Entgegen Dracos Befürchtungen, schlief Hermione diese Nacht verhältnismäßig ruhig. Sie wühlte hin und wieder zwar und murmelte leise, was ihn ab und an auch weckte. Die Hexe selbst wachte allerdings nicht auf und beruhigte sich zudem recht schnell wieder, wenn er ihr ein paar Minuten lang sanft zusprach.
Nach der kleinen Bombe, die am vergangenen Abend hochgegangen war, hatte er es sich schlimmer vorgestellt. Da die Nacht jedoch so glimpflich abgelaufen war, bestärkte es ihn in seiner Hoffnung, dass gestern durch ihr Gespräch der Knoten bei der Löwin geplatzt war und sie langsam aber sicher vorwärts gehen und diese Geschichte hinter sich lassen konnte. So etwas in der Richtung hatte seine Mutter ja schon erwähnt. Dass sie irgendwann von sich aus anfangen würde über diese Dinge zu sprechen. Zwar war es nicht viel, was sie ihm gesagt hatte, nur musste sie das auch nicht, da er alles zum Großteil mitbekommen und damit ein gänzlich unverklärtes Bild von allem hatte.
Mit der Zeit meldete sich auch sein Wecker, den er sofort ausschaltete. Das kurze Gerappel hatte allerdings genügt, um die Hexe wach zu machen. Sie blinzelte müde, was sich gleich mit einem Lächeln vermischte, als Draco ihr, wie bereits am vergangenen Morgen, ein paar hauchzarte Küsse auf die Wange und Schläfe hauchte.
„Guten Morgen.“ „‘morgen.“ „Gut geschlafen?“, fragte er, als sie sich ganz zu ihm drehte und wieder stärker in seine Arme kuschelte.
„Eigentlich schon. Du siehst aber müde aus. Hab ich dich wachgehalten?“, erkundigte sie sich, denn er hatte recht kleine, gerötete Augen.
„Nur ein wenig.“ „Oh! Tut mir leid. Ich. . .“ Der Rest ihres Satzes erstickte an seinen Lippen, die er ihr gleich bestimmt, aber doch sanft aufdrückte.
„Es ist alles gut. Mach ich dann in Mugglekunde eben ein kleines Schläfchen.“ „Hältst du das für eine gute Idee? Monroe wird dir Nachsitzen aufbrummen.“ „Das Risiko geh ich ein. Normalerweise lässt sie mich nach der ersten Viertelstunde aber in Ruhe. Außerdem hatte ich letzte Woche den Eindruck, dass sie sich eine neue Lieblingsschülerin herausgepickt hat.“ „Aha. Wen?“ „Parkinson. War echt eine Freude dem beizuwohnen“, lachte er, was sie mit dem Kopf schütteln ließ.
Inzwischen hatte sie allerdings aufgegeben, ihn wegen Parkinson zur Nachsicht zu mahnen. Was das anging, da rückten die drei Jungs einfach nicht von ihrem Standpunkt ab. Und mit ihnen wegen der Slytherin streiten, wollte Hermione auch nicht. Erst Recht nicht nach Ginnys Hinweis, bezüglich Parkinsons Aktivitäten im letzten Jahr.
Schließlich machten sich die Beiden fertig und verschwanden zum Frühstück. Der Rest ihrer Freunde war bereits anwesend, von denen Harry erneut einen ziemlich übermüdeten Eindruck machte.
„Nicht geschlafen?“ „Ron!“, knurrte der Held nur. „Er hat die Nacht im Schlaf wieder Terror gemacht. Seamus war schon kurz davor, ihn mit seinen Pantoffeln zu erschlagen.“ „Was haben wir dir gestern zu dem Thema gesagt?“, stichelte Blaise.
„Rausschmeißen.“ „Oder dein Bett mit einem Zauber belegen.“ „Rausschmeißen ist besser und effektiver“, grinste Blaise Hermione breit an, die mit den Augen rollte.
„Kannst du mir den Zauber nochmal zeigen? Und Dean und Seamus vielleicht auch?“, bat Harry. „Sonst gibt es in den nächsten Tagen vermutlich Tote, wenn er das weiter treibt.“ „Klar, sicher.“ „Weichei. Da hilft nur eine Radikalkur!“, blieb Blaise bei seinem Vorschlag, was halb im Rauschen der Eulen unterging, die die morgendliche Post brachten.
Zum Entsetzen der Freunde, wollten sich mehrere Dutzend an ihrem Tisch breitmachen. Dabei kümmerte die Vögel nicht einmal, wo sie sich niederließen, denn sie tapsten teils über die Teller und Frühstücksplatten.
„Was zum Teufel. . .“, murmelte Hermione, als reichlich ein Dutzend Briefe vor ihr fallengelassen wurden. Ähnlich sah es bei Blaise, Ginny, Harry und besonders Astoria aus, die den größten Berg an Post hatte.
Die Slytherin sah völlig überfordert auf das Meer an Pergamenten und nahm sich schließlich einen der Briefe, den sie kurz drehte, da kein Absender zu lesen war. Hermione sah es und bemerkte zudem noch etwas ganz anderes, denn das Papier des Umschlags begann leicht zu knistern.
Sie sah ihre Reaktion selbst nicht wirklich kommen, als sie Astoria den Brief aus der Hand riss und auf den Boden warf. Und das gerade noch rechtzeitig, denn damit gab es eine kleine Verpuffung, als der Umschlag platzte und eine grüne Flüssigkeit hervortrat, die das Pergament wegätzte und den Steinboden zum Dampfen brachte.
Auf den Anblick sah die Gryffindor sofort auf die verbliebene Post und entdeckte weitere Briefe auf Astorias, aber auch ihrem eigenen und Blaise’ Haufen, die teils zu qualmen begannen.
„Scheiße!“, zischte sie nur noch und hexte rasch die Glasclochen, die sonst über dem Aufschnitt ihren Platz hatten, über die Briefe. Und das keine Sekunde zu früh, denn damit explodierte ein Brief nach dem anderen, die ein ähnliches Sekret auf dem Tisch verbreiteten.
Die Freunde besahen es sich entsetzt, wobei Astoria sichtlich geschockt die Tränen kamen. Hermione mahlte als einzige wütend mit den Zähnen und knurrte mörderisch: „Diese räudigen Bastarde!“ „Was um alles in der Welt war das?“, warf Daphne in den Raum, die nicht fassen konnte, was sie gerade gesehen hatte.
„Der Daily Prophet. Das war!“, keifte Hermione, zu der die Freunde verwirrt sahen. Den Löwen dämmerte allerdings langsam, was hier los war, denn ein ähnliches Schauspiel hatten sie im Vierten bereits beobachten können. Damals war Hermione das Opfer hunderter Hassbriefe geworden, da Skeeter sie mit ihren Artikeln ordentlich in den Dreck gezogen hatte.
„Was? Was meinst du?“, verstand Daphne jedoch nicht. Hermione machte sich auch nicht die Mühe ihr zu antworten, sondern stapfte in Richtung Lehrertisch. Dort debattierte sie heftig mit Tonks und deutete der Aurorin auf die gefährliche Post, die ihre Freunde und sie bekommen hatten. Deren Haarpracht schlug daraufhin mehrfach um, bis sie einer Feuerwand glich. Dippet neben ihr machte ein geschocktes Gesicht und trat schließlich mit der Aurorin an den Tisch der Freunde.
Dort hatte Harry sich seine Freundin genommen, die sichtlich fertig aufgrund dieser feigen und vor allem bösartigen Angriffe war.
„. . . denen mach ich die Hölle heiß!“, schimpfte Hermione, als Tonks und Allan sich alles näher ansahen. Mittlerweile hatten auch die drei Eulen, die den Daily Prophet brachten, eine Chance ihre Ware abzuliefern. Über diese hatten sich die Jungs und Ginny bereits hergemacht. Insbesondere, was die Leserbriefe anging.
Wie befürchtet, hagelte es dort reihenweise Unverständnis für das infantile Verhalten, was die Löwen hier an den Tag legten. Vorwiegend Ginny, und allen voran Hermione, bekamen dort ihr Fett weg. Wie Ginny Harry das nach allem antun konnte und das Hermione, für ihr verbrecherischesVerhalten, nach Azkaban gehörte.
„Macht was dagegen!“, fauchte Draco aufgebracht, als er einen besonders aggressiven Brief gelesen hatte, in dem man seiner Freundin offen mit Gewalt drohte.
Allan mahnte die jungen Leute daraufhin erstmal zur Ruhe, während Tonks die restlichen, noch heilen Briefe einsammelte, um sie zum einen zu untersuchen und zum anderen vielleicht die Absender zu ermitteln.
„Was denken die sich eigentlich? Das ist übelste Rufschädigung, Hetze und Anstiftung zur Körperverletzung!“, zeterte Hermione weiter, deren Gesicht gefährlich fleckig rot geworden war. Hinzu kam, dass das Geschirr zu klirren und die Trinkbecher zu wackeln begann. Allan sah es. Ebenso, wie die Fackeln an den Wänden unruhig flackerten.
„Beruhigen Sie sich. Wir werden. . .“ „BERUHIGEN?!“, fauchte Draco, der schlagartig auf 180 war. Nur einen Herzschlag später gab es einen körperlich spürbaren Impuls, der mit der Detonation aller Fenster in der Halle einherging, sämtliche Fackeln erstickte und die Schüler entsetzt kreischen ließ. Im Folgenden stürzten sich viele vor Schreck unter die Tische, während die Älteren ihre Zauberstäbe zückten, um die vermeintlichen Angreifer zu schocken.
Die Freunde reagierten teils ähnlich. Hermione und Tonks hatten mit dem Knall ihre Stäbe gezogen, während Harry sich schützend über seine Freundin beugte, was auch auf Blaise, Charlie und Neville zutraf. Einzig und allein Draco stand schwer atmend und funkelte Allan mörderisch an, der ebenfalls nicht weiter auf die Explosion reagiert hatte.
„Ruhig durchatmen“, mahnte er Draco leise, in dem noch immer ein tödlicher Orkan tobte, was man deutlich an seinen Augen erkannte. In diesen loderte ein schwarzes, alles verzehrendes Feuer, das in seiner Unberechenbarkeit und Zerstörungswut dem Dämonsfeuer gleichkam.
„Draco“, mahnte Allan ihn nochmal ruhig, während die ersten Schüler, noch etwas unsicher, wieder unter ihren Tischen zum Vorschein kamen, als sie realisierten, dass sie scheinbar doch nicht angegriffen wurden.
„Ohhh Fuck“, murmelte Blaise, als ihm bewusst wurde, wo das gerade hergekommen war. Sein Blick flog im Kommenden von Draco zur Direktorin, die noch sichtlich geschockt schien. Inzwischen lag ihre Konzentration aber ebenfalls auf dem Blonden, zu dem Blaise und Charlie wieder sahen.
„Machen Sie was dagegen, oder ich werde es“, raunte Draco Allan kalt zu und deutete auf den Drohbrief. „Ich garantiere Ihnen für nichts, wenn einer dieser Schweine sich an Hermione vergreift.“ „Wir klären das“, mischte sich Tonks behutsam dazwischen, zu der Draco ähnlich finster blickte.
„Ich geb Remus Bescheid, damit er sich die Verantwortlichen der Redaktion vorknöpft.“ „Das reicht mir nicht“, knurrte Draco gefährlich und sorgte damit für neue Spannungen, die die Luft um ihn herum knistern ließ.
„Mehr können wir für den Moment erstmal nicht tun.“ „Nicht? Mir würde da schon was Passendes einfallen“, raunte Draco Tonks bedrohlich entgegen, die merklich schluckte, als sie das dunkle Funkeln in seinen Augen sah, was auch auf Allan zutraf.
Diesem wurde beidem Anblick vermehrt bewusst, dass Draco kreuzgefährlich sein konnte, wenn er wollte. Der Junge war wahrlich ein reißender Wolf, der sich allerdings von der Löwin hatte gefangen nehmen und zähmen lassen. Doch der Wolf hatte auch weiterhin scharfe Reißzähne und wildes Blut in sich, was unweigerlich zum Ausbruch kommen würde, sollte ihm je der falsche Blutduft in die Nase steigen.
„Mach dir nicht kaputt, wofür du die ganze Zeit eingestanden und gekämpft hast. Du willst doch nicht, dass diese Leute am Ende mit ihren Lügen Recht behalten“, sprach Allan ihm wieder ruhig zu, zu dem Draco stattdessen sah und den Ex-Auror kurz mit seinen Eisaugen durchbohrte.
„Scheint doch ohnehin keinen Unterschied zu machen.“ „Draco. . .“ „Wenn sich irgendeiner von diesen Bastarden an meinen Freunden vergreift, ist es mir scheißegal, was es mich am Ende kostet, aber dann werde ich die bluten lassen!“ „Draco. . .“, mahnte nun auch Blaise, den die Sache zunehmend beunruhigte, da sein Freund keinen Hehl daraus machte, seine Drohung offen auszusprechen. Inzwischen starrten auch schon fast alle unruhig tuschelnd zu ihnen.
„Ich weiß. Und ich versteh dich, glaub mir. Aber du machst dich und deine Freunde am Ende nur unglücklich. Wir regeln das. . .“, deutete Allan auf sich und Tonks, die zustimmend nickte. „Und zwar vernünftig. Versprochen“, versicherte Allan ihm und versuchte sich an einem aufmunternden Lächeln, was nicht wirklich den gewünschten Effekt erzielte. Dracos bedrohliche Ausstrahlung blieb bestehen.
„Uhm. . . Tonks?“, mischte sich Blaise nervös dazwischen, zu dem die Aurorin fragend blickte. „McGonagall. Ihre Androhung, wenn da wieder mal was . . . uhm. . .“, brachte er unsicher hervor und deutete auf die Direktorin. Tonks brauchte dann auch etwas, bis sie wusste, was Blaise meinte und nickte.
„Ich red mit ihr“, murmelte sie und sah kurz durch die Halle. Als sie die ganzen Schüler sah, die verwirrt und verunsichert zu ihnen schauten, sah sie sich gerade eines weitaus größeren Problems gegenüber.
„Kennst du einen guten Vergessenszauber?“, richtete sich Tonks leise an Allan, dem die prekäre Situation, die sich mit ihrem heiklen Gespräch eben aufgebaut hatte, jetzt erst gänzlich bewusst wurde.
„Das wird nicht nötig sein“, murmelte dann aber Hermione dünn und steckte ihren Stab weg, bevor sie zu Draco trat, um sein Gemüt abzukühlen, denn es lag auch weiter eine spürbar magische Spannung um ihn. Die Aurorin und der Rest sahen nur fragend zu ihr.
„Was meinst du?“ „Muffliato. Ich hab den Bereich um unseren Tisch gleich nach der Explosion mit dem Bann belegt. Es dürfte niemand etwas gehört haben“, hauchte sie und war damit ganz bei Draco, dem sie beruhigend die Hand auf die Wange legte und darüber strich. Damit löste sich, wie erhofft, die Spannung im Nichts auf, als er ihr die Arme umlegte und sie fest zu sich zog.
„Ich lass niemanden an dich ran“, raunte er ihr ins Ohr, was sie schwach lächeln ließ. „Ich weiß“, gab sie ihm ruhig zurück und küsste ihn auf die Wange. Kurz darauf drehte sie sich wieder den Anderen zu und sah schließlich McGonagall in ihre Richtung kommen.
Mit ihrem Auftauchen löste Hermione den Bann, sodass man das verunsicherte Gemurmel ringsherum auch wieder vernahm. Es war mitunter die Frage, was hier passiert war, die die Direktorin auch gleich stellte.
Tonks sah sich daraufhin rege in Erklärungsnot, der Dippet aus der Patsche half und Minerva auf die teils verätzten Briefe deutete.
„Offensichtlich war darunter auch noch etwas sehr viel Explosiveres“, meinte er ein wenig lauter, damit der Rest der Schüler, die bereits merklich die Ohren spitzten, auch etwas von der Erklärung hatten. Das Hermione vorhin schon mit Allan und Tonks deswegen debattiert hatte, hatte ja ein Großteil der Übrigen mitbekommen.
„Hier hatte es wirklich jemand darauf abgesehen, euch massiv zu schaden. Wahrscheinlich etwas Schwarzmagisches“, meinte Allan noch ergänzend zu den Freunden. Harry runzelte allerdings skeptisch die Stirn, dem Hermione einen warnenden Blick zuwarf, jetzt ja die Klappe zu halten! Ähnlich Tonks. Minerva nickte indes und spielte das Spiel mit.
Sie richtete sich an den Rest der Schüler und erklärte ihnen, dass aufgrund der wüsten Mutmaßungen und Beschuldigungen des Daily Prophet wohl einige Leser den Freunden gefährlich präparierte Post hatten zukommen lassen. Daraufhin brach angeregtes Gemurmel los.
Minerva ließ es sich dann auch nicht nehmen, die Schüler noch einmal auf die Windigkeit des Daily Prophet hinzuweisen, was falsche Anschuldigungen anging. Als Beispiele nannte sie die verlogenen Artikel um Harry und Dumbledore, die nach der Auferstehung Voldemorts verfasst worden waren, um die Beiden als verrückte Spinner hinzustellen. Des Weiteren nannte sie die hetzerischen und falschen Berichterstattungen aus dem vergangenen Jahr, die viele ihrer Mitschüler und Mitmenschen, aufgrund ihrer nichtmagischen Herkunft, als Verbrecher verschrien hatten.
Die Meisten der Anwesenden verinnerlichten diese Hinweise auch, jedoch blieb ein sehr kleiner Teil der Schüler skeptisch. So auch einer, der deutlich gesehen hatte, dass Draco während der Explosion als einziger kaum gezuckt hatte. Es war beinahe so, als hätte er gewusst, was passieren würde.
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„Das ist absolut widerwärtig!“, echauffierte sich Minerva, als sie wenig später mit Tonks und Remus in ihrem Büro die Hasspost ihrer Schüler, oder das, was davon übrig war, durchsah. In den Händen hielt sie gerade den Brief, der bei Draco diese verheerende Reaktion ausgelöst hatte. Und ja, sie hatte durchaus Verständnis für seinen Wutausbruch.
„Man sollte meinen, diese Schmierfinken hätten etwas aus Skeeters Abgang gelernt“, schnaubte Tonks, während Remus mit dem Kopf schüttelte. Und das noch immer sichtlich fassungslos.
„Hier ist diesmal mehr, als nur eine Grenze überschritten worden.“ „Das haben sie damals auch. Blaise? Schon vergessen? Er hatte dank dieser verlogenen Berichte auch etwas abbekommen. Von Draco mal zu schweigen.“ „Wenn ich mir vorstelle, Hermione hätte nicht so schnell reagiert. . .“, schwindelte Minerva leicht.
„Dann lägen sie jetzt vermutlich alle im Krankenflügel. Das Sekret, was hier teils verwendet wurde, ist stark ätzend und verursacht höllische Schmerzen. Bei Augenkontakt kann es sogar zur Erblindung kommen“, resümierte Remus, worauf Minerva erneut mit dem Kopf schüttelte.
„Bekommt ihr die Redaktion dafür dran?“ „Schwierig. Die Berichterstattung von gestern ist verdammt schwammig und zweideutig geschrieben. Auch wenn man einen hetzerischen Hintergrund erkennt, wird es nicht leicht, dem Daily Prophet einen böswilligen Vorsatz nachzuweisen. Hinzu kommt, dass sie niemanden direkt zu irgendetwas angestachelt haben. Ich hab gestern deshalb nochmal kurz mit Kingsley gesprochen. Er meinte, das einzig Hilfreiche wäre wirklich eine Klage, aufgrund der Rufschädigung und Verletzung der Privat- und Persönlichkeitsrechte, wie Hermione schon angebracht hat. Mit dem, was heute passiert ist, ohnehin. Beweise für eine Gefährdung durch Dritte liegen ja genug vor“, sah Remus auf die Briefe.
„Denkst du, ihr bekommt heraus, von wem die ganzen Briefe stammen?“ „Unwahrscheinlich. Allerdings werd ich versuchen, zumindest den hier. . .“, nahm er sich den offenen Drohbrief. „. . . aufzuspüren. Auch wenn es am Ende vermutlich nur eine leere Drohung ist, will ich dem lieber einen Riegel vorschieben. Wer weiß, auf was für Gedanken die Leute sonst noch kommen, wenn bereits solche gefährlichen Briefe verschickt werden. Unter Umständen hat der Drohbriefschreiber auch noch ein paar der verätzten Briefe abgesetzt. In jedem Fall wäre es nicht verkehrt, wenn du auf Hermione ein Auge hast, sollte sie sich nicht im Schloss aufhalten. Sicher ist sicher.“ „Sollte nicht weiter schwer werden, zumal Draco ja immer in ihrer Nähe ist.“ „Sieh bloß zu, dass er keine Dummheiten macht“, mahnte Remus.
„Es muss nicht sein, dass er sich wegen dieser Sache am Ende vielleicht noch in Schwierigkeiten bringt.“ „Ich hab ein Auge auf alles“, versprach Tonks und holte sich noch schnell einen Kuss von ihrem Wolf, bevor er mit den Briefen verschwand, um diese untersuchen zu lassen.
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Der Unterricht zog sich unerträglich hin, was nicht zuletzt daran lag, dass die Freunde die Ereignisse vom Morgen noch schwer beschäftigten. Hinzu kam, dass ein Teil ihrer Mitschüler sie während des Mittags auch noch belagert und dumme Fragen gestellt hatte.
Draco war deshalb nach wie vor ziemlich übellaunig, sodass er allein dadurch die Schar Neugieriger recht schnell wieder in die Flucht schlug. Zu seinem Schläfchen in Mugglekunde war er auch nicht gekommen, wenngleich er es begrüßt hatte, dass Monroe ihn heute das erste Mal in Ruhe gelassen hatte. Umso mehr hatte sie dafür auf Parkinson rumgehackt, was ihn jedoch nicht erheitern konnte.
Schließlich endete auch die letzte Stunde. Als er in den Gängen verschwinden wollte, hielt Hermione ihn allerdings zurück.
„Wo willst du hin? Wir haben in einer Viertelstunde ein Treffen mit den Vertrauensschülern“, erinnerte sie ihn. Dem Blick nach passte es ihm nicht wirklich in den Kram, denn er mahlte mit den Zähnen.
„Ich muss nur noch schnell was erledigen.“ „Was?“ „Geheimnis“, warf er ihr knapp zu, drehte sich um und ging. „Draco!“ „Ich beeil mich und komm nach“, versprach er und verschwand in den Gängen, noch bevor Hermione etwas erwidern konnte.
Sie nahm es leicht säuerlich zur Kenntnis, ehe sie sich auf den Weg nach oben machte. Dabei fragte sie sich, was er jetzt wieder ausheckte? Ein Geheimnis. Vielleicht die Überraschung, an der er schon länger bastelte? Ginny zufolge war es wohl etwas recht Spezielles. Und das konnte bei Draco alles Mögliche sein, was ihre Neugierde nur noch mehr schürte.
Zudem wurmte es sie, dass Ginny nun wusste, was er plante. Zwar hätte sie Draco hinterherspionieren können, nur war er gewieft genug, sich nicht in die Karten schauen zu lassen. Darüber hinaus würde er es merken und unter Umständen sogar so verstehen, dass sie kein Vertrauen zu ihm hatte.
Das hatte sie, nur war sie einfach auch verdammt neugierig, was sich hinter allem verbarg. Aber vielleicht erfuhr sie zu Weihnachten, was es war. Mit diesen Gedanken suchte sie sich ihre Unterlagen für die Besprechung zusammen.
Etwa zur gleichen Zeit trudelte Draco bei Professor Flitwick ein und klopfte an die Tür. Als der Zauberkunst Professor den Slytherin sah, schaute er verwundert auf.
„Mr. Malfoy. Gibt es ein Problem?“ „Nein, das nicht. Ich wollte Sie um Rat fragen“, erklärte Draco, den es ein wenig ärgerte, dass er mit der Ausarbeitung allein noch immer nicht zu dem gewünschten Ergebnis kam. Sein Professor wirkte überrascht.
„Haben Sie Probleme mit dem Stoff?“ „Nein. Es ist mehr ein privates Projekt. Ein kleiner Zauber, an dem ich feile, nur bin ich mit der Wirkung noch nicht zufrieden. Ich hatte mir da mehr erhofft.“ „Worum genau geht es denn?“, wies ihm der kleine Mann auf einen Stuhl, auf dem der Blonde Platz nahm und sein Vorhaben schilderte. Dazu reichte er seinem Professor seine Notizen und Berechnungen, die er sich interessiert besah und schließlich anerkennend nickte.
„Ihre Ansätze sind sehr gut. Bemerkenswert, möchte ich sagen. Leider muss ich Ihnen gestehen, dass Sie auf dieser Ebene der Magie den Wirkungsgrad nicht mehr steigern können. Ich wüsste selbst zumindest nicht wie. Allerdings könnte Professor Slughorn mit einem Zaubertrank noch etwas mehr herauskitzeln. Sie könnten den Zauber mit einem Trank kombinieren. Als Legierung für das geplante Stück. Damit könnten Sie die gewünschte Stärke in Sachen Fläche und Wirkung doch noch erreichen“, lächelte Filius, während sich Draco mit der flachen Hand ins Gesicht schlug. Zaubertrank! Hätte er auch drauf kommen können.
„Danke, Professor.“ „Oh nichts zu danken. Ich helfe gern. Vor allem in solch speziellen Fällen“, schmunzelte der kleine Mann, als sich Draco erhob, um zu gehen. An der Tür hielt Filius ihn nochmal kurz an.
„Ach und Mr. Malfoy?“ „Ja?“ „Nehmen Sie sich 10 Punkte, für diesen ausgeklügelten Zauber“, lobte Filius ihn noch einmal auf schulischer Ebene, worauf ihm ein kleines Lächeln über die Lippen huschte.
„Danke.“ Damit war er aus der Tür, auf die der Zauberkunst Professor noch lächelnd sah und summend anfügte: „Und noch einmal 10 Punkte, für diese liebevolle Geste“, bevor er weiter die vor ihm liegenden Hausaufgaben korrigierte.
Draco war zu dem Zeitpunkt bereits halb auf dem Weg runter in die Kerker. Er wollte lieber gleich bei Slughorn nachfragen, ob der Dicke eine Idee in der Richtung hatte. In Gedanken braute er selbst schon diverse Tränke, nur war ein Trank etwas gänzlich anderes und um einiges komplexer, als ein einfacher Zauber. Bei dem konnte man durchaus auch jede Menge verkehrt machen, nur ließen sich die Fehlerquellen da noch ganz gut herausrechnen. Bei einem Trank hingegen. . .
Da konnte die falsche Temperatur bereits eine kleine Katastrophe auslösen. Von daher holte er sich lieber gleich Rat von einem Experten. Snape wäre ihm zwar lieber gewesen, zumal er noch recht sauer auf Slughorn war. Aber sein Patenonkel konnte ihm als Porträt leider nicht mehr wirklich behilflich sein. Ganz davon zu schweigen, dass er mit diesem Thema nicht unbedingt zu der alten Kerkerfledermaus gehen wollte.
Völlig in seine Gedanken vertieft, bemerkte Draco nicht, dass ihm seit einer Weile jemand folgte und mit unheilvollen Augen gefährlich taxierte.
Als der Blonde auf der Seitentreppe verschwand, die zur Haupttreppe und damit runter in die Kerker führte, zückte sein Verfolger entschlossen den Zauberstab und schleuderte Draco einen Fluch ins Kreuz.
Der Slytherin schrie kurz vor Schmerz auf, bevor er den Halt verlor und die kalte Steintreppe hinunterstürzte, bis er am Fuße dieser regungslos liegenblieb.
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Ein wenig in Eile, suchte sich Sally ihren Weg aus dem Gryffindorturm wieder hinunter, in Richtung Bibliothek. Manchmal hatte sie ihren Kopf wirklich sonst wo! Meistens bei Theo, was sie unweigerlich schmunzeln ließ. Dass es alles einmal so kommen würde, hätte sie vor ein paar Jahren auch nicht gedacht, aber es war toll!
Zwar hatte sie schon seit längerem gewusst, dass die Schlangen nicht alle so schlecht waren, wie ihr Ruf. Dass sie am Ende aber tatsächlich mal in den Armen eines Slytherins landen würde, war dennoch eine andere Geschichte.
Was ihr noch ein kleines Rätsel war, war, wie Theo bei den Schlangen landen konnte? Sie vermutete, dass es ebenfalls mit seiner Familie zu tun hatte. Mehr noch mit seinem Vater, nach dessen Vorstellungen er zu agieren gehabt hatte. Dass er nie wirklich damit glücklich gewesen war, hatte er ihr vor einer Weile erzählt. Auch was sonst so passiert war, und dass er froh war, dass dieser Mann, der sich sein Vater geschimpft hatte, diesen Krieg nicht überlebt hatte.
Jetzt war er frei von irgendwelchen Zwängen und konnte seine eigenen Wege gehen. Und allein war er mittlerweile auch nicht mehr und würde es zu Weihnachten auch nicht sein, denn er hatte ihre Einladung, nach kurzem Zögern, angenommen.
Sie freute sich schon richtig auf die Ferien, genauso auf die zweite Feier, denn zu der hatte Theo sie bereits eingeladen. Es könnte für sie gerade nicht besser laufen, dachte sie, als ein spitzer Schrei und dumpfes Gepolter sie aus ihren freudigen Gedanken rissen.
Verschreckt hielt sie inne, sah auf und schaute sich unsicher im Gang um. Es war niemand zu sehen. Woher auch? Die Meisten würden an ihren Hausaufgaben sitzen, was auch auf sie zuträfe, hätte sie ihr Buch nicht im Turm vergessen.
Unsicher, aufgrund des Schreis, spähte sie noch einmal in den Gang, bevor sie sich in Richtung Haupttreppe bewegte. Wahrscheinlich hatten sich welche aus den Unterstufen wieder gegenseitig Streiche gespielt. War ja nichts Neues.
Sie trat auf den Flur und gewahrte aus den Augenwinkeln, dass sich einen Stock tiefer doch jemand befand. Als sie den Kopf in diese Richtung neigte, weiteten sich ihre Augen, denn es war nicht nur eine Person, die am Fuße der Nebentreppe war. Allerdings stand nur eine der Beiden. Und das mit gezücktem Zauberstab, während die Andere auf dem Boden, in einer immer größer werdenden Blutlache, lag.
Bei dem Anblick setzte ihr Denken für eine gefühlte Ewigkeit aus, während sich ihre Lungen in einer ansteigenden Panik mit Luft füllten.
„DRACO!“, schrie sie panisch, worauf die zweite Gestalt, die mit hochgeschlagener Kapuze und dem Rücken zu ihr stand, zusammenzuckte. Nur einen Herzschlag später flog unkontrolliert ein greller Lichtblitz auf Sally zu, die erneut aufschrie, als der Fluch nur einen halben Meter neben ihr in die Steinbalustrade krachte. Sie schrak zurück, stolperte über ihre Füße und schlug ziemlich unsanft der Länge nach hin.
Noch immer geschockt, huschte ihr Blick getrieben nach rechts und links, bevor ihr wieder klar wurde, warum sie zuerst geschrien hatte. Draco.
Der Schrei vorhin musste von ihm gekommen sein. Diese Gestalt schien ihn angegriffen zu haben. Schon wieder, denn Theo hatte etwas in der Richtung erwähnt. Dass sein Unfall damals gar kein Unfall war. Und dann noch die Sache von heute Morgen!
„Oh, verdammt“, murmelte sie zittrig und stemmte sich auf Hände und Knie, ehe sie ihren Stab fasste. Sie musste ihm helfen, bevor der Typ ihn noch stärker verletzte oder schlimmeres antat.
Als sie vorsichtig über die Brüstung spähte, konnte sie aber niemanden mehr sehen. Die vermummte Gestalt war verschwunden, Draco allerdings nicht. Er lag reglos am Fuße der Treppe, während sich sein Hemd und der Steinboden um ihn herum immer roter färbten.
„Nein. . .“, entwich es der Löwin zittrig, ehe sie ganz auf die Beine kam und leicht wankend die Treppe runter eilte. Als sie zu ihm trat, wurden ihr die Knie weich, als sie das Ausmaß seiner Verletzungen nun deutlich vor Augen hatte.
Sein Hemd war nicht nur blutverschmiert, sondern zerrissen. Zerschnitten traf es sogar noch besser, was auch auf seinen Oberkörper zutraf. Über seine Brust zogen sich mindestens drei Schnitte, die tief ins Fleisch gingen und ihn wie verrückt bluten ließen. Auf den Anblick wurde Sally schwindlig. Merlin, sie konnte kein Blut sehen. Nach diesem verdammten Krieg noch weniger als davor. Reiß dich zusammen!, schallt sie sich, nur hatte sie keine Ahnung, was sie tun sollte? In ihrem Kopf herrschte schlagartig gähnende Leere, die immer mehr von einer Welle dumpfer Panik ausgefüllt wurde, die letztlich überschwappte.
„HILFE! HÖRT MICH JEMAND? ICH BRAUCHE HILFE!“, brüllte sie verzweifelt in den verwaisten Gang, während die Panik in ihr immer mehr hochkroch und ihr die Tränen in die Augen trieb. Ihr Blick verlor sich dabei erneut auf Draco, nach dem sie zittrig die Hand ausstreckte. Nur einen Moment später hatte sie etwas von dem frischen, warmen Blut an den Fingern, auf die sie verstört blickte.
„Nein. . .“, entwich es ihr zittrig. „HILFE!!!“, schrie sie wieder und begann zu schluchzen, als ihre Augen ein weiteres Mal über die bleichen Züge des Slytherins huschten und sich an diesem festfraßen.
Sie bemerkte so nicht die eiligen Schritte und das anschwellende entsetzte, hektische Gerede, was von immer mehr Personen um sie herum ausbrach.
Es kam ihr wie Stunden vor, doch konnten es nicht mehr als zwei, vielleicht drei Minuten gewesen sein, die sie mit dem Blonden allein war, von dem sie den Blick nicht wenden konnte. Erst als eine tiefe Stimme neben ihr auftauchte und lauthals fluchte, neigte sie das tränenüberströmte Gesicht zittrig zu der hochgewachsenen Gestalt. Diese entpuppte sich als Professor Dippet, der ihr unbekannte Formeln zu murmeln begann, während er seinen Stab in kreisenden Bewegungen über die Brust des Blonden führte.
Als sie wieder auf Draco sah, konnte sie sehen, dass sich die tiefen Wunden ein wenig schlossen. Nur einen Moment später erschien neben ihm eine Trage, auf die der Professor ihn vorsichtig legte. Er sagte noch irgendetwas zu ihr, doch es kam nichts mehr in Sallys Kopf an. Stattdessen hatte sie das Gefühl, dass der Boden unter ihr verschwand, sodass sie in eine bodenlose Kälte stürzte.
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„. . . dann wäre soweit ja alles geklärt“, endete Hermione und entließ die Vertrauensschüler, die angeregt schwatzend in den Gängen verschwanden. Zumindest das Paar aus Hufflepuff und Ravenclaw. Ihre Freunde blieben ihr hingegen weiter erhalten. Insbesondere Charlie.
„Ich schätze, er hat’s verpennt“, schmunzelte er Hermione an, die zu Beginn der Besprechung schon etwas mürrisch war, da Draco offensichtlich über seinem kleinen Projekt doch noch die Zeit vergessen hatte.
Zwar war es jetzt nicht so schlimm, dass er fehlte, nur musste sie dann nochmal einige Sachen mit ihm durchgehen. Zeit, die sie lieber anderweitig genutzt hätte, aber gut. Wenn der werte Herr mit anderen Dingen beschäftigt war, sollte er auch nicht maulen, wenn sie nacharbeiteten.
„Was wollte er vor dem Meeting denn noch machen?“, erkundigte sich Astoria. „Keine Ahnung. Er wollte es mir nicht sagen. Es wäre ein Geheimnis“, sah sie durchdringend zu Ginny, die gleich breit grinste.
„Ich werd es dir nicht verraten. Du wirst dich wohl oder übel gedulden müssen.“ „Was?“, spitzte Charlie die Ohren, zu dem Ginny gewitzt sah.
„Na ja, er bastelt an einer Überraschung, könnte man sagen“, schmunzelte Ginny und beobachtete zufrieden, wie es immer stärker in Hermione brodelte, was auch die Anderen deutlich zur Kenntnis nahmen. Und Charlie wäre keine Schlange, wüsste er das nicht noch etwas auszureizen, indem er Ginny auf sein Ohr deutete, damit sie ihm das Geheimnis verriet.
Die Gryffindor zögerte keine Sekunde, schon allein, da es Hermione nur noch mehr ärgerte, und teilte dieses mit ihm. Ihre Freundin plusterte auf diese Regung sofort beleidigt die Backen auf. Das war so unfair! Charlies zufriedenes Grinsen machte es nur noch schlimmer, mit dem er sich wieder an die Gryffindor richtete.
„Lass ihn basteln. So viel Neues haben wir jetzt ja auch nicht besprochen. Und was den Weihnachtsball angeht. . . Blaise wäre es sicher eine Freude, da aktiv mitzuwirken. Du weißt, seine Ideen sind unschlagbar.“ „Du wirst mir also auch nicht verraten, was Draco jetzt wieder vorhat?“, schmollte Hermione.
„Nein. Nicht mal unter Folter“, grinste er keck, sodass Hermione beleidigt schnaubte. „Wer euch als Freunde hat. . .“, meckerte sie. Die Vier lachten, wobei Ginny ihr beschwichtigend einen Arm um den Nacken legte.
„Jetzt sei nicht böse. Es wäre doch auch gemein von uns, wenn wir Draco seine Überraschung verderben. Und die wird dir gefallen. Da bin ich mir 1’000%ig sicher.“ „Es gibt nur 100%“, korrigierte Hermione sie nüchtern, worauf die Gryffindor mit den Augen rollte, allerdings nichts dazu sagte.
„Kommst du mit Draco dann noch in den Gemeinschaftsraum?“ „Ich weiß nicht. Eher nicht. Wir müssen noch Hausaufgaben machen und dann wollte ich mich nochmal mit Tonks wegen der Artikel und den Briefen unterhalten“, mahlte Hermione erneut mit den Zähnen, als sie an den Zirkus heute Morgen dachte. Dafür würde sie den Daily Prophet noch ausgiebig bluten lassen.
So machten sie sich geschlossen auf den Weg zur Haupttreppe, wo die Fünf einigen Schülern begegneten, die angeregt tuschelten, dann allerdings schlagartig verstummten, als sie die Freunde sahen. Stattdessen warfen sie ihnen verunsicherte Blicke zu, die vornehmlich an Hermione kleben blieben, die gleich wieder schlechtere Laune bekam.
Die Sache heute Morgen und der Bericht gestern hatte ordentlich Staub aufgewirbelt. Und das nicht unbedingt zum Positiven. Sie hoffte jetzt nur inständig, dass sich der Rest der Schüler von dem Blödsinn des Daily Prophet nicht weiter vereinnahmen ließ.
„Ist was?“, fragte Charlie schließlich. Die angesprochene Gruppe sah sich jedoch nur unsicher an, bevor sie alle mit dem Kopf schüttelten und schnell verschwanden. Als ihnen die Fünf hinterher sahen, konnten sie noch sehen, dass auch die Gruppe nochmal kurz in ihre Richtung schaute, ehe sie um die nächste Ecke huschte.
„Habt ihr ‘ne Ahnung, was das jetzt wieder war?“, richtete sich Neville an den Rest, der auch nur mit dem Kopf schüttelte.
„Wahrscheinlich haben sie sich noch irgendwas wegen heute Morgen zusammengesponnen“, mahlte Ginny mit den Zähnen, der Neville beruhigend die Schulter tätschelte.
„Möglich“, murmelte Charlie und wollte weiter, als der nächste tuschelnde Trupp in ihre Richtung kam und prompt erstarrte, als sie die Siebtklässler sahen. Und wie die Anderen zuvor, sahen sie sich ebenso unschlüssig an, bevor sie Hermione seltsam taxierten.
„Okay. Was?“, verlangte Charlie scharf zu wissen, als hinter den Jüngeren auch noch Seamus und Parvati angeregt redend im Gang auftauchten, die ebenfalls verstummten, als sie die Freunde sahen. Charlie nahm ihre Reaktion mit hochgezogener Augenbraue zur Kenntnis.
„Ist die Sache von heute Morgen immer noch so ein großes Tratschthema oder was haben plötzlich schon wieder alle?“, schoss der Slytherin eine Vermutung ab, die dafür sorgte, dass Parvati und Seamus einen unsicheren Blick tauschten. Inzwischen hatten die Anderen zu ihnen aufgeschlossen.
„Was ist los?“, erkundigte sich nun auch Hermione, der das Verhalten ihre Mitschüler immer weniger behagte. „Ihr . . . ihr wisst es noch nicht?“, druckste Seamus um das Offensichtliche drum herum.
„Wir hatten mit dem Rest der Vertrauensschüler eine Besprechung“, erklärte Astoria. „Also?“, hakte Charlie erneut nach. Seamus schwieg aber und wich dem Blick des Slytherin zudem aus. Stattdessen sah er kurz verunsichert zu Hermione, während Parvati am Saum ihres Umhangs nestelte.
„Ist irgendwas passiert?“, mutmaßte die Schulsprecherin auf das Verhalten der Beiden, die sich anscheinend gern meilenweit wegwünschten, um diese Unterhaltung nicht führen zu müssen. Seamus gab seiner Freundin dann auch noch einen kleinen Schubs, die ihm einen leidenden Blick zuwarf, bevor sie wieder auf die Freunde sah, die eine Antwort haben wollten.
„Vor einer halben Stunde oder so. . . Also. . . Was genau haben wir auch nicht mehr mitbekommen, aber . . . uhm. . .“, knetete sie nervös ihre Hände und drohte sich dabei die Finger zu brechen.
„Was denn nun?“, gängelte Charlie die Gryffindor, die sich auf die Unterlippe biss und letztlich schuldig zu Hermione sah. Deren flaues Gefühl schwoll schlagartig um ein Vielfaches an, bis Parvati meinte: „Irgendjemand hat Draco angegriffen und. . .“ „WAS?“, unterbrachen Hermione, Charlie und Ginny die Inderin unisono, mit schreckensgeweiteten Augen. Parvati nickte nur betreten und sah unsicher zu Hermione, die so weiß wie die Wand geworden war.
„Sally hat es wohl zufällig mitbekommen und. . . Der Typ ist dann abgehauen, aber Draco, er. . .“, brach sie ab und sah wieder verstört zu Seamus, als Charlie nach ihr griff und die zierliche Hexe in einem Anflug von Panik grob schüttelte.
„Was ist mit ihm!? Was. . .“ „Mione!“, rief Ginny, als ihre Freundin plötzlich aus ihrer Schockstarre erwachte und durch den Gang in Richtung Krankenflügel stürzte. Im Kopf der Brünetten herrschte schlagartig ein heilloses Chaos. Fassungslosigkeit und eine grenzenlose Furcht, die ihr drohte, die Brust zuzuschnüren.
Warum? Wie konnte das sein? Wer? Verdammt, WER? Sie hatten Umbridge ausgeschaltet. Die Alte hatte alles zugegeben und war in gesonderter Sicherungsverwahrung in Azkaban. Borgin war untergetaucht und hatte sich offensichtlich mit seinem ganzen Geld abgesetzt. Wer also. . . Verdammt, wer? Warum?
Die verzweifelten Fragen in ihrem Kopf nahmen kein Ende, während ihr heiße Tränen die Sicht verschleierten, als sie sich ihren Weg nach unten bahnte, der ihr 1’000-mal länger vorkam, als sonst. Dabei stieß sie ihre Mitschüler rücksichtslos beiseite, wenn sie ihr nicht schnell genug ausweichen konnten.
Neben den verwunderten Blicken, die sie sich dafür einfing, spürte sie ähnlich verunsicherte auf sich ruhen, wie Parvatis. Es waren Blicke, die ihre Angst ins Unermessliche steigerten. Genauso dieses verdammte aber, was die Inderin noch angebracht hatte.
Aber was? Was sollte das? Was verbarg sich dahinter? Merlin, sie hatte Angst. Eine scheiß Angst. Sie wollte sich nicht ausmalen, was hinter diesem kleinen Wörtchen auf sie lauerte und dennoch tat ihr Geist es.
Er zeigte ihr ein fahles Gesicht mit leblosen Augen, was sie ganz schnell abschüttelte, als sie endlich die hohe Tür des Krankenflügels erblickte, vor dem sich auch noch ein paar Schüler tummelten. Unter anderem sah sie Harry und Blaise aus den Augenwinkeln. Sie ließ die Zwei, wie auch den Rest jedoch links liegen und zerrte an der Tür. Doch die deckenhohe Pforte war verschlossen.
„NEIN!“, schrie sie panisch und hämmerte gegen das mächtige Holz. „Mione!“, rief Harry, der sofort zu ihr trat und versuchte sie zu fassen. Dabei fing er sich mehrfach eine, da sie unkontrolliert um sich schlug.
„Lass mich los!“, zeterte sie, als er sie erneut umschließen wollte. „Du sollst mich loslassen! Draco! DRACO!“, schrie sie nach dem Blonden und jagte dadurch die Fenster in die Luft, worunter die Anwesenden zusammenzuckten.
Die Gryffindor sackte damit keuchend in die Knie und lag wenig später benommen in den Armen ihres Freundes, in die sie schluchzte.
„Ruhig“, sprach Harry ihr gut zu, dessen Blick kurz unsicher durch den Raum ging, bevor er sich wieder bei seiner Freundin einfand. Er hielt sie sicher und warm, als ihre Schluchzer immer lauter und schmerzlicher wurden.
„Ganz ruhig, Mione.“ „Nein . . . nein. . .“, weinte und wimmerte sie, als plötzlich die Tür aufging. In dieser stand gehetzt Dippet. Als er die Hexe zu seinen Füßen sah, war ihm klar, was gerade diese heftigen Explosionen ausgelöst hatte.
„Miss Granger? Hermione?“, rief er sie leise und strich ihr die wüsten Haare etwas aus den Augen. Als er in das verwässerte Braun blickte, sah er eine unaussprechliche Qual, Schmerz und Leid. Angst.
„Kommen Sie“, meinte er ruhig und half ihr auf die zittrigen Beine. „Sie besser auch“, sah er zu Harry und Blaise, als auch noch Charlie und Ginny panisch um die Ecke gestürzt kamen, was ihn seufzen ließ. Er war sich sicher, dass die Freunde nicht ruhig Däumchen drehend vor der Tür warten würden. Darüber hinaus sah er es auch als besser an, wenn sie gleich mit allen sprachen.
Als er mit den Fünf in dem hohen Raum war, verschloss er sicherheitshalber erneut die Pforte, um all die neugierigen Blicke, und damit vielleicht auch den Täter, fernzuhalten. Dafür erschien ihm die Sache zu ernst, was er dann auch wieder vor Augen hatte, als er mit den Freunden zu den bereits Anwesenden trat.
Sally stand noch immer unter Schock und ließ sich von Theo halten und beruhigen, der wie Allan, ebenfalls durch den Tumult und Sallys Geschrei am Ort des Geschehens aufgetaucht war. Mit bei ihnen waren noch Tonks, Griffin, einer von Remus’ Leuten, und Remus selbst, den sie sofort hergeholt hatten. Aber auch Minerva hatte sich bereits kurz nach dem Vorfall im Krankenflügel eingefunden. Fassungslos. Remus nickte Allan nur knapp zu, während Tonks leise meinte: „Wir sehen uns nochmal um“ und mit den beiden Männern verschwand.
„Setzen Sie sich“, gebot Allan Hermione ruhig, die noch immer weiche Knie hatte. Die Hexe schüttelte jedoch mit dem Kopf und sah sich verzweifelt nach dem Blonden um, den sie nirgends entdeckte und stattdessen zurück zu ihrem Professor schaute.
„Wo ist er? Wo. . . verdammt, was ist mit ihm?“, fragte sie restlos verängstigt mit zitternder Stimme, während ihr ohne Unterlass die Tränen aus den Augen rannen.
„Setzen Sie sich erstmal. Wir. . .“ „Wo!?“, unterbrach sie ihn getrieben und verpasste ihrem Professor dadurch ungewollt einen magischen Hieb, mit dem er sie losließ und zischend zurückwich. Nur einen Herzschlag später sackte die Hexe stöhnend in die Knie.
„Scheiße!“, zischte Blaise und war mit Harry gleich bei ihr. „Mione?“, bohrte Harry behutsam, bekam jedoch keine Antwort, außer ein verzweifelt gemurmeltes „Draco. . .“ Auf diesen zerbrechlichen Ruf nahm Blaise seine Freundin hoch und legte sie auf eins der Betten, während Charlie aufgebracht zu Dippet sah.
„Jetzt sagen Sie uns endlich, was passiert ist! Und vor allem, was mit Draco ist, verdammt!“, brauste der sonst so ruhige Slytherin auf und funkelte seinen Professor unheilvoll an. Dieser seufzte, kam aber zu keiner Erklärung, da sich Minerva einschaltete.
„Wir wissen es nicht genau. Nur, dass er von jemandem angegriffen wurde und. . .“ „So schlau waren wir schon!“, pampte Blaise die Direktorin an, die ihn kurz streng über ihre Brille maß, sich eine Rüge allerdings sparte. Stattdessen erklärte Allan weiter.
„Wir können leider nicht sagen wer. Miss Roper hat den Täter nicht erkannt, da er mit dem Rücken zu ihr stand und dann auch noch einen Fluch auf sie abgegeben hat, bevor er geflüchtet ist. Er schien. . .“ „Was … ist … mit … Draco!“, kam Charlie gepresst auf das eigentliche Thema zurück. Mehr wollten sie für den Anfang doch gar nicht wissen.
„Er wurde sehr schwer verletzt. So weit ich das beurteilen kann, unter anderem auch durch den Sectumsempra. Er hat sehr viel Blut verloren und. . .“ „Merlin nochmal, sagen Sie uns endlich, wie es ihm geht!“, motzte nun auch Harry, zu dem der Professor kurz schuldig sah, bevor er bedauernd meinte: „Ich weiß es nicht.“
„Professor Dippet hat ihn unverzüglich zu Madam Pomfrey gebracht. Seither war sie noch nicht wieder bei uns. Wir sind so schlau wie Sie“, erklärte Minerva entschuldigend und beschwor damit ein erdrückendes Schweigen herauf, was nur durch die Schluchzer Hermiones und das Knurren von Blaise durchbrochen wurde.
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Ihr Lieben, vor einiger Zeit hatte ich es bereits angesprochen, nun ist es soweit. Das hier wird mein letztes Chap bei X-Perts sein, da mir die immer wiederkehrenden Serverprobleme langsam aber sicher den letzten Nerv rauben, will ich die Kapitel bearbeiten oder einfach nur ein neues posten. Die Geschichte ist hier aber nicht zu Ende, sondern geht bei FF.de weiter. Wer also wissen will, was dem Cliff folgt, kann mich dort besuchen. :) Zum lesen und Reviewen ist kein Account nötig, also keine Bange.
Ich würde mich freuen, dort wieder von euch zu hören.
Liebe Grüße,
*Nachteule* Alex
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