Warme, rehbraune Augen waren das Erste, was sich hinter dem blendenden Weiß zeigte. Groß, wie auch unbeschreiblich sorgenvoll, was sich noch etwas mehrte, als sie von einem feuchten Schimmer durchzogen worden. Dieser wuchs rasch heran und suchte sich schließlich in Form von Tränen einen Weg aus den dazugehörigen Augen.
Diese kullerten über ein paar blasse Wangen, vorbei an ein paar rosigen Lippen, die sich bewegten. Sprachen, doch kam kein Laut in Dracos Kopf an, der noch immer von einem dumpfen Pfeifen heimgesucht wurde und sämtliche Gedanken lähmte. Bis auf einen. Seinen Wunschgedanken, der offensichtlich stark genug war, um irgendwie Erfüllung zu finden.
Diese wuchs noch mehr, als der schöne Engel seine Hände nach ihm ausstreckte, die sich sanft auf seine zerschundenen Wangen legten. Warm, geschmeidig, tröstend.
Ihre weichen Finger glitten behutsam über die blutigen Kratzer, während ihre Lippen neue Worte formten, die schwach, wie auch dumpf in seinem Kopf ankamen. Es war sein Name, gesprochen in Unsicherheit, Sorge aber auch einer seltsamen Angst, worauf er dem Engel antworten wollte, deren Gesicht sich schmerzlich verzog.
Tat er ihr irgendwie weh? Hatte er sie verletzt? Nichts lag ihm ferner. Wirklich darüber nachdenken konnte er allerdings nicht, da sie ihn in einem schnellen Ruck zu sich zog, worauf er haltlos gegen sie fiel.
Ihre Arme schlangen sich dabei um seinen Oberkörper, wo sich eine ihrer Hände in seinem Schopf verlor. Die dazugehörigen schlanken Finger krallten sich kurz in diesen, bevor sie ungestüm, aber dennoch furchtbar beruhigend durch die schmutzigen, strähnig gewordenen Haare strichen. Ihre Lippen fanden sich dann an seinem Ohr ein, wo ihr warmer, süßer Atem ihn beinahe zärtlich streichelte.
„Draco? Es ist alles gut. Hörst du? Es ist vorbei. Wir nehmen dich mit nach Hause“, hauchte sein Engel, worauf ihm ein neuerliches Zucken durch den zitternden Körper ging, als sich sein Hirn vermehrt einschaltete und die dumpfe Schwere, die auf ihm lastete, langsam vertrieb.
Ohne, dass er sich seiner Regungen bewusst war, ebenso der Tatsache, dass er es mit einem Mal konnte, schlangen sich seine Arme fest um ihre zierliche Gestalt. Er zog sie mit aller Kraft zu sich und hielt sie fest umschlungen, mit dem Willen, sie nie mehr freizugeben.
„Sch. Es ist alles gut“, hauchte sie ihm erneut zu, neigte den Kopf leicht zur Seite und legte ihre Lippen in einem zärtlichen Kuss auf seine Wange. Diese kleine Geste holte ihn endgültig aus seiner Lethargie, denn er begann ihr hemmungslos in die Schulter zu schluchzen.
„Sch“, hörte er sie wieder beruhigend, während sie ihm mit einer Hand tröstend durch die Haare strich. Mit der anderen rieb sie ihm behutsam über den schmerzenden Rücken und wiegte ihn sanft. Die Lippen auch weiter an seinem Ohr.
„Es ist vorbei. Sie werden dir nichts mehr tun. Du bist frei.“ Frei? Hatte er sich gerade verhört? Halluzinierte er? Er hatte doch seine Hinrichtung unterschrieben. Oder nicht? War das irgendein noch krankerer Scherz?
„Draco?“, vernahm er unter seinen Tränen noch eine Stimme, an die er zuvor keine Sekunde lang gedacht hatte. Sich dieser zuzuwenden wagte er jedoch nicht. Zum einen hätte er sich dann ja von dem wunderschönen Engel, der verdammt nochmal in einer völligen Perfektion Hermione Granger glich, lösen müssen und zum anderen wollte er diese Illusion, sollte es eine sein, nicht damit zerstören, dass er am Ende doch ein anderes Gesicht sah, als das, was er vermutete.
„Ich glaube, er hat einen Schock oder so“, meinte er erneut die Stimme zu hören, die gefährlich nach seiner frechen Cousine klang, was ihn stark zusammenzucken ließ, während sein Körper weiter von unkontrollierten Krämpfen gebeutelt wurde.
„Wundert dich das?“, hauchte sein Hermione Engel in Richtung der Tonks’ Stimme, bevor sie ihm wieder ihre ganze Aufmerksamkeit zuteilwerden ließ.
„Es tut mir schrecklich leid, was alles passiert ist. Aber sie haben uns nicht mehr zu dir gelassen. Du solltest nichts wissen. Die Strafverfolgung wollte dich in diesem Unglauben lassen“, entschuldigte sie sich, was ihn erneut zusammenzucken ließ. Zeitgleich zog er sie noch fester an sich, sodass er sie halb erdrückte, was sie ihm nach einem kurzen Moment behutsam zu verstehen gab.
„Draco. . . Ich brauch noch ein bisschen Luft zum Atmen.“ Daraufhin zuckte er wieder, lockerte seinen Griff dann aber schnell. Mehr als verwundert darüber, wo er diese Kraft hergenommen hatte? Lag vermutlich an dem hoch dosierten Adrenalinrausch.
So blinzelte er nun eher unfreiwillig über Hermiones Schulter hinweg, wo ihm noch eine Frau, in knapp zwei Metern Abstand, auffiel. Diese Gestalt weckte sein Bewusstsein endgültig, denn es war McGonagall, die ihm einen offenen, ehrlich mitfühlenden Blick zuwarf. Einen, den er ihr nie . . . nie zugetraut hätte. Zumindest nicht, was seine Person betraf.
Damit drehte er den Kopf doch mal zur Seite und sah in das herzförmige Gesicht seiner Cousine, deren Augen besorgt auf ihm lagen, während sie versuchte, ihm ein aufmunterndes Lächeln zu schenken.
Er registrierte es jetzt erst, aber neben Hermiones Hand, lag auch die von Tonks beruhigend auf seinem Rücken. Sie musste vorhin seine Fesseln gelöst haben, als die Löwin ihm die Augenbinde abgenommen hatte.
Es lief alles allmählich verstärkt in seinem Kopf zusammen, der langsam, über den Schock hinweg, wieder klar wurde und das Denken aufnahm. Das Begreifen, wenngleich er die einzelnen Aspekte noch immer nicht so richtig erkannte. Im Endeffekt waren ihm die gerade auch scheißegal. Hermione hatte gesagt, er wäre frei. Dass sie ihn mitnehmen würden. Weg von hier. Das war das Einzige, was für ihn wirklich relevant war. Er konnte gehen. Mit ihr, worauf er sich erneut mehr zu ihr zog und ihr weiter in die Schulter schluchzte.
Er wollte nicht. Schämte sich irgendwo auch für diese Art der Schwäche, nur gehorchte ihm sein Körper gerade überhaupt nicht mehr. In ihm tobte ein wahnsinniges Chaos, das unkontrolliert nach außen brach.
„Sch. Es ist alles gut“, hauchte Hermione ihm in einem beständigen Tonus beruhigend zu und hielt ihn einfach nur fest. Sie ließ ihm die Zeit, um zur Ruhe zu kommen und alles zu verstehen.
Sie konnte sich nur grob eine Vorstellung davon machen, was die Typen ihm in den vergangenen drei Wochen angetan hatten, in denen er ihnen schutzlos ausgeliefert war.
Er hatte wieder stark an Gewicht verloren und war auch so überall blutig und zerschrammt. Sie konnte die Wunden auf seinem Rücken selbst durch den dünnen Leinenstoff überdeutlich spüren. Und das waren nur die Dinge, die sie sah. Was wirklich noch mit ihm war, stand auf einem ganz anderen Blatt. Darum würden sich dann aber Daniel und Charlie kümmern.
Schließlich fiel ihr Blick über seine Schulter hinweg auf die hohe Stein- und Stahltür Azkabans, die sich endlich öffnete und die Gestalt einer älteren, schwarzhaarigen Hexe freigab. Diese näherte sich ihnen und trat zu Minerva. Draco sah sie aus den Augenwinkeln und zuckte wie geschlagen zusammen, worauf Hermione ihm ruhig zusprach.
„Sch. Es ist alles gut. Hestia gehört zum Orden. Sie hatte nichts Böses im Sinn. Sie durfte ihre eigentlichen Absichten und Interessen nur nicht so deutlich zeigen“ Noch als Hermione sprach, trat Hestia Jones ganz zu Minerva und überreichte ihr eine Kopie ihrer Unterlagen.
„Ich denke, in dieser Ausführung sollten auch die allerletzten Details vermerkt sein.“ „Vielen Dank, meine Liebe.“ „Nichts zu danken, Minerva“, lächelte sie, ehe ihr Blick auf Tonks, Hermione allen voran aber Draco fiel, der von den beiden Frauen beruhigend umschlossen wurde.
Auf Hermiones Erklärung schielte er kurz zu den zwei Älteren auf, sodass erneut grau auf graublau traf. Diesmal lag in diesen Augen jedoch Wärme, sowie etwas tief Mitfühlendes und Aufmunterndes.
„Ich wünsche Ihnen alles Gute“, meinte sie noch immer warm lächelnd und verschwand letztlich mittels Portschlüssel in einem leisen Plopp.
Draco starrte nur kurz auf die nun leere Stelle, bevor er das Gesicht erneut in Hermiones Schulter vergrub und verstärkt versuchte, seines Geistes wieder Herr zu werden. Schließlich trat Minerva zu ihnen und ließ sich ebenfalls zu den Dreien in die Hocke sinken.
„Lassen Sie uns gehen. Ich denke, wir haben alle ein sehr großes Interesse daran, diesen grässlichen Ort endlich zu verlassen“, brachte sie die Sache auf den Punkt, worauf sich Hermione an Draco richtete.
„Geht’s?“ Er nickte knapp in ihren Armen und löste sich langsam, wie auch noch immer zittrig von ihr, sodass sie ihm in die Augen sehen konnte. Diese waren teils verklärt und glasig, wo sie sich denken konnte warum. Aber dafür war in erster Linie Daniel zuständig.
Schließlich erhob sie sich und zog ihn mit sich auf die Beine, auf denen er allerdings recht wacklig stand, sodass sie sich neben ihm postierte. Dabei legte sie sich seinen Arm um Schulter und Nacken, um ihn zusätzlich zu stützen. Ihren anderen Arm schlang sie ihm um Rücken und Taille, um seine Gestalt richtig zu fixieren. Dass es nötig war, spürte sie recht deutlich, denn sein Gewicht lastete doch recht stark auf ihr. Er gehörte eindeutig in ein warmes Bett.
So flankierte Tonks ihn auch noch auf der anderen Seite. Sie schlang ihm ihrerseits einen Arm um die Taille, während sie mit der freien Hand Minerva am Oberarm ergriff. Die Direktorin legte wiederum Hermione ihre Hand auf die Schulter, bevor sie den Portschlüssel aktivierte, der sie endlich fort brachte.
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Nur kurze Zeit später tauchten sie in einer, durch Grünzeug geschützten Ecke, eines blühendes Gartens wieder auf, der von der abendlichen Sonne warm beschienen wurde.
Hermione hatte es so das erste Mal geschafft, nach der Reise mittels Portschlüssels, auf den Beinen zu bleiben. Dachte sie zumindest. Allerdings wurde sie anderweitig doch noch von den Füßen gerissen, denn Draco sackte stöhnend zwischen ihr und Tonks zusammen. Dass ihm das Apparieren nicht bekommen würde, hatten sie bereits befürchtet.
„Draco? Alles okay?“, versuchte Hermione ihn anzusprechen, als er keuchend mit dem Kopf an ihrer Schulter lehnte. Tonks ließ ihn gleich ganz los und eilte nach drinnen, um die Jungs zu holen. Hier brauchte es eindeutig ein paar kräftigere Hände.
„Draco?“ „‘s geht“, murmelte er dünn und zwang sich die Augen auf, die kurz über den liebevoll angelegten Garten wanderten, der in voller Blüte stand. Von diesem ging ein wohliger Duft aus, der ihm noch zusätzlich half, alles zu begreifen. Genauso die Wärme der abendlichen Sonne, die über seinen Körper und die Züge strich. Die frische Luft an sich. All die Geräusche um ihn, die Leben bedeuteten. Das Zwitschern der Vögel. Stimmen von Menschen, die sich ausgelassen unterhielten, worunter sich allerdings ein etwas verschrecktes „Draco!“ mischte.
Als er aufblickte, sah er Blaise, Charlie, Daniel und seine Mutter auf sich zukommen. Der Anblick der Vier ließ ihn noch zusätzlich in die Realität zurückfinden und zauberte ihm letztlich ein gleichermaßen dankbares, wie erschöpftes Lächeln auf die Lippen.
Er konnte nicht sagen, wie unbeschreiblich dankbar er ihnen für alles war. Dass sie für ihn da waren. Allen voran die kleine Gryffindor, zu der er wieder sah. Ihre Rehaugen musterten ihn noch immer mit unverhohlener Sorge, als seine Freunde bei ihnen aufschlugen und sich ebenfalls auf die Knie sinken ließen.
„Scheiße, man. Wie siehst du denn aus?“ „Wie aus der Gosse gekommen“, murmelte Draco wirsch, was Charlie mit dem Kopf schütteln und Hermione gequält lächeln ließ. Wenigstens wurde er langsam etwas munterer.
„Gosse ist noch geschmeichelt. Los, komm her“, entgegnete Blaise ihm und zog ihn letztlich mit Charlie behutsam auf die Beine, wo ihm jetzt erst das cremefarbene Haus hinter den Beiden ins Auge fiel. Es war keines, was er kannte.
„Wo sind wir?“, fragte er dünn und bekam prompt von Hermione Antwort. „Bei mir zu Hause.“ Daraufhin sah er die Löwin kurz verblüfft an, bevor sich seine Freunde mit ihm in Bewegung setzten und ihn erstmal nach drinnen brachten. Dort ließen sie ihn auf die Couch gleiten, wo ihm Daniel eine Phiole gab, deren Inhalt er ohne Erklärungen oder Fragen schluckte. Im Anschluss verzog er angewidert das Gesicht, sodass Daniel ihm gleich noch ein Glas Wasser reichte, das er gierig leerte. Genauso ein Zweites. An dem Dritten nippte er nur noch, da sich das Kratzen in seinem trockenen Hals allmählich beruhigte.
Inzwischen saß auch seine Mutter neben ihm, die ihn sofort zu sich zog und mehr als erleichtert umschlossen hielt. Sie hatte, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte, unaussprechliche Ängste ausgestanden. Ihr, wie auch den Anderen, war klar gewesen, dass man ihm das Leben in den vergangenen Wochen zur Hölle gemacht haben musste. Dass es so war, war überdeutlich zu erkennen.
Umso größer war jetzt der Drang in ihr, ihn nie mehr loszulassen. Sie wollte niemanden mehr in seine Nähe lassen, der ihm ein Leid tun könnte. So hätte sie ihn jetzt auch am liebsten mit sich genommen. Ganz weit weg, wo keiner sie und die dunklen Geschehnisse kannte. Nur ging das nicht, sodass sie sich wieder von ihm löste, die Hände nun allerdings auf seine blassen, zerschrammten Wangen legte.
„Wie geht es dir?“, fragte sie, wenngleich sie wusste, dass er ihr ohnehin nicht die Wahrheit sagen würde. Im Grunde wollte sie die auch nicht hören. Sie wollte nur seine Stimme hören, um sich vermehrt deutlich zu machen, dass er tatsächlich bei ihnen war.
„Es geht schon“, gab er ihr, noch immer leicht heiser, zurück, worauf sich Narcissas Mundwinkel zu einem schmerzlichen Lächeln verzogen, ehe sie sein Gesicht ganz zu sich zog und ihm einen sanften Kuss auf die Stirn hauchte. Im Anschluss schloss sie ihn nochmal in die Arme.
„Ich hab mir wahnsinnige Sorgen um dich gemacht“, flüsterte sie dünn, wobei ihr drohte die Stimme wegzubrechen. „Es geht mir gut“, gab er seiner Mutter erneut recht leise zu verstehen, die ihn auf diese Lüge kurz fester an sich drückte, bevor sie nickte und ihn fürs Erste freigab. Draco blickte dann auch schon müde in die Runde.
„Was genau. . . Also. . . Was haben . . . was ist. . .“, wusste er nicht so richtig, wie er anfangen sollte, während sich die Anderen rings um ihn platzierten. Hermione neben ihm, die ihm erneut ein aufmunterndes, warmes Lächeln zukommen ließ. Dabei nahm sie seine Hand und umschloss das kalte Etwas wärmend mit ihren beiden. Schließlich reichte Minerva ihm ein mehrseitiges Formular, was er sich irritiert nahm.
„Was ist das?“ „Eine Kopie Ihrer Bewährungsauflagen.“ „Bewährungs-“, murmelte er verwirrt und sah zurück zu Hermione. Fragend. Die junge Hexe holte dann auch gleich tief Luft und suchte ihrerseits nach einem Ansatz.
„Vor drei Wochen hat das Gamot sein Urteil gefällt. Ich hatte auf einen Freispruch plädiert, nur kam dafür leider keine mehrheitliche Einigung unter den Mitgliedern zustande, da ein Paar von ihnen dennoch nicht zu 100% von deiner Unschuld überzeugt waren, sodass sie ihr Urteil auf fünf Jahre Azkaban festgesetzt haben. Dieses haben sie, aufgrund der Dinge, die wir ihnen zur Verhandlung deutlich machen und beweisen konnten, dann aber auf eine Bewährung ausgelegt, die an gewisse Auflagen gebunden ist. Das heißt im Klartext, dir passiert nichts, wenn du dich an die Bestimmungen hältst“, deutete sie ihm auf die Papiere, die Minerva ihm gereicht hatte. Diese blätterte er durch, während Hermione weiter sprach.
„Wir wollten dir die Sache eigentlich zeitnah erklären, nur haben sie uns mit der Urteilsverkündung nicht mehr zu dir gelassen. Eine Bedingung der Strafaufsicht, die dich im Ungewissen über alles lassen wollte, wohl in der Hoffnung, dass du die Auflagen dann nicht unterschreibst. Wir hätten diverse Forderungen zwar anfechten können, nur hätte sich das alles dann noch mehr in die Länge gezogen und du wärst jetzt vermutlich immer noch dort.“ Daraufhin schluckte er.
„Hättest du das Ganze nicht unterschrieben, wäre das vorangegangene Urteil zudem bindend gewesen und wir hätte dir nicht mehr helfen können, worauf es wohl hinauslaufen sollte“, erklärte sie düster, was ihn schaudern ließ, denn das hätte in der Tat 25 Jahre in diesem Loch bedeutet.
„Hestia Jones hatte sich dann dazu bereiterklärt, sich um die Aufsetzung der Vereinbarung zwischen Ihnen und dem Gamot zu kümmern. Zu unserem Glück waren die entsprechenden Leute von der Strafaufsicht nicht davon in Kenntnis, dass sie ein altes Mitglied des Ordens ist. Dahingehend oblag es auch ihr, Ihnen die Formulare zur Unterschrift auszuhändigen. Ich vermute, Sie wussten nicht, was Sie unterschreiben?“, meinte Minerva, worauf er abwesend mit dem Kopf schüttelte und nebenbei die Zeilen überflog.
„Bedauerlicherweise konnte die gute Hestia Ihnen keine allzu deutlichen Zeichen geben, da sie und ihre Absichten sonst aufgeflogen wäre. Hermione hatte zuvor bereits überlegt, Ihnen eine kurze Patronus Nachricht zukommen zu lassen, damit Sie wissen, was Sie erwartet. Das Risiko war jedoch zu groß, dass die falschen Leute es bemerken. In dem Fall hätte man Ihnen die Bewährung vermutlich gänzlich versagt. Zum Glück war Hestia dennoch überzeugend genug“, lächelte Minerva zufrieden, womit er zu seiner alten Professorin sah.
„Das heißt, ich muss nicht . . . nicht zurück nach . . . nach Azkaban?“ „Solange du dich an die Auflagen hältst, ist alles in Ordnung. Und dass du die nächsten fünf Jahre nicht in Schwierigkeiten kommst, da passen wir schon auf“, lächelte Hermione ihm zu, zu der er nun wieder sah. Und das noch immer überfordert. Schließlich fiel sein Blick auf die Unterlagen.
„Was . . . was wollen sie denn jetzt von mir?“, fragte er unsicher. Diese Vereinbarung, oder mehr noch der Vertrag, hatte doch garantiert irgendwelche Haken.
„Was es im Einzelnen alles ist, können wir Ihnen im Moment noch nicht sagen. Wir hatten vor drei Wochen zwar eine Erstausführung der Bestimmungen erhalten, nur hatten wir alle die starke Vermutung, dass sich diese noch mehrmals ändern würde und etwaige Klauseln hinzukommen, sodass wir Sie nicht ausreichend genug über die Bedingungen in Kenntnis setzen können. Wie gesagt, Hestia hatte sich dann angeboten, sich um diese Vereinbarungen zu kümmern, sodass wir nun die gleichen Unterlagen besitzen, wie die Strafaufsicht und der Hohe Rat. Und. . . Nun, ich muss sagen, diese abschließende Fassung scheint mir um einiges umfangreicher, als die, die wir bekommen haben. Die Strafaufsicht wollte Sie nur zu offensichtlich ahnungslos ins Messer laufen lassen. Sollten Sie die Auflagen nicht erfüllen oder gegen eine der Regeln verstoßen, würde die Bewährung verfallen und man würde Sie ohne wenn und aber für fünf Jahre in Azkaban festhalten. Wir könnten Ihnen dann nicht mehr helfen, wie Hermione bereits sagte.“ Daraufhin schluckte er und sah unsicher zu der Gryffindor. Diese lächelte aufmunternd, wie auch zuversichtlich.
„Wir passen schon auf, dass du keinen Blödsinn machst. Ich seh mir das dann nochmal in Ruhe alles an. Vermutlich haben sie irgendwelches Paragraphenkauderwelsch geschrieben, was kein normaler Mensch versteht.“ Oh ja. Was das anging, da konnte er ihr nur beipflichten. Die Stellen, die er überflogen hatte, aus denen war er in der Tat nicht schlau geworden.
„Nun, die wichtigsten Bedingungen können wir Ihnen, denke ich, dennoch nennen. Da Ihnen, wie auch sonst Ihrem Jahrgang, der entsprechende NEWT Abschluss fehlt, werden Sie diesen unter Aufsicht nachholen.“ „Aufsicht?“, stutzte er, worauf Minerva zu Tonks sah. Diese griente.
„Du wirst mich das kommende Jahr noch etwas ertragen müssen, Cousin“, lachte sie, worauf es ihn kurz schüttelte. „Heißt das, du spielst Wachhund?“, fragte er skeptisch. Tonks schüttelte mit dem Kopf.
„Das heißt, ich bin nur obligatorisch mit da, um dich im Auge zu behalten“, zwinkerte sie verschwörerisch, ehe sie beruhigend meinte: „Ich werd dir nicht auf Schritt und Tritt nachstellen. Keine Sorge. Zumal ich davon ausgehe, dass du dich zu benehmen weißt, und schön brav tust, was gefordert wird.“ Da konnte sie Gift drauf nehmen. Er würde ganz sicher nicht riskieren, wieder in diesem Loch zu landen. Damit sah er zurück zu Minerva.
„Des Weiteren sollten Sie darauf achten, welche Zauber Sie anwenden. Flüche sind tabu. Das sollte Ihnen bewusst sein. Die Strafaufsicht wird Sie über das Bannarmband kontrollieren“, deutete sie auf sein rechtes Handgelenk. Dass um dieses noch ein dünnes, silbernes Metallarmband lag, gewahrte er jetzt erst.
Dieses blöde Arschloch Gibson musste es ihm irgendwann angelegt haben, als er ihn durch die Gänge gescheucht und mit seinen kranken Phantasien fast wahnsinnig gemacht hatte. Nun, da er es sah, bemerkte er auch, dass dieses Ding seltsam pulsierte. Als würde es leben. Ein unheimlicher Gedanke. Am Ende sah er wieder zu seiner Professorin.
„Es nimmt jeden Zauber auf, den Sie über Ihren Zauberstab ausführen und gibt einen Impuls frei, der der Strafaufsicht quasi die Art Ihrer Magieanwendung offen legt. Und das für besagte fünf Jahre. Ihren Zauberstab bekommen Sie im Übrigen in Hogwarts zurück.“ „Okay“, murmelte er und sah nochmal auf dieses komische Teil, das scheinbar lebte.
„Alle anderen Einzelheiten. . . Nun, darüber wird Hermione Sie sicherlich noch in Kenntnis setzen“, lächelte die alte Hexe der Jüngeren zu, die zustimmend nickte und Draco letztlich das Papier aus den Händen nahm. Der musterte sie fragend.
„Wiederholst du dein Jahr?“, begann er unsicher, worauf sie grinste. „Kannst du dir doch denken. Ich will einen richtigen Abschluss haben. Blaise und Charlie machen ihr Jahr auch nach“, erklärte sie, worauf er zu seinen Freunden sah.
„Wirklich?“ „Klar! Denkst du, wir lassen dir alleine den ganzen Spaß? Davon abgesehen will ich nicht noch ein Jahr auf meine feurigen Mädels verzichten“, gluckste Blaise und sah grinsend zu Hermione, die ihm schmunzelnd eines der Cocktailkissen entgegen warf.
„Was?“, lachte er, während Draco die Erleichterung überkam. Er hatte kurzzeitig schon Angst gehabt, dort dann allein zu sein. Aber mit Blaise und Charlie und dann auch noch Hermione. . . Das versprach interessant zu werden.
„Ich denke, das war erstmal das Wichtigste. Alles Weitere besprechen wir in Hogwarts.“ Damit erhob sich die Professorin aus dem Sessel und zog ein kleines Döschen aus ihrem Umhang, welches sie Hermione reichte.
„Der Portschlüssel wird sich morgen Punkt 15:00 Uhr aktivieren und Sie nach Hogsmeade bringen. Ich bitte Sie, diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Wie gesagt, ein paar Dinge möchte ich gerne vor Ort klären.“ „Ist gut, Professor.“ „Dann wünsche ich Ihnen noch einen ruhigen und angenehmen Abend, Hermione. Draco. . .“, richtete sie sich an den Blonden, der verdutzt darüber war, dass sie ihn genauso vertraut beim Vornamen nannte.
„Sie sollten sich ausruhen. Daniel wollte ja auch nochmal nach Ihnen sehen.“ Damit sah sie zu dem Heiler, der zustimmend nickte. Draco folgte ihrem Blick kurz, bevor er zurück zu der Hexe sah.
„In Hogwarts wird sich Madam Pomfrey weiter um Sie kümmern.“ „Es ist nicht so schlimm, Professor“, versuchte er sich herauszureden, da ihm die Situation doch irgendwie unangenehm, und vor allem etwas surreal war. Dass sich die Hauslehrerin von Gryffindor offensichtlich . . . nun ja, Gedanken um das Wohlbefinden eines Slytherins machte.
Anscheinend hatte er die alte Hexe die ganzen Jahre über ziemlich falsch eingeschätzt. Aber so war das eben mit den Vorurteilen. Er hatte welche gegen andere und andere hatten diese Vorbehalte und eine festgefahrene Meinung über ihn.
„Ich denke, Daniel kann diese Sache am besten beurteilen. Gesund ist auf alle Fälle etwas anderes, also nehmen Sie sich die Ruhe, die Sie brauchen.“ „Sie hat Recht“, meldete sich nun Daniel zu Wort und trat zu ihm.
„Hermione hat dir ein Zimmer fertig gemacht. Ich seh erstmal nach dir und dann legst du dich hin und schläfst dich richtig aus.“ Daraufhin nickte er knapp, womit sich Minerva fürs Erste verabschiedete.
Kurz darauf verschwand Daniel mit Draco, Charlie und Hermione nach oben, wo die Hexe dem Blonden nur noch das Bad und sein Zimmer für die Nacht zeigte. Im Anschluss quartierte sich Daniel mit ihm und Charlie im Bad ein, um seine Wunden zu versorgen.
Unten hockte Hermione mit Blaise, Tonks und Narcissa über den Auflagen und versuchte diese Bürokratensprache für einen normalen Menschen zu übersetzen. So fanden sie zeitnah noch einiges an Stolperfallen. Es waren im Grunde vollkommen unbedeutende, belanglose Kleinigkeiten, die Draco allerdings schon am ersten Tag in Schwierigkeiten bringen würden.
Unter anderem sollte er das Fach Mugglekunde belegen, was Blaise mit den Augen rollen ließ. Slytherin, Reinblüter, Malfoy und Mugglekunde. Eine Konstellation, die von allein nie zustande gekommen wäre. Und da lag vermutlich der Knackpunkt, denn neben dem Kurs hatte er die Vorlage bekommen, seinen Abschluss überall mit einem *O* zu machen.
Der Punkt war zwar weniger das Problem, offensichtlich nahmen die entsprechenden Leute aber an, dass er diese Leistung in gerade dem Fach nicht erreichen würde. Zumal ihm dort auch die Vorarbeit der ersten Jahre fehlte. Dahingehend könnte Hermione ihm jedoch helfen.
So verschwand Blaise nochmal in die Diagon Alley, um das nötige Lehrmaterial für ihn zu besorgen. Unter anderem die Bücher der vorangegangenen Jahre, damit er den Stoff hatte. Was den Rest anging, so schienen es Hermione eher Kleinigkeiten zu sein, die sich problemlos umgehen oder vorbeugen ließen, sofern man davon Kenntnis hatte.
Nach knapp zwei Stunden, Blaise war mittlerweile auch wieder da, kamen Daniel und Charlie runter und ließen sich ein wenig erschöpft in die Sesseln fallen. Auf ihren Gesichtern lag alles andere als Begeisterung.
„Wie geht es ihm jetzt?“, hakte Narcissa auf den Anblick sofort nach, womit sich Daniel leicht vorbeugte, während Charlie angefressen vor sich hin murmelte und noch tiefer in seinem Sessel versank.
„Er schläft. Ich hab ihm ein starkes Schmerz- und Beruhigungsmittel gegeben. Er sollte damit bis morgen tief und fest schlafen“, erklärte Daniel, ohne näher ins Detail zu gehen. Hermione, die Dracos Verletzungen teils gesehen hatte, beunruhigte Daniels Aussage jedoch.
„Hat er irgendetwas Ernsteres? Ich mein. . . Seine Wunden. Er hat zeitweise auch so schwer geatmet.“ „Ich weiß“, seufzte Daniel.
„Seine Verletzungen haben wir soweit versorgt. Du solltest sie morgen allerdings nochmal mit der Salbe nachbehandeln. Sie ließen sich leider nicht alle vollständig schließen. Er hat zudem ein paar angebrochenen und zwei gebrochenen Rippen, aber das sollte sich über Nacht geben. Was seine Atmung angeht. . . Er hat eine mittelschwere Lungenentzündung, die ihr im Auge behalten solltet“, maß er Hermione, Blaise und Charlie ernst.
„Seht zu, dass er seine Tränke nimmt. Morgens, mittags und abends. Am besten nach den Mahlzeiten.“ „Und sonst?“, bohrte Tonks.
„Sonst. . . Er ist durch alles ziemlich geschwächt. Achtet darauf, dass er sich schont und alles langsam angeht. Zur Not steckt ihn in den Krankenflügel. Poppy wird schon wissen, was sie mit ihm zu machen hat. Er hat körperlich einiges an Defiziten. Wahrscheinlich wird ihm das jetzt am Anfang auch schwerfallen, nur haltet ihn dazu an, dass er vernünftig und regelmäßig isst, damit er wieder richtig zu Kräften kommt. Ansonsten. . . Ruhe, Ruhe und nochmal Ruhe“, endete Daniel, sah dann aber zurück zu Hermione.
„Sollte die Nacht irgendetwas sein, ich hab dir eine Notfalltasche ins Bad gestellt. Schmerzmittel, Beruhigungstränke, etwas gegen Fieber, diverse Salben und Tinkturen. Ist alles beschriftet.“ „Ist gut.“ „Okay dann. . . Ich denke, wir machen auch langsam los. Es ist spät geworden“, riss Daniel den Aufbruch an, worüber Hermione alles andere als böse war, da sie nochmal in Ruhe Dracos Unterlagen durchsehen wollte. Sie wollte nicht riskieren, dass alles durch einen Flüchtigkeitsfehler oder eine Unachtsamkeit in einer dunklen Sackgasse endete.
So erhoben sich die Fünf, wo Blaise etwas länger bei Hermione hängen blieb und ihr frech ins Ohr flüsterte: „Und ich kann dich mit unserem Kleinen wirklich alleine lassen?“ Auf den Spruch schlug sie ihm vor den Brustkorb, was ihn feixen ließ. Schließlich griente er wieder normal und hielt ihr ein Briefkuvert hin.
„Was ist das?“ „Was zur Motivation.“ Daraufhin zog die Hexe fragend die Augenbrauen kraus. „Gib es Draco morgen einfach. Er weiß schon, was ich damit meine“, lachte Blaise kurz, bevor er Hermione einen Abschiedskuss auf die Wange hauchte.
„Wir sehen uns morgen Abend beim Essen.“ „Das dürfte interessant werden.“ „Höchstwahrscheinlich“, grinste er und trat zu Daniel und Charlie, die im Kamin verschwanden. Ihnen folgte Tonks, die noch auf ihre Tante wartete.
Diese stand unsicher im Raum, und wusste sich nicht so recht von der Löwin zu verabschieden. Auch so. Sie wäre gerne noch etwas bei ihrem Sohn geblieben, den sie nun wieder für eine längere Zeit nicht sehen würde. Allerdings hatte Blaise ihr wissend unter die Nase gerieben, dass es vielleicht ganz gut war, wenn die Beiden ein wenig für sich waren. Und sei es nur ein halber Tag. Draco würde es gut tun, woran Narcissa keine Zweifel hatte. Doch wusste sie aufgrund dessen nun nicht, wie sie mit der jungen Frau umgehen sollte, die ihrem Sohn ein Schicksal erspart hatte, welches schlimmer war als der Tod. Die Frau, für die ihr Junge heimlich Gefühle hegte. Und das nicht zu knapp. Am Ende fasste sie sich ein Herz und hoffte, dass ihre Handlungsweise jetzt nicht gewaltig nach hinten losging.
Sie trat näher zu Hermione, die bereits nervös schaute und sich schließlich versteifte, als Narcissa sie ohne Vorwarnung in eine kleine, behutsame Umarmung zog und ihr noch rasch zuflüsterte: „Vielen Dank für alles. Ich werde nie vergessen, was Sie für Draco getan haben. Danke. Hermione.“ Damit ließ die Blonde die Brünette los, die wie vom Schlag gerührt da stand. Unfähig sich zu bewegen oder sonst wie zu denken. Tonks dachte sich allerdings recht viel und grinste zufrieden, als ihre Tante zu ihr trat. Das aber unsicher, aufgrund der sichtlich geschockten Löwin, die sich noch immer nicht rührte.
„Das war sehr gut“, flüsterte Tonks ihrer Tante kaum hörbar zu. Narcissa war sich dessen jedoch nicht so sicher. „Wird schon alles“, meinte Tonks überzeugt, und versuchte nur noch kurz, Hermiones Aufmerksamkeit zu erregen, indem sie sich ein zweites Mal von ihr verabschiedete.
„Wir sehen uns morgen. Pass mir gut auf den kleinen Blödmann auf“, lachte sie und war mit Narcissa weg. Doch selbst als Hermione alleine war, stand sie noch geschlagene fünf Minuten regungslos im Wohnzimmer und starrte sinnlos ins Nichts. Nur sehr langsam wachte sie aus ihrer Lethargie auf und ließ sich kraftlos auf das Sofa fallen, wo sie versuchte, klar im Kopf zu werden.
Sie wusste nicht warum, aus irgendeinem Grund war ihr Dracos Mutter aber nach wie vor unheimlich. Wobei. . . Unheimlich war das falsche Wort. Hermione vermochte sie nicht einzuschätzen. Sie bereitete ihr Unbehagen. Das traf es am ehesten. Weshalb das so war, konnte sie sich nicht einmal richtig erklären, immerhin hatte die Frau ihr nichts getan. Andererseits. . . Vielleicht war es auch gerade das. Dieses nichts tun.
Hermione konnte sich leider noch zu gut daran erinnern, dass Narcissa während ihren Folterungen im Manor mehrmals anwesend war. Es waren diese kalten, gefühllosen Augen, die sie frieren ließen. Augen, die emotionslos auf ihr gelegen hatten, als sie sich nach Hilfe umgesehen und diese in irgendeinem Blick gesucht hatte.
Doch jedes Paar war gleich gewesen. Kalt, abweisend, missbilligend, gleichgültig. Und was ihre Augen anging. . . Auch wenn die Blonde blaue Augen hatte, erinnerten sie diese dennoch gefährlich an die vor Wahnsinn schimmernden Schwarzen von Bellatrix. An ein kaltes, scheinbar seelenloses Wesen.
Im Grunde nicht weiter verwunderlich, immerhin waren die beiden Frauen Schwestern gewesen. Vielleicht kam es auch daher. Vielleicht kam dieses Gefühl von dieser Verbindung. Sie wusste es nicht. Fakt war, dass sie eine unangenehme Gänsehaut in Narcissas Nähe bekam. Allerdings hatte sie diesen Eindruck früher auch bei Draco gehabt, wenn er sich so bedrohlich vor ihr aufgebaut und sie mit seinen kalten Augen regelrecht durchbohrt hatte. Er hatte ihr damit schon irgendwie die lebenswichtige Wärme entzogen.
Es waren in der Tat Eisaugen, die er hatte. Zumindest wenn er wollte. Der Eisprinz. Ein wirklich trefflicher Name. Nur konnte besagter Eisprinz überraschenderweise auch ganz anders, was sie nie von ihm gedacht hätte. Dennoch war es so. Da war nicht nur diese Kälte, sondern eine genauso umwerfende Wärme. Seine Augen konnten einen nicht nur verletzen, sondern auf sonderbare Weise auch heilsam sein. Beruhigend. Wärmend. Eine Zuflucht.
Sie schüttelte mit dem Kopf, aufgrund ihrer Gedanken, nahm sich zeitgleich aber, vor Dracos Mutter, wenn sie sie das nächste Mal sehen sollte, etwas offener gegenüberzutreten. Immerhin war sie ihr jetzt ja einen großen Schritt entgegengekommen.
Auch wenn es ihr in erster Linie nur um Draco ging, so hatte sie es dennoch verdient, auch noch eine Chance zu bekommen. Immerhin. . . Hatte Draco ihr nicht gesagt, dass er nur durch die Hilfe seiner Mutter damals aus dem Manor herausgekommen war? Dass sie sich auf die Suche nach dem Orden gemacht hatte, damit man ihnen half? Ihr?
Schließlich versuchte sie fürs Erste all diese Gedanken abzuschütteln, um sich nochmal eingehend mit den Auflagen zu befassen. Nach knapp drei Stunden gab sie es auf, da ihr Bewusstsein immer wieder irgendwie abschweifte.
Als sie auf die Uhr sah, stellte sie fest, dass es ohnehin schon viel zu spät war. Es war weit nach Mitternacht, sodass sie nach oben ins Bad unter die Dusche verschwand und sich bettfertig machte. Doch bevor sie in dieses kroch, sah sie erneut nach dem Blonden, der doch nicht so ruhig schlief, wie Daniel gedacht hatte.
Direkt neben der Tür lag sein Kissen, was er im Unterbewusstsein wohl weggeworfen hatte. Seine Decke glich einem einzigen Knäuel, genauso das Laken, welches völlig zerwühlt war. Draco zog zudem noch immer an diesem und murmelte unverständliches Zeug. Als sie näher nach ihm sah, stellte sie fest, dass ihm der kalte Schweiß auf dem Gesicht glänzte, während es unter seinen Lidern unruhig zuckte.
„Nicht doch“, murmelte sie, als sie sich auf der Bettkante niederließ und versuchte, ihn behutsam zu wecken. Sie ergriff ihn sanft bei den Schultern, worunter er verstärkt zusammenzuckte, ehe sie ihn sacht rüttelte.
„Draco? Es ist alles gut. Hörst du? Komm, wach auf“, sprach sie ihm ruhig zu, worauf er wie geschlagen in einem panischen Aufschrei hoch fuhr.
Hermione wich daraufhin reflexartig zurück und musterte kurz seine schwer keuchende Erscheinung. Sein T-Shirt war völlig verschwitzt, während sein schmaler Körper unaufhörlich zitterte. Seinen Blick vermochte sie nicht zu deuten, denn er starrte, die Augen weit aufgerissen, in einer dumpfen Panik ins Leere. Dass er noch nicht richtig da war, war nur zu offensichtlich.
„Draco?“, rief sie ihn leise, womit sein Kopf zu ihr ruckte und er sie für einen Moment mit der gleichen Panik, wie auch getrieben ansah, bevor er blinzelte und der Eindruck der Leere verschwand.
„Hermione?“, keuchte er verwirrt, worauf sie nickte und etwas mehr zu ihm aufrückte. In der Sekunde sackte seine Gestalt in einem erschöpften Stöhnen in sich zusammen.
„HEY!“, entwich es ihr verschreckt, als er in ihren Armen landete und dort für einen Augenblick schwer atmend liegen blieb.
„Wo. . .“, fing er an, mehr kam allerdings nicht. Hermione atmete auf die knappe Frage jedoch erleichtert auf, da er noch wach war. Sie hielt ihn beruhigend in den Armen und versuchte schließlich, ihm zu erklären und damit seine Erinnerungen an den Abend zu wecken.
„Riverdale Drive. Du bist bei mir zu Hause. Wir haben dich am Abend aus Azkaban geholt.“ „Bewährung. . .“, nuschelte er, was ihr deutlich machte, dass er sich erinnerte.
„Genau. Und dass alles glatt geht, da. . . Wir passen schon auf, dass sie dir keinen Strick aus irgendetwas drehen. Mach dir keine Gedanken deswegen“, hauchte sie beruhigend und strich ihm nebenher durch die verschwitzten Haare.
„Willst du was trinken?“ „Hm.“ „Okay. Ich bin gleich wieder da. Leg dich hin“, gab sie ihm weiter ruhig, wie auch fürsorglich zu verstehen, sodass er sich nach hinten fallen ließ und kurz nach dem nicht vorhandenen Kissen tastete.
„Suchst du das?“, hielt Hermione es ihm hin, was er sich ein peinlich berührt nahm. Offensichtlich hatte er im Schlaf mal wieder gewütet wie ein Irrer und sie dadurch geweckt. Er hatte eigentlich gehofft, dass sich das durch die ganzen Tränke legte, aber nach allem, was die letzten Wochen . . . Monate war, konnte er darauf lange warten, wenn nicht einmal mehr Daniels Spezialmittel wirkten. Schließlich kam die Gryffindor mit einem Glas Wasser zurück und setzte sich zu ihm auf die Bettkante.
„Danke“, murmelte er leicht heiser und nippte immer mal an dem Glas, während sein Blick scheu über ihre Erscheinung huschte. Sie trug ein weißes Tank-Top und ein paar hellblaue Shorts, die extrem viel Haut zeigten. Seine Augen wanderte so unweigerlich über ihre schlanken, leicht gebräunten Beine, den flachen Bauch zu den wohlgeformten, kleinen Brüsten, die sich nur zu deutlich auf dem engen Top abzeichneten. Merlin, hör auf, sie so anzustarren!, schrie er sich an und fand letztlich den Weg zu ihrem Gesicht, welches ihn nachdenklich musterte. Scheiße, hatte sie seinen Blick bemerkt? Das wäre mehr als kontraproduktiv, weshalb er ein „Entschuldige“ hervor nuschelte, was sie fragend die Augenbrauen kraus ziehen ließ.
„Weswegen?“ „Uhm. . . Das ich dich geweckt hab“, meinte er ausweichend, da es ihr wohl doch nicht aufgefallen war. Zum Glück. Hermione sah ihn daraufhin kurz verwundert an, bevor sich ein aufmunterndes Lächeln auf ihre Lippen stahl.
„Ich hab noch nicht geschlafen. Ich wollte gerade ins Bett und dachte mir, ich seh nochmal nach dir. War offensichtlich auch gut so“, murmelte sie ihren letzten Satz recht nachdenklich und ließ den Blick erneut verstärkt über seine blasse Erscheinung wandern.
Seine Züge erschienen ihr fast grau, während unter seinen Augen auch weiter die dunklen Ringe lagen. Das Shirt war inzwischen restlos verschwitzt und klebte auf seiner schmalen, zitternden Brust.
Auf den Anblick stand sie auf und verschwand kurz im Zimmer ihrer Eltern, wo sie im Schrank nach einem T-Shirt ihres Vaters wühlte, mit dem sie zurückkam und es ihm reichte.
„Vielleicht ziehst du das Nasse besser aus“, meinte sie fürsorglich, da er nach wie vor zitterte. Er kam ihrem Vorschlag dann auch gleich nach, sodass Hermione nochmal einen deutlichen Blick auf seine Gestalt werfen konnte. Daniel hatte ihm wirklich den kompletten Oberkörper verbunden. Die weißen Verbände schimmerten teilweise allerdings aufs Neue blutig. Bei seinem Gewühle war das aber kein Wunder. Schließlich legte sie ihm die Hand behutsam auf Wange und Stirn, um sich das Offensichtliche zu bestätigen.
„Hast du Schmerzen?“ „Was?“ „Hast du Schmerzen?“, wiederholte sie ernst, worauf er schwieg, ehe er leise „Geht schon“ murmelte, was Hermione knurren ließ. Kurz darauf verschwand sie ein weiteres Mal. Diesmal, um Daniels Tasche zu holen, in der sie wühlte, was sich Draco verwundert besah. Am Ende hatte sie zwei Tränke gefunden, die sie ihm reichte.
„Daniel meinte, sie sind recht stark. Also nimm sie“, maß sie ihn streng, dem er widerstandslos gehorchte. Er war viel zu erschöpft, um mit ihr zu diskutieren, zumal er es auch nicht wollte. Irgendwo in sich war er einfach nur furchtbar dankbar und froh darüber, dass sie sich auch weiter um ihn bemühte. Dass sie ihm helfen wollte. Richtig helfen. Dieser Aspekt allein baute ihn bereits unwahrscheinlich auf.
Am Ende ließ er sich in einem müde gemurmelten „Danke“ in sein Kissen fallen, rollte sich zusammen und zog sich die Decke bis zu den Ohren hoch. Keine Minute später hatten die Tränke ihre volle Wirkung entfaltet und ihn in einen tiefen Schlaf geschickt. Hermione blieb allerdings noch eine ganze Weile still bei ihm sitzen und musterte ihn nachdenklich.
Es war nur zu offensichtlich, dass er mit den vergangenen Ereignissen, und den damit entstandenen Dämonen, zu kämpfen hatte. Ihr ging es ja nicht anders. Auch sie quälte sich noch immer mit allem, was war. Mit all den dunklen Geistern des Krieges. Seine erschienen ihr jedoch noch dunkler.
Da waren nicht nur zwei oder drei, wie bei ihr, sondern Aberdutzende. Die Geschehnisse aus Azkaban, die Death Eater. . .
Er würde er sicherlich noch eine ganze Weile damit zu kämpfen haben. Etwas, wobei sie ihm helfen würde und so vielleicht auch sich selbst etwas helfen konnte. Mit diesen Gedanken verschwand sie ins Bett.
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Zum Ende des ersten Aktes und Beginn des Zweiten, hier noch etwas, aus der wundervollen Feder vonCaptBexx. :)