Nach Ginnys miesem Seitenhieb, hatte Hermione es fĂŒr den Moment nicht mehr unter ihren Freunden ausgehalten. Sie hatte einfach Ruhe gebraucht. Abstand, denn der Stachel, den Ginny ihr da mit voller Absicht tief ins Fleisch gerammt hatte, tat noch immer höllisch weh.
Ginny wollte und konnte offensichtlich nicht verstehen, dass Hermione nicht der Typ zum fröhlichen Herumexperimentieren war, was Kerle anbelangte. Manche wĂŒrden es vielleicht als prĂŒde bezeichnen, aber das war es nicht. Gut. Schön, nach den Dingen, die sie durchlebt hatte, scheute sie sich innerlich vielleicht schon etwas vor dem nĂ€heren Kontakt mit MĂ€nnern. Denn was die meisten von ihnen wollten, war ja leider ein offenes Geheimnis.
Was sie aber wirklich daran hinderte, sich wahllos mit jemandem zu verabreden, war schlichtweg das fehlende GefĂŒhl. Sie fand es nicht fair, jemandem, der sich mehr erhoffte und mehr empfand, mit falschen oder nur halbherzigen GefĂŒhlen zu begegnen, um ihn am Ende zu verletzen, wenn man selbst genug von dieser Verbindung hatte oder sich einem etwas Besseres bot.
Hermione wollte schlieĂlich auch nicht nur so etwas wie eine Art netter Zeitvertreib sein, um dann wie ein benutztes Taschentuch weggeworfen oder ausgetauscht zu werden. Sicher sah sie das im Augenblick vielleicht auch etwas zu melodramatisch, dennoch war es so. Sie wollte nicht nur eine HĂ€lfte einer Sache sein, sondern wenn, dann alles. Und alles wollte sie umgekehrt auch von sich geben. Das war es, was Ginny anscheinend nicht verstand. Aber davon einmal abgesehen, hatte die Rothaarige gut reden, immerhin hatte sie letztlich das bekommen, was sie wollte. Sie hatte erst Harry und jetzt Blaise. Ihre beiden WunschmĂ€nner waren immer irgendwie um sie gewesen. Greifbar. Hörbar. Sichtbar, wĂ€hrend ihrer. . .
Hermione seufzte. Ihre ganzen Gedanken waren ihr nicht wirklich eine Hilfe, sondern machten es nur noch schlimmer. Erst recht, wenn sie Draco sah, der offensichtlich seinen Frust ertrÀnken wollte, denn neben der neuen, noch relativ vollen Whiskeyflasche stand eine leere.
Sie hoffte instĂ€ndig, dass er die nicht wirklich alleine geleert hatte, obwohl es so aussah. Zwar steckte er ordentlich was weg, aber mit seiner GehirnerschĂŒtterung und dann vor allem noch seinem kleinen Magieproblem, da. . . Das wĂŒrde nicht gut gehen, weswegen sie ihre Hand behutsam auf seine legte, die das Glas hielt, kaum dass sie bei ihm war. Als Draco die Geste spĂŒrte, rollte er auch schon mit den Augen. Merlin, war es wirklich zu viel verlangt sich betrinken zu wollen ?
Als er dann aber sah, wer nun bei ihm war, begann sich sein Blick leicht zu verklÀren und zu leeren, was dann auch auf sein Glas zutraf, welches er kurzerhand in die andere Hand schob.
âDracoâ, mahnte Hermione ihn sanft, doch er machte das Glas nur aufs Neue voll. âHör auf. Das bringt doch nichtsâ, sprach sie ihm ruhig zu, worauf er kurz freudlos lĂ€chelte. âFĂŒr eine Nacht schonâ, murmelte er schlieĂlich leise und blickte leicht apathisch auf den Whiskey. Hermione sah ihn auf seine Worte jedoch unsicher an.
âWas meinst du ?â, fragte sie, obwohl sie eine ziemlich genaue Ahnung hatte. Eine, die ihr Draco teils zu bestĂ€tigen wusste. âIch muss sie nicht sehen. Ihre Gesichter. Ihre Augen. Ihren Schmerzâ, erklĂ€rte er matt und nippte an seinem Glas. Hermione jedoch verwirrten seine Worte etwas, da er in der Mehrzahl gesprochen hatte. Sie wusste, dass seine AlbtrĂ€ume teilweise auch ihr Wesen umfassten. Aber sie war und blieb nun mal nur eine Einzelperson.
âWas . . . was meinst du ? Die Todesser ?â, fragte sie vorsichtig, worauf er das Gesicht verzog und das Glas erneut in einem Zug leerte. In der nĂ€chsten Sekunde knallte er es lautstark auf den Tresen, sodass Hermione unter dem Laut zusammenzuckte.
âDie auchâ, knurrte er und ballte die HĂ€nde wĂŒtend zu FĂ€usten. Hier stimmte etwas nicht, schoss es Hermione durch den Kopf. Davon einmal abgesehen, dass er alkoholtechnisch mehr als genug hatte, schien hier noch etwas anderes faul zu sein. Irgendetwas schien noch zusĂ€tzlich an ihm zu nagen, hatte sie das GefĂŒhl.
âWas ist los ? Und. . . Was wollte Hannah ĂŒberhaupt ?â, erkundigte sie sich weiter, denn sie hatte zuvor noch gesehen, dass er anfangs scheinbar einen kleinen Disput mit der Hufflepuff hatte. Dann hatte Hannah aber gelĂ€chelt. Sie hatte ihn angelĂ€chelt. Dankbar. Also, was stimmte hier nicht ? Dracos Antwort brachte dann allerdings ein wenig Licht ins Dunkel, die er dummerweise mit einem neuen, krĂ€ftigen Schluck Whiskey unterstrich.
âWissen wer ihre Mutter getötet hat.â âOh !â, entwich es Hermione, die fĂŒr einen kurzen Moment nicht wusste, was sie dazu sagen sollte, denn Draco hatte nie weiter ĂŒber diese Thematik gesprochen. Auch nicht, als sie sich auf seine Verhandlung vorbereitet hatte. Sie hatte so gut wie nichts aus ihm herausbekommen, was diese Zeit anbelangte. Dass es fĂŒr ihn alles andere als angenehm war, mit diesen ganzen Massenmördern zusammen zu sein, unter einem Dach zu leben, allen voran mit IHM, konnte man sich an einem Finger abzĂ€hlen. Dennoch wĂ€re es damals hilfreich gewesen, wenn er ihr ein bisschen was aus dieser Zeit erzĂ€hlt hĂ€tte, doch er hatte geschwiegen.
âUnd. . . Konntest du ihr sagen wer ?â, fragte sie vorsichtig und schloss noch etwas zu ihm auf, wo sie dann auch zögerlich nach seiner rechten Hand griff. Zu ihrer Erleichterung, wie auch kleinen Ăberraschung, lieĂ er sie gewĂ€hren. Als sie ihm dann aber versuchte in die Augen zu sehen, erkannte sie beunruhigt, dass diese abermals fahl ins Leere gingen.
âNein. Ich weiĂ nicht wer genau es war. Ich weiĂ aber, dass keiner von den Verantwortlichen noch lebt oder auf freiem FuĂ ist. Das hat ihr genĂŒgt. Mehr wollte sie nicht wissenâ, erklĂ€rte Draco matt und starrte auch weiter ausdruckslos ins Leere, wĂ€hrend Hermione etwas fĂŒr sich nickte.
âDas ist doch gut. Es hat Hannah sicher geholfenâ, brachte sie vorsichtig an. Draco reagierte aber nicht weiter, was ihr mehr und mehr Sorgen machte. Dass er in irgendwelchen dunklen, kalten Erinnerungen versank, weswegen sie noch etwas mehr zu ihm aufrĂŒckte und ihm vorsichtig den Arm um RĂŒcken und Schulter legte. Auch das lieĂ er zu. Dann aber erkannte Hermione, dass er diese Geste offensichtlich nicht einmal mehr wirklich bemerkte, da er bereits zu stark in dem aufkommenden Dunkel seiner Erinnerungen gefangen schien.
âDraco ?â, rief sie ihn leise, eine Reaktion blieb aber aus. âHey, das ist vorbeiâ, sprach sie ihm gut zu und begann ihm beruhigend ĂŒber den RĂŒcken zu streichen. âWas ist denn ?â, fragte sie weiter, worauf er âIch seh sieâ vor sich hin murmelte. âWen ?â, hauchte Hermione vorsichtig. Nicht sicher, ob es gut war, ihn lĂ€nger mit dieser Thematik zu konfrontieren. Allerdings schien er sich durch den Alkohol mal ein wenig in der Richtung zu öffnen, sodass sie die Möglichkeit hatte, nĂ€heres ĂŒber diesen Teil seiner Vergangenheit zu erfahren. Und wenn sie ein bisschen mehr in der Richtung wusste, konnte sie ihm vielleicht auch helfen, das alles hinter sich zu lassen, denn dass ihn diese Dinge, Geschehnisse nach wie vor belasteten, war unbestreitbar.
âDie Toten. Ihre Opferâ, murmelte er dann auch wieder, worauf sie schluckte, nickte und die letzte kleine LĂŒcken zwischen ihnen schloss. Sie wollte ihm damit zeigen, dass sie da war und ihm zuhörte, auch wenn die freudenvolle Kulisse um sie herum nicht wirklich praktikabel fĂŒr ein derartiges GesprĂ€ch war. Draco schien aber schon gar nicht mehr zu wissen, dass sie in den Kerkern im Schloss Hogwarts waren, wo seine Freunde und Hauskameraden ihren ersten Quidditch Sieg des Jahres feierten. Sie sollte Recht behalten.
âSie haben mich die erste Zeit wĂ€hrend des Sommers stĂ€ndig mitgeschleppt, obwohl ich nicht wollte.â âWo. . .â, wollte Hermione fragen, brach dann aber ab, als ihr die Antwort auf ihre Frage recht deutlich ins Gesicht sprang. Draco sprach dann aber auch schon weiter.
âWeil ich Dumbledore nicht töten konnte, waren sie der Ansicht, dass ich Training nötig hĂ€tteâ, zischte er und machte das Glas wieder voll, wĂ€hrend in seinen bis eben noch scheinbar leeren Augen kurz abgrundtiefer Hass aufflackerte.
âAber du hast nicht. . .â, brachte Hermione vorsichtig an. Sehr darauf bedacht ihre Worte nicht wirklich wie eine Frage klingen zu lassen, denn damit wĂŒrde sie ihm verbal ins Gesicht schlagen. Er hatte ihr damals im Mungos versichert, dass er niemanden gefoltert oder gar ermordet hatte und sie hatte ihm geglaubt. Damals hatte er aber mit keiner Silbe erwĂ€hnt, dass er wohl auf ihren Mordtouren teils dabei war, was sie nun doch etwas verunsicherte. Draco schĂŒttelte dann aber mit dem Kopf.
âNein. Nie. Ich wollte nicht. Konnte nicht, egal was sie dazu gesagt oder getan haben. Stattdessen hat sich Bellatrix immer ausgetobt und mir demonstriert, was ich zu tun hĂ€tte. Wie ich es zu machen hĂ€tte. Ich hĂ€tte nicht selten fast gekotzt. In ihren Augen war ich ein SchwĂ€chling. Ein Versager. Ein Feigling, weil ich niemanden foltern oder gar töten wollte. Mir war es egal. Es war mir lieber, dass sie mich wegen meiner Weigerung abstrafen, als das ich mich von ihnen zum Mörder und SchlĂ€chter hĂ€tte machen lassenâ, erklĂ€rte er weiter, worauf Hermione etwas groĂe Augen bekam.
âSie haben dich gefoltert, weil du nicht. . .â Sie konnte den Satz nicht beenden, schon allein da sie sich weigerte, den Gedanken zu beenden. Draco aber zuckte nur mit den Schultern, als wĂ€re es vollkommen unbedeutend fĂŒr ihn.
âEs war normal.â Normal ?, hĂ€tte Hermione fast aufgeschrien, biss sich dann aber auf die Zunge. âIch hab ihre Anforderungen nicht erfĂŒllt und das haben sie eben bestraftâ, meinte er weiter und klang dabei so, als wĂŒrde er ĂŒber das Wetter reden, wĂ€hrend Hermione ein eisiger Schauer nach dem anderen durch die Knochen kroch. Draco wiederum begann erneut ausdruckslos vor sich hin zu starren.
âSie haben die Leute hĂ€ufig abends in ihren HĂ€usern ĂŒberfallen. Einfach nur zum SpaĂ. Anfangs waren es Muggel an denen ich ĂŒben sollteâ, erklĂ€rte er weiter. Den Blick noch immer leer, schwieg er dann auch kurz, bevor er leicht fĂŒr sich mit dem Kopf schĂŒttelte. Eine Geste stummer Fassungslosigkeit und Resignation.
âDiese Leute haben nicht einmal gewusst was mit ihnen passiert. Warum es passiert. Wer diese vermummten Gestalten waren, die sie ĂŒberfielen. Wo dieser Schmerz her kamâ, wurde er immer leiser. Hermione derweil zog ihn noch etwas stĂ€rker zu sich, um ihm noch etwas mehr Halt zu geben.
âBellatrix hat mich dann stĂ€ndig dazu angestachelt, gefĂ€lligst mitzumachen, aber ich. . . Ich hab ihre Augen gesehen. Die schmerzverzerrten, verzweifelten Gesichter. Ich hab diese ganzen Fragen gesehen. Das Warum. Das verzweifelte Warum. Die Gewissheit zu sterben, ohne zu wissen warum ? Genauso ihr Flehen. Das Flehen um Gnade. Aufzuhören, aber auch um Hilfeâ, murmelte er immer leiser, sodass zeitweise wieder eine erdrĂŒckende Stille unter ihnen einkehrte.
Keiner von ihnen, weder Hermione noch Draco, nahm die noch immer wummernde Musik zur Kenntnis. Ebenso wenig wie das GelĂ€chter und die GesprĂ€che der anderen. Es war, als wĂ€ren sie in ihrer Ecke, in eine gĂ€nzlich andere RealitĂ€t eingetaucht. Eine, die sie von dem freudenvollen Trubel abschirmte und so auch fĂŒr die anderen scheinbar verschwinden lieĂ. Nach einer Weile sprach Draco weiter. In der Stimme nun eine tiefe Schuldigkeit.
âIch hab bei diesen Aktionen zwar nie auch nur ansatzweise mitgemacht, aber ich hab es auch nicht verhindert. Ich hab Bellatrix und die anderen nicht zurĂŒckgehalten. Ich hab es einfach geschehen lassen.â âWas hĂ€ttest du allein gegen die denn machen sollen ?â, warf Hermione ruhig ein, worauf er schwieg und erneut etwas an seinem Glas nippte.
âIrgendwann waren es nicht mehr nur Ă€ltere Muggel, sondern Familien. Familien mit . . . mit Kindern. Magisch begabten Kindernâ, murmelte er, was Hermione schlucken lieĂ. Sie hatten es zwar gewusst, dass Voldemort mit einer tödlichen Entschlossenheit gegen MuggelstĂ€mmige vorging, es nun aber so zu hören, war noch etwas ganz anderes. Schlimmer noch war es, wenn man diesen Dingen tatsĂ€chlich beigewohnt hatte. Wenn man gezwungen war dem hilflos beizuwohnen.
âIch weiĂ nicht woher, aber sie hatten Listen. Listen solcher Kinder, die magisch signifikante Merkmale aufwiesen. Es war das erste und einzige Mal, dass ich bei einem solchen Angriff dabei war. Es war wie immer abends. Die Familie hat zu dritt im Wohnzimmer gesessen, als Bellatrix die TĂŒr in die Luft gejagt hat. Die Mutter war durch die Wucht des ersten Fluches sofort Tod. Den Vater haben Rockwood und Rabastan gefoltert, wĂ€hrend sich Bellatrix auf das verĂ€ngstigte MĂ€dchen gestĂŒrzt hat. Die Kleine, sie. . . Sie hat geweint und geschrien. Sich unter dem Fluch gewunden, wie ihr Vater. Er hat dann noch gefleht und gebettelt, dass sie seine Tochter in Frieden lassen sollen. Wenigstens sie. Bellatrix hat aber nur gelacht und ihn verhöhnt und gespottet, dass so etwas minderwertiges, dreckiges wie er, und der Abschaum, den er seine Tochter nannte, es nicht verdienten zu leben. Er war vollkommen verzweifelt und. . . Bellatrix hat die Kleine dann noch weiter gequĂ€lt und höhnische Kommentare abgegeben. Es war grĂ€sslich. Ich hab die ganze Zeit krampfhaft ĂŒberlegt, wie ich dem ein Ende setzen kann. Aber das Einzige, was mir einfiel, war das MĂ€dchen mit einem starken Stupor auszuknocken, damit sie nichts mehr spĂŒrt. Damit Bellatrix von ihr ablĂ€sst und sie endlich verschwinden. Ich hatte dann sogar noch fĂŒr einen kurzen Moment gehofft, dass sie es dabei belassen. Dass sie dann nichts mehr machen aber. . .â, brach er ab, schluckte und lĂ€chelte schlieĂlich bitter vor sich hin. Fassungslos.
âBellatrix war sauer. Sie war wirklich sauer darĂŒber, dass das arme MĂ€dchen nicht mal eine Minute durchgehalten hĂ€tte. Sie hat sie dann sogar noch getreten und letztlich ihren Vater wĂŒtend mit dem Sectumsempra aufgeschlitzt, bevor sie dann doch noch den Todesfluch auf das MĂ€dchen angewandt hat. Und als ob das nicht schon genug wĂ€re, hat sich Greyback dann auch noch. . .â, brach er erneut zitternd ab und schloss fertig die Augen, die von einem leicht feuchten Schimmer durchzogen waren. Kurz darauf sah er zu Hermione, die bereits mehr als nur eine TrĂ€ne vergossen hatte.
âIhr Name war Maggie. Sie muss 9 oder 10 Jahre alt gewesen sein. Sie hĂ€tte jetzt im Sommer vielleicht ihren Brief bekommen. Sie hĂ€tte das Schloss gesehen. Die Magie und alles, was . . . was. . .â âSchâ, hauchte Hermione da aber und schloss ihn gĂ€nzlich in die Arme, wo sie ihn einfach nur hielt und beruhigend ĂŒber den RĂŒcken und durch die Haare strich, wĂ€hrend Dracos Kopf erschöpft auf ihrer Schulter ruhte. Sein Blick wiederum verlor sich abermals in der Vergangenheit.
âIch hab im vergangenen Jahr so viele Menschen sterben sehen. Erst Dumbledore, dann Professor Burbageâ, murmelte er dĂŒnn und schĂŒttelte wieder in einer leichten Fassungslosigkeit mit dem Kopf, bevor er Hermione erneut ansah.
âSie hat Snape noch angefleht, dass er ihr helfen soll. Sie wĂ€ren Kollegen, Freunde. Er hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Weder als Voldemort sie getötet hat, noch als er sie an seine grĂ€ssliche Schlange verfĂŒttert hat.â Aufgrund dieser Information wurde Hermione leicht ĂŒbel, als sie diese Szenerie unweigerlich bildlich im Kopf hatte. Zwar hatte sie nur ein Jahr lang den Muggelkundeunterricht bei Professor Burbage besucht, in diesem war sie aber nicht umhin gekommen, eine gewisse Sympathie fĂŒr diese Frau zu entwickeln. Sie hatte einfach etwas Warmherziges, tief Freundliches an sich. Nun zu hören, wie diese gutmĂŒtige Frau geendet hatte, als Schlangenfutter, war einfach nur grĂ€sslich.
âIch kann mich an jedes Gesicht erinnernâ, murmelte Draco dann wieder, den Blick zurĂŒck nach vorn gewandt. Die Augen ein weiteres Mal leer, mit denen er abermals in seinen kalten Erinnerungen versank. âAn jedes paar Augen. An die Todesangst, ihre Verzweiflung, den Schmerz, der darin lag. Die Frage nach dem Warum ? Die Schreie haben das alles nur noch schlimmer gemachtâ, erklĂ€rte er matt und wollte wieder nach der Flasche greifen, die Hermione dann aber beiseite schob und sich stattdessen seine Hand nahm, worauf er sie wieder ansah. Schuldig.
âIch konnte nichts dagegen tun. Nicht ein einziges Mal. Nicht mal, als sie angefangen haben Kinder zu ermorden. Stattdessen hab ich mich feige verkrochen und. . .â âHör aufâ, unterbrach sie ihn rasch. âHör auf so einen Blödsinn zu denken. Du allein hĂ€ttest nichts tun können. HĂ€ttest du es versucht, sie hĂ€tten dich getötet und im Anschluss in ihrem Treiben weitergemacht. Snape hat all das auch nicht verhindern können, weil er dann mit seiner ganzen Tarnung aufgeflogen wĂ€re, genauso wie du. Was Bellatrix und die anderen Todesser aber getan haben, dafĂŒr bist du nicht verantwortlich.â âAber ich hab. . .â âNeinâ, unterbrach sie ihn erneut sanft, aber dennoch bestimmt und legte ihm letztlich die Hand beruhigend, auf die durch den Alkohol leicht gerötete Wange, ĂŒber die sie mit dem Daumen strich.
âDu hast dich nicht an ihren Machenschaften beteiligt, sondern sie verweigert. Du hast gesagt, dass du es lieber in Kauf genommen hast, dass sie dich verletzen und fĂŒr deine Weigerung bestrafen, als dass du einem anderen, unschuldigen Menschen das Leben nimmst. Das ist nicht feige, Draco. Im Gegenteil. In meinen Augen zeugt es von groĂem Mut und Entschlossenheit, dass du ihnen auf diese Art und Weise die Stirn geboten hast. Dass du dich nicht von ihnen und ihren Methoden hast in die Knie zwingen lassen. Dass du ihnen nicht gefolgt bist. Du hast dir nichts vorzuwerfen. Rein gar nichtsâ, versuchte sie ihm klarzumachen, doch er sah sie auch weiter schuldig an.
âWarum fĂŒhlt es sich trotzdem so an ?â, fragte er, worauf sie seufzte âAch, Dracoâ und ihm schlieĂlich richtig die Arme um den Nacken schlang, ĂŒber den sie sich gĂ€nzlich zu ihm zog und ihn einfach nur tröstend festhielt. Die Lippen beruhigend an seinem Ohr.
âDu hast keine Schuld an diesen Dingen. Glaub mir. Du bist nicht fĂŒr ihre Taten verantwortlich. Dass du dich dennoch schuldig fĂŒhlst, liegt schlicht und ergreifend daran, dass du aufrichtiges MitgefĂŒhl hast. Dass du ein warmes Herz hast und keines aus Eis, so wie die Todesser. Aber du hĂ€ttest ihre Taten nicht verhindern können. Nicht allein. Also gib dir nicht die Schuld daran und lass vor allem nicht zu, dass andere sie dir gebenâ, appellierte sie an ihn und sah ihn im Kommenden wieder an. Sein Gesicht in den HĂ€nden.
âLaste dir diese Dinge nicht auf. Hast du mich verstanden ?â, beschwor sie ihn nochmal, worauf er kaum merklich nickte und schlieĂlich ergeben die Augen schloss. Er nahm erst jetzt wirklich wieder wahr, dass sie ihm so nah war. Dass ihre warmen, weichen HĂ€nde, liebevoll ĂŒber seine ZĂŒge strichen und dort, wo sie ihn berĂŒhrte, ein heiĂes Kribbeln zurĂŒcklieĂen, was sein Innerstes in Brand steckte. Hinzu kam noch ihr Wahnsinnsaroma, was ihm noch stĂ€rker in den Kopf stieg, als es all der Whiskey je tun könnte. Kurz darauf sah er sie mit leicht verklĂ€rtem Blick wieder an.
âIch. . .â, begann er, obwohl er nicht wusste, was er eigentlich sagen wollte. Zudem fĂŒhlte sich sein Hirn langsam so an, als ob es schwamm. Und zwar im Whiskey. Die zweite Flasche war eindeutig zu viel.
âDraco ?â, hauchte sie in Sorge, als er die Augen kurz zusammen kniff und sich an den leicht wummernden SchĂ€del fasste, der ihn kurz ins wanken brachte. Hermione stĂŒtze ihn daraufhin dann aber gleich wieder, bevor sie meinte: âLass uns hoch gehen, in Ordnung ?â, worauf er matt nickte und sich auch weiter von ihr stĂŒtzen lieĂ.
Dennoch kamen sie nur schleppend voran, schafften es dann aber erstmal aus dem aufgeheizten Gemeinschaftsraum in die bereits kĂŒhlen GĂ€nge der Kerker. Dort aber lieĂ sich Draco in einer der Ausbuchtungen nieder, da es sich noch mehr um ihn zu drehen begann.
âGehtâs oder soll ich Dobby rufen ?â âNein. Nein, ich. . . Es geht. Lass mich nur kurz. . .â âSicher ?â, blieb Hermione skeptisch, die eine kleine Apparierhilfe von Dobby als unumgĂ€nglich ansah. Allerdings wollte sie jetzt nicht mit Draco diskutieren und am Ende vielleicht streiten, weil er sich die Kante gegeben hatte. Nach seiner ErzĂ€hlung ohnehin nicht, weswegen sie sich neben ihm niederlieĂ und ihm erneut den Arm umlegte, sodass sein Kopf irgendwann erschöpft auf ihrer Schulter lag.
Wie lange sie im Kommenden so dasaĂen, vermochte keiner der Beiden wirklich zu sagen. Irgendwann aber klĂ€rte sich Dracos Kopf wieder stĂ€rker, der sich damit auch der Situation erneut deutlich bewusst wurde. Dass er hier mit ihr allein, abseits des Trubels saĂ. Dass sie ihm eine Schulter zum anlehnen bot, ihm zuhörte und, wie der kleine Geist gesagt hatte, die Hand reichte, um ihm erneut auf die Beine zu helfen. Dass sie ihn wĂ€rmte. Nicht nur wĂ€rmte, sondern verbrannte. Letztlich aber. . . Lieber klammerte er sich an den Marterpfahl, der sie ihm war und lieĂ sich von ihr verbrennen, als dass er sich weiter von der Einsamkeit und KĂ€lte ewigen Eises verschlingen lieĂ.
âEs tut mir leidâ, murmelte er ihr schlieĂlich leise entgegen, worauf sie den Kopf etwas von seinem hob und ihn fragend ansah. âWas denn ?â âDie letzten Tage. Ich hab nicht gewollt, dass. . .â âIst schon gutâ, unterbrach sie ihn jedoch gleich wieder sanft und zog ihn erneut mehr zu sich. âIch versteh dichâ, meinte sie weiter und hielt ihn warm. Sie strich ihm so auch beruhigend ĂŒber den RĂŒcken, bevor sie sich nach einer kleinen Weile erneut an ihn wandte.
âGehtâs wieder ? Kannst du laufen, oder soll ich doch Dobby. . .â âNein, es geht. Ich . . . ich brauch ein bisschen Bewegungâ, murmelte er, worauf sie nickte und sich als erstes aufrichtete. Als er stand, trat sie gleich wieder an seine Seite, um ihn zu stĂŒtzen, was er dankend annahm. Hermione wiederum lĂ€chelte ein wenig in sich hinein, da er sich zum einen helfen lieĂ und zum anderen lieber den lĂ€ngeren Weg wĂ€hlte, denn so konnte sie ihm auch lĂ€nger nahe sein. Sie fragte sich, ob er sich vielleicht auch deswegen fĂŒr die etwas beschwerlichere Variante entschieden hatte ?
So suchten sie sich ihren Weg bis in den siebten Stock hoch, was bald dreimal so lang dauerte wie sonst ĂŒblich. Letztlich aber war es beiden egal. Als sie endlich im Gemeinschaftsraum ankamen, Ă€nderte Hermione mit einem Wink ihres Zauberstabes nur rasch das Passwort. Inzwischen war es schon zu einer Gewohnheit geworden, dass sie vor dem Schlafengehen ĂŒber das Portrait ein neues legte, um alles und jeden von ihrem Turm und dessen Innern, ihnen, fernzuhalten.
Sie verschwand mit Draco in seinem Zimmer, wo er sich fertig auf sein Bett fallen lieĂ, was sie sich ein wenig mitleidig besah. Was musste er auch so viel trinken, wenn er zudem noch angeschlagen war ? Typisch Mann.
âGehtâs ? Brauchst du irgendwas ?â, erkundigte sie sich und nahm neben ihm auf der Bettkante Platz. Draco wiederum blinzelte matt und sah sie lange, sehr lange stillschweigend an, bevor er sich dann doch wieder etwas hoch quĂ€lte und sie mit seinen matten Augen stĂ€rker fokussierte.
âBleib bei mirâ, entwich es ihm aus heiterem Himmel, was sie perplex blinzeln lieĂ. Draco derweil verfluchte sich aufgrund seiner ĂŒberstĂŒrzten Worte dann auch schon und hĂ€tte sich zudem am liebsten in den Hintern getreten. ScheiĂ Whiskey !
âNur . . . nur heuteâ, versuchte er dann noch Schadensbegrenzung zu betreiben. âBitte, ich . . . ich will nicht. . . Ich will diese Dinge nicht schon wieder sehen und durchleben. Ich will . . . ich will einfach nur . . . nur schlafen könnenâ, erklĂ€rte er sich nĂ€her und sah sie leicht verzweifelt an. Hermione aber war noch immer etwas ĂŒberrascht ĂŒber diese Entwicklung, wĂ€hrend Draco bitter schluckte, da sie ihm nicht gleich antwortete.
Letztlich senkte er geschlagen das Haupt. Der blöde Whiskey hatte ihm eindeutig das Hirn aufgeweicht. Er wollte seinen Frust ertrĂ€nken, ja. Genauso seinen Geist betĂ€uben, damit ihn die Geister der Vergangenheit verschonten. Was aber passierte stattdessen ? Er konnte sich und sein blödes Mundwerk nicht mehr kontrollieren und schoss sich damit erneut selbst mehr ins Aus, obwohl er das doch nicht wollte. Dann aber spĂŒrte er die warmen, weichen HĂ€nde der Gryffindor auf seinen Wangen, sodass er wieder zu ihr aufblickte und mit einem ebenso warmen LĂ€cheln beglĂŒckt wurde.
âIch zieh mich bloĂ schnell um. Okay ?â, meinte sie, worauf er sie ansah, als hĂ€tte sie ihm plötzlich doch noch ganz unverhofft ihre Liebe zugestanden. So konnte er auch nicht den Blick von ihr lösen, wĂ€hrend sie ihn auch weiter anlĂ€chelte und kurz mit dem Daumen ĂŒber seine Wange strich. SchlieĂlich aber lieĂ sie von ihm ab, um nochmal im Bad zu verschwinden und sich umzuziehen.
Draco sah ihr aber auch weiter ein wenig ĂŒberfordert nach, da sie ihm seine Bitte tatsĂ€chlich gewĂ€hrte. Vielleicht war der Whiskey doch nicht so fehl am Platz gewesen. SchlieĂlich aber quĂ€lte er sich ebenfalls nochmal ganz hoch, um seinerseits im Bad zu verschwinden. Als er zurĂŒckkam, war er aber nach wie vor allein. Hatte sie es sich jetzt doch noch anders ĂŒberlegt, oder brauchte sie etwas lĂ€nger ? Unwahrscheinlich, denn er hatte gut eine Viertelstunde im Bad zugebracht, was dann wohl ersteres bedeutete. WĂ€re ja auch zu schön gewesen.
Geknickt aufgrund dessen, kroch er unter seine Decke und rollte sich unter dieser zusammen. Ihm graute es schon davor, wenn ihn die MĂŒdigkeit ĂŒberrannte, denn dank Hannahs Gefrage, wĂŒrden ihn diese alten DĂ€monen noch zusĂ€tzlich heimsuchen. Die der jĂŒngsten Geschehnisse reichten ihm bei weitem, genauso das andere und. . .
âDraco ?â, vernahm er dann aber leise das Stimmchen der Gryffindor, worauf ihm die Augen schon regelrecht aufflogen. Zeitgleich hielt er den Atem an, als er ein paar nackte FĂŒĂe ĂŒber das Parkett tapsen hörte, die eindeutig zu der kleinen Hexe gehörten, zu der er sich noch immer nicht traute umzudrehen, aus Angst, dass sie sich dann vielleicht in Luft auflöste oder so.
Nur etwas spĂ€ter aber, spĂŒrte er die schwachen Schwingungen seiner Matratze, was ihm sagte, dass sie an seinem Bett angelangt war und ebenfalls unter die Decke kroch. Unter dieser kuschelte sie sich aber nicht einfach nur ein, sondern rĂŒckte ganz zu ihm auf und legte ihm ihren Arm um die Taille. Noch in der gleichen Sekunde hatte er das GefĂŒhl, er wĂŒrde in Flammen aufgehen. Stattdessen aber entlieĂ er endlich seinen Atem und drehte sich nun doch zögerlich zu ihr, wo sie ihn etwas ĂŒberrascht ansah.
âIch dachte du schlĂ€fst schonâ, flĂŒsterte sie und lĂ€chelte etwas verlegen. Draco wiederum sah sie einfach nur an, bevor er ihr ein leises âNeinâ entgegen flĂŒsterte. Mit seinen Augen hielt er sie auch weiter gefangen und rang mit sich, sie richtig in die Arme zu nehmen. Richtig zu halten. Sich richtig an sie zu kuscheln. Nur war das ĂŒberhaupt angebracht ? Durfte er ? Hermione nahm ihm die Entscheidung letztlich ab, indem sie sich ihrerseits einfach an seine Brust kuschelte und ihm damit das nĂ€chste Flammeninferno bescherte.
Ein brennender Marterpfahl. Genau das war sie im Augenblick fĂŒr ihn. Und an diesen Marterpfahl klammerte er sich dann auch wieder, indem er sie, ein wenig zittrig, dann doch noch ganz in die Arme schloss und sich ergeben in ihren Schopf kuschelte.
âDankeâ, hauchte er ihr erschöpft aber auch erleichtert entgegen, worauf sie vor sich hin lĂ€chelte. âGerneâ, gab sie ihm zurĂŒck und schmiegte sich noch etwas mehr an seinen Körper, der eine ungeheure Hitze abstrahlte. Den Kopf direkt an seiner Brust, unter der sein Herz ziemlich wild schlug.
âSchlaf schönâ, meinte sie dann nur noch, was er mit einem âDu auchâ schloss. Und damit auch seine Lider, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass er diese Nacht seiner DĂ€monen irgendwie Herr werden wĂŒrde. Damit sollte er nicht allein sein.
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ââmorgeeenâ, warf Harry seinen Freunden gĂ€hnend zu, die stellenweise schon am Tisch saĂen. Oder noch ? Es war eine schwierige Frage, denn es war bereits weit nach 10:00 Uhr. Und so, wie die Ăbrigen aussahen, die lediglich aus Charlie, Daphne, Astoria und Theo bestanden, waren sie auch erst vor kurzem aus dem Bett gefallen.
âWo ist Blaise ?â, fragte Harry, als er neben Astoria Platz nahm. âWo ist Ginny ?â, erkundigte sich Daphne im Gegenzug gewitzt und grinste schlieĂlich vielsagend. Harry war fĂŒr den Moment aber noch viel zu mĂŒde, als dass er den Zusammenhang sah, denn er war erst gegen vier, fĂŒnf oder war es vielleicht doch schon 6:00 Uhr, wieder im Gryffindor Turm angekommen. Und das recht stark wankend. Es grenzte da wirklich an ein Wunder, dass er den Turm zum einen gefunden hatte und zum anderen der Fetten Dame tatsĂ€chlich das Passwort nennen konnte.
âUnd Neville und Luna ?â, fragte er weiter. âWeiĂt du das nicht mehr ? Die Beiden sind mit dir in den Gryffindor Turm hoch. Du konntest ja kaum noch geradeaus laufenâ, grinste Theo, den Harry ĂŒberrascht anblinzelte. âOkay, das erklĂ€rt, wie ich in den Turm gekommen binâ, rĂ€usperte sich Harry ein wenig peinlich. Charlie schmunzelte.
âWir mĂŒssen wirklich noch ein bisschen mit dir ĂŒben. So geht das echt nicht.â âJaahâ, gab Harry gedehnt von sich und genehmigte sich erstmal einen schönen, schwarzen Kaffee, in den er noch einen erheblichen Schuss Zitrone gab. Charlie beobachtete es amĂŒsiert und schob dem verkaterten Helden letztlich einen Trank rĂŒber.
âDer wirkt besser gegen einen Kater.â âMerlin, Dankeâ, entwich es Harry erleichtert, der das GebrĂ€u dann auch schon schluckte und sich anschlieĂend etwas schĂŒttelte, da der Trank dennoch so eklig schmeckte, wie Kaffee mit Zitrone. Allerdings lieĂ die gewĂŒnschte Wirkung nicht so lange auf sich warten, denn sie trat fast augenblicklich ein und klĂ€rte damit seinen Geist.
âBesser ?â, schmunzelte Charlie. âViel besser.â âDann schaffst du es jetzt vielleicht auch, dich richtig anzuziehen ?â, stĂ€nkerte Charlie ein wenig und deutete Harry auf das falsch zugeknöpfte Hemd. âUpsâ, war jedoch alles, was dem Gryffindor entwich, bevor er dieses unansehnliche Problem beseitigte.
âDa fragt man sich wirklich, wie du die Welt retten konntest ?â âDa war ich nĂŒchternâ, gab er Charlie zurĂŒck und lud sich, nun mit erheblich mehr Appetit, seinen Teller voll. âSchlĂ€ft der Rest noch ?â âBlaise und Ginny auf alle FĂ€lle. Neville und Luna mĂŒsstest du uns beantworten.â âSeine VorhĂ€nge waren, glaube ich, zugezogenâ, grĂŒbelte Harry. âWarum wohl ?â, warf Theo grinsend ein. Harry wiederum sah fragend zu ihm, bis ihm die Antwort schon fast ins Gesicht sprang. Die Beiden wĂŒrden sie vor dem Mittag sicher nicht zu Gesicht bekommen. Das Gleiche galt fĂŒr Blaise und Ginny, sodass letztlich nur noch ein PĂ€rchen fehlte. Paar im Sinne von zwei Personen.
âUnd Hermione und Draco ? Habt ihr die schon gesehen ?â âNicht wirklich. Aber das lĂ€sst sich vielleicht als gutes Zeichen deutenâ, meinte Charlie. âEs sah so aus, als ob sie sich gestern wieder vertragen hĂ€ttenâ, resĂŒmierte Daphne ein wenig vor sich hin. âWas war bei den Beiden ĂŒberhaupt los ? Hatten sie Streit ?â, erkundigte sich Theo, der als einziger am Tisch die eigentlichen Begebenheiten nicht kannte. Charlie sah sich dann auch schon rege in ErklĂ€rungsnot.
âMan könnte es einen Interessenkonflikt nennenâ, warf er ein, dem Harry noch etwas beisteuern wollte, allerdings bereits im Ansatz von Astoria auf die FĂŒĂe getreten bekam, die er fragend ansah. Ihr Blick aber sagte nur zu deutlich, sich nicht weiter zu dem Thema zu Ă€uĂern, wie auch der Charlies, der Harry zudem warnend anfunkelte, sodass sich der Gryffindor stattdessen etwas vom RĂŒhrei in den offen stehenden Mund stopfte.
Theo wiederum hatte verstanden, dass es ein Tabuthema war, ĂŒber das Charlie kein weiteres Wort verlieren wĂŒrde, wie die vielen Male in den vorangegangenen Jahren schon. Er hatte gelernt den Mund zu halten, wenn es nicht angebracht war. Oder aber eben keine Fragen weiter zu stellen, was manchmal auch gesĂŒnder war. Allen voran wĂ€hrend des Sechsten. Wer nichts wusste war uninteressant und verschwand damit hinter einem Grauschleier, was gerade im vergangenen Jahr ĂŒberlebenswichtig war. Draco war in der Zeit wirklich nicht zu beneiden gewesen, da er so sehr im Fokus des Dunklen gestanden hatte.
So widmeten sich die FĂŒnf weiter dem FrĂŒhstĂŒck, als eine einzelne Eule durch die hochgelegenen Fenster schwebte und vor Daphne Platz nahm. Diese band dem Vogel ein wenig verwundert den Brief ab, der sich dann auch gleich wieder von dannen machte.
âWas wichtiges ?â, erkundigte sich Charlie und linste ihr etwas ĂŒber die Schulter. âPansâ, meinte sie aber nur, was genĂŒgte, dass sich Charlies Blick verfinsterte. âDu weiĂt, was ich von dieser hohlen Nuss halte.â âUnd du weiĂt, dass ich es nicht mag, wenn du so ĂŒber sie sprichstâ, warf Daphne ihm etwas erbost zurĂŒck. âSie ist meine Freundin.â âNein. Sie ist ein verlogenes, geldgeiles MiststĂŒckâ, resĂŒmierte Charlie, der sich nicht die MĂŒhe machte, seine Abneigungen gegen ihre ehemalige MitschĂŒlerin in irgendeiner Art zu kaschieren, was Daphne nur noch wĂŒtender machte.
âDu bist manchmal echt unmöglichâ, schimpfte sie, stand auf und ging. âMusste das sein ?â, meldete sich nun auch Theo, der Charlies fast schon aggressive Haltung nicht so recht nachvollziehen konnte. âSie ist eine von uns.â âNein. Sie ist verlogen und falsch. Und das hab ich Daphne auch schon oft genug gesagt. Sie vereint all die schlechten Eigenschaften, die man uns, unserem Haus, nachsagt in sich.â âFindest du es nicht ein bisschen ĂŒberheblich so zu reden ? Ich mein. . . Ja, okay. Wir haben alle Fehler gemacht, jetzt aber da. . .â, sah Theo zu Harry, der dem GesprĂ€ch interessiert lauschte. â. . . wir haben unseren Frieden mit allem gemacht. Menschen Ă€ndern sich.â âDas hab ich auch nicht abgestritten. Allerdings gibt es Menschen, die sich nicht Ă€ndern. Die sich nicht Ă€ndern wollen. Und sie ist so jemand.â âUnd das weiĂt du woher ? Du willst ihr ja nicht mal eine Chance geben.â âWeil sie diese grandios im Mai von sich gestoĂen hat.â âWas meinst du ?â âWas wohl ? Du warst doch auch in der Halle, oder ?â âJa, schonâ, verstand Theo jedoch nicht ganz, worauf Charlie aus war. Dieser erklĂ€rte sich dann aber.
âVon der Tatsache einmal abgesehen, dass sie Harry ohne mit der Wimper zu zucken ausgeliefert hĂ€tte. . .â âSie hatte sicher Angst.â âOh nein. Sie hatte keine Angst. Im Gegenteil. Und weiĂt du auch warum ? Warum ich das denke ? Warum ich denke, weiĂ, dass sie so ein verlogenes MiststĂŒck ist ? Ich hab es damals gesehen. Ihren Hass, ihre Verachtung, den brennenden Wunsch Blaise und mir einen Fluch ins Gesicht zu brennen, dafĂŒr, dass wir uns zu Hermione gestellt und ihre Seite unterstĂŒtzt haben. FĂŒr sie absoluter Hochverrat. Und das hat sich dann sogar noch stĂ€rker herauskristallisiert, als wir Madam Pomfrey bei der Evakuierung der SchĂŒler geholfen haben. Da kam dann auch noch hinzu, dass Blaise ihr unvermittelt auf die Nase gebunden hat, dass Draco die gleichen Ansichten und Ziele verfolgt hat, wie Blaise und ich. Sie hĂ€tte uns dafĂŒr am liebsten an Ort und Stelle gelyncht, oder begeistert Beifall geklatscht, hĂ€tte ihr jemand diesen Wunsch erfĂŒllt. Mir ist klar, dass das fĂŒr euch alle damals seltsam mit anzusehen war, und bei sehr vielen sicher tiefe Verachtung geweckt hat. Dennoch hĂ€tte uns keiner weiter den Tod gewĂŒnscht. Du hĂ€ttest das nicht, weil du durch deinen Vater ganz genau wusstest, was hinter all dem steckt. Tracey hĂ€tte es nicht, Milli nicht, Katelyn nicht, von Daphne mal zu schweigen und ich denke, auch die Leute aus deinem Jahrgang nichtâ, sah er zu Astoria, die mit dem Kopf schĂŒttelte, bevor er Theo wieder ganz in Augenschein nahm.
âSie aber hat es. Und der beste Beweis dafĂŒr, dass sie noch immer so denkt wie frĂŒher, noch immer so verlogen ist und nichts dazu gelernt hat, ist meiner Meinung nach der, dass sie die Chance, das Jahr zu wiederholen, geschmissen hat. Die Chance darauf, einen anderen Weg zu gehen. Das Bild Slytherins neu zu gestalten.â âHast du das Daphne so mal gesagt ? Deine Ansichten ?â, erkundigte sich Harry, worauf Charlie mit dem Kopf schĂŒttelte.
âMeistens ufert es vorher so aus wie jetztâ, seufzte er. âDann erklĂ€r ihr das mal in Ruheâ, legte ihm nun Astoria nahe. âUnd vor allem, ohne gleich ausfallend zu werden.â âFĂ€llt mir bei dem Sumpfhuhn nur leider recht schwer. Mir schmeckt es nicht, dass Daphne noch immer mit ihr Kontakt hat. Diese hohle Ziege macht nur Ărger, was Daphne nicht sehen will.â âRede in Ruhe mit ihrâ, meinte Astoria nochmal, worauf er nickte.
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Als Hermione wach wurde, lag sie nach wie vor, fest umschlungen, an eine warme Brust gekuschelt, die sich ruhig hob und senkte. Ein kurzer Blick auf Draco bestĂ€tigte ihr, dass er noch schlief. Und das nun endlich wieder ruhig, denn er sah wesentlich erholter aus. Nicht mehr so blass um die Nase und mit kaum noch Augenringen, was sie freute. Dass ihn seine DĂ€monen wieder in Frieden lieĂen. Nach den Dingen, die er ihr gestern erzĂ€hlt hatte ohnehin noch mehr.
Sie war sich sicher, dass das nur ein Bruchteil des Grauens war, was er im vergangenen Jahr durchlebt hatte. Und auch wenn er ihr vermutlich nur wegen des hohen Alkoholpegels von diesen Dingen erzĂ€hlt hatte, so sah sie es dennoch als wichtig und ersten Schritt nach vorn an, dass er einen Teil dieser Last vielleicht hatte abwerfen können. Dass sie ihm durch ihr GesprĂ€ch vielleicht irgendwie das GefĂŒhl der Schuldigkeit hatte nehmen können, denn dieses konnte einen erdrĂŒcken.
So hing sie noch ein wenig ihren Gedanken nach und musterte seine schlafenden ZĂŒge im Stillen, die sie dazu verleiteten, ihm behutsam mit den Fingern ĂŒber die Wange zu streicheln. Irgendwann wurde er dadurch allerdings wach und blinzelte tranig.
âHeyâ, hauchte sie ihm leise, wie auch etwas unsicher entgegen, was nur dazu fĂŒhrte, dass er sie ein wenig verwirrt ansah. âWieso bist du hier ?â, fragte er, bevor sich sein Hirn zugeschaltet hatte, denn dann hĂ€tte er vielleicht auch gemerkt, dass es teils seine Schuld war, dass sie noch immer in seinem Bett lag, denn mit seinen Armen hielt er sie wie eine Boa umschlungen.
âGestern Abend, da. . . Du wolltest, dass ich bleibeâ, erklĂ€rte sie ihm vorsichtig. Man sah Draco das ĂŒberdimensionale Fragezeichen auf seinem Gesicht aber auch weiter an.
âIch hab dich gebeten zu bleiben und du bist geblieben ?â, wiederholte er ĂŒberrascht. âJa.â âWarum ?â âWarum nicht ?â, fragte sie stattdessen, worauf er ihr keine Antwort zu geben wusste. Als er jedoch ĂŒber diese Wirrungen nachzudenken begann, ĂŒberrollte ihn eine dumpfe Schmerzwelle. Er kniff die Augen zusammen und stöhnte unterdrĂŒckt, bevor er sich an den SchĂ€del fasste, der Anstalten machte zu platzen.
âDeshalbâ, meinte Hermione dann doch noch und rappelte sich etwas auf. âDu hattest erstens eine GehirnerschĂŒtterung, zweitens zu viel getrunken und drittens. . . Drittens, geht es dir ohne erstens und zweitens nachts schon schlecht genugâ, hauchte sie und schob mit ihrer kleinen Hand behutsam seine Hand etwas zurĂŒck, bevor sie begann, ihm ein wenig die SchlĂ€fe zu massieren.
âDu hĂ€ttest auf Madam Pomfrey hören und dich ausruhen sollenâ, tadelte sie ihn nun doch noch etwas, worauf er zwar murrte, sich jeden weiteren Kommentar aber sparte. Stattdessen lieĂ er die kleine, warme Massage mit geschlossenen Augen auf sich wirken, die dann auch die erste Schmerzwelle hinfort trug.
âBesser ?â, erkundigte sich Hermione nach ein paar Minuten. âHmâ, murmelte er und sah sie letztlich wieder an. âDanke. Auch das du. . . Gestern. . . Ich wollte dich nicht irgendwie. . . Also. . . Ich. . .â, wusste er nicht, was er sagen sollte, zumal ihm nach und nach auch wieder einfiel, wie das gestern Abend abgelaufen war. Er hatte sich betrinken wollen, nur hatte ihn Hannah mit ihrer Frage noch mehr aufgewĂŒhlt und alte Wunden aufgerissen, die er noch zusĂ€tzlich durch den Whiskey hatte ertrĂ€nken wollen. SchlieĂlich aber sah er wieder zu Hermione.
âWas ich dir gestern erzĂ€hlt habe, das. . . Sag es bitte niemandem. Ich will nicht, dass das irgendwie die Runde macht und. . .â âDu hast nichts falsch gemacht und dir auch nichts vorzuwerfenâ, unterbrach sie ihn ruhig, was er noch immer anders sah, aber das wĂŒrde vermutlich immer so sein. Dieser Beigeschmack wĂŒrde immer zurĂŒckbleiben, auch wenn Hermione logisch betrachtet sicher Recht hatte. Er fĂŒhlte sich dennoch schuldig.
âMag sein, es Ă€ndert aber nichts an den Tatsachen. Ich will mich nicht mehr mit diesen Dingen befassen mĂŒssen. Verstehst du ?â âVersteh, ich. Ja.â Besser als du denkst, fĂŒgte sie im Geiste noch an, als ihr zwangslĂ€ufig ihre bitteren Erinnerungen wieder im Kopf umher spukten und zudem GĂ€nsehaut der ĂŒbelsten Sorte bescherten. Draco sah es. Dass sie mit ihren Gedanken wegdriftete, aber auch die GĂ€nsehaut auf ihrem Unterarm, ĂŒber den er zögerlich mit den Fingern strich, was sie wieder verstĂ€rkt zurĂŒckholte.
âAlles okay ?â âSicherâ, lĂ€chelte sie etwas. Froh darĂŒber, dass sie allmĂ€hlich wieder normal mit ihm reden konnte. Dass sie sich irgendwie wieder nah sein konnten. Dass er sie wieder stĂ€rker an sich heran lieĂ. Dass sie ihren lieben Freund zurĂŒck bekam. Einfach nur einen Freund, fĂŒr den sie da sein wollte. Dem sie helfen wollte. Ihn unterstĂŒtzen und eben auch stĂŒtzen wollte, was sie damit zu unterstreichen versuchte, indem sie seine Hand ergriff und diese warm umschlossen hielt. Auf den Lippen auch weiter ein warmes, aufmunterndes LĂ€cheln, was er noch etwas verhalten erwiderte.
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Mit einem frischen Kaffee in der Hand, lieĂ sich Daniel in dem weichen Ledersessel in seinem BĂŒro nieder, was ihm Robert Hicks, der derzeitige Leiter des St. Mungos, zur VerfĂŒgung gestellt hatte.
Dieses lag im obersten Stock, war gerĂ€umig, wie auch stilvoll eingerichtet und bot zudem einen atemberaubenden Blick ĂŒber London, den Daniel allerdings nur selten zur Kenntnis nahm, da er sich so gut wie nie in diesem Raum befand. Dass der alte Hicks ihm dennoch dieses schicke BĂŒro gegeben hatte, war kalkuliert, wie Daniel wusste. Der Leiter des St. Mungos versuchte ihn, seit er wieder in England war, dauerhaft fĂŒr das Hospital zu gewinnen, weswegen er ihm diverse Bequemlichkeiten und Ă€hnliches zur VerfĂŒgung stellte. Zwar waren das ganz nette Annehmlichkeiten, jedoch nichts, was Daniel brauchte oder gar wollte.
Er war Heiler geworden, um den Menschen zu helfen und nicht, um sich den ganzen Tag in einem schicken BĂŒro mit irgendwelchen Formularen und AntrĂ€gen oder Ă€hnlichem herumzuĂ€rgern. Dass hatte er Hicks auch schon mehr als einmal gesagt, dass er die NĂ€he zu den Patienten brauchte und wollte, und nicht das. Genauso, dass er definitiv wieder in die USA zurĂŒckgehen wĂŒrde, sobald Charlie die Schule beendet hatte. Trotz dessen wurde Hicks nicht mĂŒde, ihm eine leitende Position im Mungos immer wieder aufs Neue schmackhaft zu machen.
Es klopfte, gefolgt von einem âDr. Harper ?â, was Daniel aufsehen lieĂ. Kurz darauf wurde die TĂŒr geöffnet, in der der dunkelhaarige Schopf von Daisy Shepherd, einer angehenden Heilerin, die Daniel als Assistentin zur Seite gestellt wurde, auftauchte.
âWas gibt es denn ?â, erkundigte er sich freundlich und trat auf die junge Hexe zu, die sehr ambitioniert war und im Gegensatz zu einigen anderen ihres Studienganges, ein aufrichtiges Interesse an den einzelnen Patienten und nicht nur ihrer Karriere hatte.
âIch komme gerade aus dem Labor. Ich dachte, die neuen Befunde von Mrs. Jones interessieren Sie sicherlichâ, erklĂ€rte sie sich und reichte ihm eine braune Mappe, mit den aktuellen Werten der traumatisierten Patientin. âWaren Sie schon bei der Patientin ?â, erkundigte sich Daniel und deutete Daisy ihm zu folgen.
âOh. Nein. Nein, noch nichtâ, entschuldigte sich die junge Frau und wirkte im Kommenden ein wenig verunsichert. âIch dachte, Sie wollten sicher selbst . . . also. . .â âWir machen das zusammen, einverstanden ?â, lĂ€chelte er Daisy zu und ĂŒberflog nochmal die neuen Ergebnisse, die in der Tat hoffen lieĂen. Seine Behandlungsmethode schien bei der Frau langsam anzuschlagen, was sehr erfreulich war.
âStimmt es, dass Sie wieder in die USA gehen werden ?â, erkundigte sich seine Assistentin, als sie sich runter in den vierten Stock begaben und die Abteilung fĂŒr Fluch- und deren FolgeschĂ€den ansteuerten. âDas ist richtig.â âOhâ, entwich es Daisy enttĂ€uscht. âGefĂ€llt es Ihnen bei uns nicht ?â âDaran liegt es nicht, Miss Shepherd. Allerdings habe ich ein kleines Problem damit, wenn ich mehr Zeit damit verbringen muss, mich mit diversem, unnötigen Papierkram herumzuĂ€rgern, als dass ich mich um meine Patienten kĂŒmmern kann. Sie sind schlieĂlich der Grund, warum wir uns diesen Berufszweig gewĂ€hlt haben. Weil wir den Menschen helfen wollen. Zumindest sollten sie der Grund sein. Aber davon einmal abgesehen, habe ich ein Leben in Arizona. Ich habe dort eine wundervolle Verlobte, die ich endlich im kommenden Sommer heiraten möchteâ, lĂ€chelte Daniel, worauf Daisy nickte.
âSobald mein Sohn seine NEWT PrĂŒfungen bestanden hat, werde ich wieder an das St. Augustin zurĂŒckkehren.â âOhâ, entwich es Daisy noch bedrĂŒckter. Daniel aber wusste sie aufzumuntern. âBis dahin gehen aber noch ein paar Monate ins Land. Ich bleibe Ihnen noch etwas erhalten und werde Ihnen so viel meines Wissens vermitteln, wie ich kann. Angefangen damit, dass wir uns mit Mrs. Jones unterhalten.â âDenken Sie, dass sie schon soweit ist ?â âDas gilt es herauszufinden, Miss Shepherd. Aber immer in kleinen Schritten. Die Frau hat ein schweres Trauma durchlebtâ, deutete Daniel ihr nun auf das kleine Zimmer, in dem lediglich ein Bett stand. In diesem lag eine zerbrechlich wirkende Frau, Mitte vierzig mit tiefschwarzen Haaren. Ihre braunen Augen waren eingefallen und wirkten fahl. Unfokussiert.
Daniel wusste aus den bestehenden Krankenakten, dass sie neben einer nach wie vor unbekannten Verfluchung, ein starkes emotionales Trauma aufgrund der Ermordung ihres Mannes und Sohnes hatte. Er war sich sicher, dass das der hauptsĂ€chliche Grund fĂŒr ihre Apathie war. Die Wirkung des Fluches schien diesen Zustand nur noch verstĂ€rkt zu haben.
WĂ€hrend seiner letzten Versuche aber, hatte er der Frau spezifische Regungen entlocken können, die er mit Hilfe diverser TrĂ€nke zu verstĂ€rken wusste, um sie aus ihrem Zustand der Katatonie zurĂŒck ins Leben zu holen. Ein Leben, in dem es noch einen Menschen aus ihrer Familie gab, der eine Bedeutung fĂŒr diese Frau hatte. Genauso umgekehrt. Er könnte damit zwei Menschen helfen und letztlich auch, so hoffte er, ein paar TrugschlĂŒsse und falsche Anschuldigungen widerspruchslos aus der Welt rĂ€umen, woran er selbst wiederum ein sehr groĂes persönliches Interesse hatte.
So gesehen waren es letztlich drei Menschen, die vom Erfolg dieser Behandlung profitieren wĂŒrden. Mutter und Tochter gesundheitlich, Draco gesellschaftlich, denn. . . Auch wenn das Gamot sein Urteil damals im Juni gesprochen hatte, hieĂ das nicht, dass sie nicht auf neue Begebenheiten reagieren wĂŒrden und mussten. Auf neue Beweislagen, die Dracos Schuld weiter minderten und damit vielleicht auch diese dumme BewĂ€hrung gĂ€nzlich aufhoben.
Es wĂ€re zwar nur eine Kleinigkeit, aber manchmal gaben gerade die kleinen Dingen den nötigen Ausschlag. Und in diesem Fall, könnten diese Dinge Draco ein wenig mehr zurĂŒck zu einem normalen Leben verhelfen. Einem Leben ohne Schuld.
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Luna ist auch eine Person, in die ich mich von Anfang an verliebt habe. Sie gibt der Handlung einen wichtigen, neuen Anstrich und sie lÀsst Harry Dinge anders betrachten. Ich war ihr wirklich von Anfang an verfallen.