Samstagmorgen nach dem Frühstück, was sie erneut im Turm eingenommen hatten, verkrümelten sich die Beiden ins Wohnzimmer auf die Couch, wo Draco erneut in den Genuss kam, die Oberschenkel seiner kleinen Hexe noch zusätzlich als Kissen missbrauchen zu können. Das hatte dann noch den angenehmen Nebeneffekt, dass Hermione ihre Finger nicht unbedingt still halten konnte, und ihm unbewusst immer wieder kleine Streicheleinheiten zukommen ließ. Was dieses kleine Idyll, seiner Meinung nach, etwas störte, war Hermiones wieder erwachter Lernwille, den sie ihm dann auch noch aufs Auge gedrückt hatte und so den versäumten Stoff mit ihm durch ging.
„Ich will nicht, dass du Ärger kriegst“, war ihr Argument, dem er am Ende nachgegeben hatte. Im Grunde hatte er es genauso nötig zu lernen, wie sie. Nämlich gar nicht. Lucius hatte ihn dahingehend so sehr getrietzt, dass er streng genommen Ende des Dritten schon den Großteil des Stoffes aus dem Fünften wusste, was er ihr dann auch noch gesagt hatte. „Wiederholung schadet trotzdem nicht“, hatte Hermione gemeint, was er ebenfalls ergeben hingenommen hatte. Irgendwann waren sie dann auch, zu seinem Leidwesen, zu dem Muggelkunde Scheiß übergegangen.
„Muss das sein?“ „Muss es, ja. Luna hat dir soweit doch alles aufgeschrieben.“ „Sicher. Nur find ich diesen Unterricht einfach bloß schwachsinnig. Ich mein. . . Du hast das Fach doch auch ein Jahr lang gemacht. Du weißt doch ganz genau, wie verschroben das alles ist. Was die uns erklären entspricht doch gar nicht richtig den Tatsachen.“ „Der Unterricht ist etwas abgehoben und weltfremd, stimmt schon.“ „Meine Rede. Davon abgesehen muss ich da nicht mal ‘ne NEWT Prüfung ablegen. Ich wüsste mit meiner Zeit wesentlich besseres anzufangen. Eigentlich hätte ich lieber Alte Runen weiter gemacht. Das hätte mir wenigstens etwas genützt. Aber nein. . .“, nölte er, was Hermione schmunzeln ließ.
„Ich kann dir meine Unterlagen ja geben und mit dir alles durchgehen, wenn du willst? Vielleicht lässt McGonagall dich dann auch zu einer Prüfung zu.“ „Noch mehr Arbeit. Toll!“ „Jetzt tu nicht so. Dir fällt das doch auch leicht.“ „Hm“, brummte er geschlagen, womit sie sich wieder mehr seine Unterlagen nahm und die Stelle suchte, wo sie aufgehört hatten.
„Also weiter im Text. Typische Fortbewegungsmittel der Muggel im Straßenverkehr?“ „Fahrrad, Motorrad, Auto, Bus, Straßenbahn. . . Was vergessen?“ „Nicht wirklich. Ähm. . .“ Es klopfte, was beide aufsehen ließ.
„Hermione? Ich bin’s“, echote es leise von der anderen Seite des Portraits, worauf Hermione Tonks den Weg mit einem Schlenker ihres Zauberstabes frei gab. Draco lümmelte sich unterdessen gelangweilt über die Rückenlehne der Couch.
„Hey, alles okay bei euch? Ich hab euch heute Morgen beim Essen vermisst“, grinste Tonks ihnen mit violettem Schopf entgegen. „Wir haben im Turm gegessen.“ „Ah. Und sonst? Wie geht’s dir? Fühlst du dich soweit fit?“, richtete sich Tonks an Draco und ließ sich neben den Beiden auf der Lehne der Couch nieder. Ihr Cousin zog allerdings etwas skeptisch eine Augenbraue nach oben.
„Warum fragst du?“, bohrte er misstrauisch. Tonks erkundigte sich doch garantiert nicht aus lieber Langeweile, womit er Recht behielt, denn die Aurorin begann in ihrer Tasche zu kramen, als sie sich erklärte.
„Erstens will ich wissen wie es meinem Lieblingscousin geht. . .“ „Du hast nur mich als Cousin“, gab er ihr trocken zurück. „Jetzt sei nicht so kleinlich. Und zweitens. . .“, zog sie nun ein paar Hölzer hervor, die sie ihm reichte. „. . . dachte ich mir, wir könnten dann für ein, zwei Stunden in die Winkelgasse verschwinden, dir einen neuen Zauberstab besorgen, sofern du dich fit genug fühlst?“, erklärte sie ruhig, während sich Draco seinen alten, zerbrochenen Stab etwas in sich gekehrt besah.
„Für den Unterricht und allgemein brauchst du einen Neuen“, meinte sie nach einer Weile, womit er wieder zu ihr aufsah. „Hast du etwas herausgefunden?“, fragte er leicht tonlos, worauf sie ihn entschuldigend ansah. „Bis jetzt noch nicht wirklich. Tut mir leid. Hast du vielleicht eine Idee oder Vermutung?“ „Nein“, gab er ihr auch weiter matt zurück und sah schließlich zu Hermione.
„Würdest du mitkommen?“ „Wenn du willst?“ Daraufhin nickte er und sah zu Tonks. „Geht doch in Ordnung?“ „Ich denke, Minerva wird nichts weiter dagegen haben“, lächelte Tonks, bevor sie noch meinte: „Dippet wollte ja auch noch mitkommen.“ „Warum?“, horchte Draco auf. „Zur Sicherheit.“ „Was? Denkt er, ich würde mich nach Timbuktu flüchten oder jemanden mit dem Überbleibsel versuchen zu erstechen?“, hielt er ihr den zerbrochenen Zauberstab hin. Tonks seufzte.
„Du kannst Dippet nicht leiden. Lieg ich da richtig?“ „Ich hab halt ein Problem damit, wenn man mich als Versuchskaninchen für dunkle Flüche benutzt“, schnaubte er, worauf sich Tonks verlegen am Kopf kratzte.
„Das war sicher nicht die feine englische Art, stimmt schon. Hier geht es jetzt aber um deine Sicherheit.“ „Ich kann auf mich selbst aufpassen!“, pflaumte er Tonks an, die innerlich seufzte und versuchte, die Sache irgendwie diplomatisch anzugehen.
„Das weiß ich. Ohne Zauberstab dürfte das im Augenblick aber schlecht gehen. Davon abgesehen hilft mir Dippet, so gut er kann, bei meinen Nachforschungen. Er war schließlich auch jahrelang Auror.“ „Ganz toll!“, schnarrte Draco daraufhin erneut.
„Jetzt hab dich nicht so. Er wird sich im Hintergrund halten.“ Damit sah sie zu Hermione. „Kommt ihr dann in einer Stunde zu Minerva ins Büro? Sie macht uns den Kamin auf, damit wir in den Tropfenden Kessel kommen.“ „Sicher.“ „Okay, dann bis später.“ Damit war Tonks weg, während sich Draco rücklings stöhnend auf die Couch fallen ließ.
„Super!“ „Ist doch halb so wild. Dann kommt Dippet eben mit. Er stört doch nicht.“ „Ja“, schnarrte Draco aber weiter, was sie mit den Augen rollen ließ. „Was hast du noch für ein Problem mit ihm? Das mit dem Fluch war mies, das steht gar nicht zur Debatte, aber dafür hat er sich doch entschuldigt.“ „Was er nicht ernst gemeint hat. Und das weißt du auch!“, funkelte er Hermione an, die erneut seufzte.
„Ich frag dich jetzt mal was. Was denkst du, warum der zusammen mit euch gesucht hat? Bestimmt nicht aus Nächstenliebe. Der hat doch garantiert das Gleiche gedacht wie Potter!“, zischte er, worauf sie ihm keine Antwort zu geben wusste, da sie einfach nicht wusste, was Dippets Ambitionen gewesen waren. Vermutlich waren sie denen Harrys zu Anfang aber tatsächlich ähnlich. Leider.
„Vielleicht hat er das, vielleicht auch nicht. Was dann wirklich war, hat er aber gesehen.“ „Leider“, murmelte Draco nun wieder ein wenig erschlagen und starrte ausdruckslos an die weiße Stuckdecke, worauf Hermione ihm etwas durch die Haare strich und sich letztlich in sein Blickfeld schob.
„Nicht immer alles negativ sehen, Draco“ „Ich bin bloß realistisch. Oder was soll an der ganzen Scheiße positiv sein, wenn selbst die Profs davon ausgehen, dass ich in irgendwelche Machenschaften verwickelt bin? Wenn sie mir misstrauen? Allen voran Dippet und die blöde Monroe. Von Unterstützung, so wie McGonagall am Anfang gesagt hat, merk ich nichts!“ „Die Beiden sind neu und haben einen vielleicht noch etwas anderen Blick auf die Dinge, als zum Beispiel Slughorn, McGonagall oder Flitwick. Und Dippet. . . Tonks hat doch gesagt, dass er ihr hilft.“ „Mag sein, ich find’s aber einfach nur frustrierend. Ich mein. . . Was soll ich denn noch machen?“ „Den Kopf nicht hängen lassen“, gab sie ihm aufmunternd, mit einem Lächeln zu verstehen und strich ihm auch weiter durch den Schopf. „Es ist doch auch schon etwas besser geworden.“ Daraufhin zog er skeptisch eine Augenbraue hoch.
„Besser?“ „Du nimmst das vielleicht nicht ganz so wahr, aber Ginny und Luna. . . Mit denen verstehst du dich inzwischen doch ganz gut. Sie kommen dir entgegen und machen sich auch ihre Gedanken, oder was ist das?“, deutete sie ihm auf Lunas Unterlagen, auf ihre Randnotiz, worauf sein rechter Mundwinkel kurz nach oben zuckte.
„Auch wenn du mir das jetzt nicht glaubst, oder für geheuchelt hältst, aber nach der Sache da. . . Harry hatte wirklich ein schlechtes Gewissen, weil sein Misstrauen wieder so hochgekocht ist. Er meinte dann noch zu mir, dass es nach allem das Mindeste ist, dass er dir noch eine ehrliche Chance gibt, was er bis dahin nicht konnte oder wollte, oder was auch immer. Sieh die Dinge nicht so verbissen und negativ. Das machst du nämlich auch. Du interpretierst in die Handlungsweise der Anderen auf dich auch immer nur negatives. Versuch mal richtig neutral zu sein“, meinte sie aufmunternd, wie auch lächelnd, bevor sie ihn hoch scheuchte.
„Los ab. Umziehen. Oder willst du mit Jogginghose in die Winkelgasse?“, grinste sie und kratzte damit an seinem Ego, aber vor allem der Eitelkeit. „Ich begeh doch nicht noch zusätzlich stilistischen Selbstmord!“ Damit war er halb auf der Treppe, dem sie folgte, da sie sich auch recht leger gekleidet hatte, denn sie hatten nicht weiter vorgehabt den Turm heute zu verlassen. So aber. . .
Gut eine halbe Stunde später waren sie auf dem Weg zu Minerva. Zu Hermiones Überraschung hatte ihr Slytherin keinen Anzug gewählt, sondern eine verwaschene Bluejeans und ein mitternachtsblaues Hemd, wo er wie immer die obersten zwei Knöpfe offen hatte. Unter den Arm hatte er sich nur noch seinen schwarzen Mantel und Umhang geklemmt, da es draußen allmählich kühler wurde.
Hermione hatte sich ein paar tiefdunkelgraue Röhrenjeans angezogen. Dazu ein olivfarbenes, figurbetontes Top mit kleinem V-Ausschnitt. Ihre Füße steckten in ein paar schwarzen Stiefeletten mit einem ordentlichen Pfennigabsatz, sodass sie etwas mehr auf Augenhöhe mit ihrem Slytherin war. Dazu noch ein dezentes Make-up, was ihn spitz grinsen ließ, da sie sich doch etwas mehr zurechtgemacht hatte. Gefiel ihm. Dass dieses Mädchen allmählich verstand ihre Reize noch besser zu betonen.
„Wollen wir nur zu Ollivander oder noch etwas essen?“, erkundigte sich Draco. „Keine Ahnung. Wenn Tonks nichts dagegen hat? Kommt darauf an wie lange wir brauchen“, gab sie ihm ohne weiter nachzudenken Antwort und wühlte nebenher etwas in ihrer Tasche nach ihrer Uhr und dem Zauberstab.
„Dann könnte ich mein Versprechen auch endlich einlösen. Allerdings will ich zum Essen Tonks nicht dabei haben. Und Dippet erst recht nicht.“ „Schauen wir mal“, schmunzelte sie ihn wieder an, womit sie sich durch die Gänge der Schule bewegten, wo ihnen ab und an ein paar Schüler begegneten, die verwirrt, aufgrund der Aufmachung der Beiden, schauten. Letztlich kamen sie bei Minerva im Büro an, in dem Tonks schon auf sie wartete.
„Schon da?“, grinste die Aurorin, während Minerva ihre beiden Schüler etwas mehr in Augenschein nahm. Allen voran Draco, nach dem sie sich erkundigte. „Wie geht es Ihnen?“ „Hm? Besser“, murmelte er, worauf die Direktorin zufrieden nickte und ihm ein kleines Lächeln zukommen ließ.
„Das freut mich zu hören. Wenn Sie sich soweit gut genug fühlen, wäre es schön, wenn Sie nach und nach auch wieder am Unterricht teilnehmen würden. Wenn nicht, dann gönnen Sie sich noch etwas Ruhe. Hermione wird Ihnen dann sicher auch gerne mit dem Stoff helfen.“ „Hm“, gab er recht einsilbig Antwort.
Er war nicht wirklich erpicht darauf, den Anderen wieder gegenüber zutreten. Immerhin konnte es jeder gewesen sein. Wer sagte ihm, dass er nicht mitten im Unterricht einen Fluch ins Kreuz gebrannt bekam? Oder in der Großen Halle beim Essen? Oder, wenn ihm wieder jemand in den Gängen auflauerte? Während des Quidditchtrainings? Die Möglichkeiten waren hier ihm Schloss doch endlos, da es in dem großen Gemäuer genug dunkle Ecken und Nischen gab, in denen ihm jemand auflauern konnte und. . . Oh man, hör auf!, schrie er sich selbst an. Das fehlte ihm jetzt noch, dass er paranoid wurde und Verfolgungswahn entwickelte. Aber wen wunderte es? Hermione jedenfalls nicht, die seine leicht abwesende, düstere Mimik schon eine Weile zur Kenntnis genommen hatte, und jetzt einfach nach seiner Hand griff. Kurz darauf sah er zu ihr. Fragend.
„Wird schon alles“, meinte sie lächelnd, gleich so, als ob sie seine Gedanken gelesen hätte. Zwar stand außer Frage, dass sie das nicht konnte, weswegen er es umso faszinierender fand, dass sie es schaffte so tief hinter seine Mimik zu blicken. Sie kannte ihn mittlerweile wirklich gut. Erschreckend gut.
„Können wir dann endlich? Ich hab keine Lust ewig lange in der Winkelgasse zu bleiben“, maulte Draco Tonks letztlich an. „Wir warten noch auf Dippet. Hab ich dir doch gesagt.“ „Und ich hab dir gesagt, dass ich keinen Wert auf seine Gesellschaft lege!“ Daraufhin verdrehte Tonks die Augen.
„Wir hielten es für sicherer“, mischte sich Minerva dazwischen. „Immerhin ist uns leider nach wie vor nicht bekannt, wer hinter alldem steckt“, erklärte sie, wo Draco nicht ganz an sich halten konnte und auch weiter Spitzen schoss.
„Eben. Vielleicht hat der auch was damit zu tun, immerhin macht es ihm Spaß seine Schüler im Unterricht zu verfluchen.“ „Och, Draco“, maulte Hermione, da er wieder damit anfing. Ihr Slytherin schnaubte allerdings und verschränkte angefressen die Arme vor der Brust, als sich die Tür zu Minervas Büro nochmal öffnete und besagter Professor eintrat, den Draco gleich mit Blicken lynchte, bevor er stur einen Punkt an der Wand fixierte. Dippet besah es sich verwundert.
„Stimmt etwas nicht?“ „Er hat schlechte Laune“, meinte Hermione entschuldigend, worauf Draco wieder laut wurde. „Hab ich nicht!“ In der gleichen Sekunde scherbelte es über ihnen, als der Kronleuchter auseinander flog und die Fünf unter einem verschreckten Aufschrei zusammenfuhren.
Draco riss Hermione dabei zu sich und drückte ihren Kopf schützend an seine Brust, während er seinen, wie auch Tonks, Minerva und Allan, verschreckt einzog. In der nächsten Sekunde hatten die beiden Auroren ihre Zauberstäbe gezückt, um dem vermeidlichen Angreifer gegenüber zu treten. Genauso Minerva. Nur war niemand da. Nur einen Moment später stöhnte Draco entnervt auf.
„Toll!“ „Ich sag doch. Schlechte Laune“, stichelte Hermione sanft, die er noch immer mit einem Arm umschlungen hielt, während er die Augen verdrehte.
„Ich werd hier noch wahnsinnig“, murmelte er leise und fuhr sich wirsch durch die Haare, während Hermione ihn beruhigend zu sich zog und einfach nur in ihrem Armen hielt, damit er wieder runter tourte.
„Ruhig durchatmen“, flüsterte sie und rieb ihm ein wenig über den Rücken. Damit hatten die drei Anderen nun auch verstanden, woher es kam und steckten ihre Zauberstäbe weg. Tonks musterte Draco im Kommenden mitleidig, ähnlich Minerva, worunter sich etwas Nachdenkliches mischte. Dippet guckte hingegen interessiert.
„Vielleicht verschieben wir den Einkauf, wenn Sie sich nicht wohl fühlen“, bot Minerva an, worauf sich Draco ein wenig von Hermione löste und mit dem Kopf schüttelte.
„Ehrlich gesagt würd ich mich besser fühlen, wenn ich . . . wenn ich wieder einen Zauberstab hätte. Nicht so . . . machtlos“, meinte er, wobei ihm das Wörtchen hilflos bereits mehr auf der Zunge gelegen hatte. Minerva nickte verständig.
„Nun, wenn Sie sich sicher sind, dann werde ich Ihnen den Kamin öffnen. Tonks wird als erste gehen. Dann Sie und Hermione. Professor Dippet wird den Abschluss machen.“ Großartig, dachte Draco sarkastisch. Jetzt kam der wirklich mit.
Letztlich ergab er sich dem Willen der Direktorin und folgte Tonks nach einigen Sekunden in den Tropfenden Kessel, wo sich die Aurorin noch etwas den Ruß von den Kleidern klopfte. Kurz nach ihm kam dann auch gleich Hermione, trat zu ihm und nahm wie selbstverständlich seine Hand, während Tonks zu dem Wirt ging und ihm Bescheid gab, dass sie über das Steinportal in die Winkelgasse verschwanden. Tom nickte knapp, musterte die beiden Schüler, allen voran Draco, dann aber mit einem leichten Argwohn. Der Blonde versuchte es zu ignorieren, wie auch sonst schon in der Schule und setzte sein blasiertes, gleichgültiges Gesicht auf, was Hermione mit den Augen rollen ließ. Schließlich sah sie ihn stinkig an und zwickte ihn in die Seite.
„AU!“ „Guck nicht schon wieder so!“, warnte sie ihn, worauf die übrigen Gäste vermehrt zu der kleinen Gemeinschaft sahen. Dort stach Draco mit seinen weißblonden Haaren noch deutlicher hervor, als Tonks mit ihrem pinken Schopf, denn die Farbe war nun mal unverkennbar den Malfoys zuzuordnen, womit gleich das erste abfällige Getuschel losbrach.
„Kommt ihr?“, hielt Tonks die Beiden dann allerdings völlig unbekümmert, wie auch grinsend an. Kurz darauf waren sie im Hinterhof, wo sich die Aurorin an der Backsteinmauer zu schaffen machte. Im nächsten Moment verschoben sich die Steine zu einem Torbogen und gaben die wuselnde Winkelgasse frei, in der jetzt allerdings nicht ganz so viel los war, wie sonst gegen Ende der Ferien, wenn die Familien mit ihren Kindern die neuen Schulutensilien besorgten.
Die Vier bahnten sich ihren Weg durch die Straße, wo sich nach und nach, wie schon im Pub, vermehrt Augenpaare bei ihnen einfanden und Finger ausgestreckt wurden. Das anfangs noch leise Getuschel wurde recht schnell angeregter und lauter und allen voran verachtend. Draco filterte so deutlich die gleichen Worte heraus, wie schon in der Schule, versuchte all das dann aber irgendwie auszublenden, weshalb er mehr und mehr einen Tunnelblick bekam, der sein Ziel auf Tonks’ pinken Hinterkopf hatte.
Hermiones Blick huschte in der Zeit langsam von einer Straßenseite zur anderen. Von einem tuschelndem Gesicht zum nächsten. Und mit jedem bösen Augenpaar mehr, bekam nun sie schlechte Laune. Am Ende sah sie zu ihrem Blonden, der sein Leck-mich-am-Arsch Gesicht wieder ausgepackt hatte und stur Tonks vor sich fixierte, was sie seufzen ließ. Allerdings konnte sie ihn verstehen. Dass es deprimierend und frustrierend war.
So hatte sie jetzt auch gehörig ihre Zweifel, dass irgendeiner dieser Tuschler, an denen sie vorbei kamen, Draco wirklich kannte. Die wenigstens von diesen Menschen, um nicht zu sagen niemand, dürfte je persönlich etwas mit ihm zu tun gehabt haben. Mit seinem Vater unter Umständen, aber nicht mit ihm, was es so unfair machte ihm eine derartige Abneigung entgegen zu bringen, als würde ihm die Pest anhaften.
Es war schlimm, aber der Mensch war ein Trieb- und Herdentier. Individualität war eine Seltenheit, wie auch ein Fremdwort für viele, da man sich zu 95% immer der Meinung und Gedanken der großen Masse anschloss. Ätzend.
Schließlich sah sie zurück zu ihrem Slytherin, der seine Hände tief in die Manteltaschen geschoben hatte, wo sie sich eigentlich eine davon hatte nehmen wollen. Dann kam ihr aber ein anderer Gedanke, der sogar noch effektiver war und den Leuten wirklich einen Grund zum Tuscheln geben würde. Nicht nur zum Tuscheln, sondern vielleicht auch mal zum Nachdenken. Ganz davon abgesehen, dass sie ihren Blondschopf dadurch hoffentlich etwas ablenken konnte und er sein steifes Gesicht damit wieder wegpackte. Sie wollte, dass er stattdessen das zeigte, was sich hinter der kalten Maske verbarg.
So schob sie sich richtig zu ihm und schlang ihren Arm um seinen, worauf er blinzelte und etwas verdattert auf sie blickte. Hermione lächelte ihn warm an, was er, wie erhofft, etwas schüchtern, dafür aber umso offener und auch dankbar erwiderte. Als er es tat, legte sie ihren Kopf an seine Schulter und kuschelte sich ein wenig an ihn.
Das Getuschel wurde wie erwartet so lauter, allerdings änderte sich der Inhalt, der nun verwundert, wie auch irritiert weitergetragen wurde. Etwas, was auch Tonks bemerkte und den Kopf nach hinten drehte. Als sie sah, was die Beiden, hauptsächlich Hermione, veranstalteten, grinste sie von einem Ohr zum anderen.
„Sollen wir euch alleine lassen?“, stichelte sie und bekam dafür den typisch genervten Malfoy Blick zu spüren, was sie nur noch mehr grinsen ließ.
„Ich hab dich auch lieb, Cousin“, neckte sie ihn noch kurz, konzentrierte sich dann aber wieder ganz auf den Weg, da sie über irgendetwas stolperte und so kurz ins Straucheln kam. Typisch Tonks.
„Brauchst du ‘ne Brille oder doch lieber eine Gehhilfe?“, bemerkte Dracos trocken, worauf sie ihren Zauberstab blind nach hinten richtete und einen Zwickzauber los schickte, am Ende allerdings nicht Draco sondern Dippet traf, der kurz zusammen fuhr und „Vorsicht!“ zischte.
„Eindeutig ‘ne Brille“, meinte Draco süffisant, worauf Hermione herzhaft lachte und dadurch noch mehr die Aufmerksamkeit auf sich und ihn zog. Irgendwann kamen sie bei Ollivanders Zauberstabgeschäft an und verschwanden in dem kleinen Laden. Das Glöckchen an der Tür hatte kaum gebimmelt, als der Zauberstabmacher auch schon aus seinem Hinterzimmer trat.
„Einen wunderschönen guten Tag, die Herrschaften. Was kann ich für Sie. . . Oh!“, erkannte er die Vier gleich. Zumindest Tonks, Hermione und Draco. Seine Konzentration lag dabei hauptsächlich auf Hermione, zu der er begeistert trat.
„Meine liebe Miss Granger. Gut sehen Sie aus. Wie geht es Ihnen? Ich hoffe gut. Irgendwelche Probleme mit Ihrem Zauberstab?“ „Ah, ja es geht mir gut und nein, ich habe keine Probleme mit meinem Zauberstab. Er funktioniert so gut wie am ersten Tag.“ „Oh, das freut mich. Nun was verschlägt Sie dann zu mir?“, lächelte Mr. Ollivander freundlich, wobei er die Anderen, allen voran Draco, so ziemlich ignorierte. Auf seine Frage schaltete sich Tonks dazwischen.
„Wir sind hier, weil Draco einen neuen Zauberstab braucht“, deutete sie auf den Blonden, sodass Mr. Ollivander an Hermione vorbei, über seine Brille hinweg, zu Draco blickte, der schon wieder genervt guckte.
„Mr. Malfoy. Wie kommt es?“, wunderte sich der Herr. „Ich denke, das tut nichts zur Sache“, mischte sich Tonks dazwischen, zu der Mr. Ollivander im Anschluss sah und zustimmend nickte.
„Natürlich. Haben Sie den Alten vielleicht dabei, damit ich mir die Beschaffenheit des Holzes und Kernes ansehen kann? So finden wir schneller etwas Neues.“ Damit kramte Draco die zerbrochenen zwei Stücke hervor, die sich der Zauberstabmacher gedrückt nahm.
„Was haben Sie denn hier gemacht?“ „Das war ich nicht. Das fand jemand allerdings lustig“, knurrte Draco, worauf der Mann ihn fragend ansah. „Den Zauberstab eines Anderen zu zerbrechen ist eine Straftat.“ „Wie gesagt, jemand fand es lustig“, wiederholte Draco trocken, worauf Mr. Ollivander mit dem Kopf schüttelte und „Keine Achtung vor dem Eigentum anderer“ vor sich hin murmelte, bevor er das zerbrochene Stück Holz kurz genauer inspizierte.
„Weißdorn und Einhornhaar. Ja, ich erinner mich. Schauen wir mal. Ich denke, so etwas in der Richtung müsste ich noch irgendwo. . .“, murmelte er immer leiser und suchte bereits in seinen Regalen. Kurz darauf kam er mit einer länglichen Schachtel zurück.
„Das Einhornhaar ist nicht von dem gleichen Einhorn, aber ich denke, es sollte auch gehen. Versuchen Sie es mal“, bot er Draco den Zauberstab dar, der ihn nur leicht schwang, womit es irgendwo im Hintergrund gewaltig krachte, worunter die Fünf erschrocken zusammenfuhren.
„Himmel, viel zu impulsiv. Nein, nein, nein“, murmelte Mr. Ollivander und verschwand erneut an seinen Regalen. Draco legte, selbst etwas geschockt, den Zauberstab ganz schnell wieder weg. Kurz darauf kam der Zauberstabmacher mit drei neuen Schachteln zurück.
„Vielleicht einer von diesen?“, ließ er Draco erneut die Wahl, was ähnlich endete, wie der erste Versuch. Beim dritten Zauberstab schoss sogar eine kleine Stichflamme hervor, worauf Mr. Ollivander vor Schreck beinahe die Brille von der Nase gerutscht wäre.
„‘tschuldigung“, nuschelte Draco verlegen, zu dem der Zauberstabmacher etwas überfahren blickte. „Woran haben Sie gedacht?“ „An nichts.“ „Hm. Das scheint mir wohl doch nicht so einfach zu werden. Lassen Sie mich mal überlegen. Was könnte denn zu Ihnen passen?“ Wieder verschwand der Mann murmelnd in seinen Regalen und das diesmal länger. Draco seufzte und drückte sich die Nasenwurzel etwas zusammen.
„Alles okay?“, erkundigte sich Hermione, zu der er schließlich sah und knapp nickte. Nur einen Moment später war Mr. Ollivander mit zehn weiteren Schachteln zurück, die er Draco allesamt durchprobieren ließ. Das Ergebnis war aber immer denen der ersten ähnlich. Mal etwas weniger impulsiv, dann aber auch wieder mehr, sodass der gute Mann zwischendurch kurz aufräumen musste. Seine Kundschaft schickte er dafür in einen Nebenraum, wo sich auch noch eine kleine Couch, wie auch ein Kaffeetischchen und zwei Sessel befanden. Dort ließ sich Draco, etwas fertig, auf die beigefarbene Couch fallen, in der er ein wenig in sich zusammenrutschte.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“, fragte Hermione erneut, nachdem sie sich zu ihm gesetzt hatte. Aber auch Tonks musterte ihn mit Sorge, denn er war inzwischen leicht blass geworden.
„Ja. Ich. . . Ich krieg bloß ein bisschen Kopfschmerzen“, meinte er matt, als der Zauberstabmacher wieder zu ihnen trat und die kleine Gemeinschaft kurz ein wenig ratlos musterte. So auch Draco, dem man es mehr und mehr ansah, dass er nicht wirklich auf der Höhe war. Allerdings sah er auch Hermione, die dicht neben ihm saß und ihn besorgt musterte.
„Vielleicht. . .“, murmelte der Mann und verschwand ein viertes Mal in seinen Regalreihen. Als er diesmal zurück kam, hatte er nun fünf Schachteln bei sich, die er interessiert vor Draco auf dem kleinen Kaffeetischchen platzierte.
„Versuchen Sie mal einen von diesen. Sie sind von der Grundbeschaffenheit gänzlich anders“, erklärte er, worauf der Blonde seufzte, dann aber einen nach dem anderen probierte. Zwar ging dabei wieder einiges zu Bruch, allerdings nicht so explosiv wie zuvor.
„Interessant. Sehr interessant. Warten Sie.“ Und damit war Mr. Ollivander erneut weg, dem Hermione stutzig hinterher sah. Am Ende fiel ihr Blick etwas fragend auf Tonks.
„Verstehst du das?“ „Was?“ „Dass er nicht gleich etwas Passendes findet? Immerhin weiß er doch, wie Dracos alter Zauberstab zusammengesetzt war.“ „Nicht wirklich. Aber er wird schon wissen was er tut. Wäre ja gelacht, wenn wir nichts finden“, sah Tonks zu Draco, der bereits jetzt die Nase voll hatte.
Eine Stunde, wie auch zwei größere Detonationen später, war Draco nicht nur der Erschöpfung, sondern auch dem Aufgeben nahe. Er hatte den Kopf inzwischen auf Hermiones Schulter liegen, die ihm beruhigend, wie auch tröstend, durch die Haare strich. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich jedoch vermehrt die Sorge wieder, denn Draco war noch blasser geworden und hatte inzwischen auch schon dunkle Ringe unter den Augen. Es war nur zu offensichtlich, dass ihn diese Impulse, die sein Körper mit den verschiedenen Zauberstäben abgab, ordentlich schlauchten. Etwas, was auch Mr. Ollivander nach und nach auffiel, der letztlich zu Draco trat.
„Mr. Malfoy, wenn Sie gestatten. . . Vielleicht sollten wir einen Analysezauber durchführen? So bekomme ich ein ungefähres Bild von Ihrer Magie. Daran kann ich die Materie, die sie benötigt, um richtig zu fließen, etwas eingrenzen.“ „Von mir aus“, gab er matt von sich, worauf der Zauberstabmacher seine rechte Hand nahm.
„Sie waren Rechtshänder, nicht wahr?“ „Ja.“ „Sehr schön. Dann schauen wir mal“, murmelte er und drehte Dracos Handfläche nach oben. Er deutete mit der Spitze seines Zauberstabes darauf und begann tonlos ein paar Worte zu murmeln, woraufhin sich ein kleiner Lichtwirbel auf Dracos Handfläche zu bilden begann. Diese kribbelte dann auch gleich recht unangenehm, bevor der Wirbel in Mr. Ollivanders Zauberstab verschwand. Kurz darauf blinzelte dieser perplex und sah Draco verwirrt an.
„Und?“, fragte Tonks, während sich Mr. Ollivander schlicht und ergreifend nach hinten fallen ließ und so auf dem Kaffeetischchen saß, wo noch immer die nicht geeigneten Zauberstäbe lagen.
„Nun es ist äußerst . . . ungewöhnlich“, begann Mr. Ollivander nach einer kleinen Weile und suchte nur zu offensichtlich nach den richtigen Worten, während sich Tonks und Hermione fragend ansahen. Draco guckte nur müde zu dem Zauberstabmacher, der ihn dann wieder ansah.
„Ich weiß nicht, wie ich es anders formulieren soll, aber Ihre Magie ist stark unruhig. Vielmehr auf eine gewisse Art zerrissen, möchte ich sagen.“ „Zerrissen?“, stutzte Tonks. Der Herr nickte. „In der Tat. Zerrissen, wie auch extrem unruhig. Es herrscht kein Einklang, wie es normalerweise sein sollte und. . . Wenn Sie mir die Frage gestatten, aber hatten Sie zuvor schon den Eindruck, dass Ihr alter Zauberstab nicht mehr ganz die gewünschte Effektivität aufwies? Hatten Sie Probleme, die Sie früher vielleicht nicht hatten?“ „Die Zauber gingen alle. Sie ließen sich hin und wieder nur etwas umständlicher wirken.“ „Darf ich fragen seit wann?“ „Anfang des neuen Schuljahres.“ „Interessant“, murmelte Mr. Ollivander erneut, während sich die beiden Frauen fragend ansahen.
„Und was bedeutet das jetzt?“, hakte Hermione unsicher nach. „Nun, es ist selten, kommt aber dennoch vor, dass sich die Magieintensität, wie auch die Magie an sich, im Laufe des Lebens etwas verändert. Ab und an habe ich Kunden, die mit ihren alten Zauberstäben nicht mehr so gut zurechtkommen, da sich ihre Magie verändert oder in eine andere Richtung entwickelt hat. Wissen Sie, Zauberstab ist nicht gleich Zauberstab. Die Kombination aus Holz und Kern, wie auch die Länge und andere Beschaffenheiten, machen jeden Zauberstab einzigartig. Der Zauberstab wählt sich seinen Besitzer und nicht anders herum. Ich könnte Ihnen jetzt meinen Zauberstab geben, mit dem Sie auch arbeiten könnten, dann aber nicht solch ausgezeichnete Ergebnisse mit diesem erreichen würden, wie mit einem, der mit Ihrer Magie im Einklang ist. Womit ich zu unserem kleinen Problem kommen möchte, denn so wie es mir scheint, ist Ihre Magie nicht im Einklang, was unsere vorhin doch etwas ungewöhnlichen Probleme bei der anfänglichen Auswahl erklärt.“ „Und was soll ich jetzt machen?“, muffelte Draco, dem immer mehr der Schädel brummte. Er hatte keinen Nerv für irgendwelche Erklärungen, was, wie, warum. Er wollte einfach nur einen neuen Zauberstab und sich dann wieder in ihrem Turm verkriechen. Entweder in seinem Bett oder mit Hermione auf der Couch.
„Nun, ich arbeite zurzeit an einer Versuchsreihe neuer Zauberstäbe. Unter Umständen findet sich unter diesen etwas Geeignetes. Es sind Zauberstäbe mit zwei Kernen, die Ihren jetzigen Magiefluss vielleicht besser aufnehmen und auch wieder abgeben können, als ein Zauberstab mit nur einem Kern. Es ist, wie gesagt, aber noch eine Versuchsreihe. Ich kann Ihnen nichts versprechen.“ „Versuchen können wir es ja mal“, meinte Tonks und sah schließlich zu Draco.
„Kannst du noch?“ „Sicher“, murmelte er und rappelte sich etwas mehr auf. Immerhin wollte er auch nicht unverrichteter Dinge wieder abziehen. Er wollte endlich wieder die Möglichkeit haben, sich zu verteidigen und zu schützen.
„Schön, schön. Ich bin gleich wieder da“, meinte Mr. Ollivander und verschwand vorerst, dem Hermione nachdenklich hinterher sah, bevor sie zurück zu Draco blickte. „Er wird schon etwas finden. Er hat bei mir damals auch lange gesucht“, meinte sie aufmunternd, worauf er ihr ein knappes Lächeln zukommen ließ. Schließlich aber kam Mr. Ollivander mit besagter Versuchsreihe zurück, sodass das probieren von vorn begann, aber auch hier kein wirklicher Treffer dabei war und damit die nächste Stunde vorüber ging.
Mit jedem neuen Misserfolg, gab Draco innerlich jedoch immer mehr auf, dass sie zeitnah, geschweige denn überhaupt etwas fanden. Nicht zuletzt konnte er langsam auch nicht mehr. Es waren zwar immer nur kurze Magiestöße, die sein Körper abgab, diese waren in ihrer Intensität aber so gewaltig, als hätte er dutzende komplizierte Zauber mit einmal gewirkt. Hermione sah es und damit war sie nicht die Einzige, denn auch Mr. Ollivander musterte ihn nachdenklich. Dass es ihm nicht gut ging, ihm ernsthaft etwas fehlte, etwas mit seiner Magie ganz gewaltig nicht stimmte, war unumstößlich, denn so lange hatte er noch nie gebraucht, um wenigstens halbwegs etwas Passendes zu finden.
„Draco?“, hauchte Tonks, die sich inzwischen neben ihn gesetzt hatte. Ihr Cousin reagierte allerdings nicht gleich. Auch lehnte er seit einer Weile vermehrt bei Hermione an der Schulter, die Augen bis eben geschlossen, mit denen er nun in Tonks’ Richtung blinzelte.
„Hm?“ „Vielleicht brechen wir ab und kommen ein andermal wieder. So wie du aussiehst schläfst du gleich ein.“ „Geht schon“, murmelte er jedoch müde und rappelte sich erneut mehr auf. Mr. Ollivander beschwor unterdessen ein kleines Tablett mit Tee, Wasser und etwas Gebäck herauf, wo er Draco erstmal ein Glas Wasser reichte „Trinken Sie mal etwas“, bevor er sich und den anderen den Tee eingoss. Als die Tassen voll waren, richtete er sich an Hermione.
„Dürfte ich Ihren Zauberstab einmal kurz sehen, meine Liebe?“ „Sicher.“ Kurz darauf reichte sie ihm das gute Stück, was er genauestens betrachtete.
„Weinstockholz und Drachenherzfaser. Ja, ja. Schauen wir mal. Danke.“ Er gab Hermione ihren Zauberstab wieder, die es etwas verwirrt zur Kenntnis nahm. Mr. Ollivander war da aber bereits aufs Neue verschwunden und wühlte in seinem Lager, sodass sich die Vier erst einmal ihrem Tee widmeten. Nach reichlich einer viertel Stunde kam der Zauberstabmacher recht verstaubt zurück und wischte sich im Gehen noch eine Spinnwebe von seinem Umhang, bevor er Draco eine weitere Schachtel hin hielt.
„Versuchen Sie mal diesen. Mich würde die Wirkung interessieren“, bat Mr. Ollivander doch etwas neugierig und schielte immer mal zwischen Draco und Hermione hin und her, während sich Draco skeptisch den Zauberstab nahm. Anders als bei den anderen zuvor, spürte er in diesem ein starkes, nicht unangenehmes Kribbeln im Körper. Ein Teil dieses Kribbelns konzentrierte sich letztlich in seiner rechten Hand, über den Zauberstab hinweg, der ohne weiteres Zutun glänzende, silberne Funken zu sprühen begann, worauf Mr. Ollivander begeistert in die Hände klatschte.
„Oh sehr schön, sehr schön. Wir haben endlich etwas Passendes gefunden. Wie fühlt es sich an?“, richtete er sich interessiert an den noch immer etwas perplexen Draco. „Ähm. . . Angenehm. Eigentlich richtig gut.“ „Versuchen Sie mal einen Zauber“, bat Mr. Ollivander. „Was für einen?“ „Irgendeinen.“ Daraufhin überlegte Draco kurz und sah schließlich zu Hermione, die ihn gespannt betrachtete. Kurz darauf sammelte er sich und schickte einen weiß-silbernen Schweif aus dem Zauberstab, der dann auch wieder die Form eines stolzen Wolfes annahm. Dieser platzierte sich wie zuletzt im Unterricht erneut neben Hermione und sah die Hexe, treuherzig wie auch warm, mit seinen glänzenden silbergrauen Augen an. Hermione bemerkte es da erst, aber die Gestalt des Patronus schien noch etwas stärker geworden zu sein. Stärker und größer. Es war ihr wirklich so, als ob ein echter, weiß-silberner Wolf neben ihr saß.
„Ein sehr schöner Patronus. Sehr ausgeprägt. Ist er Ihnen mit dem alten Zauberstab auch so intensiv gelungen?“ „Nein“, gestand Draco, selbst etwas fasziniert von der Wirkung, während sich Tonks nochmal an den Zauberstabmacher richtete.
„Was ist an dem Zauberstab anders?“ „Oh nichts. Er hat scheinbar nur die richtigen Komponenten für Mr. Malfoys Magie. Allerdings. . .“, begann er zu schmunzeln. „Wenn ich das sagen darf, mir ist aufgefallen, dass Sie und Miss Granger sehr schön miteinander harmonieren“, sah er wieder zu Draco, der etwas fragend eine Augenbraue hoch schob. Aber auch Hermione verstand nicht ganz, was das mit dem Zauberstab zu tun haben sollte. Die Erklärung darauf erhielten sie nur einen Moment später.
„Einer der beiden Kerne ist eine Drachenherzfaser. Genau genommen stammt sie vom gleichen Drachen, wie auch Miss Grangers Zauberstabkern. Einem sehr alten, großen Ungarischem Hornschwanz. Sehr mächtige Tiere. Je älter sie werden, desto stärker ist das Magiepotenzial, welches in ihren Herzfasern gespeichert ist. Der andere Kern ist das Haar von einem jungen Einhorn, was eine sehr schöne Balance bildet. Ein altes, sicherlich Weises, mächtiges Drachenherz, um welches das junge, kraftvolle, samtene Einhornhaar gewickelt ist. Das Holz ist auch weiter Weißdorn, was perfekt für Sie zugeschnitten scheint. Wenn ich mich recht entsinne, war Ihr Geburtstag am 5 Juni. Nicht wahr?“ „Ähm. Ja.“ Draco war verblüfft. Gab es etwas, was dieser Mann nicht wusste? Mr. Ollivander derweil nickte für sich.
„Sie werden es nicht wissen, aber dem keltischen Baumkalender nach entspricht dieser Baum diesem Datum.“ „Okay“, gab Draco etwas gedehnt zurück und sah wieder auf den Zauberstab, mit seinen feinen Verzierungen und Ornamenten, die in einem hellen Silber, gerade am Griff, sehr ausgeprägt und schön zu sehen waren. Von der Größe her musste er auch so zehn Zoll sein, wie sein Alter.
„Möchten Sie ihn?“, erkundigte sich Mr. Ollivander schließlich noch der Form halber, worauf Draco wieder zu ihm sah und zu grinsen begann. „Natürlich. Wenn er schon so gut funktioniert. Außerdem. . . Haben Sie nicht gesagt, der Zauberstab sucht sich den Zauberer aus?“ „Ganz recht“, lächelte Mr. Ollivander freudig darüber, dass man seinen Worten aufmerksam gelauscht hatte.
„Dann würde ich die Herrschaften bitten, mir wieder ins Vorzimmer zu folgen.“ Kurz darauf ging es ans Bezahlen, wo sich Mr. Ollivander nochmal kurz an Draco richtete, er solle ihm mitteilen, wenn etwas Ungewöhnliches wäre, da es noch eine Testreihe war und er interessiert daran war, wie sich der Zauberstab im Alltag bewährte.
Als sie das Geschäft verließen, war es bereits spät am Nachmittag. Draco war nach allem zwar erschöpft, aber auch zufrieden. Allen voran fand er es eine sehr interessante Tatsache, dass einer der beiden Kernsubstanzen die gleiche war, die auch in Hermiones Zauberstab ruhte.
Wieder in Hogwarts verschwanden die Beiden ohne Umwege in ihren Turm, wohin Tonks sie noch ein Stück begleitete. Kaum dort angekommen ließ sich Draco ausgelaugt, aber doch recht zufrieden, auf die Couch fallen. Hermione besah es sich schmunzelnd.
„Hat ja jetzt doch noch alles geklappt.“ „Nur nicht das mit dem Essen.“ „Du wärst beim Essen doch eingepennt“, witzelte sie und setzte sich zu ihm, wo sie dann auch gleich noch so aufrückte, dass er seinen Kopf wieder auf ihren Schoß betten konnte.
„Da kennst du mich schlecht. Das hätte ich durchgezogen.“ „Na so halb schlafend ist aber auch nicht das Gelbe vom Ei. Geht’s denn jetzt wieder etwas?“, erkundigte sie sich mit leichter Sorge und strich ihm etwas die Haare aus der Stirn.
„Ich sag mal so, gegen ein Nachmittagsschläfchen hätte ich nichts einzuwenden.“ „Dann mach das mal, ich les derweil noch ein bisschen.“ Damit zog sie sich eines der Kissen ran und schob es ihm hin, bevor sie in ihrem Zimmer verschwand, sich sein Geburtstagsgeschenk holen. Allerdings kam sie nicht wirklich dazu, sich dem zu widmen, denn kaum wieder unten, klopfte es am Portrait, wo Draco ihr noch zu rief: „Lass Blaise draußen!“ Hermione ignorierte seine freche Bitte und öffnete ihren Freunden den Zugang.
„Oh!“, stieß sie dann aber überrascht aus, denn da waren nicht nur, wie erwartet, Blaise und Charlie, sondern auch Ginny und Harry, den sie doch angenehm überrascht musterte.
„Lässt du uns rein?“, neckte Blaise sie, da sie noch immer etwas im Durchgang stand, worauf sie nun doch noch zur Seite trat und von ihrem Slytherin gleich noch ein Küsschen auf die Wange gehaucht bekam, was sich sein blonder Freund argwöhnisch besah. Blaise grinste auf den Anblick unweigerlich, bevor er sich nochmal an seine Freundin richtete.
„Hast du was vor? Slughorns Party ist doch erst heute Abend“, schmunzelte er und ließ seinen Blick kurz über ihre Erscheinung wandern, dem Hermione folgte. „Was? Ich. . . Nein. Also. . . Wir waren vorhin noch mit Tonks in der Winkelgasse etwas besorgen.“ „Ah!“, entwich es Blaise aber wieder nur leicht neckisch, womit die Vier richtig drin waren und Hermione das Portrait schloss. Draco kam so auch nicht umhin, gerade Harry von der Couch aus misstrauisch zu mustern, der ganz offensichtlich selber nicht so richtig wusste, was und wie, als er dem Blick des Blonden begegnete. Am Ende versuchte Draco ihn zu ignorieren und sah stattdessen zu Blaise.
„Falls du wieder hier bist, um dir den Wanst vollzuschlagen, muss ich dich enttäuschen. Essen gibt’s noch keins.“ „Ich fasse das mal als Einladung auf. War aber auch lecker. Da komme ich auf jeden Fall nochmal darauf zurück, wo du meine charmante Gesellschaft doch so sehr genießt, mein Schnucki“, gab er Draco süßlich schnurrend zu verstehen und fuhr ihm neckisch durch die Haare, worauf der Blonde ihm die Hand weg schlug „Lass den Mist“ und das leichte Chaos zu richten versuchte, indem er sich selber nochmal mit der Hand durch die Haare strich. Hermione daneben rollte mit den Augen, während Charlie leise „Kindsköpfe“ murmelte, was Ginny hinter vorgehaltener Hand leise kichern ließ.
„Wollt ihr etwas trinken?“ „Siehst du? So benimmt sich ein anständiger Gastgeber“, deutete Blaise wohlwollend auf Hermione, die kopfschüttelnd, wie auch grinsend im Kitchenette verschwand, während Draco knurrte: „Du bist kein Gast, du bist ‘ne Schmeißfliege und ein Müllschlucker obendrein.“ „Wie ich sehe bist du wieder bester Laune, mein Lieber. Was hatte er zum Frühstück? Granatsplitter?“, rief er belustigt in Hermiones Richtung. „Eigentlich nur Rührei, Toast und Schinken. Aber wer weiß was noch drin war“, gab sie Blaise keck, wie auch suchend zurück, worauf Draco giftig „Danke!“ in ihre Richtung zischte. Blaise schüttelte auf die kleine Zickerei nur amüsiert den Kopf. Kurz darauf tippte er mit dem Finger auf Dracos, der ihm gleich die Hand beiseite schlug.
„Wo hast du eigentlich deine Manieren gelassen?“ „Keine Ahnung. Die dümpeln vielleicht noch in Askaban rum“, zischte er sauer. Auf die Erwähnung der Gefängnisinsel, zuckte Harry allerdings kaum merklich zusammen, bevor sein Blick über die Erscheinung des Blonden glitt, der, trotz seines Gemeckers, noch immer blasser als sonst war und auch leichte Ringe unter den Augen hatte. Dass er nach wie vor nicht auf der Höhe war, war deutlich zu erkennen.
Schließlich kam Hermione mit den Getränken zurück und verteilte alles vor ihren Freunden, bevor sie sich zu Draco setzte, der sein Nickerchen damit in den Wind schreiben konnte. Und damit auch die Möglichkeit, ungestört noch ein bisschen auf der Couch mit seiner Löwin zu kuscheln. Für die freche Störung würde er Blaise noch einen Arschtritt verpassen. Stattdessen brachte er für den Moment die Frage ihres Besuches an.
„Hat es einen bestimmten Grund, dass du uns belästigst oder womit hab ich deine Anwesenheit verdient?“ „Wir haben euch wohl bei etwas gestört?“, grinste Blaise dreckig und ließ provokant die Augenbrauen hüpfen. Zur Belohnung bekam er dafür eines der Kissen ins Gesicht.
„Nein. Ich hab nur was gegen ungebetenen Besuch!“, funkelte Draco Blaise unheilvoll an, was Harry auf sich bezogen sah und sich mit einem gemurmelten „Ich glaube es ist besser, wenn ich gehe“ erhob, worauf die Fünf zum Retter der Zauberwelt blickten, der bis Dato kein Wörtchen hervorgebracht hatte. Hermione wollte dann auch gleich etwas dagegen sagen, allerdings kam ihr Draco mit einer süffisanten Ansage zuvor.
„Eigentlich hab ich von der Nervensäge hier gesprochen, . . .“, deutete er auf Blaise, konzentrierte sich nun aber wirklich auf Harry. „. . . allerdings würde mich genauso interessieren, was ausgerechnet du hier willst? Selbst dir sollte mittlerweile klar sein, dass du Hermione hier nicht alleine antriffst. Also was willst du, Potter? Nachsehen, dass ich nicht wieder irgendwelche ominösen Schandtaten plane?“, schnarrte er bissig, was Hermione seufzen ließ.
Er konnte es einfach nicht lassen und begann sich zudem auch schon wieder hochzuschaukeln, was zum jetzigen Zeitpunkt alles andere als gut für das Mobiliar, wie auch Personen in seiner direkten Umgebung war. Seine Frage war allerdings auch nicht ganz unberechtigt, weshalb sie nun auch mal neugierig zu ihrem langjährigen Freund blickte, der nervös die Hände knetete und sichtlich nach Worten suchte. Was er vorhatte, hatte er Hermione zwar gesagt, nur schien er nicht zu wissen, wie er das am Besten in die Tat umsetzen sollte.
„Also ich . . . ähm. . .“, war das Einzige, was an Gestammel kam, worauf Draco zynisch eine Augenbraue hoch zog, den Kopf schüttelte und sich wieder Blaise widmen wollte, als Harry von Ginny auf den Fuß getreten bekam und seine Worte so recht überstürzt aus ihm heraussprudelten.
„Es tut mir leid.“ Daraufhin sahen die Vier irritiert zu ihm. Allen voran Draco, der erneut skeptisch eine Augenbraue nach oben zog, bevor er zu Hermione schielte, die zwar unschuldig, allerdings auch etwas lächelnd, die Hände hob. Sie hoffte, dass Draco jetzt nicht noch mehr in seine üblichen Muster fiel, da sie am Morgen ja noch darüber gesprochen hatten, dass er nicht alles so negativ sehen sollte und Harry seine neuen Verdächtigungen leid taten. Etwas, was er offensichtlich zur Sprache bringen wollte, nur nicht wirklich den Mund auf bekam. Merlin, warum mussten sich Kerle auch immer so anstellen?
„Schön für dich“, gab Draco ihm süffisant, wie auch gleichgültig zurück, bevor er Anstalten machte Harry wieder zu ignorieren. Bei dem Gryffindor war inzwischen aber der Knoten geplatzt, denn er plapperte nun ungestüm drauf los.
„Es tut mir leid, dass ich dich blindlings verdächtigt habe. Und ich . . . ich bin hier weil . . . weil ich wissen wollte wie . . . wie es dir geht.“ Daraufhin wanderte Dracos rechte Augenbraue noch weiter nach oben, bevor er ein gleichgültiges Gesicht aufsetzte.
„Ja natürlich“, schnarrte er sarkastisch. „Zu deinem sicher großen Bedauern, hast du dich ja nun davon überzeugen können, dass ich noch lebe, also brich dir keinen ab und spar dir dieses scheinheilige Getue. Das kann ich auf den Tod nicht ausstehen! Du kannst mich nicht leiden und ich kann dich nicht leiden. Wir sind keine Freunde!“, blaffte er, wofür Hermione ihm am liebsten ein paar über den Schädel gezogen hätte. Er machte schon wieder dicht und wollte sich zu allem Überfluss auch nach oben in sein Zimmer verkrümeln. Sie wollte ihn so noch aufhalten, kam allerdings nicht mehr dazu, denn Harry war schneller.
Mit einem entschlossenen Satz war der Schwarzhaarige auf den Beinen und hielt den Blondschopf schließlich mit einem „Draco, warte“ am Oberarm fest. Nicht unbedingt etwas, was er leiden konnte, allerdings blieb er stehen und sah argwöhnisch zu Harry. Dieser fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, um sie zu benetzen, bevor er weiter sprach.
„Das war nicht geheuchelt und. . .“ Er seufzte und ließ sein Gegenüber erstmal wieder los, dem er nun direkt ins Gesicht, in die Augen, sah. „Hör zu, ich weiß selbst, dass wir nie wirklich auch nur ansatzweise so etwas wie ein neutrales, geschweige denn gutes Verhältnis zueinander hatten. Und dass ich mich gerade die letzte Zeit auch nicht unbedingt fair verhalten hab. Das heißt aber nicht, dass es so bleiben muss. Der Krieg und die ganze Scheiße ist vorbei und. . . Wir hatten letztlich, wo es darauf ankam, dann doch die gleichen Interessen und Ziele.“ „Ach? Ist das jetzt auch schon bei dir angekommen?“ „Draco. . .“, nölte Hermione ein wenig, zu der er stinkig sah. „Was?“ „Harry versucht dir hier gerade ein Friedensangebot zu machen, was du jetzt gefälligst auch annimmst.“ „Sagt wer?“, funkelte er sie ein wenig bedrohlich an, was sie ihm gleicht tat.
„Sag ich, ansonsten hex ich dir. . . Ich weiß nicht. . .“, begann sie zu überlegen, worüber er sich ärgern würde, sah kurz zu Ginny, die bereits schmunzelte, und schließlich wieder heimtückisch grinsend zu ihm. „. . . die Haare rot?“ „Das wagst du nicht!“, knurrte er sie nun wirklich gefährlich an, worauf sie durchtrieben grinste und bereits recht provokant ihren Zauberstab schwang als sie meinte: „Das stand dir letztens eigentlich ganz gut“, sodass er mit den Augen rollte, stöhnte und ergeben die Hände hob. Kurz darauf sah er müde zu Harry.
„Jetzt weiß ich wieder, warum du mir manchmal leid getan hast.“ „Sie kann anstrengend sein“, schmunzelte Harry mitleidig, was Draco benickte „Wie wahr“, worauf Hermione lautstark protestierte. „HEY! Vom Verbrüdern gegen kleine, unschuldige Hexen war nie die Rede gewesen. Nur vom Frieden schließen.“ „Als Mann hat man es alleine gegen euch Frauen aber auch schwer“, mischte sich Blaise theatralisch dazwischen, was Charlie gleich solidarisch benickte.
„Erst recht mit euch beiden“, setzte Blaise noch eins drauf und bekam zur Belohnung von Hermione einen leichten Klaps auf den Hinterkopf, was ihn nur wieder blöd grinsen ließ. „Mehr.“ Draco und Charlie verdrehten die Augen, während Harry schmunzelnd mit dem Kopf schüttelte und sich schließlich wieder ganz auf Draco konzentrierte, dem er die Hand reichte.
„Frieden?“, fragte er mit einem offenen, ehrlichen Lächeln auf den Lippen, aber auch in den grünen Augen. Draco musterte die ihm dargebotene Hand jedoch skeptisch, bevor seine Augen zu denen Harrys wanderten, der auch weiter ruhig auf eine Reaktion des Blonden wartete. Darauf, dass er sein Angebot annahm.
„Lass uns einen Schlussstrich unter alles ziehen und nochmal von vorne anfangen. Ohne Vorurteile und falsche Eindrücke. Was sagst du dazu, Draco?“, meinte Harry dann noch zusätzlich. Draco schielte allerdings etwas über seinen Kopf hinweg zu Hermione, die ihm nun ein aufmunterndes, ermutigendes Lächeln zukommen ließ, womit sein Blick wieder auf Harry fiel, der noch immer geduldig wartete. Auf den Lippen auch weiter dieses Lächeln, was Draco letztlich zurück auf Harrys Hand blicken ließ. Und anders als Harry vor gut acht Jahren, der durch Dracos damals hochnäsige, überhebliche Art, die ihm dargebotene Hand, wie auch Freundschaftseinladung ausgeschlagen hatte, griff er nun nach der Hand, die er Harry absichtlich etwas schmerzhaft zusammendrückte. Der Schwarzhaarige versuchte diese Sache wegzulächeln, was zeitweise aber zu einer Grimasse wurde. Schließlich ließ Draco seine Hand wieder los, dem Blaise noch einen passenden Kommentar hinterher warf.
„Meine Damen und Herren, wir wurden gerade Zeuge eines historischen Friedensbeschlusses zwischen den ehrenwerten Oberhäuptern des Hauses Slytherin und Gryffindor! Merlin, wo sind eigentlich die Pressefuzzies, wenn man sie wirklich mal braucht? Und ich hab wieder keine Kamera dabei“, jammerte Blaise und ließ sich letztlich von Charlie trösten, während die beiden Mädchen begannen zu lachen. Draco verdrehte aufs Neue die Augen „Schwachkopf“, was Harry breit grinsen ließ. Kurz darauf sah Blaise neckisch zu Hermione.
„So einen wichtigen Augenblick sollte man gebührend feiern und vor allem begießen. Ihr habt doch sicher noch irgendwo Feuerwhiskey gebunkert, oder?“ „NEIN!“, platzte es sofort panisch aus der Gryffindor heraus, die sich noch ganz gut an ihr Intermezzo mit Draco am ersten Abend erinnerte. Hauptsächlich den Kater und Filmriss, den sie am nächsten Morgen hatte.
„Klar haben wir noch was da.“ „DRACO!“, fuhr Hermione ihrem Mitbewohner auf seine Worte aufgebracht an. Der ließ sich allerdings nicht beirren, sondern verschwand grinsend in Richtung Kitchenette. Keine fünf Minuten später kam er mit einer vollen Flasche und sechs Gläsern zurück.
„So gefällt mir das“, grinste Blaise zufrieden und füllte die Gläser. „Ich nicht“, versuchte sich Hermione noch herauszuwinden, die sich nach ihrem Monsterkater geschworen hatte, nie wieder etwas von dem Zeug zu sich zu nehmen. Blaise drückte ihr allerdings entschieden eines der kleinen Gläser in die Hand, während sie von Ginny aufmunternd in die Seite gezwickt wurde.
„Jetzt hab dich nicht so. Ist doch bloß ein Glas.“ Ja, dachte sie sich. Mit einem Glas hatte der Kater damals aber auch seinen Lauf genommen. Am Ende gab sie dem dennoch nach, als Blaise das Glas erhob.
„Auf einen Neuanfang?“, fragte Ginny in die Runde. „Neue Freundschaften“, fügte Hermione an und sah mit einem milden, glücklichen Lächeln zu ihren Jungs. „Einen festen Zusammenhalt“, stimmte Charlie auch noch mit ein, bevor Blaise mit einem „Neue Liebe“ den Kreis schloss und den Blick kurz über die beiden Mädchen schweifen ließ, wo gerade Ginny verstärkt schmunzelte und dem Slytherin einen vielsagenden Blick zuwarf. Hermione hatte es gesehen und kam nicht umhin zu lächeln.
Offensichtlich hatten sich da bereits zwei gefunden. Im Grunde aber. . . Warum auch nicht? Zwischen den Beiden hatte die Jahre zuvor schon immer eine ganz spezielle Spannung geherrscht, die jedoch durch die vorherrschenden Begebenheiten immer wieder im Keim erstickt war. Jetzt aber, mit diesem Frieden, den sie hatten. . . Mit diesem Neuanfang, da hatte in der Tat auch eine neue Liebe eine Chance, wie Blaise gesagt hatte.
„Cheers.“ Damit führte Hermione ihr Glas in die Mitte, dem die Anderen folgten „Cheers“ und miteinander anstießen. Auf einen Neuanfang, ein festes Miteinander, neue Freundschaften und die Chance auf eine neue Liebe.
Wir haben immer schon gespürt, dass sich zwischen Ron und Hermine etwas entwickelt, obwohl ich und Emma uns dessen nicht bewusst waren. Doch in diesem Film gestehen beide sich das ein. Als Hermine mit Viktor Krum auf dem Weihnachtsball erscheint, kapiert Ron endlich, dass er etwas für sie empfindet.