„Merlin, Danke“, murmelte Draco erschöpft und ließ den schweren Kopf auf den Steinboden sinken. Über diesen hallten hastige Schritte von zwei paar Füßen, die sich rasch näherten. Kurz darauf war das Mädchen bei ihm, das sich sofort auf die Knie fallen ließ, allerdings nicht so richtig wusste, wo und wie sie ihm helfen sollte?
„Alles in Ordnung?“ Blöde Frage, dachte Draco mürrisch. Sah er vielleicht so aus? „Scheiße, Malfoy. Du blutest wie ein Schwein!“, bemerkte der Andere, was den Blonden schwach aber dennoch süffisant „Ach echt?!“ zischen ließ, bevor ein paar kräftige Hände nach ihm griffen und ihn behutsam halb aufrichteten, wie auch an die Wand lehnten, worauf er schmerzlich die Augen zusammenkniff. Als er sie wieder öffnete, erkannte er den Hufflepuff Macmillan.
„Was wollten die von dir?“, erkundigte sich Ernie und ließ seinen Blick nebenher über die ganzen Blessuren des Slytherins schweifen.
„Stress abbauen?“, schlug er ihm schließlich vor, was den Dachs mit dem Kopf schütteln ließ, womit sich nun auch Sally zu Wort meldete.
„Wir bringen dich in den Krankenflügel. Du. . .“ „Nein“, unterbrach Draco sie matt und blinzelte schwach. „Mein Zauberstab“, deutete er ihr auf das Machtmittel, was inzwischen in einer anderen Ecke lag. Kurz darauf hatte er ihn wieder und begann sich mit leise gemurmelten Zaubern soweit selbst zu heilen.
„Mensch, lass das. Madam Pomfrey kann das besser!“, meckerte Ernie und wollte ihn hochziehen. Draco schlug ihm allerdings kraftlos die Hand weg.
„Ist nicht so schlimm.“ „Ach ja?“, schnarrte Ernie zynisch und versuchte nochmal sein Glück, worauf Draco ihn nun wirklich etwas pampig anfuhr.
„Ich hab Nein gesagt!“ „Aber. . .“ „Mir fehlt nichts weiter“, erklärte er und schloss die Augen, während die Heilzauber vermehrt ihre Wirkung taten und seine offenen Wunden schlossen. Den Schmerz in seinem Innern wurde er so zwar nicht los, aber dafür hatte er Charlies Tränke. Er musste nur irgendwie ungesehen an Hermione vorbeikommen.
„Ich sag Professor Quent Bescheid“, murmelte Sally, worauf er die Lider hob und die Gryffindor blitzschnell am Arm packte, die daraufhin verschreckt zusammenzuckte. Mehr noch als er raunte: „Das lässt du schön bleiben.“ „Aber. . .“ „Nichts aber! Ich will das nicht. Verstanden?“, zischte er, was Ernie verwirrte.
„Warum nicht? Merlin, die haben dich brutal zusammengeschlagen und du willst das nicht melden? Was ist denn mit dir los?“, irritierte es ihn, da der Blonde früher auf den kleinsten Kratzer bei einem der Professoren Terror gemacht hätte. Vornehmlich bei Snape.
„Das ist meine Sache, klar? Und die klär ich auf meine Weise!“, zischte er, worauf Ernie skeptisch wurde. „Was hast du vor?“ „Merlin, ich habe nichts vor! Weasley spinnt einfach nur und die Idioten haben Langeweile!“, stöhnte er entnervt und quälte sich schließlich an der Wand hoch, wobei ihm seine Mitschüler halfen.
„Du solltest trotzdem zu Madam Pomfrey gehen“, appellierte Sally sorgenvoll, worauf er sich ein schwaches Lächeln auf die Lippen zwang.
„Ist wirklich nicht so schlimm. Sind bloß ein paar Kratzer.“ „Kratzer?“, warf Ernie erneut skeptisch ein und zog dementsprechend eine Augenbraue nach oben, sodass sich Draco ruhig an ihn richtete.
„Ich hab schon ganz andere Sachen durch, Macmillan. Das hier ist nichts. Nur ein nerviges Ärgernis, um das ich mich später näher kümmer.“ „Aha“, gab Ernie nur von sich, nicht sicher, was er davon halten sollte? Draco seufzte.
„Hör zu, ich hab einfach keine Lust, irgendeine zweifelhafte Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Die würden mir ohnehin nur irgendetwas unterstellen und das Wort im Mund umdrehen, was sowieso die komplette Schule macht“, knurrte er.
„Ich will nach allem einfach nur meine Ruhe haben, okay? Ist ja wohl nicht zu viel verlangt! Also tut mir einen Gefallen und behaltet diese Sache für euch.“ „Aber. . .“, wollte Sally widersprechen, Draco sah allerdings böse zu ihr.
„Nein! Ich will das nicht. Ich komm alleine klar.“ Damit schnappte er sich seinen Besen und verschwand, noch leicht taumelnd, im Gang, dem die Beiden zweifelnd mit Blicken folgten.
„Wer ist der Kerl?“, murmelte Ernie abermals verwirrt, während Sally ihm traurig nach sah. „Warum macht er das schon wieder. . .“, murmelte sie ihrerseits, was Ernie neugierig stimmte.
„Was?“ „Wie?“ „Was macht er schon wieder?“ „Ich . . . uhm. . . Nichts. Vergiss es“, wiegelte sie ihn ab, bevor sie sich umdrehte und in die entgegengesetzte Richtung verschwand, sodass Ernie auch weiter ratlos zurück blieb.
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Draco hatte mehr Glück als Verstand, denn Hermione war nicht im Turm, als er dort eintraf. Vermutlich hockte sie noch in der Bibliothek. Gut für ihn, womit er in sein Zimmer schlurfte und dann auch gleich im Bad verschwand nochmal duschen, was ihm seine Muskeln mit Schmerzen dankten.
Als er aus der Dusche trat, war ihm klar warum. Auf seinem Körper schimmerten bereits dutzende dunkelrote Flecke, die schon sehr bald diesen verräterischen, tiefblauen Schimmer annehmen würden. Da hatten die Idioten diesmal wirklich ganze Arbeit geleistet, wenn der Episkey nicht einmal mehr wirkte.
„Scheiße“, fluchte er und wühlte nach etwas Passendem in Daniels Tasche. Schließlich schnappte er sich die Wundsalbe und behandelte mit dieser die großflächigen, dunkleren Flecke, denen er dann auch nochmal mit dem Heilzauber versuchte, zu leibe zu rücken. Genauso mit den Schmerztränken, die ihn zeitnah schläfrig machten, da er mal wieder zwei genommen hatte. Egal. So lange es half.
Kurz darauf verschwand er wankend zurück in sein Zimmer und zog sich neben seiner Schlafhose lieber noch ein T-Shirt über, falls Hermione die Nacht erneut nicht richtig schlafen konnte und zu ihm kam. Würde ihn zwar freuen, also nicht, dass sie nicht schlafen konnte, sondern einfach nur ihre Nähe. Allerdings hatte er keinerlei Bedürfnis, ihr die ganzen blauen Flecke näher zu erklären. Seine Arme sahen teils zwar auch nicht besser aus, aber da konnte er sich notgedrungen mit dem Training rausreden. Letztlich fiel er ins Bett, auf dem der fette Kater bereits lag und ihn seltsam musterte.
„Was?“, fragte Draco müde und kroch unter die Decke, was sich Crookshanks kurz besah, bevor er vom Bett sprang und an das hohe Fenster trabte. Dort kratzte er mit der Pfote den schweren Vorhang etwas hervor.
Als er sich ein gutes Stück Stoff erkämpft hatte, setzte er mit den Zähnen nach und zog schließlich so lange daran, bis das Fenster abgedunkelt war, da die Sonne noch nicht untergegangen war. Kurz darauf sprang er zurück aufs Bett, was Draco grinsen ließ, als sich der Kater neben ihm postierte.
„Danke, Kumpel“, murmelte er matt und streichelte das rote Fellmonster kurz, bevor ihm die Augen ganz zufielen und er in einen relativ schmerzfreien Schlaf über glitt. Den Kater auch weiter bei sich, der sich letztlich an die Taille des Blonden kuschelte, zusammenrollte und seinerseits mit seinem Nickerchen weitermachte.
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„. . . Malfoy hat WAS?“, brüllte Ron fassungslos, als David und Jacob ihm nach dem Essen von ihren Neuigkeiten berichteten.
„Er hat irgendwas vor, genauso wie du gesagt hast. Er will sich irgendetwas ziemlich Wertvolles unter den Nagel reißen“, erklärte David genauer, der sich mit seinem Freund und dem Rotschopf in ihrem Schlafsaal eingeschlossen hatte.
„Hat er gesagt was? Oder wie?“ „Nein. Nur, dass es wohl sehr, sehr wertvoll wäre und. . . Ja, dir am meisten Schaden würde. Was und wie. . . Keine Ahnung. Er meinte dann auch, dass wir es erst merken werden, wenn er hat, was er will. Er schien sich ziemlich sicher zu sein, dass ihm da keiner dazwischen pfuschen kann.“ „Da hörst du es. Deine Ahnung bestätigt sich immer mehr und zeigt, wie dreist dieser Dämon ist, dass er sich nicht einmal die Mühe macht, sein Vorhaben geheim zu halten. Er verspottet dich auf diesem Weg“, flüsterte die dunkle Stimme in Rons Kopf, was ihn wütend knurren ließ, bevor er Jacob sauer am Kragen packte.
„Was noch?!“, schnauzte er, doch der Jüngere wusste ihm nichts mehr zu sagen. „Mehr . . . mehr hat er nicht gesagt. N-Nur, dass er wohl irgendwie damit rechnet, dass Hermione, wir alle, von seinem Spielchen erfahren, es dann aber zu spät wäre“, erklärte Jacob brav, worauf Ron schrie: „Verfluchter Bastard!“, ehe er wie ein Tiger im Käfig im Schlafsaal auf und ab lief.
Natürlich hatte sich diese Schlange nicht geändert! Woher auch? Er war doch schon immer falsch, verlogen, heuchlerisch und hinterlistig. Ein gefühlloser Lügner ersten Grades und auch sonst ein Monster! „Dagegen musst du etwas tun.“ Was? „Harry. Du musst ihm klarmachen, dass hier etwas falsch läuft. Dass Malfoy wie immer ein falsches Spiel spielt.“ Wie?
„Mach gute Miene zum bösen Spiel. Du darfst Harry nicht auf Dauer als Stütze und Verbündeten verlieren. Versöhne dich mit ihm. Irgendwie. Und danach brauchst du Beweise. Irgendetwas. Lass die Schlange in die Falle tappen.“ Wie?
„Malfoy ist selbstsicher. Zu selbstsicher. Man sollte ihm das Gefühl der Überlegenheit ein wenig lassen, damit er sich selbst, und damit mehr seiner eigentlichen Pläne, verrät. Dabei können dir die Beiden vielleicht behilflich sein.“ Wie?
„Malfoy scheint sie nicht als Gefahr anzusehen, im Gegensatz zu dir und den Anderen, deswegen wirft er ihnen Bröckchen hin, um sie zu verhöhnen. Sorg dafür, dass sie noch mehr Informationen aus ihm herausholen. Genauso Lavender. Lass sie ein wenig Gerüchte streuen. Sie wird sich nichts dabei denken, wenn du ihr etwas von diesen Dingen verrätst.“ Ja, das ist gut.
Damit sah er zurück zu David und Jacob, die ihn fragend musterten. „Alles in Ordnung?“, erkundigte sich David, den der leicht manische Blick Rons unruhig stimmte. Dieser verschwand allerdings, als der Rotschopf zu den Beiden trat.
„Versucht noch mehr aus Malfoy rauszuholen. Er plant etwas. Vermutlich etwas ziemlich Großes, was uns allen nur schaden wird. Das müssen wir mit allen Mitteln verhindern!“ „Rede doch mit Harry“, schlug David vor, worauf Ron missmutig mit dem Kopf schüttelte.
„Geht nicht. Harry ist im Moment nicht gut auf mich zu sprechen. Ich muss das erstmal wieder regeln. Auf alle Fälle brauchen wir Beweise. Eine klare Ansage. Wir müssen herauskriegen, was er an sich reißen will. Ob es etwas stark Magisches ist? Vielleicht irgendein altes Relikt oder so“, grübelte Ron.
„Du denkst nicht, dass es um Geld geht?“, wunderte sich David. „Nein. Davon hat er trotz allem genug“, knurrte Ron. „Und was dann?“, fragte Jacob ratlos.
„Keine Ahnung. Vermutlich so etwas, wie der Stein der Weisen oder der Stein der Auferstehung“, brabbelte Ron, was die beiden Löwen nur noch verwirrter schauen ließ „Was für ein Zeug?“, womit dem Rotschopf erst wieder einfiel, dass die Wenigsten von der Existenz dieser Dinge wussten, mit denen er, Harry und Hermione über die Jahre zu tun gehabt hatten. Der Stein der Weisen zählte ja auch mehr nur als eine Legende, wie auch der Stein der Auferstehung.
„Alte magische Relikte. Die meisten existieren in Legenden, es gibt sie aber wirklich. Harry, Hermione und ich sind im Laufe der Jahre über ein paar dieser Dinge gestolpert.“ „Deswegen tut er sich mit Hermione gut. Sicher soll sie ein Rätsel für ihn lösen“, flüsterte die Stimme in Rons Kopf, worauf er blass wurde und sich die Hand gegen die Stirn schlug. Natürlich!
„Was ist?“, fragte David auf Rons Anblick verunsichert. Der Rotschopf reagierte aber nicht darauf, da es noch immer in seinem Hirn arbeitete. Was für ein Rätsel? „Das gilt es herauszufinden. Hermione scheint in letzter Zeit ja immer sehr beschäftigt zu sein. Wahrscheinlich arbeitet sie bereits an der Lösung dieses Geheimnisses.“ Scheiße.
„Finde heraus, was es für ein Rätsel ist, dann wird sich auch zeigen, was für ein Relikt es ist, nach dem er giert. Dann hast du einen Beweis, dem sich Harry nicht verweigern kann. Er wird Hermione dann auch wieder zur Vernunft bringen.“ Ja. Ja, genau.
„Vorher brauchst du diesen Beweis. Und dafür brauchst du Nähe zu Hermione.“ Sie hört mir aber nicht zu! „Glätte die Wogen wie bei Harry. Wenn sie dir wieder Vertrauen entgegenbringt, wird sie dich mit etwas Glück und Geschick in das Rätsel einweihen. Sie wird sich dir wieder zuwenden, wenn sie ihren Fehler mit Malfoy erkennt. Wenn sie merkt, welchem Trugschluss sie aus Gutmütigkeit erlegen ist.“ Ja. Damit sah er zurück zu den Jüngeren. „Ich denke, ihr solltet euch Malfoy demnächst nochmal rannehmen. Bringt ihn irgendwie dazu, dass er euch noch ein bisschen was von seinem Vorhaben erzählt. Jede Kleinigkeit kann uns helfen, ihm das Handwerk zu legen. Ein für alle Mal und vor allem so, dass es dann endlich alle verstehen!“, herrschte er die Beiden an, die mit einem beinahe ehrfürchtigen Funkeln in den Augen zu dem Rotschopf aufsahen.
„Geht klar, Chef“, meinte Jacob, worauf David nickte. „Kannst dich auf uns verlassen.“ „Sehr gut. Sie werden dir noch genauso dienlich sein, wie Lavender“, flüsterte die Stimme zufrieden, bevor sie noch meinte: „Vielleicht stattest du der kleinen Blonden mal einen Besuch ab? Sicher freut sie sich, dich zu sehen.“ Auf die Vorstellung stahl sich ein dreckiges Grinsen in Rons Gesicht, der sich gleich aus dem Schlafsaal schlich, um Lavender ein wenig mit seiner Gegenwart zu beglücken.
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Als Hermione nach dem Abendessen in ihren Turm kam, war ihr erster Gang der zu Dracos Zimmer. Er war nicht beim Essen gewesen, was sie bereits verwundert hatte. Aber da Blaise meinte, er hätte ihn wohl ein bisschen zu sehr ausgepowert, hatte sie sich nichts dabei gedacht. Dass es tatsächlich an dem war, erkannte sie keine Minute später, denn der Blonde lag bäuchlings in seinem Bett und schlief. Und das vermutlich schon länger, denn die Vorhänge waren zugezogen. Ebenfalls bei ihm war ihr Kater, der es sich halb auf dem Rücken ihres Mitbewohners bequem gemacht hatte und selbst der Länge nach da lag.
„Crookshanks!“, rief sie den Kater leise, da sie sich nicht sicher war, ob Draco die Tatsache gefiel, dass ihr Kater seine Haare überall in seinem Zimmer liegen ließ. Allerdings schien das Fusselmonster ihre Schlange in der Tat zu mögen, denn der Kneazle überlegte es sich bekanntlich zweimal, zu wem er ging. Und so wie er da lag. . .
Er fühlte sich bei Draco wohl. So wohl, dass er sich auch nicht auf ihren Ruf rührte, weshalb sie es bleiben ließ. Sie zog die Tür nur wieder ran, um die Zwei schlafen zu lassen, bevor sie sich über ihre Hausaufgaben hermachte. Bei der Gelegenheit schusterte sie dem Blonden auch noch etwas zusammen, da er durch Blaise vermutlich nicht dazu gekommen war. Was das anging, da würde sie nochmal mit Blaise reden, dass er es nicht ganz so übertrieb. Immerhin war Draco trotz allem noch nicht auf der Höhe.
Es war ein Gedanke, der sich später am Abend, als sie sich schlafen legen wollte, noch mehr festigte, als sie erneut zu ihm ins Zimmer linste. Er lag nach wie vor fast quer im Bett und schien wie ein Stein zu schlafen. Crookshanks lümmelte auch weiter auf ihm drauf, was sie grinsen ließ, bevor sie die Tür, bis auf einen kleinen Spalt, ran zog und in ihrem Zimmer verschwand.
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Am Freitag stand mal wieder Verteidigung gegen die dunklen Künste auf dem Plan, vor dem es Draco graute, denn er hatte nach wie vor erhebliche Probleme mit diesem blöden Zauber. Zudem kam nun auch noch, dass er scheinbar etwas ausbrütete, denn er fühlte sich seit ein paar Tagen irgendwie matschig. Konnte aber auch an Blaise und seinem blöden Extratraining liegen, denn seitdem ging das schon.
„. . . Sehr schön, Miss Greengrass. Es scheint mir langsam zu werden“, lobte Professor Dippet Astoria, die schüchtern lächelte und schließlich zu Harry sah.
„Bei so einem guten Lehrer.“ Der wurde prompt rot und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Gibt da ja nicht viel zu zeigen. Das meiste kommt immerhin von einem selbst“, redete er sich bescheiden raus, während Professor Dippet nach den Anderen sah.
Von den Löwen konnten, bis auf eine Handvoll, allerdings alle den Patronus bereits, sodass er sich mehr auf die Schlangen konzentrierte. Denen fiel es, wie befürchtet, schwerer, sofern sie denn übten. Blaise zog es zum Beispiel vor, mit Ginny zu quatschen, mehr noch zu flirten.
„Mr. Zabini, korrigieren Sie mich bitte, wenn ich mich irre, aber von Ihnen habe ich auch noch keinen gestaltlichen Patronus gesehen. Ich denke, Sie sollten Ihre Energie jetzt vielleicht mehr darauf verwenden, anstatt mit Miss Weasley zu plaudern“, mahnte er, worauf sich Blaise auf die Zunge biss.
Ginny kicherte, während Charlie mit den Augen rollte und den Zauber nochmal versuchte, der nach wie vor nur ein weißer Nebel war. Der wurde allmählich jedoch fester und nahm schwache Konturen an.
„Sie scheinen mir auch langsam an den richtigen Punkt zu gelangen, Mr. Harper. Nehmen Sie sich ein Beispiel daran, Mr. Zabini!“ Daraufhin verzog Blaise beleidigt das Gesicht, während Charlie ihn höhnisch angrinste.
„Na warte!“, knurrte Blaise und ließ seinerseits die Patronus Magie frei, die, wie bei Charlie, kräftiger geworden war, aber nach wie vor gestaltlos blieb. Damit begab sich Professor Dippet zu seinem Problempärchen.
„Fortschritte?“, erkundigte er sich freundlich, was Draco murren ließ. „Nein.“ „Haltung, Bewegung, Aussprache?“, richtete sich der Professor an Hermione.
„Alles so, wie es sein soll, nur. . .“, sah sie wieder zu ihrer Schlange, die immer gefrusteter wurde, aber auch ein wenig blass um die Nase war.
„Ihm fehlt der richtige Gedanke.“ „Versuchen Sie es für den Anfang mit etwas Einfachem. Geburtstag, Weihnachten“, schlug Professor Dippet ein paar an und für sich nette Dinge vor, die es für Draco jedoch noch schlimmer machten, denn er verzog düster das Gesicht.
„Ich wüsste nicht, was daran erfreulich sein soll?“, murrte er, was Professor Dippet irritierte. „Das sind doch eigentlich schöne Ereignisse“, meinte Allan dann noch unglücklich, worauf Draco motzte: „Für mich aber nicht!“, sodass Hermione ihn gleich zu sich zog und Dippet ungehalten zu verstehen gab: „Er hatte im Juni Geburtstag!“ Ihr Professor brauchte so einen Moment, bis er das übergroße Fettnäpfen erkannte, in welches er da gestolpert war.
„Tut mir leid, das war mir nicht bekannt“, entschuldigte er sich, bekam aber auch weiter den wütenden Blick von Hermione zu spüren, auch wenn ihr klar war, dass er davon wirklich keine Ahnung haben konnte. Schließlich sah sie zurück auf Draco, der nur zu deutlich am liebsten das Handtuch schmeißen wollte.
„Hey, komm. Das wird schon. Wie wär’s für den Anfang mit der Party? Die war doch nett.“ „Nett? Lass das ja nicht Blaise hören, dann ist er beleidigt“, warnte Draco sie, worauf sie lachte.
„Du hast ja Recht, sie war großartig! Du hattest da doch auch deinen Spaß, oder? Es ist jetzt sicher nicht ganz das, was wir bräuchten, aber um dir überhaupt erstmal ein Gefühl für den Zauber zu geben, könnte es reichen. Versuch’s einfach mal“, ermunterte sie ihn, sodass er in seinem Hirn nach dem für ihn emotionalsten, glücklichsten Moment suchte, den er an dem Abend hatte.
Im Grunde war der komplette Abend wirklich einmalig gewesen, aber was würde für den Zauber genügen? Vielleicht, als er so verboten mit Hermione getanzt hatte? Als er daran dachte, musste er unweigerlich grinsen. Ja, das hatte ihm in der Tat sehr viel Freude bereitet.
„Du siehst so aus, als hättest du etwas“, vermutete Hermione auf sein Grinsen, worauf er wieder zu ihr sah. „Vielleicht.“ „Na dann los“, schmunzelte sie und trat etwas beiseite.
„Konzentrier dich nur auf diese Sache. Versuch, die Erinnerung und den Gedanken bildlich in dir wachzurufen. Wie du dich gefühlt hast. Versuch diesen Moment nachzuempfinden“, gab sie ihm noch ein paar Ratschläge, womit er in Stellung ging und den Zauber sprach, doch es regte sich nichts.
„Das ist doch zum Kotzen!“, schimpfte er und hätte um ein Haar seinen Zauberstab durch den Raum gepfeffert. Stattdessen ließ er sich mürrisch auf seinen Stuhl fallen und starrte stinkig vor sich hin, während Hermione seufzte und wieder ganz zu ihm trat. So wie es aussah, würde das noch ein paar Stunden mehr in Anspruch nehmen.
„Setzen Sie sich selbst nicht so unter Druck. Der Zauber ist alles andere als leicht“, meinte Dippet aufmunternd und begab sich zum Rest der Klasse, um ihnen noch ein wenig über die Schulter zu sehen. Draco sah dem Professor etwas angefressen nach.
„Arschloch“, murrte er, wofür Hermione ihn sanft in die Schulter boxte. „Mecker nicht schon wieder“, schmunzelte sie, wurde dann aber ein wenig ernster.
„Er hat aber Recht. Mach dir selber nicht so einen Stress und vor allem keinen Druck. Die wenigsten erwachsenen Zauberer können einen gestaltlichen Patronus erschaffen.“ „Ihr könnt es doch auch alle“, warf er noch immer mürrisch ein. „Sogar Longbottom“, knirschte er mit den Zähnen, was sie seufzen ließ.
„Es ist kein Wettbewerb und vor allem keine Schande, wenn dir mal ein Zauber nicht gelingt. Dass dir das, im Gegensatz zu uns allen, bedeutend schwerer fällt, versteh ich.“ „Weil ich ja nur schwarze Magie beherrsche“, knirschte er auch weiter, worauf sie seinen Kopf zu sich ran zog und ihm ein wenig durch die Haare strich, sodass er zu ihr aufblickte.
„Das ist Blödsinn, und das weißt du auch“, widersprach sie ihm sanft. „Außerdem war ich auf etwas anderes aus. Nämlich, dass du viel mehr Dunkelheit, Kälte, Schmerz und Angst durchlebt hast, als irgendeiner von uns. Deswegen fällt es dir schwer, ein echtes Glücksgefühl zu finden und zu halten. Nur deshalb und nicht, weil du den einen oder anderen schwarzen Zauber mehr kennst und beherrschst als wir.“
Damit endete die Stunde, wie auch der Unterricht. Wirklich zur Ruhe kam Draco aber nicht, da Blaise ihn im Anschluss gleich wieder einkassierte, um mit ihm und den Anderen zu trainieren.
„Übertreib’s nicht!“, rief Hermione Blaise noch hinterher, der lachend meinte: „Keine Angst. Ich mach ihn dir nicht kaputt. Du kriegst ihn in einem Stück wieder.“ Damit waren die Jungs weg, dem auch der Rest des Teams folgte.
Hermione begab sich kurz darauf in die Bibliothek, um zu lernen und ihre Hausaufgaben zu machen. Allerdings wurde sie nach kürzester Zeit gestört, denn sie hörte einen Stuhl vor sich knarzen.
„Ich hab keine Zeit, STEPHEN!“, sprach sie den Namen des Ravenclaws diesmal extra deutlich aus, erlebte dann aber eine Überraschung.
„Wer ist Stephen?“, fragte Ron verwundert, worauf ihr Kopf hoch ruckte und sie damit den Rotschopf vor der Nase hatte. Im Endeffekt wurde es dadurch allerdings auch nicht besser.
„Was willst du?“, fragte sie kühl und musterte ihn ungehalten. „Uhm. . . Mich entschuldigen?“, schlug er ihr vor. „Aha“, gab sie ihm nur trocken zurück und sah schließlich wieder auf ihre Unterlagen. Ron nahm daraufhin Platz und griff nach ihrer linken Hand, mit der sie auf einen Absatz deutete.
„Hermione, komm schon“, bat er, doch die Gryffindor sah ihn auch weiter kalt an. „Lass … mich … los“, gab sie ihm unmissverständlich zu verstehen, worauf er seine Hand zurückzog, sodass sie sich abermals versuchte, auf ihre Arbeit zu konzentrieren.
„Hör zu, es tut mir leid, die Sache von . . . von Sonntag“, begann er. Hermione reagierte aber nicht, weswegen er weiter sprach.
„Ich weiß echt nicht, was mich da geritten hat, aber. . . Ich hab doch einfach nur Angst, dass dir was passiert! Das kannst du mir nicht zum Vorwurf machen!“, argumentierte er, worauf sie doch mal aufsah.
„Du hast Recht“, meinte sie kühl, sodass er Hoffnung schöpfte. Hermione meinte allerdings weiter: „Das mache ich dir auch nicht zum Vorwurf. Ich mache dir zum Vorwurf, dass du Ginny geschlagen hast, wegen nichts auf meine Freunde losgehst, mir und Ginny grundlos unterstellst, wir hätten dich und Harry mit den Jungs betrogen, genauso, dass du mich am Sonntag irgendwo schon bedroht hast!“, wurde sie lauter und brauste damit auch auf, was Ron schlucken ließ.
„Das tut mir leid. Wirklich. Ich. . . Ich wollte das nicht. Man Mione, ich . . . ich hab das doch alles nicht so gemeint! Es ist nur. . . Das mit den Schlangen. . . Ich hab dich die ganzen Jahre immer vor denen beschützt und verteidigt und jetzt . . . jetzt sind die auf einmal deine Freunde? Vor allem Malfoy!? Das . . . das. . .“, wusste er nicht, was er sagen sollte und raufte sich die Haare.
„Dinge, Zeiten und Menschen ändern sich, Ronald“, begann sie kühl. „Diese Tür ist zu beiden Seiten offen.“ „Ja, aber. . .“ „Kein aber! Blaise und Charlie sind mir schon seit Jahren treue Freunde, was ich dir bereits mehrmals gesagt habe! Und Draco hat mir in den letzten Monaten mehr als einmal bewiesen, dass es ihm aufrichtig leid tut und er eigentlich etwas ganz anderes wollte, als das, was er uns immer glauben gemacht hat. DU willst das nicht sehen, weil du ihn nicht leiden kannst! Du hasst ihn nach wie vor, warum auch immer.“ „Er ist. . .“ „NEIN!“, fuhr ihm Hermione herrisch dazwischen, als er drohte, mit einem seiner oberflächlichen Argumente zu kommen.
„Ich will nichts hören von wegen, Er ist ein Malfoy oder Er ist ein Death Eater. Weder konnte er sich seine Familie aussuchen, noch diese Sache mit den Death Eatern! Das ist kein Grund, ihn ein Leben lang zu verurteilen! Er hat seine eigentliche Stellung in dieser Geschichte gezeigt, als es wirklich darauf ankam. Weder erwarte, noch verlange ich von dir, dass ihr die allerbesten Freunde werdet. Dass das nie passieren wird, weiß ich“, resümierte sie kalt.
„Wenn es dir aber tatsächlich leid tut, dann beweis es und benimm dich endlich wie ein Erwachsener. Begrab die Vergangenheit und vor allem das Kriegsbeil, so wie Harry und Neville!“ Mit diesen Worten kramte sie ihre Unterlagen zusammen und machte sich auf den Weg in ihren Turm.
Zurück blieb ein ratloser Ron, in dem erneut die Wut hoch züngelte und ihn gegen den anderen Stuhl treten ließ, der geräuschvoll nach hinten krachte. Drecksschlangen!
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„. . . Das hab ich schon mal besser von dir gesehen“, lachte Daphne Draco aus, als sie das Training beendeten. Dieser stützte sich auf seinem Besen ab, rang nach Atem und hielt sich die stechende Seite.
„So miserabel bist du vorgestern ja nicht mal geflogen“, moserte Blaise und musterte seinen Freund genauer, der völlig fertig und auch so ziemlich blass um die Nase war.
„Hab dir doch gesagt, du sollst dir einen anderen suchen“, brachte Draco keuchend hervor und bereute seine Worte prompt. Dieser eine Satz genügte bereits, um den Schwindel in seinem Kopf noch mehr anzukurbeln, da er seine kostbare Kraft auf das Reden verschwendet hatte.
„Scheiße“, zischte er dünn, schloss die Augen und presste die Hand an den Schädel, was sich Blaise doch etwas ernster besah. „Was ist los?“ „Nichts“, keuchte Draco. Sein Freund glaubte ihm allerdings nicht.
Er reichte Daphne seinen Besen, die nun auch etwas verwundert schaute, als Blaise meinte: „Nimm den mit, ich komm nach“ und sich stattdessen Dracos Besen schnappte. Im Kommenden schlang er sich den Arm seines Freundes um Schulter und Nacken, um ihn zu stützen.
„Lass. Geht schon“, murmelte der Blonde matt, was Blaise pflegte zu überhören. Stattdessen setzte er sich langsam mit ihm in Bewegung, hoch ins Schloss, wo er immer stärker Dracos Gewicht auf sich lasten spürte.
„Draco?“, flüsterte er auf halber Strecke und bekam ein matt gebrummeltes „Hm?“, zur Antwort. „Wir sind gleich da. Dann kannst du dich hinhauen“, versprach er und schleppte seinen Freund weiter bis zum Südturm. Sie verschwanden in diesem, wo sich Hermione das Bild kurz verwundert besah, bevor ihre Augen groß wurden und sie hastig zu den Beiden trat.
„Merlin, was ist passiert?“, fragte sie verschreckt, als Blaise ihr kurzerhand Dracos Besen reichte. „Schätzte, ich hab ihn ein bisschen zu sehr kaputt gespielt“, erklärte er entschuldigend. Hermione konnte daraufhin nur mit dem Kopf schütteln.
„Leg ihn ins Bett“, wies sie ihn an und machte ihm oben die Tür auf. Kurz darauf lag der Blonde und war binnen weniger Sekunden eingeschlafen, was sich Hermione besorgt besah. Sie legte ihm dann nur noch die Wolldecke über, bevor sie sich an Blaise richtete und ihm deutlich machte, ins Wohnzimmer zu gehen.
„Was hast du mit ihm gemacht?“ „Nichts. Ehrlich. Wir sind ganz normal unsere Runden und Manöver geflogen.“ „Wie lange?“ „Was?“ „Wie lange habt ihr jetzt trainiert?“ „2 ½ Stunden. Am Mittwoch ja auch“, erklärte Blaise, worauf Hermione mit dem Kopf schüttelte und mahnend meinte: „Das ist viel zu lange!“ „Haben wir sonst auch immer und. . .“ „Kann ja sein. Du vergisst darüber hinaus aber, dass Draco absolut nicht in der Form ist, wie im Fünften oder Vierten. Er ist trotz allem körperlich noch immer angeschlagen. Das muss sich erstmal wieder geben. Dass du mit ihm trainierst und ihn zurück ins Team geholt hast, finde ich ja gut. Nur versuch mit ihm für den Anfang kürzere Einheiten einzulegen. Von mir aus jeden Tag eine halbe bis eine Stunde. Je nachdem wie er es wegsteckt und stock das dann langsam auf, bis er seine alte Kondition und Form hat. Aber das jetzt. . .“ Sie schüttelte mit dem Kopf.
„Wenn er so fertig ist, dass er nicht einmal mehr alleine vorwärts kommt. . . Das schadet ihm am Ende nur.“ „Wahrscheinlich hast du Recht“, kratzte sich Blaise verlegen am Kopf, bevor er wieder grinsend meinte: „Wie immer!“, was sie mit den Augen rollen ließ, ehe sie ihn gewitzt in die Seite buffte.
„Denk dran.“ „Ja, ja. Kürzer aber dafür ein-, zweimal mehr.“ „Genau. Immerhin nützt er mir so nichts“, resümierte sie, worauf Blaise die Ohren spitzte, ebenso wie er ein wenig dreckig grinste.
„Was hast du denn noch für Schandtaten mit unserem Kleinen vor?“ „Der Gemeinschaftsraum. Schon vergessen? Und die Planung für die anderen Sachen macht sich auch nicht von alleine“, erklärte sie ihm, was Blaise innerlich seufzen ließ.
„Das!“ „Was hast du denn gedacht?“ „Nicht an so etwas wie Arbeit“, gab er ihr trocken zurück, worauf sie fragend die Augenbrauen kraus zog.
„Viel zu anständig gestrickt“, meinte er dann noch, beugte sich zu ihr und gab ihr ein Abschiedsküsschen auf die Wange.
„Bis später.“ Damit war er weg, dem Hermione verwundert nachsah, bevor sie sich wieder an besagte Arbeit setzte. Als es Zeit fürs Abendessen wurde, begab sie sich zu Draco, um ihn zu wecken.
„Abendessen.“ „Kein Hunger“, murrte er, zog sich sein Kissen über den Kopf und schlief kurz darauf weiter, sodass sie ihn ließ und allein nach unten verschwand.
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Am nächsten Tag, gegen Mittag, warf Hermione Draco aus dem Bett, der bis dahin noch immer nicht hochgekommen war.
„Lass mich“, murrte er tranig, doch sie kannte kein Erbarmen. „Los, raus jetzt. Mittagessen und dann drehst du mit Blaise ein paar Runden. Wenigstens eine halbe Stunde. Er wartet unten schon auf dich.“ „Später“, murrte Draco matt und war bereits drauf und dran, sich wieder unter der Decke zu verkriechen, die sich auf einen Wink von Hermione jedoch an der Decke wiederfand.
„EY!“, meckerte er und war damit etwas munterer, worauf sie ihn am Oberarm ergriff. „Los, ab. Duschen, Essen und dann bewegst du dich ein bisschen. Wenn nicht, rennst du die nächste Zeit mit roten Haaren rum!“, drohte sie ihm, was seine Wirkung nicht verfehlte. Er meckerte und fluchte leise, was sie pflegte zu überhören, verschwand dann aber im Bad, an dessen Tür er sich knurrig lehnte.
„Blöder Biber“, murrte er und zog sich die Klamotten aus, die achtlos auf dem Boden landeten, bevor er unter der Dusche verschwand.
Als er unter dem warmen Wasserstrahl stand, fielen ihm jetzt erst die tief dunkelblauen Stellen auf, die inzwischen seinen Körper zierten. Besonders an der Taille, um die Bauchregion, hatte sich ein recht großer tiefdunkler, fast schwarzer Fleck breitgemacht, der höllisch schmerzte, als er sich etwas drehte und auch sonst dort seine Muskulatur anspannte.
„Scheiße“, zischte er und beendete seine Morgendusche frühzeitig, um seine Blessuren nochmal nachzubehandeln. Darüber hinaus schluckte er noch zwei Schmerztränke, andernfalls würde er das Training nicht überleben.
„Alte Schnarchnase!“, warf Blaise ihm lachend zu, kaum dass Draco im Wohnzimmer angekommen war. Er schlang dem Blonden den Arm um Schulter und Nacken und nahm ihn so halb in den Schwitzkasten.
„Bereit für einen höllischen Besenritt?“ „Blaise. . .“, mahnte Hermione ihn und verschwand schließlich mit den Jungs zum Mittag. Dort gesellte sie sich diesmal zu Harry und den Anderen an den Löwentisch, an dem auch Ron, leicht unsicher, Platz nahm. Mit bei ihm war Lavender, die von Ginny giftig angefunkelt wurde, bevor sie sich auf Hermione konzentrierte.
„Wie kommt ihr mit eurem Spezialprojekt voran?“ „Ganz gut. Wir haben genug Vorschläge, seitens der Häuser bekommen, um uns langsam an die genaue Umsetzung zu machen.“ „Können wir euch da irgendwie helfen?“, bot sich Ginny an. „So als Vertrauensschüler und Freunde?“, grinste sie noch mehr, was Hermione lächeln ließ. Am Ende winkte sie ab.
„Lass mal. Es soll ja auch für euch eine Überraschung werden, was und wie. Draco und ich kriegen das schon hin.“ „Sofern Blaise ihn dir zur Verfügung stellt“, lachte Ginny und deutete rüber zu den Schlangen, wo Blaise den Blonden bereits freudig mit sich zog.
„Hoffentlich übertreibt er es nicht wieder“, murmelte Hermione und sah den Beiden kurz nach, bevor sie sich auf ihr Essen konzentrierte.
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Es war die Hölle und Blaise der momentane Höllenfürst. Draco konnte nicht mehr und dabei waren sie kaum eine halbe Stunde draußen. Inzwischen spürte er aber immer mehr jeden noch so kleinen Muskel und Knochen in sich, auf recht schmerzlicher Basis.
Das ging letztlich so weit, dass er anfing zu zittern und erhebliche Mühe hatte, sich auf seinem Besen zu halten. Er konnte sich kaum noch konzentrieren und hatte zeitweise auch Probleme, geradeaus zu schauen, da sich alles immer stärker in seinem Kopf drehte. Ihm wurde schwindlig und schließlich schwarz vor Augen.
„Scheiße“, entwich es ihm nur noch keuchend, als er knapp zwei Meter über dem Boden gänzlich den Halt verlor und vom Besen fiel.
„Verdammt, DRACO!“, brüllte Blaise erschrocken und setzte hastig zur Landung an, während sich der Blonde stöhnend auf die Seite rollte.
„Mensch, was machst du denn?“, entwich es Blaise noch immer leicht geschockt, als er sich neben ihn kniete. „Hast du dich verletzt?“ „Nein. Ich. . . Mir war bloß irgendwie schwindlig und. . .“ „Du legst dich jetzt hin!“, ordnete Blaise an, dem die Blässe seines Freundes absolut nicht behagte. „Los, komm“, half er ihm auf die Füße und stützte ihn so auch.
„Geht. Lass mich nur kurz hinsetzen“, bat er, sodass die Beiden in den Umkleiden verschwanden, wo Blaise ihn auf eine der Bänke sinken ließ, die Draco wenig später zur Gänze einnahm und der Länge nach lag.
„Sicher, dass es dir gut geht?“, erkundigte sich sein Freund besorgt. „Ja, ich. . . Bestimmt bloß was Falsches gegessen.“ „Eher zu wenig“, murmelte Blaise, da er gestern weder beim Abendessen noch heute beim Frühstück war. Und vom Mittag hatte er auch kaum etwas angerührt. Genauso anderes, womit er sich einen Becher heraufbeschwor und diesen mit frischem Wasser füllte.
„Trink was“, hielt er Draco ernst an, der sich das nicht zweimal sagen ließ und sich wieder halb aufrappelte, wobei Blaise ihn stützte.
„Besser?“ „Hm“, brummte der Blonde matt, blieb dann allerdings noch etwas sitzen, bis sich der Schwindel in seinem Kopf legte. Als die Welt aufgehört hatte, sich zu drehen und er allmählich auch wieder ein Gefühl in seinem Körper hatte, stand er auf.
„Ich bring dich hoch“, murmelte Blaise und schnappte sich ihrer beider Besen, bevor er seinen Freund erneut stützen wollte, der jedoch ablehnte.
„Geht schon wieder. Wirklich.“ „Sicher?“, fragte Blaise skeptisch, worauf der Blonde nickte und sich langsam in Bewegung setzte. Blaise blieb dicht neben ihm, um ihn notfalls zu halten. Allerdings schien es tatsächlich wieder zu gehen, denn sie erreichten ohne Probleme das Schloss, in dem sie verschwanden. Blaise machte dort aber keine Anstalten, in die Kerker zu verschwinden, sondern begleitete Draco die Treppen nach oben, bis sie im dritten Stock auf Ginny trafen, die etwas verwundert zu dem Blonden sah.
„Alles okay bei dir?“ „Ja, ich. . . Was Falsches gegessen“, versuchte er auch Ginny abzuwiegeln, die skeptisch eine Augenbraue hob, allerdings nicht weiter fragte. Nicht zuletzt auch, da Draco sich an Blaise richtete.
„Wolltest du nicht noch was mit ihr besprechen? Wegen der Feier?“ „Stimmt. Da war ja noch was“, fiel es Blaise wieder ein, worauf Ginny fragend guckte.
„Feier? Wollt ihr schon wieder ‘ne Party schmeißen?“, schmunzelte sie. „Hatten wir vor. Eine ganz Spezielle diesmal aber“, grinste Blaise, was sie die Ohren spitzen ließ.
„Und was für eine?“ „Quasi eine Überraschungsparty jetzt am Dienstag“, wurde Blaise genauer, womit bei Ginny die Galleone fiel.
„Ohhh!“ „Ja, Oh“, schmunzelte Blaise. „Wir dachten mir, wir verlegen das in den Raum der Wünsche“, begann Blaise, worauf sie nickte.
„Ist sicher besser. Was habt ihr geplant?“ „Darüber wollte ich gerne mit dir sprechen, uhm. . .“, sah der Dunkelhäutige nun doch wieder zu seinem Freund.
„Und bei dir ist wirklich alles in Ordnung?“ „Ja, sicher. Vielleicht sucht ihr euch für eure Planung da mal ein ruhiges Eckchen?“, grinste er Blaise spitz an, der es ihm gleich tat.
„Du kommst klar?“ „Ja, Papa.“ „Okay dann. . .“, sah er wieder zu Ginny. „Ich hab mir schon ein paar Notizen gemacht und alles. Wenn du Zeit hast, können wir die mal kurz durchgehen. Nicht, dass ich etwas Wichtiges vergessen habe.“ „Sicher. Wo?“ „Wo wohl? Bei uns unten“, grinste Blaise, wo sich Draco nur noch seinen Besen nahm und die Beiden letztlich davon schlendern ließ.
Kaum dass die Zwei um die nächste Ecke waren, brach seine mühsam aufrechterhaltene Mimik allerdings zusammen.
Er lehnte sich fertig an die Steinwand und hatte nun auch wieder mehr zu tun, sich auf den Beinen zu halten. Dafür hatten ihn die Stufen bereits gehörig geschlaucht. Er ging dann nur noch ein paar Schritte, bis er in einer kleinen Seitennische war, wo auch die Statue der buckligen Hexe stand. In dieser ließ er sich erschöpft auf den Boden sinken.
Merlin, was war denn mit ihm los? So miserabel war seine Kondition die letzten Tage doch auch nicht gewesen. Er musste wirklich was ausbrüten. Vielleicht war es doch besser, er ließ sich mal bei Pomfrey blicken. Nur hieß das, jetzt wieder in den ersten Stock zu gehen, wovor es ihm mehr graute, als die restlichen vier Stockwerke nach oben zu schleichen, um sich erstmal in sein Bett zu legen. Bei seinem Pech segelte er die Treppen bloß runter.
Am Ende lief seine Entscheidung dennoch darauf hinaus. Nur eben nicht gleich. Stattdessen lehnte er sich zurück, um wieder etwas zur Ruhe zu kommen und Kraft zu sammeln.
Nur wollte es selbst nach einer halben Stunde kaum besser werden. Ihm schwindelte es nach wie vor. Und auch so fühlte er sich seltsam matt und erschöpft, was kaum vom Training sein konnte, denn seit dem war sicher schon gut eine Stunde vergangen. Zeit, die drohte mehr zu werden, denn er kam irgendwie nicht mehr so richtig hoch, da sich eine taube Müdigkeit über ihn legte. Nur ein paar Minuten, dachte er. Ein paar Minuten würde er noch ausruhen. Vielleicht auch ein paar Minuten mehr bis. . .
„Was treibst du hier?!“, schepperte plötzlich eine wütende Stimme aus dem Nichts zu ihm herüber, worauf er die Augen ein Stück weit öffnete und, Überraschung Überraschung, ausgerechnet Weasley vor sich entdeckte, der mal wieder bester Laune zu sein schien. Jackpot. Fehlte bloß noch Entwhistle, mit seinem Idioten Trupp, um das Ganze perfekt zu machen.
„Siehst du doch, du Hohlkopf. Sitzen“, murrte Draco müde zurück. „Verarschen kann ich mich alleine! Was hast du an dem Geheimgang zu suchen?“ „Geheimgang?“, stutzte Draco und sah sich prompt nach einem solchen um, konnte seinen Blick allerdings nicht sonderlich lange und intensiv schweifen lassen, da Ron ihn grob am Kragen packte, hoch zerrte und an die Wand drückte.
„Was heckst du wieder aus?“, raunte er drohend, worauf Draco ihm die Hände wegschlug. „Nimm deine Griffel weg!“, zischte er und stieß Ron, so kraftvoll er gerade konnte, von sich und damit etwas mehr auf den Gang. Kurz darauf machte sich aufs Neue ein gefährliches Zittern in seinem Körper breit. Angefangen in seinen Beinen, die ihn kaum noch tragen wollten.
Draco versuchte diesen Aspekt jedoch mit aller Macht niederzuringen. Das fehlte ihm noch, dass er vor dem Idioten Schwäche zeigte! Der hätte doch bis an sein Lebensende Höhen!
„Ich warne dich, Malfoy. . .“ „Wovor? Deiner Inkompetenz und Beschränktheit?“ „Halt’s Maul!“, zischte Ron und trat wieder näher, wo er erneut nach Draco griff und ihn gegen die Wand drängte. Diesmal mit Erfolg, denn der Blonde hatte nur noch mäßig Kraft und bekam seinen Kontrahenten nicht mehr von sich weg.
„Du sollst mich loslassen!“, knurrte er, was Ron konsequent ignorierte und ihm stattdessen noch mehr auf die Pelle rückte, sodass Draco für einen kurzen Moment glaubte, in den blauen Augen etwas aufblitzen zu sehen, was nicht in diese gehörte. Sie wirkten merkwürdig dunkel, mehr noch leicht verhangen. Er konnte nicht sagen was, irgendetwas daran kam ihm allerdings seltsam bekannt vor. Was und wie aber. . .
„RON!“, donnerte es in der Sekunde aufgebracht durch den Gang, dem sich die Beiden prompt zuwandten. Wenig später erreichte Hermione die Zwei und schubste Ron von Draco weg.
„Fängst du schon wieder Streit an?!“, zischte sie und stellte sich provokant vor ihre Schlange, die ganz froh war, die Hexe zu sehen.
„Frag das lieber den!“, fauchte Ron und deutete anklagend auf Draco, dem Hermione aber nicht folgte, sondern den Gryffindor böse ansah.
„Ich frage nicht ihn, ich frage DICH! Was glaubst du, ihm jetzt wieder unterstellen zu können?“ „Er hat am Zugang der buckligen Hexe rumgelungert!“ „Was ja ein schändliches Verbrechen ist!“, warf Hermione ihm sarkastisch entgegen, was Ron ignorierte und über sie hinweg auf Draco sah.
„Ich weiß, dass du etwas planst, Malfoy.“ „Weil du ein paranoider Vollidiot bist“, gab ihm Draco matt zurück, worauf Hermione zu ihm auf sah und da erst erkannte, dass er um ein vielfaches blasser war, als noch zum Mittagessen.
„Du kommst mit deinem Spielchen bei mir nicht durch, Frettchen“, zischte Ron bedrohlich und funkelte den Blonden mit immer dunkler werdenden Augen an.
Draco hatte allmählich allerdings massive Probleme, sich auf den Beinen zu halten, die gesprochenen Worte zu verstehen, wie auch klar zu sehen, denn der Anblick des Gryffindors drohte ständig zu verschwimmen. Ihm wurde erneut schwindlig, was er krampfhaft versuchte niederzuringen.
„Ach nein?“, entgegnete Draco ihm mit bemüht fester Stimme, merkte aber bereits in der gleichen Sekunde, nur aufgrund dieser zwei Worte, dass seine eigene Stimme nicht mehr war, als ein dünnes, zerbrechliches Flüstern, das Hermione noch mehr verunsicherte. Hinzu kam, dass er ein wenig wankte und plötzlich arge Probleme hatte, die Augen offen zu halten, denn seine Lider zuckten verräterisch, worauf sie sich ganz zu ihm drehte, um näher nach ihm zu sehen.
„Draco, was. . .“ Der Rest ihres Satzes ging in einem verschreckten Keuchen unter, als ihr Freund ohne Vorwarnung die Augen nach hinten verdrehte. Noch in der gleichen Sekunde sackte haltlos in sich zusammen und knallte hart auf den Steinboden, wo er regungslos liegen blieb.
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