„Draco!“, stieß Hermione entsetzt aus und kniete nur den Bruchteil einer Sekunde später neben ihm.
„Draco? Hörst du mich? Sag was. Komm schon, mach die Augen auf!“, redete sie hastig auf ihn ein und schlug ihm erst sacht, dann aber immer stärker auf die Wange, doch nichts passierte. Er reagierte absolut nicht, sodass sie hektisch nach seinem Puls tastete. Ron hatte auf den Anblick nichts Besseres zu tun, als abfällig zu schnauben und zu motzen.
„Oh man, Hermione. Jetzt mach nicht so einen Aufriss! Merkst du nicht, dass der nur simuliert?“, ätzte Ron, den sie später wütend anfauchte.
„Hör auf so einen Scheiß zu quatschen. Hilf mir lieber!“ „Warum sollte ich? Den würd ich nicht mal mit ‘ner Kneifzange anfassen und. . .“ „Verdammt, dann hol wenigstens jemanden! Das hier ist kein Spaß!“ „Ja, klar. Wahrscheinlich will er bloß wieder. . .“ „Was ist denn hier los?“, unterbrach eine dritte Stimme den Streit der beiden Löwen. Die blickten zu der dazugekommenen Gestalt auf, welche sich als Dippet entpuppte. Der sah kurz verwirrt auf das sonderbare Bild, ließ sich dann aber gleich ernst bei Hermione nieder.
„Was ist passiert?“, fragte er rasch, als er erkannte, dass Draco ohne Bewusstsein war. Nach diesem sah er sofort näher. Hermione schluckte nur und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen, als sie ihrem Professor erzählte.
„Ich. . . Die Jungs haben sich gestritten und da. . . Er ist auf einmal noch blasser geworden und zusammengeklappt.“ „Einfach so?“, stutzte Dippet und sah Hermione verwundert an. Diese nickte.
„Keine Zauber?“ „Nichts. Ich. . .“ „Der simuliert nur, Professor!“, mischte sich Ron aufgebracht ein, zu dem die Beiden kurz schauten. Hermione aufs Neue wütend, Dippet nachdenklich.
„Bist du blind? Er ist kreidebleich!“, argumentierte Hermione. Ron schnaubte allerdings nur abfällig. „Und? Malfoy sah schon immer aus, wie ein Spannbettlaken. Der will sich doch nur wieder in den Mittelpunkt spielen!“ „WAS? Sag mal, hast du sie noch alle?“, schimpfte Hermione, während Dippets Blick zurück auf seinen bleichen Schüler fiel, nach dessen Puls er behutsam tastete und schließlich ernst das Gesicht verzog.
Keine Sekunde später beschwor er eine Trage herauf, auf welche er den Blonden vorsichtig legte. Ron besah es sich mit aufgeklapptem Kiefer.
„Der simuliert!“, motzte er erneut, als Dippet die Trage zum Schweben brachte, was Hermione erleichtert zur Kenntnis nahm. Dass der Professor ihr glaubte, der sich dann noch kurz ernst zu Ron drehte „Sie irren sich, Mr. Weasley“, bevor er die Trage vor sich her in Richtung Krankenflügel dirigierte.
Als Hermione ihm folgen wollte, hielt Ron sie energisch am Oberarm fest „Bleib hier!“, was sie aufs Neue wütend stimmte und sie sich ruppig aus seinem Griff befreite.
„Lass mich los!“, zischte sie, stieß ihn grob vor die Brust und war schließlich weg. Als sie im ersten Stock am Krankenflügel ankam, trat Dippet gerade aus diesem und hielt sie zurück, als sie hinein wollte.
„Madam Pomfrey kümmert sich bereits um ihn. Sie würden ihr jetzt vermutlich nur im Weg stehen.“ „Aber. . .“ „Es wird sicher nichts Schlimmes“, meinte Dippet beruhigend und dirigierte Hermione zu ein paar Bänken, die vor dem Krankenflügel standen. Sie ließ es recht widerwillig über sich ergehen, schielte dann aber skeptisch zu ihrem Professor.
„Warum haben Sie ihm geholfen?“ Daraufhin sah er sie stutzig an. „Warum? Miss Granger, ich bitte Sie. Er ist mein Schüler“, lächelte er freundlich. Hermione zischte jedoch sauer: „Den Sie ja ganz offensichtlich nicht leiden können, immerhin haben Sie versucht, ihn umzubringen!“ „Das habe ich nicht. Das habe ich Ihnen und Ihren Freunden dann auch gleich gesagt. Es sollte lediglich eine Demonstration sein. Ich hatte nichts Böses im Sinn.“ „Natürlich“, schnalzte Hermione abfällig, was Dippet seufzen ließ.
„Es war aber so. Ich. . .“ „Haben Sie sich überhaupt mal eine Sekunde lang Gedanken darüber gemacht, wie das für ihn ist?“, unterbrach sie ihn zischend und funkelte ihren Professor unsäglich wütend an.
„Verdammt, wir haben alle einen Krieg hinter uns. Draco war monatelang in Azkaban eingesperrt, wo diese Psychopathen ihm sonst was angetan haben! Sie haben versucht, ihn umzubringen! Durch den ganzen Scheiß hat er ein Trauma davongetragen. Aber anstatt Rücksicht auf all das zu nehmen, haben Sie sich einen Spaß daraus gemacht, ihn als Versuchsobjekt zu missbrauchen! Und dann auch noch für diesen Fluch!“, schaukelte sie sich immer weiter hoch. Dippet wiederum sah sich verlegen.
„Daran habe ich in der Tat nicht gedacht, entschuldigen Sie. Offen gestanden hatte ich aber meine eigenen Gründe für diesen . . . Test.“ „Ach ja?“, schnaubte Hermione auch weiter wütend, worauf er nickte und sie wieder ernster ansah.
„Ich wollte mir ein Bild von allem machen. Von der Gesamtsituation.“ „Was?“ „Ja. Mich haben die Reaktionen Ihrer Mitschüler interessiert, wie auch deren Einstellung zu allem. Wissen Sie. . . Ich habe Mr. Malfoys Verhandlung damals ebenfalls verfolgt.“ Daraufhin stutzte Hermione und sah ihren Professor verwundert an. Dieser lächelte wieder leicht.
„Dahingehend möchte ich Ihnen noch meine höchste Anerkennung aussprechen. Ich habe selten einer so ausgezeichneten Verhandlungsführung beigewohnt. Sie haben wirklich unglaubliche Talente, Miss Granger. Wie Sie auf die sich ständig ändernden Verhältnisse reagiert haben, Hut ab. Zum Ende der Verhandlung war ich mir eigentlich sicher, dass man die Anklage gegen Mr. Malfoy gänzlich fallen lässt und es vielleicht bei einer Geldstrafe oder Ähnlichem bleibt. Mir ist natürlich bewusst, dass der junge Mann es nach allem nicht leicht hat. Ich hatte auch nicht vor, es ihm noch schwerer zu machen. Aber wie gesagt, mich hatten die Reaktionen Ihrer Mitschüler interessiert, die mir nicht wirklich gefallen haben.“ „Was haben Sie erwartet?“, murmelte Hermione müde. „Die Leute sind einfach zu verbohrt, um mehr zu sehen. Alles.“ Daraufhin nickte Dippet.
„Ich verstehe, was Sie meinen. Und. . . Offen gestanden bereitet mir gerade Mr. Weasleys Einstellung Sorgen. Sie haben es wahrscheinlich nicht so ganz mitbekommen, aber Mr. Weasley war einer derjenigen, der. . . Nun ja, Bedauern darüber geäußert hat, dass mein Zauber nicht die übliche Wirkung gezeigt hat. Es hat mich schon erschrocken, wie einige Ihrer Mitschüler tatsächlich denken. Bei Mr. Weasley hat es mich am meisten überrascht, da gerade Sie, aber auch Mr. Potter, die Dinge anders sehen“, lächelte Dippet nun wieder. Hermione seufzte.
„Ron hasst ihn. Sie konnten sich von der ersten Sekunde an nicht ausstehen. Dracos Verhalten, über die Jahre hinweg, hat das auch nicht besser gemacht, wobei das immer nur die Seite war, die wir gesehen haben. Sehen mussten. Draco hat mir später ja gesagt, dass er nie anders konnte. Durfte. Und ich versteh das. Immerhin hab ich mit Blaise und Charlie die ganzen Jahre über ja auch ein derartiges Schau- und Versteckspiel getrieben. Von den Übrigen versteht das aber so gut wie niemand. Oder sie wollen es nicht verstehen, dass ein Slytherin auch ein liebevoller Freund sein kann“, murmelte Hermione gedrückt und sah auf ihre Finger, mit denen sie am Saum ihres Umhangs nestelte. Dippet neben ihr nickte.
„Es ist schwer, alte Gewohnheiten und Ansichten zu ändern, die schon so festgefahren sind, dass sie für die Menschen bereits zu einer Art Gesetz geworden sind.“ „Hm.“ „Veränderungen brauchen ihre Zeit. Und gerade das Bild Slytherins, war schon zur Gründung Hogwarts’ hauptsächlich von negativen Aspekten geprägt. Diese sind tief in den Gedanken und Vorstellungen der Menschen verankert. Sie von diesen Ketten zu befreien und neue Schneisen, für andere Wege zu schlagen, ist schwer, kraft- wie auch sehr zeitaufwändig. Aber es lohnt sich, für neue Wege zu kämpfen. Sie haben so ja, wenn ich Sie zitieren darf, Freunde in ein paar wundervollen Menschen gefunden“, lächelte Dippet, aber auch Hermione, als sie an ihre ungeplante Rede während der Verhandlung zurückdachte, als sie Blaise und Charlie in Schutz genommen und sich für ihre Freundschaft ausgesprochen hatte.
„Sie sollten diesen Kampf nicht aufgeben, nur weil andere es nicht verstehen. Oder noch nicht verstehen. So schätze ich Sie allerdings nicht ein. Dass Sie aufgeben“, schmunzelte der Professor, worauf sich unerwartet die Tür des Krankenflügels öffnete, auf die Hermione rasch sah und schließlich stand, als sie Madam Pomfrey entdeckte.
„Wie geht’s ihm?“ „Besser. Er schläft“, beruhigte die Medihexe die Gryffindor lächelnd. „Was war denn der Grund für seinen Schwächeanfall? Miss Granger sagte, es wäre keine Magie im Spiel gewesen“, erkundigte sich Dippet, worauf Poppy ernst nickte und zu Hermione sah.
„Darüber wollte ich gerne kurz mit Ihnen sprechen. Bitte folgen Sie mir“, deutete Poppy auf ihr Büro. Dort ließen sich Hermione und Dippet auf zwei Stühlen nieder und betrachteten die Medihexe fragend, die ihnen schließlich die Fakten auf den Tisch legte.
„Der Grund für seinen Zusammenbruch, war weniger ein einfacher Schwächeanfall, sondern mehr das Resultat eines unzureichend behandelten stumpfen Traumas.“ „Was?“, stutzte Hermione, aber auch Dippet sah verwirrt auf die Schwester.
„Was genau meinen Sie?“ „Innere Verletzungen, die zu Blutungen im Bauchbereich geführt haben. Diese wurden nicht richtig geheilt, sodass sich verkapselte Hämatome gebildet haben. Blutblasen. Diese haben sich geöffnet und hätten ihn, so gesehen, innerlich verbluten lassen können. Es war gut, dass Sie ihn so schnell zu mir gebracht haben.“ „Merlin, was. . . Woher?“, konnte Hermione nur bleich fragen, zu der sich Madam Pomfrey wieder mehr lehnte.
„Ich hatte gehofft, Sie könnten mir diese Frage beantworten? Ist Ihnen in den vergangenen Tagen etwas aufgefallen? Hat er sich anders benommen als sonst?“ „Ich. . . Nein. Ähm. . . Er hat nichts gesagt, dass er sich irgendwie verletzt hätte oder so.“ „Nun, offensichtlich hat er versucht, seine Verletzungen selbst zu versorgen. So vermute ich zumindest.“ „Warum ist er nicht zu Ihnen gekommen?“, wunderte sich Dippet, genauso Hermione, wie auch Madam Pomfrey selbst.
„Ich weiß es nicht. Unter Umständen hat er es einfach nur unterschätzt. Allerdings. . .“ „Was?“, horchte Hermione auf.
„Um derartige Blutungen zu verursachen, da gehört schon einiges dazu. Auch vermute ich, dass er Schmerzen gehabt hat. Spätestens ab da, hätte er mich aufsuchen sollen.“ „Kann es sein das. . . Er war gestern nach dem Training ziemlich K.o.. Vielleicht hat er sich da irgendwie verletzt?“, warf Hermione nachdenklich ein, zweifelte zeitgleich aber an ihrer eigenen Aussage. Sie war sich recht sicher, dass Blaise ihn dann in den Krankenflügel geschleppt hätte. Dass sich am Ende nur Charlie um ihn gekümmert hatte, glaubte sie genauso wenig, denn Charlie wusste, was er tat.
„Unwahrscheinlich. Die Einblutung ist älter. Drei, vielleicht auch schon vier Tage. Zu diesem Zeitpunkt muss er einen sehr schweren, harten Schlag in die Bauchregion bekommen haben“, erklärte die Medihexe.
„Keine Ahnung“, murmelte Hermione ratlos und fragte sich ernsthaft, was da war? Woher das kam? Was ihm passiert war?
„Wie dem auch sei. Er ist jetzt erst einmal versorgt, sollte in Zukunft aber gleich zu mir kommen, auch wenn es ihm nur wie eine Lappalie erscheint. Sagen Sie ihm das noch einmal“, richtete sich Madam Pomfrey ernst an Hermione.
„Auf Sie hört er vielleicht eher, als auf mich.“ „Das werde ich und. . . Darf ich zu ihm?“ „Natürlich“, lächelte die Medihexe nun wieder und deutete Hermione auf die Tür. Kaum dass sie weg war, richtete sich Dippet nochmal ernst an die Schulschwester.
„Hatte er noch anderweitig Verletzungen?“ „Nun, er. . .“
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„Du blöder Idiot“, murmelte Hermione an seinem Bett und sah besorgt auf ihren noch immer blassen Freund.
Warum bei Merlin dokterte er an sich selbst rum und machte auch so den Mund nicht auf? Das war so was von leichtsinnig! Vor allem, wenn seine Verletzung wirklich so schlimm war, wie Madam Pomfrey vermutete.
Verdammt, was dachte sich der Kerl? Er war schließlich auch nicht aus Stahl. Warum hatte er ihr heute Mittag nichts gesagt? Dass es ihm nicht gut ging? Er wusste doch, dass er mit ihr reden konnte. Dass sie ihm helfen würde und für ihn da war. Idiot!
Wenn sie sich jetzt noch vorstellte, dass er genauso irgendwo unbemerkt hätte umkippen können oder schlimmer noch. . . Was wäre gewesen, hätten sich diese Blutblasen während der Nacht geöffnet? Weder sie noch Draco selbst hätten es bemerkt, bis es zu spät gewesen wäre. Merlin, er hätte im Schlaf sang und klanglos sterben können!
Als sich dieser Gedanke vermehrt in ihrem Kopf materialisierte, kamen ihr unweigerlich die Tränen, ebenso wie sie fröstelte. Sie griff sich daraufhin rasch seine Hand, die sie mit ihren plötzlich kalten, zitternden Händen umschloss. Ihr Blick verlor sich so erneut auf seinen blassen Zügen, über die ihre Augen besorgt huschten, als Professor Dippet zu ihr trat.
„Madam Pomfrey meinte, dass er morgen wieder gehen kann. Die Einblutungen sollten sich bis dahin vollständig aufgelöst und verschlossen haben. Machen Sie sich keine Sorgen“, flüsterte ihr Professor beruhigend und legte ihr kurz tröstend die Hände auf die Schultern, worauf sie knapp nickte.
„Danke für Ihre Hilfe“, flüsterte sie abwesend, den Blick auch weiter auf ihren Freund gerichtet, worauf Dippet schwach lächelte.
„Dafür bin ich schließlich da. Und. . . Es tut mir wirklich aufrichtig leid, dass ich mit meiner . . . Vorführung so sehr übers Ziel hinausgeschossen bin. Ich hatte in der Tat nicht alle Aspekte bedacht. Ich hoffe, Sie und Mr. Malfoy können mir diesen Fehler irgendwann nachsehen“, erklärte er, worauf sie kaum merklich nickte.
Kurz darauf verschwand ihr Professor und ließ sie mit ihrem Idioten alleine, dem sie ein wenig durch die Haare strich. Mit der Zeit beobachtete sie erleichtert, dass er wieder ein bisschen Farbe bekam, bis er später am Abend recht vertrant endlich zu sich kam.
„Draco?“, flüsterte sie, als er die Augen ein wenig öffnete und müde, wie auch leicht verwirrt in ihre Richtung blinzelte.
„‘erms?“ „Ja. Geht’s wieder etwas?“ „Merlin, was’ passiert?“, stöhnte er und versuchte sich aufzurappeln, was sie sofort unterband.
„Du bleibst liegen!“, fuhr sie ihn nun etwas sauer an und drückte ihn zurück in sein Kissen, als ihr aufs Neue durch den Kopf schoss, warum er hier lag. Draco verwirrte ihr plötzlich garstiger, schon fast wütender Ton jedoch.
„Was’ denn los?“, fragte er noch immer matt, blieb allerdings brav liegen, während sich Hermione gefährlich vor ihm aufbaute.
„Was los ist? Du Idiot bist heute Nachmittag ohne Vorwarnung auf dem Gang zusammengeklappt. Und soll ich dir mal sagen warum? Weil du es nicht für nötig gehalten hast, mit deinen Verletzungen zu Madam Pomfrey zu gehen! Stattdessen musstest du selbst an dir rumdoktern und hast es dadurch nur noch schlimmer gemacht!“, schnauzte sie ihn an, worauf es verräterisch in seinen Augen zuckte, was ihr deutlich machte, dass er ganz genau wusste, von was sie sprach.
„Was hast du dir dabei gedacht? Warum hast du mir nichts gesagt? Heute Mittag, als Blaise da war? Wahrscheinlich ist es durch euer Training sogar noch schlimmer geworden! Was zum Teufel hast du überhaupt gemacht, um so eine Einblutung zu bekommen?“, wetterte sie, worauf er schluckte. „Ich . . . äh. . .“ „Was?“, fauchte sie auch weiter und funkelte ihn aufgebracht an.
„Die Treppe. Ich . . . ich bin auf der Treppe weggerutscht und blöd gegen die Steinbalustrade geknallt. Ich hab nicht gedacht, dass . . . dass das irgendwie mehr ist.“ „Ach ja? Madam Pomfrey meinte, du hättest einen ziemlich deftigen Schlag abbekommen. Bloß weil man gegen die Balustrade knallt, davon kommt sowas nicht!“ „War aber so!“, beharrte er darauf und wurde nun auch ein wenig lauter, wie auch aufgebrachter, was das Funkeln in Hermiones Augen noch stärker anwachsen ließ.
„Verarschen kann ich mich alleine! Du musst doch Schmerzen gehabt haben!? Warum lässt du dich nicht behandeln? Warum dokterst du selbst an dir rum?“ „Ich dachte, es ist nichts weiter! Merlin, ich renn doch nicht wegen jedem Kratzer in den Krankenflügel!“, ereiferte er sich, worauf sie Zuckungen am Auge bekam.
„Dafür haben wir den aber! Verdammt Draco, ist dir eigentlich klar, dass du durch den Mist hättest innerlich verbluten können?“, warf sie ihm direkt an den Kopf, worauf er mit den Augen rollte. „Jetzt übertreib nicht“, tat er es als nichtig ab, was sie zur Weißglut trieb.
„Ich übertreibe nicht! Wenn das jetzt nachts passiert wäre, oder sonst niemand da gewesen wäre, der es bemerkt hätte, könnten wir dich jetzt vermutlich einsargen! Ist dir das überhaupt klar!?!“, motzte sie ihn auch weiter an, worauf er sie seinerseits anpampte: „Mir geht’s aber gut, also mach nicht so einen Zirkus!“, was sie laut aufschreien ließ und damit Madam Pomfrey auf den Plan rief, die nur noch den Rest des Streits mitbekam.
„Du bist ein hohler Troll, Malfoy! Verdammt, ich mach mir bloß Sorgen!“, zeterte sie und rauschte schließlich stinksauer, mit frischen Tränen auf den Wangen, an Madam Pomfrey vorbei. Diese sah ihr bedrückt nach, ehe sie ein wenig ungehalten auf ihren Patienten schielte, der fluchend den Kopf zurück ins Kissen sinken ließ.
„Scheiße.“ „Da stimme ich Ihnen zu“, resümierte die Schwester kühl und sah nochmal näher nach ihm. Sie legte seinen Bauch frei, der noch immer in einem übergroßen Fleck in allen möglichen Farben schimmerte, und tastete diesen nun alles andere als behutsam ab, worauf der Blonde mehr als einmal zischte.
„Es war äußerst verantwortungslos und leichtsinnig von Ihnen, mit einer derartigen Verletzung und den Schmerzen, die Sie zweifelsfrei hatten, nicht gleich zu mir zu kommen!“, schimpfte sie mit ihm und behandelte die Stelle noch einmal mit einer entsprechenden Wundtinktur.
„Sie können wirklich von Glück sprechen, dass sich die Blutungen nicht mitten in der Nacht geöffnet haben. Genauso, dass Miss Granger und Professor Dippet so schnell reagiert und Sie zu mir gebracht haben. Andernfalls bräuchten Sie sich jetzt über Nichts mehr Gedanken machen!“, herrschte sie ihn nochmal unmissverständlich an und schlug ihm das Hemd, wie auch die Decke wieder über, während Draco recht kleinlaut blieb.
„Tut mir leid.“ „Das sollte es auch! Was bei Merlin haben Sie da überhaupt gemacht?“ „Bin blöd gestürzt“, nuschelte er und schielte an der Schwester vorbei, auf einen nicht existenten Punkt, sodass er nicht sah, wie die Medihexe mehr als skeptisch eine Augenbraue hob.
„Aha. 10 Meter vom Besen?“, warf sie in den Raum, worauf er ihr keine Antwort gab, was sie noch immer recht ungehalten so hinnahm.
„Schlafen Sie. Die Einblutungen sollten sich dann bis morgen aufgelöst haben. Dann können Sie gehen. Und vielleicht überlegen Sie sich dann einmal, ob Sie es sich leisten können, Ihre Freunde so vor den Kopf zu stoßen!“ Damit drehte sich die Hexe um und ließ ihn mit seinen Gedanken und dem erwachten schlechten Gewissen allein. Genauso der Erkenntnis, dass Hermione Recht hatte, denn er war ein hohler Troll.
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Am nächsten Tag durfte Draco wie versprochen gehen, wurde allerdings nochmal ernst von Madam Pomfrey darauf hingewiesen, dass er gefälligst zu ihr kommen sollte, wenn irgendetwas war. Wenn er Schmerzen hatte. Und sei es nur eine Lappalie. Lieber kümmerte sie sich um diese, als um halbtote Schüler!
Draco hatte verständig genickt und sich in seinen Turm begeben, frische Klamotten anziehen. Dort war er allein, von dem roten Fellknäuel abgesehen, das sich mal wieder sein Bett als Nachtlager auserkoren hatte und ihn nun recht doof ansah. Von Hermione fehlte jede Spur. Er schätzte, dass sie bei Potter und den Anderen war. Und so sauer, wie sie war. . . Merlin, hoffentlich nutzte das Wiesel das nicht irgendwie für sich, um ihr einzureden, was für ein Monster er war.
Ein Idiot war er auf alle Fälle, so viel war klar. Verdammt, er hatte sich doch nicht nochmal mit ihr streiten wollen. Und dann auch noch, wegen so etwas! Argh! Blöder Entwhistle und Fletchley und die übrigen Idioten. Was die anging, da musste er sich langsam etwas einfallen lassen. Das ging so nicht weiter. Allerdings kamen die später. Jetzt hatte er noch etwas anderes vor und verschwand kurzerhand zu Tonks, ihr Bescheid geben. Sicher war sicher.
„Hey, Cousin. Alles gut?“, erkundigte sie sich und blätterte halb in einer ihrer Akten rum. „Ja. Ich wollte dich fragen, ob ich mal für ein paar Stunden in die Diagon Alley verschwinden kann? Ich hab was zu erledigen.“ „Was denn?“, stutzte sie und sah interessiert zu ihm auf.
„Was besorgen.“ „Was?“, bohrte Tonks auch weiter und musterte ihn aufmerksam, was ihn murren ließ. „Was Verbotenes, aus der Knockturn!“, ätzte er. Tonks schmunzelte allerdings süffisant. „Natürlich. Also?“, ließ sie nicht locker, worauf er stöhnte.
„Musst du immer so neugierig sein?“ „In manchen Bereichen leider schon. Also? Was genau hast du vor?“ „Was besorgen.“ „Was?“, begann sie von vorn, sodass er resignierte.
„Merlin, du machst einen wahnsinnig! Ein Geschenk. Okay?“ „Für?“, grinste Tonks nun, sodass er muffelte: „Geht dich nichts an. Was ist jetzt? Kann ich verschwinden oder willst du mich im Schwarzen Turm einsperren und in Ketten legen?“ „Du bist kein Gefangener“, grinste sie, was zu einem entschuldigenden Lächeln wurde, als er murrte: „Fühl mich trotzdem manchmal noch wie einer.“ „Ich weiß, was du meinst. Wir müssen eben vorsichtig sein. In deinen Auflagen stand allerdings nichts darüber, dass du nicht mal in die Stadt einkaufen darfst.“ „Heißt, ich kann gehen?“ „Ja. Aber mit mir“, grinste sie, worauf er stöhnte.
„Fängst du jetzt doch noch an, Wachhund zu spielen?“ „Ich bewache dich nicht, sondern pass bloß auf dich auf. Nach der Sache letztens mit Gibson, solltest du vorsichtig sein. Es würde mich nicht wundern, wenn der sich noch einmal irgendwie blicken lässt. Er hat zwar eine Klatsche gekriegt, nur fürchte ich, dass ihn das noch mehr angestachelt hat“, erklärte sie ruhig und schnappte sich schließlich ihren Umhang.
„Wir sollten nichts riskieren. Du kannst nach wie vor keinen Ärger gebrauchen und solltest dich auch außerhalb des Schlossgeländes besser nicht alleine bewegen.“ „Toll!“, murrte er, womit Tonks zu ihm trat und ihm etwas die Schulter tätschelte.
„Wird schon alles. Dann lass uns mal runter gehen und vom Dorf aus apparieren“, meinte sie und wollte aus ihrem Büro raus. Allerdings lief sie geradewegs in Diana Monroe hinein und knallte mit der Professorin nicht nur zusammen, sondern landete auch auf dem Steinboden.
„Hoppla. Entschuldigung“, meinte Tonks verlegen und sah peinlich auf die junge Frau unter sich, die ihr einen argwöhnischen Blick zuwarf.
„Passen Sie doch auf!“, fuhr die Mugglekunde Professorin die Aurorin sauer an, deren Haarpracht sich in einem wilden Farbspektakel veränderte.
„Manchmal frag ich mich echt, wie du die Schlacht überlebt hast?“, bemerkte Draco süffisant, dem sie trotzig die Zunge raus streckte, bevor sie lachte.
„Durch dich!“ „Ach ja, da war ja was“, meinte er, sich zu erinnern, während sich die Aurorin aufrappelte und der Professorin die Hand als Hilfe reichte. Diese schlug sie sauer weg.
„Ich brauche Ihre Hilfe nicht!“, zischte sie und stand kurz darauf. Sie richtete sich die Kleider und klopfte den Staub ab, was sich Draco mürrisch besah.
„Das war keine Absicht. Kein Grund gleich so zickig zu sein“, entwich es ihm dann noch, worauf Monroe ihn wütend anfunkelte.
„Halten Sie sich lieber zurück!“, fauchte sie und durchbohrte ihn mit Blicken, ehe sie hoch erhobenen Hauptes davon stolzierte.
„So eine blöde Kuh“, murmelte Draco, worauf Tonks ihm ein nicht wirklich ernst gemeintes, mahnendes „Draco. . .“ zuwarf.
„Was? Stimmt doch.“ „Du solltest es dir trotzdem nicht mit deiner Professorin verscherzen.“ „Die kann mich genauso leiden, wie Snape früher Potter. Ganz besonders, wenn ich sie mit ihren blöden Fragen auflaufen lasse“, grinste er diabolisch, was Tonks lachen ließ.
„Kann ich mir lebhaft vorstellen. Aber jetzt lass uns verschwinden“, wies sie ihm die Richtung zu den Treppen.
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Bescheiden. So konnte man Hermiones Laune beschreiben, um es förmlich auszudrücken.
Nach dem Streit mit Draco, sofern man es einen Streit nennen konnte, hatte sie sich zu Ginny begeben und sich über den Holzkopf Luft gemacht. Ginny hatte es kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen und Hermione schließlich damit beruhigt, dass sie zwar Recht hatte, dass sein Verhalten leichtsinnig war, Kerle in solchen Bereichen aber generell schmerzfrei waren und Risiken gerne unterschätzten. Oder sich selbst halt überschätzten. Das beste Beispiel dafür war Harry.
Sie sollte das jetzt nicht so eng sehen, immerhin ging es Draco bereits wieder besser, wenn die Beiden sich streiten konnten. Damit war zwar Hermiones Wut etwas verraucht, allerdings nicht die Sorgen, was sich mitten in der Nacht aufs Neue unangenehm bemerkbar gemacht hatte.
Sie hatte erneut wirre, schmerzliche Träume gehabt, die so vieles widergespiegelt hatten, was das letzte halbe Jahr passiert war. Aber auch andere Dinge hatte sich ihr Geist zusammengesponnen, die letztlich zu einem Schluss geführt hatten, der abermals derselbe war.
Death Eater, die sie angriffen, überfielen, quälten, niederstreckten und in den Tod schickten, nachdem sie den Verräter aus ihren Reihen brutal ermordet hatten.
Diese Bilder hatten sie die ganze Nacht lang verfolgt und auch wach gehalten, denn ihr Idiot war leider nicht da gewesen, um sie zu beruhigen. Sie hatte sich nicht an seine warme Gestalt kuscheln können, die ihr versicherte, dass er lebte und all das vorbei war. Dass es hinter ihnen lag. Dass sie sicher vor diesem schwarzen Mob waren.
So hatte sie in ihrer Verzweiflung dann auch in seinem Zimmer nach einem geeigneten Trank gesucht, den sie zur Beruhigung hätte nehmen können. Ob er für sie zu stark war, war ihr in der Sekunde egal gewesen.
Doch statt eines Traumlostranks, hatte sie nur jede Menge angebrochene, halb leere Ampullen und Döschen, mit den unterschiedlichsten Wundtinkturen, Schmerzmitteln und Ähnlichem vorgefunden. Es hatte sie irritiert, denn seine Verletzungen aus Azkaban waren schon etwas länger ganz verheilt. Sie hatte ihn ja auch noch lange mit Daniels Mittelchen versorgt, um zu wissen, was leer oder angerissen war. Das hier aber. . .
Es kam ihr so vor, als hätte er auch weiter diverse Wunden alleine behandelt. Sie hatte sich unweigerlich gefragt, Warum? Genauso, was es war und woher es kam?
Zu einem wirklich logischen Schluss war sie allerdings nicht gekommen. Genauso wenig, wie zu einem ruhigen Schlaf. Und so sah sie jetzt auch aus. Verkatert und maßlos verschlafen.
Das Frühstück hatte sie deshalb ausfallen lassen, in der Hoffnung, doch noch etwas erholsamen Schlaf zu bekommen, der sich ihrer jedoch nicht bemächtigt hatte. Dadurch hatte sie aber gehört, wie ihr Mitbewohner kam und schließlich wieder ging, womit sie sich die nächsten Fragen stellte. Wie sollte sie ihm jetzt gegenübertreten?
Er war leichtsinnig, ja. Sie selbst hatte allerdings auch mal wieder leicht überreagiert, immerhin hatte Ginny ebenfalls Recht. Es ging ihm wieder gut und darüber sollte sie einfach nur froh sein, anstatt ihm Vorhaltungen zu machen.
Die Art und Weise, wie sie ihn gestern angefahren hatte, war vermutlich auch nicht die beste Variante gewesen. Aber ihre Sorge und die Erleichterung, dass es ihm wieder besser ging, war so schnell der Wut und dem Unverständnis über seine Sorglosig- wie auch Leichtsinnigkeit gewichen, die sie hatte aufbrausen lassen. Und jetzt? Jetzt wusste sie mal wieder nicht, was sie machen sollte. Und das war bekanntlich etwas, was sie hasste. Ratlosigkeit.
So wanderte sie jetzt recht gedankenverloren durch die Gänge und lief damit ein paar ihrer Mitschüler direkt in die Arme.
„Hast du keine Augen im Kopf?“ „Entschuldigung“, murmelte sie matt und wollte weiter gehen, als sie noch zusätzlich blöd vollgepöbelt wurde.
„Siehst ja so aus, als hättest du wieder eine lange Nacht in den Kerkern gehabt“, ätzte Zacharias, sodass Hermione jetzt erst bemerkte, bei wem sie da angeeckt war. Nämlich bei Smith und Jones, die ihr noch abfällig entgegenschleuderte: „Wahrscheinlich hat sie sich quer durch die Betten der Schlangen gevögelt“, worauf Hermione kurz die Augen schloss und innerlich bis 10 zählte, ehe sie ungeachtet der Dinge weiter ging.
„Leugnest es nicht mal, was Granger?“, warf Megan ihr noch nach und folgte der Gryffindor schließlich, als sie auch darauf nicht reagierte.
„Du bist eine dreckige Heuchler- und Lügnerin! Du spielst dich immer als braves und gutes Goldmädchen, dabei hängst du zeitgleich mit diesem Abschaum rum!“ Daraufhin blieb Hermione stehen.
Beleidigungen gegen ihre Person hatte sie vor Jahren gelernt zu schlucken. Auf ihre Freunde, allen voran diese speziellen Freunde, wollte und würde sie aber nichts kommen lassen.
So fuhr sie herum und hatte noch in der gleichen Bewegung ihren Zauberstab gezogen, den sie Megan nun gefährlich unter die Nase hielt und die Ravenclaw dunkel anfunkelte.
„Du kannst mich so viel beleidigen, wie du willst, aber wage es nicht, die Jungs schlecht zu machen. Sie sind anständiger, als du es je sein wirst!“, zischte sie, was Megan wütend schnauben ließ.
„Ich wüsste nicht, seit wann Death Eater anständig sind!“, spie sie und schlug Hermione die Hand mit dem Zauberstab beiseite. Zeitgleich schubste sie die zierliche Gryffindor, die das Gleichgewicht verlor und nach hinten fiel. Als Hermione aufblickte, deutete Megans Stab auf sie.
„Du bist genau solcher Abschaum, wie die! Wenn nicht, würdest du dich nicht mit denen abgeben, am allerwenigsten mit dieser Drecksratte Malfoy!“, spuckte sie seinen Namen aus, worauf der Zorn in Hermiones Augen aufblitzte. In Megans Augen begann wiederum ein unheilvoller Wahn zu schimmern, mit dem sie Hermione bedachte.
„Wahrscheinlich steckst du sogar mit diesem Sauhaufen unter einer Decke! Dass du ihnen die Hure machst, ist inzwischen ja auch kein Geheimnis mehr.“ Auf die Beschimpfung zuckte Hermione ein wenig zusammen, was Megan zusätzlich als Bestätigung sah.
„Du bist echt das Allerletzte, Granger. Und dann auch noch mit Malfoy! Jetzt ist mir auch klar, wieso du den so vehement verteidigt hast!“, funkelte die Ravenclaw die Löwin zornig an, wobei ihr Blick an Hermiones linken Arm hängen blieb, bei dem der Verband etwas hervor blitzte.
Mit einem Schlenker ihres Zauberstabs sorgte die Ravenclaw dafür, dass der Ärmel der blauen Bluse an der Stelle aufriss und man den kompletten Verband sah, was Hermione aufkeuchen ließ. Kurz darauf presste sie den Arm fest an den Körper und hielt ihn zusätzlich mit der rechten Hand verdeckt, was Megan noch misstrauischer stimmte.
„Was versteckst du da eigentlich die ganze Zeit? Sicher keine Verletzung“, zischte sie und schickte einen leise gemurmelten Fluch auf Hermione los, der sie stöhnend der Länge nach nach hinten warf.
„Meg!“, zischte Smith nun doch mal, worauf seine Freundin ihn böse anfunkelte. „WAS?“, knurrte sie, sodass er seine Worte runterschluckte. Kurz darauf konzentrierte sich die Schwarzhaarige wieder ganz auf Hermione.
„Was willst du?“, warf ihr die Gryffindor entgegen, was das Funkeln in Megans Augen noch weiter anwachsen ließ, als sie meinte: „Gerechtigkeit! Das ist es, was ich will! Eine, die DU ausgehebelt hast!“, keifte sie und schickte erneut einen schmerzhaften Fluch auf die Brünette los.
„Meg, komm schon. Wir kriegen Ärger“, flüsterte Zacharias ihr zu, doch sie hörte nicht, sondern funkelte Hermione verachtend an. Dabei fraß sich ihr Blick immer stärker am Arm der Löwin fest.
„Links“, murmelte sie. „Genauso wie Malfoy.“ „Was?“, hakte Zacharias nach, den sie schließlich ansah. „Ihr Arm! Sie versteckt etwas. Was denkst du, was Malfoy an der gleichen Stelle, auf die Art versucht zu verstecken, obwohl wir es ohnehin alle wissen?!“ „Du glaubst doch nicht etwa. . .“ „Finden wir es heraus“, grinste sie bösartig und sah zurück auf die leicht benommene Löwin. Der versetzte sie erneut einen magischen Schlag, was sie stöhnen ließ. Kurz darauf hockte sich Megan auf ihre Hüften und fixierte sie so noch zusätzlich am Boden, bevor sie versuchte, nach Hermiones Arm zu greifen, den sie ihr entwand.
„Lass mich los! Verflucht, geh von mir runter!“, rief sie, so laut sie konnte, was im Augenblick nur ein verschrecktes Keuchen war.
„Halt sie fest!“, wies Megan Smith schließlich an, der an Hermiones Kopfende trat und nach ihren Gelenken griff, die er auf den kalten Steinboden drückte und sie damit komplett bewegungsunfähig machte. Der Gryffindor schlug das Herz, aufgrund dieser Situation, dieser Machtlosigkeit, der sie plötzlich ausgeliefert war, bis an die Kehle.
„Dann schauen wir doch mal“, grinste Megan und machte sich genüsslich daran, der Löwin den Verband abzureißen.
„Lass das! Hör auf. Bitte“, begann Hermione zu flehen, der bereits die ersten Tränen kamen aus Angst. Angst, Schmerz, Pein, Demütigung.
„Lasst mich los. Verdammt, HÖRT AUF!“, schrie sie, was Megan nicht von ihrem Tun abhielt. Stattdessen legte sie die ersten Stellen frei, die ihr einen Teil des vernarbten Gewebes zeigten.
Auf den Anblick runzelte sie kurz mit der Stirn, bevor sie wieder auf die aufgelöste und zunehmend verzweifelte Gryffindor blickte.
„Wolltest es dir wohl herausschneiden, häh?“, höhnte sie und machte schließlich in ihrem Treiben weiter. „Hör auf. Bitte, bitte hör auf“, begann Hermione allmählich stärker zu weinen und zu schluchzen, als alles was war, verstärkt in ihr hochkochte. Das Manor, diese Irre, das Messer, die Schmerzen, die Hilflosigkeit, die Demütigung und Qual.
„Bitte“, weinte sie schwach und kniff schmerzlich die Augen zusammen, als sie spürte, wie stückchenweise immer mehr des schützenden, weißen Stoffs von ihrer Haut wich.
„Was tut ihr da?!“, schepperte es plötzlich durch den Gang. Daraufhin hielt Megan inne, blickte wie Zacharias auf und folgte der aufgebrachten Stimme.
„Merlin, was soll das? Lasst sie sofort los!“, rief noch eine zweite Stimme, die Hermione mit Mühe und Not als die eines Mädchen identifizierte. Die andere war männlich. Sie kannte beide irgendwoher, konnte sie im Augenblick aber nirgends zuordnen, da ihr das Blut fürchterlich in den Ohren rauschte und ihr Herz dermaßen laut pochte, dass sie glaubte, es in ihren Ohren wummern zu hören.
„Verzieht euch, Dreckspack!“, zischte Smith wütend und ließ Hermione los. Kurz darauf versuchte er einen Zauber auf die Neuankömmlinge abzusetzen, war jedoch zu langsam, denn er kriegte selbst einen ab, der ihn gewaltsam zur Seite warf.
„Scheiße. . .“, zischte er und rappelte sich mühsam auf. Als er wieder zu den Anderen schaute, hatten die ihre Stäbe gefährlich auf ihn und Megan gerichtet, die mit hasserfüllten Augen auf das Pärchen blickte.
„Meg? Lass uns abhauen!“, keuchte Smith und griff nach dem Arm der Schwarzhaarigen, die sich in keiner Weise zuckte, sondern ihren Blick starr auf die Beiden vor sich geheftet hatte. Deren Zauberstäbe sah sie nicht, sondern nur das, was sie waren. Schlangen.
„Jetzt komm!“, appellierte Zacharias und bekam sie schließlich mit Mühe von Hermione weg, die sich schluchzend zur Seite rollte, zusammenkrümmte und letztlich ihren verstümmelten Arm fest gegen die Brust presste.
Sie hörte nur noch dumpf, wie sich Smith und Jones von ihr entfernten. Im Gegensatz dazu kam das andere Pärchen näher und ließ sich bei ihr nieder. Kurz darauf legte sich eine weiche, warme, kleine Hand tröstend auf ihre Wange, über die man ihr strich.
„Hey? Ist alles in Ordnung? Haben sie dich verletzt?“, fragte das Mädchen, worauf Hermione schwach den Kopf in ihre Richtung neigte und mit tränenverhangenen Augen aufsah.
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Wie genau ich auf das Denkarium, eine Verbindung von "denken" und "Aquarium" gekommen bin, lässt sich schwer rekonstruieren, das geschieht nur zum Teil bewusst, manchmal muss man drüber schlafen. Aber in diesem Fall bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.