Hermione war erbarmungslos. Am nächsten Tag zerrte sie Draco mit aller Gewalt mit, der doch eigentlich nur mit ihr im Bett liegen bleiben und noch etwas kuscheln wollte. Ein kleiner Wunschgedanke, da er in der vergangenen Nacht wieder wesentlich besser geschlafen hatte, mit der Hexe in den Armen. Der Gryffindor schien es, wie er vermutet hatte, aber auch ganz gut getan zu haben, denn sie wirkte wieder recht frisch und erholt. Zu erholt, denn sie ließ nicht mit sich reden, noch einen weiteren Tag zu schwänzen. Und da es Draco, so gesehen, auch schon wieder besser ging, duldete sie auch nicht, dass er sich im Turm verkroch.
So hielt sie ihn auch wieder dazu an, dass er seine Leistungen im Auge behalten musste, um Ärger zu vermeiden und er sich eben auch nicht ewig verkriechen konnte. Sie, Blaise, Charlie, wie auch die Anderen, wären schließlich auch für ihn da.
Der Unterricht verlief im Folgenden erstaunlich ruhig. Wie Tonks ihm bereits gesagt hatte, wusste keiner was tatsächlich passiert war. Abgesehen von den Professoren und den Freunden, wo Ginny Draco bei nächster Gelegenheit noch gestand, dass sie den Rest am Tisch etwas genauer über den Unfall aufgeklärt hatten. Nicht was wirklich passiert war, sondern einfach nur, dass es kein Unfall war, sondern er von jemandem angegriffen worden war. Draco hatte geknurrt, aber nichts dazu gesagt, außer knapp genickt.
Als sie Zaubertränke hinter sich hatten, rief Professor Slughorn Hermione noch einmal zu sich, die es ein wenig verwundert zur Kenntnis nahm. Draco bemerkte es und blieb an der Tür stehen, denn er wollte die Hexe nur ungern alleine lassen.
„Was gibt es denn, Professor?“ „Erst einmal. . . Ich wollte fragen, wie es Ihnen geht?“, musterte er sie mit einem Anflug von Sorge. Hermione brauchte einen Moment bis sie verstand, worauf er aus war. Als das der Fall war schluckte sie kurz, zwang sich dann aber zu einem Lächeln.
„Gut. Es ist ja auch nichts weiter passiert“, versuchte sie sich rauszureden. Nur wollte Slughorn diese Geschichte nicht so leicht abtun. „Ich finde es dennoch schrecklich und ungeheuerlich was. . .“ „Professor“, unterbrach Hermione ihn und schlug kurz erschöpft die Lider nieder, bevor sie ihn wieder ansah.
„Was wollten Sie denn mit mir besprechen?“ „Wie? Oh! Entschuldigung. Nun ich hatte Ihnen am Samstag doch angeboten, wegen des verstärkenden Mittels für Ihren Aufspürtrank zu schauen. Ich war so frei, den Trank bereits zu brauen. Es fehlt nur noch die entsprechende Essenz.“ „Wirklich?“ Hermione strahlte, als sie das hörte. Draco wiederum trat näher.
„Was suchst du denn so dringend?“, bohrte er, worauf Hermione ihn angrinste. „Geheimnis.“ „Ah.“ „Wie geht es Ihnen, Draco?“, erkundigte sich Slughorn nun auch bei dem Blonden, der verwundert zu seinem Professor sah.
„Minerva sagte, Sie hätten momentan wohl auch noch etwas Probleme mit Ihrer Magie. Hat sich das mit den Spontanzaubern wieder gegeben?“ „Na ja. . .“, wurde Draco unsicher und sah zu Hermione, die ihm einen mitfühlenden Blick zuwarf und schließlich zu ihrem Professor blickte.
„Etwas. Es ist gestern allerdings wieder passiert. Aber nicht so . . . heftig“, meinte Hermione vorsichtig, da die Tatsache allein, da er nur etwas gereizt war, genügt hatte, um die Bücher aus dem Regal zu befördern. Hermione hatte trotz allem gehörig ihre Zweifel, dass sich dieses Problem wirklich gebessert hatte.
„Nun, vielleicht sprechen Sie einmal mit Professor Dippet darüber? Ich bin mir sicher, er könnte Ihnen bei diesem Problem. . .“ „Auf keinen Fall!“, fiel Draco Slughorn entschieden ins Wort. „Ich brauch keine Hilfe. Und von dem erst recht nicht!“ „Draco. . .“, mahnte Hermione, während Slughorn „Na na“ meinte. „Professor Dippet scheint mir wirklich sehr versiert zu sein und. . .“ „Ist mir egal. Ich trau ihm nicht!“ „Er hat sich doch entschuldigt“, meinte Hermione beruhigend. „Und ich hab dir gesagt, was ich davon halte!“, motzte er und sorgte so ungewollt dafür, dass einer von Slughorns Schränken aufflog, und die Bücher darin schwungvoll zum Vorschein kamen.
Auf den Hieb zuckten alle drei zusammen. Während Hermione und Slughorn auf das kleine große Chaos blickten, presste Draco die Kiefer fest aufeinander und knirschte gefährlich mit den Zähnen. Slughorn richtete sich dann auch gleich an ihn.
„Mein lieber Draco, das erscheint mir alles andere, als ein kleines Problem zu sein, wenn selbst eine einfache Gefühlsregung zu so einem Ergebnis führt. Ich empfehle Ihnen wirklich dringend mit Professor Dippet darüber zu sprechen. Oder, wenn es Ihnen so sehr wiederstrebt, dann eben mit Severus oder Albus. Denn normal ist das. . .“, deutete Horace auf das Chaos. „. . . bei weitem nicht mehr.“ „Dippet hat das damals wirklich nicht böse gemeint“, appellierte Hermione wieder an ihn, doch er blieb stur.
„Ich krieg das selber wieder hin! Ich brauch bloß Ruhe.“ „Wie Sie meinen“, seufzte Slughorn, der sich letztlich zurück an Hermione richtete. „Wenn Sie nach dem Unterricht noch einmal kurz vorbei kommen könnten, damit wir dem Trank die letzte Zutat beigeben können?“ „Auf alle Fälle. Vielen Dank für Ihre Mühe, Professor.“ „Oh, nichts zu danken. Wobei. . . Sie wissen ja, wie Sie mir danken können, sobald der Zauber seine Wirkung getan hat, nicht?“, zwinkerte er, worauf sie nickte. „Es wird mir ein Vergnügen sein.“ „Sehr schön. Nun denn, hopp hopp. Nicht, dass Sie beide mir zu spät zu ihrem nächsten Unterricht kommen“, scheuchte Horace die Beiden aus den Kerkern, hoch zu Flitwick. Der nahm es zwar mit hochgezogener Augenbraue zur Kenntnis, dass die beiden Schulsprecher zu spät kamen, sagte aber nichts.
Nach dem Unterricht verschwanden die Zwei kurz in ihren Turm. Draco holte seine Quidditchsachen, während Hermione in ihr Zimmer huschte, um noch einmal zwei Blütenblätter der Rose abzuknapsen. Sie hoffte, das genügte für den Zauber, denn die ganze Rose wollte sie nur ungern opfern, da sie der einzige Hinweis darauf war, dass Ben überhaupt noch lebte.
Sie betrachtete die einzelne Rose noch kurz nachdenklich, die auch weiter recht verloren zwischen Dracos Sträußen wirkte. Dass die noch nicht verblüht waren überraschte sie. Vermutlich hatte der Blonde einen Frischezauber oder ähnliches über die Blumen gesprochen, denn sie sahen noch immer so schön aus, wie am Tag, als sie die Blumen bekommen hatte. Die Lilien und Rosen waren inzwischen auch alle voll aufgeblüht und schienen in ihrer Blüte schon irgendwie zu strahlen.
„Hermione!“, rief Draco, womit sie sich von den beiden Sträußen los riss und die Blütenblätter der Rose in einer kleinen Schale verstaute, die in ihrem Umhang verschwand.
„Komme“, gab sie ihm zurück und beobachtete noch kurz mit wachsender Freude, dass sich die Rose zu öffnen begann. Diesmal würde es klappen. Dessen war sie sich sicher. Es musste einfach. Andernfalls wusste sie sich wirklich keinen Rat mehr.
„Jetzt sag mal, was ist das, was du so dringend suchst? Vielleicht kann ich dir beim Suchen helfen?“, bohrte Draco auf dem Weg nach unten wieder neugierig. „Ich glaube kaum. Slughorn und Ginny sind da die Einzigen, die mir bei der Sache irgendwie helfen können.“ „Hm. Das heißt, du kommst jetzt doch nicht mit?“ Draco war darüber schon ein bisschen enttäuscht. Hermione aber lächelte.
„Doch. Ich geh bloß noch fix zu Slughorn, dann komm ich runter zum Spielfeld. Ich will doch sehen, ob sich Blaise’ Training bei dir etwas bewährt hat“, grinste sie frech und schlug ihm sacht auf die Wange. „Denk dran. Du hast große Töne gespuckt, von wegen, du würdest Harry dieses Mal schlagen.“ „Werd ich auch!“ „Das, mein Lieber, glaube ich erst, wenn ich es sehe“, lachte sie und gab ihm noch einen kleinen Kuss auf die Wange, als sie am Haupteingang waren, wo Blaise bereits wartete.
„Bis gleich!“, winkte Hermione und begab sich noch etwas tiefer ins Schloss, runter zu Slughorn, der bereits auf sie wartete. „Da sind Sie ja, meine Liebe.“ „Reichen die?“, hielt sie Slughorn die beiden Blütenblätter hin, worauf er nickte. „Ich denke schon. Der Zauber wird nicht wirklich stärker, nur weil man mehr Zutaten hinzu gibt. Wobei ich sagen muss, ein Haar, oder noch besser ein Blutstropfen, wären sehr viel effektiver, als ein mit Magie belegter Gegenstand.“ „Ich weiß. Aber das ist leider das Einzige, was ich von ihm habe. Von der Kette einmal abgesehen“, wurde Hermione etwas bedrückt. Slughorn tätschelte ihr die Schulter.
„Das wird schon, Hermione. Dann lassen sie uns den Trank beenden und verfeinern, und dann heißt es Daumen drücken“, lächelte Horace und geleitete sie in sein Büro, wo der Kessel stand. Keine fünf Minuten, nachdem sie die Blütenblätter hinzugefügt hatten, schimmerte der Trank silbrig, von dem Slughorn ihr etwas in eine kleine Phiole füllte.
„Nun ist es an Ihnen, oder mehr der Eule, den jungen Mann aufzuspüren. Hoffen wir auf das Beste.“ „Nochmal danke für Ihre Hilfe.“ „Immer wieder gern. Ich bitte mich zu empfehlen“, meinte Slughorn formell und deutete eine kleine Verbeugung an, bevor er Hermione zwinkernd ansah. Diese steckte die Phiole ein und machte sich auf den Weg runter zum Quidditchfeld. Den Brief würde sie heute Abend schreiben. Als sie am Stadion ankam, wartete Charlie am Zugang auf sie, den sie überrascht ansah.
„Du schaust zu?“ „Ja. Blaise hat mich darum gebeten. Er kann schließlich schlecht alles mit einmal im Blick haben. Er selbst muss sich ja auch mit Daphne und Malcolm abstimmen.“ „Hm. Das hat aber nicht rein zufällig auch etwas mehr mit Daphne zu tun?“, bohrte Hermione leicht, worauf er verschmitzt grinste. „Vielleicht.“
Damit begaben sich die Beiden auf die Tribüne und suchten sich einen Platz, von wo aus sie alles richtig im Blick hatten. Blaise jagte seine Leute da bereits zum Aufwärmen ein paar Runden durchs Stadion, bevor er die Bälle raus ließ und mit seinen beiden Jägern die ersten Manöver flog. Hermione kam auf den Anblick nicht umhin, doch etwas zu staunen. Zwar hatte sie nicht wirklich Ahnung vom Quidditch, doch im Gegensatz zu den Vorjahren, und der Tatsache zum Trotz, dass außer Draco und Blaise noch keiner von den Sieben vorher in der Hausmannschaft war, spielten sie erstaunlich gut. Was so anders war, erkannte Hermione nach und nach immer mehr, denn sie spielten miteinander und nicht wie früher, jeder auf sich fixiert. So leicht, wie Harry sich das bis jetzt dachte, würde es für Gryffindor wohl doch nicht werden.
„Sie sind gut“, murmelte Hermione schließlich, was Charlie schmunzeln ließ. „Was hast du bei Blaise erwartet? Er ist ehrgeizig und hat sich vorgenommen, dass der Pokal dieses Jahr wieder zu uns kommt.“ „Sieht man.“ „Wenn du das sagst, will das was heißen“, lachte Charlie und fing sich dafür einen sanften Seitenhieb ein.
„Stellt mich nicht immer als doof hin, nur weil ich nicht so Quidditchverrückt bin wie ihr.“ „Niemand stellt dich als doof hin, Süße“, meinte Charlie versöhnlich. „Aber Quidditch ist eine Sache für sich. Und wenn auch dir auffällt, dass sie anders spielen als sonst, spricht das für Blaise und seine Fähigkeiten als Kapitän.“ Daraufhin nickte Hermione und folgte wieder den Spielzügen.
„Dass Daphne so gut spielen kann, hätte ich ihr gar nicht zugetraut. Sie hat auf mich eigentlich immer einen recht ruhigen Eindruck gemacht.“ „Das war nur nach außen. Wenn wir unter uns waren, sah die Sache immer ganz anders aus. Daphne hat auch nicht gerade wenig Temperament und weiß sich zu behaupten.“ „So so“, flötete Hermione und maß Charlie wissend. Dieser grinste.
„Geht das mit Daphne und dir denn schon länger?“, bohrte Hermione vorsichtig, worauf Charlie mit den Schultern zuckte und wieder etwas dem Spiel folgte. „Ja und nein, könnte man sagen. Da war schon immer eine gewisse Sympathie, die wir aber nie weiter ausleben konnten, weil Daphne leider, leider auch schon verlobt war.“ „Verrat mir mal, warum die meisten Reinblüter ihre Kinder immer in irgendwelche unglücklichen Ehen zwingen?“ „Um den Stammbaum rein zu halten?“, gab Charlie ihr die überflüssige Antwort, was sie murren ließ. „Und einmal mehr bin ich froh, kein Reinblut zu sein“, frotzelte sie. Charlie lachte matt. Kurz darauf sah sie zurück zu ihm.
„Aber sag mal, du hast gesagt Daphne war verlobt. Mit wem? Und warum ist sie es nicht mehr?“ „Weil ihr heißgeliebter Verlobter, bedauerlicherweise, Opfer eines ach so tragischen Unglückes wurde“, grinste Charlie. „Aha. Wer? Kannte ich ihn?“ „Oh ja. Goyle.“ „Nein?!“ „Doch. Du kannst mir glauben, Daphne ist darüber alles andere als unglücklich. Sie hat mir oft genug wütend in den Ohren gelegen, dass sie sich vorher selber avadat, bevor sie Goyle heiratet.“ „Hätte ich an ihrer Stelle auch“, murmelte Hermione mit einem unterdrückten Würgreiz.
„Aber das Problem hat sich ja jetzt, Merlin sei Dank, von selbst gelöst. Und mit den neuen Begebenheiten, die wir seit Kriegsende haben, wird der Alte Greengras sicher stärker Abstand zu diesem Reinheitswahn nehmen. Gut für Daphne und Astoria. Aber lassen wir das mit den Beiden. Mich würde mal interessieren, wie du Draco inzwischen siehst?“ „Wie soll ich ihn sehen? Er ist mir ein Freund. Wie kommst du jetzt überhaupt darauf?“ „Du sitzt bei einem Quidditch Training der Slytherins auf der Tribüne. Etwas, was du nicht einmal bei den Gryffindors machst“, schmunzelte Charlie und stellte zufrieden fest, dass sie rot wurde. Allerdings wurde er gleich wieder ernst, da er noch einen spezifischeren Grund hinter ihrer Anwesenheit vermutete, als den, den er und Blaise sich für Draco wünschten.
„Du willst jetzt ein Auge auf ihn haben, richtig?“ „Ist es so offensichtlich?“, lächelte sie schwach. Charlie zuckte mit den Schultern. „Nach allem was passiert ist, hätte es mich eher gewundert, wenn du jetzt nicht hier wärst“, lächelte er wieder und meinte weiter: „Draco ist dir inzwischen wirklich sehr wichtig geworden, oder?“, worauf sich erneut ein zarter Hauch rosa auf ihre Wangen stahl, was ihn innerlich zufrieden grinsen ließ.
„Natürlich ist er mir wichtig“, nuschelte Hermione unsicher, bevor der Ernst wieder stärker von ihr Besitz ergriff. „Ich mach mir Sorgen um ihn. Genauso wie um den Rest meiner Freunde.“ Freunde, seufzte Charlie in sich hinein. Sah sie es wirklich nur so? Er konnte sich das nach allem nicht mehr wirklich vorstellen. Sie musste es doch selbst merken. Vielleicht musste man die Hexe aber einfach nur etwas mehr mit der Nase auf das Offensichtliche stoßen.
„Das tun wir alle. Nach den letzten Ereignissen besonders.“ „Hm“, nickte Hermione bedrückt und suchte den Blonden hoch oben über sich. „Was schätzt du denn so an ihm?“, warf Charlie nach einer Weile ruhig ein, sodass sie zu ihm zurück sah. Fragend.
„Was?“ „Draco. Was du die vergangenen Jahre von ihm gehalten hast, wissen wir ja. Mich würde interessieren, was für ein neues Bild du dir inzwischen von ihm gemacht hast?“ „Ist das dein Ernst?“ „Ja. Was verbindest du jetzt mit Draco?“ „Du kannst fragen. Ahm. . . Okay. Was fällt mir denn schönes zu meinem Frettchen ein?“, überlegte sie theatralisch. Charlie neben ihr grinste aufgrund ihrer Wortwahl.
„Zuallererst einmal ist er ziemlich attraktiv.“ „Ohhh, sag ihm das ja nicht“, lachte der Brünette. „Dann schwillt sein Ego bloß noch mehr an“, warnte Charlie grinsend. Hermione tat es ihm gleich. „Keine Angst, hab ich nicht vor. Um diese Tatsache weiß er, denke ich, selbst gut genug. Das muss ich ihm nicht noch sagen. Erwähnt haben wollte ich es aber.“ „Und sonst? Du bist ja eigentlich nicht der Typ Mensch, der so sehr auf Äußerlichkeiten achtet“, warf Charlie neugierig ein, worauf sie nickte und sich ein Stück zurücklehnte.
„Tue ich auch nicht. Ich hab ihn früher aber nie so gesehen. Also was ich damit meine ist, dass es mir immer ein Rätsel war, was die ganzen Mädchen so anziehend an ihm fanden? Sobald er den Mund aufgemacht hat, war es bei mir aus, denn dann hatte ich nur noch seine stachelige, garstige, kaltschnäuzige Persönlichkeit vor Augen. Und an der war nichts Schönes, Anziehendes oder sonst wie Attraktives.“ „Hm“, machte Charlie betreten auf ihre Erklärung, während Hermione den Blick abermals nach oben legte, wo der Blonde noch immer suchend seine Kreise zog.
„Jetzt kann ich es aber sehen, mehr noch verstehen. In meinen Augen war er früher immer hässlich, aufgrund seines miesen Charakters. Und da hat es für mich keine Rolle gespielt, was andere gesagt haben. Mittlerweile denke ich, dass seine Erscheinung seinen eigentlichen Charakter doch sehr gut wiederspiegelt, und nicht nur ein schöner Schein ist. So war es mir früher auch immer ein Dorn im Auge, dass er mir leistungstechnisch ständig so sehr im Nacken saß, da ich besser sein wollte als er. Ich wollte den ganzen Reinblütern, ganz besonders ihm, beweisen, dass ich es genauso Wert bin, eine Hexe genannt zu werden. Dass ich genauso gut sein kann wie er. Am liebsten besser. Jetzt finde ich es ganz nett und angenehm, mit ihm im Wettstreit zu stehen. Ich schätze es, dass wir intellektuell auf einer Höhe sind. Mir wird nicht langweilig, wenn ich mich mit ihm unterhalte, was auch daran liegt, dass er, anders als jetzt Harry oder mehr noch Ron, kulturell sehr versiert ist. Wir sind in vielen Dingen auf einer Wellenlänge. Was ich auch noch sehr angenehm finde und früher auch nie gedacht hätte ist, dass er auch gerne mal ein gutes Buch liest. Er ist manierlich und kann unwahrscheinlich charmant sein, wenn er will. Genauso witzig“, schmunzelte Hermione, als sie an ihr Gestänker und Necken jetzt am Freitag zurückdachte.
„Er bringt mich zum Lachen und weiß mich auch aufzumuntern, wenn ich deprimiert bin. Er hört mir zu und versucht mir bei meinen Problemen zu helfen, selbst wenn er genug eigene hat. Mit all dem, da. . . Da sehe ich in ihm inzwischen einen charmanten, witzigen, manchmal recht frechen und vorlauten, aber dennoch intelligenten, einfühlsamen, fürsorglichen und allen voran sehr liebevollen Menschen, mit dem ich sehr gerne zusammen bin“, erklärte sie, den Blick auch weiter, ein wenig in ihre Gedanken versunken, lächelnd gen Himmel gerichtet, wo Draco ungestört seine Runden drehte.
„Es ist schon ein bisschen seltsam, das alles“, sinnierte sie nach einer kleinen Weile halb in Gedanken. „Da glaubt man, einen Menschen sieben Jahre lang zu kennen, im Endeffekt wusste ich aber rein gar nichts über ihn und sein Leben. Ich wollte ja auch nichts darüber wissen oder mir irgendwelche Gedanken darüber machen, obwohl du und Blaise immer versucht habt meine Meinung und Ansicht über ihn etwas zu korrigieren und in ein anderes Licht zu rücken.“ „Bei dem ganzen Trara ringsherum, ging es ja leider auch nicht so, wie wir das gerne gewollt hätten“, meinte Charlie gedrückt, worauf sie zustimmend nickte und sich wieder stärker nach hinten lehnte. Ihr Blick huschte so etwas durch das Stadion, wie auch über die anderen Flieger, als Charlie erneut das Wort ergriff.
„Draco ist ein Schauspieler. Sein ganzes Leben ist, wenn du so willst, auf einer Lüge aufgebaut und zusammengestrickt. Das hat es Blaise und mir zu Anfang wirklich schwer gemacht, mit ihm befreundet zu sein, da er sich von niemandem hat in die Karten schauen lassen. Er hatte zu niemandem aufrichtiges Vertrauen gefasst. Gerade in den vergangenen vier, fünf Jahren, hatte das stellenweise beängstigende Ausmaße angenommen. Blaise und ich hatten da eine Zeit lang wirklich Mühe, uns sein uneingeschränktes Vertrauen zu sichern und auch zu halten. Draco kann dahingehend echt anstrengend sein, wenn man ihm helfen will, er einen aber nicht lässt. Und das treibt gerade Blaise manchmal in den Wahnsinn und zur Verzweiflung“, grinste Charlie kurz bitter, bevor er den Kopf hob und nach dem Blonden Ausschau hielt.
„Aber auch wenn er hin und wieder recht anstrengend sein kann, mit seinem Dickkopf und Vorstellungen, sind es diese Anstrengungen dennoch mehr als Wert, um ihn zum Freund zu haben. Ich weiß offen gestanden schon gar nicht mehr wie oft er mir, und vor allem Blaise, schon den Rücken frei und uns Ärger vom Hals gehalten hat. Nicht selten hat er sich dadurch selber gehörig Ärger eingebrockt“, lächelte Charlie etwas melancholisch.
„Ich bin wirklich froh, ihn zum Freund zu haben. Genauso, dass du ihm diese Chance gegeben hast. Ihm bedeutet das wirklich unwahrscheinlich viel. Du weißt mittlerweile ja, dass er eigentlich nie wirklich etwas gegen dich gehabt hat. Im Gegenteil. Er hat dich immer auf seine Art geschätzt und gemocht. Deine wilde, temperamentvolle, aber auch liebevolle Art. Dein helles Köpfchen. Die Tatsache, dass du ihm Paroli bietest und mit deiner Meinung auch nicht hinter den Berg hältst. Genauso, dass du einen Menschen um seiner selbst willen schätzt und. . .“ Charlie seufzte und sah sie schließlich wieder an.
„Er hat dich wirklich sehr gern, Hermione. Mehr als gern. Er. . .“ „Weißt du wer das ist?“, unterbrach sie Charlie dann aber, ohne den Blick, wie auch ihre gesamte Konzentration, von der Gestalt zu lösen, die im Schatten des Zuganges zum Stadion verharrte. Charlie blinzelte perplex.
„Was?“ „Da unten“, deutete sie ihm auf den dunklen Punkt. „Der scheint schon länger dort zu stehen, ich erkenne aber nichts“, murmelte sie auch weiter leicht abwesend, als sie versuchte, etwas in der Gestalt zu erkennen. Fehlanzeige. Dafür war sie zum einen zu weit weg und stand zum anderen zu tief im Schatten.
„Ich denke, es darf niemand beim Training zusehen?“, erkundigte sie sich, und sah Charlie nun auch erst wieder an. Fragend. Mehr noch leicht verunsichert.
„Eigentlich nicht. BLAISE!“, rief Charlie schließlich, worauf der Gerufene den Quaffel an Daphne verlor, die sich zu Alvena und damit den Torringen vorarbeitete. „WAS?“, rief Blaise zurück, bevor er die Tribüne ansteuerte.
„Irgendeine Lücke?“, erkundigte er sich, in Bezug auf ihre Spielzüge. Charlie schüttelte mit dem Kopf und deutete auf die Eigenartigkeit, die Hermione aufgefallen war, und die sie auch noch immer mit Argusaugen im Blick behielt.
„Weißt du wer das dort ist?“ „Wer was wo ist?“, wunderte sich Blaise und folgte dem Fingerzeig seines Freundes. Im Kommenden versuchte er etwas zu erkennen, schüttelte dann aber mit dem Kopf.
„Seltsam. Ich hab den Zugang zum Stadion nach euch versiegelt, damit wir unsere Ruhe haben“, murmelte er. „Dann ist das niemand von euch?“, vermutete Hermione weiter, worauf er mit dem Kopf schüttelte „Nein“ und schließlich nach oben sah.
„DRACO!“, brüllte er nach dem Blonden, der gerade den Schnatz entdeckt hatte und nach diesem jagte. „WAS?“, brüllte der Blonde zurück, was kaum an den Tribünen ankam, da er dem Schnatz im Zick Zack hinterher flog. „KOMM HER!“ „WIESO?“ „FRAG NICHT. BEWEG DEINEN ARSCH HIER HER!“ Daraufhin brach er stöhnend seine Jagd nach dem Goldball ab und flog ebenfalls zur Tribüne, auf der er maulend landete.
„Was denn? Ich hatte den Schnatz fast“, meckerte er. Blaise ging gar nicht darauf ein. „Du wartest hier.“ „Warum?“ Draco verstand gar nichts mehr. Weniger noch, als Blaise sich wieder seinen Besen nahm.
„Er haut ab“, murmelte Hermione, als der Schatten im Zugang verschwand. „So schnell nicht“, murmelte Blaise und stieß sich mit seinem Besen ab. „Blaise!“, rief Charlie ihm noch nach, der Böses ahnte. „Ich guck bloß“, rief der Schwarzhaarige zurück und landete nur einen Moment später am Zugang der Katakomben.
„Was ist denn los?“, hakte Draco nach, der auch weiter nicht verstand, nun aber von seinen Freunden aufgeklärt wurde. „Da unten war jemand, der nicht im Stadion sein sollte.“ „Wer?“ „War nicht zu erkennen“, blieb Charlie ernst und sah schließlich nochmal nach oben.
„DAPHNE!“, rief er nun auch nach der zweiten Jägerin, die auf seinen Ruf hart abbremste und sich zu ihm wandte. „WAS IST?“ „KOMM HER!“, holte Charlie auch sie aus der Luft, die die ganze Aktion noch weniger verstand als Draco.
„Was denn?“ „Gib mir deinen Besen und bleib erstmal bei den Beiden. Ich seh nach Blaise“, ordnete er an, dem sie mehr als verwundert Folge leistete. Kurz darauf flog auch Charlie zum Zugang. Zurück blieben zwei verwirrte Schlangen zusammen mit einer Löwin, die ein mieses Bauchgefühl hatte.
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Charlie setzte keine drei Minuten nach Blaise am Zugang zum Quidditchfeld auf, und lies Daphnes Besen achtlos neben dem von Blaise liegen. Dem wollte Charlie gerade am liebsten in den Arsch treten für seinen Hitzkopf.
Merlin allein wusste wer dort war und Blaise rannte dem alleine nach. Im günstigsten Fall war es nur jemand aus einem der anderen Häuser, der schnüffeln wollte. Im allerungünstigsten Fall jedoch jemand, der es wieder auf Draco abgesehen hatte. Und wenn letzteres zutraf, würde dieser jemand sich sicher nicht durch Blaise aufhalten lassen. Im Gegenteil.
So verschwand Charlie mit gezücktem Zauberstab im Durchgang und achtete akribisch auf alles, konnte in dem plötzlichen Halbdunkel aber nichts erkennen, was ihn verwirrte. Warum waren die Lampen aus?
Mit einem raschen Schlenker seines Zauberstabes erhellte er den Gang wieder und schnappte prompt nach Luft, als er gut zehn Meter von sich entfernt, eine reglose Gestalt in Quidditchkleidung auf dem Boden liegen sah.
„Scheiße, Blaise!“, zischte Charlie und stürzte zu seinem Freund, nach dem er sofort näher sah. Er hatte eine klein Platzwunde am Kopf, die er sich scheinbar bei seinem Sturz zugezogen hatte. Auf alle Fälle war er bewusstlos und nur zu offensichtlich angegriffen worden. Das verhieß nichts Gutes und so vermutlich auch, dass nicht nur jemand zum spionieren gekommen war.
„Rennervate“, murmelte Charlie über die reglose Gestalt des Schwarzhaarigen, der schließlich leise stöhnte und sich mehr auf den Rücken drehte. „Scheiße, was. . .“, krächzte Blaise und kniff die Augen zusammen, als ihm viel zu viele bunte Lichtblitze vor diesen umher tanzten.
„Bleib liegen. Episkey“, murmelte Charlie weiter und begann die Kopfverletzung zu heilen, was Blaise nochmal stöhnen ließ. „Dieses miese Aas.“ „Hast du wen erkannt?“, erkundigte sich Charlie, nachdem sich die Wunde geschlossen hatte. Nebenher half er Blaise etwas auf und lehnte ihn vorsichtig an die Wand.
„Nein. Ich hab hinter mir nur was klappern gehört. Als ich mich umdrehen wollte, hab ich bloß noch einen roten Lichtblitz gesehen.“ „Sei froh, dass es kein grüner war“, murmelte Charlie und sah nochmal näher nach ihm, bevor er Blaise direkt anschaute.
„Was rennst du auch alleine los?“, meckerte er. „Was, wenn es mehr als einer gewesen wäre? Merlin, nach allem was passiert ist, können wir gar nicht vorsichtig genug sein!“, schimpfte er, da Blaise nichts weiter fehlte, von der Tatsache abgesehen, dass der Slytherin einen dicken Schädel hatte, der ihm unangenehm brummte.
„Ja doch! Wo ist Draco?“ „Mit Daphne und Hermione noch auf der Tribüne. Kannst du aufstehen?“ „Denke schon.“ „Dann komm. Euer Training bläst du jetzt lieber ab. Ich denke, das ist etwas, was wir Tonks und McGonagall sagen sollten“, mahnte Charlie und half ihm auf, wo er ihn noch etwas stützte.
Gemeinsam traten sie den Rückweg an, wo ihnen, kaum wieder im Licht des Stadions, auch schon Draco, Hermione und Daphne entgegen kamen. Als sie sahen, dass Charlie Blaise stützte, der zudem Blutspritzer auf der Kleidung hatte, schnappten die Mädchen verschreckt nach Luft.
„Was ist passiert?“ „Unser Besucher war wohl nicht so erpicht darauf gesehen zu werden“, murrte Blaise und ließ sich auf einer der Bänke nieder. Auf seine Erklärung ging Draco der Mund auf und zu, bevor er mörderisch knurrte und wütend die Hände zu Fäusten ballte, als sich die wenigen Puzzleteile begannen, in seinem Kopf zusammenzusetzen. Erst Hermione, jetzt Blaise. Wer kam als nächstes? Charlie? Das ging so nicht weiter! Definitiv nicht.
„Hol Tonks her. Schick ihr eine Nachricht“, presste er zwischen zusammengebissenen Kiefern an Hermione gewandt hervor. Sie nickte nur und schickte kurz darauf ihren Otter auf den Weg, bevor sie besorgt zu Blaise sah.
„Und bei dir ist wirklich alles in Ordnung?“ „Ja. Nichts weiter passiert. War bloß ein Stupor“, spielte er die Sache runter, worauf Draco motzte: „Schlimm genug! Hast du erkannt wer es war?“ „Bedauerlicherweise nicht“, knirschte Blaise nun selbst mit den Zähnen, denn das wäre in der Tat hilfreich gewesen. Daphne hatte derweil Mühe allem zu folgen.
„Wieso greift dich jemand an?“ „Weil ich diesem jemand schätzungsweise in die Quere gekommen bin. Harry und Ginny haben euch doch gesagt, dass das bei Draco kein Unfall war“, erklärte er und Daphne begann zu verstehen.
„Ihr denkt, der war. . .“, ließ sie den Satz offen und sah unsicher zu Draco, der auch weiter gefährlich mit den Kiefern mahlte. Die Hände hatte er noch immer zu Fäusten geballt, von denen sich eine Hermione nahm und damit seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie versuchte ihm beruhigend zuzulächeln, war mit seiner Reaktion dann aber doch etwas überfordert, denn zur Antwort zog er sie zu sich und hielt sie fest, wie auch schützend in den Armen.
„Draco?“, hauchte sie vorsichtig, doch er knurrte nur, was sie seufzen ließ. Daphne besah es sich verwundert, wurde dann aber von Blaise abgelenkt. „Kannst du den Rest runter holen und ihnen klarmachen, dass das Training gecancelt ist? Lass dir irgendeine Ausrede einfallen. Nur nicht das, was ist“, gab er ihr gepresst zu verstehen, worauf sie nickte und zu den übrigen vier flog, die die ganze Zeit bereits mehr nur ihre Kreise drehten und das Grüppchen unten verwundert beobachteten.
Schließlich dauerte es nicht mehr lange bis Tonks, mit Dippet im Schlepptau, eintraf und sich die ganze Geschichte nochmal schildern ließ. Im Anschluss sah sie sich mit dem Ex-Auror um, kam aber nicht umhin, Blaise noch in den Krankenflügel zu scheuchen. Zur Sicherheit. Madam Pomfrey konnte, nach Charlies Behandlung, aber nichts mehr feststellen, gab dem Slytherin allerdings noch einen Trank gegen die Kopfschmerzen und empfahl ihm, sich noch etwas hinzulegen. Ein Hinweis, bei dem Charlie dafür Sorge tragen würde, dass Blaise dem auch nachkam.
Hermione verschwand mit Draco direkt in ihren Turm, der noch immer geladen war und wie ein Tiger im Käfig durch das Wohnzimmer stiefelte. Inzwischen konnte sie nachvollziehen, warum er so wütend war. Da wurde erst sie in der Dunkelheit angegriffen und nun Blaise. In beiden Fällen hätte die Sache auch ganz anders ausgehen können.
„Jetzt setz dich doch“, mahnte sie und zog ihn zu sich auf die Couch. „Blaise geht es soweit doch gut“, meinte sie ruhig, obwohl sie bereits im Ansatz ahnte, dass das nicht unbedingt die besten Worte waren, die sie ihm entgegen bringen konnte. Was auch an dem war, denn er muffelte sie kurz an.
„Ihm hätte sonst was passieren können!“ „Ich weiß. Ihm ist aber nichts Schlimmeres passiert. Es bringt nichts, wenn du dich da jetzt in irgendwelche Vorstellungen reinsteigerst was-wäre-wen. Blaise geht es gut. Und das ist jetzt erstmal das Wichtigste“, versuchte sie ihm klarzumachen, doch er knirschte nur mit den Zähnen. Die Augen auch weiter bedrohlich dunkel, was sich nach und nach auch immer stärker begann magisch bemerkbar zu machen, denn diverse Einrichtungsgegenstände, wie Bücher, eine der Vasen, zwei Blumentöpfe, wie auch ihre Pergamente, begannen zu schweben, und sich um die Couch herum im Kreis zu drehen.
Hermione registrierte es erst nur aus den Augenwinkeln, erkannte dann aber was los war und ahnte, wohin das noch führen würde, wenn Draco sich nicht schnellstens wieder beruhigte. Nur wie sollte sie ihn beruhigen und ablenken, wenn sein bester Freund angegriffen worden war, und das aufgrund seiner Person? Weil es jemand auf ihn abgesehen hatte?
„Komm her“, hauchte sie schließlich, als auch Draco das umherschweben des Interieurs bemerkte und dem verunsichert mit den Augen folgte. Hermione zog ihn da aber gleich zu sich in die Arme und hielt ihn beruhigend umschlossen.
„Sch“, hauchte sie und strich ihm über den Rücken. „Versuch dich zu entspannen. Ruhig atmen. Denk an etwas Schönes“, empfahl sie ihm und hielt ihn auch weiter fest, während er seine Arme um ihre zierliche Gestalt schlang und immer tiefer durchatmete.
Nach und nach begann es zu funktionieren, denn der kleine Wirbel um sie herum wurde schwächer, sodass die paar Sachen irgendwann den magischen Halt verloren und wieder der Schwerkraft erlagen. Es klirrte kurz, da der Vase dies nicht wirklich bekommen war, worauf Draco doch noch einmal zusammenzuckte. Hermione hielt ihn aber auch weiter beruhigend umschlossen und strich ihm durch die Haare.
„Es ist alles okay“, flüsterte sie und suchte seinen Blick. Dass er wieder blasser geworden war, und auch leicht erschöpft wirkte, erkannte sie da erst. „Hinlegen“, wies sie ihn ruhig, aber dennoch mit Nachdruck an, sodass er nicht widersprach.
„Vielleicht redest du doch mal mit. . .“ „Nein“, brummte Draco matt, noch bevor sie Dippet sagen konnte. Hermione verzog daraufhin etwas das Gesicht. „Du bist so ein sturer Dickkopf“, schimpfte sie leicht mit ihm, bevor sie sich die Decke von der Lehne der Couch angelte und ihm über legte. „Und du nicht?“, warf er ihr zurück, und bekam dafür recht undamenhaft von Hermione die Zunge entgegen gestreckt, was ihm ein schwaches Grinsen entlockte.
„Versuch ein bisschen zu schlafen“, empfahl sie ihm. Kurz darauf kümmerte sie sich um den Scherbenhaufen und die teils deplatzierten Objekte. Draco beobachtete sie nur noch einen Moment, bevor er ihrem Rat nachkam, sich auf die Seite drehte und die Augen schloss. Nur etwas später war er eingeschlafen, wie Hermione zufrieden feststellte. Jedoch verschwand damit das drückende Gefühl in ihrem Innern nicht, was mit seinen unkontrollierten Magieausbrüchen einherging.
Slughorn hatte Recht. Es war nicht normal, dass eine einfache Gereiztheit oder leichte Wut, ein mehr als ausreichender Katalysator dafür war, um seine Magie spontan hervortreten zu lassen. Er musste in der Angelegenheit mit jemandem reden, der Ahnung von so etwas hatte. Ob er nun wollte oder nicht. Vom nichts tun und abwarten, würde es definitiv nicht besser werden. Was hatte Mr. Ollivander noch gesagt? Seine Magie wäre unruhig. Zerrissen. Dass kein Einklang, keine Harmonie mehr vorherrschte.
Ob sie Snape davon erzählen sollte? Der hatte sicher etwas Ahnung davon. Oder Remus? Einem von beiden auf alle Fälle, wenn Draco sich schon so vehement gegen Dippet sträubte. Nach allem irgendwo auch nachvollziehbar. Dennoch. Er brauchte in der Richtung Hilfe, auch wenn das noch nicht in seinen Kopf rein wollte.
So machte sie sich schließlich auf den Weg in Richtung Schulleiterbüro, um als erstes mit Snape und vielleicht auch Dumbledore zu sprechen. An Remus kam sie so schnell jetzt ja nicht ran, allerdings würde sie auch ihm eine Nachricht zukommen lassen, ob er am Wochenende vielleicht Zeit für sie hatte.
„Herein“, rief Minerva aufgrund des Klopfens von innen und war überrascht Hermione zu sehen. „Hermione, was gibt es denn?“ „Uhm. . . War Tonks schon bei Ihnen?“ „Nymphadora? Nein, warum?“ Daraufhin erklärte Hermione der Direktorin, was sie im Stadion beobachtet hatten und schließlich auch den Angriff auf Blaise. Minerva konnte auf das Gehörte nur mit dem Kopf schütteln, in dem sich leichte Kopfschmerzen breit machten.
„Merlin, hört das denn gar nicht auf?“, seufzte sie, dem Hermione nichts entgegenzusetzen wusste. „Uhm. . . Professor? Der Grund, warum ich eigentlich zu Ihnen gekommen bin ist. . . Nun, ich wollte fragen, ob ich vielleicht kurz mit Professor Snape und Dumbledore sprechen könnte?“ „In welchem Belang?“, erkundigte sich Minerva.
„Ich wollte etwas wegen . . . wegen Draco mit Professor Snape besprechen. Allein, wenn das möglich wäre?“, druckste sie etwas drum herum, da sie noch ganz gut in Erinnerung hatte, was die Direktorin gesagt hatte, sollte sich Dracos Problem auch weiterhin nicht lösen. Die Direktorin sah sie auf ihre Worte jedoch skeptisch an, während Snape die Augenbraue hoch zog.
„Allein?“, bohrte Minerva. „Ja. Ich. . . Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich würde das wirklich gerne unter vier. . .“, brach sie ab und sah zu Dumbledore, der sie interessiert über seine Halbmondgläser musterte. „. . . oder vielleicht auch sechs Augen besprechen.“ „Gibt es denn Probleme?“, hakte Minerva nach. „Nicht mehr, als ohnehin schon“, seufzte Hermione und sah die Direktorin bittend an.
„Bitte. Es ist wirklich wichtig.“ „Wärst du so gut, uns kurz allein zu lassen, Minerva?“, unterstützte Albus die Gryffindor schließlich, während die alte Hexe argwöhnisch zu ihrem ehemaligen Kollegen blickte, dann aber mit einem Nicken das Feld räumte.
„Danke“, meinte Hermione noch kurz, als die Direktorin ihr Büro verließ und die junge Hexe mit den Gemälden der alten Schulleiter allein ließ. „Was brennt Ihnen denn so sehr auf der Seele, meine Liebe?“, fragte Dumbledore freundlich, mit einem großväterlichen Lächeln auf den Lippen. Hermione fixierte nun aber Snape etwas mehr.
„Sie haben letztens doch sicher mitbekommen, dass Dracos Magie nach dem Attentat im Raum der Wünsche dazu neigt, unkontrolliert hervorzutreten?“ „Habe ich, ja. Und ich kann es nachvollziehen. Worauf wollen Sie hinaus?“, bohrte Snape. „Es ist immer noch so. Also. . . Selbst auf eine leichte Gereiztheit oder Wut hin, bricht seine Magie hervor. Es ist heute Nachmittag in den Kerkern erst wieder passiert, als wir noch etwas mit Professor Slughorn besprochen haben, und vorhin bei uns im Turm auch. Professor Slughorn meinte, dass es nicht normal ist und Draco vielleicht mal mit Professor Dippet darüber sprechen sollte, was er aber nicht will, weil er. . . Nun, er kann Professor Dippet nicht ausstehen und traut ihm zudem auch nicht, weil er . . . er. . .“ „Ich weiß, was dieser Mann getan hat“, fiel Snape ihr leicht erbost ins Wort, worauf sie nickte.
„Ich habe es Draco vorhin auch nochmal nahe gelegt, aber er will sich da nicht so richtig helfen lassen. Fakt ist, dass er das wirklich nicht unter Kontrolle hat und es ihm auch irgendwo Angst macht. Ich dachte, vielleicht haben Sie eine Idee was ihm helfen könnte? Wie er das wieder in den Griff bekommen könnte?“, sah sie hoffnungsvoll zu Snape, der allerdings seufzte und mit dem Kopf schüttelte.
„Bedauerlicherweise kann ich Ihnen hierfür auch keinen Rat geben. Horace hat sicher Recht, dass Draco professionelle Hilfe von jemanden in Anspruch nehmen sollte, der mit so etwas vertraut ist und vor allem auch lebendig. Als Portrait kann ich ihm höchstens Ratschläge geben, aber keine fachmännische Betreuung.“ „Denken Sie Remus könnte ihm helfen? Oder Tonks?“ „Nymphadora nicht wirklich und Lupin halte ich auch für keine gute Wahl“, zischelte Snape. „Er ist aber ein guter Lehrer und hat Harry auch mit dem Patronus. . .“ „Miss Granger, wir reden hier nicht von einem Zauber, den es zu erlernen gilt, sondern von einem nur zu offensichtlich nicht minder großem, psychischen Problem, das Draco hat, welches sich auch auf die Physis und damit auch auf die Magie auswirkt!“, unterbrach Snape sie harsch.
„Und was schlagen Sie dann vor?“, muffelte Hermione das Portrait an, wo sich allerdings Albus dazwischen schaltete. „Vielleicht hilft es ja etwas, wenn sich Draco mit jemandem über das Erlebte auseinandersetzt und alles in Ruhe durchspricht.“ „Er hat, Merlin weiß was durch“, argumentierte Hermione, worauf Albus verständig nickte.
„Ich weiß. Dennoch. Er muss versuchen das zu verarbeiten, um wieder zur Ruhe zu kommen. Dass das nach derart traumatischen Erlebnissen nicht leicht ist, steht außer Frage. Aber sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen, sie als gegeben zu akzeptieren, als Teil der Vergangenheit, ist meist der erste Schritt zu einer Heilung. Das sie alle noch Kinder waren, die in einer stetig wachsenden Dunkelheit zu jungen Menschen herangereift sind, kommt zudem erschwerend hinzu. Sehr viele von Ihnen haben in der Zeit Dinge gesehen, oder gar am eigenen Leib erfahren, die tiefe seelische Wunden gerissen haben. Die Folgen dieser kann man nur schwer allein bewältigen. Man kann sie verdrängen, was Draco zweifellos versucht, aber wohin das führt, erst Recht, wenn bestimmte Grenzen überschritten wurden, sehen wir nun ja. Versuchen Sie mit ihm über diese Erlebnisse zu sprechen, Hermione. Und vielleicht. . . Nun, vielleicht reden Sie auch einmal mit Ihren Freunden.“ „Worüber?“, stutzte Hermione und horchte auch so auf. Dumbledore lächelte mitfühlend.
„Sie waren SEINER Magie ausgesetzt. Und ich weiß nicht was für Dingen noch, als man Sie gefangen gehalten hat.“ Als er diese Sache ansprach, schluckte die Hexe heftig und schielte unsicher zu Snape, der mit hoher Wahrscheinlichkeit über alles im Bilde war, was damals im Manor passiert war. Doch die Fledermaus schwieg, sodass sie zurück zu Dumbledore blickte.
„Mir fehlt aber nichts. Es geht mir gut. Draco ist derjenige, dessen Magie verrückt spielt“, argumentierte sie, was den alten Mann milde, aber auch mitfühlend lächeln ließ. „Es ist dennoch nicht nur Draco, Hermione. Oder warum lassen Sie sich von Mr. Harper Beruhigungstränke für die Nacht schicken?“ „Woher. . .“ Hermione klappte der Kiefer runter, aufgrund dieses Wissens. Dumbledore lächelte verständig.
„Ich denke, das spielt keine Rolle. Fakt ist, dass auch Sie unter den Folgen des Krieges, und allem was in diesem vonstattengegangen ist, leiden. Und das anscheinend auch mehr, als die meisten Ihrer Freunde. Körperliche Wunden kann man durch Tränke, Salben und Tinkturen weitestgehend heilen, meine Liebe. Seelische Wunden aber brauchen Zeit und eine besondere Behandlung wie auch Pflege, um zu heilen. Dass Sie sich so um Draco bemühen, ehrt Sie. Darüber hinaus sollten Sie vielleicht auch mal darüber nachdenken, die Hilfe, die Sie ihrem Freund anbieten, selbst von anderen anzunehmen“, empfahl er ihr, worauf sie schwieg und den Blick senkte. „Denken Sie darüber nach, Hermione“, meinte Dumbledore nur noch, worauf die Hexe stillschweigend von dannen schlich, zurück zu ihrem Turm.
Sie wollte es nicht, kam aber dennoch nicht umhin, über Dumbledores Worte nachzudenken. Es würde sie nicht wundern, wenn er durch Snape tatsächlich alles wusste, was in diesem Horrorhaus passiert war. Als sie daran dachte, fröstelte es sie unweigerlich wieder.
Merlin, sie wollte nicht mehr an diese Dinge denken. Warum musste er sie daran erinnern? Warum musste er diese Wunden, wie er selbst sagte, wieder so sehr aufreißen? Reichte es nicht, dass all die Erinnerungen und der Schmerz erst am Samstag auf so brutalem Weg wieder über sie hereingebrochen war? Die bittere Vorstellung, noch immer in diesem Horror festzuhängen? Alles was war, wieder zu sehen und zu durchleben? Sie wollte das nicht. Sie wollte einfach nur vergessen, was war. Etwas, was in den vergangenen Tagen und Wochen eigentlich auch gut geklappt hatte. Und sie wusste auch warum.
So fies es auch war, aber die Probleme, die Draco hatte, bereiteten ihr zeitgleich genug Ablenkung, um diese kalten Schatten, die ihre Seele erstickten, vorerst zu vertreiben. Genauso wie schon direkt nach der Schlacht. Da sie durch die Sache mit dem Blonden nicht wirklich zur Ruhe gekommen war, hatte sie sich auch nicht weiter mit diesen Schatten beschäftigen müssen. Sie waren zum Großteil hinter dicken Türen verschlossen geblieben. Fern ihrer Gedanken. Doch sobald sie Ruhe fand, nachts, dann kehrten die Dämonen zurück und nahmen Gestalt an. Sie bemächtigten sich ihrer und ließen den Schmerz erneut aufbrechen, sodass die schwach vernarbten Wunden aufs Neue schmerzhaft bluten.
Dumbledore hatte irgendwo sicher Recht, dass auch sie mit jemandem in Ruhe über alles reden sollte. Genauso wie Draco sich mit diesen Dingen, Stück für Stück, auseinandersetzen musste. Am besten mit einem Freund. Nur war es alles andere als leicht, derartiges mit einem anderen zu teilen.
Ihr selbst fiel für ihre Probleme auch nur eine Person ein, mit der sie tatsächlich bereit wäre, über diese Dinge zu sprechen. Es gab nur einen Menschen, der ihren Schmerz und das Leid wirklich verstehen würde, ohne, dass sie viele Worte darauf verwenden musste. Ohne, dass sie alles noch einmal so stark durchleben musste.
Sie wusste, er würde ihr zuhören, denn das hatte er bereits einmal, als sie zu keinem ihrer Freunde dieses Vertrauen hatte fassen können. Und wie schon damals, hatte er auch jetzt mehr als genug eigene Probleme, sodass sie ihn nicht unnötig mit ihrem seelischen Müll belasten wollte. Es würde ihm selbst keine Hilfe sein, ihren Ballast auch noch zu tragen. Sein eigenes Päckchen war schon schwer genug, was sie erneut vor Augen hatte, kaum dass sie das Portrait öffnete, denn hinter diesem rotierte ein weiteres Mal diverser Kleinkram um die Couch.
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Erst fanden wir das ein bisschen peinlich, aber Daniel hat es mir wirklich leicht gemacht, und dann ist es bestens gelaufen. Mir hat es richtig Spaß gemacht … denn Daniel küsst sehr gut.
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