Nach ihrem ersten Besuch in Azkaban, hatte Hermione noch einmal versucht, mit Kingsley über die dort herrschenden Verhältnisse und Machenschaften zu reden. Seine Antwort war, trotz allem Bedauern, jedoch gleich geblieben.
Sie konnten es zum momentanen Zeitpunkt einfach nicht riskieren, Unruhen irgendeiner Art und Weise heraufzubeschwören. Dass ihm das alles genauso wenig schmeckte, wie ihr selbst, hatte Hermione überdeutlich gesehen. An den Tatsachen änderte es dennoch nichts, auch wenn er versuchen wollte, etwas gegen die Gewaltübergriffe zu tun. Solange das Gamot sich jedoch kein Urteil gebildet hatte, hieß es für sie im Augenblick abwarten und die Füße stillhalten. Dem 50-köpfigen Gremium alter Hexen und Zauberer, würde die Öffentlichkeit weniger so etwas wie Korruption oder Death Eater Sympathien vorwerfen, als ihm allein.
Hermione hatte es zähneknirschend vorerst so hingenommen. Sie war im Moment ja auch mehr als froh darüber, dass Daniel die angestrebte Sonderberechtigung bekommen hatte, um Draco weiterhin zu versorgen. Dass es bitter nötig war, hatte sie gesehen.
Es war ein Eindruck, den sie keine zwei Tage später auch Molly und Arthur weitergegeben hatte, die es doch recht bestürzt aufgenommen hatten. Genauso Harry und Ginny. Auf Harry hatte sie dann auch noch eingeredet, ob er seine Meinung und den Einfluss nicht etwas stärker geltend machen konnte, damit das Gamot schneller zu einer Urteilsverkündung kam.
Es war eine leise, kleine Hoffnung, die ihr Arthur jedoch nahm. Er wusste, dass sich das Gremium nach der Verhandlung nicht mehr reinreden ließ. Weder von der Anklage noch von der Verteidigung. Dass Umbridge es auf diesem Weg versucht hatte, hatte er nur zufällig mitbekommen, als er sich mit Remus zum Essen getroffen hatte. Dieser Versuch war allerdings gehörig nach hinten losgegangen.
Er riet Hermione im Gegenteil, auch wenn es schwer war, sich soweit ruhig zu verhalten und die Überzeugung ihrer Ansichten für sich arbeiten zu lassen. Würde sie jetzt im Nachhinein weiter für Aufsehen sorgen, könnte das genauso schief gehen, wie Umbridges Bemühungen. Im schlimmsten Fall würde sie sich zweifelhaft machen. Hermione hatte auch dieses Argument am Ende frustriert geschluckt, wurde dann aber überraschenderweise von Harry ein wenig aufgebaut, dass schon alles werden würde.
Anders als Ron, der sich generell für Stunden knurrend verzog, wenn das Thema Malfoy angeschnitten wurde, schien Harry zunehmend eine tiefe Einsicht zu erreichen. Diese war nicht zuletzt auch Ginny geschuldet, die ihn ein bisschen näher über alles aufgeklärt hatte. Insbesondere darüber, was noch alles in Arizona vorgefallen war.
So hatte sie ihm auch von Malfoys Opfer berichtet, wovon Hermione nach wie vor nichts wusste. Ginny sah es als unnötig an, ihrer Freundin gegenüber diese Sache noch einmal genauer darzulegen, da sie sich schon genug Gedanken um den Blonden machte. Ihr zu erklären, dass er bei der Sache mit dem Mindeater wirklich aufgehört hatte zu atmen und es nur Blaise’ rabiater Handlung geschuldet war, dass er noch, oder wieder lebte, hielt sie für zu viel.
Harry war auf die Erklärung hingegen bleich geworden, denn genauso wie Ginny damals, wäre er nie von einer derartigen Handlungsweise seitens des Blonden ausgegangen. Allerdings hatte Draco den Helden während der Schlacht, bereits mehr als angenehm überrascht. Am eindrucksvollsten fand er nach wie vor die Sache mit Greyback und Lestrange.
So gesehen hatte er wirklich gut daran getan, im Raum der Wünsche auf Hermione zu hören, kehrtzumachen und ihn zu holen. Diese Entscheidung hatte Hermione und Ginny im Nachhinein das Leben gerettet. Genauso Luna, Tonks und noch ein paar Anderen, weshalb er sich verstärkt vornahm, dem Blonden ein wenig offener gegenüberzutreten, sobald er aus Azkaban raus war.
Vermutlich würde er dann einiges an Hilfe und Unterstützung gebrauchen können. Etwas, worum sich Hermione, so wie er seine Freundin einschätzte, auch weiter kümmern würde. Dafür war sie zu sehr Gutmensch, auch wenn Ron das trotz allem nicht schmeckte.
Zwar sagte er nichts mehr zu der Sache, allerdings konnte Harry immer wieder sehen, dass es nach wie vor tief in ihm brodelte. Er motzte ja auch ständig bei Harry rum, immer dann, wenn es Mittwoch wurde und Hermione für ein paar Stunden nach Azkaban verschwand.
Schließlich wurden die Tage zu Wochen. Aus dem Juni wurde Ende Juli, wo sich die Löwen am 30. 07. bei Neville und seiner Großmutter einfanden, um mit ihm seinen 18. Geburtstag, wie auch in Harrys 18. Geburtstag hineinzufeiern. Als sie bei den Longbottoms aufschlugen und Neville sie herzlich begrüßte, wurde er von seinen Freunden recht verblüfft gemustert, was ihm eine verlegene Röte in die Wangen trieb.
„Omas Geschenk“, erklärte er leicht nuschelnd, worauf Ginny näher trat und sein Gesicht in die Hände nahm, um ihn genauer zu betrachten. Schließlich fing sie an zu grinsen.
„Hätte sie dir schon während der Schulzeit schenken können.“ „War nicht ganz billig, aber nach der Schlacht da. . .“ „Da war es ihr das erst Wert?“, fragte Hermione skeptisch. Neville schüttelte mit dem Kopf.
„Nein das nicht. Sie hat schon eine Weile für die Korrektur etwas Geld zurückgelegt. Aber wegen der Schlacht, da. . . Die Leute kennen uns. Der Heiler, der die Zahnkorrektur gemacht hat, hat es fast für lau getan.“ „Für den Kriegshelden, hm?“, schmunzelte Ginny, was ihn noch roter werden ließ, bevor er sich verlegen am Hinterkopf kratzte.
„Wenn du es so nennen willst?“ „Ich denke, man kann uns durchaus so bezeichnen“, kicherte sie und besah sich ihren Freund nochmal genauer, der durch die kleine Zahnkorrektur richtig ansehnlich geworden war.
Das früher runde, pausbäckige Gesicht hatte sich zudem gerade im letzten Jahr eigentlich zur Gänze zu einem markanten, reifen gewandelt. Sehr männlich, was der leichte Drei-Tage-Bart und die inzwischen modisch geschnittenen Haare, noch mehr unterstrichen. Dass er sich mal derartig mausern würde, hätte sie echt nicht gedacht. Und mit ihrer Ansicht war sie auch nicht alleine.
Schließlich verschwanden die Fünf im Garten, wo Luna in einem bunten Sommerkleid auf einer Schaukel saß und sich etwas Auf und Ab schwang. Als die Freunde näher traten, stoppte sie allerdings in ihrer Bewegung und schwebte zu ihnen. Sie begrüßte jeden mit einer herzlichen Umarmung, bevor sie Neville die Arme um den kräftigen Oberkörper schlang und ihn freudestrahlend, wie auch verträumt ansah.
Auch wenn er durch den Krieg, und alles, was im vergangenen Jahr passiert war, erheblich mehr Selbstbewusstsein gewonnen hatte, so war er in puncto Frauen, Gefühle und Beziehungen weiterhin unsicher. Dies zeigte sich deutlich daran, dass er Luna glücklich aber dennoch verlegen anlächelte. Seine Freundin machte sich daraufhin lang und gab ihm einen süßen Kuss auf die Wange, bevor sie zurück zu den Vieren sah.
„Möchtet ihr etwas trinken?“ „Klar!“, lachte Harry, worauf die Blonde davon schwebte, um ihnen ein paar Butterbier zu holen. Neville sah ihr verträumt nach, was Hermione schmunzelnd mit dem Kopf schütteln ließ.
„Dich hat es wirklich schwer erwischt“, gab Harry grinsend zum Besten und schlug Neville freundschaftlich auf die Schulter, der sich verdutzt zu ihm drehte.
„Huh? Was . . . was meinst du?“ „Na was wohl? Du und Luna. . .“, ließ er den Satz offen und grinste breit, was noch mehr wurde, als Neville tiefrot anlief, den Blick senkte und sich erneut verlegen am Kopf kratzte.
„Uhm. . .“ Mehr kam nicht, sodass sich Hermione schmunzelnd dazwischen klinkte. „Jetzt bring ihn nicht noch mehr in Verlegenheit. Ich freu mich für euch“, nahm sie ihren schüchternen Freund in die Arme. „Du hast es dir verdient“, hauchte sie ihm zu, was ihn wieder lächeln ließ. „Danke.“
Schließlich verkrümelten sich die Fünf in die Sitzecke im Pavillon, wo sie in lebhafte Gespräche verfielen, in die sich Luna dann auch wieder mit einklinkte und den Anderen, hin und wieder, mit ihren verklärt verträumten Gedanken, ein Schmunzeln auf die Lippen zauberte.
Es war das erste Mal seit langem, dass die Sechs so ausgelassen beisammen saßen, redeten, lachten, ja einfach das Leben und den Frieden genossen. Die Unbeschwertheit. Freiheit. Etwas, was sie so lange nicht hatten leben können. Inzwischen kehrte aber vermehrt Ruhe in der Magischen Welt ein. Normalität und damit der Alltag.
Knapp drei Monate waren mittlerweile seit der Schlacht vergangen. Die Opfer dieser waren beerdigt, betrauert und namentlich in einem Mahn- wie auch Gedenkmal, einmal im Schlosshof von Hogwarts, aber auch im Eingang des Ministeriums, anstelle des alten Brunnens, verewigt worden. Ebenso näherten sich die letzten Wiederaufbauarbeiten langsam ihrem Ende. Die Diagon Alley erstrahlte beinahe zur Gänze in neuem Glanz. Nur vereinzelt fehlten noch etwas die Farbe und der Feinschliff. Allerdings war es nichts, was nicht noch werden würde. Ebenso Hogwarts.
Minerva war fest entschlossen, die Schule zum 1. September wieder für alte und neue Schüler zu öffnen. Zwar gab es an dem alten Gemäuer weitaus mehr zu machen, jedoch hatten sie tatkräftige Helfer, die ein genauso großes Interesse daran hatten, ihre Schule in ebenso frischem Glanz erstrahlen zu lassen, wie die Diagon Alley.
So hatte es Minerva der letzten siebten Klasse auch freigestellt, ihr Jahr in geregeltem und ordentlichem Maße noch einmal zu wiederholen, um einen richtigen NEWT-Abschluss zu erhalten. Es war eine Möglichkeit, die Hermione nutzen wollte und auch Neville hatte sich dazu entschieden, zurückzugehen.
Bei Harry und Ron sah die Sache ein wenig anders aus. Die Beiden liebäugelten mehr mit den Angeboten von Kingsley, wenngleich Harry auch nichts gegen noch etwas Ruhe einzuwenden gehabt hätte. Eine Auszeit, denn er wurde nach wie vor von allen möglichen und unmöglichen Leuten angesprochen und bedrängt, sobald er sich mehr in der Öffentlichkeit aufhielt. Im Grunde wollte er einfach erstmal seine Ruhe.
„. . . Dann wiederhol dein Jahr doch auch“, schlug Hermione ihm erneut vor und handelte sich dafür einen Blick ein, als hätte sie den Verstand verloren.
„Lass mal. Ich bin heilfroh, dass ich den ganzen Stress nicht mehr hab.“ „An dem Stress warst du selbst schuld, weil du immer alles aufschieben und auf den letzten Drücker machen musstest“, tadelte sie ihn, worauf er die Augen verdrehte. Ron daneben grinste schadenfroh und bekam dafür auch noch sein Fett weg.
„Du brauchst ihn gar nicht so blöd anzugrinsen. Du warst noch schlimmer! Ich will nicht wissen, wie deine NEWTs ausgefallen wären, hättest du eine Prüfung machen müssen.“ Daraufhin verschluckte er sich an seinem Butterbier und hustete schwer, während Harry ihm auf den Rücken schlug. Ginny wusste dem noch eine Spitze draufzusetzen.
„Glücklicherweise bleibt dir diese Blamage nun erspart. Wobei ich gerne Moms Reaktion gesehen hätte“, sinnierte sie nachdenklich. Ron hatte seine Hustenattacke inzwischen überwunden und fauchte nun seine Schwester etwas an.
„Willst du damit sagen, ich wär blöd?“ „In mancher Hinsicht schon. Ja“, gab sie ihm ruhig zurück, worauf er vermehrt rot anlief, sodass sich Harry schnell dazwischen klinkte, um einen aufkommenden Streit unter den Geschwistern gleich im Keim zu ersticken.
„Jetzt hört auf. Wir sind hier, um zu Feiern und nicht, um zu streiten. Was-wäre-wenn ist doch egal. Zumal wir unsere Stärken alle bewiesen haben. Sonst hätte Kingsley uns doch nicht so ein Angebot gemacht“, lotste Harry das Gespräch wieder auf einen ruhigen Punkt zurück.
„Es wäre trotzdem nicht falsch, einen richtigen Abschluss in der Tasche zu haben!“, argumentierte Hermione. „Auf das Ministerium würde ich mich nicht stützen!“, bemerkte sie auch weiter grantig und stierte schließlich an den beiden Jungs vorbei ins nirgendwo.
„Warum nicht? Zumal. . . Wenn wir unsere Ausbildung abgeschlossen haben, interessiert sich doch ohnehin keiner mehr für einen Schulabschluss“, gab Ron flapsig von sich und handelte sich dafür erneut einen wütenden Blick von Hermione ein, die bereits tief Luft holte, um ihm die Meinung zu geigen. Allerdings mischte sich Harry ganz schnell dazwischen.
„Lassen wir das. Wollen wir nicht langsam den Grill anschmeißen? Ich hab mächtig Hunger. Du doch auch“, sah er rasch zu Ron, da sein Freund immer Hunger hatte und auf die Frage gleich wieder griente.
„Klar doch! Wo steht denn das Teil?“, richtete er sich an Neville, der sich erhob und mit den Beiden in der entsprechenden Ecke, mit dem selbstgebauten Steingrill, verschwand. Hermione sah ihnen noch immer schnaubend nach, wurde dann aber von Ginny beschwichtigt.
„Reg dich wegen so etwas nicht auf. Du weißt doch, wie faul mein Bruder die ganzen Jahre in der Schule war. Es war doch klar, dass er da die Chance nutzt, wenn er keinen Abschluss braucht.“ „Trotzdem. Das ist verantwortungslos! Er macht es sich ständig leicht. Ich mein. . . Es kann später doch immer mal etwas sein und dann bereut er es und liegt mir in den Ohren. Ich kann nicht fassen, dass Harry das Angebot von Professor McGonagall auch nicht annimmt!“, brummelte sie, worauf Ginny seufzte und gedrückt zu ihrem Freund sah.
„Er wird mir das Jahr über auch fehlen, aber wenn er nicht will. . . Wir können die Beiden nicht zwingen. Du weißt doch auch, wie sie sind, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben. Aber davon abgesehen. . . Wenn sie nicht da sind, können wir uns in aller Ruhe ohne Gemecker mit Blaise und Charlie treffen“, grinste Ginny nun wieder breit, in deren Augen es zu leuchten begann, als sie an die zwei Slytherins dachte, die ihr Jahr in England ebenfalls nachholen würden. Zwar hatten die Beiden in Arizona eine siebte Klasse besucht, diese durch die Schlacht jedoch nicht beenden können. So gesehen hatte das Schlangengespann nun aber einen riesigen Vorteil.
„Da kann ich mich ein bisschen an die Zwei dranhängen, wenn du keine Zeit hast, mir etwas zu erklären. Sie dürften den Stoff soweit ja intus haben“, kicherte Ginny wieder. Hermione lächelte jedoch schwach, aufgrund ihrer Worte, denn damit drifteten ihre Gedanken zu dem dritten Slytherin, dem diese wichtige Möglichkeit scheinbar verwehrt bleiben würde.
Schließlich wurde es später und die Jungs, mit zunehmenden Alkoholkonsum, immer aufgeweckter und was Ron anging, immer anhänglicher. Hermione hatte merklich zu tun, den Rotschopf auf Distanz zu halten, da sie im Augenblick nicht wirklich glücklich mit seinen Annäherungen war. Im Gegenteil. Sie fühlte sich bei seinen drängenden Berührungen und Küssen seltsam unwohl.
Im Gegensatz zu ihrem Bruder, registrierte Ginny die gequälte Mimik ihrer Freundin nach einer Weile, sodass sie ihr unauffällig zu Hilfe kam und ihren gefräßigen Bruder mit dem Dessert ablenkte.
Irgendwann war der Pegel der Jungs dann so hoch, dass sie anfingen, ein Loblied auf Hogwarts zu singen, und damit unisono die Hymne der Schule grölten. Dass jedoch völlig schief und krumm, sodass sich Ginny letztlich vor Lachen kugelte, während Luna überlegte, wie man die Drei von den Kisbies befreien könnte, bevor sie ihnen zu sehr zu Kopf stiegen? Es war eine Erklärung, die Ginny nur noch mehr zum Brüllen brachte, ehe sie in diese einstimmte.
„Ich glaube, zu den Kisbies dürfte sich morgen auch noch ein schnurriges Katerchen gesellen“, meinte sie und wischte sich die Tränchen aus den Augen, während Luna sie fragend ansah.
„Wo soll die Katze denn herkommen?“ „Ach Luna“, lachte Ginny noch immer und nahm die Blonde verschmust in die Arme. Hermione konnte daraufhin nur schmunzelnd mit dem Kopf schütteln, bevor ihr Blick auf die drei Tenöre fiel. Die hatten sich mittlerweile einander die Arme um Schulter und Nacken gelegt, wobei sich das bei Harry ein wenig schwierig gestaltete, da er in der Mitte hing und fast einen Kopf kleiner war, als Ron und vor allem Neville. Der überragte sie inzwischen alle.
Es war schon ein recht amüsantes Bild, dennoch vermochte es ihre Gedanken nicht einzunehmen. Dafür schwirrten ihr zu sehr andere Dinge im Kopf herum. Hauptsächlich ein gewisser jemand.
Sie konnte machen, was sie wollte, aber er nahm immer wieder aufs Neue verstärkt ihr Denken ein. Heute war es besonders schlimm, was sicherlich auch der Tatsache geschuldet war, warum sie hier waren. Was sie feierten.
Zu seinem Geburtstag hatte man Draco zurück nach Azkaban gebracht, wo sich die Typen vermutlich noch einen Spaß daraus gemacht hatten, ihn mit dem Cruciatus und anderen Flüchen zu quälen.
Umbridge musste das gewusst haben. Hermione war sich sicher, dass die rosa Kröte bewusst diesen Tag für ihren Auftritt gewählt hatte. Sie hatte es gewiss darauf angelegt, ihm keinen ruhigen oder gar schönen Moment zu lassen. Passte zu dieser Pestbeule.
„Hey, was sitzt du hier denn so lustlos rum?“, ließ sich Ginny lachend, mit einem Butterbier in der Hand neben ihrer Freundin nieder, die sich in den Pavillon zurückgezogen hatte. Sie zwang sich auf die Frage ein Lächeln auf die Lippen, was ihre Augen jedoch in keiner Weise erreichte und Ginny damit hellhörig stimmte. Ihre ausgelassene Miene verschwand und machte stattdessen einem leisen Ernst Platz.
„Süße, was ist los? Geht’s dir nicht gut? Hat sich Ron schon wieder daneben benommen?“ „Nein. Mir fehlt nichts. Es ist alles in Ordnung.“ „Und warum machst du dann ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter?“ Daraufhin seufzte Hermione und sah zurück zu ihren Freunden, wo Neville übermütig mit Luna zu der lauten Musik tanzte und sie wild umher wirbelte, was die Blonde herzhaft lachen ließ. Ron stand daneben und feuerte die Beiden lautstark an, während Harry. . . Der war gerade nirgends zu sehen. Vermutlich war er drinnen, sich noch ein Butterbier holen.
„Jetzt sag schon“, drängte Ginny sie und rückte etwas mehr auf. Hermiones Blick verlor sich jedoch auf dem Bowleglas in ihrer Hand, wo sie in sich gekehrt mit dem Strohhalm spielte.
„Es. . .“ „Was?“, bohrte Ginny, als auch Sekunden später nicht mehr kam. „Jetzt sag schon, oder muss ich dir jedes Wort aus der Nase ziehen?“, drohte Ginny ihr, bevor sie wieder einen Schluck von ihrem Butterbier nahm.
„Mir geht Draco nicht aus dem Kopf“, murmelte Hermione bedrückt und sorgte damit dafür, dass sich Ginny halb verschluckte.
„Nochmal. Was?“, krächzte die Rothaarige, als sie wieder Luft bekam. „Du hast mich schon verstanden!“, fuhr Hermione sie gereizt an. War ja klar, dass ihre Freundin das nicht verstehen würde, weshalb sie aufstand, um zu gehen. Ginny hielt sie allerdings ganz schnell am Handgelenk fest.
„Hey, jetzt warte doch mal. Was ist jetzt wieder mit Malfoy?“ „Was mit ihm ist? Verdammt, Ginny. Er ist in Azkaban!“, zischte Hermione aufgebracht und funkelte ihre Freundin dementsprechend an. Diese blieb ruhig, stellte ihr Butterbier weg und zog die Braunhaarige zurück auf die Bank.
„Das weiß ich. Aber das ist er nicht erst seit gestern, also was ist wirklich los?“, maß sie Hermione nun mit dem nötigen Ernst, wie auch der Aufmerksamkeit, sodass sie seufzte.
„Genau das! Er ist immer noch dort und. . . Verdammt, es sind jetzt schon fast zwei Monate. Und da. . .“, brach sie ab und seufzte.
„Ich hab ihm im Mungos versprochen, dass er nicht dorthin zurück muss. Dass das alles irgendwie gut gehen würde, aber was ist passiert? Umbridge hat ihn abholen lassen, obwohl er noch nicht einmal richtig gesund war. Und dafür hat sie sich auch noch seinen Geburtstag ausgesucht“, murmelte sie immer bedrückter, während es Ginny kurz schüttelte.
„Geburtstag?“ Daraufhin nickte Hermione betrübt. „Ja. Die rosa Kröte hat sich garantiert absichtlich diesen Tag ausgesucht, um ihn noch mehr zu quälen, was sie ja ohnehin die ganze Zeit in Azkaban machen.“ „Ich dachte, sie kontrollieren in Azkaban?“ „Oh bitte“, schnarrte Hermione und sah Ginny verächtlich an.
„Du weißt doch selber durch deinen Vater, dass es im Ministerium noch immer drunter und drüber geht und wie der Großteil der Leute denkt. Vor allem über Draco. Daran haben unsere Aussagen und die Verhandlung nicht wirklich etwas geändert. Die Menschen sehen auch weiter nur einen Death Eater in ihm. Da kannst du dir doch denken, wie diese Kontrollen ausfallen. Sie quälen ihn nach wie vor. Auch wenn er nichts sagt und sie ihn direkt körperlich nicht weiter verletzen, seh ich es ihm dennoch jedes Mal an. Er ist vollkommen erschöpft und ausgelaugt. Seine Augen sind nicht selten richtig leer und abwesend. Ich weiß, dass er Schmerzen hat“, wurde sie immer leiser und bedrückter, womit ihr letztlich auch die Tränen in die Augen stiegen.
Ginny schwieg auf all das ein wenig und musterte ihre Freundin nachdenklich, bevor sie schließlich vorsichtig meinte: „Denkst du nicht, du siehst das alles vielleicht ein bisschen zu . . . extrem?“, versuchte sich der Rotschopf behutsam zu erklären, allerdings ging auf ihre Worte ein kleiner Vulkan in Hermione hoch.
„EXTREM?“ Mit diesem Ausruf sprang die Löwin auf und funkelte ihre Freundin beinahe wie ein Racheengel an. „Sag mal, geht’s noch? Ich bin nicht Ron, dass ich aus einer Mücke einen Elefanten mache! Du hast ihn nicht gesehen! Du. . . Verdammt nochmal, du hast keine Ahnung, wie das ist, jeden Tag, stundenlang mit dem Cruciatus und anderen Flüchen gefoltert zu werden! Wie sehr das an die Substanz geht. Ich weiß es und da hatte ich diese Scheiße dank ihm nur eine Woche zu ertragen, weil er es irgendwie geschafft hat, mich aus dieser Hölle rauszuholen. Eine, in der er jetzt seit zwei Monaten festsitzt. Unschuldig!“ Daraufhin schluckte Ginny hart, als sie wieder an das Martyrium dachte, das ihre Freundin vor reichlich vier Monaten selbst zu erleiden hatte. Genauso an Malfoys Aktionen. Arizona, Hogwarts. . . Es war nur logisch, dass Hermione einen völlig anderen Blick, wie auch Empfinden, für diese Sache hatte.
„Es tut mir leid, Hermione. So hab ich das doch auch nicht gemeint.“ „Und wie dann?“, funkelte Hermione die Rothaarige noch immer sauer an. Diese rang sichtlich nach Worten.
„Denkst du wirklich, dass dein Einsatz, unsere ganzen Aussagen und Erklärungen so wenig Gehör gefunden haben? Glaubst du tatsächlich, dass die Menschen all diese Dinge nicht sehen?“ „Wenn dem nicht so ist, warum ist er dann noch dort? Warum lassen sie ihn nicht endlich gehen? Warum lässt sich das Gamot so viel Zeit mit seinem Urteil, wenn ich so überzeugend gewesen wäre? Warum quälen sie ihn dann noch länger?“, wurde Hermione immer verzweifelter, sodass ihr erneut die Tränen in die Augen stiegen. Auf den Anblick erhob sich Ginny und schloss ihre Freundin fest in die Arme, die ihr leise in die Schulter schluchzte.
„Oh Süße“, hauchte Ginny nur und hielt Hermione tröstend fest. „Ich hab das blöde Gefühl, dass ich es versaut hab. Dass sie ihn nicht freisprechen, sondern für mehrere Jahre einsperren. Wenn es so kommt, werden sie ihn mit allem umbringen. Verdammt, das hat er nicht verdient!“, schluchzte sie, während Ginny sie wieder mit sich auf die Bank zog.
„Hey, komm. Mach dich nicht so fertig. Das wird schon alles. Sie müssen ihn früher oder später gehen lassen. Immerhin hat er keine Unschuldigen getötet.“ „Nein. Das Gamot hat Leute aber schon für weniger verurteilt und eingesperrt“, löste sich Hermione von ihrer Freundin und strich sich die Tränen weg. Ihre Augen waren allerdings noch immer stark gerötet.
„Ich hab ihm versprochen, dass alles gut wird, nur. . .“ „Dir liegt wirklich viel daran“, bemerkte Ginny ruhig, bevor sie wissend anfügte: „Auch so. An Malfoy selbst. Stimmt’s?“ Daraufhin schluckte Hermione.
Es war nach allem ja eigentlich recht offensichtlich, dennoch hatte sie noch immer nicht näher mit ihren Freunden über diese Sache zwischen sich und Draco gesprochen. Sie hatte nach wie vor bammel vor den Reaktionen der Anderen, wenn sie quasi Nägel mit Köpfen machte.
Ron würde aufs Neue ausrasten, Harry vermochte sie nicht einzuschätzen und Ginny. . . Ihre Freundin könnte es vielleicht als einzige verstehen. Sie schien ja ohnehin etwas zu ahnen, weshalb sich Hermione ein Herz fasste und zustimmend nickte.
„Ich hab. . . Wir. . . Ich hab euch doch gesagt, ich hätte mich mit ihm ausgesprochen.“ „Hm.“ „Na ja, wir haben uns nicht bloß ausgesprochen wir . . . ich . . . also. . .“ „Du magst ihn“, vermutete Ginny ruhig, worauf die Brünette unsicher nickte und ihre Freundin ebenso ansah.
„Sei nicht sauer, aber. . .“ „Warum sollte ich sauer auf dich sein?“, fragte Ginny ruhig und strich Hermione eine verirrte Haarsträhne hinters Ohr.
„Weil ich mich mit ihm angefreundet hab und. . .“ „Süße, wenn man Augen im Kopf hat und diese mit seinem Hirn auch etwas benutzt, dann war es offensichtlich. Früher oder später“, schmunzelte Ginny. „Allen voran bei dem Stress, den du dir seinetwegen gemacht hast. Dir ging es hier nicht nur um Gerechtigkeit, das war schon was Persönliches. Und als Blaise mir nach der Verhandlung noch verklickert hat, dass du frische Sachen brauchst, weil du im Mungos geblieben bist, war mir eigentlich alles klar“, grinste Ginny nun ein wenig dreckig, wie auch breiter, da Hermione leicht rot wurde, als sie an die Klamotten Sache zurückdachte.
„Wie bist du überhaupt dazu gekommen, mir solche Dessous einzupacken?“ „Blaise fand sie heiß“, grinste Ginny noch immer zufrieden, worauf Hermione ein Schrei entwich.
„WAS?“ „Ich war ja überrascht, dass du solche scharfen Teile in deinem Schrank hast.“ „Erstens, was soll das heißen: Du warst überrascht? und zweitens hast du mir das Zeug im Sechsten in Hogsmeade angedreht. Ich hab es bis dato aber nie getragen. Viel zu kratzig.“ „Das ist nur am Anfang und. . .“ „Und warum darf Blaise über meine Unterwäsche urteilen und die aussuchen? Der Blödmann hat gesagt, er wäre nicht an meiner Wäsche gewesen!“ „Na ja, war er in dem Sinne ja auch nicht. Er hat nur seine Meinung dazu kundgetan und ich musste ihm Recht geben“, lachte Ginny, während Hermione gefährlich mit den Zähnen mahlte. Dafür würde diese Schlange noch bluten.
„Jetzt reg dich nicht darüber auf. Mich interessiert gerade etwas anderes. Du hast gesagt, du hättest dich mit Malfoy angefreundet?“, bohrte Ginny wieder in der Richtung, worauf Hermione runter tourte und ergeben, aber auch deprimiert nickte.
„Ja. Und. . . Bitte sag Harry und Ron noch nichts. Ron würde nur wieder explodieren und Harry. . . Ich weiß nicht, ob er da so begeistert von wäre. Er meinte letztens noch, dass er das alles erstmal für sich setzen lassen muss. Dass ich meinen Frieden mit Draco gemacht habe und. . . Na ja, das mit Blaise und Charlie scheint ihm auch noch etwas schwer im Magen zu liegen, dass wir ihm das die ganzen Jahre verheimlicht haben.“ „Na das ja nicht grundlos“, murrte Ginny, worauf Hermione nickte.
„Sicher. Ich will ihm jetzt aber nicht schon wieder eine neue Begebenheit präsentieren.“ „Verstehe. Nur. . . Ich denke, Harry würde das bestimmt verstehen. Aber du hast Recht. Er braucht garantiert auch etwas Zeit. Von daher. . . Ich werde niemandem etwas von deinem Arrangement mit Malfoy sagen. Versprochen.“ „Danke.“ Daraufhin nahm die Brünette ihre Freundin erleichtert in die Arme, die diese Geste erwiderte.
„Hey, kein Thema. Und mach dir nicht mehr so einen Stress. Es wird schon alles gut werden. Und dann schauen wir mal, mit was für einem Malfoy wir es nun zu tun haben. Würde mich ja auch interessieren“, grinste sie spitz, in was Hermione einstimmte.
„Na ja, ich hab es ihm bereits angedroht, dass wir uns mal gemütlich zu fünft zu Tee und Kuchen treffen.“ „Und was hat er gesagt?“ „Dass er seine Zweifel daran hat, dass du in irgendeiner Form Wert auf seine Anwesenheit legst.“ „Huh, das klingt ja schon mal interessant. Der Kerl scheint ja doch ganz anständige Manieren zu haben.“ „Ich schätze, fehlende Manieren werden nie das Problem gewesen sein. Nur die Tatsache, dass er die nicht an der richtigen Stelle ausgelebt hat.“ „Auch wieder wahr. Und jetzt lass uns noch ein bisschen feiern. Malfoy hilft es schließlich auch nicht, wenn du hier wie ein Trauerkloß rumsitzt. Und wenn du nicht willst, dass die Jungs misstrauisch werden, solltest du mal wieder lachen. Irgendwann fällt das sogar unseren Gefühlstrampeln auf“, meinte sie grinsend und zog ihre Freundin hoch, um sie mit einem Tänzchen und anderen Dingen abzulenken, die ihr Gewissen dennoch nicht erleichterten.
So bekam auch keines der beiden Mädchen mit, dass ein sehr nachdenklicher Harry aus dem Schatten des Pavillons trat, in dem sie gesessen hatten.
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Wen es interessiert, hier noch unser guter Neville nach seiner Mauser. ; )
Ich habe diese Bücher für mich selbst geschrieben. Was passiert ist, ist ein Schock für mich. Ich dachte mir, dass die Bücher vielleicht drei Menschen gefallen werden, neben mir meiner Schwester und, vielleicht, meiner Tochter.