„. . . HÖRT AUF!“, schepperte es durch den Raum, worauf Draco kerzengerade saß. Er hatte den Zauberstab sofort bei der Hand und sah sich getrieben um. Doch es war niemand bei ihm, der ihm an die Kehle wollte, an die er sich kurz fasste, bis er realisierte, dass er gar nicht selbst geschrien hatte.
„Merlin, das darf doch nicht wahr sein!“, fluchte er, als die einzelnen Strippen in seinem Kopf zusammenliefen. Kurz darauf verschwand er im Schlafzimmer der Gryffindor, die ebenfalls im Bett saß und sich schmerzlich den Kopf hielt. Ihr Top war verschwitzt, wie auch ihr Gesicht, auf dem ein paar frische Tränen schimmerten, was ihn seufzen ließ.
„Hermione?“, rief er die Hexe leise, die fertig zu ihm blickte, als er etwas mehr Licht machte. „Hab ich dich schon wieder geweckt?“ „Schon okay“, meinte er und trat zu ihr, wo er sich auf den Rand des Bettes setzte und sie tröstend zu sich zog.
„Warum hört das nicht auf?“, murmelte sie bitter und kuschelte sich ein wenig an ihn. „Der Krieg?“, vermutete er, worauf sie ein wenig zu lange schwieg, ehe sie leise „Auch“ wisperte, worauf er bitter auf sie sah. „Es tut mir so leid, dass ich nicht früher. . .“ „Nicht! Bitte sag’s nicht“, schniefte sie und verdrückte noch eine Träne.
„Willst du eine heiße Schokolade? Beruhigt die Nerven“, lächelte er, worauf sie knapp nickte und schließlich mit ihm ins Wohnzimmer verschwand, wo er sie auf die Couch verbannte. Dort hockte Crookshanks und streckte sich erstmal genüsslich, bevor er zu seinem Frauchen schlenderte, um sich stattdessen in ihrem Schoß zusammenrollte.
Der Kater lag kaum, den sie dann auch gleich streichelte und kraulte. Das war äußerst beruhigend, genauso sein Schnurren. Kurz darauf kam Draco mit zwei großen Bechern zurück, wo ihrer noch ein dickes Sahnehäubchen zierte, was sie schmunzeln ließ, als sie ihm die Tasse abnahm.
„Danke.“ „Willst du vielleicht reden?“, erkundigte er sich behutsam, worauf sie eine ganze Weile schwieg und etwas an ihrer Schokolade nippte, was durch das Sahnehäubchen nicht ganz ungefährlich war, ehe sie recht leise „Nein“ murmelte.
Daraufhin schwiegen sie sich aufs Neue an, wo sie ihn eine Zeit lang nachdenklich musterte, bevor sie fragte: „Wie machst du das?“ „Was?“ „Du hast doch auch Albträume. Zumindest hattest du sie bis vor kurzem noch. Kannst du sie. . . Ich weiß nicht . . . durch die Okklumentik aussperren?“ „Ich sollte es können, aber ich kann es auch nicht. Nicht mehr. Es ist inzwischen einfach zu viel, als das ich alles wegpacken und verschließen kann.“ „Hast du noch Albträume?“, erkundigte sie sich vorsichtig, worauf er knapp nickte.
„Ja. Und ich will nicht wissen, wie heftig die wären, wenn ich die Tränke nicht hätte.“ „Von Daniel?“ „Hm. Ich soll sie eigentlich nicht ständig nehmen, aber ohne könnte ich überhaupt nicht mehr schlafen. Wahrscheinlich würde ich dich dann aus dem Schlaf brüllen“, lächelte er entschuldigend, worauf sie betreten auf ihre Finger sah, die inzwischen in Crookshanks’ Fell verschwanden.
„Könntest du. . . Könntest du mir vielleicht ein, zwei Phiolen geben?“, hörte sie sich schließlich fragen, den Blick auch weiter auf ihren Kater gerichtet, als er „Nein“ sagte, was sie ein wenig bekümmerte, bis er meinte: „Die Tränke sind wahnsinnig stark, deswegen soll ich sie auch nur in Extremfällen nehmen. Ich weiß nicht, wie sie auf dich wirken. Es ist besser, du lässt dir von Charlie erstmal etwas Mildes geben, falls das so bleibt. Eine Dauerlösung sollte das dennoch nicht sein, wobei. . .“ „Was?“, sah sie ihn wieder an.
„Bis auf gestern und heute war doch nichts. Also. . . Du hast nicht so extrem geträumt, oder?“ „Ja und nein. Es ist manchmal weniger schlimm. Das ist aber eher selten. Auch so. . . Ich schlaf extrem unruhig. Ich werd bei jedem kleinen Geräusch wach. Merlin, ich schlaf durch alles sogar mit meinem Zauberstab unter dem Kissen“, gestand sie ihm bitter, worauf er schwach grinste.
„Ich auch.“ „Wirklich?“, sah sie überrascht zu ihm. Draco nickte. „Immer bereit für einen eventuellen Angriff“, resümierte er geschlagen.
„Ich weiß nicht mehr, wann ich mir das angewöhnt habe. Ich glaube, irgendwann im Fünften“, murmelte er, worauf sie ihn verwirrt ansah.
„Warum im Fünften? Ich mein. . . Da war doch eigentlich noch gar nichts weiter.“ Daraufhin lachte er etwas bitter und sah sie schließlich resigniert an.
„Wirklich? War ER da noch nicht wieder auferstanden?“, hakte er nach, was sie schlucken ließ. Draco sah dann auch auf die inzwischen leere Tasse in seinen Händen, die er ein wenig drehte.
„Wenn du den ganzen Sommer mit diesem Psychopathenverein unter einem Dach schlafen musst. . . Mit IHM. . . Damit rechnen musst, dass einer vielleicht mal seine Laune an dir auslässt, da hättest du dir das auch angewöhnt.“ „Oh Merlin, das tut mir leid. So hab ich das nie gesehen. Ich hätte nicht gedacht, dass dir das . . . das. . .“ „Was? Angst macht? So abgebrüht bin ich nicht, wie ich euch immer weismachen wollte. Es war für mich nur einfacher. Auch so. . . Die Anderen wären misstrauisch geworden, wenn sie gemerkt hätten, dass mich diese Meute verunsichert, obwohl ich eigentlich keinen Grund dazu hätte haben sollen. Aber wie gesagt, ich musste den Sommer mit IHM verbringen.“ Als er sprach, konnte sie deutlich erkennen, wie sich eine feine Gänsehaut auf seinen Armen breitmachte, die sie schlucken ließ, ehe sie ihm wieder in die Augen sah. Sein Blick war teils noch auf die Tasse gerichtet, dann aber doch nicht. Er ging vielmehr ins Leere. In die Vergangenheit.
„Ich hab zu der Zeit etliche Zauber, auch Schwarze, auf mein Zimmer gesprochen, damit niemand rein kommt, wenn ich es nicht wirklich will. Das war mein einziger Rückzugspunkt. Auch so. . . Ich wusste durch Snape und Lucius, dass diese Schlange Legilimentik beherrscht, weswegen ich in dem Sommer vor dem Fünften versucht habe, mir irgendwie selbst Okklumentik beizubringen. Ich hab mir so einen groben Schutz errichten können, bevor Bellatrix mir im kommenden Sommer den Feinschliff mehr oder weniger eingebrannt hat“, murmelte er düster, worauf ihre Hand von selbst den Weg zu seinem linken Arm fand, den sie tröstend, wie auch beruhigend drückte, was ihn wieder in die Gegenwart zurückholte.
„‘tschuldige. Ich war nur. . . Was machen wir denn da jetzt, wegen deines Problems?“ „Was?“, stutzte sie und sah ein wenig irritiert zu ihm auf.
„Du kannst nicht schlafen“, erinnerte er sie. „Zumindest nicht ruhig.“ Daraufhin senkte sie den Blick, der sich abermals auf Crookshanks verlor, der im Gegensatz zu ihr friedlich schlummerte.
„Ich weiß es nicht. Wenn du sagst, deine Tränke sind zu stark für mich. . .“ „Wir können morgen ja mal mit Charlie reden. Er hat sicher das eine oder andere Mittelchen parat“, lächelte Draco aufmunternd, was sie schwach erwiderte, bevor sie den Blick fallen ließ.
Im Grunde da. . . Sie wusste ganz genau, was ihr jetzt hier helfen könnte. Genauso, wie ihr diese Sache schon einmal geholfen hatte. Nur konnte sie das unmöglich sagen und zog Crookshanks nun unwissentlich an den Ohren, wodurch der Kater wach wurde und sie empört ansah. Schließlich sprang er von ihrem Schoß und wackelte ab, sodass sie stattdessen ihre Hände knetete.
„Hermione?“, bohrte Draco, worauf sie ihn wieder ansah. „Versteh das jetzt bitte nicht falsch, aber. . . Ich weiß, dass es eigentlich kindisch ist, nur . . . uhm. . . Wäre es okay für dich, wenn ich . . . ich. . .“ „Was?“, hakte er nach, da ihr ihre Frage oder Bitte offensichtlich unangenehm war. Und das so sehr, dass sie letztlich aufstand und wieder nach oben in ihr Zimmer verschwinden wollte.
„Vergiss es. War ‘ne blöde Idee.“ Damit schob sie sich an ihm vorbei, doch er hielt sie am Handgelenk fest. „Hermione, was? Sag schon, oder muss ich erst in deinem Kopf herumstöbern, um es herauszufinden?“ „Das würdest du nicht machen!“, entwich es ihr geschockt, worauf er durchtrieben grinste.
„Ich war bereits einmal in deinem Wuschelköpfchen und fand es äußerst interessant, wie sehr dich die Erinnerung erfreut hat, als du mich geschlagen hast.“ „Oh Merlin, nein!“, stöhnte sie und lief peinlich rot an, sodass er lachte und sie halb in seine Arme zog.
„Also? Was ist es?“, lächelte er wieder ganz lieb, was es ihr ein wenig leichter machte, dennoch sah sie ihn befangen an.
„Ich denke, es . . . es würde mich beruhigen, wenn ich . . . ich nicht alleine bin und da . . . da. . .“ „Du willst, dass ich bei dir bleibe?“ „Ich. . . ich . . . ja. Bitte“, hauchte sie und sah bittend zu ihm auf. Dabei verdrückte sie ein, zwei Tränen, als sie auf seine Antwort wartete.
„Ich hätte da noch eine andere Idee.“ „Was?“, zitterte ihr Stimmchen, da sie ihre Hoffnung auf Nähe davon schwimmen sah.
„Du schläfst bei mir im Zimmer. Dann kannst du dich in dein eigenes Reich flüchten, falls ich schnarchen sollte oder so“, grinste er. Hermione fielen auf den Vorschlag wiederum 100’000 Steine von der gequälten Seele, dem nochmal die gleiche Menge folgte, als er sie warm, wie auch fest umschloss.
„Danke. Du machst dir keine Vorstellung, wie sehr mir das helfen würde“, flüsterte sie gegen seine warme Brust, während er sie auch weiter hielt und ihr etwas über den schmalen Rücken strich.
„Ich denke, da irrst du dich“, gab er ihr beruhigend zurück. Als sie ihn wieder ansah, lächelte er liebevoll. „Ich glaube, mir würde es auch sehr helfen.“ „Ja?“ „Hm. Dann komm mal mit in mein Reich“, schmunzelte er und zog die kleine Löwin die Treppen hoch.
Dort verschwand sie, noch etwas peinlich berührt, mit ihm in seinem Zimmer. In diesem angelangt verstand sie dann auch, was er zuvor wegen der Tränke gemeint hatte. Seine Decke war total zerwühlt, genauso wie eins seiner Kissen nicht im Bett, sondern am Fuße des Spiegels lag, was er sich gleich schnappte und ans Kopfende warf.
„Rechts oder links?“ „Was?“, stutzte sie und sah auf. „Auf welcher Seite schläfst du lieber?“ „Ähm. . . Links. Aber wenn du. . .“ „Perfekt. Ich rechts“, grinste er, was sie wieder schüchtern lächeln ließ, als sie auf das kleine Podest trat.
Ein wenig seltsam war und blieb es ihr dennoch, sich einfach zu ihm ins Bett zu legen. Allerdings hatte sie erstens nichts Unanständiges vor und war zweitens jetzt ja wieder eine freie Frau. Da war es egal, bei wem sie im Bett lag. Das hatte niemanden zu kümmern, außer sie selbst, womit sie sich in eines der weichen Kissen kuschelte und unter der warmen Decke leicht zusammenrollte. Nur einen Moment später, kroch der Blonde ebenfalls unter diese. Er löschte dann nur noch das Licht, sodass lediglich der weiße Mond den Raum schwach ausleuchtete.
„Noch einen Wunsch, kleine Löwin?“, fragte er und hatte dabei wieder ein neckisch schiefes Grinsen auf den Lippen, was sie zart rot werden ließ.
„Hab ich, ja. Nur, wenn es dich nicht stört?“ „Was?“ Daraufhin überlegte sie, wie sie sich am besten ausdrücken oder erklären sollte, nur fiel ihr nichts ein, was nicht genauso peinlich wäre, als wenn sie es einfach tat.
„Das“, flüsterte sie und rückte ganz zu ihm auf, sodass sie sich, wie letzte Nacht, richtig an ihn kuscheln konnte. Sein Grinsen wurde damit noch mehr und trieb Hermione zusätzlich die Schamesröte ins Gesicht, was er im Halbdunkel aber nicht weiter sah.
„Nein, stört mich nicht“, gab er ihr ruhig zu verstehen und tat das Einzige, was er tun konnte und worauf sie insgeheim gehofft hatte. Nämlich sie fest in die Arme zu nehmen und einfach nur warm und beruhigend zu halten.
„Danke“, flüsterte sie gegen seine Brust und schloss ergeben die Augen. Die Gewissheit im Hinterkopf, nicht allein zu sein, was er mit einer kleinen Geste sogar noch etwas zu bekräftigen wusste.
„Gerne“, hauchte er und küsste sie sanft auf die Stirn, bevor er sich seinerseits mehr als zufrieden in ihren Schopf kuschelte und wie Hermione das erste Mal seit langem relativ ruhig schlief.
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„HERMIONE!“, schallte es mit heller Begeisterung durch die Große Halle, kaum dass die Gryffindor einen Fuß in diese gesetzt hatte und damit bereits den Drang in sich verspürte, kehrtzumachen. Dann entdeckte sie Blaise, der freudestrahlend auf sie zukam und sie nicht nur in die Arme schloss, sondern hoch hob.
„Oh du meine allerliebste Gryffindor Prinzessin. Warum hast du uns das gestern Abend nicht gesagt?“ „Was gesagt?“, brachte sie verwirrt heraus, als er sie wieder auf dem Boden abgesetzt hatte und guckte auch so. Draco ähnlich, der keine Ahnung hatte, was in seinen Freund gefahren war.
„Was wohl? Merlin, die Porträts pfeifen es bereits durch die Gänge“, erklärte er, was den Beiden dennoch nicht half, sodass sie sich ratlose Blicke zuwarfen. Blaise rollte daraufhin mit den Augen und zog sich die Zwei ran. Im nächsten Moment hing er zwischen ihnen.
„Ich rede davon, dass du das Wiesel endlich, endlich abgeschossen und zum Abschied auch noch richtig zur Sau gemacht hast! Das ist die allerbeste und klügste Entscheidung, die du je in deinem Leben getroffen hast. Merlin, das gehört gefeiert. Heute Abend 20:00 Uhr im Raum der Wünsche?“, legte er grinsend fest, worauf Hermione mit den Augen rollte.
War ja klar, dass ihm diese Neuigkeit gefiel, so sehr wie er immer darauf gepocht und gedrängt hatte, sie solle sich von Ron trennen.
Draco blinzelte kurz überrascht, bevor er zufrieden, wie auch vorfreudig grinste. Das hieß, er hatte endgültig freie Bahn, um sich ihr so anzunähern, wie er das wollte, ohne, dass sie ein schlechtes Gewissen oder dergleichen haben müsste. Sie war wieder richtig frei und konnte somit tun und lassen, was sie wollte.
So verloren sich seine Gedanken kurzzeitig auch bei letzter Nacht, als sie neben ihm eingeschlafen war und dann auch wirklich ruhig geschlafen hatte, soweit er das beurteilen konnte. Als er vor gut einer Stunde neben ihr aufgewacht war, ohne störenden Blaise, hatte sie ein seliges Lächeln auf den Lippen gehabt.
Sie hatte noch geschlafen, sodass er Zeit genug hatte, sie in aller Ruhe zu mustern. Dabei hatte er jedes noch so kleine Detail in sich aufgenommen, während ihr warmer Atem ihn sanft auf der Brust gekitzelt hatte. Es war ihm wie ein Traum gewesen, bis sie müde geblinzelt und ihn, nach kurzer Verwirrung, schüchtern angelächelt hatte.
Das alles, es war etwas, was er von jetzt an am liebsten jeden Abend und Morgen genießen wollte. Er hoffte inständig, dass das letzte Nacht keine einmalige Sache war. Dass sie auch weiter seine Nähe suchen würde.
„Lass uns erstmal frühstücken und danach erklärst du mir, was genau gepfiffen wird“, legte Hermione fest und verschwand, nachdem sie Harry und die Anderen begrüßt hatte, zu den Schlangen, um den restlichen Schülern nochmal zu zeigen, dass die Jungs harmlos waren. Die nahmen es freudig zur Kenntnis und machten sich schließlich über ihr Frühstück her, als die Eulen kamen.
Hermione bekam wie immer den Daily Prophet, in dem sie gleich zu lesen begann, während sie zeitgleich ihr Rührei würdevoll zu sich nahm. Kurz darauf platschte etwas, als vor Draco ein Brief in dessen Rührei landete, was Blaise lachen ließ.
„Zielen hat die nicht wirklich gelernt.“ Der Blonde murrte nur etwas von wegen „Mein schönes Frühstück“, als er den Brief aus seinem Essen fischte und erstmal sauber hexte. Die Übrigen kümmerten sich nicht darum, sondern widmeten sich mehr ihrer Mahlzeit, während Draco den Brief umdrehte, um zu sehen, wer ihm schrieb. In der nächsten Sekunde wurde er kalkweiß, als er das Siegel auf dem Brief erkannte, mit dem ihm schlagartig jeglicher Appetit verging.
„Was’ denn los?“, fragte Blaise, bekam aber keine Antwort. Stattdessen fing sein Freund an zu zittern, den Blick auch weiter auf den Brief geheftet, als man Tonks vorn am Lehrertisch fluchen hörte „Das darf doch nicht wahr sein!“, die, ebenfalls ein Pergament in der Hand, zu McGonagall eilte und ihr dieses reichte.
„Was ist denn dort los?“, murmelte Charlie und schob sich seine Gabel wieder in den Mund. Kurz darauf klirrte es auch an ihrem Tisch, als Draco ruckartig aufstand. Den Brief hielt er dabei fest umklammert, auf den Hermione noch einen flüchtigen Blick hatte werfen können, ehe der Blonde aus der Halle flüchtete.
„Ey, Draco!“, rief Blaise ihm noch nach, doch er reagierte nicht und war wenig später durch das große Eichenholzportal verschwunden.
„Was zum. . .“, murmelte Blaise und wollte ihm folgen, Hermione hielt ihn jedoch fest und meinte ernst: „Lass mich“, bevor sie ebenfalls aus der Halle verschwand. Und das mit einem zunehmend unguten Gefühl, denn sie hatte das Siegel erkannt, genauso wie Draco wusste, woher der Brief rührte. Nämlich aus dem Zauberministerium. Und das konnte definitiv nichts Gutes bedeuten.
„Draco?“, rief sie in den Gang hinein, bekam allerdings keine Antwort. Auch so. . . Sie hatte keine Ahnung, wo er hingestürzt war, und lief ziellos rufend durch die Flure, bis ihr der Geist des Fetten Mönchs begegnete.
„Alles in Ordnung, Kindchen?“, erkundigte er sich fromm, worauf sie zu ihm blickte. „Haben Sie Draco gesehen?“ „Bedaure, nein. Aber vielleicht eines der Porträts?“, deutete er ihr auf diese, die sie stattdessen fragte.
Bei der dritten Hexe hatte sie Glück. Diese verwies Hermione auf den dritten Stock in den Nordflügel, wo sie ihn aus einer ihrer anderen Behausungen gesehen hatte.
Die Löwin bedankte sich und verschwand in den besagten Stock, wo sie ihn nach kurzem Suchen tatsächlich in einer der vielen Fensternischen entdeckte. Dort hockte er zusammengesunken auf dem Boden, das Pergament schwach in den Fingern, und starrte mit leeren Augen ins Nichts.
„Draco?“, rief sie ihn behutsam, allerdings reagierte er in keiner Weise, sodass sie sich vorsichtig den Brief nahm und den Inhalt überflog.
Sehr geehrter Mr. Malfoy,
der Hohe Rat des Zaubergamots fordert Sie hiermit dazu auf, sich am Montag, den 11.09.1998 um 13:00 Uhr im Zauberministerium, in der Abteilung für Strafverfolgung Zimmer 2112, zu einer Anhörung einzufinden.
Gegenstand der Anhörung ist der von Ihnen brutal verübte Übergriff, auf Mr. Frank Nicklaus Gibson, stattgefunden am Samstag den 09.09.1998, gegen 14:00 Uhr im Zaubererdorf Hogsmeade. Der Übergriff auf Mr. Gibson gilt als grober Verstoß der Ihnen auferlegten Bewährungsauflagen.
Sollte sich der so deutliche Vorwurf eines Verstoßes bestätigen, erlischt augenblicklich Ihre Bewährung der 5 Jahre, die Sie im Kommenden in Azkaban zu tilgen haben.
Mit freundlichen Grüßen
Belinda Zemeckis
„Ich bin erledigt“, murmelte er tonlos, kaum dass Hermione zu Ende gelesen hatte.
„Das bist du nicht.“ „Sie werden mich wieder einsperren“, murmelte er auch weiter abwesend, während etwas in seinen Augen aufflackerte, was Hermione extrem unruhig stimmte. Da war nicht nur Angst und Panik, sondern noch etwas anderes, was absolut nichts Gutes bedeutete.
„Das werden sie nicht. Das ist nur eine Anhörung, keine Verurteilung“, appellierte sie an ihn, worauf er zittrig wisperte: „Kommt doch aufs Gleiche raus, egal wie die es umschreiben. Sie werden kurzen Prozess mit mir machen und mich wieder einsperren.“ „Das werden sie nicht. Sie. . .“ „Ich geh nicht zurück in dieses Loch. Vorher verfluch ich mich selber“, unterbrach er sie zittrig, was sie hart schlucken ließ, denn diese Androhung glaubte sie ihm aufs Wort. Am Ende ließ sie sich neben ihm nieder und zog ihn fest, wie auch beruhigend zu sich zog.
„Hör auf. Denk so etwas nicht mal“, sprach sie ihm ruhig zu und rieb ihm tröstend über den Rücken, während er sich zitternd an ihr festklammerte.
„Ich hab Angst“, gestand er ihr schmerzlich, worauf sie ihre Umarmung noch etwas verstärkte und ihm auch weiter beruhigend über den Rücken und durch die Haare strich.
„Ich werde nicht zulassen, dass sie dich wegbringen. Ich lass dich nicht im Stich. Ich lass mir meinen Freund nicht wegen so eines miesen Arschlochs wegnehmen. Du hast nichts falsch gemacht, Draco. Rein gar nichts. Denk das nicht einmal“, hauchte sie und wiegte ihn in ihren Armen, als Tonks leicht gehetzt auftauchte und sich, auf den Anblick der Beiden, erleichtert zu ihnen in die Hocke sinken ließ.
„Hier seid ihr!“, stieß sie aus, während ihr Blick auf das Pergament und damit die Vorladung zu der Anhörung fiel, was sie sich kurzerhand nahm und in ihrem Umhang verstaute.
„Draco? Hey, komm. Lass dich davon jetzt nicht fertigmachen. Ich habe Remus vor ein paar Minuten eine Nachricht geschickt, dass er eure Freunde von Samstag dazu holt. Als Zeugen. Sie haben gesehen, was wirklich los war. Dass es Notwehr war, so wie ich es in meinem Bericht geschrieben habe. Du hast nichts falsch gemacht, glaub mir. Wir werden nicht zulassen, dass sie dir schaden. Hast du verstanden? Nach der Anhörung verschwinden wir wieder nach Hogwarts. Und zwar mit dir. Hörst du?“, beschwor sie ihn, worauf er nicht reagierte und sich stattdessen weiter an Hermione klammerte, die er nicht verlieren wollte. Am Allerwenigsten so und vor allem nicht jetzt, wo sich das Fenster für ihn geöffnet hatte.
„Es wird alles gut“, flüsterte Hermione, zu der Tonks gleich sah. „Ihr geht jetzt erstmal ganz normal in euren Unterricht. Nach dem Mittagessen verschwinden wir zusammen ins Ministerium und klären das. Minerva wird uns begleiten“, erklärte Tonks, worauf Hermione nickte und sich wieder an ihren Freund richtete.
„Willst du noch schnell etwas essen bevor wir. . .“ Doch da schüttelte er bereits mit dem Kopf und machte sich etwas schwerfällig von Hermione los. Dass ihm der Appetit vergangen war, konnte sie sich denken. Er war auch noch immer kalkweiß, worauf sie ihm beruhigend über die blasskalte Wange strich.
„Oder willst du dich lieber bei Madam Pomfrey hinlegen?“, schlug sie ihm eine Alternative vor, doch er schüttelte abermals knapp mit dem Kopf, sodass sie ihm auf die Füße half und schließlich Flitwicks Klassenzimmer ansteuerte. Tonks’ besorgten Blick verstärkt im Nacken.
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„. . . Merlin, ich kann das noch immer nicht fassen!“, ereiferte sich Minerva wütend in ihrem Büro, dem Albus, Severus und Tonks mit Blicken folgten.
„Wie ernst ist die Lage wirklich?“, erkundigte sich Snape beunruhigt. „Sehr ernst. Ich fürchte, es wird schwer werden, den Rat davon zu überzeugen, dass er tatsächlich aus Notwehr gehandelt hat. Und selbst wenn, obliegt es dennoch deren Wohlwollen, ob sie ihm sein Handeln nachsehen.“ „Aber er hat nichts falsch gemacht!“, beharrte Tonks darauf, in der immer mehr die Wut darüber hochkochte, dass Dracos Schicksal irgendwo vielleicht einfach nur davon abhing, ob die zuständigen Mitglieder mit dem richtigen Fuß aufgestanden waren und gute Laune hatten.
Kurz darauf stiegen unverhofft grüne Flammen in Minervas Kamin auf, in dem der Kopf einer älteren Hexe auftauchte, auf die Minerva und Tonks irritiert sahen.
„Minerva McGonagall?“, fragte die Hexe über ihre Brille hinweg, worauf die Direktorin vor trat. „Vor Ihnen. Und Sie sind?“ „Bellinda Zemeckis. Beauftragte für Straftäter. Bitte öffnen Sie den Flohzugang zu Ihrem Kamin. Bei mir sind zwei Herren der Strafverfolgung, die wegen Mr. Malfoy kommen.“ „Das wird nicht nötig sein. Seien Sie versichert, er wird um 13:00 Uhr im Ministerium sein.“ „Deswegen kommen die Herren. Der Termin wurde vorverlegt“, erklärte die Dame kühl, worauf Tonks der Kiefer runter klappte.
„Wie bitte?“ „Eine Verhandlung wurde soeben abgesagt, sodass wir jetzt um 9:00 Uhr bereits Zeit für die Malfoy Anhörung haben.“ „Aber. . .“, entwich es Tonks bleich, zu der die Dame im Kommenden sah.
„Der Rat ist sehr beschäftigt. Sie sollten lieber dankbar sein, dass man diesem Straftäter überhaupt die Möglichkeit einer Erklärung einräumt!“, gab sie Tonks mit gerümpfter Nase zu verstehen, in der es aufs Neue gefährlich brodelte, sodass sich ihr Haarschopf tief rot verfärbte.
Minerva kam der Aufforderung der Ministeriumshexe dann auch nach und öffnete ihren Kamin. Kurz darauf verschwand der Kopf der Hexe. Stattdessen stiegen grüne Flammen hell auf, aus denen zwei bullige Männer traten, die Minerva und Tonks grimmig musterten.
„Wo ist der Verbrecher?“, fragte einer, ohne ein Wort der Begrüßung. „Im Unterricht.“ „Warum ist er nicht weggesperrt?“, motzte der andere barsch, was Minerva empörte.
„Weil er ein Schüler ist und kein Schwerverbrecher!“ „Pft. Ein dreckiger, kleiner Death Eater ist er, der bis jetzt mehr Glück als Verstand gehabt hat. Mehr nicht!“, schnarrte der Zweite.
„Meine Herren, ich möchte Sie bitten, derartige Äußerungen zu unterlassen!“, mischte sich Albus in das Gespräch ein, zu dem die Vier sahen. Die beiden Männer etwas verwundert. Mehr noch als er weiter meinte: „Draco ist unverschuldet in diese Sache hineingeraten. Und soweit ich richtig informiert bin, wurde diese Tatsache bereits mehr als deutlich bewiesen.“ „Albus hat Recht. Und diese Sache am Samstag war reine Notwehr. Davon abgesehen, hat der Junge keinerlei Magie angewandt“, klinkte sich Minerva mit ein, zu der die Männer überheblich sahen.
„Es wird sich noch zeigen, wie unschuldig er in den Augen des Rates ist. Also? Wo ist er?“ „Ich sagte doch schon, im Unterricht!“, wiederholte Minerva mit unterdrücktem Zorn.
„Na dann wollen wir ihn mal holen“, grinsten sich die beiden Männer hämisch an, was Minerva und Tonks nichts Gutes ahnen ließ.
„Ich werde ihn holen!“, herrschte Minerva die Gorillas an, die wenig angetan von ihrem Vorschlag waren. „Wir begleiten Sie. Nicht das er Sie rein zufällig überwältigt und flieht, um seiner gerechten Strafe zu entgehen.“ „Er hat nichts verbrochen!“, stellte Minerva nochmal klar und verschwand letztlich mit den Männern aus ihrem Büro, in dem Tonks noch einen Moment blieb und eilig ihren Patronus beschwor, um Remus die veränderten Begebenheiten mitzuteilen. Dass er sofort mit Katie und Marcus ins Ministerium kommen musste, sonst würde es ein Unglück geben.
Kaum, dass sie ihren Schutzgeist abgesetzt hatte, folgte sie Minerva die Treppen runter zu Flitwicks Klassenzimmer, wo die Direktorin die Männer von der Strafaufsicht warnend anherrschte: „Sie warten hier!“, die ein wenig schnaubten, allerdings brav bei Tonks stehen blieben, die sie ihrerseits, mit verschränkten Armen, mit Blicken lynchte.
Indes war Minerva am Klassenraum für Zauberkunst und klopfte kurz. Keine Minute später tauchte Filius an der Tür auf, während die Schüler teils neugierig die Köpfe hoben. Und das sogar noch etwas mehr, als die Direktorin eintrat und ihr Blick in die hinterste Reihe direkt auf Draco fiel. Der schluckte heftig, während Hermione unter dem Tisch beruhigend seine Hand drückte.
„Mr. Malfoy? Ich müsste Sie sprechen.“ Scheiße. . . „Sie auch, Miss Granger“, setzte Minerva gleich nach und fing sich einen fragenden Blick von Professor Flitwick ein.
„Geht das nicht später?“ „Leider nein.“ Damit trat Minerva aus dem Zimmer, dem die beiden Schulsprecher folgten. Draco noch blasser als ohnehin schon. Diese Tatsache wurde ungleich schlimmer, als sie sich der Tür näherten, denn von vorn konnte man deutlich sehen, dass zwei kräftige Männer in Ministeriumsroben draußen warteten, was die ersten in der Klasse neugierig tuscheln ließ.
In Hermiones Innern begann es auf den Anblick gefährlich zu rumoren. Sie nahm sich dann gleich wieder Dracos Hand, die plötzlich eiskalt und verschwitzt war. Mit dieser zerdrückte er Hermiones Finger förmlich, der allerdings kein Ton über die Lippen kam.
Stattdessen versuchte sie seine Hand, so gut es ging, beruhigend mit dem Daumen zu streicheln. Aber auch das half nicht sonderlich viel, als die Tür des Klassenzimmers hinter ihnen geschlossen wurde und sie mit den Männern, Tonks und Minerva auf dem Gang standen. Diese zogen sofort ihre Zauberstäbe, um Draco richtig in Gewahrsam zu nehmen, worauf sich die drei Frauen schützend vor ihn schoben.
„Die können Sie gleich wieder wegstecken! Derartige Maßnahmen sind nicht nötig!“, fuhr die Direktorin die Männer harsch an, die nur schnaubten. „Vorschrift, Professor.“
„Ich denke, es reicht, wenn Dra- Mr. Malfoy. . .“, korrigierte Tonks sich rasch. In den Augen ein dunkles Funkeln, die mittlerweile schwarz erschienen. „. . . mir vorübergehend seinen Zauberstab aushändigt, bis die Anhörung vorbei ist.“ „Den wird er dann ohnehin eine ganze Weile nicht mehr wiedersehen“, grinste einer der beiden Typen dreckig.
„Das wird sich noch zeigen, meine Herren“, erwiderte Minerva kalt, während sich Tonks zu Draco drehte, der sie bleich ansah. Sie lächelte jedoch aufmunternd.
„Katie und dein Freund Flint sind auch noch als Zeugen da. Mach dir keine Gedanken“, flüsterte sie ihm zu und steckte seinen Zauberstab erstmal ein, bevor sie sich mit den kalten Augen zu den Männern drehte.
„Können wir dann? Ich denke, wir haben alle ein großes Interesse daran, dass dieser Unfug ein Ende nimmt!“, zischte Tonks, worauf sich einer der Männer mit Minerva vornweg in Bewegung setzte, während Tonks Draco zur Linken, Hermione zur Rechten flankierte, wo sie seine Hand auch weiter in ihrer hielt. Das Schlusslicht bildete der zweite Mann.
So verschwand die kleine Prozession in Minervas Büro, über deren Kamin direkt ins Ministerium. Dort suchten sie sich ihren Weg über einen der Fahrstühle in den zweiten Stock. Zu Dracos minimaler Erleichterung, steuerten sie, wie beschrieben, keinen der kalten Verhandlungssäle an, wo sonst die Prozesse stattfanden, sondern näherten sich stattdessen einem der Vernehmungsräume.
Vor diesem standen, zwar ein wenig gehetzt, aber dennoch wie versprochen, Katie und Marcus zusammen mit Remus. Aber auch die rosa Kröte sah er, die mit dem Arschloch Gibson hitzig diskutierte, während sie immer mal aufgebracht auf Katie und Marcus deutete.
Schließlich hob sie den Kopf und bemerkte die Neuankömmlinge, die sie kurz mit einem überheblichen Blick bedachte. Im nächsten Moment verschwand sie mit Gibson, der Draco einen tödlichen Blick zuwarf, als Erste in dem Zimmer, auf welches der Slytherin unsicher sah.
„Damit kommt Umbridge nicht durch. Mach dir keine Gedanken“, meinte Remus aufmunternd, der Dracos Blick bemerkt hatte. Dieser sah zu dem ehemaligen Hogwartsprofessor. Und das alles andere als überzeugt. Minerva stimmte dem aber auch noch zu.
„Remus hat Recht. Sie haben sich nichts vorzuwerfen, Draco. Merlin allein weiß, was passiert wäre, hätten Sie nicht eingegriffen“, resümierte Minerva, als noch jemand zu der kleinen großen Gruppe stieß.
„Bin ich zu spät?“, fragte Nate Brigson ein wenig außer Atem in die Runde, bevor er auf seine Uhr sah. „Nate!“, stieß Hermione überrascht aus, ebenso wie Katie erstaunt guckte. Dracos Blick war eher misstrauisch, während Marcus etwas die Nase rümpfte.
„Was machst du hier?“, erkundigte sich Hermione verwundert, zu der sich der ehemalige Gryffindor drehte. „Remus meinte, es wäre ganz gut, wenn wir die Sache mit dir nochmal kurz aufrollen, um deutlich zu machen, dass es nicht das erste Mal war, das der Typ handgreiflich geworden ist. Dass der kein so friedliches Lämmchen ist, hatten wir vor ein paar Wochen ja bereits angebracht.“ „Hm“, brummte Hermione, bevor sie zu Draco sah.
„Lass dir von denen nicht das Wort im Mund umdrehen. Du hast nichts falsch gemacht“, hielt sie ihn nochmal ruhig an, was ihn dennoch nicht beruhigte.
„Fragt sich nur, ob die das auch so sehen“, murmelte er dünn, mit belegter Stimme. „Das kriegen wir denen schon klar gemacht. Es steht das Wort von vier gegen einen“, stimmte Katie mit ein, was Marcus akribisch benickte. „Genau! Ich hab zwar bloß den Schluss mitbekommen, aber der war deutlich“, knurrte er.
„Herrschaften, wir wollen mit der Anhörung beginnen! Wenn Sie so freundlich wären?“, zischte eine der Vorsitzenden, da sie sich noch nicht in die Räumlichkeiten bequemt hatten.
Auf den bissigen Kommentar verschwand die Gruppe ebenfalls in dem zwielichtigen Raum. Dort hatten sich auf der rechten Seite, an einem Tisch hinter einer schwarzen Marmorbalustrade, Umbridge und Gibson platziert, die das Grüppchen um Draco argwöhnisch musterten.
Diese nahmen alle auf der linken Seite Platz, während man Draco den Stuhl in der Mitte zuwies. Zwischen den beiden Seiten, etwas erhoben, saßen fünf Ratsmitglieder des Gamots. Unter ihnen war auch Tiberius Ogden, was Hermione ein wenig erleichterte. Der alte Zauberer würde sicher auf ihrer Seite sein und sie unterstützen. Die Übrigen hingegen. . .
Sie konnte sich nicht an alle Gesichter aus der Hauptverhandlung erinnern, zwei der Fünf sahen jedoch alles andere als freundlich aus. Im Gegensatz zu den restlichen Drei, waren die Frau und der Mann auch um einiges jünger. Vielleicht 40. In den hellen, bernsteinfarbenen Augen der Beiden spiegelte sich zudem deutlich der Unmut, wie auch eine gewisse Abneigung wieder, als ihre Blicke über Draco glitten. Schließlich wurde die Tür geschlossen und der Mittelste der fünf Ratsmitglieder erhob sich.
„Der Ausschuss des Hohen Rates hat sich heute hier zusammengefunden, um in einer Anhörung darüber zu entscheiden, ob ein Verstoß gegen die Bewährungsauflagen von Draco Lucius Malfoy vorliegt.“ Damit nahm der Mann wieder Platz, wo sich im Gegenzug Umbridge zu Wort meldete.
„Das ist ja wohl offensichtlich!“, mokierte sie und fixierte den Blonden süßlich lächelnd. „Es hat sich nun, keine zwei Wochen nach Ihrer, wie ich sagen möchte, unrechtmäßigen Entlassung aus der Haft Azkabans, recht deutlich gezeigt und bestätigt, dass Sie äußerst gewaltbereit sind und damit ein nicht einschätzbares Risiko für die Allgemeinheit, wie auch Öffentlichkeit darstellen. Meiner Meinung nach ist es die reinste Zeitverschwendung, wie auch ein Frevel der redlichen, ehrwürdigen magischen Gesellschaft gegenüber, hier darüber zu diskutieren, ob ein Verstoß vorliegt. Dem ist so, verehrte Ratsmitglieder!“, sah sie zu den Fünf, wo die beiden Jüngeren bereits nickten, worauf es in Hermione brodelte.
„Das ist Ihre Ansicht, Mrs. Umbridge. Wie sich aber schon während der Hauptverhandlung gezeigt hat, sind die Dinge nicht immer so, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Ich denke, es ist nur gerecht, wenn wir uns auch Mr. Malfoys Sichtweise anhören“, meinte Tiberius und bedachte ihre Seite mit einem kleinen Lächeln. Umbridge nahm es pikiert hin.
„Wie Sie meinen. Allerdings habe ich meine Zweifel daran, wie Mr. Malfoy es zu rechtfertigen weiß, dass er Mr. Gibson, äußerst brutal muss ich sagen, zusammengeschlagen hat. Er hat dem armen Mann die Nase mehrfach gebrochen, die sich nicht mehr richten ließ, was ihm nun Probleme beim Atmen bereitet. Ebenso hat er ihm das Jochbein zertrümmert und wäre zweifelsfrei zu noch mehr fähig gewesen. Mr. Gibson konnte sich dann aber glücklicherweise vor diesem Monster flüchten“, ätzte sie.
„Stimmt es, dass Sie Mr. Gibson zusammengeschlagen haben?“, sah die jüngere Frau über ihre Brille hinweg argwöhnisch auf Draco herab. Der wusste nicht, was er sagen sollte und nickte so kaum merklich, was sich Umbridge zufrieden besah.
„Wenigstens besitzen Sie noch etwas Schneid und geben es zumindest zu!“ „Um diese Tatsache allein zu klären, sind wir aber nicht hier!“, mischte sich Tiberius erneut dazwischen und sah nun seinerseits zu Draco. In den Augen ein beruhigendes Lächeln, was er momentan nicht mit den Lippen widerspiegeln konnte.
„Ich gehe doch davon aus, dass Ihre Tat einen plausiblen Grund hatte?“ „Oh bitte“, schnarrte Umbridge und fing sich so einen bösen Blick von Tiberius ein, sodass sie die Lippen zu einem Strich zusammenpresste, während Tiberius wieder zu Draco sah.
„Erklären Sie bitte Ihre Beweggründe“, wies er ihn an, worauf er leise, wie auch leicht tonlos von dem Samstagnachmittag berichtete, wie er sich für ihn abgespielt hatte. Die Auseinandersetzung mit Entwhistle und Fletchley verschwieg er allerdings. Immerhin reichte ein Problem für den Anfang. Als er fertig war, schnaubte Umbridge empört.
„Haltlose Unterstellungen!“, warf sie in den Raum, was Tiberius süffisant lächeln ließ. „Dann sollten wir die beiden Damen vielleicht kurz zu Wort kommen lassen. Miss Granger?“, sah er zu Hermione, die den Platz mit Draco tauschte und 1 zu 1 ihre Geschichte wiedergab. Dem folgte Katie, die ja knapp hinter Draco war und so noch gesehen hatte, wie sich Gibson über Hermione gebeugt und sie grob bei den Haaren ergriffen hatte. Auf Katies Anmerkungen schaltete sich auch noch Nate mit ein und reichte den Mitgliedern die arbeitsinterne Anhörung Gibsons, was sein drohendes Verhalten und die offensichtliche Gewaltbereitschaft gegenüber Hermione in Azkaban betraf. Hinzu kamen seine anderen Delikte, was die Gryffindor noch einmal bestätigte. Letztlich konzentrierte man sich wieder auf Draco.
„Würden Sie uns kurz Ihren rechten Arm zeigen, Mr. Malfoy?“, forderte der jüngere Zauberer. Draco verstand zwar nicht, was er damit bezweckte, wickelte sich dann aber den Verband ab und offenbarte den fünf Ratsmitgliedern die noch immer roten Striemen. Die Macke in seinem Gesicht war dank Daniels Mitteln bereits verheilt.
„Das hat er sich doch selbst zugefügt! Als Alibi!“, ätzte Umbridge, worauf der junge Zauberer seinen Zauberstab zückte, auf Dracos Verletzung deutete und ein paar Worte murmelte. Kurz darauf erhoben sich aus den Striemen schwarze Nebel, die den Blonden schmerzvoll zischen ließen, als mit diesen ein brennendes Feuer durch die Wunde kroch.
„Draco!“, keuchte Hermione und war bereits auf dem Sprung. Remus hielt sie allerdings zurück. Als sie zu ihm sah, schüttelte er knapp mit dem Kopf und blickte wieder nach vorn. Dort hatte der Zauberer seinen Zauberstab gesenkt und mit einem neuen Schlenker einen frischen Verband heraufbeschworen. Im Anschluss sah er zu Umbridge. Und das ungehalten.
„Es handelt sich bei der Wunde zweifelsfrei um eine starke, schwarzmagisch hervorgerufene Verfluchung. Hätte Mr. Malfoy sich diese selbst zugefügt, wie Sie vermuten, hätten wir eine Meldung über das Bannarmband bekommen“, deutete der Zauberer auf Dracos rechtes Handgelenk, um das nach wie vor dieses pulsierende Armband lag.
„Offensichtlich hat er den Zauber dann übergangen oder sonst wie lahmgelegt. Mit schwarzer Magie ist er immerhin bestens vertraut.“ „Ausgeschlossen“, blieb der Mann allerdings bei seiner Meinung.
„Dann hat den Fluch jemand anderes für ihn gesprochen, damit er sich als Opfer hinstellen kann!“, argumentierte Umbridge hartnäckig und taxierte schließlich Hermione.
„Miss Granger scheint mir in dieser Sache ohnehin recht befangen zu sein. Wahrscheinlich hat sie sich diese Geschichte erdacht, um Ihren Freund. . .“, ätzte sie. „. . . als unschuldiges Opfer hinzustellen. Ich beantrage, sie ihrer Aussage zu entheben!“ „Also das ist doch. . .“, empörte sich Minerva, während es in Hermione brodelte, die dann aber tief Luft holte. Kurz darauf kam ihr ein tückischer Gedanke, mit dem sie Umbridge schon zur Hauptverhandlung hatte 1A in die Parade fahren können.
„Sie wollen also sagen, meinem Wort kann man nicht glauben?“ „Sie sind befangen!“, wiederholte Umbridge, worauf Hermione leicht nickte.
„Wenn Sie es als befangen ansehen, weil ich meinem Freund helfen möchte, da er erneut durch die Lügen anderer in Verruf gebracht wird, würde ich dem Hohen Rat gerne einen Vorschlag machen, der uns zur Hauptverhandlung bereits recht dienlich war.“ „Der da wäre?“, sah Tiberius spitz schmunzelnd zu ihr. Hermione blickte allerdings zu Umbridge, als sie ihre Idee anbrachte.
„Wenn ich mir diese Geschichte, Ihrer Meinung nach, lediglich erdacht habe, haben Sie und Mr. Gibson sicherlich kein Problem damit, dem Rat das Gegenteil zu beweisen, indem Sie ihnen Ihre Erinnerungen an diesen Nachmittag zur Verfügung stellen. Ich für meinen Teil lasse den Rat gerne daran teilhaben.“ „Ich auch!“, stimmte Katie gleich zu, wie auch Marcus „Und ich!“, was die rosa Kröte schnauben ließ. Mehr noch als Tiberius meinte: „Das wäre in der Tat eine gute Idee. Mrs. Umbridge?“, sah er zu ihr.
Unter der Dauerwelle arbeitete es da bereits gefährlich, bevor sie tatsächlich meinte: „Mr. Gibson hat durch den brutalen Übergriff teils Gedächtnislücken.“ „Können Sie das attestieren?“, mischte sich Hermione dazwischen, der die rosa Pest nur zu deutlich an die Kehle springen wollte, was sie zufrieden grinsen ließ.
„Also nicht.“ „Mr. Gibson ist hier der Geschädigte! Das ist doch eine Farce!“, empörte sie sich. Tiberius ließ sie aber links liegen und beschwor stattdessen drei Phiolen herauf.
„Wären die Damen und der Herr so freundlich?“, wies er den Dreien auf die Fläschchen, die kurz darauf gefüllt waren und in der Robe des Zauberers verschwanden. Dieser sah zu seinen Kollegen. Fragend.
„Nun, ich für meinen Teil sehe die Frage der Auflagenverletzung geklärt.“ Daraufhin nickten, bis auf die jüngere Hexe, alle. Diese hatte ihren Blick durchdringend auf Draco liegen, gleich so, als ob sie versuchte, in ihn hineinzusehen und seinen Geist offen zu legen.
„Margret? Hast du noch eine Frage?“ „Die habe ich in der Tat. Allerdings würde ich es vorziehen, Mr. Malfoy diese nur im Beisein des Rates zu stellen.“ Damit sah sie auffordernd zu den Freunden.
„Ich möchte Sie bitten, draußen zu warten. Wir werden Ihnen unsere Entscheidung nach Beendigung der Anhörung mitteilen. Das Gleiche gilt für Sie, Mrs. Umbridge. Sie und Mr. Gibson werden den Raum ebenfalls verlassen.“ „Aber. . .“ „Kein aber!“, herrschte die Dame sie an, womit die Meute verschwand und Draco allein mit den fünf Ratsmitgliedern zurück blieb.
„Ich muss sagen, man hat uns mal wieder mit der Schilderung der Dinge überrascht. Allerdings bleibt die Tatsache bestehen, dass Sie sich über Ihre Auflagen hinweggesetzt haben. Ich denke, das ist Ihnen bewusst?“, sah sie ihn streng an, worauf er knapp nickte.
„Bereuen Sie Ihre Handlungsweise?“ Daraufhin stutzte er und sah fragend zu der Hexe auf, die ihn auch weiter mit ihren bernsteinfarbenen Augen gefangen hielt und zu durchbohren schien.
„Nein. Ich. . .“ „Waren Sie sich in dem Moment im Klaren darüber, was Ihr Verhalten für Konsequenzen nach sich zieht? Für Sie?“, schnitt sie ihm gleich das Wort ab und forderte stattdessen die nächste Antwort von ihm ein.
„Nein.“ „Würden Sie mit dem Wissen, was Sie erwartet, erneut so handeln?“ „Ja“, gab er ihr ehrlich Antwort, ohne ein Gefühl der Reue wegen dieses Arschlochs.
Die Hexe lehnte sich daraufhin zufrieden in ihrem Stuhl zurück, wobei sich ihre Mundwinkel schwach zu einem kühlen Lächeln kräuselten.
„Wenn dem so ist, gibt es in der Tat nichts mehr zu sagen. . .“
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