Der kümmerliche Rest der ersten Schulwoche verlief weitestgehend konfliktfrei. Zumindest aus Hermiones Sicht, der Draco mit keinem Sterbenswörtchen etwas von dem neuen Quintett Infernale berichtet hatte.
Das hatte ihm auch am Freitagabend, als er aus den Kerkern gekommen war, erneut aufgelauert, mit dem Vorsatz, ihm eine weitere kleine Lektion zu erteilen. Er hatte es, wie am Mittwoch schon, stillschweigend hingenommen, und im Nachhinein seine Blessuren behandelt, sowie die Kleider in Ordnung gebracht. Im Anschluss war er bei Hermione aufgetaucht, die mit einer wahren Engelsgeduld versuchte, ihm den Patronus beizubringen. Bis jetzt ohne Erfolg, wo sie ihn immer wieder aufzumuntern wusste, sie hätte auch eine Weile gebraucht, bis sie den Dreh raus hatte. Dippet hatte ihnen dahingehend ja genügend Zeit zur Verfügung gestellt.
Zum Samstag hatten sich die Freunde für Hogsmeade verabredet. Blaise und Charlie wollten noch ein paar Besorgungen für den Abend tätigen, während Hermione etwas gänzlich anderes im Sinn hatte. Dafür musste Draco allerdings mitkommen, der nicht wirklich Lust hatte und bereits Anstalten machte, sich in ihren Turm zu verkriechen.
„. . . Warum?“, bockte Draco, sodass sich die Gryffindor bedrohlich vor ihm aufbaute. „Warum nicht?“, verlangte sie zu wissen und funkelte ihn warnend an.
„Das Wetter ist schön und das Dorf ist nicht so überfüllt wie sonst, wenn alle die Erlaubnis haben es zu besuchen. Blaise und Charlie sind auch da. Was ist dein Problem?“ „Ich hab einfach keine Lust!“, motzte er, was sie schnauben ließ. In der nächsten Sekunde hatte sie ihren Zauberstab bei der Hand.
„Draco Malfoy, ich werde nicht tatenlos mit ansehen, wie du hier versackst und dich vor der Welt verkriechst. Du kommst mit. Basta!“, sprach Hermione ein Machtwort, woraufhin ihm der Mund kurz perplex offen stehen blieb, bevor er stinkig knurrte.
„Sonst geht’s dir gut, oder was? Ich lass mich von dir nicht rumkommandieren! Das kannst du mit dem Wiesel machen, aber nicht mit mir!“, schnaubte er, was sie sich lediglich kurz mit hochgezogener Augenbraue besah.
Sie fragte sich unweigerlich, was gerade sein Problem war? Ob es wirklich nur der Kontakt zu den Anderen war, den er versuchte zu meiden, wie bereits die ganze Woche.
So ein Verhalten war allerdings Gift für ihn. Er musste raus und sich den Dingen stellen, auch wenn es am Anfang vielleicht etwas unschön verlief. Sich zu verstecken war jedoch der gänzlich falsche Weg.
„Du kannst meckern, wie du willst, du kommst mit. Zur Not schleif ich dich mittels Fluch hinter mir her“, drohte sie und hielt ihm gefährlich den Zauberstab unter die Nase, worauf es dunkel in seinen Augen blitzte.
„Das wagst du nicht!“ „Oh, ich wage vieles, mein Lieber. Erst recht, wenn ich ein bestimmtes Ziel verfolge. Das können dir Harry und Ron zweifellos bestätigen“, lächelte sie durchtrieben, während es in ihren Augen herausfordernd funkelte.
„Also? Du hast die Wahl. Entweder du kommst aus freien Stücken mit oder anders. Die Anderen würden sich über ein derartiges Bild sicherlich sehr amüsieren. Ich denke, das ist nicht wirklich in deinem Interesse?“ „Du bist ein mieses Biest, weißt du das?“, knurrte er. Hermione lächelte allerdings zuckersüß.
„Ja, das ist mir durchaus bewusst, mein Schnucki.“ „Vorsicht, Granger. Du bewegst dich gerade auf verdammt dünnem Eis“, raunte er unheilvoll, mit dunkel verhangen Augen, worauf sie sich ihm noch mehr näherte und ihn weiter herausfordernd anfunkelte.
„Ist das so? Hm, ich denke, ich kann es riskieren. Den großen, bösen Slytherin nehm ich dir schon lange nicht mehr ab.“ „Besser du tätest es“, raunte er gefährlich, dem Hermione mit gerecktem Kinn begegnete und stur seine dunklen Augen taxierte.
„Weil?“ „Weil dein Wiesel Recht haben könnte und ich euch allen nur etwas vorlüge. Schon mal daran gedacht?“, entgegnete er ihr auch weiter unheilvoll, was sie kurz blinzeln ließ.
In der Millisekunde dessen schoss ihr tatsächlich der Gedanke durch den Kopf, dass es alles nur ein perfides Spiel von ihm sein könnte. Dass er sie alle nur belogen und ausgenutzt haben könnte.
Diese dumme Vorstellung war allerdings schneller wieder weg, als sie ihr gekommen war. Im Gegenzug machte sich ein teuflisches Lächeln auf ihren Lippen breit, mit dem sie ihm mit ihrem Zauberstab auf die Brust tippte.
„Jaah. Du bist wahrlich das pure Böse, an dem ich mir die Finger verbrennen werde, wenn ich nicht auf mich aufpasse.“ „Du hast keine Ahnung, wie sehr du die Sache gerade auf den Punkt getroffen hast“, stimmte er in ihren durchtriebenen Blick ein und drückte schließlich ihre Hand mit dem Stab sacht beiseite.
„Du spielst mit einem Feuer, das du nicht kontrollieren kannst.“ „Wirklich? Hm, bis jetzt ist mir das doch noch recht gut gelungen.“ „Weil ich dich das Spiel habe führen lassen“, hauchte er rau, den Blick zunehmend verhangen auf ihre Züge gerichtet.
„Was machst du aber, wenn ich beginne das Spiel in die Hand zu nehmen?“, flüsterte er und tastete vermehrt ihre Züge ab. Er suchte in ihren Augen nach mehr, als nur diesem kleinen Schabernack, den sie gerade trieben. Nach mehr als nur einem Spiel.
„Wie würde das denn aussehen?“ „Kommt ganz darauf an.“ „Worauf?“ „Darauf, wie weit du gehen würdest, um zu bekommen, was du am allermeisten willst? Wie viel du riskieren würdest?“, hauchte er und strich ihr nebenher eine Haarsträhne hinters Ohr, bevor seine Hand wanderte und er schließlich die Fingerspitzen über ihre Wange zum Hals hin hinabgleiten ließ.
Mit den Augen tastete er zeitgleich ihre Züge aufs Genaueste ab und blieb beinahe zu lange an ihren Lippen hängen, dass es eigentlich auffällig war. Hermione registrierte diesen jedoch Blick nicht. Ebenso wenig nahm sie diese kleine Zärtlichkeit als solche wahr. Stattdessen spielte sie ihr Spiel weiter und sah ihn diebisch an.
„Nun, ich würde jetzt zum Beispiel so weit gehen, dich zu verfluchen, um dich mit nach Hogsmeade zu bekommen.“ „Und damit riskieren, dass ich dir deinen Wuschelkopf abreiße“, entgegnete er ihr bedrohlich. Hermione lachte allerdings.
„Würdest du nicht. Dafür kenne ich dich inzwischen gut genug. Dafür vertrau ich auch viel zu sehr auf Blaise und Charlie. Immerhin haben die Zwei mir seit Jahren ein Ohr abgekaut, dass du eigentlich keine so giftbeißende Schlange bist“, lächelte sie nun frech, während Draco seufzte.
Potter, allen voran das Wiesel, aber leider auch er selbst, hatten in den vergangenen Jahren wirklich einiges bei Hermione kaputt gemacht, dass sie in keiner Weise Anspielungen und Flirtversuche zu deuten wusste. Kein Wunder, da die beiden Backpfeifen sie immer nur als eine Art Kumpel, aber nie als Mädchen, als Frau, gesehen hatten. Da konnte dieses Empfinden doch nur abstumpfen und verkümmern. Also noch mehr Offensive. Nur wie viel war gut und wie viel wurde riskant? Er wollte sie ja auch nicht verschrecken oder in die Enge treiben.
Überhaupt. . . Bevor er etwas in der Richtung unternahm, sollte er besser erst einmal dafür sorgen, dass sie das widerliche Wiesel endlich in die Wüste schickte. Bedauerlicherweise schienen sich die Zwei die letzten Tage wieder ein wenig mehr vertragen zu haben, als er mit Hermione den kleinen Disput hatte.
Er nahm sich ganz fest vor, nichts dergleichen mehr anzuzetteln und damit Gefahr zu laufen, sie unter Umständen erneut stärker in die Arme des Rotschopfs zu treiben. Der Blödmann lauerte doch nur darauf, dass sie wieder mit ihm Streit hatte. Aber da konnte er in Zukunft warten, bis er Schwarz wurde.
„Die Schlange hat trotzdem Zähne und weiß die auch zu benutzen“, hielt er ihr dann dennoch vor Augen, was sie nicken ließ.
„Ja, wie wahr. Und Gift versprühen kann sie auch noch.“ „Du siehst, ich kann gefährlich sein.“ „Aber nicht für diese Löwin“, deutete sie selbstsicher auf sich, worauf es in seinen Augen blitzte. Kurz darauf stürzte er sich auf besagte Löwin, die nur noch verschreckt quiekte, als ihre Schlange sie an den Hüften packte, hoch stemmte und sich recht flapsig über die Schulter warf.
„DRACO!“, schrie sie mit hochrotem Kopf und neigte sich halb zu ihm. Der Slytherin lachte nur und trug sie das kleine Stück zur Couch, auf die er sie rücklings verfrachtete und sich grinsend zu ihr herab beugte.
„Ich sehe in der Tat, wie gut du dich gegen mich behaupten kannst“, neckte er sie, während Hermione noch mehr das Blut in den Kopf schoss, was ihn wieder zu einem blöden Spruch animierte.
„Noch ein bisschen mehr und du kommst an Weasleys Haarfarbe ran.“ Zur Belohnung bekam er volle Kanne eines der Couchkissen ins Gesicht. Dem folgte ein stiller Fluch, der ihm die Haare rot färbte.
„Ich finde, du hast gerade wesentlich mehr Ähnlichkeit mit Ron als ich.“ „Das nimmst du auf der Stelle zurück! Ich habe 1’000-mal mehr Klasse und Stil und Charme und. . .“, da bemerkte er erst, was sie mit ihm angestellt hatte, als ihm eine Haarsträhne in die Augen fiel.
„WAS IST DAS DENN?!“, kreischte er entsetzt um eine Oktave höher. „Ich sag doch, jetzt hast du Ähnlichkeit mit ihm“, lachte die Hexe herzhaft und beobachtete zufrieden, wie er hektisch nach seinem Zauberstab suchte, denn er bis eben noch in der Gesäßtasche seiner Jeans stecken hatte.
„Suchst du den?“, hielt sie den Stab hoch, was ihn blöd gucken ließ. „Wie hast du. . .“ „Tja mein Lieber, ich würde sagen 2:0 für die clevere Löwin.“ „Mach das sofort rückgängig!“, donnerte er sauer und versuchte sich seinen Zauberstab zurückzuerobern. Hermione hielt ihn mit beiden Stäben allerdings auf Abstand.
„Das würde ich lassen.“ „Du hinterlistiges, durchtriebenes, mieses Biest!“ „So weit waren wir vorhin schon mal. Aber ich mach dir einen Vorschlag. Du kommst ohne Gemurre mit uns runter ins Dorf und ich hex dir die Haare wieder so schön, wie sie waren. Deal?“, grinste sie siegreich, während Draco angefressen knurrte.
„Darf ich mir wenigstens noch eine Jacke holen?“ „Was immer dir beliebt“, meinte sie neckisch und beobachtete zufrieden, wie er mürrisch die Treppen hoch stapfte, um keine drei Minuten später, mit einer grauen Sweatjacke über dem Shirt, zurückzukommen.
„Wärst du jetzt so freundlich?!“, zischte er noch immer leicht und deutete auf seine rote Haarpracht. „Bist du dir sicher, dass du die neue Frisur nicht noch etwas behalten willst?“ „GRANGER!“, donnerte er sofort wieder sauer, sodass sie ihren Zauberstab schwang und das Rot dem allseits bekannten Blond den Platz überließ.
„Zu gütig“, grunzte er und streckte letztlich auffordernd die Hand aus. „Hast du nicht was vergessen?“ „Nein“, gab sie ihm arglos zu verstehen und verstaute ihren, wie auch seinen Stab, in ihrer Handtasche.
„MEIN ZAUBERSTAB!“, motzte er prompt, kaum dass das so mächtige Utensil in ihrer kleinen Stofftasche verschwunden war.
„Erstens brauchst du den jetzt nicht, und zweitens kriegst du ihn erst wieder, wenn ich nicht mehr Gefahr laufe, von dir verflucht zu werden.“ „Schon mal was von Würgeschlangen gehört?“, knurrte er bedrohlich, die Augen dunkel, worauf sie ihn kurz unschlüssig ansah.
Sie war sich nicht ganz sicher, ob sie dieses kleine Machtspielchen gerade vielleicht ein wenig zu weit trieb? Am Ende lächelte sie versöhnlich.
„Komm, jetzt sei nicht sauer. Hm? Blaise und Charlie warten sicher auch schon auf uns.“ „Das ist jetzt echt dein Ernst?!“ „Wie will ich sonst sicher gehen, dass du auch wirklich mitkommst?“, sah sie neckisch zu ihm und hielt ihm aufmunternd die Hand hin, was ihn resignieren ließ.
„Sieht wohl eher nach 3:0 aus“, murmelte er, was Hermione dennoch gehört hatte. Sie lächelte warm und drückte seine Hand sanft, bevor sie ihn ebenso aufmunternd ansah.
„Auf eine Revanche werde ich vermutlich nicht lange warten müssen?“ „Darauf kannst du wetten!“ „Aber nicht heute“, schmunzelte sie freundschaftlich, sodass sein Ärger zeitnah verflog, als sie sich auf den Weg nach unten machten. Als sie am Portal ankamen, änderte sich das jedoch abermals, als Draco nicht nur Blaise und Charlie entdeckte, sondern auch noch einen gesteigerten Löwenaufmarsch.
„Großartig“, stöhnte er und verkrümelte sich zu seinen Freunden, während der Rest der Anwesenden, allen voran Ron, ihn unheilvoll taxierte. Allerdings schwieg er und führte stattdessen sein Gespräch mit Harry fort. Blaise hingegen schlang Draco freudig den Arm um Schulter und Nacken, wodurch er ihn halb in den Schwitzkasten zog.
„Bist ja doch noch gekommen.“ „Ich wurde gezwungen“, murrte er und stierte zurück zu den Löwen, wo sich das Wiesel gefährlich Hermione näherte. Der Typ legte ihr den Arm um die Taille, zog sie eng an sich und drückte ihr schließlich einen feuchten Schmatzer auf die Wange.
Auf den Anblick verdunkelte sich Dracos Blick bedrohlich. Die Zwei hatten sich die letzten Tage eindeutig schon wieder zu gut miteinander vertragen, was ihn unterschwellig knurren ließ. Zeitgleich zerfetzte er das Wiesel mit seinem Blick.
„Wenn du mit Blicken töten könntest, dann hätte Weasley jetzt drei Dutzend Messer im Rücken“, flüsterte Blaise, um ihm klarzumachen, dass er sich alles andere als unscheinbar verhielt. Draco schnaubte auf den Hinweis nur, bevor er ebenso finster zu seinen Freunden sah. Charlie grinste jedoch.
„Der nächste Ehekrach wird keine 24 Stunden auf sich warten lassen. Ginny hat mir vorhin noch gesteckt, dass ihr ach so netter Bruder keine Ahnung hat, dass die Mädels heute Abend bei uns sind. Wir könnten diese Sache dann ja mal unauffällig ansprechen, wenn er so halb hinhört. Entweder explodiert er gleich oder er wird versuchen, es den Mädels zu verbieten. Und wir wissen alle drei, wie das endet“, grinste Charlie durchtrieben, was Draco ihm gleich tat, ehe sich Blaise mehr zu ihm beugte und ins Ohr flüsterte: „Die idealen Voraussetzungen, um Hermione noch einmal zu zeigen, wie sehr du Gentlemen sein kannst und. . . EY!“, entwich es Blaise erschrocken, als er von hinten unsanft angerempelt wurde.
Er kam ins straucheln und hielt sich an Draco fest, der selbst fast gestürzt wäre, so aber nur ein etwas dumpfes Bum vernahm, dem ein leiser Fluch folgte. Als sich die Drei der Geräuschquelle zudrehte, entdeckten sie auf dem Boden sitzend, halb im Nichts verschwunden, Ginny, die sich schmerzlich den Knöchel hielt.
„Ginny!“, stieß Hermione überrascht aus und war damit bei ihrer Freundin, der sie Harrys Tarnumhang ganz weg zog.
„Sag mal, was wird das denn?“ „Ich wollte mitkommen“, brummte sie, da sie als Standardsiebtklässlerin eigentlich erst nächste Woche zu dem regulären Termin ins Dorf gekonnt hätte.
„Aha“, stieß Hermione aus, als sich auch noch Harry, Ron und die Schlangen zu ihr gesellten. Harry bekam dann auch schon Hermiones tadelnden Blick zu spüren.
„Und da hast du ihr deinen Umhang geliehen?“ Der Held der magischen Welt zuckte nur mit den Schultern und reichte seiner Freundin die Hand, um ihr aufzuhelfen. Ginny zischte jedoch schmerzlich, als sie den Fuß belastete.
„Au!“ „Lass mal sehen“, murmelte Charlie, nachdem sie die Rothaarige auf einer der Steinbänke platziert hatten. Dort begutachtete er ihren Knöchel und sprach ein paar Zauber, die die Schwellung linderten, während sich Blaise neckisch zu ihr beugte.
„Seit wann stolperst du über deine Füße?“, grinste er gewitzt, worauf sie „Hab die Stufe nicht richtig erwischt“, brummelte, was ihn noch mehr grinsen ließ. Charlie war inzwischen fertig, sah aber dennoch ernst zu der Gryffindor.
„Du solltest den Fuß die nächsten Stunden nicht belasten, ansonsten kann das wieder dick werden. Am besten hochlegen.“ „Aber ich wollte doch mit!“, protestierte Ginny.
„Wenn du den Tag mit Schmerzen verbringen willst. . .“, ließ Charlie den Satz offen, was sie grummeln ließ. Blaise schüttelte nur mit dem Kopf, ehe er sich ihr näherte und sie ungefragt ansackte. Keine Sekunde später lag sie in seinen Armen, was Ron gefährlich schnauben ließ, der zudem schon seinen Zauberstab bei der Hand hatte.
„Was hast du vor?!“ „Wonach sieht es aus, du Hohlbirne? Sie kann nicht richtig laufen, also bring ich sie ins Schloss. Wir haben heute Abend schließlich noch was vor“, flüsterte er Ginny den letzten Satz neckisch zu, die auf den Gedanken gleich freudig grinste, bevor Blaise noch anfügte: „Da macht sich ein kaputter Fuß schlecht, nicht wahr?“ „Hm“, schmunzelte sie. Ron zog allerdings misstrauisch die Augenbrauen kraus, was noch schlimmer wurde, als Charlie ergänzend meinte: „Geh mit ihr trotzdem nochmal zu Pomfrey. Zur Sicherheit, damit sie heute Abend wieder richtig fit ist.“ „Wie, heute Abend?“, wiederholte Ron und taxierte die Schlangen gefährlich. „Was ist heute Abend?!“, sah Ron im Anschluss sauer zu seiner Schwester, die Blaise gerade genüsslich die Arme um den Nacken legte.
„Nichts, was für dich von Interesse wäre“, gab Blaise ihm lediglich überheblich zu verstehen, worauf der Vulkan in Ron noch stärker brodelte.
„Du blödes. . .“ „Ron“, mahnte Harry ihn leise, da er keine Lust auf neue Streitigkeiten hatte. Sein Freund sah jedoch sauer zu ihm, während Harry den Tarnumhang zusammenknüllte und in seiner Tasche verschwinden ließ.
Blaise nahm die Übrigen dann nur noch kurz in Augenschein und meinte: „Wir sehen uns später“, ehe er mit Ginny auf den Armen im Schloss verschwand, noch bevor jemand etwas dazu sagen konnte. Ron schnaubte dennoch und sah abwechselnd wütend zwischen Harry und Hermione hin und her, ehe sein Blick bei Hermione hängen blieb.
„Was ist heute Abend?“ „Nichts“, stöhnte sie und warf den verbliebenen beiden Schlangen einen warnenden Blick zu, ja die Klappe zu halten. Am Ende trat sie zu Harry und hakte sich bei ihm unter, da Rons Laune zunehmend ihre eigene vermieste. Sie ignorierte ihn und sein Geknurre und strafte im Gegenzug Harry mit einem vorwurfsvollen Blick.
„Du hättest wirklich riskiert, dass Ginny Ärger bekommt?“, tadelte sie ihn. Harry grinste nur schief. „Komm schon. Es wäre nur ein Hogsmeadebesuch gewesen. Da ist doch nichts dabei. Wir haben uns doch auch mehr als einmal ohne Erlaubnis aus dem Schloss geschlichen und uns in sonst was für Schwierigkeiten gebracht“, erinnerte er sie, worauf sie etwas murrte, da sie diese Sache nicht abstreiten konnte. „Ja, sicher.“ „Na siehst du.“ Damit zog er sie mit sich, dem der Rest teils knurrend folgte.
Kaum im Dorf angekommen, machte sich Hermione von Harry los, der es ein wenig verdutzt zur Kenntnis nahm. Diese Verwunderung stieg noch mehr an, als sie stattdessen zu Draco trat und den leicht verwirrten Blonden bei der Hand ergriff. Ein Blick zu Ron zeigte ihm, dass der Rotschopf auf diese simple, kleine Geste bereits gefährlich schnaubte.
„Komm mal mit, ich hab da noch was mit dir zu erledigen.“ „Aha“, kriegte Draco allerdings nur irritiert raus, als Ron reichlich empört, schon fast wütend „HERMIONE!“, rief. Ein patziges „Später!“, war das Einzige, was er zur Antwort bekam, als die Hexe mit Draco um die nächste Ecke verschwand.
Ihre Schlange grübelte bereits, was sie mit ihm vorhatte, als Hermione erspähte, was oder besser wen sie suchte. Draco bemerkte die Dunkelhaarige nur etwas später und starrte sie doch recht perplex an, während Hermione ihr freundlich zulächelte und sie mit einer Umarmung begrüßte.
„Schön, dass du Zeit gefunden hast.“ „Die Bitte konnte ich dir doch nicht abschlagen, außerdem. . .“, schmunzelte die Dunkelhaarige und sah letztlich zu Draco, der noch immer verdattert auf die ehemalige Gryffindor blickte, die ihn ihrerseits angenehm überrascht musterte und schließlich lächelte.
„. . . haben wir ja auch noch etwas zu klären. Nicht wahr, Draco?“
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„. . . Du bist und bleibst ein kleiner Tollpatsch“, neckte Blaise Ginny, die noch immer ein wenig peinlich berührt in seinen Armen lag, während er sich seinen Weg zu Madam Pomfrey bahnte.
„Ich hab die blöde Stufe halt nicht gesehen.“ „Ja, ja“, grinste die Schlange, bevor er die freche Löwin auf einem der Betten absetzte, wo auch gleich die Medihexe hinzukam und sich nach ihr erkundigte. Kurz darauf besah sie sich den Fuß und gab Charlie in seiner Meinung Recht, ehe sie den Knöchel noch mit einer kühlenden Salbe behandelte und der Gryffindor einen Stützverband anlegte.
„Wie lange wird es dauern, bis der Knöchel ausgeheilt ist?“, erkundigte sich Blaise neugierig. „Ich denke, in vier bis fünf Stunden sollte sich das Gewebe und die Muskeln komplett regeneriert haben. Sofern Sie den Fuß jetzt nicht unnötig belasten“, mahnte Poppy die junge Hexe, die ein wenig brummelte.
„Das heißt, heute Abend ist alles wieder in Ordnung?“, hakte Blaise trotzdem nach, worauf Poppy nickte „Ich denke schon, ja“, was ihn gleich breit grinsen ließ. „Dann ist die Party ja gerettet!“ Mit diesen Worten hob er Ginny hoch, die kleinlaut protestierte.
„Ein paar Schritte kann ich schon noch laufen.“ „Nix da. Ich geh da kein Risiko ein“, meinte er und trug die Rothaarige die unzähligen Stufen hinauf. Irgendwann blieb er jedoch unschlüssig stehen und sah sich suchend um, bevor er fragend auf die Gryffindor sah.
„Welche der vielen Treppen führt nochmal zu eurem Turm?“ „Du bist fast richtig“, schmunzelte Ginny und deutete ihm nach rechts, auf das Porträt der Fetten Dame, die ihrerseits überrascht auf die Personen vor sich schaute.
„Miss Weasley, Miss Weasley, was muss ich denn da sehen? Sie und eine Schlange? Was hat der Unhold Ihnen angetan?“ „Der Unhold, Gnädigste, möchte nur sicherstellen, dass Mylady wohlbehalten in ihre Gemächer gelangt“, lächelte Blaise charmant, was die Fette Dame ihm sichtlich verblüfft gleich tat.
„Oh, gute Manieren. Eine Seltenheit heutzutage.“ „Wie wahr, Teuerste.“ „Sicher haben Sie auch schon von meiner wundervollen Stimme gehört mit der ich. . .“ „Schokonuggets!“, fiel Ginny der Fetten Dame rasch ins Wort, um zu verhindern, dass sie mit ihrem Gekreische begann. Stattdessen schwang sie zur Seite, nicht aber ohne Ginny einen beleidigten Blick zuzuwerfen, während Blaise lachte und in den halbleeren Gryffindor Turm trat.
„Schokonuggets?“ „Frag nicht“, grinste Ginny und deutete ihm auf die Ecke mit den Sitzgelegenheiten, wo noch ein paar ihrer Leute waren und reichlich überfordert auf den Eindringling sahen, der die Löwin trug.
„Was geht denn hier ab?!“, empörte sich David, als er den Slytherin entdeckte, der sich gleich stinkig zu dem Löwen drehte.
„Du hast Augen im Kopf, Banner. Benutz sie.“ „Verzieh dich! Euch dreckiges Gesindel will hier keiner haben!“, giftete er und deutete Blaise auf den Zugang, durch den er gerade erst gekommen war. Ginny wurde auf die Beleidigung ihres Mitschülers sofort fuchtig und keifte ihn an.
„Sag mal, geht’s noch?! Was fällt dir eigentlich ein?!“ „Das Gleiche könnte ich dich fragen, den hier reinzulassen!“, zischte er giftig und wies auf Blaise, der seinerseits schnaubte.
„Gastfreundschaft wird bei euch wahrlich groß geschrieben.“ „Du bist kein Gast, Zabini, du bist eine räudige Kakerlake, die in die Kerker gehört und. . .“ Der Rest von Davids Worten erstickte in einem Kreischen, als Ginny ihm ihren berühmt berüchtigten Flederwicht auf den Hals hetzte.
Dieser jagte den vorlauten Löwen erst einmal durch den kompletten Gemeinschaftsraum, was sich die Hälfte der Anwesenden lachend, die andere argwöhnisch besah.
„Du dreckiges Miststück. MACH DAS WEG!“, schrie David und rief damit noch andere auf den Plan. So auch Neville, der aufgrund des Radaus, aus seinem Zimmer trat.
„Könnt ihr nicht leiser machen!? Ich arbeite!“ Sein Blick glitt erst über David, der noch immer mit Ginnys Erscheinung kämpfte, die er dann auf der Couch ausmachte. Neben ihr grinsend, Blaise.
„Zabini!“, entwich es Neville überrascht, zu dem die Zwei stattdessen sahen. „Was machst du denn hier? Wie kommst du überhaupt hier rein?“ „Durch mich!“, klinkte sich Ginny sofort ein, noch bevor Blaise antworten konnte. Kurz darauf sah Neville zu ihr.
„Ich hab mir den Knöchel verknackst und Blaise war so nett, mich hochzutragen, weil Pomfrey meinte, ich soll den Fuß erstmal nicht belasten.“ „Oh! Dann danke“, sah Neville zurück zu Blaise, als es hinter ihm krachte und er kurz zusammenzuckte. Nur einen Moment später sah er halb flehend zu Ginny.
„Kannst du das bitte wieder abstellen? Ich kämpf grad echt mit meinen Hausaufgaben.“ „Erst, wenn er sich bei Blaise entschuldigt!“, forderte Ginny wütend, was Neville irritierte, während David krächzte: „Vergiss es!“ „Dann leb mit deinem neuen Haustier!“, zischte Ginny giftig, sah dann aber entschuldigend zu Neville.
„Er hat es nicht anders verdient.“ „Und was ist jetzt mit mir?“, jammerte der Gryffindor, der sich bei dem Krawall absolut nicht konzentrieren konnte.
„Schmeißt den Idioten einfach raus, schon habt ihr Ruhe“, schlug Blaise grinsend vor, wo sich nun noch ein paar Löwen zu Wort meldeten und Blaise verbal angriffen.
„Du solltest die Klappe halten, Zabini.“ „Genau! Das ist unser Gemeinschaftsraum, also verschwinde!“ „Ja, verpiss dich!“ „Wirklich gastfreundlich“, monierte der Slytherin nochmal trocken, zu dem Ginny entschuldigend sah. Aber auch Neville waren seine Mitschüler sichtlich peinlich, die schließlich noch weiter gingen und mit gezückten Stäben auf den Slytherin deuteten.
„Verzieh dich endlich. Du bist hier nicht willkommen!“ „Genau, raus!“, wurden noch mehr mutig, zu denen sich Neville sauer drehte.
„Jetzt hört endlich auf. Ihr benehmt euch wie die letzten Idioten!“ „Aber das ist ‘ne Schlange!“ „Na und?!“, donnerte Neville, dem es zu blöd wurde.
„Merlin, werdet erwachsen!“, setzte er noch hinten an, bevor er sich wieder zu Blaise und Ginny drehte. Der Slytherin sah ihn auf seinen Ausruf ehrlich überrascht an, während Ginny dankbar lächelte. Neville konzentrierte sich allerdings mehr auf Blaise.
„Tut mir leid, aber vielleicht ist es im Moment wirklich erstmal besser, du gehst“, meinte er ruhig, wie auch entschuldigend, da ihm das Gebaren seiner Hauskameraden irgendwo unangenehm war. Blaise nickte nur knapp und beugte sich schließlich zu Ginny, der er einen kleinen Abschiedskuss auf die Wange hauchte.
„Dann schon mal dein Füßchen, damit das heute Abend fit ist, ich will nämlich mit dir tanzen“, grinste er. Zeitgleich blitzte es in seinen dunklen Augen vorfreudig, bevor er nochmal zu Neville sah.
„Unsere Einladung an dich steht noch.“ „Ähm. . . Danke, aber. . . Ein andermal vielleicht“, brachte er ein wenig unsicher hervor. Kurz darauf war Blaise weg, dem Ginny deprimiert hinterher sah. Aber auch bei Neville machte sich so etwas wie ein schlechtes Gewissen breit, als es erneut in ihren Räumlichkeiten krachte, was den sonst so ruhigen, jungen Mann aus der Haut fahren ließ.
„RAUS!“
Ausgelassen, wie auch mit sich und ihrem Vorhaben zufrieden, schlenderte Hermione durch die frisch renovierten Gassen des Zaubererdorfes. Sie blieb dann auch an einigen der Schaufenster stehen und betrachtete die Auslagen. Von weitem konnte sie den ebenfalls neu eröffneten Scherzartikelladen von George sehen wo, wie sonst auch in der Diagon Alley, reger Andrang herrschte. Und das trotz der Tatsache, dass nur eine Handvoll Schüler Ausgang hatten. Sie fragte sich wirklich, wie er das alles alleine bewerkstelligt bekam, immerhin hatte er auch noch die Hauptfiliale in der Diagon Alley?
Sie nahm sich vor, Ginny bei Gelegenheit zu fragen, für die sie noch ein paar Leckereien aus dem Honeydukes holte, ehe sie in den Buchladen verschwand und dort die Regale durchstöberte. Hin und wieder blieb sie stehen und zog eines der Bücher heraus, um ein wenig darin zu lesen, bevor sie es zurückstellte und andächtig das nächste nahm.
Da der Verkäufer sie und ihre Handlungsweise bereits aus den Vorjahren kannte, ließ er die junge Hexe in ihrer kleinen Welt, die irgendwann zwei neue Bücher gefunden hatte, mit denen sie an der Kasse verschwand. Der alte Mann lächelte sie auch gleich freundlich an.
„Etwas Schönes entdeckt, Miss Granger?“ „Immer“, schmunzelte sie und bezahlte ihre beiden Schätze, ehe sie diese, zusammen mit ihren anderen Einkäufen, in ihrer Handtasche verstaute.
„Ausdehnungszauber?“, erkundigte sich der Herr lächelnd, was sie ihm gleich tat und nickte. Kurz darauf war sie draußen und schlenderte noch ein wenig andächtig durch die nun wieder belebte, farbenfrohe Straße.
Das Leben hatte eindeutig auch hier wieder Einzug gehalten und das teils sogar mit neuen Geschäften. Am Ende machte sie sich auf den Weg zu Madam Rosmerta. Vermutlich warten die Anderen schon auf sie, dachte sie sich, als sie einen flüchtigen Blick auf ihre Uhr warf. Sie hatte in dem Buchladen einmal mehr vollkommen die Zeit vergessen. Wie immer.
„Mist“, fluchte sie und hob den Blick, als sie ohne Vorwarnung ruppig in eine der kleinen Seitengassen gezerrt wurde. Tiefer und tiefer.
Ihr verschreckter Aufschrei blieb ihr dabei in der Kehle stecken, da ihr Angreifer ihr nicht nur die grobe Hand über den Mund legte, sondern seinen kräftigen Arm auch noch gegen ihren Hals drückte und sie damit letztlich an der Backsteinwand eines Hauses festnagelte.
„Hallo Missy“, raunte ihr Gegenüber dunkel, worauf sie panisch die Augen aufriss und in die tückischen, dunklen von Gibson blickte. Dieser leckte sich genüsslich über die Lippen und stieß dabei eine bestialische Fahne aus, die sie würgen ließ.
Der dicke Kloß blieb ihr jedoch in der Kehle stecken, die ihr der Typ auch weiter gefährlich abdrückte, sodass sie getrieben nach ihm schlug. Der kräftige Bulle besah es sich grinsend.
„Was denn, was denn? Willst du mir was sagen, Missy?“, lallte er ein wenig und blies ihr dadurch erneut seine Firewhiskeyfahne entgegen, sodass ihr schwindlig wurde. Kurz darauf kam er ihr noch näher, wodurch die Panik in ihre gänzlich überkochte, und sie das Knie hoch riss.
Sie hatte Glück und traf ihn inmitten seiner Kronjuwelen, was ihn wie einen geschlagenen Hund aufjaulen ließ. Dabei holte er wütend aus und schlug ihr hart mit dem Arm gegen den Kopf „MISTSTÜCK!“, sodass sie schwer taumelte und schließlich der Länge nach benommen auf den Steinboden knallte.
„Silencio!“, zischte Gibson sofort, als sie den Mund aufmachte, um zu schreien und nach Hilfe zu rufen. Ihrer schmerzenden Kehle entkam jedoch kein Laut mehr, an die sie sich gleich fasste und verstört zu dem Typen aufblickte, der noch immer leicht gekrümmt, den Zauberstab bedrohlich auf sie gerichtet, vor ihr stand. Mein Zauberstab. Verdammt, wo ist mein Zauberstab?, schoss es Hermione durch den Kopf. Tasche. Handtasche. Verdammte scheiße, wo ist meine Tasche?!
Panisch sah sie sich um, und entdeckte das gute Stück weiter vorne am Zugang der Gasse. Sie musste sie vorhin verloren haben, als der Kerl sie gepackt und hier rein gezerrt hatte. Merlin, was will der?, fragte sie sich unweigerlich und robbte rückwärts nach hinten weg, worauf sein Stab bedrohlich zuckte „STUPEFY!“ und sie nur eine Sekunde später der rote Lichtblitz traf, der sie in eine tiefe Bewusstlosigkeit schickte.
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Luna ist auch eine Person, in die ich mich von Anfang an verliebt habe. Sie gibt der Handlung einen wichtigen, neuen Anstrich und sie lässt Harry Dinge anders betrachten. Ich war ihr wirklich von Anfang an verfallen.