Was im Verborgenen liegt - Kontrolllos
von Alex2303
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„Bei Merlin, Tonks! Leg dich endlich hin!“, moserte Poppy, als die junge Frau mit dicken Augenringen und einem völlig chaotischen, braunem Haarschopf in ihrem Büro auftauchte. Sie strich sich mit Daumen und Zeigefinger kurz über die Augen, bevor sie diese letztlich an der Nasenwurzel zusammenführte und etwas drückte, um die Müdigkeit zu vertreiben.
„Geht schon, Poppy. Aber hast du vielleicht noch einen von deinen Muntermachern?“, strafte Tonks ihren eigenen Satz Lügen. Ebenso wie sie ihre Augen verrieten, die knallrot waren. Die Medihexe schnaubte dann auch schon aufgrund ihrer Bitte.
„Nein.“ „Wie?“ „Ich habe Nein gesagt. Die Tränke sind nicht für eine Dauerbelastung ausgelegt, meine liebe Nymphadora!“, zischelte sie. Doch anders als sonst, regte sich auf Tonks’ Kopf diesmal nichts, aufgrund ihrer korrekten Namensnennung, was Poppy vermehrt deutlich machte, dass die Aurorin halb im Delirium war, denn sie glotzte sei zudem recht dümmlich an.
„Du gehst dich jetzt hinlegen!“, schimpfte sie, allerdings blieb die junge Frau stur und schüttelte mit dem Kopf. „Keine Zeit. Ich hab noch so einen Haufen Akten durchzusehen. Und Draco. . .“ „Auf den Jungen werde ich solange ein Auge haben. Ich brauche nicht noch zusätzlich Arbeit durch dich! Es ist so ja schon erstaunlich, dass sich bis jetzt noch kein Schüler weiter mit irgendeiner Verfluchung, Vergiftung, oder sonst etwas bei mir eingefunden hat. Eine Statistik, die ich schon lange nicht mehr hatte.“ „Na ja, es ist ja jetzt auch Ruhe. Also. . . Der Krieg ist vorbei.“ „Merlin sei Dank. Derartiges möchte ich kein weiteres Mal erleben. Mir reicht es, wenn ich demnächst wieder die ersten Schüler mit Knochenbrüchen hier habe, sobald die Quidditchspiele losgehen.“ „Oh ja“, grinste Tonks. Das war wirklich jedes Jahr dasselbe. In jedem Spiel. Irgendeiner hatte immer einen Bruch, starke Blutergüsse, Prellungen oder sonst etwas. Letztlich kam Tonks auf ihre Bitte zurück.
„Du wolltest mir noch einen Muntermacher geben“, versuchte sie Poppy das Wort im Mund umzudrehen. Diese ließ sich von der Hexe aber nicht übertölpeln. „Nein. Und wenn du nicht gleich von selbst in ein Bett verschwindest, werde ich dafür sorgen, dass du in einem landest!“, maß die Medihexe sie bedrohlich.
„Poppy, komm schon. Ich kann jetzt nicht. . .“, stockte Tonks abrupt, als es zeitgleich lautstark im Nebenzimmer scherbelte. Doch noch bevor sie das Geräusch irgendetwas zuordnen konnte, zersprengte es ohne Vorwarnung im Büro der Schulschwester das hohe Fenster nach außen, die sich verschreckt zu diesem drehte.
„Merlin, was. . .“, blieben ihr die Worte im Hals stecken als Tonks, schlagartig hellwach, aus ihrem Büro zurück in den hohen Raum stürzte, in dem die ganzen Krankenbetten standen. In einem davon Draco, der sich nicht gegen dieses was-auch-immer schützen konnte, was für den Radau verantwortlich war. Als sie in dem großen Raum war, stellte sie mit Schrecken fest, dass Draco in diesem nicht mehr alleine war.
Tonks wusste nicht was und wie, da sie die kleine Gestalt nur von hinten sah, die in einem schwarzen Umhang steckte und die Kapuze hoch geschlagen hatte. Was sie aber nur zu deutlich sah, war, dass sich Draco unter Schmerzen wand und sich zu allem Überfluss das Bett neben ihm drohte selbstständig zu machen. Dieses ruckelte auf dem kalten Steinboden gefährlich hin und her, bevor es plötzlich, wie aus dem Nichts, vom Boden gerissen wurde und mit beängstigender Geschwindigkeit quer durch den Raum an die gegenüberliegende Steinwand krachte. Dass Scherbeln, was sie kurz zuvor in Poppys Büro gehört hatten, war nur zu offensichtlich durch die hohen Fenster gekommen, die allesamt nach außen zersprungen waren.
Es brauchte nur eine Sekunde, um all diese Dinge zu erfassen, bevor Tonks mit ein paar ausgreifenden Schritten bei der verhüllten Gestalt war, diese von ihrem Cousin weg riss und ihr die Hände, die ihn eben noch so brachial gewürgt und die Luft abgeschnürt hatten, hinter dem Rücken zusammen zwang. Dadurch verrutschte die Kapuze, sodass sie den Täter, oder besser die Täterin, erkannte, die sich wie eine Irre in Tonks’ Griff wand und schnaubte.
„Loslassen!“, schrie Megan hysterisch, deren Blick schier wahnsinnig auf Draco lag, der noch immer bewusstlos keuchend, zittrig nach Atem rang. Inzwischen war auch Madam Pomfrey bei ihm und sprach rasch ein paar prophylaktische Zauber, die seinen getriebenen Herzschlag jedoch nicht zu lindern vermochten. Kurz darauf versuchte sie ihn zu wecken, um ihn besser beruhigen zu können.
„Du dreckiger Bastard! KREPIER!“, keifte Megan, in deren Augen ein irres Funkeln lag, gleich so, als ob sie Draco mit diesem Blick allein töten könnte. Dieser lag mit dem Oberkörper inzwischen mehr in den Armen der Schwester. Seine linke Hand krallte sich dabei in den weißen Kittel der Medihexe, an der er sich wie ein Ertrinkender festklammerte und an dem Stoff herum riss.
„Mr. Malfoy? Draco? Hören Sie mich?“, sprach Madam Pomfrey mit scharfer, lauter Stimme, die etwas Befehlendes an sich hatte. Auch rüttelte sie ihn vorsichtig in ihren Armen, sodass er nach ein paar Sekunden die Augen ein Stück weit auf bekam. Sein Blick fiel dabei jedoch direkt auf Megan, die wie ein wildes Tier auf dem Steinboden scharrte und sich auch weiter in Tonks’ Griff wand. Sie versuchte sich vergeblich von der Aurorin loszureißen, um sich erneut auf ihn zu stürzen.
„Krepier endlich! Du sollst verdammt nochmal krepieren, du widerliche Ratte!“, schnaufte sie. Die dunklen Augen vom Wahnsinn halb zerfressen.
„Verdammt nochmal, Tonks! Schaff endlich dieses verfluchte Mädchen hier raus!“, zischte die Schwester lautstark, bevor sie wieder auf Draco blickte. Dessen plötzlich eintretendes, unkontrolliertes Zittern behagte ihr überhaupt nicht, sodass sie versuchte ihm ruhig zuzusprechen, während Tonks die Ravenclaw aus dem Raum dirigierte, die auch weiter lautstark Gift und Galle spuckte.
„Mr. Malfoy? Draco. . .“, wechselte Madam Pomfrey erneut die Anrede, da irgendwelche distanzierten Höflichkeitsfloskeln hier gerade gänzlich fehl am Platz waren, um dem Jungen das Hier und Jetzt richtig begreiflich zu machen.
„Es ist alles gut, Draco. Sie sind im Krankenflügel. Ihre Freunde haben Sie gefunden. Wir kümmern uns um Sie. Es wird alles gut. Hören Sie? Draco?“, rüttelte die Schwester ihn erneut, als er, noch immer halb erstickend, die Augen auf beängstigende Weise nach oben verdrehte, bevor sich seine Lider schlossen und sein Körper gefährlich in den Armen der Schwester erschlaffte.
„Draco? Draco!“, rief sie nach ihm, jedoch erfolglos. Er reagierte nicht mehr, sodass sie ihn schnell wieder hinlegte und sich die entsprechenden Tränke nahm. Sie hatte sich in weiser Voraussicht ein paar Mittel zusammengestellt, da sie mit einer leichten Panikattacke gerechnet hatte. Dass diese nun aber so heftig ausgefallen war, war zweifelsfrei dem Übergriff eben geschuldet.
Sie trichterte ihm rasch die Tränke ein und sprach noch ein paar Zauber, um seinen Kreislauf zu stabilisieren, was dafür sorgte, dass er zurück in diesen komaähnlichen Zustand fiel. In diesem beruhigte sich sein getriebener Herzschlag aber recht schnell wieder, sodass sein Kreislauf zu einem momentan normalen Ruhepuls zurückfand.
Mit diesem lag er erneut so reglos da, wie schon die vergangenen Tage. Gleich so, als wäre der Aufruhr nie passiert. Einen, über den Poppy nur mit dem Kopf schütteln konnte und ihm die Decke behutsam über die Schultern zog. Im Anschluss fiel ihr Blick mitfühlend, wie auch bedauernd auf seine blassen Züge, bevor sie ihm kurz durch die Haare strich.
„Es wird alles gut.“
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„Setzen!“, knurrte Tonks gefährlich, kaum dass sie mit Megan in einem der alten, leeren Büros war. Mittlerweile hatte sie der widerspenstigen Ravenclaw, die nicht nur nach ihr getreten, sondern auch versucht hatte sie zu beißen, hinterrücks ein paar magische Fesseln um die Handgelenke gelegt. Sie drückte sie auf einen Stuhl und fixierte sie auf diesem ebenfalls magisch, bevor sie sich vor sie stellte und sie unheilvoll taxierte.
„Ist Ihnen eigentlich bewusst, was Sie da gerade getan haben?“ „Etwas, was schon lange jemand hätte tun sollen!“, giftete Megan lautstark und funkelte Tonks wütend an. Diese bedachte die junge Hexe mit einem eiskalten Blick.
„Sie haben gerade versucht einen wehrlosen Menschen kaltblütig zu ermorden!“ „Menschen? Der Typ ist ein Bastard. Ein widerliches Monster. Ein dreckiger Todesser. Der verdient nichts anderes als den Tod!“, spie Megan und wand sich erneut in ihren Fesseln.
„Wie können Sie sowas unterstützen? Er ist ein dreckiger Mörder. Er hat meinen Vater auf dem Gewissen!“, schrie sie, worauf in Tonks’ Augen etwas gefährlich aufblitzte. Sie hatte deutlich zu tun sich zusammenzureißen, um diesem Mädchen nicht ein paar zu scheuern.
„Er hatte mit dem Überfall auf Ihre Familie nichts zu tun. Das wurde zur Verhandlung bewiesen. Er wurde zu besagtem Zeitpunkt von mehreren Personen in Hogwarts gesehen und. . .“ „Alles Lügen! Granger, das Miststück, ist dem doch hörig! Das wissen inzwischen ALLE! Sie spielt doch privat Hure für die ganzen Schlangen. Und McGonagall ist wahrscheinlich schon senil! Oder sie hat sich von dem und seiner scheiß Familie kaufen lassen! Den zum Schulsprecher zu machen, ist doch der beste Beweis dafür, dass die Alte nicht mehr alle Tassen im Schrank hat und. . .“ „Es war Dumbledores Idee!“, fiel Tonks ihr lautstark ins Wort, worauf sie kurz zusammenzuckte und verwirrt guckte, bevor der Hass in ihren Blick zurückkehrte.
„Dann hat er genauso den Verstand verloren, wenn er seinen Mörder. . .“ „Draco hat ihn nicht getötet! Wie oft denn noch? Er hat niemanden getötet, außer während der Schlacht Todesser! Er hat gegen sie gearbeitet. Er hat sie verraten und genauso dafür gekämpft, dass wir diesen Frieden jetzt haben. Dafür, dass ein jeder hier sicher leben kann. Dass wir alle eine Zukunft haben. Auch Sie!“ „Zukunft?!“, japste Megan und lachte schließlich hysterisch, bevor sich ihr Blick kalt, wie auch hart auf Tonks legte.
„Dieses Aas hat mir meine Familie weggenommen. Sie haben mir alles weggenommen und dafür wird er noch büßen. Ich werde dafür sorgen, dass er seine Strafe kriegt, genauso wie diese ganzen anderen Schweine. Ich werde dafür sorgen, dass sie ihn ausbluten lassen!“ Auf den letzten Kommentar zuckte etwas gefährlich in Tonks’ Augen auf.
„Ihr kleines, krankes Spielchen im Raum der Wünsche hat Ihnen offensichtlich noch nicht genügt?“, begann die Aurorin unheilvoll, worauf Megan verwirrt die Augenbrauen zusammen zog.
„Raum der Wünsche?“, stutzte sie und sah Tonks ihrerseits lauernd an. „Was soll da gewesen sein?“ „Ich denke, das wissen Sie sehr genau.“ „Eigentlich nicht. Offen gestanden ist es mir aber auch egal. Und jetzt machen Sie mich endlich LOS!“, brüllte sie und versuchte sich erneut aus ihren Fesseln zu winden. Tonks machte aber keine Anstalten, sie gehen zu lassen.
„Sie scheinen sich Ihrer Situation nicht bewusst zu sein, Miss Jones. Sie haben eben versucht einen Menschen zu ermorden! Denken Sie allen Ernstes, dass ich Sie da so mir nichts dir nichts wieder gehen lasse, damit Sie ihm noch mehr Schaden können?“ „Der Typ ist die Pest. Verschwendung an Sauerstoff. Ich habe nur versucht der Welt einen Gefallen zu tun! Andere kriegen es ja nicht hin!“ „Hören Sie sich eigentlich reden? Wie Sie über ein Leben urteilen?“ „Der hat es nicht verdient zu leben! Er ist nichts weiter als ein dreckiger, wertloser Todesser. Und die gehören allesamt abgefackelt! Allen voran Malfoy!“, spie sie wieder und lehnte sich gefährlich vor. In den Augen schimmerte auch weiter ein wahnsinniges Flackern, was Tonks eine leichte Gänsehaut bescherte.
Das Mädchen war doch überhaupt nicht mehr zurechnungsfähig, dachte sie sich. Auch fing sie vermehrt an sich zu fragen, warum um alles in der Welt sie sich so auf Draco eingeschossen hatte? Selbst wenn Hermione mit ihrer Vermutung Recht hatte, dass sie einfach nur einen Sündenbock suchte und sich Draco wegen all der anderen Dingen da perfekt angeboten hatte, musste ihr doch irgendwo klar sein, dass er nicht der Schuldige war. Warum zum Teufel hatte sie dann so einen Hass auf ihn?
„Was ist es?“ „Was ist was?“, fragte Megan, mit einem leichten Argwohn und zog nebenbei eine Augenbraue nach oben. „Warum Draco? Sie wissen ganz genau, dass er nichts mit dem Überfall auf Sie und Ihre Familie zu tun hatte. Was bei Merlin hat er Ihnen getan, dass Sie ihm so sehr den Tod wünschen? Dass Sie ihn quälen wollen?“ Daraufhin schnaubte Megan und drehte bockig den Kopf weg.
Also doch, dachte sich Tonks. Sie hatte ganz offensichtlich noch ein anderes Problem mit ihm. Stellte sich nur die Frage was? Was hatte ihr Cousin diesem Mädchen angetan, dass sie ihn so sehr hasste? Im Grunde hatte er ja immer am meisten auf Hermione rumgehackt. Warum, wunderte Tonks mittlerweile nicht mehr wirklich. Je größer der scheinbare Hass, desto geringer war die Gefahr, dass er mit seinen eigentlichen Gedanken aufflog. Er hatte sie mit seinen Beleidigungen und alldem schützen wollen.
„Was hat er Ihnen getan, dass Sie denken, er hätte derartiges verdient?“, redete Tonks weiter, doch Megan zuckte sich nicht. Sie blickte stur zur Seite hin weg und begann recht interessiert die Inneneinrichtung des alten Büros zu mustern. Eine Reaktion, die Tonks ein wenig irritierte.
„Was ist? Wollen Sie mir nicht sagen, was er getan hat?“ Schweigen, womit Tonks zu überlegen begann, was Draco gemacht haben könnte, um Megans Zorn so sehr auf sich zu ziehen? Richtig auf sich zu ziehen, denn seine Stänkereien alleine konnten kein Grund sein. Zumindest konnte sie es sich nicht vorstellen, dennoch fragte sie ins Blaue in der Hoffnung, in der Mimik der jungen Hexe lesen zu können.
„Hat er Sie mit seinen üblichen Sprüchen beleidigt?“ Keine Reaktion. „Hat er sich vielleicht über Sie lustig gemacht? Oder hat er Sie vor anderen bloßgestellt?“ Nichts. „Hat er Ihnen irgendwelche Flüche beigebracht oder Sie anderweitig verletzt?“ Wieder nichts, was Tonks mehr und mehr verwirrte. Irgendetwas musste es doch sein? Man entwickelte doch nicht grundlos einen derartig frenetischen Hass auf einen Menschen, um ihn töten zu wollen. Es konnte doch nicht wirklich allein die Tatsache sein, dass sie sich Draco als Fixpunkt für die Rache an ihrer Familie gesucht hatte? Oder doch? Was auch immer es war, Tonks hatte jetzt hier weder die Zeit, noch den Nerv und auch nicht die richtigen Mittel, um Megan zum Sprechen zu bringen.
„Wie Sie wollen. Sie werden noch mehr als genug Zeit haben über Ihre Taten nachzudenken.“ „Ich habe nichts getan!“, riss Megan den Kopf nun wieder herum und funkelte Tonks zornig an. Im Blick der Aurorin schimmerte jedoch eine kalte Wut.
„Nichts getan? Dann war das eben im Krankenflügel scheinbar jemand anderes, der versucht hat Draco kaltblütig zu ermorden?“ Auf die Frage lächelte Megan plötzlich seltsam kühl und gab es freizügig zu. „Nein. Bedauerlicherweise mussten Sie mich ja stören“, zischte sie und meinte dann noch ergänzend: „Zumal er ohnehin etwas ganz anderes verdient hätte, als einen schnellen Tod!“ „Ihn zum Beispiel wie Vieh ausbluten zu lassen und mit Scheinhinrichtungen zu quälen?“ „Interessanter Gedanke“, resümierte Megan und grinste bösartig, wie auch interessiert auf die Vorstellung, die Tonks ihr geliefert hatte. Die Aurorin schüttelte nur angewidert mit dem Kopf. Mehr noch, als Megan weiter sprach.
„Sollte ich mir für das nächste Mal merken.“ „Sie denken doch nicht wirklich, dass es ein nächstes Mal gibt? Dass Sie sich ihm nochmal auch nur auf 100 Meter nähern werden?“ „Was wollen Sie? Mir drohen? Sie können mir gar nichts!“ „So? Sie haben gerade gestanden, dass Sie versucht haben, Draco zu ermorden. Und selbst wenn dem nicht so wäre, habe ich für diese Annahme noch eine Zeugin. Sie werden umgehend der Aurorenzentrale übergeben. Die magische Strafverfolgung wird sich dann näher mit Ihnen beschäftigen.“ Daraufhin schnaubte Megan.
„Ich habe nichts Verwerfliches getan! Nur das, was getan werden musste. Die Todesser gehören alle abgefackelt! Sie sind Monster. Alle!“, spie sie und funkelte Tonks giftig, mit einem neuerlichen Wahnsinn in den Augen, an, was der Aurorin vermehrt zu denken gab, sodass sie leise meinte: „Sie sind krank, Megan.“ Auf die Aussage sprühten Megans Augen noch mehr giftige Funken, was der Aurorin ihre Meinung zunehmend bestätigte. Das Mädchen war psychisch gestört und gehörte in Behandlung.
„Ich werde dafür sorgen, dass Sie ins St. Mungos zur Behandlung kommen. Vielleicht kommen Sie dann ja wieder zur Vernunft und begreifen, was Sie getan haben.“ „Das einzig Richtige!“, zischte sie allerdings wieder, worauf Tonks nur noch mit dem Kopf schüttelte und sich gefährlich zu ihr lehnte.
„Wenn Sie auch weiter an Ihren Gedanken festhalten, einen unschuldigen Menschen aus Rache für Ihre Familie töten zu wollen, nur um Genugtuung zu erlangen, wird man Sie für mehrere Jahre auf direktem Weg nach Askaban bringen. Und das zu Recht. Wollen Sie das?“ Daraufhin schwieg sie, funkelte Tonks aber auch weiter furchtbar wütend an. Diese hatte mehr als genug gehört und schickte einen Patronus zu Remus, um ihn von dem Vorfall in Kenntnis zu setzen. Mit Minerva würde sie persönlich sprechen.
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Der Unterricht zog sich für Hermione unerträglich in die Länge. Inzwischen konnte sie auch nachvollziehen, was für ein Problem Harry und die Anderen manchmal damit hatten. Hatte sie sonst immer mit Feuereifer mitgearbeitet und jedes noch so kleine Detail, was die Professoren ihnen beigebracht hatten, wie ein ausgetrockneter Schwamm aufgesogen, so konnte sie es jetzt nicht abwarten, dass der Unterricht endlich sein Ende nahm. Sie hatte keinen Nerv dafür. Absolut nicht.
Seit dem Krieg lagen ihre Prioritäten gänzlich woanders. Hatte sie sich früher für ihre schulischen Leistungen immer die meiste Zeit genommen und auch Mühe gemacht, so stellte sie diese Dinge jetzt gerne auch mal recht weit hinten an.
Es war zwar nicht so, dass ihr diese Dinge nicht noch immer wichtig waren. Im Gegenteil. Sie war überglücklich und dankbar dafür, dass sie die Möglichkeit bekam ihren Abschluss nachzuholen und der sollte dann auch so gut wie möglich ausfallen. Zeitweise konnten die Profs ihr mit alldem aber gestohlen bleiben.
Sie hatte im Krieg mehrere Nahtoderfahrungen gehabt und zusehen müssen, wie Freunde im Kampf starben. Wie eine Flamme im Wind. Ein Leben, verloschen. Unwiederbringlich. Was nützten einem da noch gute Noten? Für ein späteres Leben und eine Ausbildung waren sie sicher wichtig, im Allgemeinen aber eine Kleinigkeit, auf die man sich nicht so sehr versteifen sollte. Was wichtig war, waren Freunde und Familie. Diese Dinge sollten feste Standpfeiler im Leben sein. Ein Hauptbezugspunkt. Und das waren sie für Hermione. Es war schlimm genug, dass erst solche Ereignisse passieren mussten, damit auch sie das richtig verinnerlichte und ihre Zeit, wie auch die Prioritäten anders setzte.
So verschwand sie direkt nach dem Unterricht auch nicht in die Bibliothek oder den Gemeinschaftsraum, um zu lernen oder ihre Hausaufgaben zu machen, sondern begab sich auf direktem Weg in den Krankenflügel. Wollte es zumindest, allerdings lief ihr Stephen hinterher, der gerade aus dem Verwandlungsunterricht kam.
„Hermione!“, rief er, was sie pflegte zu überhören. Sie hatte jetzt echt keinen Nerv für diesen Jungen. Stephen ließ sich davon aber nicht abschrecken, sondern beschleunigte seine Schritte so lange, bis er sie erreicht hatte. Er ergriff sie am Oberarm und zwang sie damit zum stehenbleiben.
„Was?“, fauchte Hermione gereizt. Stephen blinzelte, als er die Hexe aus der Nähe sah. Ihre Haare glichen seit langem mal wieder einem Rattennest. Sie war blass und hatte deutlich gerötete Augen, unter denen sich zudem einige dunkle Ringe tummelten.
„Geht’s dir nicht gut? Du. . .“ „Was willst du?“, stieg sie gar nicht erst darauf ein. Ihr stand nicht der Sinn nach Smalltalk. Überhaupt nach Gesprächen irgendeiner Art. Schien Stephen auch zu bemerken, denn er schluckte und fragte unsicher: „Wollten wir uns am Samstag nicht eigentlich in diesem neuen Gemeinschaftsraum treffen?“ „Ich hatte andere Sorgen. Okay?“ „Malfoy“, grummelte Stephen vor sich hin, worauf Hermione die Augen zu Schlitzen verengte.
„Draco. Ja. Wenn du mich also entschuldigst?“ Damit drehte sie sich um und wollte weiter, Stephen ließ aber nicht locker. „Was?“, fauchte sie erneut, als er sie wieder am Arm festhielt. Stephen setzte daraufhin ein entschuldigendes Lächeln auf.
„Es tut mir leid, dass er diesen Unfall hatte.“ „Natürlich“, schnalzte Hermione und triefte dabei nur so vor Sarkasmus. „Doch. Wirklich. Ich verstehe ja auch, dass du dir Sorgen um deine . . . Freunde machst.“ Daraufhin zog Hermione argwöhnisch eine Augenbraue nach oben. Sie glaubte Stephen dieses nette Getue nicht, da er bei dem Wort Freunde eine Millisekunde zu lange überlegt hatte.
„Malfoy geht es bestimmt bald besser und. . . Ich dachte mir, na ja. . . Verschieben wir unser Treffen bis dahin eben. Jetzt auf Samstag vielleicht?“, schlug er vor und lächelte auch weiterhin freundlich, während Hermione genervt die Lider niederschlug.
„Hör zu, Stephen. Ich bin normalerweise ein aufgeschlossener Mensch und halte mich an meine Versprechen. Aber ich hab weder jetzt, noch die nächsten Tage den Nerv für oberflächlichen Smalltalk. Ich hab andere Sorgen, okay?“ „Na gut, dann eben. . .“ „Nein!“, fuhr Hermione ihm sofort über den Mund, als er ihr einen anderen Tag vorschlagen wollte.
„Es tut mir leid. Du bist sicher ein netter Mensch, aber ich hab im Augenblick wirklich keine Lust mich näher mit dir zu beschäftigen. Ich hab genug Sorgen damit, dass die halbe Schule meine Freunde wegen Nichts angreift und ihnen die Pest an den Hals wünscht. Genauso, dass Draco seit drei Tagen schwer verletzt und noch immer bewusstlos im Krankenflügel liegt!“, schrie sie den Rest beinahe, sodass Stephen etwas kleiner wurde.
„Ich will mich nicht mit dir verabreden. Also lass mich bitte endlich damit in Ruhe!“ Mit diesen Worten drehte sie sich auf dem Absatz um und rauschte ab. Im Kopf auch weiter ein heilloses Chaos, was sich erst nach und nach ein wenig entwirrte, als sie die vielen Stufen bis in den ersten Stock hinab stieg. Als sie im ersten Stock angelangt war, waren ihre Gedanken wieder zu 100% bei Draco, der ohnehin schon den ganzen Tag über ihr ganzes Denken für sich beansprucht hatte.
Sie hatte sich den ganzen Unterricht über nicht wirklich auf etwas konzentrieren können. Sie hatte in diesem zwar funktioniert, wie sonst auch. Ein minimaler Teil ihres Hirns hatte die entsprechenden Zusammenhänge erfasst, verarbeitet und gespeichert. Der übermächtige Großteil dümpelte aber in anderen Sphären, die sich ausschließlich um den blonden Slytherin drehten.
Es war zum Haare ausreißen, aber Draco wollte ihr einfach nicht aus dem Kopf gehen. Sie machte sich unwahrscheinliche Sorgen um ihn. Sie hatte Angst um ihn und damit immer wieder unverhofft diese fürchterlichen Bilder aus dem Raum der Wünsche vor Augen.
Schließlich kam sie an der hohen Tür an und schüttelte diese Erinnerungen so gut sie konnte ab, als sie beinahe lautlos im Krankenflügel verschwand, um zu ihm zu huschen. Sie wollte sehen, ob er vielleicht wach war. Ob es ihm etwas besser ging, jedoch hielt sie an der angelehnten Bürotür der Schwester inne, aus der sie Minerva und Tonks reden hörte. Minerva deutlich aufgebracht.
„. . . kann nicht glauben, dass sie das tatsächlich getan hat.“ „Glaub es, Minerva. Hätte sich seine Magie nicht so rabiat und unkontrolliert freigesetzt, wäre er jetzt tot. Wir hätten ihren Mordversuch viel zu spät bemerkt“, erklärte Tonks äußerst müde, während Hermione draußen vor der Tür das Herz kurz stockte und sich ihre Augen vor Entsetzen weiteten.
„Was, beim heiligen Merlin, hat sich dieses Mädchen dabei gedacht?“, murmelte Minerva noch immer fassungslos. „Ich weiß es absolut nicht. Als ich sie zur Rede gestellt habe, hatte ich den Eindruck, sie hätte den Verstand verloren. Sie war teils richtig hysterisch. Ich denke, dass sie sich da in irgendetwas reingesteigert hat. Sie kompensiert irgendetwas auf Draco. Ich habe aber keine Ahnung was.“ „Denkst du, dass sie an dem Vorfall im Raum der Wünsche beteiligt war?“, hakte Minerva unsicher nach.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Im Moment sehe ich auch keine Verbindung zu Gibson.“ „Vielleicht gibt es die auch nicht. Du bist dir bei diesem Mann ohnehin nicht ganz sicher.“ „Ich kann im Augenblick nur vermuten, das ist richtig“, seufzte Tonks. Hermione hatte indes mehr als genug gehört.
Sie stolperte etwas unglücklich von der Tür weg und machte auf dem Steinboden dadurch mehr krach, als sie wollte. Die beiden Frauen im Büro sahen dann auch schon auf die Tür, von wo sich hastig ein paar Schritte entfernten. Als Minerva die Tür öffnete, konnte sie noch sehen, wie Hermione in den hinteren Teil des Krankenflügels verschwand, in dem auch Madam Pomfrey war.
„Hermione?“, murmelte sie verwundert, worunter Tonks zusammenzuckte und kurz etwas Panik schob, als ihr klar wurde, dass die junge Hexe sie gehört haben musste. „Scheiße“, fluchte sie leise und trat nach Minerva aus dem Büro. Sie hatte Hermione versprochen, ihn nicht aus den Augen zu lassen, und was war passiert? Sie war kaum fünf Minuten weg gewesen. Fünf Minuten, die mehr als genug gewesen wären, um ihn zu töten.
„Hermione!“, rief sie nach der Hexe. Diese war inzwischen jedoch bei Draco, dem Madam Pomfrey gerade einen Trank verabreichte. Ihr Freund lag aber noch immer so regungslos in seinem Bett, wie schon am Morgen. Tonks’ Ruf ignorierte sie gänzlich, obwohl sie innerlich immer mehr kochte aufgrund der Dinge, die sie gehört hatte.
Irgendjemand war hier gewesen. Irgendjemand hatte aufs Neue versucht, Draco umzubringen. Und wo war Tonks? Bei einem Teekränzchen? Verdammt, wie hatte so etwas passieren können? Die Aurorin war doch dabei! Sie hatte gesehen, zu was die Leute fähig waren.
„Hermione“, hauchte Tonks ihr schließlich von hinten zu und legte ihr die Hände auf die Schultern, die Hermione sofort abschüttelte und die Aurorin stattdessen wütend anfunkelte. „Wie konntest du ihn alleine lassen?!“, zischte sie gefährlich. Es war ein Vorwurf, der Tonks betroffen die Miene verziehen ließ.
„Es waren nur fünf Minuten. Ich wollte. . .“ „In den fünf Minuten hätten sie ihm mehr als einmal den Avada richtig auf die Brust brennen können!“, unterbrach Hermione sie aufgebracht, was Tonks schlucken ließ. Merlin sei Dank, hatte sich Megan für eine andere Methode entschieden, die. . . Nun ja, qualvoller für Draco war, als ein einfaches Avada Kedavra. Genauso die Täter im Raum der Wünsche. Diese Leute wollten ihn nicht einfach nur sterben sehen, sondern quälen.
„Es tut mir leid. Merlin, ich hab nicht damit gerechnet, dass wirklich jemand so dreist ist und nach allem tatsächlich hier auftaucht. Mitten am Tag, während des Unterrichts!“, versuchte Tonks sich zu rechtfertigen. Hermione sah sie aber nur noch kurz sauer an, bevor sie den Blick gänzlich auf Draco legte und an seinem Bett Stellung bezog.
„Was ist jetzt mit ihm?“, fragte sie nach einem kurzen Moment mit kalter Stimme. Tonks ignorierte sie gänzlich, die es fürs Erste so hinnahm. In der Zwischenzeit war auch Minerva ganz bei den Beiden und betrachtete die bleiche Gestalt ihres Schülers mitfühlend.
„Es ist soweit alles in Ordnung. Er hat von mir nochmal ein sehr starkes Beruhigungs- und Schmerzmittel bekommen. Er wird damit noch eine Weile sehr fest schlafen. Diese Ruhe wird ihm aber gut tun“, erklärte die Schwester aufmunternd, was Hermione knapp nicken ließ, bevor sie sich ganz auf ihren verletzten Freund konzentrierte.
Irgendwann hatte sie wieder ihre Hand an seinem Kopf liegen, wo sie erneut ihre Finger etwas über seine Züge wandern ließ. Die drei Älteren beobachteten es kurz, bis sich eine nach der anderen schlich, um sich fürs Erste anderen Aufgaben zu widmen. Tonks wollte jetzt eigentlich auch noch ein paar Dinge recherchieren, doch wurde die Punk Hexe von Madam Pomfrey umgehend in ein Bett befördert, damit sie zu ein paar Stunden Schlaf kam. Die Medihexe ging dann auch recht in ihrer Annahme, dass sich Hermione freiwillig nicht von ihrem momentanen Platz lösen würde.
So war es am Ende auch, denn Madam Pomfrey musste sie gegen 21:00 Uhr erneut aus dem Krankenflügel jagen, wo sich im Gegenzug eine nun wieder etwas ausgeschlafenere Tonks an Dracos Bett nieder ließ, um erneut ein Auge auf ihn zu haben, wie auch ihre Akten durch zu sehen.
Es wurde in vielerlei Hinsicht eine ungemütliche Nacht. So fand nicht nur Hermione erneut keinen ruhigen Schlaf, da sich immer wieder neue Bilder in ihren Kopf stahlen. Auch im Krankenflügel kehrte keine wirkliche Ruhe ein.
Irgendwann im Laufe der Nacht, wurde Draco unruhig und begann vermehrt in seinem Bett zu wühlen, sowie an der Decke herumzureißen. Tonks versuchte ihn daraufhin vergeblich zu beruhigen und zu wecken. Nur schlug er auf die kleinste Berührung panisch um sich und begann schließlich zu schreien.
„HÖRT AUF!“ Mit diesem Aufruf scherbelte es im gesamten Krankenflügel, was sich Tonks entsetzt besah. Er hatte es schon wieder gemacht. Er hatte aufs Neue die Fenster in seiner Bewusstlosigkeit gesprengt.
„Scheiße“, keuchte sie getrieben, bevor sie nochmal versuchte ihn zu wecken, allerdings wand er sich gefährlich in ihrem Griff. „Draco. . .“ „NEIN!“, schrie er erneut. In der nächsten Sekunde schossen Teile der Einrichtung mit gefährlicher Geschwindigkeit durch den Raum, bevor sie lautstark an den Steinmauern zerschellten, was Madam Pomfrey endgültig auf den Plan rief, die mit schnellen Schritten bei Tonks war. Diese hatte auch weiter ihre liebe Mühe, Draco auf dem Bett zu fixieren. Nicht zuletzt auch, damit er sich selbst nicht irgendwie verletzte. Nur wurde er dadurch noch pansicher und keuchte inzwischen halb erstickend.
„Draco? Draco, wach auf. Es ist alles gut. Wir. . .“ „Nimm ihn hoch und halt ihn fest“, mischte sich Madam Pomfrey ernst dazwischen und begann einen kleinen Flakon zu entkorken. Tonks sah dann nur kurz auf das Mittel, bevor sie der Aufforderung nachkam und ihren Cousin, so weit sie konnte aufrichtete, sich hinter ihn setzte und seine Arme etwas fixierte, damit er nicht weiter um sich schlug und die Schwester ihm das Medikament verabreichen konnte.
„. . . Nein . . . nein. . .“, keuchte er schwer, während Madam Pomfrey ihr Glück versuchte. „Sch. Ganz ruhig. Es ist alles gut“, sprach sie ihm nebenher beruhigend zu und flößte ihm den Trank so gut es ging ein. Zwar verschluckte er sich etwas und hustete stark, jedoch wurde er nach und nach ruhiger, bis er gänzlich in Tonks’ Armen erschlaffte, die ihn mitleidig musterte. Poppy deutete ihr dann auch gleich, ihn wieder hinzulegen. Kurz darauf sah sie näher nach ihm. Er atmete aber auch weiter schwer. Keuchte schon fast. Schließlich konnte die Schwester auch den Grund dafür ausmachen, denn er hatte angefangen zu fiebern.
„Das fehlte jetzt noch“, seufzte Poppy leise, zu der Tonks unsicher sah. „Was? Was hat er?“ Daraufhin sah die Schwester sie müde an und sprach schließlich die Dinge aus, die Tonks sich schon die ganze Zeit dachte.
„Seine Psyche scheint extrem stark angegriffen zu sein. Dass seine Magie so unkontrolliert hervorbricht, sagt eigentlich schon alles. Aber wenn sich das jetzt sogar noch auf seinen Körper, den Vitalbereich auswirkt. . . Merlin allein weiß, mit was und wie der arme Junge noch gequält wurde. Was du mir erzählt hast, ist ja schon mehr als genug, um ihn psychisch völlig zu brechen“, meinte sie bitter und sah, wie Tonks, zurück auf Draco der, zwar noch immer schwer atmend, nun aber wieder völlig ruhig vor ihnen lag.
„Hast du eine Idee? Ich mein. . . Was machen wir jetzt am besten?“ „Ich weiß es nicht. Ich kann ihn nicht auf Dauer mit den ganzen Tränken ruhigstellen. Seine Verletzungen sind soweit zwar gut verheilt, aber seine Psyche. . . So etwas braucht Zeit. Aber ich denke. . . Vermutlich ist es das Beste, wenn wir ihn morgen langsam wecken, damit er sich der Umgebung und allem anderen, erstmal wieder richtig bewusst wird.“ „Ja, das ist gut. Dann kann ich auch kurz mit ihm. . .“ „Du wirst ihn nicht über diese Sachen ausfragen, Nymphadora!“, fuhr Madam Pomfrey ihr sofort aufgebracht dazwischen und deutete letztlich auf den verwüsteten Krankenflügel.
„Wer weiß was passiert, wenn du ihn bewusst auf alles ansprichst. Ich will nicht, dass er mir den ganzen Krankenflügel in die Luft jagt. Du lässt ihn gefälligst erstmal zur Ruhe kommen. Lass seine Freunde zuerst mit ihm sprechen. Das wird ihm mehr helfen, als wenn du ihn sofort mit deinen Fragen bombardierst!“, zischte die Schwester auch weiter ungehalten, worauf Tonks unverständliches Zeug murmelte, dann aber nickte, was Poppy fürs Erste genügte.
„Gut. Sollte er trotz des Trankes wieder unruhig werden, gib ihm das“, reichte sie Tonks nun einen anderen Flakon. „Fünf Tropfen in ein Glas Wasser. Auf keinen Fall mehr! Ich hoffe das reicht, um seinen Geist lange genug zu betäuben.“ „Warum nicht mehr?“, fragte Tonks und musterte die bläuliche Essenz in dem Gläschen.
„Weil sich sein Bewusstsein sonst zu sehr in der Tiefe verliert. Im schlimmsten Fall würde er gar nicht mehr aufwachen. Dieses Mittel ist extrem stark und wirklich nur für den absoluten Notfall gedacht.“ „Okay. Uhm. . . Alle wie viel Stunden kann ich es ihm geben?“ „12 sollten schon dazwischen liegen. Wenn er trotz allem früher unruhig werden sollte, oder sein Fieber noch weiter steigt, sag mir Bescheid. Ich seh, ob ich noch etwas anderes zur Beruhigung finde.“ „Okay.“ Damit verschwand Madam Pomfrey zurück in ihr Büro, während Tonks auch weiter an Dracos Bett Wache hielt, dessen Atmung im Laufe der Nacht noch keuchender ging, und er bereits nach drei Stunden aufs Neue unruhig wurde. Er begann unter der Decke zu wühlen und brüchig zu murmeln.
Als Tonks ihm Poppys Mittel verabreichen wollte und nach ihm griff, schlug er unkontrolliert um sich und Tonks damit das Glas aus der Hand, welches scherbelnd zu Boden fiel. Allerdings blieb es nicht bei dieser Kleinigkeit, denn einer der Wandschränke, direkt hinter Tonks, wurde wie unter einem Bombada in seine Einzelteile zersprengt. Es war ein Bild, auf welches Tonks nur entsetzt starren konnte, bevor sie sich wieder ganz zu Draco drehte, der wie ein Irrer an seiner Decke herum riss.
„Draco? Draco, wach auf. Es ist alles gut. Wir. . .“ Zu mehr kam sie nicht, denn als sie stärker nach ihm griff, bäumte sich sein Körper unter ihren Händen gefährlich auf „. . . NEIN!“, bevor es ein weiteres Mal knallte. Diesmal waren es wieder die Fenster.
„Merlin, Draco!“, entwich es Tonks allmählich gequält, da sie sich seinen Zustand kaum mehr mit ansehen konnte. Durch die Explosionen tauchte dann auch Poppy wieder auf, die mit einem Blick erfasste, dass Tonks mit der Situation überfordert war.
Rasch trat zu sie zu ihr ans Bett und griff beherzt nach ihrem Patienten, den sie etwas in eine aufrechte Position zog und fest umschlungen hielt, was alles andere als leicht war, denn er wand sich auch weiter wimmernd in ihrem Griff.
„Hast du ihm das Mittel gegeben?“ „Ich wollte aber er. . .“ „Gib es ihm!“, herrschte Madam Pomfrey Tonks an, die rasch ein neues Glas präparierte und es Draco etwas umständlich einflößte. Nur ein, zwei Minuten später, hatte der Trank seine volle Wirkung entfaltet und Draco lag wieder ruhig in den Armen der Schwester. Tonks sah allerdings noch immer gequält, auf ihren blassen Cousin, bevor sie etwas für sich mit dem Kopf schüttelte.
Es war nur zu offensichtlich, dass er am Ende war. Dass seine psychische Belastungsgrenze nicht nur ausgereizt, sondern extrem weit überspannt war. Viel zu weit, wenn sich seine Magie in einem derartigen Ausmaß entlud. Und das immer wieder aufs Neue.
„Und jetzt?“, fragte Tonks erschöpft, kaum dass Poppy ihn hingelegt und warm zugedeckt hatte. „Jetzt behältst du ihn weiter im Auge. Ich such nach einem anderen Mittel und kümmer mich um das Chaos“, seufzte sie, bevor sie nochmal kurz zu Draco blickte und ihm den kalten Umschlag auf die Stirn legte.
So nahm die Nacht ihren Lauf, in der Tonks ihm immer wieder diverse einfachere Tränke verabreichte, als er verstärkt anfing sich zu regen. Trotz allem scherbelte es noch mehrmals. Zwar nicht mehr in dem Ausmaß wie zuvor, allerdings mochte das verhältnismäßig noch den Tränken geschuldet sein. So flog der Wasserkrug in einem lauten Knall auseinander, oder einer der Wandschränke entleerte sich schwungvoll. Auch musste sich Tonks zum Morgen einmal als Feuerwehrfrau versuchen, als in einem der leeren Betten neben Draco das Kissen plötzlich wie aus dem Nichts in Flammen aufging.
Es war ein Feuer, was auch in Draco brannte, denn sein Fieber war über Nacht weiter angestiegen. Auf seinen blassen Zügen hatte sich der kalte Schweiß gebildet, den ihm Tonks immer mal behutsam weg tupfte und nebenher versuchte ihn anzusprechen. Sie redete ihm beruhigend zu, da er nach wie vor schlecht schlief. Höchstwahrscheinlich von Albträumen heimgesucht wurde, denn die Mittel, die Poppy für ihn rausgesucht hatte, schienen immer schlechter zu wirken.
Gegen 10:00 Uhr suchte sich Dracos Bewusstsein verstärkt einen Weg aus den düsteren Schatten, die ihn gefangen hielten. Mühsam schob er die schweren Lider ein Stückchen auf und blinzelte mit kleinen, trüben Augen an die hohe, weiße Decke, die etwas ziemlich befremdliches auf ihn hatte.
„Draco?“, hauchte Tonks behutsam, als sie es bemerkte und beugte sich mehr zu ihm vor. Er reagierte allerdings nicht, sondern starrte auch weiter mit leeren Augen an die Decke.
„Draco?“, versuchte Tonks es erneut, worauf er die Augen wieder schloss und diese nun in einem leisen Stöhnen fest aufeinander presste. Dabei keuchte er auch weiter recht schwer.
„Sch. Es ist alles gut. Du bist im Krankenflügel“, erklärte sie ihm. Kurz darauf öffnete er die trüben Augen ein weiteres Mal ein kleines Stückchen, bevor er den Kopf schwach in Tonks’ Richtung neigte und sie unendlich erschöpft ansah. Sein Blick wirkte auch weiter leer und seltsam abwesend, was Tonks stark daran zweifeln ließ, dass er sie überhaupt erkannte.
„Erkennst du mich?“, fragte sie, womit die leeren Augen noch kurz ausdruckslos auf ihr ruhten, bevor sie ihm ein weiteres Mal zu fielen und er den Kopf, in dem es ihm mehr und mehr zu dröhnen und zu hämmern begann, auf die andere Seite drehte. Er stöhnte leise und presste schwächlich die linke Hand an die Schläfe, was sich Tonks mitleidig besah.
„Soll ich Poppy holen?“, fragte sie behutsam und legte ihm beruhigend die Hand an den Kopf. Er zuckte auf die sanfte Berührung jedoch wie geschlagen zusammen. Noch in der gleichen Sekunde flog zum zweiten Mal einer der Schränke in einer Explosion auseinander, worauf Tonks verschreckt keuchte, und ihre Hand rasch zurückzog. Draco drehte sich damit gänzlich auf die andere Seite und rollte sich unter der Decke zusammen, nach der er zu krampfen begann. Inzwischen war auch Madam Pomfrey wieder zur Stelle, zu der Tonks verunsichert sah, als die Medihexe an sein Bett trat. Sie stützte sich leicht auf diesem ab und machte den gleichen Fehler wie Tonks. Nämlich ihn anzufassen. Er zuckte aufs Neue wie unter einem Hieb zusammen, was mit dem Scherbeln der Fenster einher ging, auf die Poppy verschreckt sah. Kurz darauf nahm sie Tonks gefährlich in Augenschein.
„Ich hab dir gesagt, du sollst ihn nicht danach fragen!“ Auf den Vorwurf klappte Tonks der Kiefer runter, bevor sie sich zu rechtfertigen begann. „Hab ich doch gar nicht! Ich wollte nur näher nach ihm sehen, und da hat er genauso reagiert wie jetzt bei dir!“ Daraufhin blinzelte Poppy kurz, bevor sie zurück auf Draco schaute, der sich unter der Decke noch stärker in Embryonalhaltung zusammengerollt hatte und fürchterlich zitterte.
„Er scheint noch unter Schock zu stehen“, murmelte sie für sich, bevor sie behutsam versuchte, ihn anzusprechen. Ihre Hände behielt sie diesmal aber bei sich, um eine erneute explosive Reaktion zu vermeiden.
„Draco? Es ist alles in Ordnung. Sie sind im Krankenflügel. Ihre Freunde haben Sie gefunden. Es ist vorbei. Wir kümmern uns um Sie. Man wird Ihnen hier nichts mehr antun.“ Auf ihre letzten Worte zuckte er aufs Neue zusammen und beförderte auf diesem Weg das Bett neben sich, wie unter einem Kanonenschlag, gegen die Steinwand, wo sich das Eisengestell lautstark verformte und letztlich zerriss. Gleich so, als wäre es nicht mehr als ein vertrockneter Ast.
„Merlin“, entwich es Poppy in einem verschreckten Keuchen, die noch immer mit weit aufgerissenen Augen auf den Trümmerhaufen blickte. Genauso Tonks. Kurz darauf warfen sich beide Frauen einen mehr als hilflosen Blick zu, bevor Tonks nochmal ihr Glück versuchte, während Madam Pomfrey noch ein paar Tränke zusammen suchte. Die Aurorin ließ sich in der Zeit vor dem Bett in die Hocke sinken, sodass sie mit Draco auf Blickhöhe war, sobald er die Augen wieder öffnete.
„Draco? Komm, beruhig dich. Es ist alles gut. Wirklich. Wir sind für dich da. Und die Anderen. . . Hermione, Blaise und Charlie, sie machen sich Sorgen um dich. Und ich auch“, erklärte sie ihm und näherte sich zaghaft seiner Hand, die sich gefährlich in die Decke krampfte. Stück für Stück schob sie ihre Finger vor und damit auf seinen Handrücken, um ihm die Zeit zu lassen, die warme Berührung richtig zu verinnerlichen. Allerdings zuckte er bereits im Ansatz weg, was Tonks seufzen ließ.
„Draco. . .“, brachte sie bitter über die Lippen, während sich etwas in ihrem Innern schmerzhaft zusammenzog. Er tat ihr furchtbar leid. Ihn in einem derartig desolaten Zustand zu sehen, tat ihr selbst unwahrscheinlich weh. All diese Dinge, die man ihm angetan hatte. . . Er hatte nichts dergleichen verdient. Nichts.
„Es wird alles gut“, hauchte sie beruhigend und probierte nochmal ihr Glück, indem sie zaghaft die Hand nach ihm ausstreckte, diese jetzt aber versuchte behutsam an seinen Kopf zu legen. Auf die kleinste Berührung zuckte er aber erneut wie geschlagen zusammen. Damit verbunden krachte es hinter Tonks gefährlich, was sie diesmal krampfhaft ignorierte und stattdessen daran arbeitete, irgendwie eine Verbindung zu Draco aufzubauen. Angefangen damit, dass sie nicht wieder zurück schrak, obwohl er noch stärker zu zittern und zu keuchen begann.
„Schschsch. Es ist alles gut“, sprach sie ihm leise, wie auch sanft und beruhigend zu, bevor sie begann, ihm behutsam mit den Fingerspitzen durch die Haare zu streichen. „Wir sind für dich da“, meinte sie nach einer Weile, als sein Zittern etwas nachließ und er ihre Berührungen offensichtlich ein klein wenig für sich verinnerlichte, denn er öffnete die Augen etwas, sodass grau auf derzeit braun traf.
Seine Augen wirkten auf Tonks jedoch seltsam dunkel. Vom Fieber glasig trüb, flackerte eine gefährlich, unterschwellige Panik darin auf. Tonks hatte auf den Anblick gehörig ihre Zweifel, dass er sie erkannte. Überhaupt irgendetwas von dem Hier und Jetzt erkannte. Stattdessen machte sich vermehrt das dumpfe Gefühl in ihr breit, dass sein Geist noch immer irgendwo anders fest hing.
„Draco? Erkennst du mich? Ich bin es. Tonks. Nymphadora. Deine schrullige Cousine“, gab sie ihm ein paar Bezeichnungen vor, worauf kurz irgendetwas in seinen Augen blitzte, bevor er diese schwer atmend wieder schloss und es stattdessen gefährlich unter seinen Lidern zu zucken begann. Tonks war sich auf den Anblick nicht sicher, ob sie es als gutes oder schlechtes Zeichen deuten sollte.
„Draco? Hey“, rief sie ihn, doch er machte die Augen nicht mehr auf. Auch so. . . Er reagierte schon wieder nicht weiter, als sie ihm behutsam mit den Fingerspitzen über Schläfe und Wange strich.
„Hat er sich beruhigt?“, erkundigte sich Poppy nur einen Augenblick später, die mit einem Trank zurückgekommen war. Tonks sah sie allerdings unsicher an. „Ich weiß es nicht. Er. . . Ich glaube, er hat mich nicht einmal erkannt und. . .“ Damit sah sie wieder auf Draco. „Ich fürchte, er ist schon wieder bewusstlos“, murmelte sie ihre letzten Worte leise, während Poppy näher nach ihm sah und schließlich in einem düsteren Grummeln nickte, ihm dann aber noch den Trank einflößte, damit sein Geist so lange wie möglich Ruhe hatte.
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Der Tag glich für Hermione erneut einer einzigen Katastrophe. Sie hatte die Nacht so gut wie gar nicht geschlafen und wenn doch, verlor sie sich aufs Neue in einem Horrorszenario nach dem anderen, sodass sie noch erschöpfter war, als wenn sie gar nicht geschlafen hätte.
So hörte sie in Kräuterkunde auch nicht richtig zu, was zur Folge hatte, dass sie und Blaise, beim Abnehmen des Saftes der Mimbulus Mimbletonia, von der empfindlichen Pflanze mit ihrem Stinksekret bespritzt wurden, weshalb Sprout sie erstmal aus den Gewächshäusern zurück ins Schloss gejagt hatte, damit sie sich waschen konnten. Hermione hatte sich mehrmals bei Blaise entschuldigt, dem ihre fragwürdige Abwesenheit schon die ganze Zeit aufgefallen war. Er nahm es mit Humor.
„Hey, dadurch haben wir ‘ne Freistunde“, grinste er. Hermione war aber nicht zum Lachen zumute. Auch verlor sie sich recht schnell wieder in ihren Gedanken, als sie schließlich zu Binns ins Klassenzimmer verschwand. Zwar schlief sie, im Gegensatz zu den Anderen, nicht während des Unterrichts. Auf ihrem Pergament fanden sich zum Schluss aber auch keine Aufzeichnungen, sondern nur undefinierbare Kritzeleien, von denen sie selbst nicht einmal mehr wusste, wie die entstanden waren.
Schließlich wurde es Mittag, wo sie zeitweise auch weiter völlig in Gedanken versunken, sichtlich übermüdet am Tisch saß und ihre Kartoffeln von der einen Seite des Tellers auf die andere schob, ohne wirklich etwas zu essen. Letztlich schob sie den Teller ganz von sich und stand wortlos auf.
„Was ist?“, fragte Ginny, bekam allerdings keine Antwort. Stattdessen verschwand ihre Freundin aus der Halle, wo ihr mehrere Augen folgten und schließlich auch noch zwei hochgewachsene junge Männer.
Harry besah es sich seufzend und lehnte sich geschlagen zurück. Diese Geschichte ließ ihn selbst nicht wirklich los und schlug ihm zudem auch gehörig auf den Magen. Dass es bei Hermione, Blaise und Charlie sogar noch schlimmer war, konnte er nur zu gut nachempfinden.
„Was ist denn?“, hakte Neville schließlich nach, da er die noch immer langen Gesichter seiner Freunde nicht mehr nachvollziehen konnte. Sicher war das mit dem Unfall jetzt weniger schön, aber kein Weltuntergang, was man glatt meinen könnte, so wie sich insbesondere Hermione immer noch benahm.
„Madam Pomfrey hat doch gesagt, dass er soweit in Ordnung ist.“ „Sicher“, murmelte Harry alles andere als überzeugend, was Neville eine Augenbraue hoch ziehen ließ. „Oder nicht?“ „Hm? Doch, doch“, bestätigte Harry ihm nun dünn. Neville stimmte es allerdings allmählich misstrauisch.
„Und was habt ihr dann alle? Ich mein. . . Hermione ist seit dem Vorfall total neben sich und sieht zudem so aus, als wäre er todkrank. Sie ist fast jede freie Minute im Krankenflügel. Und ihr macht auch den Eindruck, als ob ihr auf einer Beerdigung wart. Was ist los?“, bohrte Neville. „Ist doch noch etwas mit Draco?“, mischte sich nun auch Luna mehr mit ein. Und das mit wachsender Sorge, was Harry und Ginny eigentlich hatten vermeiden wollen.
„Nein.“ „War da noch was?“, ließ Neville nicht locker, womit die übrigen vier Schlangen Harry nun auch genauer in Augenschein nahmen. „Was ist mit ihm?“, drängte nun auch Daphne. „Wisst ihr doch noch etwas?“, hakte auch Theo nach, worauf sich Harry und Ginny unsicher ansahen.
Tonks wollte die Sache eigentlich nicht an die große Glocke hängen, um dem Täter vielleicht irgendwie auf die Schliche zu kommen. Nur schien sie auch weiter keine wirkliche Idee zu haben. Harry selbst ging es nicht viel anders. Er zerbrach sich nicht weniger den Kopf darüber, wer hinter diesem Attentat steckte? Tonks ging ja davon aus, dass noch jemand aus der Schule in die Sache involviert war, sodass er sich immer wieder die Frage stellte wer?
„Harry!“, wurde Neville etwas laut, als dem Schwarzhaarigen anzusehen war, dass er wieder in tiefe Überlegungen abdriftete. Auf den Aufruf sah er zurück zu Neville. „Was?“ „Das frag ich dich! Was war da noch? Ihr verschweigt uns doch etwas?! Was genau ist da wirklich passiert?“ Neville durchbohrte Harry mittlerweile förmlich mit seinem Blick, sodass er unsicher zu Ginny sah. Diese legte ihren Blick kurz auf die übrigen Sechs.
„Kein Wort zu irgendwem, habt ihr verstanden?“ „Ginny!“, mahnte Harry sie, sodass sie zu ihm zurück sah. „Tonks wollte. . .“ „Ich weiß. Aber vielleicht können sie uns helfen? Vielleicht haben sie ja auch eine Idee wer und. . .“ „Tonks hat extra noch gesagt, dass sie die Sache. . .“ „Denkst du einer von ihnen hat etwas damit zu tun?“, deutete sie auf die Übrigen am Tisch, die immer mehr an den Lippen der Beiden hingen und darauf warteten, dass sie endlich Klartext mit ihnen sprachen. Harry sah dann auch schon zu ihnen. Unschlüssig.
Er war sich nicht sicher, ob es gut war sie ins Vertrauen zu ziehen. Zwar stimmte er Ginny zu, dass keiner von ihnen etwas mit der Sache zu tun haben würde, nur war dieses Thema sehr sensibel und er hatte gehörig seine Zweifel, dass Hermione, Blaise, Charlie und allen voran Draco selbst wollten, dass diese Geschichte zu sehr publik gemacht wurde. Würde ihm genauso gehen. Ginny sah indes zurück zu den Anderen.
„Wir haben euch wirklich nicht die ganze Wahrheit gesagt. Dieser Unfall, dass. . . Es war kein richtiger Unfall. Irgendjemand hat da nachgeholfen.“ „Wie, nachgeholfen?“, hakte Neville nach. „Jemand hat Draco mit diversen Flüchen angegriffen und es dann wie einen Unfall aussehen lassen. Dass mit der Treppe, das. . . uhm. . . Tarnung“, warf Ginny den Anderen ein kleines Bröckchen hin, um wirklich nicht das genaue Attentat zu schildern. Zeitgleich gab sie aber genug Informationen frei, um ihnen dennoch die Wahrheit zu sagen. Eine, die die Runde recht schweigsam stimmte.
„Seid ihr sicher?“, hakte Neville nochmal nach, worauf Harry nickte. „Irgendjemand wollte ihm etwas antun. Das war kein Spaß oder Streich mehr. Das war. . .“, brach er ab und schluckte hart, als er dieses Bild abermals vor Augen hatte. Dann noch Tonks’ Aussage mit diesen Scheinhinrichtungen. Dass alles ließ seinen Magen unheilvoll rumoren.
„Diese Flüche haben ihm unwahrscheinlich zugesetzt. Deswegen sieht Charlies Vater auch jeden Tag nach ihm. Er war bis jetzt auch noch nicht wieder bei Bewusstsein. Und Hermione. . . Sie. . .“, brach Ginny wieder ab, da eine Erklärung eigentlich überflüssig war. Neville nickte dann auch schon verstehend.
„Sicher“, nuschelte er. Der Appetit war ihm damit auch ein wenig vergangen. „Und wer? Habt ihr eine Idee, wer es gewesen sein könnte?“, erkundigte sich Astoria vorsichtig. Harry und Ginny schüttelten synchron mit dem Kopf.
„Nicht die leiseste. Tonks tappt auch noch im Dunkeln.“ „Draco hat doch aber sicher mitbekommen, wer ihn angegriffen hat“, warf Theo ein, worauf Harry das Gesicht verzog und mit dem Kopf schüttelte. „Ich fürchte nicht. Wenn doch, denkst du nicht, er hätte sich verteidigt?“, sah er zu Theo, bevor er den Blick wieder senkte und etwas seinen Zauberstab in der Hand drehte, einfach um etwas zu tun zu haben.
„Er hatte zwar immer die große Klappe, aber das war am Ende doch nicht nur leeres gequatschte. Er hat was auf dem Kasten. Sehr viel mehr, als man ihm zugetraut hätte. Als ich ihm immer zugetraut hab. Er hätte sich gewehrt, wenn er gekonnt hätte. Er hätte seine Angreifer aufs Kreuz gelegt, wenn er eine kleine Chance dazu gehabt hätte. Er ist ein geübter Kämpfer und weiß sich zu schützen. Das hab ich während der Schlacht gesehen. Aber das jetzt hier. . . Die müssen ihn aus dem Hinterhalt angegriffen haben und dann. . .“, brach er ab und verzog wütend das Gesicht.
Er war wütend auf die Täter, aber auch auf sich selbst. Wütend, dass er nicht schon früher richtig Stellung bezogen hatte. Wütend, dass er mal wieder nicht auf Hermione gehört hatte. Er war wütend auf seinen Dickkopf und seinen Stolz. Hätte er Hermione von Anfang an richtig unterstützt und Draco offen ein Friedensangebot gemacht, wäre es vielleicht nie hierzu gekommen. Er hätte den Anderen damit deutlich machen können, wie dumm sie sich benahmen. Wie falsch. Jetzt aber. . . Er hoffte wirklich, dass es für alles nicht schon zu spät war. Er hoffte, dass er sich und Draco noch eine ehrliche Chance geben konnte. Eine Echte.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Mein Buch sollte tatsächlich in den Buchläden verkauft werden. Das war wahnsinnig!
Joanne K. Rowling