fand, um sich neben ihren Aufgaben auch ordentlich auf ihre Prüfungen vorbereiten zu können.
So hätten die Freunde noch länger zusammensitzen können. Hermione hatte allerdings lächelnd abgelehnt. Zum einen hatte sie noch Hausaufgaben zu erledigen und zum anderen wollte sie mit Draco reden. Sie wollte die Sache vom Mittag geklärt wissen.
Als sie in ihrem Turm ankam, war sie jedoch allein. Sie fand ihn weder im Wohnzimmer, noch in seinem Schlafzimmer, geschweige denn im Bad. Zwar war es bereits etwas später, vermutlich war er aber noch im Kerker bei den Jungs.
Sie nahm es schulterzuckend so hin und setzte sich stattdessen an ihre Hausaufgaben. Er würde schon noch auftauchen, bis sie fertig war.
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„Scheiße“, knurrte der Blonde wütend in einem der Waschräume und spritzte sich abermals kaltes Wasser ins Gesicht, welches in der weißen Keramik, mit einer dünnen Rotspur vermischt, im Abfluss verschwand.
Diese Penner mussten ihn und Hermione, während ihres Streits belauscht haben, anders konnte er sich nicht erklären, woher sie von dieser einen Auflage wussten. Dass er wieder nach Azkaban wanderte, wenn er fluchte oder sonst wie Ärger anzettelte. Klar, dass die das jetzt ausnutzten!
Zwar wäre es ein Leichtes gewesen, sie mit anderen Zaubern auf Abstand zu halten. Nur so wie die drauf waren, hätten sie das den Profs als gemeingefährlichen Angriff seinerseits verkauft. Dass er Streit gesucht hätte, den er nun einmal nicht gebrauchen konnte, also hatte er es einfach hingenommen. Geschluckt, wie Hermione gesagt hatte. Das Ergebnis dessen war ein blaues Auge, eine blutige Nase, vermischt mit noch zwei Platzwunden an Stirn und Unterlippe.
Die Schwellung am Auge hatte er mit den Heilzaubern, die er kannte, soweit wieder hinbekommen, genauso die Platzwunden. Merlin sei Dank hatten sie ihm nichts gebrochen, was ihm seine Vermutung bestätigte. Die Fünf waren Grobmotoriker und selbst darin nicht sonderlich gut. Große Klappe nichts dahinter, wie man so schön sagte. Dennoch waren sie ein Ärgernis, welches ihm gewaltig gegen den Strich ging. Die Tatsache, dass er vor solchen Idioten kuschen musste, damit ihn im Gegenzug das Ministerium und die Strafverfolgung in Ruhe ließ. Zum Kotzen!
Wieder spritzte er sich etwas Wasser ins Gesicht, um auch den Rest Blut wegzuwaschen. Im Anschluss nahm er sich seine Kleidung vor und brachte diese in Ordnung, da er keine Lust hatte, die Sache in irgendeiner Art und Weise zu erklären.
Als er mit allem fertig und soweit wieder vorzeigbar war, setzte er seinen Weg versucht gelassen fort, um endlich in seinen Turm zu kommen. Er hoffte, dass Hermione noch wach war, denn er wollte wegen des Streits noch mit ihr reden. Er wollte nicht riskieren, dass diese Auseinandersetzung Zeit fand, um zu gären und damit die Wand zwischen ihnen vielleicht wieder mächtiger wurde.
Als er durch das Gemälde trat, knisterte im Kamin noch ein Feuerchen. In einem der beiden weißen Sessel entdeckte er die Gryffindor dann auch mit einem, wie sollte es anders sein, Buch in der Hand. Sie sah, auf das leise Knarren des Porträts, mit einem recht unergründlichen Blick über ihr Buch hinweg zu ihm rüber. Zwei, drei Sekunden lang, ehe sie die Nase wieder in ihre Lektüre steckte.
Sie war also noch sauer, seufzte er und kramte schließlich fieberhaft in seinem Kopf nach einem Ansatz, wie er sich am besten bei ihr entschuldigen konnte? Kurz und schmerzlos war vermutlich die beste Variante, womit er an die Rückfront der Couch trat und sich dort mit den Händen an der Lehne abstützte. Kurz darauf holte er tief Luft.
„Hermione, ich. . .“ „Hör mal, wir. . .“, begann sie jedoch zeitgleich in einem leisen Seufzen, worauf sich beide verdattert ansahen, ehe sie erneut simultan anfingen und sich so bereits im Ansatz verhaspelten. Hermione konnte daraufhin nicht anders, als zu schmunzeln. Letztlich sah sie ihn direkt an.
„Erst du.“ „Okay. Also ich. . . Wegen heute Mittag, da. . . Es tut mir leid. Ich. . . Mit mir sind da irgendwie ein bisschen die Hippogreife durchgegangen und da. . . Ich weiß ja, dass du es bloß gut meinst und mir helfen willst. Es war nur. . .“, knurrte er den Rest in sich hinein, als er zwangsläufig an diese Schwachköpfe dachte, denen er jetzt noch am liebsten die Pest an den Hals fluchen wollte damit. . .
„Schon okay“, riss Hermione ihn unverhofft aus seinen Verwünschungen, sodass er zu ihr zurück sah. Sie lächelte. Warm und versöhnlich.
„Ich denke, ich hab da auch ein bisschen übertrieben. Es war auch nicht gerade fair von mir, diese alten Kamellen nochmal so sehr aufzuwärmen. Tut mir leid.“ „Wieder Freunde?“, fragte er dennoch unsicher, was sie schief grinsen ließ.
„Na Feinde bestimmt nicht, da hab ich echt keine Lust mehr drauf. Auf diese ganzen Streitigkeiten“, grinste sie noch mehr, worin er erleichtert einstimmte. Diese Erleichterung wuchs noch um eine Nuance, als die Gryffindor ihm die Hand reichte. Es ließ ihn glücklich lächeln.
Es war alles gut, wie auch erträglich, solange diese kleine Hexe zu ihm hielt.
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Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Die Arbeit mit Steve Kloves war ein Genuss. Er ist fantastisch.
Alfonso Cuarón